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Lhoss in geledh mellin ~ Flüstern der goldenen Bäume

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20 Kapitel - 56.899 Wörter - Erstellt von: Amaraen - Aktualisiert am: 2015-07-16 - Entwickelt am: - 2.357 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt

Die Elbin Mîlaear lebte im schönen Lothlórien. Auch noch mit sechzehnhundert Jahren versuchte sie wie ein Kind die Wunder ihrer Heimat zu entdecken. Seit vielen Jahren wurde sie regelmäßig von einem alten Freund zum Essen eingeladen. An einem dieser gewöhnlichen Tage vergass sie jedoch die Zeit und verließt ihren liebsten Platz vorschnell. Sie vergaß einen für sich großen Schatz und er war verschwunden als sie noch am selben Abend zurückkehrte, stattdessen lag dort eine seltsame Nachricht...(HaldirxOC)

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I doron beleg ~ Die große Eiche

12. Oktober 2851 drittes Zeitalter, Lothlórien
Goldener Schein legte sich über ihre weiße Haut, als ein dünner Lichtstrahl durch das Blätterdach brach, und sich die Wärme der Mittagssonne auf ihrer Hand ausbreitete. Vergnügt sah sie dem Lichtspiel zu, dass auf ihrer Haut eine Bühne fand, wenn sie den Arm bewegte und sich immer wieder neue Muster bildeten. Es war ein kleines Schauspiel, dass sie täglich erlebte, wenn sie auf der kühlen Steinbank saß und sich hinter ihr eine riesige Eiche aufbäumte, welche mit ihren sich bewegenden Blättern für das Theater sorgte und so die junge Elbenfrau, die sich an sie lehnte, unterhielt. Sie sah in den kleinen Figuren mehr als nur den Schatten vieler einzelner Blätter, die zusammen harmonierten. Kleine Frauen tanzten wild durch die Gegend, während ihre Kleider ineinander verliefen, sich wieder trennten und erneut um sie herum wehten, wie ein kühler Hauch der ersten Frühlingsbrise, der über die hohen Gebirgszüge des Nebelgebirges fegt und den goldenen Schein der Bäume zu einem leisen Lied anstimmt.
Bevor sie weiterhin vom Zauber der Natur gefangen gehalten wurde, wendete sie den Blick ab und senkte ihn wieder auf das geöffnete Buch auf ihren Beinen. Vom aufgekommen Wind wehten die Seiten umher und das Gedicht, dass sie gerade geschrieben hatte, verschwand hinter Liedtexten, kleinen Geschichten und Zeichnungen aller Art. Ihr Lesezeichen, eine getrocknete Blume mit blauen Blüten, war bereits davon geweht und flog fröhlich tanzend davon, getragen von der leichten Herbstbrise, die durch den gesamten Wald fegte und Blätter von den zarten Ästen riss. Wie aggressive Schlangen schlug der Wind ihr ihre langen Haare ins Gesicht und immer wieder wurde ihre Sicht durch die silbernen Strähnen verschleiert. Fast schon zärtlich strich sie diese hinter die spitzen Ohren.
Nachdem der Wind sich gelegt hatte, blätterte sie vorsichtig in dem lederbeschlagenem Buch und suchte nach der letzten beschriebenen Seite, auf der sie ihr unfertiges Gedicht wiederfinden wollte; dabei fand sie alte Arbeiten, überflog sie kurz, fügte Zeichnungen noch etwas hinzu und erinnerte sich an die vielen Tage, in denen sie auf dieser Bank saß und in vollkommener Einsamkeit und Ruhe ihre Werke hervorbrachte. Seit dem Tode ihrer Mutter, der Elbin Arasel, kam sie täglich zu diesem Ort; seit bereits sechshundertdreizehn Jahren, zweitausendvierhundertzweiundfünfzig Jahreszeiten und siebzehn beschriebenen Bänden. Sie stoppte ihre Bewegungen und sah auf das gefundene Gedicht, welches bisher aus drei Strophen bestand und somit noch unvollständig war, so wie sie selbst es war. Zu jung, um weise zu sein und zu alt, um noch als Kind bezeichnet zu werden.
Sie war, wie viele andere Elben in ihrem Alter, eine heranwachsende Blüte, die auf den richtigen Moment wartete, um mit ihrer Pracht die anderen Blumen zu überstrahlen. Doch gab es viele begabte Elben, so begabt, dass sie auch unter ihrem Volk hoch angesehen wurden. Jedoch war es nie ihr Ziel gewesen zu einer dieser hochangesehen Elben zu gehören, ihr einziges Ziel war es, die Schönheit in der Welt zu finden, auch wenn sie noch so verborgen lag und sie sonst niemand sah, so wollte sie deren Finder sein. Jeden Baum in Lothlórien liebte sie innig, aber so erging es ihrem gesamten Volk. Sie liebte die kleinen Dinge, die so unbedeutend erschienen, dass man sie suchen musste.
Ein Beispiel dafür war der kleine rote Käfer auf ihrem Handrücken, der mit schimmerndem Panzer auf ihrer hellen Haut krabbelte, gelegentlich seine Flügel auf spann und die Wärme der goldenen Lichtstrahlen genoss, während die kleinen zarten Flügel je nach Lichteinfall durchsichtig oder silbrig erschienen. Seine kleinen Beine kitzelten auf ihrer Hand und entrangen ihr ein leises Kichern, das heller Klang als goldene Glocken und die Vögel um sie herum zum Singen anstimmte.

In diesem Moment hörte sie das leise Rauschen von Stoff, der über den Waldboden glitt. Eine klare und weiche Männerstimme rief ihren Namen.
»Mîlaear, wo bist du? « Aus dem Wald trat ein junger dunkelhaariger Elb, in seinem langen Haar hingen einige Zweige, ein Beweis für seine kleine Wanderung durch den Wald. Lachend stand die Elbenmaid auf und entfernte die Zweige. Tain war sein Name, bereits als Kind hatte er sich in die Welt der Bücher geflüchtet und nun war er einer der Bibliothekare in der großen Bibliothek Lothlóriens. Als junges Mädchen musste Mîlaear mit zu den Besuchen, die ihre Großmutter seinen Eltern abgestattet hatte, doch sie mochte seine staubige Welt nicht. Das Lesen machte ihr große Freuden, doch nie wollte sie die erdrückende Stille um sich ertragen müssen, denn zu sehr liebte sie die Vogelstimmen und den zarten Wind auf ihrer Haut.
» Was könnte so wichtig sein, dass du so… gründlich nach mir gesucht hast und nicht auf meine Widerkehr warten konntest? «
» Meine Mutter hat dich und auch deine Großmutter zum Abendessen eingeladen. « Es war erst ein junger Tag, die Sonne stand noch nicht lang am blauen Himmel.
» Gern nehme ich die Einladung an, ich werde pünktlich sein. « Sobald die golden glühende Sonne die Erde küsste, saßen die Elben mit ihrer Familie, mit Freunden oder mit Gästen beim Essen, bis der Mond und die Sterne den Himmel erobert hatten und die Stimmen der singenden Elben durch den Wald hallten, angeheitert durch den lieblichen Wein.
» Das sagst du jedes Mal und dann bist du doch zu spät, weil du dich von einem Gedicht nicht lösen konntest. «
» Und doch erhalte ich weiterhin Einladungen. « Kopfschüttelnd, aber lächelnd, verließ Tain die Lichtung und überließ seine Kindheitsfreundin wieder sich selbst. Mîlaear, nicht ganz so allein, setzte sich wieder auf die Bank und griff nach ihrem Buch, auf dem nun der kleine Käfer saß. Sacht hauchte sie über den Einband, dies nutzte der Sechsbeiner aus, um seine Flügel auszubreiten und summend im Wald zu verschwinden.

Und so wanderte die Sonne eilig am Horizont entlang, die junge Elbin vergaß, wie vorhergesagt, die Zeit. Am Abend schrak sie dann auf und lief mit hochgerafftem Rock den dünnen Waldpfad entlang. Erschrockene Eichhörnchen kletterten hastig an Baumen empor. Nach nur wenigen Minuten sah sie die ersten Fletts zwischen den Ästen und erreichte bald darauf das kleine Haus von Tains Eltern, das auf einem mittelgroßen Flett stand. Ihre Großmutter, Ancalima, stand bereits in der Tür.
» Hatte ich dir nicht beigebracht pünktlich zu sein? «, schallte ihre Stimme herüber.
Die Elbin gehörte zu den Elben, die mit Schiffen nach Mittelerde kamen, sie war neben Galadriel, ihrer Tante, eine der ältesten Elben in Lothlórien und Mîlaear hatte in den letzten eintausend Jahren genügend Respekt vor ihr gesammelt.
» Verzeiht. « Beschämt ließ sie den Kopf sinken.
» Ich sollte mich daran gewöhnt haben. « Ancalimas Stimme war nun sanfter und sie machte Platz für ihre Enkelin, die nun wieder lächelnd eintrat und ihre Gastgeber begrüßte. Tain sah sie amüsiert und zugleich hochnäsig an; den Kopf leicht gehoben, auf den Lippen ein dünnes Lächeln, der Blick starr auf sie gerichtet. Stumm setzte sie sich und beachtete den Braunhaarigen neben sich nicht, der „ich wusste es doch“ vor sich her murmelte.
Das Essen verlief so, wie es immer verlief. Mîlaears Großmutter und Tains Eltern, der angesehene Krieger und Wächter Saethec und seine schöne Gemahlin Ariadh, tauschten Neuigkeiten aus, die sich in ganz Mittelerde zu trugen, während Tain selbst die Informationen aufsog und gebannt zuhörte, vor allem dann wenn Ancalima sprach, die aufgrund ihrer Verwandtschaft zu Galadriel immer die spannendsten Begebenheiten erfuhr, aber natürlich gab sie dabei nur kleine Details weiter, um das Vertrauen ihrer Tante nicht zu missbrauchen. Die beiden hatten ein gutes Verhältnis, so wie es bei einer Familie der Elben üblich war, doch der Tod Finrods, Ancalimas Vater und Galadriels Bruder, hatte die beiden noch näher gebracht und so war es wenig verwunderlich, dass Ancalima sie niemals Tante nannte, sondern stets als ihre große Schwester sah.
Nur Mîlaear selbst schien die Unterhaltung nicht zu interessieren, denn sie sah träumend aus dem Fenster und beobachtete ein halbes Dutzend Glühwürmchen. Die Natur war ihr eine der schönsten Musen, gefolgt von Büchern, in denen die phantastischsten Geschichten festgehalten wurden. Und nun, Saethec berichtete soeben von einem kleinen Trupp Orks, der im Schutze der Nacht vor ihren Grenzen unterwegs war und so ausgelöscht wurde, bemerkte sie, dass ihr eigenes Buch mit wundervollen Geschichten, Gedichten und Liedern noch bei der großen Eiche lag. In der Eile hatte sie es einfach dort liegen gelassen.
Hektisch stand sie auf, nur noch „Verzeihung“ rufend und rannte zurück in die dunklen Tiefen des Waldes. Nicht nur ihre Elbenaugen verdankte sie ihr sicheres Vorrankommen, sondern auch ihrem Wissen und Gedächtnis, die jede Erhebung, jede Kuhle und jeden Baum und Baumstamm kannten, der sich auf ihrem Weg befand. Es gab viele Elben, die ihre Nächte im Wald verbrachten, doch waren dies Personen, die ihre Jugendzeit schon seit vielen Jahrhunderten hinter sich hatten. Viele junge Elben gaben sich lieber anderen Dingen hin, schnell Vergängliches zog sie meist stärker an, als den zeitlosen Wald. Und nun rannte eine dieser Ausnahmen durch das Dickicht, auf der Suche nach ihrem Buch.
Auf sich selbst war sie wütend geworden, sobald sie ihren Verlust bemerkt hatte, denn dies waren ihre eigenen und geheimen Aufzeichnungen, keine Augen, außer ihren eigenen, hatten je diese Bücher gesehen. Es musste nur ein Elb durch diesen Wald laufen, der genauso wie sie öfters einmal die Zeit vergaß und an der steinernen Bank entlang laufen.

Schlitternd kam sie zum Stehen. Das Buch war nicht mehr da.

» Mîlaear. « Im Mondlicht stand ihre Großmutter und beobachtete sie. » Wir müssen reden. « Ihre Stimme war zu sanft und leise, um wahrlich wütend auf ihre Enkelin zu sein, doch diese war nun gedanklich bei ihrem Buch und setzte sich seufzend auf die Bank, dachte nun nur kurz daran, dass sie sich nun rechtfertigen müsste und es hätte wissen sollen, doch sie wollte nur ihr Eigen retten.
» Du hattest es sicherlich nicht gehört. Dein Kopf ist gefüllt mit ungehörten Liedern und Geschichten. « Sie hielt inne und fuhr dann mit noch sanfterer Stimme fort. » Ich werde in den Westen ziehen. « Nun wäre es Mîlaear lieber gewesen, wenn man sie angeschrien hätte. Ancalima hob gebieterisch die Hand, als ihre Enkelin den Mund öffnen wollte.
» Ich habe es mir sehr lang überlegt und nichts, was du sagst kann diesen Entschluss ändern. « Betrübt sah Mîlaear auf. So wie der Mond schien, fand sie, dass ihre Großmutter wie Galadriel aussah, nur weniger mächtig. Sie kniete sich auf den Boden und ergriff die Hände ihrer Enkelin. Sie waren warm, weich und fühlten sich genauso an wie vor über siebzehnhundert Jahren, als Mîlaear noch auf ihrem Schoss saß und sie ihrer Stimme lauschte, die ein altes Lied angestimmt hatte.
» Du bist eine erwachsene Frau, ich habe dir viel beigebracht, doch die Erfahrungen und Erinnerungen musst du selbst schaffen. «
Mîlaear senkte den Kopf und die Hände um ihre eigenen verschwanden. Sie war allein. Ihr geliebter Wald erschien nun kalt und trostlos, selbst die große Eiche, eine Wächterin des Waldes, sah auf sie hinab.
Nach ungezählten Stunden ging sie nach Hause.

Kommentare (6)

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Amaraen (14915)
vor 729 Tagen
Da es sich hier erst lohnt eine Geschichte hochzuladen, wenn sie beendet ist, möchte ich euch auf meinen Account bei Fanfiktion hinweisen, wo ich meine Geschichten regelmässig hochlade.

http://www.fanfiktion.de/u/Amaraen
*Leerzeichen entfernen*
Amaraen (68446)
vor 783 Tagen
Info: Die neue Geschichte ist dabei geschrieben zu werden:
Titel: Hîthraid ~ Nebelpfad
Schauplatz: Grünwald(später Düsterwald)
Viel Romantik, mehr Spannung, mehr Geheimnisse :)
Tinuviel Ithildraug (68775)
vor 822 Tagen
Deine Geschichte ist Wahnsinn. Du hast alles sehr gut durchdacht und dein Ausdruck sehr "elbisch". Eine der schönsten Liebesgeschichten die ich je gelesen habe. Das du dich erst kurz vorm Schreiben so intensiv mit Arda beschäftigt hast, kann ich kaum glauben. Du hast dich auch an eine sehr "schwierige" Familie rangewagt, da Tolkien selbst Amroths Abstammung nie eindeutig geklärt hat. Einmal ist er der Sohn Amdirs, ein anderes Mal das Kind Galadriels und Celeborns. Du hast das ein bisschen umgestaltet und einfach für dich selbst festgelegt, was ich, ehrlich gesagt, mich nicht gewagt hätte. Hat mir aber sehr gut gefallen. Deine Gedichte sind wunderschön und alles in allem ist die Geschichte sehr professionell. Ich hoffe, dass ich irgendwann mal wieder eine Geschichte aus deiner Feder lesen kann. Es war ein wahrer Genuss und hat mich für eine, wenn auch viel zu kurze Zeit, unter Loriens Bäumen wandeln lassen.
Namarië, Tinuviel Ithildraug
Vrenli (78814)
vor 823 Tagen
Ich war vollkommen in einer anderen Welt und war zuerst etwas verwirrt als die Geschichte nicht weiter ging...

Wunderschön geschrieben mit sehr viel Liebe und großem Talent
Amaraen (34676)
vor 823 Tagen
@ jackii, es gefiel mir einfach nicht, die Kapitel zusammenhangslos hochzuladen, da war mir alles auf einmal einfach lieber ^^ Und so müsst ihr euch auch nicht 💗 und dämlich suchen, wenn ihr weiterlesen wollt.
Es freut mich sehr, dass dir die Geschichte so gut gefällt und hoffentlich lese ich bald mehr von dir, immerhin hast du noch so einiges vor dir ;)

LG
Amaraen♥
jackii (30039)
vor 824 Tagen
Oh wow das ist echt eine Menge aufeinmal zu lesen :D alsooo ich habe jetzt die ersten zwei Kapitel durch und war von dem ersten Satz an verzaubert *.* Das ist echt der Hammer ich liebe deinen Schreibstil und besonders deine Ausdrucksweise :) Die Geschichte liest sich als würde man träumen, das ist echt richtig cool ^^ Lg