Erynneth - Eine Legende aus den Zeiten des Ringkriegs (1)

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2 Kapitel - 2.450 Wörter - Erstellt von: Louna - Aktualisiert am: 2015-07-06 - Entwickelt am: - 1.394 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

Erynneth wird sich den Gefährten anschließen. Allerdings hat sie andere Gründe dafür, als man vermuten könnte. Aber seht selbst.

1
Wie jeden Morgen ging ich die wenigen Meter von meiner schlichten Hütte zur Quelle, um mich zu waschen. Die Sonne schickte bereits ihre ersten, schwachen Strahlen über die Ebene und versprach einen warmen Tag. Jetzt fröstelte ich allerdings noch. Es wurde bald Herbst. Ich merkte es an den längeren Nächten, der klaren Luft und dem Raureif, der hier im Norden schon im späten Sommer des Nachts die Ebene bedeckte. Auf den Gipfeln der Ered Luin lag bereits Schnee.
Ich tauchte meine Hände in das eisige Wasser und wusch mir das Gesicht. Ich war jetzt 21 Winter alt, seit drei Jahren lebte ich schon alleine, ohne dass ich die grausamen Menschen und die überfüllten Städte vermisste.
Ich beugte mich noch weiter vor, um mein verschwommenes Spiegelbild zu sehen. Ich fand mich ganz hübsch, obwohl es ohne Zweifel viel schönere Frauen in Mittelerde gab. Meine dunkelbraunen Haare fielen mir struppig bis auf die Schultern, meine außergewöhnlichen grünen Augen blitzten herausfordernd und meine Lippen hatten einen spöttischen Zug. Meine Haut war gebräunt, da ich mich immer draußen aufhielt und mein Umhang hatte schon bessere Zeiten gesehen. Seufzend beschloss ich, mich vor Einbruch des Winters noch auf den langen Weg ins Auenland zu machen, um meine geschnitzten Kettenanhänger, Felle und hübsche Steine gegen Kleidung und Nahrungsmittel zu tauschen. Die Hobbits waren großzügige Gastgeber und oft bekam ich noch etwas dazugeschenkt. Trotzdem behagte es mir nicht, mich wieder unter Leute zu begeben. Nicht das ich Angst vor ihnen hätte. Auch nicht, weil ich nicht gerne redete. Aber bei all den schlimmen Dingen die ich getan hatte, verdiente ich es einfach nicht, freundlich angelächelt zu werden oder ein Geschenk zu bekommen. Ich war eine Mörderin.
All diese Gedanken trug ich hinter einer Maske aus Wagemut, Spott und Humor, doch sie waren mein wahres Ich. Niemand konnte das ändern.
Ich machte mich auf den Weg zurück zu meiner Hütte, als ich angespannt stehen blieb. Keine Vögel zwitscherten in der Nähe, das Feuer, das ich durch den Spalt in der Tür sehen konnte, war vorher nur mehr Glut gewesen. Vorsichtig schlich ich näher heran, immer darauf bedacht, im Schutz der Bäume zu bleiben. Da, Fußspuren. Jemand war in meiner Hütte. Aber wer und warum? Ich packte mein Messer und ging gemächlich hinüber zur Tür, ohne dass meine Wachsamkeit nachließ. Ich öffnete sie und trat ein. Vor der Feuerstelle stand eine große, schlanke Gestalt, ganz in schwarz gekleidet. „Entschuldigt, aber ich kann mich nicht daran erinnern, ein Gasthaus eröffnet zu haben, werter Herr!“, sagte ich laut, meinen Ärger verbergend. Die Gestalt fuhr zusammen, obwohl sie offensichtlich auf mein Eintreffen gewartet hatte. Sie drehte sich um und ich keuchte auf. Es war zweifellos der schönste Mann, den ich je gesehen hatte. Seine Haare waren kurz und schwarz, er hatte einen 3-Tage-Bart und war sehr muskulös, was ich sogar durch seine dunklen Lederkleider erkannte. Er schien nur wenig älter als ich. Sein Gesicht war von einer rauen, wilden Schönheit, doch was mich am meisten fesselte, waren seine Augen, die in einem dunklen Rot leuchteten. Nie in meinem Leben hatte ich so etwas gesehen. „Fräulein Erynneth?“ Oh Gott. Diese Stimme. Dann fiel mir wieder ein, dass ich einen Mund hatte. „Nur Erynneth. Ohne das `Fräulein‘. Wäre ich ein Fräulein, wäre ich nicht hier. Dürfte ich nun Euren Namen erfahren und mit welchem Anliegen Ihr mich in meine prachtvollen Palast aufsucht?“ Bei den letzten Worten wies ich mit einer gespielt majestätischer Bewegung auf das Bett mit den fadenscheinigen Decken und meinen klobigen Holztisch. Spöttisch lächelte ich ihn an, denn obwohl er hier in der Wildnis stand, verrieten sein tadelloser Umhang und die höflichen Umgangsformen, dass er ein reicher Mann war. Und hübsch war er zudem auch noch… Trotzig verbannte ich diesen Gedanken aus meinem Kopf.
„Ich bin Agarwaen, Führer der Assassinen, rechte Hand Saurons und bester Schwertkämpfer des dritten Zeitalters.“ Ich grinste. Sich selbst als der Beste zu bezeichnen brachte einen schneller in Schwierigkeiten, als einem lieb war. „Jetzt weiß ich, dass ich den tollsten Mann Mittelerdes vor mir haben, vielen Dank auch der bescheidenen Vorstellung. Gerne würde ich Euer Können einmal überprüfen!“, antwortete ich spöttisch. Agarwaen – pardon, der beste Schwertkämpfer des dritten Zeitalters! – zog prüfend die Augenbrauen hoch. „Das bringt uns zum Anliegen meines Besuches. Mein Herr und Gebieter Sauron sucht nach jemand mit ganz besonderem Geschick, der eine wichtige Aufgabe zu erfüllen hat. Natürlich steht Euch auch eine große Belohnung zu. Es sei denn, Ihr verfügt gar nicht über solches Geschick, wie mir zu Ohren gekommen ist.“ Jetzt war ich neugierig geworden, ließ es mir aber nicht anmerken. „Ihr habt also von mir gehört? Ich denke allerdings nicht, dass sich mein Geschick mit dem Euren messen kann, warum also nicht Ihr?“ Er lächelte. Bei manchen Menschen scheint es als würde die Sonne aufgehen, wenn sie lächeln. Doch als Agarwaen lächelte, entfachte er einen Sturm. Einen Sturm, der Freiheit und Abenteuer versprach.
Ich blinzelte. Agarwaen lächelte nicht mehr. „Ich bin zu bekannt bei unseren Feinden, Euch allerdings kennt niemand. Sauron wird Euch reicht belohnen, vertraut mir.“ Skeptisch schaute ich ihn an. „War Sauron nicht dieser gruselige Typ der alle freien Völker verknechten wollte und so einen Zauberring hatte?“ Agarwaen lachte. Es war ein offenes, ehrliches Lachen und ich musste zugeben, dass es mir gefiel.
„Ja, das war er, auf jeden Fall aus dem Blickwinkel des Westens. Doch er ist nicht böse. Man kann die Welt nicht in Gut und Böse einteilen, genauso wenig wie man sagen kann, dass alle Frauen ängstlich und schwach sind. Auch Sauron hat seine Gründe und er würde niemals Frauen oder Kindern schaden. Die Knechtschaft war eine Lüge, die die Herrscher der sogenannten freien Völker erfanden, damit auch ja alle tapfer mitkämpften. Ohne es zu wissen starben sie für die Machtgier von Menschenfürsten und Elben.“
Aus seiner Stimme sprach Verbitterung, die ich plötzlich ganz klar verstand. Woher sollten wir denn wissen, ob dass, was unsere Herrscher und Könige erzählten, auch stimmte? Das mit dem Gut und Böse stimmte ganz klar, auch ich hatte das schon vor langem erkannt. „Ich weiß aber immer noch nicht, was für mich dabei rausspringt und was ich überhaupt tun soll.“ Agarwaen erzählte mir von dem Einen Ring, wie wertvoll er war und dass er gefunden worden war. Noch sei er im Auenland, doch bald würde sein Träger sich auf den Weg nach Bruchtal machen. Eine Gruppe würde den Ring nach Gondor bringen, dem Truchsess, der ihn einsetzen würde, um alle Länder in eine zweite Dunkelheit zu stürzen. Natürlich würde Elrond ihnen nicht die Wahrheit sagen, sondern dass sie nach Mordor gingen, um den Ring zu vernichten. Nur einer in der Gruppe würde Bescheid wissen, der sie dann überreden solle, einen Umweg über Gondor zu machen. Von wo sie nie wiederkehren würden.
Mein Magen zog sich zusammen, als ich an den unschuldigen Hobbit dachte, der dort dann hinterrücks ermordet werden würde. „Was muss ich tun?“, fragte ich entschlossen. „Wir brauchen jemanden, der sich freiwillig meldet, diese Gruppe zu begleiten. Dieser jemand seid Ihr, wenn Ihr den Anforderungen Saurons entsprecht. Sobald Ihr in der Nähe Mordors seid, nehmt Ihr den Ring an Euch und bringt ihn zu Sauron. Dann werdet Ihr Eure Belohnung erhalten.“ Mittlerweile war ich davon überzeugt, dass Sauron gar nicht so böse war, wie alle behaupteten. „Und was ist jetzt die Belohnung? Gold brauche ich nicht und zum Leben habe ich genug.“ Dieser Satz entsprach auch der Wahrheit. Gold hatte längst keinen Wert mehr für mich und Nahrung stellte mir die Natur zur Verfügung. „Ihr werdet einen Wunsch frei haben bei dem mächtigsten Mann Mittelerdes, dass sollte genug sein, um Euch zu überzeugen. Man weiß nie, für was man ihn einmal brauchen sollte. Und wenn nicht, so habt Ihr immerhin dazu beigetragen, Mittelerde zu retten.“ Ich nickte langsam. Er hatte mich überzeugt. Außerdem wurde mir mein Leben langsam zu langweilig. Es wurde Zeit, dass ich meinen Kampfgeist wieder auspackte, der irgendwo ganz hinten in meinem Kopf schlief.
„Nun denn, ich bin dabei, Herr Agarwaen. Werdet Ihr mich ein Stück des Weges begleiten, wenn ich gen Osten ziehe?“ Ich würde mich wirklich freuen, wenn der mysteriöse Fremde mich begleiten würde. Ich würde sehr gerne mehr über ihn erfahren.
„Nicht so schnell, kleine Waldläuferin. Zuerst muss ich noch Eure Fähigkeiten überprüfen.“ Genervt verdrehte ich die Augen. „Aber im Schwertkampf kann ich mit Euch sicherlich nicht mithalten, wo Ihr doch der Beste seid.“, erwiderte ich spöttisch. „und sehr viel kleiner als Ihr es seid bin ich auch nicht.“ Er lachte nur. Dann bedeutete er mir, ihm aus der Hütte zu folgen. Ich schnappte meinen Bogen und die Pfeile, steckte mein Messer in den Gürtel und nahm den Eichenstab in die Hand. Auf der kleinen Lichtung stand Agarwaen. „Ich werde Euch jetzt aufzählen, welche Fähigkeiten erforderlich sind. Ihr werdet nicken oder den Kopf schütteln, nachher werde ich alles überprüfen.“ Ich nickte neugierig, in meinem Bauch kribbelte es nervös.
„Erstens müsst mir mit mindestens drei verschiedenen Waffen perfekt umgehen können.“ Ich nickte. „Zweitens müsst ihr Euch unbemerkt bewegen und anschleichen können.“ Wieder nickte ich. Mir fiel auf, dass Agarwaen einen schwarzen Ring mit einem roten Stein trug. Sah ziemlich wertvoll aus. „Drittens solltet Ihr ein guter Spurenleser sein und auch darin geübt sein, keine Spuren hinterlassen.“ Bis jetzt war alles ganz einfach. „Viertens dürft Ihr niemanden in Bruchtal oder Minas Tirith persönlich kennen.“ Ich überlegte kurz, dann nickte ich. Meine Eltern waren tot. „Fünftens müsst Ihr reiten können.“ Vielsagend zog ich eine Augenbraue hoch und nickte. Agarwaen grinste. „Sechstens müsst Ihr Euch in der Wildnis zurechtfinden, klettern können und Euch selbst ernähren. Dass brauche ich Euch gar nicht mehr zu fragen.“ Ich lächelte stolz. „Und siebtens und letztens müsst Ihr ein gewisses Maß an Schmerz aushalten können, denn wir können nicht riskieren, dass Ihr im Falle der Gefangennahme und Folter etwas verratet.“ Ich schluckte schwer. Das hörte sich gruselig an. Aber ich hatte schon genug Verletzungen davongetragen, um zu wissen, dass ich auf jeden Fall etwas aushalten würde. Zögernd nickte ich. Agarwaen lächelte zufrieden und zog sein Schwert.
Ohne darauf zu achten, ob ich ihn überhaupt ansah, griff er mich an. Zwar nur mit der Breitseite – er wollte mich also nicht wirklich verletzen – trotzdem war ich im ersten Moment komplett erschrocken. Doch dann, nachdem ich einen Schlag mit der Breitseite abgekriegt hatte – was auch ziemlich weh tat, aber ich ignorierte es – lies ich Bogen und Pfeile fallen und hob meinen Eichenstab. Damit wehrte ich geschickt alle folgenden Schläge ab und bekam Agarwaens Schwert nicht mehr zu spüren. Er allerdings auch nicht meinen Stab. Dann geschah es: Er täuschte an und ich wollte abblocken, da hatte er mir auch schon den Stab aus der Hand gerissen und mich zu Boden geworfen. Nur leicht keuchend hielt er mir die Schwertspitze an die Kehle. „Ihr habt verloren, meine Dame“, sagte er grinsend. Ich lachte. „Ihr täuscht Euch, mein Herr. Legt Euer Schwert nieder oder Ihr werdet den Rest Eures Lebens im Knabenchor singen“ Sein Blick glitt ungläubig an seinem Körper hinunter, wo mein Dolch an seinem Schritt ruhte. Da fing Agarwaen zu lachen und legte sein Schwert zur Seite. „Mädchen, Du gefällst mir immer besser. Ich möchte Dich lieber nicht zum Feind haben.“ Erfreut bemerkte ich, dass er zum Du gewechselt hatte. Ich lachte mit ihm.
Den Tag über zeigte ich ihm noch, wie gut ich klettere, Bogen schießen, Messer werfen, anschleichen und Spuren lesen ich konnte. Agarwaen war äußerst zufrieden. Auch meine spöttischen Bemerkungen und rebellischen Äußerungen gefielen ihm. Ich dagegen mochte sein Geschick und seinen Humor. Und seine roten Augen faszinierten mich.
Abends saßen wir in meiner kleinen Hütte am Tisch und ich servierte ihm Wildeintopf und Wurzeln (welche ihm nicht ganz geheuer waren). Nachher fragte ich ihn, ob ich jetzt den Auftrag hatte oder nicht. Noch nicht ganz, aber ich sei knapp davor, sagte er. Er stand auf, ich ebenfalls. Ich fragte mich, was er jetzt noch vorhatte, da schlug er mir ins Gesicht. Sein Ring, der mir vorher aufgefallen war, riss die Haut an meiner Wange auf und kurz drehte sich alles. Der Schmerz explodierte wie Feuer und ich sah Agarwaen ungläubig an. „Bist du verrückt geworden? Du behindertes Ars#hloch, schleich dich sofort aus meiner Hütte raus!“, brüllte ich ihn außer mir vor Wut an. Es folgten noch ein paar Flüche und Beleidigungen. Und dann verstand ich die Welt nicht mehr. Agarwaen lächelte, zog ein Taschentuch hervor und wischte mir das Blut aus dem Gesicht. „Du hast die letzte Prüfung bestanden, Erynneth“, sagte er freundlich. Jetzt verstand ich und meine Wut verrauchte. Und dann beugte er sich vor und küsste mich auf den Mund. Der Kuss schmeckte nach Blut und Freiheit und ich war glücklich. Einfach glücklich, wie seit langem nicht mehr.
Wir lösten uns voneinander. „Wir sollten noch heute aufbrechen, meine tapfere Waldläuferin.“ Ich nickte.
Hätte ich mich doch an diesem Tag anders entschieden.

Kommentare Seite 1 von 1
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LadyFa ( 81503 )
Abgeschickt vor 446 Tagen
Du musst auf jeden fall weiter schreiben
Legolanto :) ( 76129 )
Abgeschickt vor 488 Tagen
Schreib bitte weiter😃freue mich
schon auf die Fortsetzung 😎
Selina66 ( 86264 )
Abgeschickt vor 592 Tagen
Coole Fortsetzung❤️❤️❤️
Louna ( 16971 )
Abgeschickt vor 601 Tagen
@Dark Dragon
Mit dem Holzstab hast du mich überzeugt, ich bin jetzt nach längerer Pause wieder am Weiterschreiben :D
Dark Dragon ( 99039 )
Abgeschickt vor 618 Tagen
Wenn du nicht weiter schreibst, töte ich dich mit Erynneths Holzstab.
Annabeth ( 88622 )
Abgeschickt vor 668 Tagen
Echt coole Geschichte, schreib bitte weiter ;-)
jackii ( 37992 )
Abgeschickt vor 688 Tagen
Hört sich echt gut an, bin gespannt wies weitergeht :3 Lg