Optimismus ist kein Realismus

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1 Kapitel - 1.299 Wörter - Erstellt von: Lady_Siren - Aktualisiert am: 2015-06-25 - Entwickelt am: - 709 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt

Hier mal eine eigene Geschichte.
Es geht lediglich um ein Mädchen, das anscheinend alles durch eine rosarote Brille sieht.

    1
    Ein unsagbar nerviges, schrilles Klingel riss mich aus meinem Schlaf. Auch wenn mein Bett warm und gemütlich war, musste ich aufstehen.
    Wer früh aufsteht, kann aus seinem Tag viel herausholen.
    Also hieß es jetzt Aufstehen, fertig machen und freuen, weil die ersten Sonnenstrahlen einen wunderschönen Morgen versprachen.
    Und nur weil Wochenende war, brauchte ich noch lange nicht den ganzen Tag im Bett verbringen.
    Wer würde das schon tun? Bei so einem herrlichen Wetter.
    Die frische Morgenluft, das aufgeregte Zwitschern der Vögel und der liebliche Duft einiger Sommerblumen trieben mir ein Lächeln ins Gesicht.
    „Auf geht’s, Jana!“, motivierte ich mich selbst.
    Meine Laune konnte mir keiner vermiesen.
    Außerdem hatten meine Freunde und ich eine kleine Unternehmung geplant. Eine schöne, große Fahrradtour.
    Und wenn wir so ein tolles Wetter nicht ausnützen würden, wären wir selber schuld.
    Den ganzen Tag im Zimmer hocken und nichts tun können wir machen, sobald wir alt waren.

    Zur vereinbarten Zeit, am vereinbarten Ort wartete ich auf die anderen. Sie wussten, dass ich ungern wartete, und ließen sich dennoch Zeit.
    Wahrscheinlich wollten sie mich genau aus diesem Grund hier zappeln lassen.
    Plötzlich klingelte mein Handy.
    Ob eine wohl einen Platten hatte und deswegen zu spät kam?
    „Hey, was gibt es?“, singsang ich ins Handy.
    „Hi. Muss mich entschuldigen. Gestern hat mein Freund angerufen und für heute auf ein Date eingeladen.“
    „Aber unsere Tour stand schon länger fest.“
    „Tut mir auch Leid, aber ich muss jetzt auflegen. Er wartet nämlich schon auf mich. Also Ciao.“
    Und mit diesen Worten legte sie auf.
    Zwar war es unverschämt von ihr und sie hätte früher anrufen können, aber vielleicht benimmt man sich so, wenn man in einer Beziehung ist. Keine Ahnung.
    Außerdem würde es noch genügend weitere Gelegenheiten geben, wenn wir wieder etwas unternehmen wollten.
    Als ich mein Handy wieder in die Tasche steckte, kamen auch schon die anderen beiden Mädels Nicole und Antonia. Zu dritt konnten wir auch Spaß haben.
    „Gut, dass ihr zwei lahmen Enten auch mal kommt “, scherzte ich. „Unsere Madame „Ich habe einen Freund.“ kommt nicht mehr. Also fahren wir gleich los!“

    Unsere Tour sah so aus:
    Erst einmal den Radweg lang, Berg hoch, Berg im Affentempo wieder runter, dann ein wenig durch den Wald, zum Schluss zurück und zur Eisdiele.
    Besser konnte die Tour nicht werden.
    Während wir durch den Wald fuhren, blies mir eine angenehme Brise ins Gesicht und trug mir den Geruch von Sommer in die Nase.
    Über uns schillerte das Sonnenlicht durch die Baumkronen und funkelte silbern, wenn man seinen Blick nach oben richtete.
    „Achte lieber auf den Weg, bevor du noch einen Unfall baust “, warnte mich Nicole, die zu mir aufgeholt hatte.
    „Keine Sorge. Mir passiert schon nichts.“
    „Ich will dann aber kein Gejammer hören, wenn du dir trotzdem weh tust.“
    „Okay, versprochen.“
    „Wie kommt es eigentlich, dass du bei jedem Ausflug strahlst wie ein Honigkuchenpferd?“, rief Antonia, unsere Dritte im Bunde. „Dabei ist es doch nur Fahrradfahren.“
    „Keine Ahnung. Ich freue mich einfach!“
    Doch als der Weg holpriger wurde, verlor ich mein Gleichgewicht sowie die Kontrolle über mein Rad. Mit einem überraschten Aufschrei landete ich in ein paar Sträuchern, die am Wegrand wuchsen, und spürte plötzlich einen brennenden Schmerz an meinem Arm.
    Bei genauerer Betrachtung entpuppte sich der Schmerz als eine schöne Schürfwunde am Unterarm.
    „Jana, alles in Ordnung!“, fragten meine Freundinnen panisch.
    „Ja, denke schon. Au! Hab' mir lediglich einen Kratzer zugezogen.“
    „Einen Kratzer? Du blutest!“, stellte Nicole fest. „Ich helfe dir mal auf. Hast du sonst irgendwelche Verletzungen?“
    Sie reichte mir ihre Hand und zog mich hoch.
    „Nein, es ist nur mein Arm.“
    Antonia holte ein kleines Erste-Hilfe-Set aus ihrer Tasche und Nicole säuberte sogleich die Wunde.
    „Ich habe dir doch gesagt, du sollst aufpassen.“
    „Hast du. Aber ich jammere nicht rum. Wie versprochen.“
    „Dabei hast du allen Grund dazu. Der Kratzer sieht übel aus “, kommentierte Antonia und reichte Nicole einen Verband.
    Sorgsam legte sie ihn straff um meine Verletzung und fixierte ihn mit einer kleinen Schleife.
    „Danke. Zumindest habe ich jetzt etwas zum Erzählen.“
    Auch wenn mein Arm noch weh tat, war ich irgendwie fröhlich.
    „Deine gute Laune wird langsam unheimlich “, scherzte Antonia. „Du verletzt dich und lächelst dennoch.“
    „Hey, was nicht tötet, härtet ab. Hinzu kommt, dass ich bei meiner Bruchlandung ein paar reife Walderdbeeren entdeckt habe. Und schaut doch mal nach oben.“
    Ich deutete mit dem Finger nach oben.
    „Was ist da bitte?“, hakte Nicole nach.
    „Na ein Regenbogenfragment in der Wolke.“
    Eine kleine Wolke, die sachte über uns hinweg zog, leuchtete wie ein Juwel in den Farben des Regenbogens.
    „Ein was?“
    „Ein Fragment eines Regenbogens, Antonia. Ab und zu sieht man sie, wenn die Sonne günstig steht.“
    „Was du immer alles findest...“

    Nach der Radtour verabschiedeten wir uns, fuhren heim und ich stellte mein Fahrrad, welches unbeschadet davonkam, in die Garage.
    Kaum war ich in meinem Zimmer am Computer, überprüfte ich sofort meine Nachrichten. Aber in meinem Postfach war nichts.
    Ich wartete schon seit Tagen auf eine Antwort von jemandem, weil ich mich unbedingt mit ihm treffen wollte. Mein guter Freund und ich hatten schon so lange nichts mehr gemeinsam unternommen. Und ich vermisste ihn einfach.
    Manchmal saß ich gefühlte Ewigkeiten vor dem Computer, starrte auf den flimmernden Monitor und wartete. In der Hoffnung, dass er endlich schreiben würde.
    Durch das Starren trockneten immer meine Augen aus und musste danach immer Augentropfen nehmen. Doch ich wollte einfach nicht glauben, dass er nicht antworten würde.
    Nachdem ich wieder keine Antwort von ihm bekam und es auch recht spät wurde, fuhr ich den Computer runter, machte mich Bett fein und ließ mich auf meine weiche Matratze fallen, wo ich dann mein Gesicht in den Kissen vergrub.
    Auf einmal bemerkte ich, wie Tränen meine Wangen entlang kullerten.
    Warum weinte ich plötzlich? Es war doch alles in Ordnung.
    Lag es an meiner Freundin, die mich versetzt hatte, weil ihr Freund wichtiger war? Daran, dass ich mich verletzt hatte? Oder dass mein Freund seit Tagen, Wochen nicht antwortete?
    Natürlich schmerzte es, dass ihr unsere Freundschaft nicht so wichtig war. Natürlich schmerzte mein Arm höllisch. Und natürlich schmerzte es, dass ein geliebter Mensch sich anscheinend gar nicht mehr für mich interessierte.
    Aber das passiert nun mal. Es ist völlig normal, dass Verliebte andere vergessen, dass man sich verletzt oder dass man keine Zeit für andere hat, weil man vielleicht jede Menge um die Ohren hat.
    Das gehört halt zum Leben.
    Aber warum heulte ich dann? Ich sollte fröhlich sein. Eben weil ich Freunde habe und mir Dinge durch Leben geschehen.
    Und trotzdem weinte ich mich in den Schlaf.

Kommentare Seite 1 von 1
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ich ( 41213 )
Abgeschickt vor 403 Tagen
Ich bin sprachlos. Richtug gut geschrieben. Einfach WAHNSINN!!!