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Draco Malfoy und die Eiskönigin

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1 Kapitel - 32.555 Wörter - Erstellt von: Lollipop - Aktualisiert am: 2017-05-31 - Entwickelt am: - 9.743 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt - 3 Personen gefällt es

Das ist ein Zwischending zwischen Harry Potter und Frozen. Es geht um eine Lovestory zwischen Saphira, der neuen Eiskönigin und Draco Malfoy, dem süßesten Jungen von ganz Hogwarts.

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    Ein schwacher Lichtschein vor meinen Augen weckte mich unsanft. Ich rappelte mich auf und sah einen älteren Mann vor mir stehen. „Wer sind Sie? Was wollen Sie?“, fragte ich unwirsch, da ich es nicht gewohnt war, besucht zu werden oder gar von meinem Besuch nachts geweckt zu werden. Ich hatte keine Familie oder Verwandten mehr, also schied diese Möglichkeit schon mal aus. „Ich? Nun, ich bin ein Professor. Albus Dumbledore, mein Name.“ Ich starrte ihn erstaunt an. Ich hatte gewusst, dass ich irgendwann nach Hogwarts käme, doch hatte ich nicht jetzt damit gerechnet. „Du siehst deiner Mutter ziemlich ähnlich, Saphira.“, meinte er nach einiger Zeit. Ich schwieg. Das gerade war vielleicht nicht der passendste Augenblick um über meine Mutter zu sprechen. Dumbledore seufzte und versuchte es erneut, diesmal ohne Umwege. „Hast Du dieselben Kräfte wie deine Mutter? Bist du die neue Eiskönigin?“ Ich sah ihm fest in die Augen und nickte schließlich. „Ja.“, sagte ich tonlos. Er rieb sich den Bart und nickte bedächtig. „Damit hatte ich schon gerechnet.“, murmelte er in seinen Bart hinein und meinte dann: „Du bist etwas ganz Besonderes und unsere einzige Hoffnung, ihn zu bezwingen. Der Prophezeiung nach musst du ihn töten. Da gibt es jedoch ein kleines Problem.“ Er senkte seine Stimme und beugte sich zu mir herunter. „Man kann Voldemort nicht einfach so töten. Nein, so einfach wollte er es uns damals nicht machen. Bevor du deine Aufgabe erfüllen kannst, wird ein anderer sein Schicksal erfüllen müssen. Tom Riddle hat damals Horkruxe angefertigt, Sieben an der Zahl, wenn auch den letzten eher ungewollt. Es gibt eine bestimmte Person, deren Aufgabe ist es, die besagten Horkruxe zu finden und zu töten. Dann, und erst dann, kannst du deiner Aufgabe nachkommen. Bis dahin musst du unauffällig und unentdeckt bleiben. Er darf niemals erfahren, dass du die Eiskönigin bist, geschweige denn, dass überhaupt eine existiert. Wenn du stirbst, waren alle Mühen umsonst. Hast du mich verstanden? Das bedeutet ein striktes Verbot deiner Eiskräfte!“ Ich nickte stumm. Ich war ja schon so nicht der gesprächigste Mensch auf Erden, doch das hatte mir nun glatt die Sprache verschlagen. „Gut. Des Weiteren…“ Ich fiel ihm ins Wort. „Einen Moment. Bevor ich mit nach Hogwarts komme, will ich noch eines abklären. Mein Hengst Tornado darf mitkommen.“ Durchdringend sah ich ihn an. „In Ordnung. Es dürfen aber nur wenige Personen auf dieser Welt von deinen Kräften erfahren. Ich, du, und alle die es bereits wissen, und außerdem Harry Potter.“ Ich hielt die Luft an. „Harry Potter, Sir?“ „Ja, Harry Potter. Er ist mit mir hier hergekommen, damit ihr euch gleich kennenlernt, denn eure Schicksale sind äußerst eng miteinander verknüpft. Er findet und zerstört die Horkruxe, du zerstörst Voldemort. Harry, komm doch bitte mal rein.“ Ich hatte das Gefühl, bisher noch gar nichts gesagt zu haben. Als ich auf die Uhr sah, hatte ich womöglich den Grund gefunden. Es war 3:57 Uhr und nun sollte ich gerade mein Leben bis ich siebzehn war planen! Es war Dumbledore, der mir gerade vorschrieb, was ich zu tun hatte für den Rest meines Lebens oder so ähnlich, also willigte ich in alles ein, egal, was er sagte. Ich wäre momentan sowieso nicht in der Lage, das zu überdenken. Noch während ich versuchte, zu verstehen, was Dumbledore mir gerade gesagt hatte, öffnete sich die Tür und ein Junge in meinem Alter trat ein. Er hatte dunkelbraune Haare, blaue Augen, eine große, runde Brille auf und machte auf mich einen eher jämmerlichen Eindruck. „Hi, ich bin Harry.“, meinte er und hielt mir die Hand hin. Zögerlich ergriff ich sie und meinte: „Saphira.“ Dumbledore nickte zufrieden und meinte dann: „Wir müssen eure Sachen noch einkaufen gehen! Hagrid wird das mit euch erledigen, während ich zurück nach Hogwarts gehe und alles vorbereite.“ Damit schob er mich hinaus und brachte mich und Harry hinaus auf die Straße. Dort wartete ein Hüne auf uns und meinte: „Hallo Harry! Und, wer ist das?“ „Das ist Saphira. Sie wird mit uns mitkommen.“, antwortete Harry und stellte sich zu Hagrid. „Hallo Saphira.“, sagte dieser daraufhin und ich trottete zu den beiden mit einem genervten Blick zu Dumbledore. Dann setzte mich Hagrid auf ein Motorrad und fuhr los. Naja, besser gesagt flogen wir einmal quer durch London, bis er auf einmal landete und uns in einen kleinen, schmuddeligen Laden reinbrachte. Dort wurde er überall begrüßt, anscheinend war er recht bekannt, und man fragte ihn, was er hier trieb. „Muss ein paar Sachen erledigen, für Hogwarts. Und außerdem habe ich hier zwei kleine Freunde, die ihr Schulzeug gekauft haben wollen. Harry Potter und Saphira Carter.“ Erstaunt sah ich zu ihm hoch. Woher kannte er meinen Nachnamen? In der Taverne war es mucksmäuschenstill geworden. Dann ging ein wahnsinniger Tumult los. Alle schrien und rannten durcheinander, jeder wollte zu Harry und mit ihm reden, bis sich Hagrid dazwischen drängte und dem ganzen Treiben ein Ende bereitete. Er führte uns durch eine Hintertür nach draußen zu den Mülltonnen und klopfte mit seinem Regenschirm gegen die Steine der Mauer, die sich daraufhin selbst auseinandernahm und uns den Zugang zu einer recht belebten Gasse eröffnete. „Willkommen in der Winkelgasse.“, posaunte Hagrid stolz und führte uns zu einem schrägen, ziemlich instabil aussehenden Gebäude am Ende der Gasse. „Hier holen wir zunächst mal das Geld für eure Einkäufe. Das ist Gringotts Bank, die sicherste auf der ganzen Welt! Sie wird von Kobolden geführt. Nehmt euch in Acht, sie sind trickreich, die kleinen Dinger.“, erklärte Hagrid und wir betraten die Bank. Nachdem wir dort genügend Geld geholt hatten, kauften wir alles, was wir für unseren Schulbesuch in Hogwarts benötigten ein und gingen anschließend noch in eine nette Kneipe, wo wir ein Butterbier tranken. Dann brachte Hagrid uns zum Bahnhof. Als er auf die Uhr sah, fiel er fast aus allen Wolken. „Bei Merlins Bart, hier, nehmt das. Ich muss noch weg, euer Zug fährt um Elf.“ Damit drückte er uns zwei Zugtickets in die Hand und ließ uns stehen. „Gleis Neundreiviertel.“, murmelte Harry. „Bitte?“, fragte ich ihn irritiert. „Auf dem Ticket steht Neundreiviertel! Wie in aller Welt sollen wir denn dahin kommen?“ Etwas perplex starrte ich auf den Fahrschein in meiner Hand und tatsächlich, Harry hatte Recht! „Dann lass uns das Gleis mal suchen“, meinte ich hoffnungsvoll und lief los, Richtung Gleis 9. Von Gleis Neundreiviertel stand natürlich nirgends was. Ich war schon kurz vor dem Aufgeben, als Harry mir mehrere Kinder mit einer Frau zeigte. Zwei von ihnen rannten gegen den Pfeiler zwischen Gleis 9 und 10 und verschwanden darin! Ruckartig lief Harry los und fragte die Frau, wie wir zum Gleis kamen. Sie lachte und erklärte uns, dass ihr Sohn ebenfalls das erste Mal mitfahre und wir es einfach genauso wie er machen sollen. Also rannten wir alle drei gegen die Pfeilerwand und verschwanden. Für mich war es, als käme man gerade auf der anderen Seite wieder raus und nachdem ich und Harry unsere Wagen weggebracht hatten, stiegen wir ein und suchten uns ein Abteil. Eigentlich wäre ich gern allein gewesen, denn ich war mehr der Einzelgänger, doch das ließ Harry nicht zu. Ich stöhnte und er brachte mich ins Abteil, wo der Sohn der Frau, die uns alles erklärt hatte, saß. „Hi, ich bin Ron, Ronald Weasley!“, begrüßte mich der rothaarige Junge mit einem strahlenden Grinsen, das ihn aus meiner Sicht nur noch dämlicher aussehen ließ. „Saphira Carter“, erwiderte ich kurz angebunden, ließ mich auf einen Sitz sinken und lehnte mich zurück. „Und ich bin Harry, Harry Potter.“, meinte Harry und setzte sich neben mich, gegenüber von Ron. Und während die zwei sich angeregt unterhielten, versank ich in meinen Gedanken und schlief bald darauf ein. Ein lautes Pfeifen riss mich wieder aus meinen Träumen. „Aufwachen, wir sind da!“, meinte Ron fröhlich und ich entdeckte ein Mädchen in unserem Abteil, das vorher noch nicht da gewesen war. „Oh, Hermine Granger.“, sagte sie schnell und streckte mir ihre Hand hin. Ich ergriff sie und meinte: „Saphira Carter.“ Dieses ganze Vorstellen machte mich ganz schön fertig und so musste ich gähnen, bevor ich mich aus meinem Sitz aufrappelte und nach draußen ging. Dort sammelten sich alle Erstklässler um Hagrid, der wild mit seiner Laterne umher leuchtete. Nachdem dann endlich alle da waren, gingen wir zu einer Anlegestelle am See und stiegen in kleine Boote, mit denen wir dann weiterfuhren. Nach einem kurzen Fußmarsch kamen wir an. Hogwarts war ein riesiges Schloss, überall mit Kerzen und Fackeln hell erleuchtet und eigentlich wunderschön. Nur dass es eine Schule war, machte es nicht ganz so annehmlich. Drinnen empfing uns eine streng wirkende, ältere Frau, die sich als Prof. McGonagall vorstellte. Während sie noch einige Dinge vorbereitet und uns dies und das erklärte, schob sich ein Junge von der Seite zu uns durch. Er hatte platinblonde, straff nach hinten gekämmte Haare und sturmgraue Augen. Seine Gesichtszüge ließen ihn hochnäsig und arrogant wirken und so klang auch seine Stimme, als er sagte: „Dann ist es also wahr! Harry Potter ist hier auf Hogwarts.“ Um uns herum entstand Getuschel. Harry sah den Jungen musternd an. Dieser jedoch hielt ihm die Hand hin. „Das sind Crabbe und Goyle,“, dabei deutete er auf zwei kräftigere Jungen neben ihm, „und mein Name ist Malfoy. Draco Malfoy. Ich biete dir hiermit die Freundschaft mit mir an, denn du wirst sehen, es gibt gute, reinblütige Zaubererfamilien und weniger gute. So wie die Weasleys.“ Abfällig musterte er Ron. „Danke, aber ich entscheide selbst, wer meine Freunde sind.“, erwiderte Harry bestimmt und schob seine Hand beiseite. „Das wirst du noch bereuen, Potter.“, fluchte Draco, bevor Professor McGonagall zurückkam und uns nach ihrer Erklärung, was nun folgen würde, in die Große Halle führte. Es gab vier lange Tische und an jedem der Tische saßen unzählige Schüler, die uns alle
    interessiert betrachteten und applaudierten. Vorne angekommen, hielten wir vor dem Podest an und warteten, bis McGonagall unsere Namen aufgerufen hatte. „Hermine Granger.“-„Gryffindor!“, „Luna Lovegood“-„Ravenclaw!“, „Pansy Parkinson“-„Slytherin!“, „Ronald Weasley“-„Was? Noch ein Weasley? Was ich mit dir mache, weiß ich genau. Gryffindor!“, „Harry Potter“-„Schwierig, schwierig…was, nicht Slytherin? Hm, bist du dir sicher? Nun…“ Bei Harry schien es ihm schwer zu fallen. Ich wusste noch nicht sicher, wohin ich wollte, eins war jedoch klar: Nicht zu Harry und den anderen. Die gingen mir jetzt schon auf die Nerven, mit denen in einem Haus, das wäre schrecklich. Der Junge vorhin erschien mir ein wenig seltsam. Er war mysteriös, denn er klang arrogant und hochnäsig, doch meist versteckte sich darunter ein weicher Kern. „Gryffindor!“, lautete die endgültige Entscheidung des sprechenden Hutes. „Draco Malfoy“ Der Junge kam nach vorne. Gespannt wartete ich ab, was der Hut sagen würde. „Slytherin!“ Draco schien damit zufrieden zu sein und sein triumphierendes Lächeln zauberte mir sogar ein Grinsen aufs Gesicht. „Saphira Carter!“ Schlagartig wich das Grinsen von meinem Gesicht und es wurde ernst wie eh und je. Ich trat nach vorne, setzte mich auf den Stuhl und verzog keine Miene, als der Hut auf meinem Kopf überlegte. „Schwierige Wahl…mutig, tapfer, klug, gerissen, …“ Plötzlich wurde er leise und flüsterte mir zu: „Du fühlst dich einsam, nicht wahr?“ „Was, ich, einsam? Nie im Leben!“, sagte ich rasch, ohne überhaupt richtig zugehört zu haben. „Ich hab’s. Slytherin!“ Erleichtert sprang ich auf, während Prof. McGonagall mir den Hut abnahm und ich lief mit einem dieses Mal echtem Lächeln zum Slytherintisch und setzte mich. Neben wem ich saß hatte ich nicht festgestellt. Doch während dem Essen hatte ich genug Zeit, das herauszufinden. Tracy Davis hieß das Mädchen und es schien nett zu sein. Mein Plan war, einfach unauffällig zu sein, und sich keine Freunde zu machen. Denn durch Freunde wurde man beliebt und auffällig. Also blieb Tracy an dem Abend meine einzige Bekannte und zufrieden mit dem Ergebnis des ersten Tages legte ich mich schlafen. Während meiner Zeit in Hogwarts verhielt ich mich tatsächlich unauffällig, was sonst gar nicht so meine Art war. Malfoy und seine Kumpane, Crabbe, Goyle und Parkinson versuchten die gesamte Zeit, mich einzuschüchtern und mich fertig zu machen. Ich hatte zwar immer eine passende Antwort parat, doch sie gaben einfach nicht auf. Mit den Lehrern kam ich gut aus, selbst mit Prof. Snape. Anstatt ihn zu hassen, mochte ich ihn sogar! Er schien jemand zu sein, der, auch wenn er es nicht zugab, mich, ohne mich zu kennen, verstand. Ich lernte die anderen Schüler schnell kennen, ließ es zu, dass ich öfters mal mit Harry und seinen Freunden gesehen wurde und verbrachte sehr viel Zeit mit lernen und bei meinem Hengst Tornado. Dumbledore rief mich und Harry öfters mal zu sich ins Büro und erkundigte sich nach uns. So vergingen die Jahre in Hogwarts ziemlich schnell. Im Vierten Jahr jedoch hatte ich das Gefühl, dass sich die Ereignisse geradezu überschlugen. Der Weihnachtsball wurde angekündigt und während alle total aus dem Häuschen waren, stöhnte ich lediglich. Ich hasste solche Veranstaltungen und dieses Schickmachen und Kleider anziehen und Tanzen! Ein Ball vereinte hauptsächlich Dinge, denen ich immer aus dem Weg gehen wollte! Die Lehrer brachten uns das Tanzen bei und ich ging gerade lustlos durch die Gänge der Schule, als sich mir Malfoy in den Weg stellte. „Nicht so schnell, meine Kleine!“, säuselte er höhnisch grinsend und verschränkte die Arme. Hinter mir umringten mich Parkinson, Zabini, Crabbe und Goyle. Ich stöhnte innerlich und fragte ruhig: „Was willst du Malfoy?“ Er bekam von Goyle ein Gebräu gereicht und hielt es mir unter die Nase. „Du solltest das hier mal probieren! Ist ein echter Knüller!“ Grinsend wartete er auf meine Reaktion. „Hättest du wohl gern, hä?“, fragte ich provozierend und wollte mir schon einen Weg an Malfoy vorbei bahnen, als dieser seinen Zauberstab zückte. Ich reagierte und hatte meinen mindestens ebenso schnell in der Hand. Doch bevor ich ihn entwaffnen konnte, hatte er schon „Expelliarmus!“, geschrien und hielt nun meinen Zauberstab in den Händen. Ich kniff die Augen zusammen und versuchte, mich zu beherrschen. „Gib mir meinen Zauberstab zurück.“, presste ich hervor, doch Malfoy grinste nur, wedelte mit dem Gebräu vor meinem Gesicht rum und erwiderte frech: „Nur, wenn du das hier trinkst!“ Ich ballte meine Hände zu Fäusten, um nicht gleich das gesamte Schloss in eine dicke Eisschicht zu hüllen und knurrte: „Eher sterbe ich!“ Draco zuckte mit den Schultern, gab den anderen den Zaubertrank und zerbrach meinen Zauberstab kurzerhand. Das war zu viel. Ich drängte mich an ihm vorbei, schnappte mir im Vorbeigehen seinen und meinen Zauberstab und rannte los. Einfach nur weg von hier. Ich rannte raus aus dem Schloss, immer weiter hinein in den Verbotenen Wald. Nachdem ich ein gutes Stückchen gerannt war, brach ich zusammen. Ich war kurz davor zu heulen und das kam nun wirklich selten vor. Da drang die Sonne ein wenig durch das Blätterdach hindurch und ihr Schein traf genau zwischen zwei Birkenstämmen auf den Boden, geradezu so als wollte sie sagen: „Hier kannst du die Lösung aller Probleme erschaffen.“ Ich stand auf und mir kam ein Gedanke: „Warum weiter hier leben, wo ich doch woanders ein deutlich besseres Leben haben könnte!“ Also fing ich an, eine Welt zu erschaffen, in der ich frei und ungestört leben konnte. Sie hatte nur einen Eingang, um in diese Welt zu gelangen, musste man genau zwischen den beiden Birkenstämmen hindurchlaufen. Es gab drei Bereiche, einen Bereich für den Frühling, einen für den Herbst und einen für den Winter. Den Sommer ließ ich aus, denn das war für mich die schlimmste Jahreszeit und ich konnte den Sommer nicht besonders leiden. Während aber in den Bereichen des Frühlings und des Herbstes lediglich eine normale Welt voller schöner und wundersamer Natur war mit lediglich ein-zwei Hütten, baute ich mithilfe meiner Kräfte im Bereich des Winters meine Residenz. Ein Schloss aus Eis und Schnee, architektonisch gesehen ein Meisterwerk und stattete es mit allem Wichtigen aus. Nachdem ich das geschafft hatte, atmete ich erleichtert auf und machte es mir bequem. Während ich darüber nachdachte, wieso Dracos Zauberstab mir gehorchte und wie ich meinen wieder reparieren könnte, fiel mir auf einmal ein, dass ich wieder zurück sollte. Hastig packte ich meine Sachen zusammen und rannte zurück zum Schloss. Dort drängte ich mich durch die Schülermassen, die dem Gong in die Große Halle folgten und gelangte schließlich in den Gemeinschaftsraum. Von dort aus stürmte ich in den Schlafsaal, legte meine Sachen hin und warf mich aufs Bett. Mein Magen knurrte, doch sonderlich viel Lust auf Malfoy und seine Kumpane hatte ich auch nicht. Ich riss mich zusammen und machte mich auf in die Große Halle. Als ich Malfoy und seine Freunde am einen Ende sitzen saß, setzte ich mich zu Theodore Nott und Tracy Davis. Dadurch hatte ich schlussendlich doch noch ein normales Abendessen und machte mich danach wieder auf in meinen Schlafsaal. Doch bevor ich dort ankam, traf ich auf Harry und musste mit ihm mitkommen, da er mir noch jemanden zeigen wollte. Völlig entnervt folgte ich ihm und er brachte mich in den Gryffindorer Gemeinschaftsraum, was dort zum Glück niemanden störte, da alle schon schliefen. Dort ging er an den Kamin und deutete mir, ihm zu folgen. Als ich näher trat, erkannte ich ein Gesicht in den Flammen. Harry sprach gerade mit dem Gesicht, das erstarrte, als es mich sah. „Darf ich vorstellen, das ist Sirius Black.“, sagte Harry schnell zu mir. „Sirius, das ist Saphira. Du wolltest doch mit ihr sprechen!“, wandte sich Harry dann, schon fast vorwurfsvoll an ihn. „Ja, das wollte ich. Könntest du uns bitte allein lassen, Harry?“, sagte Sirius dann. Harry nickte und entfernte sich, während ich mich hinkniete und Sirius musterte. „Hallo Saphira. Schön, dich endlich wieder zu sehen.“ „Äh, wieder zu sehen? Ich kenne dich gar nicht…“ „Ich weiß, ich weiß.“, seufzte Sirius. „Ich bin dein Patenonkel. Damals schwor ich deiner Mutter, stets ein Auge auf dich zu haben. Doch ich wurde dabei auf unglückliche Art und Weise gestört… Ich wurde nach Askaban geschickt.“ Ich schnappte nach Luft. Ich hatte also einen Patenonkel, der sich in meinem gesamten Leben nie bei mir gemeldet hat, weil er in Askaban war. „Alles klar…“, meinte ich nach einiger Zeit. Sirius nickte und meinte dann: „Wie geht es dir? Kommst du damit klar, dass du deine Kräfte nicht einsetzen darfst?“ Ich starrte ihn an. Dann fiel mir ein, dass meine Mutter ihm offensichtlich vertraut hat, also vertraute ich mich ihm an: „Um ehrlich zu sein fällt es mir schwer. Anfangs dachte ich, ich käme damit klar, doch da es mir einige hier nicht leicht machen, habe ich nun doch Probleme damit.“ „Wer macht Probleme?“, fiel mir Sirius besorgt ins Wort. „Ach, Malfoy fühlt sich cool, wenn er versucht, mich fertig zu machen.“ Sirius sog geräuschvoll die Luft ein. „Malfoy…“, murmelte er. „Mit denen kam ich noch nie klar. Hör zu, es tut mir leid, aber ich muss Schluss machen. Schick Harry noch einmal zu mir, ich melde mich sobald es geht wieder bei dir, ja? Und bis dahin, halt die Ohren steif!“ Ich nickte und holte Harry, dann verschwand ich in meinen Schlafsaal. Ich hatte das Unglück mir einen mit Parkinson teilen zu müssen, weshalb ich mich schon auf ein Donnerwetter von ihr gefasst machte, doch das blieb erstaunlicherweise aus. Normalerweise beschützte sie ihren Draco doch vor alles und jedem, doch zu mir sagte sie heute kein Wort. Irritiert legte ich mich in mein Bett und wälzte mich hin und her. Doch der Gedanke, dass mein Zauberstab kaputt war, ließ mir keine Ruhe. Ich hatte ihn von meiner Mutter erhalten, die durch Voldemort kurz nach meiner
    Geburt starb und er war das Einzige, das ich von ihr hatte, abgesehen von meinen Kräften, die mir bisher noch nicht viel gebracht hatten. Dieser Zauberstab war etwas ganz besonderes, denn mein Vater hatte ihn extra für meine Mutter anfertigen lassen. Er war aus Eschenholz, Drachenherzfaser, 9 Zoll. Und außerdem gab es da noch etwas anderes… Ich hatte die Befürchtung, dass ich Gefühle für Malfoy hatte! Für Malfoy! Etwas Schlimmeres konnte ich mir kaum vorstellen. Er und ich waren praktisch Todfeinde und ich hatte mich in ihn verliebt. Schließlich stand ich leise auf und zog los. Zuerst irrte ich ziellos durch die Schule, doch schließlich landete ich auf dem Astronomieturm und stellte mich an das Geländer, von wo aus ich in den Nachthimmel starrte und über meine Probleme grübelte. Meinen zerbrochenen Zauberstab hatte ich dabei, und Dracos auch, für den Fall, dass mir etwas einfallen sollte. Ich probierte mehrere Zaubersprüche aus, doch keiner funktionierte. Frustriert blickte ich auf zu den Sternen und mir traten die Tränen in die Augen. Ich hasste das, es ließ einen so schwach wirken und machte einen verwundbar. Liebe, Gefühle, alles der größte Mist aus meiner Sicht. Deshalb unterdrückte ich sie meistens, doch es gab tatsächlich Momente, da schaffte ich es nicht mehr. Eine Träne rollte mir über die Wange. Plötzlich spürte ich eine warme Hand auf meine Wange, die die Träne wegwischte. Ich sah auf und starrte in die sturmgrauen Augen von Malfoy. Sichtlich erschrocken machte ich einen Schritt rückwärts und wäre fast gegen die Fernrohre geknallt, hätte Malfoy mich nicht aufgefangen. Ich rappelte mich auf und funkelte ihn an: „Was soll das?“ Etwas sanfter fügte ich dann hinzu: „Danke. Aber trotzdem, was willst du hier? Wieder versuchen, mich fertig zu machen? Kann mich nicht dran erinnern dir jemals etwas getan zu haben, aber sonst.“ Ich atmete tief durch. Das hatte gut getan, so was musste einfach mal raus. Er starrte mich an und meinte dann leise: „Du hast ja Recht. Es tut mir leid, ich wollte nicht, dass du deshalb jetzt hier weinst.“ Ich schnaubte nur leise und deutete auf meinen Zauberstab. „Das hier kann man nicht einfach wieder gut machen! Er ist von meiner Mutter!“ Meine Stimme bebte und erneut rollte mir eine Träne übers Gesicht. Malfoy kam näher, begutachtete den Stab, murmelte dann etwas mit seinem Zauberstab und meiner fügte sich wieder zusammen. Fassungslos stand ich neben dran und beobachtete das Geschehen. Malfoy stand auf und gab mir meinen Zauberstab. „D - Danke…“, stammelte ich überrascht. „Aber warum … warum sorgst du dich auf einmal so um mich?“ Er kam mir näher und presste mir plötzlich seine Lippen auf meine. So perplex war ich noch nie. Und doch genoss ich es. Meine Befürchtung hatte sich bestätigt, doch in diesem Moment war mir alles egal. Nachdem Malfoy sich wieder abgewandt hatte, war ich mir nicht sicher, was ich tun sollte. Deshalb flüsterte ich: „Ich geh dann mal wieder in mein Bett…“ Und ging die Treppe hinunter. Im Bett angekommen, schlief ich sofort ein und träumte davon, wie Draco und ich uns küssten, von meinem Zauberstab und meiner Mutter. Am nächsten Morgen hatte ich unglaublich gute Laune. Ich zog mich rasch an und eilte dann flink wie ein Wiesel in die Große Halle. Ich hatte die Hoffnung, Draco dort zu sehen, doch er war nicht da. Dies gebot meinem Gemüt etwas Einhalt und ich aß still wie immer mein Frühstück. Danach raffte ich im Schlafsaal mein Zeug für den Unterricht zusammen und ging zum Klassenzimmer. Dort angekommen entdeckte ich Draco inmitten von Parkinson, Crabbe und Goyle. Ja, ich hatte beschlossen, ihn Draco zu nennen. Denn das, was gestern geschehen war, war irgendwie besonders gewesen. Ich konnte es nicht beschreiben, aber es war kein normaler Kuss. Er schien so beschäftigt mit den anderen, dass er mich nicht bemerkte und so ging ich wie immer meiner Wege und setzte mich zu Harry und den anderen. Auf den Unterricht konzentrieren konnte ich mich jedoch keineswegs. Hermine schimpfte andauernd mit mir, weil ich alles falsch machte und Harry und Ron wunderten sich, was mit mir los war. Nachdem ich die Stunde endlich überstanden hatte, rauschte ich aus dem Klassenzimmer und drängte mich wieder einmal durch die Schülermassen. Da erblickte ich im Augenwinkel Draco, und zwar allein. Ich fuhr herum und hastete zu ihm. „Malfoy, eine Frage.“ Ich musste mir ganz sicher sein, dass das gestern echt war, bevor ich ihn beim Vornamen nannte. „Das gestern, auf dem Astronomieturm, war das echt?“ Draco blieb stehen, sah mich an und nickte. „Ja, war es.“ Ich lächelte und fragte weiter: „Und, hast du es so gemeint, Draco? Bereust du es nicht?“ Als ich seinen Vornamen aussprach, bekam er für einen kurzen Moment große Augen. Dann nickte er erneut. „Ja. Und ich bereue es definitiv nicht. Das war der bisher beste Moment in meinem ganzen Leben.“ Nun war ich diejenige, die etwas ungläubig guckte. Dann musste ich grinsen. „Na dann!“, meinte ich und wollte wieder gehen. „Warte! Hast du es denn auch ernst gemeint?“ Ich sah ihm in die Augen und nickte. „Ja.“, hauchte ich. „Willst du mit mir zum Weihnachtsball gehen?“ Ich starrte ihn an, als hätte ich gerade Voldemort höchstpersönlich gesehen. Dann schüttelte ich mich und sah seinen enttäuschten Blick. Irritiert sah ich ihn an. „Hä? Ich hab doch gar nicht Nein gesagt…?“ Dann fiel mir auf, dass er vermutlich mein Schütteln als ein ‚Nein‘ interpretiert hatte. Ich fing an zu lachen und nickte. „Ja, klar, ich geh gern mit dir zum Weihnachtsball!“ Jetzt lächelte er wieder. Plötzlich wurde er wieder ernst und meinte: „Die nächste Stunde fängt an, wir sollten uns beeilen.“ Ich nickte und hastete zum Schlafsaal, wo ich meine Sachen holte. Dann rannte ich so schnell es ging zum nächsten Klassenzimmer und überlegte mir noch schnell eine passende Ausrede, für den Fall, dass mein Fehlen bemerkt worden sein sollte, wovon ich jedoch kaum ausging. Die Tür war nur angelehnt und ich schlüpfte leise und unauffällig durch den Türspalt. Im Klassenzimmer ging es gerade drunter und drüber, von daher interessierte es niemanden, dass ich gefehlt hatte. Professor Flitwick hatte gerade allerhand zu tun mit einigen Schülern, die meinten, sie müssten die Clowns spielen. Ich setzte mich still an meinen Platz und lugte vorsichtig zu Draco. Er unterhielt sich gerade mit Pansy und ein leises Stechen in mir ließ mich feststellen, dass ich eifersüchtig war. Ich seufzte. So hatte ich mir das bestimmt nicht vorgestellt. Warum denn bitte auch Draco? Ich verstand mich selbst nicht mehr. Ein Junge, der eigentlich mein Feind war, hatte mich, die Eiskönigin, zum Schmelzen gebracht! Ich schüttelte den Kopf und wurde prompt von Hermine gefragt, was los sei. Ich starrte sie erschrocken an und stammelte etwas davon, dass ich wohl zu wenig geschlafen hatte und deshalb nun Kopfschmerzen hatte. Ihrer Miene war abzulesen, dass sie mir nicht ganz glaubte, dennoch ließ sie mich danach damit in Ruhe. Ich hatte beschlossen, Harry und den anderen nichts von mir und Draco zu erzählen. Sie würden es sowieso nicht für gut heißen und je länger es vor der Öffentlichkeit geheim blieb, desto mehr hatten wir unsere Ruhe. Diese Stunde war kein Deut besser als die Stunde davor, doch Hermine hatte dieses Mal Nachsicht mit mir, da ich ja Kopfschmerzen hatte. In Gedanken war ich immer bei Draco und den Erlebnissen der letzten paar Stunden. Seit dem Kuss hatte ich nicht mehr klar denken können und eigentlich war ich ja total sauer auf mich, doch ließ ich es zu, dass mich die Gefühle derart übermannten. Ich hatte sie so oft unterdrückt, nun war es meiner Meinung nach Zeit für eine Ausnahme. Die nächsten paar Tage vergingen wie im Flug. Draco und ich trafen uns jede Nacht auf dem Astronomieturm und hatten beide beschlossen, bis zum Weihnachtsball den anderen nichts zu sagen. Außerdem hatte ich Draco alles über meine Kräfte erzählt, ohne Einwilligung von Dumbledore oder Harry. Den Rest meiner Zeit verbrachte ich damit, mir Klamotten für den Ball zu kaufen und mir Gedanken über die letzten paar Ereignisse zu machen. Am Tag vor dem Ball lief ich gerade morgens allein durch die Schule, als sich mir auf einmal Zabini in den Weg stellte. „Nicht so schnell, Carter!“, meinte er höhnisch grinsend und ließ mich nicht vorbei. Ich stöhnte innerlich und fragte genervt: „Was willst du, Zabini?“ Er lachte kurz auf und drängte mich dann gegen die Wand. Da begriff ich. Ich starrte ihn ungläubig an und mir wurde schlagartig klar, dass ich keine Chance hatte. In dieser Position konnte ich meinen Zauberstab wohl kaum ziehen und meine Eismagie durfte ich nicht einsetzen. Von der Körpermasse her war ich sowieso deutlich unterlegen, dennoch versuchte ich, ihn von mir zu stoßen. „Hör auf.“, knurrte ich wütend. Er verkniff sich ein Prusten und legte seine eine Hand um meine Taille und mit der anderen fuhr er an meinem Oberschenkel entlang. Meine Stimme versagte, und so flüsterte ich lediglich: „Bitte, lass es!“ Er reagierte darauf, indem er seine Lippen und auf meine drückte und mit seiner Hand an meine Brust langte. Ich wollte aufschreien, doch der Schrei blieb in meinem Hals stecken. Plötzlich stand Draco im Gang und riss Zabini fort von mir. „Was soll das, du elender Hund, hä?“, schrie er wütend und stellte sich vor mich. Ich atmete auf und sank auf den Boden. Ich war grundsätzlich kein schwacher Mensch, doch all das momentan war mir tatsächlich ein wenig viel. Nie hätte ich gedacht, dass ich mich jemals von einem Jungen beschützen lassen werden würde. Zabini verzog sich und Draco kniete sich zu mir hin. „Alles klar?“, fragte er besorgt und half mir auf. Ich nickte kurz, doch meine Knie waren Wackelpudding. ‚Tief durchatmen, tief durchatmen‘, flüsterte ich mir in Gedanken zu und beruhigte mich langsam wieder. „Tut mir leid, dass das passiert ist. Hätten wir öffentlich gesagt, dass wir ein Paar sind, wäre das nie passiert.“ Ich schüttelte den
    Kopf. „Nein, es war besser so. Dadurch waren wir den anderen nicht so ausgeliefert, allerdings bleibt nun die Frage, wie die anderen reagieren, wenn sie das hier von Zabini hören.“ Draco verzog das Gesicht. „Ich hoffe, Pansy trägt es mit Fassung. Wenn nicht, dann wird es für keinen von uns beiden lustig.“ Ich musste grinsen und nickte zustimmend. Dank Dracos Hilfe war ich hier noch einmal glimpflich davon gekommen, doch hatte ich nun etwas Angst vor der Zukunft. Wir küssten uns noch einmal und folgten dann wieder unseren Pfaden. Am nächsten Tag waren alle total aus dem Häuschen. Der Tag des Balls war da. Ich machte mich fertig und zog ein bodenlanges, langärmeliges, eisblaues Kleid an und dementsprechende eisblaue Ballerinas. Meine schwarzen Haare flocht ich zu einem lockeren Zopf zusammen und schon war ich fertig. Meine blauen Augen waren von Natur aus von schwarzen Wimpern umrahmt, also brauchte ich keine Wimperntusche und auch sonst besaß ich ein makelloses Gesicht, weswegen ich mich nie schminkte. Ich lief durch die Gänge des Schlosses und hastete gespannt zur Großen Halle. Als ich dort ankam und die Treppe runterkam, wartete Draco bereits in einem schwarzen Anzug. Mir blieb fast der Atem weg, als ich ihn sah. So unglaublich heiß hatte ich ihn selten gesehen. „Du siehst gut aus!“, flüsterte er mir zu. „Du aber auch!“, meinte ich mit hochgezogenen Brauen und hakte mich dann in seinen Arm ein, den er mir anbot. Nachdem wir den ersten Tanz abgewartet hatten, zog er mich auf die Tanzfläche und während wir tanzten, hatte ich das Gefühl zu fliegen. Sonst konnte ich Tanzen ja nicht leiden, aber mit Draco war alles anders. Es war das erste Mal seit Jahren, dass ich wieder ein Kleid trug und mich schick gemacht hatte, und das nur wegen ihm! Eigentlich kaum zu fassen, doch ich genoss die Zeit. Dann meinte er nach einigen Tänzen, dass er uns etwas zu trinken hole. Ich nickte erschöpft und ließ mich auf einem hübschen Sitzplätzchen nieder. Kaum war Draco verschwunden, rauschte Harry an und fuhr mich an, was mir einfiele, dass ich mit Draco hier her gekommen wäre. Ich ließ die Strafpredigt über mich ergehen, zuckte mit den Schultern und meinte unberührt: „Wir sind ein Paar.“ Entgeistert starrte er mich an. „Ein Paar! Bist du dir sicher?“ Ich nickte. „Ziemlich.“ Harry zog scharf die Luft ein. „Dann meint er es nicht ernst mit dir.“ Noch bevor ich irgendetwas erwidern konnte, deutete er auf die andere Seite des Raums. „Siehst du dort? Draco knutscht mit Parkinson. Bist du dir immer noch so sicher, dass ihr ein Paar seid?“ Ich schnappte nach Luft und drehte mich in die Richtung, in die Harry gedeutet hatte. Mein ganzer Körper bebte, als ich sah, dass er Recht hatte. Ich hörte auf nichts und niemanden mehr und stürzte aus der Halle. Ich wollte wieder mal einfach nur noch weg von Hogwarts. Meine Füße trugen mich in den Verbotenen Wald direkt zu meiner Welt. Ich trat ein und sank auf die Knie. In Strömen ergossen sich meine Tränen über dieses Land. Ich hatte noch nie so sehr geheult und hatte es eigentlich auch nie vor. Aber das war nun wirklich zu viel gewesen. Ständig dieses Hin und Her mit ihm. Eigentlich wollte ich gar nicht mehr zurück. ‚Ich werde auch nie mehr zurückkehren. Sollen sie sich doch eine neue Eiskönigin suchen! Ich werde ganz bestimmt nicht mehr diese Prophezeiung erfüllen, wenn ich auch einfach hier bleiben könnte, ohne mir über irgendjemanden Sorgen zu machen. ‘ Ich beruhigte mich und zog in meiner Residenz ein. In den folgenden Tagen nahm ich Dutzende Tiere und magischer Wesen in meiner Welt aus dem Verbotenen Wald auf und pflegte sie oder gab ihnen einen Lebensraum, in dem sie unbesorgt leben konnten. Meinen Hengst holte ich ebenfalls zu mir. Ich hatte genug Platz für alle Tiere und außerdem war ich total tierlieb. Als ich wieder mal gerade auf meinem Hengst durch den Wald streifte, erschien mir auf einmal ein Patronus. Es war ein Pferd und da mir nicht klar war, wer es war, folgte ich dem Patronus und kam zu Ginny, Rons kleiner Schwester. Sie lächelte mich an und erzählte mir, dass sich die anderen Sorgen um mich machten und wollten, dass ich zurückkam. Doch ich war zu stolz, um das einzusehen. Ich würde nicht freiwillig zurückgekrochen kommen. Sollte Draco ihnen doch erzählen, weshalb ich davongerannt war, oder Harry! Ich wollte gerade herumwirbeln und davon galoppieren, als Dumbledore und Harry sich mir in den Weg stellten. Tornado stieg und ich fauchte die beiden wütend an, was sie denn nun wieder von mir wollten. Dumbledore erklärte mir, dass er mich lediglich persönlich darum bitten wollte, zurückzukehren. Ich schnaubte verächtlich und erwiderte: „Darauf können Sie lange warten!“ Ich wendete und wollte davongaloppieren, so wie ich es stets tat, wenn mir irgendetwas nicht passte. Dabei hatte ich vergessen, dass dort Ginny stand. Ich stöhnte und Tornado tänzelte nervös auf der Stelle. Harry versuchte es erneut. „Komm schon! Die anderen vermissen dich alle, und Draco fragt jede halbe Stunde nach dir!“ „Soll er doch!“, sagte ich pampig. Draco war mir inzwischen so was von egal! Dumbledore bedachte mich mit einem scharfen Blick, doch ich ließ nicht locker. Schließlich seufzte Dumbledore und meinte: „Ich dachte, wir hätten ein Abkommen. Du wolltest Hogwarts doch besuchen! Und jetzt machst du rum, wegen so einer Sache? Ich dachte, Gefühle bedeuten dir nichts?“ Mist, damit hatte er mich getroffen. Ich starrte ihn wütend an und gab letztendlich nach, wenn auch eher unfreiwillig. Langsam lenkte ich Tornado zurück zum Schloss und sehnte mich innerlich jetzt schon nach meiner Welt. Auf Hogwarts versorgte ich Tornado und machte mich dann mit meinem Zeug auf zur nächsten Stunde. Wir hatten Zaubertränke bei Professor Snape, was es mir zumindest ein wenig leichter machte, den Unterricht wieder zu besuchen. Ich schlüpfte ins Klassenzimmer rein und setzte mich ohne Umschweife auf meinen Platz. Ich beachtete niemanden, auch wenn ich Dracos Blicke auf meinem Rücken brennen fühlte. Die Stunde verlief recht gut und ich war zwar abgelenkt, doch heute schien Snape Verständnis zu haben und ließ mich in Frieden. So schnell wie ich gekommen war verschwand ich auch wieder und war gerade auf dem Weg in meinen Schlafsaal, als mich eine Hand plötzlich von hinten in eine der Nischen reinzog. Ich atmete tief durch und erkannte Dracos Geruch. Ich wirbelte herum und fragte wütend: „Was willst du? Hast du mich nicht schon genug verarscht?“ „Bitte, lass es mich dir erklären, danach kannst du immer noch denken, was du willst.“ Ich starrte ihn zwar voller Wut an, erwiderte aber nichts. „Hör zu, das mit Pansy war ein Kuss. Ich will es nicht leugnen, aber ich hatte einen Grund dafür. Ich … ich wollte…“ Er geriet ins Stottern und sah mich unsicher an. Ich lehnte mich genervt an die Wand und fragte fordernd: „Du wolltest…?“ „Es ist kompliziert.“ Er senkte seine Stimme. „Der Dunkle Lord….meine Eltern sind Todesser, beide. Und nun bin ich bald an der Reihe, einer zu werden. Ich hatte ursprünglich nie darüber nachgedacht, wie es sein würde, wenn ich ein Todesser wäre, aber jetzt ist mir klar geworden, dass sie von meiner Freundin ebenfalls verlangen würden, eine Todesserin zu werden, oder sie würden sie umbringen. Ich…ich wollte nicht, dass das mit dir passiert. Deshalb habe ich damals beschlossen, Pansy als Freundin zu nehmen. In den letzten Tagen ist mir aber habe ich verstanden, dass ein Leben ohne dich für mich unvorstellbar ist. Bitte, kannst du mir verzeihen?“ Ich war erst mal völlig sprachlos. In meinem Kopf klangen noch die letzten Wörter wieder, bis ich verstand, was er eigentlich gerade gesagt hatte. Dann küsste ich ihn sanft als Antwort. Ich lächelte und er zog mich an sich heran. Wir schmiegten uns dicht aneinander und ich hätte gerne noch länger dort so verharrt, doch da gongte es zum Mittagessen und ich hatte mein Zeug noch nicht weggebracht und so rannten wir zu den Schlafsälen, um unsere Sachen wegzubringen und gingen dann zur Großen Halle. Dort war bereits ein buntes Treiben im Gange und wir setzten uns kurzerhand zu Tracey Davis und Theodore Nott. Ich aß ein wenig und lehnte mich nachdem ich fertig war an Draco, wobei ich meinen Kopf auf seine Schulter legte. Nachdem wir aufgestanden und in unsere Schlafsäle zurückgelaufen waren, saß ich gerade auf meinem Bett, als Parkinson reinkam und mich an den Haaren zu ihr zerrte. Ich schrie auf und verzauberte sie aus Reflex in eine Walnuss. Erschrocken hielt ich mir die Hand vor den Mund und machte den Zauber wieder rückgängig. Dann musste ich loslachen. Ich lachte für mindestens fünf Jahre. Parkinson fluchte und suchte einen Lehrer, um mich zu verpetzen. Als ich mich wieder beruhigt hatte, wollte ich mal wieder nach meiner Eule sehen, da ich sie in den letzten Tagen ziemlich vernachlässigt hatte. Ich war gerade in der Eulerei, als meine Eule angeflogen kam mit einem Brief von Sirius. Ich nahm ihn ihr ab und las ihn mir durch. Er wollte wissen, wie es mir ging, wie ich mit meinen Kräften klar kam, was gerade los war und noch einiges mehr. Ich lächelte und lief schnell ins Schloss zurück. Dort ließ ich mich im Gemeinschaftsraum nieder und begann, ihm eine Antwort zu schreiben, als Parkinson mit Snape und einem triumphierenden Grinsen auf dem Gesicht reingestürmt kam. Snape verdonnerte mich zu einer Stunde Nachsitzen und ich sollte zu ihm ins Büro kommen. Ich seufzte, schrieb den Brief fertig, schickte ihn los und ging dann in Snapes Büro. Snape erwartete mich bereits und sagte mir kurz angebunden, dass ich ihm lediglich einen Gefallen tun sollte, nämlich einige Zeilen, die er mir diktierte, notieren. Das war schnell erledigt und so entließ er mich nach einer Viertelstunde bereits wieder. Überrascht davon lief ich gut gelaunt zurück in meinen Schlafsaal und machte mich daran, Hausaufgaben zu machen. Das war eines der wenigen Male, wo ich wirklich Hausaufgaben machte, und das auch noch mehr
    oder weniger freiwillig. Dann brachte mir Davis einen Zettel von Draco, durch den er um ein Treffen am See bat. Ich lächelte und machte mich auf den Weg. Unterwegs traf ich Harry, der nach mir gesucht hatte. Er sagte, dass Dumbledore uns im Büro sehen wollte. „Nein! Ich kann jetzt nicht!“, meinte ich entgeistert. „Wie du kannst grad nicht? Was hast du denn so Wichtiges vor, dass du nicht kommen willst?“, fragte Harry misstrauisch und genervt. „Ich bin mit Draco verabredet!“ Jetzt fiel Harry aus allen Wolken. „Du bist mit Draco verabredet? Das ist deine Ausrede, um nicht zu Dumbledore ins Büro zu kommen?“, schrie er mich an. Da kamen Hermine und Ron angerannt, und mit ihnen noch einige andere Gryffindorer. „Was ist denn los?“, fragte Hermine verwirrt und sah mich irritiert an. „Was los ist? Frag das mal Saphira! Dumbledore will, dass sie mit mir im Büro erscheint und sie will nicht, weil sie mit Draco verabredet ist! Ist das zu fassen?“, tobte Harry los, während mich alle andern entsetzt anstarrten. „Du bist mit Malfoy zusammen? Draco Malfoy?“, fragte mich Weasley. „Ja bin ich, und?“, gab ich genervt von mir und wollte jetzt eigentlich zum See. „Malfoy ist unser Feind! Du kannst nicht einfach mit ihm zusammenkommen! Warum hast du das getan?“ Jetzt wurde ich sauer. „Draco ist ebenso ein Slytherin wie ich! Und als Slytherin müsste ich doch auch eure Feindin sein! Also, daran ist überhaupt nichts auszusetzen! Und außerdem, ihr seid nicht meine Eltern!“ Wütend rauschte ich an ihnen vorbei und rannte zum See. Keuchend kam ich dort an. „Entschuldige, ich wurde aufgehalten, da sich einige nicht damit abgeben wollten, dass ich mit dir zusammen bin.“ Fragend sah Draco mich an. „Potter und die andern?“ Ich nickte und gab ihm einen Kuss. Dann ließ ich mich neben ihn sinken und beruhigte mich wieder. Draco legte seinen Arm um meine Schultern und ich meinen Kopf auf seine Schulter. Die Sonne ging gerade unter und die letzten Sonnenstrahlen tanzten noch auf dem Wasser. Dadurch entstand ein glitzerndes Wellenspiel und das Wasser schwappte vom Wind sanft bewegt in regelmäßigen Abständen ans Ufer. In den Bäumen sangen Vögel ihr letztes Lied und Schmetterlinge tanzten um uns herum. Es war nun nicht mehr lange bis zu den Sommerferien und ich hatte noch keine genauen Pläne, was ich in der Zeit machen sollte. Vielleicht blieb ich einfach in Hogwarts, mal schauen. Der Abend ging leider viel zu schnell rum und wir hatten durch die vielen Prüfungen kaum noch Zeit füreinander. Zwischendurch bekam ich wieder einen Brief von Sirius, in dem er mir riet, mich ein oder zwei Personen anzuvertrauen. Naja, er befahl es mir wohl eher, denn er hatte die Befürchtung, dass er nicht mehr lange auf der Welt weilte und wollte, dass ich auch nach seinem Tod Ansprechpartner hätte. Ich machte mir eine Zeit lang Gedanken darüber, wem ich mich anvertrauen wollte, fand jedoch nie wirklich jemand passendes. Sirius wollte, dass es nicht Draco war, sondern ‚vertrauenswürdige‘ Personen. Harry würde ich mich niemals anvertrauen, ebenso wenig wie irgendeinem anderen Gryffindorer unseres Jahrgangs. Bei den anderen Häusern sah es jedoch auch nicht viel besser aus und ich brütete tagelang darüber, mit wem ich reden sollte. Am Ende fiel meine Wahl auf die Weasley-Zwillinge. Ich mochte die beiden eigentlich und sie waren immer lustig und für einen da. Also setzte ich mich eines Tages mal mit den beiden hin und erzählte ihnen alles, von Anfang an. Sie hörten mir aufmerksam zu und waren ab da an meine besten Freunde. Wir hatten unglaublich viel Spaß miteinander und unternahmen viel, wenn ich nicht gerade mit Draco was zu tun hatte. Die Sommerferien kamen und das neue Schuljahr fing an mit der Änderung, dass wir nun in VgddK von Dolores Umbridge unterrichtet wurden. Am Anfang machte sie noch einen recht freundlichen Eindruck, doch bereits in ihrer ersten Stunde wurde klar, dass mit ihr keineswegs zu spaßen war. Als ich ihr im Unterricht einmal widersprach und laut gegen das Ministerium und den Minister Fudge fluchte, verpasste sie mir eine Strafe von drei Stunden Nachsitzen. Ich verdrehte genervt die Augen und erschien kurz darauf bei ihr im Büro zum Nachsitzen. Sie teilte mir mit, dass ich mit einer ihrer Federn eine Strafarbeit von 5 Seiten über das Ministerium verfassen sollte, worin ich jedoch keineswegs irgendetwas davon schreiben durfte, dass das Ministerium blöd war oder etwas in der Art. Zudem würde nicht sie, sondern ein anderer, der sich ihrem Komitee angeschlossen hatte, die Stunden beaufsichtigen. Ich hörte nur mit halbem Ohr zu und dachte heimlich an Draco und daran, wie es Parkinson wohl gerade gehen musste. Irgendwie tat es mir ja schon Leid für sie… Außerdem machte ich mir darüber Gedanken, wie es wohl sein würde, wenn ich meine Aufgabe erfüllte. Ihm gegenüber stehen, zum ersten Mal seit Ewigkeiten wieder offiziell die Eiskräfte einsetzen dürfen und es nicht mehr geheim halten müssen… Vermutlich wäre es eine Erleichterung ohne ihres gleichen, wenn ich das geschafft hätte. Dann öffnete Umbridge die Tür und Draco kam herein. Ich hielt die Luft an, als er mich angrinste und ich musste mir ein Lachen verkneifen. Umbridge erklärte ihm kurz, was er zu tun hatte und ließ uns dann allein. Prompt musste ich loslachen. Draco lachte ebenfalls und setzte sich in Umbridges Stuhl. Seine Füße legte er auf den Tisch und meinte dann: „Jetzt zeig mal, was du drauf hast und schreib 5 Seiten über das Ministerium!“ Ich grinste und begann. Doch bereits nach dem ersten Buchstaben tat mir meine linke Hand höllisch weh. Die Tinte war seltsamerweise rot und die Feder schrieb ganz ohne Tinte. Ich biss die Zähne zusammen und schrieb weiter, doch lange schaffte ich es nicht. Ich sah auf meine Hand und erstarrte. ‚Das Ministerium ist mein Herr. ‘, hatte sich dort eingeritzt und aus den Buchstaben blutete es. Ich sah zu Draco, der ebenfalls entsetzt meine Hand ansah und offenbar nicht recht wusste, was er tun sollte. Da ich aber auch nicht wollte, dass er mir half und deshalb sich Ärger einhandelte, schrieb ich weiter. Es blutete immer weiter und brannte wie verrückt, doch es war mir egal. Jetzt, da ich, zumindest aus meiner Sicht, für Draco schrieb, gab es die Option Aufhören nicht für mich. Plötzlich wurde ich von Draco auf die Seite geschuckt. „He! Was soll das?“, beschwerte ich mich lauthals bei ihm. „Ich werde dir nicht dabei zu sehen, wie du das durchmachst.“, zischte er und setzte sich hin. „Bist du wahnsinnig?“, schrie ich und wollte ihn davon abhalten, war jedoch zu schwach. Er nahm die Feder in die Hand und schrieb los. Gleich darauf sah man, wie sich die ersten Buchstaben in seine Hand ritzten. „Bitte, lass das! Meinst du, es wäre für mich besser, neben dran zu sitzen und zuzusehen, wie das Ding dir weh tut?“, flehte ich ihn an und es war aus meiner Sicht tatsächlich schlimmer, als wenn ich so etwas selbst ertragen müsste. Draco gab keine Antwort und machte weiter. Ich setzte mich hilflos auf den Boden und legte meinen Kopf auf meine Knie. Ich wollte nicht, dass er sich für mich opferte. Bei so etwas fühlte ich mich immer so schlecht. Kurze Zeit danach kniete sich Draco zu mir und hielt mir triumphierend die fünf beschriebenen Blätter unter die Nase. Ich griff nach seiner Hand und heilte sie so gut es ging mit einigen Heilzaubern. Dann küsste ich ihn dankbar. Auch wenn ich es nicht wollte, hatte er mich doch gerettet. Er nahm meine Hand und betrachtete sie fachmännisch und murmelte ebenfalls einige Zaubersprüche, worauf hin sich die Wunden sofort schlossen. Gemeinsam liefen wir aus dem Büro und gingen zurück zum Gemeinschaftsraum. Unterwegs begegneten wir einigen Gryffindorer, die mich alle mit einem bösen Blick bedachten, doch davon ließ ich mich nicht irritieren. Im Unterricht hielt ich mich weiterhin eher zurück, doch als sich Umbridge erlaubte, eine unserer Lehrerinnen zu feuern, da explodierte ich förmlich. Die andern mussten mich festhalten, dass ich nicht nach vorne stürmte und Umbridge in einen riesengroßen Eisblock verwandelte. Zwischen mir und Umbridge spürte jeder, dass die Luft förmlich knisterte, wenn wir nur aneinander vorbeiliefen. Ich hasste so etwas. Mir waren die Hände gebunden, obwohl ich die Möglichkeiten hätte. Innerlich kochte ich vor Wut und schickte Umbridge so oft wie möglich einen bitterbösen Blick zu, von dem sie sich zwar nicht beirren ließ, doch wenigstens tat es mir gut. Jedes Mal, wenn es mir möglich war, sabotierte ich sie bei ihrem Vorhaben und auch wenn ich Harry selten unterstützte, dieses Mal tat ich es. Und Draco ebenfalls. Auch wenn er aus dem Komitee nicht mehr austreten konnte, verriet er nichts, von allem was er wusste und ich trat der DA bei, auch wenn ich es, wie mir andere häufig mitteilten, nicht nötig hatte. Aber was tat man nicht alles, einfach nur um einer Feindin eins auszuwischen. Ich hasste diese Frau in Rosa und oft schon musste ich mit ansehen, wie sie Sachen durchzog, bei denen ich sie am liebsten gestoppt hätte. Als die DA aufflog, folgte ich Harry, Hermine und Umbridge heimlich in den Verbotenen Wald. Als die beiden dort schließlich ohne Aussicht auf Hoffnung standen, holte ich Hilfe. Ich wusste, da ich in meiner Zeit außerhalb von Hogwarts mit allen Wesen im Wald Kontakt geknüpft hatte, dass die Zentauren das Ministerium hasste. Also galoppierte ich auf Tornado so schnell es ging dorthin und erzählte ihnen von zwei Schülern, die ihnen eine Ministeriumsangestellte gebracht hatten. Daraufhin stürmten die Zentauren los und kamen Harry und Hermine zu Hilfe. Als die miese Schlange Umbridge einen der Zentauren durch Fesseln niederwarf, brannte ich vor Zorn und befreite den Zentauren, der sich daraufhin noch wütender in den Kampf warf. Am Ende trugen sie Umbridge fort, was sie mit ihr gemacht haben, habe ich nie erfahren. Aber ich gehe davon aus, dass sie sie umgebracht haben. Harry und Hermine verschwanden daraufhin sofort und
    ich kehrte nach einem kurzen Besuch in meiner eigenen Welt zurück nach Hogwarts. Ich saß gerade in der Bibliothek und las etwas über Kräuter und deren Heilwirkung, als Harry angestürmt kam. Ich hob fragend den Kopf und sah ihn irritiert an. Er schien ziemlich betrübt zu sein, nein, noch mehr, er trauerte. Doch ich verstand nicht wieso. „Was ist passiert?“, fragte ich ihn. „Wir waren im Ministerium, da ich öfters Visionen hatte, die damit zu tun hatten.“ Ich nickte immer wieder beiläufig und hörte ihm nur mit halbem Ohr zu. Das Buch war, auch wenn es seltsam klingt, wirklich außerordentlich interessant und meine eigenen Gefühle waren für mich momentan immer noch die wichtigsten. So lange sich Harry ausheulte, brauchte ich eine Ablenkung, damit mir nicht ganz so langweilig wurde. Plötzlich hörte ich, wie Harry sagte: „…und sie hat Sirius umgebracht! Verstehst du, Sirius ist tot!“ Jetzt waren meine Gedanken komplett bei ihm, mein Kopf fuhr herum und ich starrte ihn entsetzt an. „Was, Sirius ist tot? Wer war das?“ Jetzt sah er mich verärgert an. „Sagte ich doch gerade! Bellatrix Lestrange hielt es für nötig, ihren Cousin zu töten.“ Schade, Bellatrix war eigentlich immer eine meiner Lieblingstodesserinnen gewesen, doch damit hatte sie sich wirklich unbeliebt gemacht bei mir. Ich erhob mich wortlos, räumte das Buch auf und trottete durch Hogwarts auf der Suche nach Draco. Als ich ihn fand, war er gerade in ein Gespräch mit Zabini vertieft, welches er jedoch sofort unterbrach und auf später verschob, als er mich sah. „Was ist passiert?“, fragte er mich besorgt, als wir alleine waren. „Sirius ist tot.“, murmelte ich tonlos. Entsetzen stand in Dracos Gesicht geschrieben. „Was ist passiert?“ „Todesser. Genauer Bellatrix Lestrange. Eigentlich konnte ich sie ja immer gut leiden, aber damit hat sie sich das definitiv verspielt.“, meinte ich grimmig und Draco lächelte amüsiert. „Lust auf ein Butterbier? Ich lad dich ein!“ Verwundert sah ich ihn an, nickte aber. „Ja, gern!“ Gemeinsam liefen wir zum Drei Besen und hatten dort schließlich doch noch viel Spaß und auch ich bekam wieder Spaß am Leben und meine Trauer um Sirius verschwand. Schließlich hatten wir auch das fünfte Jahr rum und genossen unsere Sommerferien. Im neuen Jahr veränderte sich nicht viel, außer dass Professor Slughorn nun Zaubertränke unterrichtete und Snape sich der VgddK widmete. Es fing eigentlich ziemlich normal an, Parkinson war immer noch beleidigt und sauer auf mich, Harry erzählte mir die gesamte Zeit, dass ich mich endlich von Draco fern halten solle, da er angeblich nun ein Todesser sei und ich verbrachte den Großteil meiner Zeit mit Draco und den Zwillingen. Allerdings war ich immer öfter bei den Zwillingen, Draco fehlte teils mehrere Tage spurlos und wollte mir partout nicht sagen, wo er war. Er meinte, es wäre besser, wenn ich es nicht wüsste. Doch auch Snape wurde seltsamer. Er war freundlicher, zumindest mir gegenüber und ich hatte das Gefühl, dass er irgendetwas verbarg. Jedoch hatte ich nicht vor, es herauszufinden, da jeder Mensch seine Geheimnisse hatte und es aus meiner Sicht so besser war. Meinem Geheimnis im Wald ging es gut, ich sah regelmäßig dort nach dem rechten und versorgte auch weiterhin die Tiere dort. Dumbledore rief uns immer öfter in sein Büro, um uns irgendwelche Erinnerungen zu zeigen, die uns ein Bild von Tom Riddle alias Voldemort vermitteln sollten und ihm und Harry die entscheidenden Hinweise auf die Horkruxe geben sollten. Ansonsten lernte ich oder verbrachte meine Freizeit, indem ich dumme Streiche ausheckte. Aber mir fehlte etwas. Mir war nicht klar, was es war, aber dadurch, dass Draco mir nichts sagen wollte und er immer öfter und länger fehlte, fühlte ich mich einsam, auch wenn die Zwillinge immer für mich da waren. Dafür belohnte mich unser neue Prof. Slughorn mit guten Noten im Fach Zaubertränke für meine Fähigkeiten. Ich war anscheinend äußerst begabt in Zaubertränke, auch wenn ich bisher noch nicht viel davon erlebt hatte. Zumindest schaffte ich es, einen Zaubertrank zu brauen, ohne wie Finnigan hinterher einen schwarzen Kopf und Haare, wie wenn ich in eine Steckdose gelangt hätte, zu haben. Eines Morgens hatten wir eine Freistunde und anstatt die wie normale Schüler zu genießen, besuchte ich eine Zaubertränkestunde von Slughorn. Er stellte uns eine Phiole voll Flüssigem Glück in Aussicht, wenn wir es schafften, einen Trank der Lebenden Toten zu brauen. Als ich das Buch aufschlug, schüttelte ich den Kopf. Mir war klar, dass das, was die da schrieben, überhaupt nicht klappen würde. Also braute ich nach meinen eigenen Vorstellungen und hatte es am Ende tatsächlich geschafft. Da aber Harry ebenfalls Erfolg hatte, überließ Slughorn jedem von uns beiden ein Fläschchen, da er zufälligerweise noch eines hatte. Natürlich war es cool, es geschafft zu haben, was ich damit anfangen sollte, wusste ich aber noch nicht. Der Tag ging schnell rum und ich lag abends noch ein Weilchen lang wach im Bett. Ich malte mir aus, wie es wäre, ein normales Leben zu haben, einfach nur mit Draco, ohne diese ganze Sache mit den Eiskräften, mit einer normalen Mutter, einem völlig normalen Vater und nach einiger Zeit schlief ich ein. Vielleicht hätte ich letzteres lieber sein lassen sollen, denn ich hatte einen fürchterlichen Albtraum. Ich stand Voldemort gegenüber und sollte meine Aufgabe erfüllen, doch ich konnte es nicht. Ich wusste nicht, wo das Problem lag, doch ich schaffte es einfach nicht! Schließlich traf mich sein Todesfluch, ich schrie und wachte auf. Schweißgebadet stand ich zitternd auf und lief eine Runde durchs Schulhaus. Glücklicherweise wurde ich dabei nicht erwischt. Ich lief zum Astronomieturm und mir schlug eine Welle kühler Wintersluft entgegen. Ich fröstelte und ging weiter zum Geländer. Dort lehnte ich mich hinaus und atmete die kühle Nachtluft tief ein. Nachdem ich mich wieder beruhigt hatte, kehrte ich wieder zurück in den Schlafsaal und lag noch ein wenig im Bett, bis zum nächsten Morgen. So ging das eine ganze Zeit lang und ich hatte mittlerweile jeden Tag von früh morgens bis spät abends Kopfschmerzen, da ich kaum geschlafen hatte. Gerade in dieser Zeit hätte ich Draco gebraucht, um mit ihm darüber zu reden, doch er fehlte wieder. So erzählte ich außer den Zwillingen niemandem etwas von meinen Träumen. Sie boten mir an, den Schlaftrunk für traumlosen Schlaf zu brauen, doch ich war zu stolz, um das anzunehmen. So redete ich lediglich mit ihnen darüber und holte mir bei Madame Pomfrey einen Vorrat an Schmerzmitteln gegen meine Kopfschmerzen. Eines Nachts lief ich wieder mal gerade unruhig durch die Schule, da ich aufgewacht war aus einem Traum und war auf dem Weg zum Astronomieturm, als mich Snape erwischte. „Weshalb laufen Sie noch nachts hier herum, Carter?“, fragte er. Ich fuhr herum und erstarrte. Damit hatte ich nicht gerechnet. „Kommen Sie mal mit in mein Büro.“, erwiderte er schließlich, als ich keine Antwort gab. Er lief voraus und ich folgte ihm wortlos. Snape hielt mir die Tür auf und ich betrat das Büro. Alles war düster und ziemlich dunkel. Er brachte mich zu einem Sofa in der Ecke und als er die teilweise blauen Stellen unter meinen Fingernägeln bemerkte, machte er ein Feuer an und brachte mir eine Tasse Tee. Seltsam, so freundlich kannte ich ihn gar nicht. Für gewöhnlich hätte er mich mit dem Spruch „Zwanzig Punkte Abzug für Slytherin!“, stehen gelassen. Ich bedankte mich und nippte zitternd an meinem Tee. Da deckte er mich auch noch mit einer Wolldecke zu. Jetzt war ich vollkommen verwirrt. Was war bloß mit ihm los? Ich genoss es zwar, aber das war ganz und gar nicht Snapes Art! Schließlich zog er sich einen Stuhl heran und setzte sich. „So, und jetzt erzählen Sie mir mal, was Sie da draußen gemacht haben.“ Ich überlegte. Was sollte ich ihm sagen? Die Wahrheit? „Ich hatte einen Albtraum und konnte nicht mehr schlafen. Um mich abzulenken, hielt ich es für das Beste, an die frische Luft zu kommen und wollte deshalb zum Astronomieturm.“, erzählte ich ihm. Er zog die Augenbrauen zusammen. „Und die ganzen anderen Mal, in denen Sie außerhalb des Bettes waren, hatten Sie da auch Albträume?“, fragte er weiter. Woher wusste er…? Ach egal… „Ja.“, nickte ich und nippte wieder an meinem Tee. „Hatten die Träume etwas mit Ihren Kräften und Ihrem Schicksal zu tun?“, fragte er jetzt gerade heraus. Ich erstarrte und sah ihm in die Augen. Woher wusste er etwas von meinen Kräften, nein, woher wusste er überhaupt so viel? Offenbar war ihm klar, was für Fragen ich hatte, und so sagte er schnell: „Dumbledore hat mich eingeweiht.“ „Ich habe davon geträumt, wie ich Voldemort gegenüber stand und es nicht geschafft habe, ihn zu töten.“, antwortete ich mit bebender Stimme. Sobald ich nur daran dachte, an seine Stimme, seine Augen, stieg alles wieder in mir hoch und ich fing wieder an zu zittern und wirklich warm wurde mir nicht. Snape sagte nichts mehr, sondern senkte lediglich den Kopf. Dann fragte er weiter: „Das ist nicht alles, was Ihnen auf dem Herzen liegt, nicht wahr?“ Fragend sah ich ihn an. Was meinte er? „Dass der junge Mr. Malfoy öfters fehlt, scheint Ihnen ebenfalls ganz schön zuzusetzen, richtig?“ Ich zuckte zusammen, als hätte er mich geschlagen. Schnell sah ich weg und spürte in mir schon wieder dieses Chaos, das ausbrach, wenn ich daran dachte, dass Draco einfach fehlte und mir nicht einmal sagen wollte, wieso. Eigentlich war das ja zu privat, doch eine Stimme in mir sagte mir, dass ich ihm vertrauen konnte, also nickte ich. Snape erhob sich und ging unruhig im Zimmer auf und ab wie ein Tiger. Ich folgte ihm mit meinem Blick und trank ab und zu ein wenig von meinem Tee. Schließlich hob er an: „Ich habe schon früh durch Voldemort meine Frau verloren. Da ich aber einem Freund auch noch einen Gefallen schuldete, musste ich meine Tochter damals allein zurücklassen. Nie habe ich auch nur ein Wort von ihr gehört, doch
    sie wusste von mir noch weniger als ich von ihr. Ich weiß nicht, was sie heute von mir denkt, aber ich bin mir sicher, dass sie mich nicht für ihren Vater hält, sofern sie überhaupt denkt, dass ich existiere. Sie kennt mich nicht namentlich und weiß nicht, ob ihr Vater lebt oder tot ist. Ich habe zwar stets versucht, über sie zu wachen und sie durch ihren Patenonkel zu beschützen, doch sie ist uns unwissentlich entwischt und hat ihr Leben ohne Hilfe gemeistert. Vor einigen Jahren habe ich sie wieder gefunden und ihr Patenonkel hat Kontakt zu ihr aufgenommen. Unglücklicherweise jedoch starb jener vor einiger Zeit.“ „Das tut mir leid.“, warf ich betroffen ein, verstand jedoch noch nicht so recht, weshalb er mir gerade seine Lebensgeschichte erzählte. Wollte er darauf hinaus, dass ihm durch Voldemort so viel Schlimmes widerfahren ist, dass er mir helfen wird? Er nickte knapp. „Ich… - Du – musst mir verzeihen, bitte, ja?“, stotterte er. Jetzt verstand ich gar nichts mehr. „Was verzeihen? Wieso? Was ist denn los?“ Irritiert fragte ich und bemerkte es hinterher, wie dämlich das war. „Ich – bin dein Vater.“, flüsterte er schließlich erschöpft. Ich erstarrte. Snape war mein Vater? Ich hatte ihn jetzt sechs Jahre lang als Lehrer und er hatte mir nie etwas gesagt? Er hat mich einfach allein gelassen als kleines Kind und… Andererseits hatte er mir gerade seine Lebensgeschichte erzählt, die erklärt, wieso ich mich allein durchs Leben schlagen musste. Snape – Nein, halt, mein Vater setzte sich auf wieder auf den Stuhl und seufzte. „Ich weiß, es war falsch, dich allein zu lassen, aber ich hatte keine Wahl. Ich hatte Dumbledore versprochen, für ihn beim Dunklen Lord zu spionieren.“ Ich schrak auf. „Du – Du bist ein Todesser?“ Er nickte. „Ich gebe Dumbledore alle Informationen, die er braucht, um Harry und dich vorzubereiten.“ Jetzt sah ich das Ganze auf einmal mit anderen Augen. Ich stand auf, ging zu ihm und umarmte ihn. „Ich bin froh, dich bei mir zu haben, Dad.“ Völlig perplex saß er da und umarmte mich schließlich auch. „Und ich bin froh, dich endlich gefunden zu haben und dass du mir verziehen hast. Aber jetzt musst du so langsam wieder ins Bett. Hier, ich hab da was für dich, das dürfte dir gegen deine Träume helfen.“ Er gab mir ein Fläschchen, ein Fläschchen mit genau dem Trank, den mir Fred und George brauen wollten. „Ach noch was, dass ich dein Vater bin, sollte vielleicht nicht jeder wissen. Niemand weiß, dass ich je eine Frau hatte und zum Dunklen Lord sollte das auf keinen Fall durchsickern, ansonsten bist du in größter Gefahr.“ Ich nickte und lief schließlich, nachdem ich ihm eine gute Nacht gewünscht hatte, wie im Traum durch die Gänge zum Gemeinschaftsraum und dann in mein Bett. Dort nahm ich ein wenig von dem Trank zu mir und schließ ein. Tatsächlich schlief ich bis zum Morgengrauen durch ohne irgendwelche weiteren Albträume zu haben und fühlte mich weitaus erholter als sonst schon manchmal. Ich zog mich in Windeseile um und rannte in die Große Halle. Dass sonst kaum schon jemand wach war, interessierte mich nicht und ich nahm in aller Gemütsruhe mein Frühstück ein. Plötzlich tauchte Draco auf. Er setzte sich zu mir und ich freute mich total, ihn endlich wieder zu sehen. Doch dann fiel mir auf, dass er total erschöpft aussah. Er hatte dunkle Augenringe und war blasser als sonst. Auch von der Statur her war er eher abgemagert und erschrocken fragte ich: „Was ist los?“ Er schüttelte schwach den Kopf und meinte: „Nichts, nichts.“ Jetzt wurde ich wütend. Ich schnappte mir ein paar Toasts, zwei Spiegeleier und zog Draco mit mir fort. Ich stampfte rauf auf den Astronomieturm, hielt Draco das Essen hin und meinte: „So, und jetzt erzählst du mir alles! Wo du jedes Mal bist, was du machst und wieso du so mies aussiehst!“ Draco raufte sich die Haare und stöhnte. „Mädchen, ich kann dir das jetzt echt nicht sagen, sonst denkst du noch schlecht von mir! Das würde alles zerstören!“ Meine Augen wurden kalt. „Dass du es mir nicht erzählst, zerstört noch mehr. Wie soll ich dir denn noch vertrauen, wenn du es mir nicht mehr tust? Du bist fast nie da, erzählst mir nicht einmal was los ist und verlangst von mir, dass ich mich deine Freundin nenne? Ich habe dir von meinen Kräften erzählt! Das hätte ich niemals tun dürfen! Und du verheimlichst mir jetzt etwas Offensichtliches?“ Er hob abwehrend die Hände. „Ist ja gut! Aber sag bloß nicht, ich hätt dich nicht gewarnt.“ Er riss seinen linken Unterärmel hoch und zeigte mir seinen nackten Unterarm. Das Dunkle Mal prangte darauf und ich musterte den Arm kurz. Dann zog ich ihn an mich ran und presste meine Lippen auf seine. Etwas überrascht erwiderte er meinen Kuss und fragte danach: „Macht es dir nichts aus?“ Ich schüttelte den Kopf. „Nein, und jetzt will ich dir auch etwas erzählen, und du musst mindestens ebenso sehr wie ich darüber schweigen.“ Mit dem Kopf deutete ich auf das Mal und er nickte. Daraufhin erzählte ich ihm, dass ich die letzte Zeit immer öfter Albträume gehabt hätte und Snape mich eines Nachts beim Ablenken erwischt hätte. Als ich damit endete, dass Snape mein Vater war, fiel Draco die Kinnlade runter. „Snape ist dein – Vater?“, fragte er ungläubig und ich nickte. „Anscheinend.“ Er legte seinen Arm um meine Schultern und streichelte mir sanft meine wilden Haare aus dem Gesicht. „Tut mir leid, dass ich nicht da war, als du mich gebraucht hast. Das wird sich ändern.“ „Warte! Wo warst du denn genau? Was ist noch los, außer dass du Todesser bist?“ Er seufzte und meinte leise: „Er hat mir einen Auftrag erteilt. Ich – Ich…“ Er atmete tief durch und senkte den Kopf. „Ich soll Dumbledore töten.“ Dieses Mal fiel mir die Kinnlade runter. „Du sollst was?“, meinte ich erschrocken. Er nickte erschöpft. „Ich sitze schon seit Ewigkeiten dran, aber ich bekomm’s einfach nicht auf die Reihe! So langsam gehen mir echt die Ideen aus, nur, wenn ich es nicht schaffe, tötet er mich!“ „Nicht, wenn ich ihn zuerst töte.“, knurrte ich wütend und ließ eine kleine Schneeflocke erscheinen. Erschrocken sah er mich an, musste dann aber loslachen und schloss dann meine Hände, worin die Schneeflocke schmolz. „Das lässt du mal schön bleiben!“ „Na gut, dann müssen wir es eben schaffen.“ „Was, du willst mir helfen? Kommt nicht in Fra- …“ „Oh doch. Ich werde dir helfen. Du hast doch nicht allen Ernstes geglaubt, ich guck zu, wie du dich zu Tode schuftest, oder? Wenn du in der Schule Hilfe brauchst, sag einfach was, ich mach das schon für dich. Und ansonsten müssen wir einfach nur kreativ sein und uns was einfallen lassen, wie wir Dumbledore umbringen können. Er ist zwar einer der größten Zauberer unserer Zeit, aber nichts ist unmöglich.“ Draco lächelte, doch dann verfinsterte sich sein Blick. „Hey, aber ich will dich da nicht reinziehen!“ „Dann zieh ich mich da rein. Außerdem ist mein Vater auch ein Todesser. Also kannst du mich gar nicht raushalten.“, grinste ich frech, hielt ihm sein Frühstück unter die Nase und passte auf, dass er es aufaß. Dann machten wir uns gemeinsam auf den Weg zu Pflege Magischer Geschöpfe. Die nächsten paar Tage verbrachten wir damit, uns Pläne zu überlegen und das Verschwindekabinett im Raum der Wünsche zu reparieren. Draco erzählte mir schließlich, dass er eine Idee hätte. Er wollte eine Schülerin im Drei Besen mit einem Imperius-Fluch belegen, damit sie für ihn ein verhextes Collier zu Dumbledore bringen würde. Also gingen wir gemeinsam ins Drei Besen und warteten. Dann erschienen Harry, Ron und Hermine und Draco hatte schon wieder fast kein Bock mehr. „Die werden doch eh wieder alles rauskriegen!“, zischte er mir wütend zu, doch ich schüttelte heftig den Kopf. „Wenn wir uns nicht blöd anstellen, dann haben die gar keine Chance irgendetwas herauszufinden.“, flüsterte ich und zog ihn mit mir fort von ihnen. Da erhob sich Harry und rief nach mir. Seufzend bat ich Draco, alleine weiterzumachen und lief genervt zu ihnen. „Was?“, fauchte ich ihn an. Ron zuckte, sehr zu meinem Vergnügen, zusammen und Hermine sah mich ebenfalls irritiert an. „Nichts. Ich wollte nur, dass du mal von Malfoy wegkommst.“, knurrte Harry und setzte mich auf einen Stuhl. Widerwillig blieb ich sitzen und hoffte, dass Draco die Sache auch alleine durchbrachte. Zornig funkelte ich Harry an, der sich grinsend mir gegenüber niederließ und die drei begannen sich zu unterhalten. Da kam Professor Slughorn zu uns spaziert. Er lud mich, Harry, Hermine und einige andere Schüler zum Abendessen ein. Gespielt erfreut nahm ich die Einladung an und hoffte innerlich, dass es nicht ganz so schlimm wie ich erwartete werden würde. Nach einem Butterbier verließen wir zusammen die Drei Besen und gingen zurück nach Hogwarts. Plötzlich schrie wenige Meter vor uns ein Mädchen und wurde wild hin und her geschüttelt. Offensichtlich hatte sie ein Fluch getroffen. Besorgt näherten wir uns dem Schauplatz und ich erkannte, dass das Mädchen Katie Bell war, die das Collier zu Dumbledore bringen sollte. Ich zuckte zusammen und rannte los. Ich musste Draco Bescheid geben, dass da irgendetwas schief gegangen war. Als ich in Hogwarts ankam, suchte ich zuerst im Gemeinschaftsraum, doch dort war er nicht. Nachdem ich einmal durch ganz Hogwarts gelaufen war, betrat ich den Raum der Wünsche. Dort stand er wieder einmal vor dem Verschwindekabinett und setzte alles daran, es zu reparieren. „Draco, …“ Er fuhr herum, beruhigte sich aber, als er mich sah. Er schien erschöpft zu sein und seine Augenringe waren dunkler als sonst. Es tat weh, ihm das jetzt sagen zu müssen. „Es hat nicht funktioniert. Bell wurde von dem Fluch selbst getroffen.“ Er nickte und schloss die Augen. „Ich weiß.“, erwiderte er kurz und ließ sich dann auf den Boden sinken. Hilflos setzte ich mich zu ihm und umarmte ihn. „Hey, wir schaffen das schon.“ Er fuhr sich durch die Haare und nickte. „Ich bin mittlerweile ein wenig weiter mit dem Verschwindekabinett – aber man zersplittert noch,
    wenn man es benutzt.“ Seine grauen Augen waren voller Verzweiflung. Ich wollte ihm so gern helfen, wusste aber nicht wie. „Ich werde mal in der Bibliothek alle Bücher durchforsten.“, meinte ich kurzerhand. Er lächelte und nahm mich in seine Arme. Ich fühlte mich so mies, weil ich nicht mehr machen konnte. Dafür würde ich umso gründlicher sein, nahm ich mir vor. Ich setzte mich von nun an jede freie Minute, die mir blieb in die Bibliothek und suchte überall, konnte jedoch nichts finden. Ich saß gerade gedankenverloren in VgddK, als mich Hermine fragte, was ich heute Abend anziehen wollte. Ich schrak auf und sah sie fragend an. „Heute Abend? Was ist heute Abend?“ Verärgert tadelte mich Hermine, während ich mich darüber ärgerte, dass ich nichts gefunden hatte in der Bibliothek und was ich jetzt machen sollte. Dann sagte Hermine mir, dass heute Abend das Abendessen bei Professor Slughorn war. Das hatte ich komplett vergessen. Ich war sowieso nicht der ordentlichste Typ, aber hey! Nur ein wahres Genie findet sich im Chaos zurecht! Den ganzen Tag war ich vollkommen von der Rolle und machte mir nur noch Sorgen um Draco, der wieder mal fehlte. Ich stand gerade im Schlafsaal und machte für das Abendessen fertig. Seufzend zog ich mir ein schwarzes, bodenlanges Kleid an und ging zum Abendessen. Das Abendessen verlief mehr oder weniger ohne Zwischenfälle, doch fühlte ich mich nicht wohl dort. Offensichtlich zog ich die Aufmerksamkeit eines blonden Gryffindorers auf mich und schon allein bei dem Gedanken an seinen Blick fuhr es mir eiskalt über den Rücken. Ich war mir nicht ganz sicher, ob ihm klar war, dass ich eine Slytherin war und er keinerlei Chancen haben würde. Mein Platz war neben Harry, doch auch das entsprach nicht wirklich meinen Wünschen. Ich konnte ihn immer noch nicht leiden, gerade seitdem er mich so angefahren hatte, dass ich Draco ihm vorziehen würde. Ich seufzte und wandte mich wieder meinem Nachtisch zu. Lustlos stocherte ich in meinem Eis herum und hörte zu, wie Professor Slughorn die Schüler über ihre Eltern ausfragte. Ich ließ meinen Blick durch das Zimmer schweifen und musterte dann einige andere Schüler. Plötzlich öffnete sich die Tür. Ginny Weasley, ein Jahrgang unter mir, trat ein. Sie hatte rote Augen und ich musste mir ein Grinsen verkneifen, als Hermine mir und Harry erzählte, dass Ginny offensichtlich wieder Krach mit Thomas hatte. Anscheinend hatten Blutsverräter nicht allzu gute Nerven, dass sie bei so etwas gleich losheulen musste. Dann tadelte ich mich in Gedanken wieder. Besonders vorbildlich war ich in letzter Zeit ja auch nicht. Also musste ich mich erst wieder bessern, bevor ich über andere irgendetwas dergleichen denken wollte. Mein Magen kündigte an, gleich durchzudrehen, wenn ich jetzt noch mehr reinschob. Also lehnte ich mich zurück und unterdrückte ein Stöhnen. Nachdem ich mir noch einige Zeit mit diesem Abendessen angetan hatte, war es endlich rum. Erleichtert sprang ich auf, verabschiedete mich höflich und verschwand in Richtung Gemeinschaftsraum, bevor Harry wieder irgendwelche dämlichen Sprüche über mich und Draco loslassen konnte. Ich hatte im Moment wirklich besseres zu tun. An diesem Abend schlief ich recht schnell ein und hatte sogar ohne Trank keine Albträume mehr. Kurze Zeit später lud mich Professor Slughorn auch noch zu einer Party ein. Ich tat so, als würde ich mich freuen, doch innerlich kotzte ich bei dem Gedanken an eine Weihnachtsparty, die mindestens genauso langweilig wie das Abendessen werden würde. Als ich Draco davon erzählte, lachte er mich erst mal aus, bis er sich dazu aufraffte, mir zumindest ein wenig Trost zusprach. Dann wurden wir wieder ernster und probierten wieder stundenlang am Verschwindekabinett rum, bis wir schließlich erschöpft am Boden saßen und schwiegen. Ich lehnte mich an das Verschwindekabinett und als meine Hand den Boden berührte, fror dieser an der Stelle sofort ein. Erschrocken zuckte ich zurück, doch dann musste ich grinsen. Wenn ich mich nicht unter Kontrolle hatte, dann konnte so etwas ganz schnell passieren. Glücklicherweise war das bisher draußen noch nicht passiert! Ich lehnte mich an Draco und schloss die Augen. Als ich sie wieder aufschlug, war es dunkel. Ich zückte meinen Zauberstab und sagte: „Lumos.“ Sofort konnte ich etwas erkennen und Draco arbeitete scheinbar gerade wieder am Kabinett. Ich stöhnte und zupfte ihn am Ärmel. „Du, Draco, es ist schon spät und du musst auch mal schlafen!“ Er brummte etwas von: „Es geht um mein Leben!“ und machte weiter. Ich gähnte und betrachtete mich im Spiegel. Mittlerweile hatte ich auch schon Augenringe und alles in mir wandte sich dagegen, jetzt wach zu bleiben und ihm zu helfen. Mein Verstand schrie die gesamte Zeit, dass jeder Schlaf brauchte und es unvernünftig wäre, jetzt wach zu bleiben. Ich hörte nicht und sah Draco weiter wortlos zu. Ich weiß nicht, wie lange wir im Raum der Wünsche blieben und schufteten, aber plötzlich rief Draco aus: „Endlich! Wir haben’s geschafft!“ Erleichtert lächelte ich und erwiderte Dracos stürmischen Kuss. Jegliche Kraftlosigkeit schien von ihm gewichen zu sein. Dann, schlagartig, verfinsterte sich sein Gesicht. „Du solltest dich besser in Sicherheit bringen, ich rufe sie jetzt. Die bringen dich um, wenn sie dich finden!“ Ich kniff meine Augen zusammen. „Ich verstecke mich nicht, während andere kämpfen!“ „Bitte, tu es für mich!“ Ich schüttelte heftig den Kopf. „Nein!“, blieb ich standhaft. Er seufzte und hob mich auf. Ich wollte mich wehren, war aber zu erschöpft. Während ich meinen Kopf gegen seine Brust lehnte, brachte er mich in einen versteckten Winkel im Raum. Dort setzte er mich sanft ab und meinte: „So, und hier bleibst du, ganz egal was passiert, klar? Hier werden sie dich nicht finden.“ Er wandte sich um und wollte gehen, doch ich hielt ihn fest und presste meine Lippen auf seine. „Pass auf dich auf.“, flüsterte ich flehend. Er nickte und ging. Ich lehnte mich an das Gerümpel hinter mir und hörte ein Zischen, dann sah ich schwarzen Rauch von der Mitte des Raumes aufsteigen. Entsetzt hielt ich die Luft an. Einige Worte wurden gewechselt, boshafte Stimmen, dann verschwanden sie. Ich atmete auf und rappelte mich vorsichtig auf. Ich zog meinen Zauberstab, überlegte mir meinen ersten Zauberspruch und sah mich misstrauisch um. „Hallo?“, rief ich, doch nur das Echo hallte zurück. Ich holte tief Luft und hastete dann los. Als ich den Flur betrat, wollte sich die normale Hälfte in mir schon wieder zurück zum Raum der Wünsche umdrehen. Überall waren Blutspritzer, Menschen rannten umher, Flüche flogen durch die Luft, Geschrei, stickige Luft, fahles Licht, leblose Körper am Boden. „Avada Kedavra!“, hörte ich hinter mir und duckte mich reflexartig. Der Fluch ging über mir hinweg und ich schrie: „Stupor!“ Dann wirbelte ich herum und rannte los. Immer wieder duckte ich mich, um Flüchen auszuweichen, warf ziellos mit Gegenflüchen und Zaubern um mich und suchte nach Dracos blondem Kopf in der Menge. Fast das komplette Schloss hatte ich bereits nach ihm abgesucht, doch ein Stechen in meiner Seite und mein rasendes Herz machten mir klar, dass ich nicht mehr konnte. Ich stützte mich an der Wand ab und atmete heftig. Mit jedem Atemzug gelangte kaum Sauerstoff in meinen Körper und ich sah mich gehetzt um. „Bitte, bitte, lass jetzt keinen Fluch hierher kommen.“, betete ich innerlich und versuchte, mich zu beruhigen. Ich hatte Draco noch nicht gefunden und probierte, meine Gedanken zu sortieren. Was hatte er vor? Er ist mit den Todessern mitgegangen, also kämpft er vielleicht irgendwo, oder – nein! Auch wenn der Dunkle Lord nicht vorhatte, hierher zu kommen, Dracos ursprünglicher Auftrag war, Dumbledore zu töten. Wo wollte er es machen? Ich hatte alle möglichen Orte bereits abgesucht, außer – Dumbledores Büro und dem Astronomieturm. Dumbledores Büro schloss ich aus, da ich Dumbledore nicht so einschätzte, dass er nebendran saß und zusah, wie Hogwarts unterging. Nein, es musste der Astronomieturm sein. Ein „Crucio!“, riss mich aus meinen Gedanken, ich machte einen erschrockenen Satz nach vorne, entging dem Fluch so knapp und sah mich erschrocken um. Ein Todesser mit Maske richtete seinen Zauberstab auf mich und wollte gerade einen nächsten Fluch abfeuern, als ich ihn mit „Expelliarmus“ entwaffnete. Ich fing seinen Zauberstab auf und rannte los in Richtung Astronomieturm. Hastig stolperte ich die Treppenstufen hoch und war gerade in der Mitte angelangt, als ich komplett entkräftet hinfiel. Gerade noch so fing ich mich mit meinen Händen ab und setzte mich hin. Ich konnte jetzt nicht warten und Pause machen, aber meine Beine versagten bei jedem Versuch, aufzustehen. Ich lehnte mich ans Geländer, atmete tief ein und aus, riss mich innerlich zusammen und schaffte es schließlich mit zitternden Beinen aufzustehen. Langsam und dann immer schneller rannte ich wieder die Treppen hoch und entdeckte Draco oben stehen, den Zauberstab auf Dumbledore gerichtet. Hinter ihm waren einige andere Todesser und dann sah ich meinen Vater, Snape. Plötzlich hielt mir eine Hand von hinten den Mund zu und riss mich nach hinten. Ich fuhr herum, den Zauberstab gezückt und starrte in das Gesicht von Harry. Er deutete mir, still zu sein und ich funkelte ihn wütend an. Auf ihn würde ich bestimmt nicht hören. Oben rief Bellatrix gerade, dass Draco ihn endlich umbringen sollte. Ich zitterte und war mir nicht mehr so sicher, ob das wirklich gut war. Das hier war blutiger Ernst! Es würde Draco das gesamte Leben lang nachhängen, egal was er jetzt tat. Als ich Dracos Gesicht sah, betete ich, dass er es nicht tun würde. Da kam mein Vater von hinten herbei und murmelte Draco zu, dass er es lassen soll. Er zückte seinen Zauberstab, rief den Todesfluch und Dumbledore stürzte den Turm hinunter. Emotionslos sah mein Vater ihm zu und wirbelte dann herum. Alle anderen folgten ihm. Mir blieb der Schrei im Hals stecken.
    Mein Vater – ein Mörder. Naja, andererseits wäre mein Freund einer gewesen, von daher. Da kamen die Todesser neben uns die Treppe heruntergelaufen. Harry hielt mich fest, für den Fall, dass ich jetzt Draco nachstürzen wollte. Und in der Tat, das wollte ich. Lautlos kämpften wir gegeneinander, doch Harry behielt die Oberhand. Dann sah ich Bellatrix Lestrange vorbeilaufen, die Mörderin von Sirius. Die Wut, die in mir aufstieg, verlieh mir die Kraft, sich loszureißen und ich stürzte mich auf sie. „Du!“, kreischte ich. „Du hast ihn umgebracht, DU hast Sirius getötet!“ Höhnisch sah mich Bellatrix an und meinte: „Ja, das habe ich!“ Ich richtete meinen Zauberstab auf sie und hob an: „Avada Ke-” In dem Moment riss mich einer von den Todessern zurück. Ich wandte mich um und starrte in eine Todessermaske, die spöttisch grinste. Er hielt mich fest und ich versuchte, mich loszureißen, hatte jedoch keine Chance. Ich musterte die anderen Todesser. Dann starrte ich in die entsetzten Gesichter von Draco und meinem Vater. Ich schrie auf, als der Todesser meinen Arm mir fest in den Rücken rammte. Da sprang Harry hervor und entwaffnete einige der überraschten Todesser. Er schockte den Todesser, der mich festhielt und ich riss mich schwer atmend los. Dann half ich Harry mit den übrigen Todessern und sie rannten davon. Ich wollte mit Draco reden, doch er ging mit ihnen. Auch mein Vater verschwand. Verzweifelt setzte ich mich auf die Treppe und sah ihnen nach. Da kamen Ron und Hermine angestürmt. „Harry, was ist passiert?“ Ich stützte gerade meinen Kopf auf meine Arme, als Harry neben mir anstieß und los tobte. „Sag mal, hast du sie noch alle? Du bist unsere letzte Hoffnung und stürzt dich einfach mal so in eine Gruppe Todesser! Die hätten dich jetzt mitgenommen zu Voldemort!“ Ich sprang auf die Beine und Hermine und Ron starrten mich an. „Du hast was getan?“, kreischte nun auch Hermine und Ron stöhnte. „Ist dir klar, was da hätte passieren können?“ „Dich kann niemand ersetzen! So etwas darfst du niemals tun! Hör das nächste Mal gefälligst, wenn ich dir etwas sage!“, schrie Harry weiter. Jetzt hatte ich den Hals endgültig voll. „Haltet mal die Klappe!“ Mein Schrei übertönte die anderen und schlagartig waren sie alle still. „Ich habe auch noch so etwas wie ein Leben, klar? Es ist mir scheißegal, ob ich unersetzbar bin oder sonst irgendwas! Bellatrix hat Sirius umgebracht und hätte es verdient gehabt!“ In meinen Augen loderte Hass und Rachsucht auf. Ich wurde so übermannt von meiner Wut und Verzweiflung, dass die anderen einen Sicherheitsabstand gehalten hatten. Entsetzt sahen sie mich an. Doch das war mir egal. Ich konnte sie nicht leiden und würde niemals freiwillig auf sie hören. „Ihr habt kein Recht, mich vom Leben abzuhalten! Ich darf lieben, wen ich will, vertrauen, wem ich will, und vor allem machen was ich will! Ihr habt mir rein gar nichts zu sagen!“, machte ich weiter und stürmte dann davon. Anscheinend hatten die Todesser das Schloss verlassen, denn überall eilten Menschen in und her und versorgten die Verletzten und räumten auf. Ich rannte hinunter und entdeckte draußen Feuer. Erschrocken stürzte ich nach draußen, um nachzusehen, was los war und in der Hoffnung, Draco und meinen Vater zu finden. Hinter mir keuchte Harry. Hagrids Hütte stand in Flammen und darum herum tanzte Bellatrix. Nebendran standen die anderen Todesser und ich erkannte von oben Dracos weißblonde Haare und meinen Vater mit seinen schwarzen Haaren. Meine Beine setzten sich von selbst in Bewegung und ich hastete hinunter, so schnell es ging. „Draco!“, rief ich von weitem und er drehte sich entsetzt um. Snape wandte sich ebenfalls um und folgte meinen Schritten mit starrem Blick. Er schien etwas von wegen „Bitte nicht!“ zu murmeln, doch ich achtete auf nichts. Ich wollte jetzt mit Draco und meinem Vater reden, nicht erst in zehn Jahren. Hinter mir hechtete Harry den Weg runter. „Warte!“, rief er andauernd, doch ich reagierte nicht. Ich stoppte atemlos bei Draco und versuchte erst mal, meine Atmung wieder zu beruhigen. Draco schien hin und her gerissen zu sein zwischen zwei Welten. Vermutlich war er sich nicht sicher, ob es jetzt geschickt wäre, zu zeigen, was er für mich empfand, doch das war mir jetzt egal. „Draco – bitte, geh – nicht!“, brachte ich hervor, während ich schwer und hektisch atmete. Mein Vater trat dazu und zischte: „Du solltest gar nicht hier sein!“ In seiner Stimme war die Besorgnis nur zu gut zu hören. Ich winkte ab. „Ich – wollte mit euch reden. – Jetzt, - Nicht erst in – Zehn Jahren!“ „Snape, Sie! Sie haben ihn umgebracht!“, rief Harry hinter uns. Mein Vater ging und befasste sich mit Harry. Die anderen Todesser umringten uns. In Dracos Augen flackerte Unsicherheit auf und er sah mich verzweifelt an. „Ich kann nicht.“, flüsterte er dann. Bellatrix lachte ein hohes, grausames Lachen. „Sieh mal einer an, du bist ja schon wieder da! Wolltest du Draco davon überzeugen, sich nicht uns anzuschließen?“ Ich gab keine Antwort, ebenso wenig wie Draco und sie kicherte. „Greyback, nimm sie. Der Dunkle Lord soll entscheiden, was wir mit ihr machen. Immerhin war sie mutig genug, sich zweimal uns allen in den Weg zu stellen!“ Ein grausamer Ruck riss meine Arme nach hinten auf den Rücken und im nächsten Moment apparierten wir. Mein Magen zog sich unangenehm in die Länge. Ich hasste das Apparieren. Als ich landete, befand ich mich in einer Eingangshalle eines riesigen Anwesens. Greyback zerrte mich einige Treppen hinauf in einen kleinen Raum. Ich sah mich um. Außer einer Tür gab es keinerlei Möglichkeiten, nach draußen zu gelangen. Möbel gab es in diesem Raum nicht. Alles war in einem grellen Grau gehalten. Ich ließ mich seufzend an einer Wand niedersinken. Ich fühlte mich, als hätte ich keinerlei Kraft mehr. Ich schloss die Augen, doch genau in dem Moment öffnete sich die Tür und ein kalter Luftzug kam herein. Panisch schlug ich die Augen wieder auf und erhob mich. Ein kaltes Lachen ließ mich erschauern. Ich erblickte den Dunklen Lord und sah direkt in seine roten Augen. Sein Blick schien mich zu durchdringen und er fragte: „Und, wer bist du?“ Diese Stimme kannte ich, von früher! Ein grüner Blitz und meine Mutter war tot. Und er war es, er der es nun wagte, sich vor mich zu stellen! Eine Welle der Wut durchfuhr mich erneut, doch dieses Mal schaffte ich es, mich zu beherrschen. Vermutlich deshalb, weil ich sowieso keine Kraft mehr hatte. Er kniff die Augen zusammen. „Ich warte.“, zischte er. Ich brauchte eine Notlüge! Normalerweise log ich ja nicht, aber er durfte niemals erfahren, wie ich hieß! Okay, was für Namen gab es… „Sophia … Miller.“, brachte ich schließlich hervor und hoffte, dass ich damit durchkommen würde. Er grinste gemein. „So, so. Mir wurde berichtet, dass du dringendst noch einmal mit dem jungen Malfoy reden wolltest.“ Ich starrte ihn wortlos an. Jetzt bloß nichts verraten! Ich erinnerte mich an mein drittes Schuljahr auf Hogwarts. Professor Lupin brachte mich dazu, mich vor der gesamten Klasse dem Irrwicht entgegenzustellen. Ich wusste, in was er sich verwandeln würde. Er wurde zu Draco. Nicht, weil ich Angst vor Draco hatte, nein. Weil ich Angst vor meinen Gefühlen für ihn hatte und dass ich damit erpressbar werden würde. Ich hatte nicht vor, Todesserin zu werden. Aber ich würde Draco deshalb nicht sterben lassen. „Anscheinend hast du zu viele Gefühle für ihn entwickelt.“, zischte der dunkle Lord weiter. Ich presste mich gegen die Wand in der Hoffnung, dass sie nachgeben würde und ich fliehen könnte vor dieser kalten Stimme, die mir solche Kopfschmerzen bereitete, doch nichts geschah. Er tigerte vor mir auf und ab. Schließlich blieb er stehen und sah mir mit einem so grausamen Blick in die Augen, dass meine Knie wackelig wurden. Er drang in meinen Kopf ein und durchsuchte meine Erinnerungen. Normalerweise konnte ich einem solchen Angriff widerstehen, doch jetzt hatte keine Kraft mehr dazu. Er schien gefunden zu haben, wonach er gesucht hatte: Dem ersten Kuss mit Draco. Er ging meine Geschichte mit Draco komplett durch und zog sich anschließend wieder zurück. „Du weißt viel zu viel.“, murmelte er leise mit einem gefährlichen Glitzern in den Augen und schlug die Tür wieder hinter sich zu. Erleichtert atmete ich auf. Endlich war er weg. Dann sah ich mich um. Gab es wirklich außer dieser Tür keinen anderen Ausweg? Offensichtlich nicht. Ich richtete mich auf, nahm die Schultern zurück und zückte meinen Zauberstab, den sie mir seltsamerweise nicht abgenommen hatten. Ob Anfängerpech oder gewollt, wusste ich nicht, war mir aber auch egal. Ich ging zur Tür, flüsterte „Alohoma!“ und wollte die Tür öffnen. Ich schaffte es nicht. Wahrscheinlich war die Tür durch Sicherheitszauber abgesichert worden. Ich fluchte und trat wütend gegen die Tür. „Ruhe!“, brüllte eine Männerstimme von draußen. Ich zuckte zurück und musste anfangen zu lachen. Ich lachte und lachte. So ernst die Lage auch war, ein wenig Spaß musste erlaubt sein. Die Tür knallte auf und ich machte einen erschrockenen Satz rückwärts. Ein gewaltiger Mann stand in der Tür und sah mich bitterböse an. Er stampfte in den Raum zu mir und hob zu einer Strafpredigt an, die wahrscheinlich genauso gewaltig wie er selbst werden würde. Doch ich sah meine Chance gekommen, duckte mich und flitzte neben ihm durch die Tür. Ich sprang die Treppen in allerhöchster Eile hinunter und schockte einen Todesser, der sich mir in den Weg stellte. Nach hinten sah ich nicht, obwohl mir da vermutlich gerade eine ganze Todesserarmee folgte. Mein Problem lag aus meiner Sicht gesehen viel mehr vor mir. In der gesamten Eingangshalle befanden sich Todesser und es wurden von Sekunde zu Sekunde mehr. Und sie alle hatten längst bemerkt, dass ich wohl nicht hier sein sollte. Nachdem ich an den ersten paar vorbeigekommen war mit ducken, springen und ausweichen, wurde diese Übermacht schließlich doch zu groß und sie bekamen mich
    zu fassen. Wütend trat ich um mich und einige bekamen meinen Fuß zu spüren, doch es gelang ihnen, mich fortzuschleppen. Zu meinem Erstaunen brachten sie mich jedoch nicht zurück in meinen kleinen Raum, sondern führten mich in einen größeren, in dem bereits zahlreiche Todesser waren. Auch Voldemort stand dort und sah mich spöttisch grinsend an. „Ach, sieh mal an, hat die Kleine den Weg zu uns auch noch gefunden, obwohl sie wie ich gehört habe einige Umwege gemacht hat!“ Ich sah mich kurz um und suchte den Raum nach Draco ab. Am Tisch entdeckte ich ihn. Er sah mich kurz an und wandte den Blick dann schnell ab. Ich verzweifelte fast. Wollte er nichts mehr von mir wissen, weil ich so stur war und mich selbst in diese Situation gebracht hatte? Die Todesser warfen mich vor Lord Voldemort auf die Knie und ich senkte den Kopf, um nicht wieder in diese grässlichen roten Augen blicken zu müssen. Wenn er mich nun durch Draco zwingen würde, hatte er gewonnen. Es war mir egal, was er von mir hielt, ich würde ihn nicht deshalb sterben lassen. Die Todesser setzten sich und Voldemort hob an: „Meine lieben Freunde! Heute ist ein historischer Tag! Hogwarts steht uns nun endlich frei, denn Dumbledore ist tot!“ Sein schauerliches Lachen hallte durch das Gebäude und alle andern stimmten ein. Ich schluckte schwer. „Zur Feier dieses Tages werden wir zudem auch noch hoffentlich bald eine weitere Anhängerin haben!“ Er grinste hämisch und einige lachten wieder. „Komm, sieh mir in die Augen!“, säuselte der Dunkle Lord und ich kniff wütend die Augen zusammen. Dann sah ich mit einem zornigen Funkeln hinauf zu ihm. „So ist’s gut! Und nun hör mir zu. Du hast zwei Möglichkeiten: Entweder du stirbst oder du schließt dich mir an.“ „Lieber sterbe ich!“, knurrte ich wütend. Voldemort lachte und deutete in eine Ecke des Raumes. Ich folgte seiner Hand und erstarrte, als ich sah, wie einer der Todesser Draco ein Messer an die Kehle hielt. „Bleibst du bei deiner Meinung und riskierst, dass auch ein anderer sein Leben dafür opfern muss?“, lachte der Dunkle Lord nun. „Ich unterwerfe mich.“, sagte ich mit bebender Stimme. Einige fingen an zu applaudieren und lachten. Viele jubelten. Er rief: „Dann streck deinen linken Unterarm aus!“ Zitternd schob ich meinen Ärmel hoch und streckte den Unterarm hin. Voldemort zückte währenddessen seinen Zauberstab und nahm dann meinen Arm. Er drückte seinen Zauberstab auf ihn und ein brennender Schmerz durchfuhr mich. Ich schrie auf, doch im selben Moment blendete mich ein gleißendes Licht, das mich umgab. Ein Schock durchfuhr mich. Waren das meine Kräfte? Hatte ich mich nicht mehr unter Kontrolle? Nein, so etwas spürte ich. Und im Moment war das Einzige, das ich spürte ein stechender Schmerz im linken Unterarm. Ich hörte, wie der Dunkle Lord anfing zu schreien. Ich öffnete die Augen wieder und das Licht verschwand wieder, bis nur noch ein schwaches Leuchten auf meinem linken Unterarm zurück blieb. Entsetzt musterte ich es. Was war das bloß? Die Todesser sahen lediglich erschrocken drein. Voldemort fing an, mich anzuschreien. „Was war das? Woher kam das? Was bist du? Wieso ist das Mal nicht erschienen?“ Ich zuckte lediglich mit den Schultern. Ich war mindestens genauso ratlos wie er. Plötzlich wurde die Tür aufgerissen und Luna Lovegood, Neville Longbottom, Blaise Zabini, die Zwillinge und Ginny kamen hereingestürmt. Sofort begann der Kampf und ich sprang sofort auf und zog meinen Zauberstab. Doch bevor ich Voldemort angreifen konnte, war er bereits verschwunden. Dann fiel mir etwas ein. Ich wirbelte herum und sah zu Draco. Niemals durften die anderen erfahren, dass er ein Todesser war! Ich sah ihn, wie er sich im Hintergrund aufhielt und mir fiel ein Zauberspruch ein, den ich früher oftmals benutzt hatte, um unauffällig Dinge aus einem Laden mitgehen zu lassen. Ja, ich hatte geklaut, aber anders hätte ich mich niemals durchschlagen können. Ich wich den ganzen Flüchen und Zaubern aus und kam schließlich zu Draco. „Desillusionierungszauber!“, keuchte ich. „Was?“, fragte er mich. Und ich hielt inne. Halt, richtig, vermutlich kannte er ihn gar nicht. „Ich habe ihn früher oft angewandt. Der Zauber wird auch Ich-seh-nicht-recht-Zauber genannt, er gleicht dich dem Hintergrund an, vor dem du dich gerade befindest, macht dich also mehr oder weniger unsichtbar.“ Er nickte und ich murmelte den Zauberspruch in Sekundenschnelle. Sofort verblasste Draco und ich wandte mich um. Gerade rechtzeitig, denn Fred tauchte auf. „Los, komm! Wir holen dich hier raus, aber wir können sie nicht ewig aufhalten!“ Ich nickte und rannte los. Fred folgte mir und rief die andern zum Rückzug auf. Gemeinsam feuerten wir abwechselnd Zaubersprüchen nach hinten ab und verschwanden so von dem Anwesen. Ich fragte George, der neben mir rannte, während wir uns vom Anwesen entfernten: „Wo war ich? Wem gehört das Haus?“ „Das ist das Haus der Malfoys!“ Ich zuckte bei dem Namen zusammen, fing mich aber sofort wieder. Draco war in Sicherheit. Etwas weiter im Wald waren die Besen versteckt und gemeinsam flogen wir in Windeseile zum Orden des Phönix. Dort hatten sie bereits ein Zimmer für mich vorbereitet und kaum war ich dort fiel ich ins Bett und schlief ein. Als ich wieder aufwachte, schien die Sonne in mein Zimmer hinein. Ich stand auf und schlüpfte in meine Schuhe. Dann fuhr ich mir verschlafen durch die Haare und fiel fast über Fred, der vor meinem Bett lag. Erschrocken schrie ich auf und atmete tief durch. Fred erwachte durch meinen Schrei und grinste mich an. „Und, gut geschlafen?“ „Verdammt, Fred, musst du mich so erschrecken? Bei Merlins Bart!“ Er lachte und stand auf. Dann liefen wir gemeinsam runter in die Küche, wo das Frühstück bereits gerichtet war. „Was hast du überhaupt vor meinem Bett gemacht?“ „Dafür gesorgt, dass jemand da war, wenn sich noch einmal ein Todesser so nah an dich ran wagen sollte!“ Ich lachte und setzte mich. Zusammen hatten wir ein äußerst unterhaltsames Frühstück und besonders jetzt fiel mir wieder auf, wieso ich die Zwillinge so mochte. Durch ihren Humor, von dem sie immer eine reichliche Portion übrig hatten, wurde das Leben sehr viel schöner und die dunklen Bereiche fielen. So hatte ich den Schock sehr viel besser und schneller verarbeitet, als sonst. Doch trotz allem vermisste ich Draco. Es war zwar lustig, aber ohne ihn fehlte etwas und ich wusste nicht einmal, wo er war. Ich verbrachte die nächsten paar Tage im Quartier des Orden, redete kaum mit Harry, Ron und Hermine und fühlte mich so einsam wie nie zuvor. Ich hatte die Zwillinge und verstand mich prima mit ihnen. Nachdem ich meinen Entschluss, mich den Zwillingen anzuvertrauen umgesetzt hatte, ging es mir deutlich besser und einige Tage später konnten wir auch wieder zurück nach Hogwarts. Es war um einiges düsterer geworden, seit Dumbledores Tod und es standen nur noch die Prüfungen an. Danach kamen die Ferien und endlich das letzte Schuljahr. Es wurde noch nicht bekannt gegeben, wer der neue Schulleiter war, doch das war mir im Moment auch egal. Ich paukte eifrig für die Prüfungen und bestand alle glänzend. Dass Draco fehlte, versuchte ich nicht zu beachten. Die Sommerferien kamen und die Zwillinge boten mir an, dass ich mit ihnen wieder im Hauptquartier des Orden wohnen durfte. Ich willigte ein und freute mich schon auf die Zeit. Gemeinsam mit George und Fred fuhr ich zurück und bezog mein Zimmer wieder. Für Tornado zauberten wir einen Stall, der geräumig genug für ihn war. Zudem unternahmen wir jeden Tag Expeditionen mit ihm, sodass er sich genug austoben konnte. Von meinem Vater oder Draco bekam ich jedoch die gesamten Sommerferien über keine Nachricht. Dem goldenen Trio hatte ich immer noch kein Wort davon erzählt, dass Snape mein Vater war und zudem herrschte zwischen uns immer noch todernstes Schweigen und wir sprachen nur in den nötigsten Fällen miteinander. Am Ende der Ferien kam der Brief von Hogwarts und wir besorgten uns wie üblich die Sachen für das kommende Schuljahr, wobei Fred und George mir lediglich beim Tragen halfen, da sie ja nicht mehr zur Schule gehen mussten. Irgendwo konnte man die beiden fast beneiden. Einige Tage später hatte ich gepackt und saß im Zug nach Hogwarts. Harry, Ron und Hermine waren dieses Mal nicht dabei. Sie mussten noch Harrys Bestimmung nachkommen und meinten, sie würden mich von Hogwarts abholen, sobald sie fertig waren und ich dran war. Ich seufzte und starrte aus dem Fenster. Noch war ich allein im Abteil, doch ich nahm an, dass das nicht mehr lange so bleiben würde. Das Wetter war kalt und nass. Es war neblig und es regnete in Strömen. Der Himmel war von grauen Wolken behangen und die Landschaft zog an mir vorbei. Ich hatte Draco am Bahnhof nicht gesehen und so entsprach das Wetter ungefähr meiner Laune. Die Tür meines Abteils öffnete sich und Zabini trat ein. Er fragte nicht, ob er sich setzen dürfe, sondern nahm einfach gegenüber von mir Platz. Ich blickte nicht auf, sondern wandte mich weiterhin dem Fenster und meinen trüben Gedanken hin. „Willst du wissen, wo Draco ist?“ Bei ‚Draco‘ horchte ich auf und nickte heftig. Er lächelte schwach und meinte: „Du-weißt-schon-wer setzt ihn ganz schön unter Druck, aber er meinte, dass er bald nachkommt.“ Ich musterte Zabini. Er hatte sich in der letzten Zeit verändert. Ob ich ihm mittlerweile vertrauen konnte? Immerhin hatte er mich vor ein-zwei Jahren fast vergewaltigt! Er spürte meinen Blick und grinste. „Keine Angst. Ich werd’s nicht wieder versuchen. Wobei, wenn du willst…?“ Ich schüttelte schnell den Kopf. „Bloß nicht!“ Bei seinem enttäuschten Gesicht musste ich lachen. „Hey, ich hab einen Freund! Und ich werde ihn nicht hintergehen!“ Er schien Verständnis dafür zu haben und wir unterhielten uns die gesamte Fahrt über. Am Ende hatte ich einen weiteren Freund, dem ich vertrauen konnte. Wir liefen nachdem wir in Hogwarts angekommen waren direkt in die Große Halle, setzten uns an den
    langen Tisch und musterten den Raum. Es war so dunkel! Alles war düster und kaum Licht leuchtete. Die Kerzen waren verschwunden und die Fackeln an den Wänden waren die einzigen Lichtspender. Die Halle füllte sich mit Gemurmel und es dauerte eine Weile, bis alle da waren und sich beruhigt hatten. Blaise, wie ich ihn mittlerweile nannte, stupste mich an und deutete nach vorne. Dort saß mein Vater auf Dumbledores Stuhl und ließ seinen Blick über die Schüler schweifen. Er lächelte mir kurz zu und erhob sich dann, um zum Pult zu gehen. In der Halle wurde es still. Alle blickten gebannt nach vorne und warteten darauf, was geschehen würde. „Willkommen zu einem weiteren Jahr in Hogwarts. Ich bin euer neuer Direktor, da Dumbledore letztes Jahr Opfer eines tragischen Unfalls wurde. Es gibt zwei neue Gesichter in unserem Kollegium: Alecto und Amycus Carrow.“ Zwei stämmige Personen stemmten sich an den Tischen in die Höhe. Eine Frau und einen Mann, wobei man die Frau kaum vom Mann unterscheiden konnte. Sie kamen mir bekannt vor und plötzlich fiel mir ein, dass sie wohl beide am Angriff auf Hogwarts beteiligt waren. Todesser. „Toll.“, meinte ich ironisch und musterte beide. Sie sahen nicht so aus, als wäre mit ihnen leicht Kirschen essen. Wenn der Dunkle Lord sie beide in ihrer Gefolgschaft hatte und hierher nach Hogwarts als Lehrer gesandt hatte, dann mussten sie ihm wohl ziemlich treu gedient haben bisher und mit solchen Todessern hatte man definitiv kein leichtes Leben. „Alecto wird mich in VgddK und Amycus wird Professor Sprout in Kräuterkunde ersetzen.“ Er ließ eine Pause, um die Zeit zu einem kleinen Applaus zu gewähren. Anfangs zögerlich, danach immer kräftiger kam der Applaus auf und verstummte dann so schnell, wie er gekommen war. Alle waren unruhig, denn jeder musste bemerkt haben, dass man mit diesen grimmigen Gesichtern wohl kaum viel Spaß haben würde, zudem war mein Vater wirklich nicht der Lieblingslehrer der Schule, wobei ich bis heute nicht verstand, wieso. Wahrscheinlich waren die anderen Häuser lediglich neidisch darauf, dass er unser Hauslehrer war, aber das ging mich nichts an. „Des weiteren“, hob er wieder an, „gibt es nun ein paar neue Regeln. In den Pausen ist nicht nur das Zaubern, sondern das Aufhalten auf den Fluren nicht mehr gestattet.“ Empörtes Gemurmel kam auf, dem er mit schneidender Stimme sofort Einhalt gebot. „Ruhe! Die Hauslehrer führen ihre Schüler aus den Gemeinschaftsräumen zum Essen und wieder zurück. Das Reden auf den Fluren ist zudem verboten und die Schüler haben sich in Viererreihen aufzustellen und im Gleichschritt zu gehen. Um aufs Klo zu dürfen, muss vorher die Erlaubnis eines Lehrers eingefordert werden. Wer sich den Anweisungen eines Lehrers widersetzt, wird sofort der Schule verwiesen. Euch allen“, fügte er fies grinsend hinzu, „ein wunderschönes Schuljahr.“ Er setzte sich unter Applaus wieder und das Essen erschien. Ich seufzte. Auch wenn ich seine Tochter war, machte ich mir Sorgen. Mir war klar, dass er mich nicht bevorzugen durfte und konnte, da er sonst auffallen würde. Aber würde er mich der Schule verweisen, wenn ich Mist bauen würde? Blaise rammte mir seinen Ellbogen in die Seite und meinte: „He, was ist los? Du isst ja gar nichts!“ Mit den Worten schaufelte er mir haufenweise Essen auf meinen Teller. Ich murmelte: „Mach mir nur Sorgen wegen der ganzen neuen Regeln und der neuen Lehrer.“, und stocherte in meine Essen herum. Die Lust auf das neue Schuljahr war mir tatsächlich etwas vergangen. Die Zeit verging rasch und plötzlich verschwand das ganze Essen. Jeder im Saal erhob sich und ein lautes Gerede erhob sich. „Ruhe!“, zischte mein Vater und sofort waren alle wieder still. Wir stellten uns in Viererreihen auf und die Hauslehrer führten uns in die Gemeinschaftsräume. Dort ging ich schweigend in den Schlafsaal und packte meine Sachen aus. Es fiel mir schwer, so zu tun, als wäre Snape nicht mein Vater, sondern ein Lehrer, der nun Direktor war und kein Mitleid zeigte. Dieses Gefühl der Einsamkeit breitete sich wieder in mir aus. Andauernd hatte ich das Gefühl allein zu sein und von niemandem verstanden zu werden. Es klopfte und auf meinen Ruf „Herein!“, trat Professor McGonagall ein. Ein Raunen ging durch den Schlafsaal. Was wollte die Hauslehrerin von Gryffindor hier? „Professor Snape wünscht Sie zu sehen, Miss Carter.“, sagte sie kühl und deutete mir, ihr zu folgen. Überrascht ließ ich meine Klamotten, die ich gerade aus meinem Koffer geholt hatte, auf meinem Bett liegen und folgte ihr schweigend. Sie führte mich zum ehemaligen Büro von Professor Dumbledore, welches nun das Büro meines Vaters geworden war. Ich trat ehrfürchtig ein und erblickte meinen Vater, wie er gerade mit einem anderen, etwas älteren Mann, der so um die Fünfzig sein musste, sprach. Er wandte sich uns zu und meinte: „Danke, Minerva.“ Mit einem Wink hieß er sie zu gehen. „Hier ist jemand vom Ministerium, der noch etwas für dich hat. Der fremde Mann kam auf mich zu und fragte: „Sind Sie Saphira Carter?“ Ich nickte. „Schön, dann beginnen wir doch gleich.“ Er trat zu einem Stuhl und holte eine Pergamentrolle aus einer schwarzen Ledertasche. Interessiert beobachtete ich ihn, wie er die Pergamentrolle auseinanderrollte und anfing, vorzulesen. Anfangs verstand ich kein Wort von dem, was er sagte und so betrachtete ich das Büro, das sich seit Dumbledores Tod verändert hatte. Es war dunkler geworden, die Schränke waren mit allerlei Kräutern und Gläsern vollgestopft und kaum einer käme hierbei auf die Idee, dass das hier das Büro eines Direktors wäre. Es ähnelte wohl viel mehr dem Arbeitsort eines alten Teufelsanbeters. Auf einmal streckte mir der Mann seine Hand mit einer weiteren Pergamentrolle hin. Irritiert nahm ich sie und fragte: „Was ist das?“ Er runzelte die Stirn und meinte entnervt: „Das hat Ihnen Professor Dumbledore vermacht, gemeinsam damit.“ Mit diesen Worten griff er noch einmal in seine Tasche und holte ein Buch heraus. Jetzt verstand ich. Dieser Mann war vom Ministerium und hatte die Aufgabe, Dumbledores letzten Willen umzusetzen. Er packte die lange Rolle, die er vorgelesen hatte zurück in seine Tasche, verabschiedete sich und verschwand. Ich sah meinen Vater an. Wollte er noch mit mir reden? Er hatte sich, während der Ministeriumsangestellte diesen ewig langen Text vorgelesen hatte, gesetzt und deutete nun auf den Stuhl. „Komm, setz dich!“, meinte er freundlich. Ich gehorchte und er machte das Feuer im Kamin an. „Wie geht es dir?“, fragte er leise. Ich zuckte mit den Schultern. „Geht.“ „Du siehst jedes Mal so bedrückt aus, wenn man dich sieht.“, bohrte er weiter. „Ich habe bei den neuen Lehrern und Regeln meine Bedenken.“, meinte ich lediglich. Er nickte. „Verständlich. Ich muss so streng wie möglich sein. Niemand darf Verdacht schöpfen und zudem hatte diese Schule so etwas schon dringend mal nötig.“ „Aber musste es gleich ganz so streng sein?“, fragte ich vorsichtig. Er holte tief Luft. „Jetzt am Anfang ja. Wenn es gut läuft, werde ich die Regeln vielleicht etwas lockern, wobei ich damit aber aufpassen muss. Der Dunkle Lord würde das mit Sicherheit nicht befürworten.“ „Ist das alles, was dich bedrückt?“ Ich senkte den Blick. War das alles? Nein. Ich hatte Draco seit meinem Besuch auf seinem Anwesen nicht mehr gesehen. Langsam schüttelte ich den Kopf. „Nein.“, sagte ich knapp. Sein Blick war so sanft und verständnisvoll, wie ich ihn noch nie gesehen hatte. „Ich hoffe, Zabini hat dir gesagt, was mit Draco los ist.“ Ich schluckte. „Er hat gesagt, dass der Dunkle Lord Draco momentan unter Druck setzt, Draco aber bald nachkommen will.“ Mein Vater sah mir in die Augen. „Draco darf auf keinen Fall Kontakt zu dir aufnehmen in der Zeit, in der er vom Dunklen Lord überwacht wird.“ Meine Beklommenheit verwandelte sich in Entgeisterung. „Er wird überwacht?“ „Das werden wir alle. Deshalb kann ich nicht oft mit dir reden und darf keinen falschen Tritt machen.“ Er seufzte. „Er weiß, dass du auf Hogwarts bist und er ist immer noch verwirrt, weshalb das Dunkle Mal bei dir nicht geklappt hat.“ „Weißt du es denn, warum es nicht funktioniert hat?“ „Ich bin mir nicht sicher. Aber du bist der letzte Teil einer Prophezeiung, die erfüllt werden muss, damit die Welt vor einer langen und großen Dunkelheit gerettet wird. Vermutlich hat dich deine Mutter mit ihrer Kraft kurz nach deiner Geburt durch einige Schutzzauber vor Lord Voldemort beschützt. Da sie genau wie du besondere Kräfte hatte, hatte sie als einzige vermutlich die Möglichkeit, dich vor ihm wirklich zu beschützen.“ Seine Augen waren glasig geworden. Ich nahm an, dass er gerade ein Bild meiner Mutter vor dem inneren Auge hatte. Auf einmal glänzten seine Augen verdächtig, doch dann fuhr er fort. „Dazu kam aber vermutlich auch noch eine andere, dieser Welt vollkommen fremde Kraft. Ich glaube, dass das Schicksal da seine Finger auch mit verwickelt hatte. Wenn du eine Todesserin geworden wärst, wäre diese Welt dem Untergang Preis gegeben worden.“ „Aber, … warum hätte ich als Todesserin ihn nicht mehr umbringen können?“ „Du hättest ihn rein theoretisch schon noch umbringen können, doch hätte er dich so gut wie komplett unter Kontrolle gehabt. Er hätte gewusst, wo du dich befindest, was du vorhast, und es hätte dich verändert. Ich würde sogar so weit gehen und sagen, dass er auf dich einen schlechten Einfluss gehabt hätte und dich von seiner Seite hätte überzeugen können. Dadurch wäre es wesentlich unwahrscheinlicher, dass du ihn noch umgebracht hättest.“ „Aber habe ich so nicht seine Aufmerksamkeit auf mich gelenkt?“ „Das stimmt schon, aber noch weiß er nicht, was du bist und somit hast du, wenn wir schnell genug sind, immer noch die Chance, deiner Bestimmung nachzukommen.“ Da fiel mir noch etwas ein. „Ich habe Harry während dem Todesserangriff total runtergemacht, weil es bei allen immer nur darum geht, dass ich meine Bestimmung erfülle.“ – „Wirklich? Da wäre
    ich gern dabei gewesen!“, grinste er lachend und ich fiel in sein Lachen mit ein. „Ich glaube, ich weiß, was du meinst. Du willst ein normales Leben, wie alle anderen auch.“ „Ich finde es nicht schlecht, Kräfte zu besitzen, die niemand anderes hat, das ist es nicht! Es ist nur, dass ich nicht lieben darf, wen ich will, nicht machen darf, was ich will, ich werde dadurch komplett eingeschränkt! Man könnte fast meinen, dass meine Persönlichkeit auf ein Minimum, auf meine Bestimmung heruntergesetzt wurde.“ „Es tut mir leid, wenn ich das auch mache.“, meinte er leise. Ich schüttelte den Kopf. „Du verbietest mir ja nicht, mit Draco zusammen zu sein.“ Er lächelte leicht. „Das würde ich niemals tun, im Gegenteil. Ich bin froh, dass du ihn hast. Ich kann nicht so sehr für dich da sein, wie ein Vater es müsste. Mit jedem Erzfeind redest du mehr als mit mir. Andauernd frisst sich das in mein Gewissen rein, aber ich kann es nicht ändern, ohne dein Leben zu gefährden.“ Er seufzte tief. „Ich hoffe, du verzeihst mir, dass ich dich in dieses Spielchen hier mit reinziehe.“ Ich grinste. „Ich bin total froh, dich als Vater zu haben.“, meinte ich strahlend. „Und außerdem bin ich unglaublich stolz darauf, dass du jetzt endlich Direktor bist!“ Er grinste und sah auf die Uhr. „Es ist schon spät. Wenn du morgen wach sein willst, solltest du dann schlafen gehen. Ich habe dich lange genug aufgehalten.“ Ich erhob mich ebenfalls. Er kam noch um den Tisch herum und brachte mich zur Tür. Schnell schnappte ich mir meine Sachen, die mir Dumbledore hinterlassen hatte und bevor ich hinausging, umarmte ich ihn noch. Dann rief er nach Professor McGonagall, dass sie mich zurückbringen sollte und sie geleitete mich zurück zum Slytherin Gemeinschaftsraum. Dort wartete Blaise noch auf mich und rief mich zu ihm. „Was war los?“ „Ein Ministeriumsangestellter hat Dumbledores letzten Willen erfüllt.“, antwortete ich und hielt ihm die Sachen unter die Nase. „Was ist das?“, fragte er neugierig und ich zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung!“ Auf einmal musste ich gähnen und grinste. „Ich glaube, ich sollte ins Bett gehen. Und du auch! Wir müssen morgen fit sein!“ Er zog eine beleidigte Miene. „Du bist Schülerin! Was ist auf einmal in dich gefahren?“ Dann stand er auf und gähnte ebenfalls. Ich lachte und erwiderte: „Ich bin nur müde. Und da du das auch bist, sorge ich jetzt nur dafür, dass du deinen nötigen Schlaf bekommst.“ Damit schob ich ihn in Richtung Schlafsaal, wartete, bis er darin verschwunden war und tappte dann leise in meinen. Mittlerweile war niemand mehr wach und so packte ich in Windeseile noch schnell aus, zog meinen Schlafanzug an, putzte mir Zähne und legte mich ins Bett. Doch bevor ich schlafen konnte, wollte ich jetzt unbedingt noch wissen, was das war, was mir Dumbledore hinterlassen hatte. Leise entrollte ich das Pergament. „Liebe Saphira, ich habe hier noch einige letzte, dringliche Worte an dich gerichtet. Auch wenn dir das mit der Prophezeiung zu Kopf steigt, musst du es schaffen. Ich habe all mein Vertrauen in dich und Harry gesetzt. Dass du ihn nicht besonders leiden kannst, ist mir dabei nicht entgangen. Wir müssen in unserem ganzen Leben mit Personen zusammenarbeiten, die wir nicht leiden können, wenn wir überleben wollen. Ich verstehe, dass du nicht jedes Mal hören willst, dass du deine Bestimmung erfüllen musst und es ist dein gutes Recht, ein Leben zu haben. Harry wird das nicht einsehen wollen, da sich Draco und er nicht gut verstehen und das vermutlich auch niemals tun werden. Aber du darfst dich davon nicht beirren lassen. Du weißt genau, was richtig ist. Bitte, hör auf diese innere Stimme. Ich nehme an, dass du alles, was dich belastet, irgendwo loswerden kannst, und da ich davon ausgehe, dass dein Vater nach meinem Tod noch weniger Zeit für dich haben wird, habe ich dir dieses Buch vermacht. Du kannst mit ihm reden, es wird dich verstehen und dir helfen. Es ist mit einem Zauber belegt, der dafür sorgt, dass das Buch in allem meine Meinung vertritt und versucht, dir zu helfen. Ich hoffe, dass es dir damit gelingt, deine Aufgabe zu meistern und dennoch dein Leben nicht zu vernachlässigen, denn wenn das nicht funktioniert, dann sieht unsere Welt einer dunklen Zeit entgegen und dein Leben wird untergehen. Wenn du noch Fragen hast, dann beantwortet sie dir das Buch. Liebe Grüße, Albus Dumbledore.“ Ich legte das Pergament zur Seite und griff nach dem Buch. Langsam fuhr ich am Einband entlang. Er war aus Leder mit feinen, hübschen Verzierungen. Manche von ihnen erinnerten an Schneeflocken. Ich lächelte und öffnete das Buch lautlos. Es war leer. Enttäuscht blätterte ich die leeren Seiten durch. Wie sollte ich mit dem Buch denn sprechen? „Hallo.“, versuchte ich es. Nichts. Ich wedelte mit meinem Zauberstab über dem Buch herum, versuchte es mit Sprüchen für unsichtbare Tinte, doch es half alles nichts. Schließlich versteckte ich das Buch zusammen mit dem Pergament unter dem Bett und schlief ein. Ich konnte jedoch nicht richtig schlafen. Ständig wachte ich auf, wälzte mich unruhig im Bett hin und her, machte mir über dies und das Gedanken und war am nächsten Morgen total fertig. Mit brummendem Kopf saß ich im Unterricht und versuchte, mich zu konzentrieren. Die nächsten paar Tage wurden nicht besser. Tiefe Ringe zeichneten sich unter meinen Augen ab und jeden Tag hatte ich Kopfschmerzen. Warum war Draco nicht da? Ich stand eines Nachts gerade auf, tappte ins Bad und sah in den Spiegel. Was ich da sah, war nicht besonders aufmunternd. Ein fahles Gesicht sah mich aus tiefen Augenhöhlen an. Die Unterlippe war total zerbissen, die Augenringe waren das einzig farbige in meinem Gesicht. Ich aß kaum und mittlerweile sah man die Rippen unter meiner Haut. Ich legte mich wieder ins Bett, verfiel in einen unruhigen Dämmerschlaf, aus dem ich ungefähr zehn Mal aufschreckte und wartete, dass es endlich Morgen wurde. Unsanft weckte mich Parkinson mit einem genervten Knurren von wegen, ich solle doch mal lernen, selbst aufzustehen. Normalerweise hätte ich ihr eine patzige Antwort gegeben, da sie jede Nacht in Ruhe schlafen konnte, doch dafür hatte ich keine Kraft mehr. Ich zog mich an, raffte mein Schulzeug zusammen und lief in Richtung Klassenzimmer. Bei Professor Binns war auf der einen Seite eines der besten Fächer zum Schlafen, andererseits durfte ich auf keinen Fall etwas verpassen, da ich die Prüfungen bestehen musste. Nun stand ich vor der schweren Entscheidung, ob ich schlafen sollte während dem Unterricht, oder versuchen sollte, mich zu konzentrieren und alles mitzubekommen. Ich beschloss, möglichst gut aufzupassen und meine Kopfschmerzen dabei vollkommen auszublenden. Doch das war leichter gesagt als getan. Auch im normalen Zustand wäre es mir nicht gelungen, wach zu bleiben und jetzt auch noch mit Schlafmangel war es unmöglich. Bereits nach den ersten Minuten fielen mir die Augen zu. Ich stützte den Kopf auf meine Hände, ließ die Haare vor mein Gesicht hängen und schlief. Binns hielt gerade einen Vortrag über irgendwelche Aufstände, als er jäh unterbrochen wurde. Die Tür ging knarzend auf und alle blickten nach hinten. Ich hingegen schlief einfach weiter. Wirklich mitbekommen hatte ich nicht, was da vor sich ging. Jemand ließ sich neben mir nieder und Binns fuhr fort. Auf einmal rutschte ich mit meinem Kopf von meiner rechten Hand ab und knallte fast auf die Tischplatte. Gerade noch rechtzeitig hob ich den Kopf und verhinderte so den Aufprall. Stöhnend rieb ich mir die Schläfe und legte meinen Kopf nun auf die Tischplatte, was aus meiner Sicht deutlich risikofreier war. Sanft rüttelte mich jemand. Ruckartig schreckte ich hoch und starrte direkt in Dracos Gesicht. Dieser reagierte mit einem Kuss. Dann stand er auf, zog mich auf die Beine und nahm mir meine Sachen ab, als ich sie gerade aufgehoben hatte. Verwundert sah ich ihn an. Was war bloß los mit ihm? So fürsorglich hatte ich ihn selten erlebt. Er lächelte, als er meine fragenden Augen sah und nickte zur Tür. „Geh schon!“ Ich blinzelte kurz, dann lief ich los. Wie in Trance lief ich durch die Gänge, rempelte gefühlt jeden Schüler dreimal an, bis ich endlich im Schlafsaal war und war kurz davor, mich wieder ins Bett zu legen. Plötzlich wurde mir schwindelig und ich sank zu Boden. Gerade noch rechtzeitig fing mich Draco auf. Er legte mich aufs Bett und fragte dann besorgt: „Was ist los?“ Ich seufzte und zuckte mit den Schultern. „Ich weiß nicht, was ist. Aber ich kann nicht mehr schlafen.“ Er betrachtete mich prüfend und meinte dann: „Du isst aber noch, oder?“ Ich rieb mir verschlafen die Augen. „Wieso?“, entgegnete ich, ohne ihm zu antworten. „Weil du noch nie so zerbrechlich aussahst. Also?“ Ich winkte ab und fiel ihm ins Wort. „Das scheint dir wahrscheinlich nur so, weil es mir momentan so mies geht.“ Ich konnte ihm in den Augen ablesen, dass er mir nicht glaubte. Er zog mein T-Shirt vorsichtig hoch bis zur Brust. Entsetzt starrte er auf meine Rippen. Ich versuchte, seinen Blick zu ignorieren. Ich hatte halt keinen Hunger gehabt, und? Was war schon dabei! Geschockt ließ er das T-Shirt wieder sinken und sagte: „Scheint mir nur so, hm?“ Ich glaubte, etwas Vorwurfsvolles in seiner Stimme zu hören. „Wir kommen zu spät zum Unterricht.“, wechselte ich das Thema und richtete mich auf, wobei ich die Anstrengung, die mich das kostete, versuchte, zu überspielen. Er sah mich kalt an. „Meinst du wirklich, dass ich dich so zum Unterricht lasse?“ Ich zog eine trotzige Miene, nahm meine Tasche und stand auf. „Kommst du oder nicht?“, fragte ich ohne weiter auf seine Bemerkung einzugehen. Er stand ebenfalls auf und stemmte beide Hände in die Hüfte. „Du gehst jetzt in den Krankenflügel, und zwar sofort!“ „Kommt gar nicht in Fr – “ „Doch!“, fiel er mir wütend ins Wort und riss mir die Tasche aus der Hand. Dann schleppte er mich mit zu Madam Pomfrey. Entgeistert meinte diese, ich solle erst mal bei ihr
    zur Ruhe kommen und Draco könne gehen. Während Draco mir noch einen warnenden Blick zuwarf und dann verschwand, hielt mir Madam Pomfrey eine Strafpredigt, dass ich ja in Zukunft viel früher zu ihr kommen sollte, damit sie mir etwas geben könne. Normalerweise musste ich bei ihrem französischen Akzent lachen, doch heute hörte ich ihr gar nicht zu. Ich konnte nur noch an seine grauen Augen denken. Ich starrte aus dem Fenster, wo graue Wolken den Himmel verdeckten und nur ab und zu von der Sonne durchbrochen wurden. Ansonsten regnete es durchgehend und mir fiel auf, dass die grauen Wolken Dracos Augen gar nicht so unähnlich waren. Madam Pomfrey schob mir einen Becher hin, den ich dankend nahm und trank. Sie rannte wieder schnatternd durch den Krankenflügel, immer noch schimpfend, während ich in einen traumlosen Schlaf über glitt. Als ich wieder erwachte, saß Draco neben mir und hielt meine Hand. Er grinste mich an und ich lächelte schwach. Mein Magen knurrte, was ich jedoch ignorierte. Draco hatte es jedoch auch gehört und er hielt mir ein Brötchen hin. Zögernd sah ich ihn an. Eigentlich wollte ich ja nicht, aber – „Iss!“, knurrte er mich an und mir war klar, dass jede Widerrede sinnlos sein würde. Ich aß das Brötchen schweigend, während mir Draco erzählte, was im Unterricht los war. Lustlos knabberte ich an der Kruste des Brötchens, als mir Draco gerade schilderte, wie der Unterricht bei den Carrows ablief und dass meine Befürchtungen wohl berechtigt waren. Bald darauf kam Madam Pomfrey und schickte Draco ohne jegliche Widerrede raus, mit der Begründung, dass ich meine Ruhe brauche und er sowieso zum Unterricht müsse. Grinsend verabschiedete ich mich von ihm mit einem schnellen Kuss und schlief dann wieder ein. Meine Zeit im Krankenflügel brachte ich irgendwie rum, wie, wusste ich selbst nicht. Mir war mehr als nur einmal unglaublich langweilig und auch wenn Draco so oft wie nur möglich kam, vermisste ich ihn jede Sekunde, in der er sich nicht bei mir aufhielt. Ab dem dritten Tag jedoch kam er nicht mehr so häufig, was er mit Schulstress begründete. Mein Vater kam dafür sehr regelmäßig, um nach mir zu sehen, meist während die anderen Unterricht hatten. Wir unterhielten uns und es tat ihm leid, dass er nicht für mich da war, als ich ihn gebraucht hätte. Gleichzeitig warf er mir vor, nicht zu ihm gekommen zu sein. Ich winkte ab. „Hätte ich Hilfe gewollt, wäre ich gekommen.“, meinte ich leichthin. Ich hätte von niemandem Hilfe angenommen, selbst die von Draco wollte ich anfangs nicht. Dafür war ich zu stolz. Nicht nur einmal hatte ich meinen Stolz verflucht, weil er mir Dinge verbot, die für jeden anderen normal waren. Eine ganze Woche lang lag ich im Krankenflügel. Dann ließ mich Madam Pomfrey endlich wieder raus. Ich rannte förmlich dem Schulalltag wieder entgegen und freute mich auf die Zeit, die ich mit Draco verbringen würde. Zur Feier des Tages nahm sich Draco den ganzen Tag für mich Zeit und wir erlebten gemeinsam eine fantastische Nacht. Das glich für mich die Zeit, die er im Krankenflügel gefehlt hatte, wieder aus und so ging es im Schulalltag weiter. Immer öfter jedoch verschwand Draco spurlos und ich versuchte, um mich abzulenken, mich auf die Schule zu konzentrieren. Dadurch, dass ich den Carrows jedoch so oft widersprach, erlebte ich bestimmt fünf Cruciatus-Flüche am Tag. Blaise war kaum noch ansprechbar für mich und in diesen Tagen vermisste ich Sirius und die Zwillinge. Jede freie Minute verbrachte ich gemeinsam mit Tornado, entweder am See oder in meiner Welt. Schweigend lief ich durch die Gänge des Schlosses, sprach kaum noch mit jemandem und schottete mich immer weiter ab von allen anderen. Eines Tages kehrte ich gerade von einem Ausflug in meine Welt zurück und lief in Richtung Gemeinschaftsraum, da hörte ich eine hohe Stimme kreischen: „Nicht hier, Draco!“ Abrupt blieb ich stehen und starrte ungläubig zum nächsten Gang rechts, aus dem die Stimme gekommen war. Langsam und misstrauisch machte ich einige Schritte, um um die Ecke blicken zu können und erstarrte, als ich Draco sah, mit einem jüngeren Mädchen mit dunkelbraunen Haaren. Sie knutschten und standen dicht aneinander im Gang gegen die Wand gepresst. Ich spürte, wie meine Augen glasig wurden und als Draco mich sah, riss er sich los und kam auf mich zu. Ich machte auf dem Absatz kehrt und rannte los. Zunächst ziellos, dann zuerst zum Stall, wo ich auf Tornado sprang und in den Wald galoppierte. Tornado schien genau zu wissen, wohin ich wollte. Er flog förmlich zwischen den Bäumen hindurch bis hin zu den zwei Birkenstämmen, durch die er schnaubend sprang und schließlich auf dem weichen Grasboden meiner eigenen Welt landete. Ich stieg ab und streichelte Tornado sanft am Hals, als er begann, das Gras vom Boden abzurupfen. Schwer atmend ging ich durch meine Welt hin zu meinem Schloss. Alles sah noch wie vorher aus. Ich sah mich um. Nichts hatte sich verändert. Wieder stieg in mir das Bild von Draco und diesem Mädchen auf. Ich wusste, wer es war. Astoria Greengrass. Ich kannte sie, weil ich mit ihrer Schwester, Daphne Greengrass, einen Schlafsaal geteilt hatte und in einer Klasse war. Mit geschlossenen Augen sank ich auf die Knie. Dann lief mir eine Träne an der Wange entlang. Ich begann zu weinen. Warum tat er mir das an? Vor einigen Tagen war ich mit ihm im Bett und jetzt küsste er eine andere. Ich beschloss, zuerst einmal ein wenig zu schlafen und danach einen Beschluss zu fällen. Als ich wieder aufwachte, stand mein Entschluss fest. Ich wollte nun hier leben und nicht mehr rauskommen. Hier war ich vor Voldemort sicher und vor jedem anderen, der jemals etwas von mir wollte. Niemand würde mich je wieder verletzen können. Was da draußen mit der Welt geschah, war mir völlig gleichgültig. Ich hatte aus meiner Sicht genug durchgemacht. Noch mehr mitzumachen war ich nun nicht mehr bereit. Ich fühlte mich verraten von alles und jedem in der Welt. Also begann ich ein Leben, weit weg von allem, was da draußen geschah. Ab und zu unternahm ich einen Ritt durch den Wald, pflegte verletzte Tiere und unterhielt mich mit den Zentauren, fütterte die Thestrale und schloss mit allen möglichen Lebewesen Freundschaften. In meiner Welt zog ich kleine Wesen auf, deren Eltern gestorben waren und hatte eine Art Klinik für allerlei Lebewesen eingerichtet. Aus dem Holz einer Haselnuss schnitzte ich mir einen Bogen und mehrere Pfeile. Dies war jedoch nur zur Sicherheit und zum Vergnügen und Zeitvertreib gedacht. Wirklich damit jagen gehen wollte ich eigentlich nicht, da ich mir dadurch erstens den Hass der Tiere auf mich ziehen würde und zweitens ich nicht wusste, was für Tiere ich damit abschießen sollte. So begnügte ich mich mit Beeren, Wurzeln und allem anderen, was ich bekam. In meinem Herbstwald fand ich Äpfel und durch das Zentrum der Welt schlängelte sich ein kleiner Bach, dessen Wasser klar und erfrischend war. Niemals zuvor hatte ich mich so frei und glücklich gefühlt. Ich konnte tun und lassen, was ich wollte und niemand hatte Einfluss auf mein Leben. Nach einiger Zeit wurde mein Leben jedoch getrübt. Mein Bauch schwoll an. Anfangs wollte ich es nicht glauben, doch dann wurde es doch immer offensichtlicher. Ich war schwanger. Von Draco. Panisch versuchte ich nie daran zu denken und einfach weiterzumachen, wie bisher, doch brauchte ich nun deutlich mehr Nahrung und selbst für die einfachsten Bewegungen benötigte ich nun einen Energieaufwand wie für zehn Tage laufen. Verunsichert darüber, wie es nun weitergehen sollte, lag ich im weichen Gras und ließ mich von der Sonne bescheinen, während ich überlegte, was ich tun sollte. Egal, was ich tat, alles schien einen Haken zu haben. Sollte ich nun zu Madam Pomfrey gehen, gab ich damit mein Leben hier auf, dafür war das Kind mehr oder weniger sicher. Würde ich hier bleiben, wäre die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind starb, sehr hoch. Dennoch hatte ich nicht vor, irgendetwas an meiner Lebensweise zu ändern. Mein Stolz hatte gesiegt. Einige Zeit schaffte ich es tatsächlich, zu überleben. Dann jedoch schaffte ich es kaum noch, Nahrung zu holen und eines Nachts setzten die Wehen ein. Stöhnend schleppte ich mich zu Tornado, schaffte es irgendwie, aufzusteigen und mich in der Mähne festzukrallen, als es auch schon losging. Tornado sauste durch den Wald in Richtung Schloss und stürmte ins Schloss hinein, ungeachtet der entsetzten Rufe. Als er im Krankenflügel ankam, stellte er sich neben ein Bett, worauf ich leichenblass hinab sank. Nach einem weiteren Stöhnen kam Madam Pomfrey angerannt und untersuchte mich. Dann leitete sie mich an, was ich zu tun hatte und mit ihrer Hilfe kam ein kleiner Körper aus mir. Madam Pomfrey nahm ihn kurz zur Seite, um ihn zu untersuchen, während ich mich ausruhte. Die Nachricht, dass ich zurück sei, schien sich langsam im Schloss auszubreiten, denn ich lag kaum schwer atmend im Bett, als Blaise hereingestürmt kam. Nach ihm kam mein Vater und nachdem ich gemeint hatte, dass ich die Zeit, die ich weg war, im Wald gelebt hatte, gaben sie sich damit zufrieden und wir unterhielten uns angeregt. Dann erschien Draco in der Tür. Unsicher kam er auf uns zu und ich konnte in seinen grauen Augen die Reue lesen. Ich wollte gerade sagen, dass er wieder gehen soll, da stand Blaise auf und meinte, er müsse noch etwas lernen und auch mein Vater zog sich zurück. Jetzt waren wir fast allein. Sowohl Draco als auch ich öffnete gerade den Mund, um etwas zu sagen, da erschien Madam Pomfrey wieder. Ihre Augen waren trüb und sie hatte den Körper in weiße Leintücher eingewickelt. „Es wäre ein Junge geworden.“, meinte sie traurig mit zitternder Stimme und gab ihn mir. Der Körper war kalt und die Augen geschlossen. Entsetzen packte mich und ich betrachtete hilflos das Gesicht des kleinen Bündels auf meinem Arm. „Er ist tot.“, sagte Madam Pomfrey schließlich und wand sich ab. Ich schluckte schwer und streichelte den weichen, blonden
    Flaum, den er von seinem Vater geerbt hatte. Dass Draco nebendran stand, hatte ich ganz vergessen. Jetzt legte er seinen Arm tröstend um mich, doch ich war kurz davor, ihn abzuschütteln. In meinem Magen krampfte sich alles zusammen. So vieles war jetzt schon wieder passiert, das ich hätte anders haben wollen. „Warum ist er gestorben?“, fragte ich mit bebender Stimme Madam Pomfrey. Sie sah mich an und zuckte hilflos mit den Achseln. „Genau sagen kann ich es dir nicht, aber ich nehme mal an, dass du dich in deiner Zeit da draußen nicht genügend geschont hast.“ Ich biss mir auf die Lippe, doch jetzt war es zu spät. Ich konnte meine Entscheidung nicht mehr ändern, ich hatte das Leben meines Kindes für meinen Stolz geopfert. Madam Pomfrey macht kehrt und begann, ihre Medikamente zu sortieren. Jetzt waren wir wieder allein. Krampfhaft versuchte ich, ihn zu ignorieren. Draco setzte zu einer Erklärung an, doch ich fuhr herum, funkelte ihn wütend an und schrie, er solle gefälligst gehen. Verletzt sah er mich an, dann wirbelte er herum und verschwand. Wieder fühlte ich dieses große Loch in mir. Warum hatte ich ihn nicht ausreden lassen? Er hatte mich betrogen, und das nicht zum ersten Mal. Irgendwann war genug. Bestimmt redete ich mir in Gedanken ein, dass ich keinen Grund hatte, ihm hinterher zu trauern und betrachtete dann wieder das blasse Gesicht meines Kindes. Wenigstens einen Namen wollte ich ihm noch geben. „Adahy – der in den Wäldern lebt.“, murmelte ich und strich ihm lächelnd eine Strähne aus dem Gesicht. Dann legte ich mich hin und schlief sofort ein. Als ich wieder aufwachte, saß mein Vater schweigend neben mir und hielt meine Hand. Ich richtete mich vorsichtig auf und umarmte ihn. „Was ist los?“ Er zuckte mit den Schultern. „Es tut mir nur leid. Ich meine, dass er tot ist.“ Ich senkte den Blick. „Meine Schuld.“, murmelte ich leise und bereute meine Entscheidung wieder. Andererseits war ich mir nicht sicher, ob es mir besser ginge, wenn ich jetzt ein Kind von Draco hätte. Langsam schüttelte mein Vater den Kopf. „Ich glaube nicht, dass es nur deine Schuld war.“, meinte er. „Wir hätten alle besser auf dich achten sollen und dafür sorgen sollen, dass immer jemand für dich da ist.“ Ich zuckte mit den Schultern. „Nicht nötig.“ Mir war klar, dass wir beide wussten, dass das nicht stimmte. Vermutlich war nun mal eine Person, die jemanden zum Reden brauchte, auch wenn sie es nicht wollte. „Werden wir ihn begraben?“, fragte ich wieder mit zitternder Stimme. Severus nickte. „Ja, sobald du wieder fit bist. Ich nehme ihn und kümmere mich darum. Wenn du dann wieder wach bist, findet die Beerdigung statt.“ Dankbar übergab ich ihm den Leichnam und schlief wieder ein. Am nächsten Morgen weckten mich die ersten Sonnenstrahlen und ich fühlte mich wieder ausgeschlafen und energiereich. Ich schlug die Decke zurück und sprang aus dem Bett. Dann rannte ich, nachdem ich mich bei Madam Pomfrey bedankt hatte und ihr zudem ausgerichtet hatte, dass ich ab sofort wieder im Schlafsaal schlafen würden, in dem Schlafsaal zurück, wohlbedacht, Draco nicht zu begegnen und schlüpfte in ein schwarzes T-Shirt und schwarze Jeans. Dazu trug ich schwarze Sneaker und flocht mir einen lockeren, kleinen Zopf, den ich nach hinten steckte. Mit einer weiß-blau leuchtenden Lilie im Haar rannte ich hinunter und fand meinen Vater draußen vor. Es kamen alle zur Trauerfeier und ich schaffte es, die Tränen zurückzuhalten. Stolz auf mich verschwand ich wieder im Schlafsaal und stöhnte, als ich sah, dass wir nun VgddK hatten. Ich seufzte, nahm meine Tasche und stürmte los zum Unterricht. Fünf Minuten zu spät was zehn Punkte Abzug für Slytherin bedeutete. Ich verdrehte lediglich die Augen und setzte mich auf meinen Platz. Es war ungewohnt still und niemand sprach. Doch kaum hatte ich meine Sachen rausgeholt, wurde ich auch schon aufgerufen. Ich stöhnte leise und sah nach oben. „Wie bitte?“, fragte ich gespielt freundlich lächelnd und sah Amycus Carrow in die Augen. Sein fettiges Haar klebte in Strähnen an seinem Kopf und teilweise auch vor die Augen. Fast hätte ich angeekelt weggesehen, doch das ließ meine Würde dieses Mal nicht zu. „Ich fragte, wie der Cruciatus-Fluch abgewehrt werden kann!“, schnauzte er. In Gedanken versuchte ich angestrengt, meine Gedanken zu sortieren. Zwar hatte ich mit Magie da draußen überlebt, wirklich Übung hatte ich in den theoretischen Sachen deshalb jedoch noch lange nicht. Falls ich das jemals gelernt hatte, war es in irgendeiner Schublade gerade am Verstauben. Carrow seufzte dramatisch und meinte: „Tja, dann probieren wir es halt eben aus!“ Ich hielt die Luft an und einige der anderen schraken ebenfalls zusammen. Die Nerven waren zum Zerreißen gespannt. Dann rief Amycus: „Na los, komm nach vorne! Und, wen nehmen wir noch?“ Angestrengt ließ er seinen Blick über die Schüler gleiten, während ich aufstand und nach vorne ging. Ich wusste nicht sicher, was jetzt kommen würde, doch wohl war mir in meiner Haut nicht. Diese Terrorherrschaft, die die Carrows über die Schüler hatten, gefiel mir nicht. Genau deshalb wollte ich mich dem entgegenstellen, ganz egal, was kam. Da konnten sie mich tausendmal foltern, ich würde deshalb noch lange nicht aufgeben. So in Gedanken vertieft hatte ich gar nicht mitbekommen, dass Carrow den zweiten auserkoren hatte. Ein Schüler kam nach vorne und ich traute meinen Augen nicht. Hatte Carrow das extra gemacht? Meine Augen verengten sich zu Schlitzen. Zuerst traf Amycus der tödliche Blick, danach Draco, der nach vorne kam. Er stellte sich gegenüber von mir auf. Ich vermied jeden direkten Augenkontakt. „So, und jetzt werdet ihr folgendes tun: Du, Malfoy, wirst einen Cruciatusfluch abfeuern. Du“, er wandte sich an mich, „wirst versuchen, diesen abzuwehren. Klar?“ Ich warf Carrow einen vernichtenden Blick zu und kramte in meinem Gehirn noch einmal nach einem Gegenspruch, doch mir wollte partout keiner einfallen. Ich stand bestimmt schon seit Ewigkeiten hier und es war immer noch nichts geschehen. Auf einmal hörte ich Dracos wütende Stimme. „Ich mach das nicht.“ „Was?“, fragte Amycus provozierend. Meine Hände ballten sich zu Fäusten. ‚Komm schon, Draco! Oder hast du Angst? Bist du wirklich eine Memme, wie es alle andern immer erzählen? ‘, dachte ich in Gedanken. Draco wiederholte das, was er gesagt hatte und offensichtlich schien Amycus ähnlich zu denken wie ich, denn er erwiderte spöttisch: „Bist wohl doch so 'ne Memme wie dein Vater, ne?“ Als keine Antwort kam außer einem vernichtenden Blick, fügte er hinzu: „Auf, ab ins Büro des Direktors mit dir! Wir werden ja sehen, was der dazu sagt. So lange überlegt ihr euch, wer von euch Malfoys Stelle einnehmen will und sich so eine gute Note verdienen will.“ Mit einem gehässigen Blick in meine Richtung verschwand er. Sofort erfüllte sich der Raum mit lautem Gemurmel. Ich verzog keine Miene und setzte mich, als hätte ich gerade seelenruhig mein Mittagessen zu mir genommen. Mir war klar, dass viele Angst davor hatten, sich meinen Zorn zuzuziehen. Auch wenn niemand direkt wusste, was es war, schien ich eine Ausstrahlung zu haben, die die anderen in Angst und Schrecken versetzte. Vielleicht, weil mich niemand wirklich kannte, da ich mich zurückzog und weil ich meist ziemlich schroff war und einen äußerst schwarzen Humor hatte. Amycus kam zurück und sah in die Runde. „Und, wer macht’s jetzt?“, fragte er herausfordernd knurrend. Seelenruhig sah ich ihm in die Augen. Da erhob sich einer. Grinsend sah Amycus mich triumphierend an und klopfte Dean Thomas auf die Schulter. Zitternd kam er hervor und stellte sich an Dracos ursprünglichen Platz. Gleichgültig nahm ich dies zur Kenntnis und erhob mich. „Crucio!“ Ich ging zu Boden und wand mich. Genauso schnell wie es begonnen hatte, hörte es auch wieder auf. Jeder Teil meines Körpers schmerzte, dennoch wollte ich Amycus auf keinen Fall zugeben, dass es wehtat. Also biss ich die Zähne zusammen und richtete mich wieder auf. Er lachte höhnisch und rief: „So, und was lernen wir jetzt daraus?“ Als niemand antwortete, schnaubte er und antwortete sich selbst: „Man kann den Cruciatus-Fluch nicht abwehren! Und jetzt setzt euch.“ Ich nahm meinen Zauberstab, der mir aus der Hand geglitten war und setzte mich wieder auf meinen Platz. Bei jeder Bewegung hatte ich das Gefühl, mein Körper würde versagen, doch gehorchte mein Körper mir immer noch. Zufrieden grinste ich, wie ich momentan dazu in der Lage war, war mir selbst ebenfalls ein Rätsel. Amycus fuhr mit seinem Unterricht fort und ließ mich von nun an in Ruhe. Immer wieder bekam ich schüchterne, bemitleidende Blicke zugeworfen und besonders Dean Thomas bemühte sich darum, sich irgendwie bei mir zu entschuldigen. Das machte mich viel mürrischer. Ich wollte kein Mitleid. Das hatte ich nicht nötig. Nicht von denen. Stolz warf ich den Kopf in den Nacken, unterdrückte den Schmerz und hörte zu. Niemand bekommt mich je dazu, aufzugeben. Das hatte inzwischen wohl auch Amycus bemerkt, denn er ließ mich für den Rest der Stunde in Ruhe. Als die Stunde um war, packte ich mein Zeug und ging. Warum wollte Draco es nicht tun? Hatte er allen Ernstes immer noch Gefühle für mich? Weshalb hatte er dann Astoria geküsst? Andererseits hatte ich ihm nie eine Gelegenheit gegeben, mit mir darüber zu reden. Aber wollte ich es denn wirklich wissen? Wie oft war denn nun schon etwas in diese Richtung geschehen? Das war nicht das erste Mal! Er hatte genug Chancen. Und jedes Mal hat er’s verkackt. Dafür konnte ich doch nichts! Ich seufzte tief und ging in meinen Schlafraum. Dort legte ich meine Sachen sorgfältig auf das Bett und setzte mich erst mal. Dann schloss ich die Augen und atmete tief ein und aus. Ich hatte mir nichts vorzuwerfen. Ich hatte nichts falsch gemacht. Ein Teil von mir konnte das irgendwie nicht glauben. Das machte mich total närrisch. Auf einmal öffnete sich die Tür und Parkinson kam rein. Schlagartig öffnete
    ich wieder die Augen und sie starrte mich wütend an. Ich ignorierte sie und griff nach meinen Sachen. Dann schritt ich zur Tür und verschwand ohne irgendetwas gesagt zu haben. Die nächste Stunde war Zaubertränke und ich war heilfroh, denn das konnte ich wenigstens mehr oder weniger. Vermutlich hatte ich die Begabung von meinem Vater, doch so gut wie er war ich aus meiner Sicht noch lange nicht. Wollte ich das überhaupt werden? Ich versuchte nicht an Draco zu denken, während ich durch die Gänge zum Klassenzimmer lief. Leider war er auch in Slytherin, eine Stunde ohne ihn hätte mir wirklich gut getan. Hätte ich gar nichts dagegen gehabt. Leise öffnete ich die Tür und huschte an meinen Platz. Ausnahmsweise war ich mal pünktlich, doch mein Kopf brummte und die Gedanken schwirrten im Kreis. Ich hatte mein Kind getötet, ich hatte Krach mit Draco, mein gesamter Körper schmerzte, und meine Schläfe pochte wild. Stöhnend rieb ich meinen Kopf und versuchte, mich zu entspannen. Langsam füllte sich der Raum, was ich jedoch kaum wahrnahm. Mein Vater trat ein und erklärte, dass er heute eine Vertretungsstunde halten würde, da unser Lehrer krank war. Ich sah mit glasigen Augen auf und für einen Moment trafen sich unsere Blicke. Mein Vater schien kurz zusammenzuzucken, dann war er wieder wie eh und je. Ich konzentrierte mich auf meine Atmung, dass mein Körper nicht mehr so sehr bei jedem Atemzug schmerzte, doch so recht gelang es mir nicht. Plötzlich setzte sich jemand neben mich. Ich erschrak und mein Kopf wirbelte mit erschrockenem Blick nach rechts. Dort saß Draco und knetete seine Hände. Meine Gesichtszüge wurden kalt und ich legte den Kopf auf meine Arme. „Saphira, bitte! Lass es mich wenigstens erklären!“ Ich gab keine Antwort. Ich wollte keine Erklärung. Wollte er ein Dankeschön dafür, dass er nicht den Cruciatus-Fluch an mir ausgeführt hatte? „Bitte!“, drängte er wieder. Doch ich antwortete immer noch nicht. Ich wollte jetzt nicht darüber reden. Er seufzte und begann trotzdem. „Das mit Astoria, das war … Ich kann’s nicht erklären, aber ich liebe dich trotzdem noch! Ohne dich komm ich nicht mehr klar!“ Ich blieb stur und gab keinen Laut von mir. Er konnte es nicht erklären. Natürlich konnte er es nicht erklären. Was anderes hatte ich nicht erwartet. Was erwartete er jetzt von mir? Dass ich nachgebe und zugebe, wie sehr ich noch an ihm hänge? Niemals! Eher starb ich! Er versuchte es noch einmal: „Ich habe nie eine andere geliebt. Das mit dem Cruciatus-Fluch, ich hätte ihn niemals an dir ausführen können, niemals! Du warst immer mein Mädchen, immer die, mit der ich zusammen sein wollte. Du, und keine andere. Das mit Astoria war gezwungenermaßen. Sie weiß natürlich was von dir und mir, aber, naja, … meine Eltern nicht… und meine Eltern würden mir nie erlauben, mit dir zusammen zu sein. Deshalb habe ich nichts gesagt, damit das unter Todesserkreisen nicht allzu bekannt wird. Du weißt ja, die sollten nichts davon mitbekommen. Und meine Eltern wollen mich jetzt mit Astoria zusammen bringen. Also habe ich mitgespielt, aber wirklich lieben tue ich sie deshalb noch lange nicht. Du musst mir glauben!“ Ich atmete tief durch, hob langsam den Kopf und sah ihn an. „Wie oft hast du mich jetzt schon hintergangen? Bestimmt öfters als jeder andere seine Freundin jemals hintergangen hat!“, sagte ich mit zusammengekniffenen Augen. Eigentlich müsste es mir egal sein. Ich biss mir auf die Lippe und warf mich dann an seinen Körper. Er wirkte zuerst überrascht, doch dann umarmte er mich sanft und streichelte mir durchs Haar. Ich atmete seinen Duft ein und es wirkte total erleichternd auf mich. „Danke.“, flüsterte er mir zu und ich presste ihn fest an mich. „Es tut mir so leid, dass du das alles wegen mir durchmachen musstest, und dass unser Sohn gestorben ist, und…“ Ich fing an, leise zu schluchzen. „Das ist nicht deine Schuld.“, meinte er beruhigend, stand auf, zog mich mit ihm hoch und wir verließen den Raum. Die anderen starrten uns hinterher, doch niemand sagte etwas und so liefen wir durchs Schulhaus. Zuerst weinte ich, dann lachte ich und meine Gefühle wirbelten im Kreis. Wir gingen hinunter zum See und setzten uns dort ins Gras. Ich legte meinen Kopf auf seine Schulter und wir genossen die Ruhe, die uns umgab, abgesehen von dem Vogelgezwitscher. Er legte seinen Arm um mich und strich mir beruhigend durchs Haar. Nach einer Weile fragte er dann: „Wo genau warst du eigentlich die ganze Zeit?“ Ich zuckte zusammen und starrte entgeistert auf den See. Was sollte ich daraufhin sagen? „Ich war…im Wald.“, meinte ich schließlich zögernd. Das war ja nicht gelogen, also von daher… Ich spürte, wie er mich von der Seite musterte. „Warum hast du Geheimnisse vor mir?“ Ich atmete tief ein und aus. Mein Puls schnellte in die Höhe. Musste ich ihn jetzt wirklich belügen? Nein, das mit der Welt wusste einfach niemand außer mir, ich war mir nur nicht sicher, wie ich ihn dorthin bringen sollte. Aber wollte ich das überhaupt? „Ich…es ist kompliziert…“ Er seufzte und meinte: „Ich hab bestimmt schon komplizierteres gesehen, also raus damit!“ „Naja…also, …es ist so, ich kann mit meinen Kräften ein wenig mehr als nur eine Schneeflocke herbeizaubern…“ Er schwieg weiterhin und lauschte aufmerksam. Ich erzählte ihm zögernd alles, vom Anfang dieser besonderen Welt bis hin zu meinem Aufenthalt dort, der etwas länger ging. Danach schwieg er wieder eine Weile und wir starrten hinaus aufs Wasser. Wolken zogen auf und verdunkelten den Himmel. Ein kühler Wind fuhr mir durch die Haare. Als die ersten Tropfen aufs Wasser fielen, stand er auf und zog mich auf die Beine. „Wir sollten gehen.“, meinte er tonlos und ich musterte ihn kurz. Seine sturmgrauen Augen waren irgendwie sorgenvoller als sonst. Ich formte die Augen zu misstrauischen Schlitzen und fragte ihn: „Was hast du?“ Er zuckte mit den Schultern. „Irgendwie bereitet es mir Sorgen, dass du dich in eine andere Welt zurückziehst. Natürlich ist es ein Unterschlupf für schlechte Zeiten, aber er würde dich selbst dort finden! Außerdem hast du es mir nicht gleich gesagt, und…“ Ich machte den Mund auf, um zu protestieren, doch er legte mir den Zeigefinger auf den Mund und meinte dann: „Ich weiß, ich war in letzter Zeit etwas schwierig zu verstehen und ich gebe dir keinerlei Schuld daran.“ Er hielt inne und schien kurz zu lauschen. Ich wollte ihn fragen, was los war, doch er deutete mir, still zu sein und näherte sich dann den Bäumen mit gezücktem Zauberstab. Auf einmal sprangen mehrere vermummte Gestalten hervor und schleuderten Flüche auf uns, denen wir nur mit Mühe entgehen konnten. Mehrmals schleuderte ich die Gestalten von mir mit „Stupor!“ und einigen anderen Sprüchen, doch wirklich besiegen konnten wir sie nicht. Auf einmal schoss an mir ein Fluch vorbei. Seltsamerweise kam er jedoch nicht aus der Richtung, wo die vermummten Gestalten standen, sondern von hinter mir. Ich drehte mich um und entdeckte Luna Lovegood und Blaise Zabini. Blaise hatte den Zauberstab erhoben und Luna feuerte gerade einen Stuporzauber ab. Ich wandte mich wieder um und wehrte knapp einen Fluch ab. Mit neuer Kraft schafften wir es, die Gestalten zu vertreiben. Inzwischen waren meine Haare klatschnass und es regnete in Strömen. Wir zogen unsere Kapuzen über und gingen zum Schloss. Dort angekommen schleppte Draco mich zum Gemeinschaftsraum und meinte, dass es vielleicht besser wäre, wenn ich mir meine Haare kurz föhnen ginge. Aber ich wollte nicht gehen. Ich setzte mich aufs Sofa und er sich neben mich. Er merkte, dass ich was auf dem Herzen hatte und vermutlich wusste er auch schon, was. „Was waren das für Gestalten? Was wollten die von uns?“ Draco fuhr sich durch die Haare, seufzte dramatisch dabei und zuckte mit den Schultern. „Wahrscheinlich waren es Todesser.“ „Todesser, die ihre eigenen Leute angreifen?“ „Todesser, die die Leute angreifen, die sich ihnen vor ihre Beute stellen und sie mit ihrem eigenen Leben verteidigen.“ Ich musterte ihn prüfend. Vermutlich hatte er Recht, aber ich konnte es mir einfach nicht vorstellen, dass man so bösartig sein konnte, um Menschen umzubringen. Andererseits musste ich zugeben, dass ich ähnliche Gefühle auch andern schon gegenüber gespürt habe. Aber ob ich das jemals wirklich tun würde…Nein, ich glaube nicht. Im Grunde hatte ich ein gutes Herz, auch wenn ich einigen gegenüber eher dunkle Gedanken hege. Dann fiel mir eine Sache auf: Hatte Draco damit sagen wollen, dass die es auf mich abgesehen hatten? Voldemort hatte noch nicht aufgegeben? „Meinst du, …“, fing ich vorsichtig an, „…Meinst du, dass die es auf mich abgesehen hatten?“ Wieder fuhr er sich durch die Haare und schien nervös zu sein. „Hör zu…, dass das Dunkle Mal bei dir nicht geklappt hat, hat ihn verwirrt und beschäftigt ihn immer länger und immer häufiger. Das war zu auffällig. Er will dahinter kommen, was es war, das ihn aufgehalten hat. Wir können nur abwarten, und hoffen, dass sein Gehirn nicht ganz so schnell ist beim logischen Denken wie beim grausame Dinge ausdenken!“ Der Raum füllte sich langsam und ich dachte nach. Warum abwarten? Warum sollte ich mich ihm nicht direkt anschließen? Mit den meisten Todessern versteh ich mich ja anscheinend sowieso besser! Dann fiel mir wieder ein, wie ich vorhin gedacht hatte. Ich könnte niemals auf seinen Befehl hin Leute umbringen. Das würde ich nicht schaffen. Aber ich konnte auch keine ganze Todesserin werden, denn ich war ja durch gewisse Zauber vor dem Todessersein geschützt. Also fiel das schon mal weg. Sollte ich mich dann einfach mit ihm verbünden? Es wäre auf jeden Fall tausendmal einfacher und außerdem konnte ich Harry und die andern eh nicht wirklich leiden! Dauernd befahlen sie mir irgendetwas und tanzten mir auf der Nase rum. Wenn ich für dieses Bündnis einige Bedingungen aushandelte, dann könnte das sogar von Vorteil sein… Allerdings war mir klar, dass spätestens, wenn er dann den Krieg gewonnen hatte, ich auch nicht mehr lange zu leben hatte, da er vermutlich dann befürchtete, dass ich ihm die Herrschaft wegnehmen könnte. Draco stupste mich an. „Woran denkst du?“ Ich sah ihn an und versank wieder in seinen grauen Augen. Dann murmelte ich. „Ich überlege, Voldemort ein Bündnis anzubieten.“ Entsetzt starrte er mich an. „Bist du jetzt völlig übergeschnappt oder was?“ Ich zuckte mit den Schultern. „Früher oder später wird er es eh herausfinden, dann kann ich es ihm auch selbst sagen. Zum Todesser kann ich nicht werden, davor bin ich geschützt. Aber ein Bündnis mit ihm schließen kann ich. Umbringen kann ich ihn dann immer noch. Aber ich habe keine Lust, die ganze Zeit bis zum Kriegsende mir von Harry irgendwas vorschreiben lassen zu müssen.“ „Das kannst du nicht machen! Du würdest sowohl dich als auch uns alle gefährden!“ „Sterben müssen wir sowieso irgendwann mal. Das ist vollkommen natürlich. Und wenn wir während diesem Krieg sterben sollen, dann wird es auch so passieren, egal wie.“, entgegnete ich. Er sah mich immer noch unverständnisvoll an und ich winkte ab. „Egal. Ist ja noch nichts sicher.“ Er nickte zweifelnd und meinte: „Dann geh mal ins Bett… wird so langsam auch mal Zeit.“ Er stand auf und zog mich auf die Beine. Ich erhob mich langsam und ging in den Schlafsaal. Dort angekommen machte ich mich bettfertig und legte mich ins Bett. Die anderen schliefen schon und ich spielte gedankenverloren mit meinem Zauberstab in der Hand. Auf einmal musste ich herzhaft gähnen und ich streckte mich dabei, ohne daran zu denken, dass ich noch den Zauberstab in der Hand hielt. Er fiel auf den Boden und rollte davon. In Gedanken schalt ich mit mir und stöhnend hievte ich mich aus dem Bett und krabbelte auf dem Boden auf der Suche nach dem Zauberstab herum. Dann entdeckte ich ihn unter meinem Bett, direkt neben … dem Pergament und dem Buch von Professor Dumbledore. Ich tastete nach dem Zauberstab und zog dabei auch das mittlerweile etwas verstaubte Buch hervor. „Du kannst mit ihm reden, es wird dich verstehen und dir helfen. Es ist mit einem Zauber belegt, der dafür sorgt, dass das Buch in allem meine Meinung vertritt und versucht, dir zu helfen.“, hallte Dumbledores Stimme in meinem Kopf nach. Ich setzte mich nachdenklich mit dem Buch in der einen Hand und dem Zauberstab in der anderen Hand auf mein Bett. Ich hatte alles Erdenkliche bereits ausprobiert, um mit dem Buch zu reden. Doch es hatte einfach nicht funktioniert. Dann nahm ich das Pergament in die Hand. Hatte er dort einen Hinweis versteckt? Ich konnte es mir fast nicht vorstellen, doch trotzdem rollte ich das Pergament auseinander. Ich prüfte es auf unsichtbare Tinte und ähnlichem, doch auch hier war einfach nichts vorhanden! Seufzend ließ ich das Pergament wieder sinken und starrte aus dem Fenster, wo die ersten Schneeflocken herunterflogen. Ich lächelte und bemerkte plötzlich, wie ich etwas knacken hörte unter meiner Hand. Ich starrte entsetzt nach unten und bemerkte, dass ich aus Versehen das Pergament eingefroren hatte. Ich war schon kurz davor, aufzugeben und zu verzweifeln, da fiel mir auf, dass einige Stellen des Pergaments nicht eingefroren waren. Verwundert drehte ich das Pergament und erkannte, dass diese Stellen Buchstaben ergaben. Ich las sie leise. „Aude et dice.“ Ich kniff die Augen zusammen und dachte nach. Was sollte ich damit? Dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Man brauchte das Pergament, um mit dem Buch reden zu können, und man brauchte meine Fähigkeiten. So war das Buch doppelt geschützt vor Fremden und unerwünschten Menschen. Die Buchstaben ergaben einen Zauberspruch von Dumbledore, mit dem man mit dem Buch reden konnte. So musste es einfach sein. Ich nahm das Buch und meinen Zauberstab in die Hand und sprach leise den Zauberspruch. Da öffnete sich das Buch und wie von Zauberhand geschrieben erschien das Wort „Hallo“. Ich zögerte. Was musste ich jetzt tun? Sollte ich reden oder schreiben? Oder was ganz anderes machen? „Hallo?“, flüsterte ich. Die Schrift verblasste und an ihrer statt erschien ein neuer Satz. „Womit kann ich dir behilflich sein?“ Ich atmete tief ein und wollte dem Buch gerade meine Lebensgeschichte erzählen, als ich innehielt und beschloss mich kurz zu fassen. Ich wollte die anderen nicht aufwecken. „Ich überlege, ob ich mich Voldemort anschließen soll oder nicht…Draco sagt, dass ich es lassen sollte.“ Die Schrift verblasste wieder und für eine Weile blieb die Seite leer. Na toll. Hatte das Buch darauf auch keine Antwort? Oder wollte es mir einfach nichts sagen. Musste es einfach nur überlegen? Ich wollte es gerade zuschlagen, als die Seiten wieder herumwirbelten und eine Art Denkarium erschien. Ich zögerte wieder. Das Buch war irgendwie mysteriös und nicht gerade vertrauenswürdig. Sollte ich da jetzt wirklich meinen Kopf reintauchen? Ich seufzte und berührte vorsichtig mit meiner Nasenspitze die kühle Flüssigkeit. Da erfasste mich auf einmal ein Wirbel und zog mich immer weiter nach unten. Ich schnappte nach Luft und stellte erstaunt fest, dass ich trotz der Flüssigkeit atmen konnte. Aus den weißen Erinnerungsfäden formte sich die Eingangshalle von Hogwarts. Ich sah mich verwundert um und entdeckte Dumbledore. Er stand gerade dort und verteilte Aufgaben an die umstehenden Personen, scheinbar Lehrer und Schüler. Er sah seltsam ernst und gestresst aus. So hatte ich ihn noch nie gesehen. Ich trat näher heran, als ich von draußen lautes Lärmen hörte. „Es hat begonnen.“, murmelte Professor Dumbledore in seinen Bart hinein. Ich drehte mich um zum Tor und starrte darauf. Was hatte bitteschön begonnen? Wo war ich hier gelandet? Warum konnte mir das Buch nicht einfach klipp und klar sagen „Ja, du sollst dahingehen“ oder „Nein, Dumbledore würde das nicht befürworten“! Wobei ja eigentlich klar war, dass Dumbledore dagegen wäre. Warum plagte ich mich denn überhaupt noch damit? Auf einmal rummste etwas gegen das Tor. Ich zuckte zusammen und merkte, wie meine Hand an meinen Zauberstab gewandert war. Dann fiel mir auf, dass ich ihn gar nicht dabei hatte! Ich hatte ihn wohl, nachdem ich den Zauberspruch auf das Buch angewandt hatte, auf mein Bett gelegt. Ich seufzte. Na toll. Das fing ja gut an. Da fiel mir auf, dass Dumbledore und die anderen sich gerade auf den Weg woanders hin gemacht hatten. „Ja, aber, ….das Tor! Seht ihr denn nicht? Hallo!“, rief ich und hüpfte hin und her. Ich glaube, so verrückt habe ich mich schon seit Ewigkeiten nicht mehr gemacht. Und ich hatte fast das Gefühl, so etwas wie Angst zu verspüren. Angst! Ich! Um Hogwarts! Ich wusste ja, dass ich Hogwarts viel zu verdanken hatte, doch hätte ich nie gedacht, dass ich mich mittlerweile so an Hogwarts gewöhnt habe. Ich rannte hinter Dumbledore her, der zügig die Treppen hinaufeilte, und gelangte so auf den Astronomieturm. Dort stellte ich mich neben ihn ans Geländer und sah in die Welt hinaus. Entsetzt schnappte ich nach Luft. Vor den Toren von Hogwarts standen reihenweise Zauberer und ihnen allen voran ein ganz bestimmter: Voldemort. Dumledore neben mir seufzte und zog seinen Zauberstab. Ich sah, wie sich über ganz Hogwarts ein Schutzschild bildete, entfacht von den verschiedensten Lehrkräften. Voldemorts Stimme hallte über das Gelände. „Schließt euch mir an und ihr werdet verschont bleiben! Ihr könnt über die ganze Welt herrschen! Wenn ihr euch dagegen entscheidet, werdet ihr alle sterben! Ihr habt die Wahl!“ Sein kaltes Lachen klang durch die Hallen Hogwarts und mir fuhr eine Gänsehaut über den Rücken. Sollte ich mich ihm anschließen, müsste ich mich womöglich an dieses Gelächter gewöhnen müssen. Wie konnte man nur so herzlos sein! Nicht mal ich war so! Ich schüttelte mich und sah zu Dumbledore. Was würde er jetzt wohl machen? Ich sah, wie sich unten auf dem Hof die Lehrer und Schüler versammelten. Allen voran schritt ein Lehrer, den ich nicht kannte. Er stellte sich breitbeinig auf und rief laut: „Hört mir zu, ihr Hogwartsschüler! Ihr habt hier guten Unterricht genossen, jetzt wird es Zeit, das Gelernte anzuwenden! Nun habt ihr Gelegenheit zu zeigen, dass der Unterricht nicht umsonst war! Zeigt, dass Hogwarts nicht umsonst für die beste Zauberschule gehalten wird!“ Dann wandte er sich Voldemort zu, kniff die Augen grinsend zusammen und sagte laut und deutlich: „Wir kämpfen!“ Dumbledore nickte zustimmend, drehte sich um und verließ den Turm. Ich jedoch beschloss, jetzt zunächst von hier oben zuzusehen. Der Schutzschild wurde sofort nach diesen Worten von außen attackiert und schon bald gab er nach. Entsetzt musste ich zusehen, wie der Kampf von statten ging und konnte nichts unternehmen. Unzählige Schüler wurden weggebracht und ich glaubte auch, einmal Sirius gesehen zu haben. Ich spürte wieder dieses Stechen im Innern als ich daran dachte, dass Bellatrix – ausgerechnet sie! – ihn umgebracht hatte. Da hörte ich etwas hinter mir. Einige Schüler rannten gerade auf der Flucht vor einem Todesser auf den Astronomieturm und versteckten sich unter der Treppe. Ich biss mir auf die Lippe, als ich sah, wie der Todesser sie fand und erbarmungslos umbrachte. Es waren scheinbar Erstklässler gewesen. Solche Leute würde ich dann unterstützen, wenn ich mich Voldemort anschloss… War das richtig? Alles verschwamm wieder und ich wurde nach oben geschleudert. Wild wirbelte ich im Kreis herum, bis ich wieder auf meinem Bett aufwachte. Schwer atmend sah ich mich um. Es war alles in Ordnung. Nichts ist passiert. Das war alles nur eine Erinnerung von Dumbledore. Nichts weiter. Da verschwand das Denkarium wieder und es erschien ein Schriftzug. „Ich glaube, dir ist spätestens jetzt klar geworden, wie Dumbledore darüber denken würde.“ Ich verdrehte die Augen. Für ein Buch war es ganz schön frech! Mich für so blöd zu halten, dass ich nicht mal wüsste, was Dumbledore dazu sagen würde. Vielleicht war es ja einfach die gute Seite in mir, die die Hoffnung nicht aufgeben wollte, dass Dumbledore vielleicht wenigstens ein bisschen offen wäre. Eigentlich müsste die Hoffnung spätestens jetzt gestorben sein. „Er würde dir sagen, dass du es sein lassen sollst. Letztendlich musst du jedoch entscheiden, was du machen willst. Du wirst es auch ausbaden müssen. Deine Aufgabe ist es, die Welt zu retten und Voldemort umzubringen. Ob du ihn dafür lieber verraten willst oder dich ihm in einem ehrlichen Kampf stellen willst, ist deine Sache.“ „Also, verraten würde ich das jetzt aber nicht nennen!“, protestierte ich. Es war ganz eindeutig nicht meine Art, meine Mitmenschen zu verraten. Normalerweise jedenfalls. So viel Ehre besaß ich schon noch. „Nenne es wie du willst. Es ist aber keine besonders nette Art.“ „Jemanden umzubringen ist niemals nett und außerdem ist es immer noch dreimal besser als sich von einem Dummkopf und dessen Buch leiten zu lassen.“ Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass das Buch jetzt anfing zu glühen. War es sauer? Ich grinste und klappte das Buch zu, bevor ein neuer Schriftzug erschien. Sorgsam verstaute ich es zusammen mit dem Pergament wieder unter dem Bett und legte mich schlafen. Ich glaube, meine Entscheidung stand jetzt erst recht fest: Ich würde mich ihm anschließen. Einfach nur, um Dumbledore und sein dämliches Buch zu ärgern. Als ich am nächsten Morgen aufwachte, schien die Sonne und ich rieb mir verschlafen die Augen. Was war gestern noch einmal passiert? Ich gähnte und setzte mich hin. Irgendwie war mein Kopf wie leergefegt. Langsam versuchte ich, mich wieder an alles zu erinnern. Als ich bei meinem Entschluss angelangt war, schüttelte ich mich. Wie konnte ich nur auf solche Gedanken kommen! Das hier war mein Leben! Das konnte ich nicht einfach verhauen, nur weil ich grad lustig drauf war und Harry und Dumbledore mal eins auswischen wollte! Naja, würde es mein Leben verhauen, wenn ich mich Voldemort anschließen würde? Ich brauchte langsam wirklich mal einen Plan, wie ich das anstellen sollte… Ich meine, nur weil es meine Bestimmung war, hieß das nicht, dass es mal eben so aus dem Handgelenk ging ohne Vorbereitung! Obwohl, wer sagt denn, dass das meine Bestimmung war? Soweit ich mich erinnern konnte, hatten bisher nur Dumledore und ein paar andere, die es so erzählt bekommen haben, gesagt, dass es meine Bestimmung sei. Was, wenn das nicht stimmte? Oder wenn man mich mit jemand anderen verwechselt hatte? Ich war doch diejenige, die sich meine Bestimmung aussuchen konnte, oder? Konnte ich das? Und wieso konnte man nicht einfach Voldemort töten, und dann die Horkruxe suchen und vernichten? Ich meine, auf eine gewisse Art und Weise war Voldemorts Körper doch dann auch ein Horkrux, oder? Genervt raufte ich mir meine Haare. Ich machte mir eindeutig zu viele Gedanken. In Windeseile schnappte ich mir meine Klamotten und machte mich fertig. Dann ging ich nach unten in den Speisesaal. Draco saß dort bereits am Slytherintisch und winkte mich zu sich. „Hey Süße, und, gut geschlafen?“ Ich setzte mich neben ihn und zuckte mit den Schultern. „War ganz okay…“ Er grinste und reichte mir ein Brötchen. Dankend nahm ich es an und belegte es. Herzhaft biss ich hinein und kaute genüsslich. Eine Zeit lang aßen wir still schweigend neben einander unsere Brötchen, bis er schließlich fragte: „Und, hast du dich jetzt entschieden?“ Ich sah ihn fragend an. „Entschieden wozu?“ „Naja, ob du dich ihm anschließen willst oder nicht…“ „Achso…ich schwanke noch, aber ich glaube, ich schließe mich ihm an. …Vielleicht auch nicht.“ Ich zuckte mit den Schultern und wir aßen weiter. Ich spürte, wie von ihm eine gewisse Unruhe ausging und wie angespannt er deshalb war. Ich seufzte in mich hinein und wünschte, ich könnte es ändern. Einfach weg von hier gehen und… Halt! Ich konnte doch einfach weg! Was war mit meiner Welt? Aber das bereitete ihm ja auch Sorgen… weil ich mich ja andauernd dorthin zurückziehe…! Als ob! Naja, ich wollte mich ja jetzt schon wieder aus der Affäre ziehen, aber eigentlich war das doch nichts Schlimmes! Oder? Ich seufzte wieder in mich hinein. Ich machte mir wirklich zu viele Gedanken. Das sollte ich dringendst loswerden. Ich sah auf, als etwas das Licht verdeckte und entdeckte Blaise dort stehen. „Guten Morgen!“, grinste er gutgelaunt und ich musste lachen. „Wie kann man am Morgen nur so gut gelaunt sein!“ „Hey, wir haben heute frei!“ „Echt jetzt?“, kam es prompt von mir zurück und die beiden starrten mich an. „Ja natürlich! Heute ist Samstag, schon vergessen?“ „Oh, stimmt ja…“, murmelte ich und biss wieder in mein Brötchen. Auf sowas achtete ich mittlerweile gar nicht mehr. Die beiden grinsten und dann verstummten wir wieder bis auf unsere gemächlichen Kaugeräusche. Nachdem wir mit dem Frühstück fertig waren, gingen wir wieder zurück in den Gemeinschaftssaal. Die Stimmung unter den Schülern hatte sich, seit mein Vater Schulleiter war, immer noch nicht so besonders aufgehellt. Draco legte seinen Arm um mich und wir ließen uns auf einem Platz im Gemeinschaftsraum nieder. Pansy betrachtete uns neidisch, doch ich beachtete sie nicht. Ich lehnte mich an Draco und schloss seufzend die Augen. Er strich mir durch die Haare und ich biss mir auf die Lippen. Irgendwie konnte ich den Druck, der sich durch meine angebliche Prophezeiung in mir aufgebaut hatte, nicht loswerden. Ich begann erneut zu überlegen und grübelte über meine Situtation nach. Durch mein Schicksal konnte ich keine Todesserin werden. Ließ sich dies denn gar nicht umgehen? Ich wollte auf seine Seite. Es wäre für meine Beziehung besser und ich hatte keine Lust, mein Leben durch eine Prophezeiung und den gefühlt nervigsten Jungen der Welt bestimmen zu lassen. Ich dachte weiter nach und schließlich kam ich auf eine Idee. Wenn ich schon keine Todesserin werden konnte, weshalb dann nicht seine Verbündete? Dadurch wäre ich sogar eine Stufe höher gestellt und gleichzeitig dennoch auf seiner Seite. Doch würde er das dulden? Jemanden an seiner Seite, der womöglich die selben Rechte wollte? Natürlich nicht... Doch wäre es nicht ein Versuch wert? Draco sah mich besorgt an. „Was denkst du?“, fragte er misstrauisch. „Nicht so wichtig...“, wich ich aus und er fragte nicht weiter nach, worüber ich sehr dankbar war. Ich hatte keine Lust, darüber zu reden und zudem war es doch sowieso nicht seine Sache. Schließlich erhoben wir uns und verließen den Gemeinschaftsraum. Er wollte noch Hausaufgaben machen und ich ging mit Tornado in den Wald. Ich zog mich in meine Welt zurück und blieb in meiner Residenz, wo ich erneut nachdachte. Sollte ich es wirklich wagen? Ich wollte es schon tun, doch ich hatte Angst. Was, wenn es nicht funktionierte? Andererseits... Das letzte Mal wurde ich auch gerettet, weshalb denn dieses Mal dann nicht wieder? Kurzerhand setzte ich mich auf Tornado und wir ritten los. Doch schon kurze Zeit später musste ich feststellen, dass es vielleicht doch nicht so einfach wie geplant war, Voldemort zu finden. Genervt kehrte ich so wieder zurück nach Hogwarts und ließ mich frustriert und erschöpft gleichzeitig auf mein Bett fallen. Gab es denn keinen anderen Weg, etwas zu erreichen? Ich stöhnte und starrte an die Decke. Da kam mir Dracos Gesicht in den Sinn. Todesser... Ja klar! Ich kannte mittlerweile genug Todesser und sie wussten spätestens nach einem Treffen mit ihrer Sippe, wo sich Voldermort aufhält. Ich musste Draco nur ein wenig ausquetschen... Motiviert sprang ich wieder auf und suchte Draco. Blaise meinte, er wäre in der Bibliothek und so rannte ich voller Vorfreude und Überzeugung, dass mein Plan funktionieren würde, in die Bibliothek. Dort saß er auch tatsächlich über den Büchern und ich staunte nicht schlecht, als ich sah, dass er tatsächlich Hausaufgaben erledigte. „Bist du krank? Ist alles in Ordnung?“, fragte ich scherzend und er sah mich mit säuerlichem Gesicht an. „Sehr lustig...“, entgegnete er und verdrehte die Augen, während er das Buch zuschlug. „Hausaufgaben sind etwas so grauenvolles! Wer hat sich das überhaupt ausgedacht?“, grummelte er und ich musste lachen. Es war selten, dass ich lachte und ich genoss es. Es gab nur diese eine Person, die mich so zum Lachen bringen konnte. Und dafür liebte ich ihn. Glücklich gab ich ihm einen Kuss und wurde kurz darauf von Professor McGonagall angemotzt, dass ich gefälligst ruhig zu sein hatte und eigentlich nicht alleine unterwegs sein durfte. Ich senkte den Kopf und murmelte leise eine Entschuldigung. Sie seufzte und sah mich besorgt an. Dann meinte sie: „So schlimm ist es nicht, Professor Snape wollte sowieso mit Ihnen reden. Das wird dann Ihre Bestrafung sein, doch so kann ich es nicht immer handhaben. Also seien Sie gefälligst auf der Hut in Zukunft!“ Ich nickte und folgte ihr leise in das Büro meines Vaters, nachdem ich Draco noch einmal zugegrinst hatte. Mein Vater erwartete mich bereits und wies mir einen Sessel zu. „Du weißt, wir haben nicht oft die Möglichkeit, so miteinander zu reden.“; fing er an, nachdem Professor McGonagall den Raum verlassen hatte. Ich nickte und lauschte weiter. Er erzählte ein wenig, wie es voranging und dass er sich Sorgen machte. Ich nickte erneut und konnte ihm nur zustimmen. Sich Sorgen zu machen war wohl im Moment angebracht. Schließlich fragte er, wie es mir ginge und ich erzählte ihm ein wenig, jedoch hielt ich die Information, dass ich mich mit Voldemort verbünden wollte, zurück. Dennoch fragte ich ihn, ob er wisse, wo sich Voldemort im Moment aufhalte. Er formte seine Augen zu misstrauischen Schlitzen. „Wieso willst du das wissen?“ „Lass das mal meine Sorge sein.“, entgegnete ich ruhig. „Ich sollte vielleicht wissen, wo er im Moment ist, um ihn umzubringen.“ „Aber Harry ist noch nicht fertig!“, protestierte er. Ich nickte wissend. „Ja, ist er nicht. Aber ein regelmäßiges Update kann nicht schaden und man weiß nie, wann Harry zurückkehrt.“ Der Gesichtsausdruck meines Vaters war seltsam. Ich hatte ihn so noch nie gesehen. War das etwa...Angst! „Was hast du?“, fragte ich besorgt. „Ich....“, er zögerte. „Mir gefällt der Gedanke, dass du dich dem dunklen Lord stellen musst und ihn besiegen musst, nicht.“ „Das ist verständlich.“, entgegnete ich liebevoll. „Aber nichtsdestotrotz wirst du es nicht verhindern können. Das Einzige, das du tun kannst, ist mich unterstützen mit beispielsweise solchen Informationen.“ Er seufzte, sah zu Boden und dachte nach. Dann nickte er. „In Ordnung. Du hast Recht.“ Er hob seinen Kopf wieder und verriet mir, was er wusste. Demnach war Voldemort im Anwesen der Malfoys und bereitete sich auf den endgültigen Krieg vor. Mir lief es kalt den Rücken hinab und ich sah zu Boden. In Dracos Heimat. Dort könnte es sich also entscheiden. Schließlich stand ich auf und verabschiedete mich von meinem Vater. „Danke.“, flüsterte ich und verließ den Raum. Still und leise ging ich zurück in den Schlafsaal und legte mich ins Bett. Zumindest wusste ich jetzt, wohin ich als Nächstes musste. Am nächsten Morgen erwachte ich recht früh. Ich hatte vor Aufregung kaum schlafen können und spürte, wie nervös ich war, auch wenn ich es nicht zugeben wollte. Ohne einen Bissen zu mir genommen zu haben, verließ ich Hogwarts, sodass es niemand mitbekam und ritt mit Tornado los. Jetzt, wo ich wusste, wohin ich musste, ging es deutlich schneller. Bald waren wir kurz vor dem Anwesen der Malfoys und ich zog die Kapuze meines dunklen Mantels über, den ich anhatte. Wir landeten und Tornado trabte selbstbewusst zu dem Anwesen, wo wir schon gleich angehalten wurden von zwei Todessern. „Halt! Was willst du hier?“ Ich formte meine Augen zu kalten Schlitzen. „Ich möchte mit dem dunklen Lord sprechen und ihm ein Angebot unterbreiten.“, entgegnete ich kühl und sah herablassend auf den Todesser herab. Ich hoffte, dass es funktionierte und mich niemand erkannte, wobei das vermutlich sowieso nicht weiter tragisch wäre. Ich durfte nur meine Kräfte nicht einsetzen, dann würde schon alles funktionieren. Der Todesser hielt inne, musterte mich kurz, sprach dann mit dem anderen Todesser und verschwand schließlich im Anwesen selbst. Kurz darauf erschien er wieder und bat mich hinein. Auf einmal machte sich ein flaues Gefühl in meinem Magen breit und ich fühlte mich seltsam beobachtet. Wir traten in das Anwesen und der Todesser führte mich in einen edlen Raum mit einem langen Tisch. Ich erkannte den Raum sofort wieder. Hier hatte der Dunkle Lord versucht, mir das dunkle Mal aufzuzwingen. Voldemort saß auf dem selben Stuhl wie damals und strich seiner Schlange Nagini über den Kopf. „Was haben wir denn da...“, säuselte er mit scharfer Stimme, als der Todesser den Raum verlassen hatte. Einige Todesser standen um uns herum und begannen leise zu lachen. „Sieh mich an.“, befahl er mir. Kühl hob ich meinen Kopf und blickte ihm in die Augen. „Wenn ich diese Augen nicht kenne... Bist du nicht diejenige, bei der das Mal damals nicht funktioniert hatte?“, fragte er misstrauisch und grinsend zugleich. Er war so geübt darin, seine Emotionen, sofern er welche hatte, so sehr zu verwirren, dass niemand mehr erkennen konnte, was er jetzt eigentlich wirklich dachte. Ich nickte ruhig. „Interessant...“ Er schien zu überlegen. „Und was möchtest du von mir?“ Ich atmete tief durch und versuchte meine Atmung zu beruhigen. Ich musste so seriös wie möglich wirken. „Nun, wie Ihr richtig festgestellt habt, hat das Dunkle Mal nicht funktioniert. Es wirken also Kräfte in mir, die wohl mächtiger als Ihr sind, auch wenn Ihr das nicht gerne hört. Ich denke daher, dass es für Euch von Interesse sein könnte, diese Kräfte nicht gegen Euch stehen zu haben. Daher habe ich beschlossen, mich auf Eure Seite zu schlagen. Da das Dunkle Mal jedoch nicht funktioniert, denke ich nicht, dass man mich mit Euren Todessern gleichsetzen könnte. Also möchte ich mich mit Euch verbünden und über Euren Todessern stehen.“ Ich holte tief Luft und versuchte, ihm so selbstsicher wie möglich in die Augen zu sehen. Er begann zunächst zu lachen. Verunsicherung machte sich in mir breit, doch mir war klar, dass ich sie mir nicht anmerken lassen durfte. Plötzlich verstummte er wieder und sah mich lange forschend an. „Einverstanden.“, meinte er schließlich und ich jubilierte innerlich, während die Todesser um uns herum ihn ungläubig ansahen. „Unter einer Bedingung.“, fuhr er fort. „Ich erfahre von dir absolut alles, das sich in deinem Leben abspielt und du hast keine Geheimnisse vor mir.“ Ich nickte ohne groß nachzudenken. Ich meine, dass ich ihm nichts über mein Verhältnis zu Snape erzählen würde, war ja wohl klar, auch trotz dieses Abkommens, aber ich brauchte dieses Verhältnis zu Voldemort. „Im Gegenzug möchte ich über alle Aktivitäten unserer Seite Kenntnis haben. Dies brauche ich, um unsere Seite zum Erfolg und zum Sieg zu führen.“ „Ich denke nicht, dass du in der Position bist, Forderungen zu stellen.“, erwiderte er scharf. „Ich denke das sehr wohl.“, schoss ich gegen. „Immerhin sind diese Kräfte in mir am Wirken und nicht in Euch. Und ich denke nicht, dass Ihr Euch gegen sie stellen wollt.“ Er wog seinen Kopf und seine Schlange zischte etwas. „Einverstanden.“, erwiderte er schließlich. „Also, wie ist der Name meiner neuen Verbündeten?“ „Das tut nichts zur Sache.“, entgegnete ich. „Keine Geheimnisse!“, erinnerte er mich und ich nickte. „Gut. Mein Name ist Saphira.“ „Also schön, Saphira. Wie genau stellst du dir unsere Zusammenarbeit vor?“ „Überlasst das mir. Euer Ziel ist zunächst, Hogwarts einzunehmen, richtig?“ Er nickte. „Ich kenne Hogwarts im jetzigen Zustand gut. Gut genug, um genügend Hilfe beim Einnehmen zu leisten.“ „Ich kenne Hogwarts genauso.“ „Aber ich kann unbemerkt hineingelangen.“ Er nickte. „Das stimmt wohl.“ Ich fühlte mich immer überlegener und schlug vor, dass ich gemeinsam mit Draco zunächst ein paar Informationen sammelte. Er schien dem wohl nicht so abgeneigt zu sein und willigte ein. So kehrte ich glücklich und zufrieden zurück nach Hogwarts. Das einzige Problem: Sobald es mein Vater und Draco mitbekamen, hatte ich wohl ganz schön Ärger am Hals. Die nächsten Tage verliefen ziemlich normal, ich erfuhr jedoch, dass Voldemort anscheinend immer aktiver wurde. Misstrauisch beäugte ich die Situation Dracos, der von Voldemort ganz schön hart rangenommen wurde. Ich wollte bei Gelegenheit mal mit ihm darüber reden. Und die Gelegenheit kam. Der dunkle Lord berief ein Treffen ein und ich sollte erstmalig dazustoßen. Ich spürte erneut, wie die Nervosität in mir aufkam. Doch schien die Nervosität bei allen da zu sein. Unruhig tigerte ich vor dem Raum auf und ab, in dem die Versammlung stattfand. Ich sollte erst später hineinkommen. Schließlich öffnete sich die Tür und man bat mich herein. Ich trat ein und holte tief Luft. Ich spürte die ersteinerten Blicke meines Vaters und Dracos. „Dies hier ist unsere neue Verbündete!“, stellte mich der dunkle Lord vor und alle applaudierten jubelnd. Ich wagte einen Blick über den Tisch und sah die ernsten Mienen meines Vaters und Dracos. Auch wenn sie jubelten, war ihre Besorgnis ihnen durchaus anzusehen. „Sie wird Euch mit mir zusammen anführen und durch diese Schlacht leiten. Ihr habt ihren Befehlen zu gehorchen.“ Mein Vater musterte mich scharf und ich sah zu Draco, der lediglich den Kopf senkte. Auf einmal spürte ich einen Stich in mir. Es tat mir weh zu sehen und zu wissen, dass ich etwas tat, das ihnen nicht gefiel. Auch wusste ich, dass ich mich genauso unwohl wie sie dabei fühlte. Und dennoch war da ein gewisses Gefühl der Genugtuung Harry und den anderen gegenüber. Niemand konnte über mich und mein Leben bestimmen. Doch war es das wert? Ich wischte meine Gedanken beiseite und strahlte, als mich Voldemort begrüßte. Er wusste es wohl wenigstens zu schätzen, dass ich auf seiner Seite war. Als die Versammlung vorüber war, war wohl allen klar, wie nah der Krieg bevorstand. Wir teilten uns auf und mein Vater und Draco kamen zu mir. Mein Vater zischte. „Du weißt, dass ich unser Verhältnis hier nicht öffentlich preisgeben kann.“ Wütend sah er mich an. Ich nickte. „Ich weiß. Aber ich bin mir sicher, dass das der richtige Weg war.“ Sein Gesicht nahm weichere Züge an. „Ich mache mir Sorgen um dich. Aber wenn es der richtige Weg war, dann bin ich stolz auf dich. Mach aber ab jetzt bitte keine Dummheiten mehr!“ Ich nickte erneut. „Ich habe einen Plan, keine Sorge!“ Er lächelte und schritt dann weiter zu den anderen. „Er hat Recht. Es war eine Dummheit!“, warf mir Draco vor. „Bitte mach mir keine Vorwürfe. Du weißt genau, wie ich mich immer gefühlt habe. Kannst du es denn gar nicht verstehen?“ Er seufzte. „Doch. Und genau da liegt das Problem. Man kann sich im Leben nicht immer von Gefühlen leiten lassen! Manchmal muss man sie auch kontrollieren können.“ Ich presste meine Augen zusammen. „Dann hätte ich meine Gefühle dir damals gegenüber auch kontrollieren müssen? Dann hätte ich mich nie in meiner Welt verstecken dürfen? Dann darf ich also keine Gefühle haben? Ist es das, was du willst?“, zischte ich aufgebracht und verletzt. „Nein, nein! So war das nicht gemeint.“ Er schüttelte den Kopf. „Ich meinte nur, dass dich das auch in Probleme bringen kann. So wie damals mit Bellatrix. Es war gefährlich und hätte tödlich für dich ausgehen können und für uns andern gleich mit.“ „Ich weiß. Aber ohne dieses Erlebnis wäre all das hier nicht geschehen!“ „Vielleicht wäre es besser, wenn es nie geschehen wäre...“, murmelte er. Ich sah ihn verständnislos an. „Was? Nur so können wir noch miteinander zusammen sein, ohne dass ich oder du in Lebensgefahr schweben! Hattest du nicht gesagt, dass sie von deiner Freundin wohl erwarten werden, dass sie Todesserin wird? Jetzt ist sie höher gestellt als eine Todesserin. Es gibt keinen Grund mehr, etwas zu fürchten!“ Draco seufzte. „Lass uns später weiterreden.“ Er trat beiseite und ging zu seinen Eltern. Ich sah ihm verwirrt und verletzt nach. Hatte er das gerade wirklich gesagt? War es so schlecht, was ich getan hatte, dass selbst mein Vater und mein Freund mich dafür kritisierten? Ich hielt noch eine Zeit lang inne, dann wirbelte ich herum und stolzierte zu Tornado, der draußen auf mich gewartet hatte. Hinter mir gab Voldemort Nagini ein Zeichen und winkte meinem Vater zu. Ich wurde ein wenig misstrauisch und wartete draußen bei Tornado, indem ich so tat, als würde ich ihn noch ein wenig grasen lassen. Die beiden gelangten nach draußen und wollten, wie mir erzählt wurde, in die Heulende Hütte. Ich zögerte kurz, dann folgte ich ihnen, indem ich apparierte. Ich versteckte mich hinter einer Ecke, als ich zusah, wie sich die beiden unterhielten. Ich verstand etwas von einem Elderstab und etwas von Vater, zu nahe stehend und Tochter. Dann zog der dunkle Lord seinen Zauberstab und richtete ihn auf meinen Vater. Ich erstarrte und hielt meinen Atem an. Was hatte er vor? Wollte er ihn etwa töten! Ich musste etwas unternehmen! Ich wollte meine Kräfte einsetzen, das hatte einfach der richtige Moment sein müssen. Da entdeckte mein Vater mich im letzten Moment und schüttelte schwach den Kopf. Dann sprach Voldemort den Todesfluch aus und mein Vater starb vor meinen Augen. Vor Schock sank ich auf die Knie und sah auf den leblosen Köper, der nun auf dem Boden lag, während der dunkle Lord wieder davonging. Mir stiegen die Tränen in die Augen und ich hörte Dracos Stimme wieder in meinem Kopf. „Man kann sich im Leben nicht immer von Gefühlen leiten lassen...“ Die Tränen rannen über meine Wangen und die Wut stieg in mir auf. Wut auf Voldemort, Wut auf mich, Wut auf Draco, Wut auf Harry, einfach Wut auf alles und jeden. Ich sprang auf die Beine und schrie gegen Dracos Stimme in meinem Kopf an. „Hätte ich mich von meinen Gefühlen leiten lassen, würde er vielleicht noch leben! Er hätte nicht sterben müssen, wir hätten glücklich zusammen leben können!“ Verzweifelt trommelte ich mit meinem Fäusten gegen die Wand vor mir und blieb schließlich erschöpft neben meinem Vater sitzen. Mein Atem beruhigte sich wieder und ich dachte nach. Was wollte ich hier eigentlich noch? Wem sollte ich noch helfen? Und vor allem: Wem wollte ich noch helfen? Ja, ich liebte Draco. Doch er hatte mich verletzt. Alleingelassen. Wegen einer Entscheidung! Harry hasste ich. Ihm würde ich bestimmt nicht freiwillig helfen. Voldemort andererseits hasste ich auch. Er hatte meine Eltern getötet. Seine Todesser hatten Sirius umgebracht. Wem konnte ich also hier noch vertrauen? Wer ließ einen nicht im Stich? Gab es das überhaupt? Frustriert und wütend gleichzeitig erhob ich mich wieder, apparierte wortlos zu Tornado, sprang auf seinen Rücken und galoppierte in den Verbotenen Wald. Genau in meine Welt. Völlig fertig und erschöpft ließ ich mich auf den Boden sinken und schlief im weichen Gras unter mir ein. Hier gab es keine Sorgen, niemanden, der andere umbrachte oder mich verletzte. Ich weiß nicht, wie lange ich schlief. Doch ich wurde unsanft geweckt. Ein panischer Zentaur stand vor mir und versuchte mir völlig aufgebracht zu erklären, dass Voldemort Hogwarts angriff und gerade die Kontrolle,über die Welt da draußen übernahm. „Bist du nicht die Auserwählte?“ Ich bejahte verwirrt. „Dann tu etwas!“, fauchte er mich hilflos bittend an. Ich sah ihn etwas perplex an und verließ meine Welt, um nachzusehen, wie es draußen wohl aussah. Ich erstarrte. Überall schrien Leute, der Kampf war weder zu übersehen noch zu überhören. Ich rannte los durch die Leute auf die Seite der Hogwartsschüler. „Wo ist Harry?“, fragte ich mit panischer Stimme. Ich machte mir keine Sorgen um ihn, aber solange er noch nicht zurück war, konnte ich Voldemort auch noch nicht töten. Doch wollte ich das überhaupt? Wollte ich mein Leben durch eine Prophezeiung bestimmen lassen? „Er ist tot.“, erwiderte Neville finster und widmete sich weiter dem Kampf. Da entdeckte ich den leblosen Körper Harrys auf dem Boden vor Voldemort liegen. Dieser rappelte sich auf, als er mich sah und ich starrte verwirrt auf ihn. „Ich dachte, Tote können sich nicht bewegen?“, fragte ich überfordert. „Jetzt, Saphira, jetzt!“, schrie er mir aus vollem Hals zu und ich musterte ihn kalt. „Du hast mir nichts zu sagen.“, fauchte ich ihn an. „Willst du uns alle umkommen lassen?“ „Ich werde mein Leben nicht von einer Prophezeiung bestimmen lassen!“, schrie ich trotzig zurück. Egal, wie dumm das war, das sollte nicht mein Leben sein. „Tu es doch einfach!“, rief er genervt. „Lass mich in Ruhe!“, entgegnete ich wütend. Da entdeckte ich Voldemort. Der Mörder meines Vaters. Höhnisch lachend und mit kalten Augen. „Dachtest du wirklich, ich wäre so dumm und wüsste nicht, was du vorhast? Natürlich war mir klar, dass du mich hintergehen wirst. Und es war in der Tat nicht schwer, herauszufinden, dass Snape dein Vater war. Leider war er das nur. Zu schade, dass er dich hier jetzt nicht sehen kann und dich womöglich sogar durch den Krieg leiten kann!“ Spöttisch schallte sein Lachen über die Ebene. Bellatrix stand hinter ihm und fiel in sein Lachen ein. Sie! Sie, die Sirius getötet hatte! Erneut stieg Wut in mir auf. „Denk ja nicht dran, dich erneut in deiner Welt zu verstecken!“, schrie Harry da von hinten. „Stell dich deinem Schicksal!“ Sirius war tot... Mein Vater war tot... „Wenn du so weitermachst, wird Draco der Nächste!“, lachte Bellatrix hinter Voldemort und brachte mich so zum Überlaufen. Jetzt durfte ich meine Kräfte einsetzen. Mir war alles egal. Ich hasste alles und jeden. Sie sollten mich bloß in Ruhe lassen! Ich drehte mich im Kreis und eine Welle aus Eis und Schnee wirbelte über die Ebene. Nichts blieb verschont. Alles wurde eingefroren oder unter Schnee begraben. Da entdeckte ich den reglosen Körper Voldemorts. In meinen Augen funkelte die Wut. Ich machte eine Handbewegung und schon schoss ein Eispfeil mitten in sein Herz. Seine ohnehin schon leeren und kalten Augen wurden leblos und ich grinste zufrieden. Dann sah ich Harry. Er würde der Nächste werden. Ich war wohl wahnsinnig geworden, doch er hatte mich so genervt, dass ich diesen Hass auf ihn entwickelt hatte. Ich wollte ihn gerade umbringen, da hörte ich eine Stimme meinen Namen rufen. „Nicht!“ Ich kannte diese Stimme und sie brachte mich zur Besinnung. „Bring ihn nicht um, bitte!“ Ich drehte mich um und entdeckte Draco. Vorsichtig bewegte er sich auf mich zu. „Ich weiß, wir haben alle Mist gebaut. Aber bitte, bring uns nicht um dafür. Ich weiß, ich habe dich verletzt. Bitte vergib mir. Und ich weiß, Harry hat dich genervt. Und ich weiß auch, dass du in Hogwarts nicht alle gemocht hast. Aber bitte vergib ihnen und lass diese Welt weiterleben, zusammen mit ihren Bewohnern!“ Ich sah ihn sprachlos an. Dann rannte ich erleichtert auf ihn zu und umarmte ihn. „Natürlich verzeihe ich dir und auch allen anderen.“, flüsterte ich und küsste ihn sanft. Das Eis um uns begann zu schmelzen und der Krieg sich aufzulösen. Voldemort war besiegt und die Welt war gerettet. Ich hatte wohl meine Prophezeiung, vor der ich so lange flüchten wollte, erfüllt und das gar nicht mal so übel. Meine Eltern waren zwar tot, doch ich gründete mit Draco eine neue Familie und wir lebten glücklich und zufrieden. Selbst mit Harry vertrug ich mich wieder. Naja, also so mehr oder weniger... Aber immerhin. Man muss ja auch nicht mit jedem perfekt auskommen. Aber man sollte es versuchen. Und das tat ich. Diese Zeit hatte mir einiges gezeigt: Erstens ist es unwahrscheinlich, dass man sich gegen sein Schicksal auflehnen kann. Natürlich kann man es probieren. Aber das Schicksal wird wohl gewinnen, wenn auch auf eine Art und Weise, wie wir es wohl nicht erwarten. Und zweitens ist es nicht so wichtig, wer wen wann verletzt hat. Jeder macht Fehler. Man kann auch nicht immer jeden leiden. Aber es ist wichtig, dass man sich am Ende wieder verträgt. Und drittens ist es keine Lösung, vor seinen Problemen wegzulaufen. Sie werden wiederkommen, wenn auch vielleicht auf eine andere Art und Weise, als man es erwartet. Aber sie werden wiederkommen. Also stellt euch ihnen. Jeder kann seine Probleme besiegen. Man muss nur den Mut dazu haben.

Kommentare (27)

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Tatze 🐺🐾 (06876)
vor 5 Tagen
OMG OMG OMG OMG
die mit abstand aller beste story die isch je gelesen hab ‼️‼️
😍😍😍
du musst unbedingt weiter schreiben
biiiiiiiieeeeeeetttttteeeee
die geschichte ist dir richtig gut gelungen ‼️‼️‼️‼️‼️
Lg Tatze
Lollipop/Häppie (38044)
vor 155 Tagen
Dankeschön ^^
Ich werde womöglich nochmal drübersehen und den Kuss überarbeiten :D
Vielen Dank für dein Lob :)
Nica (35520)
vor 190 Tagen
Mega Geschichte!!!! Du schreibst echt toll und diese Idee mit der Eiskönigin ist einfach grandios. Einen klitzekleinen Kritikpunkt hätte ich aber noch. Meiner Meinung nach könntest du den ersten Kuss zwischen Draco und Saphira etwas genauer beschreiben. Ich meine das er nicht so plötzlich geschehen sollte. Um etwas mehr Gefühl und Chemie zwischen den beiden rüber zu bringen. Weißt du was ich meine?Das ist aber auch das einzigste. Bitte schreib mehr solcher Geschichten!!!!!
Lg Nica 🌸 🌼
Lollipop/Häppie ( von: Lollipop/Häppie)
vor 201 Tagen
Tja, und endlich ist es geschafft ^^ Die Geschichte ist fertig. Vielleicht werde ich die ein oder andere Stelle noch überarbeiten, aber das ist mindestens das grobe Gerüst :D Viel Spaß beim Lesen!
Blou (60748)
vor 206 Tagen
traurig das das baby stirbt aber es hat gepasst ((ebloe))
Blou (60748)
vor 206 Tagen
voll cool ich freue mich schon auuf den 2.teil
Lollipop (54675)
vor 271 Tagen
Hey,
danke für euer Feedback! Ich hab ewig nicht mehr an der Geschichte geschrieben, weswegen es noch ein wenig dauern wird, und ich habe natürlich auch immer noch in der Schule Stress (als ob das mal besser wird xD), aber ich werde es jetzt als Ausgleich nehmen und weiterschreiben, also könnt ihr euch bald auf eine Fortsetzung freuen ^^
Lg eure Lollipop
Daphne Malfoy ( von: Daphne Malfoy)
vor 280 Tagen
Voll cool! Und das da Frozen eingebaut ist.
Schreib bitte weiter!
Leonora Malfoy (21425)
vor 383 Tagen
OMG! Diese Geschichte ist sooooooo schön.Ich wünsche ich könnte auch so gut schreiben wie du.Die Idee mit Snape als Vater fand ich echt super. Dass das Baby stirbt ist zwar traurig aber hat gepasst.
Leonie (16127)
vor 590 Tagen
Die Geschichte ist wunderschön schreib doch bitte noch
einen zweiten Teil ich möchte wissen wie es aus geht ♥♥
lea (35323)
vor 665 Tagen
Tolle Geschichte ❤
schreib doch bitte weiter
^-* (52627)
vor 702 Tagen
DAS WAHR SOOOO lol als saphira bei Snape wahr und er sagt ich bin dein Vater so unter dem Motto "LUKE, ich bin dein Vater XD
Dracoretta Malfoy (58485)
vor 743 Tagen
Tolle Geschichte du hast Talet
Lollipop (76291)
vor 766 Tagen
Hey, erstmal wieder Danke für eure Komplimente :) Ich versuche bald wieder weiter zu schreiben, aber ich habe zur Zeit in der Schule mordsmässigen Stress, weswegen ich euch leider nichts versprechen kann :( Ich geb aber mein Bestes und hoffe, dass ich bald wieder ein neues Stück der Geschichte schreiben kann. Lg Lollipop
Ariana (97051)
vor 775 Tagen
Schreib bbbbbiiiiiitttttteeee weiter das ist meine absulute lieblingsgeschichte lg ariana
MiaMaria (66793)
vor 807 Tagen
Cool ! Schreib bitte weiter! Das ist die mit Abstand beste FF, die ich je gelesen habe! Mir gefällt dein Schreibstil, und wie du die Gedanken ei er Person wiedergiebt. Auch, dass du die originelle Geschichte nicht allzu sehr veränderst. Ich mein, du veränderst sie schon, aber es ist nicht so dass Tote Personen Leben oder umgekehrt.
Ich kann dir nichts sagen, was ich anders machen würde, also bitte schreib die Geschichte schnell zu Ende!
LG MiaMaria
Lollipop (15808)
vor 863 Tagen
Hey,
ich habs jetzt endlich geschafft, ein bisschen weiter zu schreiben. Ich weiß, es ist nicht so viel, aber ich hab die schwierige Stelle versucht so gut wie möglich zu meistern und hoffe, dass es euch immer noch gefällt ^^
Lg Lollipop
Hogwarts lover (41915)
vor 871 Tagen
Oha die beste die ich je gelesen hab!!!
Du musst zuende schreiben! biiiiiiiiiitteeeeeee
wenn du weiter geschrieben hast schreib
ich dir noch ein Kommi
Lg Hogwarts Lover
uiuiu (23578)
vor 874 Tagen
Respekt,war echt richtig gut!Nur traurig dass das Kind gestorben ist!!!
Lollipop (18512)
vor 877 Tagen
Ich werd wahrscheinlich in kleinen schritten weitermachen. War mpmentan halt an einer schwierigen stelle dran, wo ich erstmal ein wenig überlwgen musste...