Ungnade

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1 Kapitel - 738 Wörter - Erstellt von: Suigetsugirl*-* - Aktualisiert am: 2015-06-20 - Entwickelt am: - 816 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt

1
Gott.
Wenn es dich noch gibt, dann...
...Erlöse mich...
Wie lang bin ich hier schon...?
Ich habe jegliches Zeitgefühl verloren, die Schmerzen vernebeln meine Wahrnehmung.
Geronnenes Blut besudelt meinen ganzen Körper.
Sein schauerliches Lachen spukt durch meinen Kopf.
Der Blick, der meine Augen streifte, als er mir die rechte Hand abschlug.
Ich hätte elendig verrecken sollen, doch ich kann nicht mehr sterben.
Ich bin bereits tot.
Ich bin unschuldig.
Ich war jung.
Ich war schön.
Mein Körper ist ausgemergelt, meine Haare haben jeglichen Glanz verloren und hängen schlaff in mein Sichtfeld.
Meine Arme und Beine sind voll von schlecht verheilten, entzündeten Schnitten.
Schmerzende Eisenfesseln halten mich in einer aufrechten Position.
Ich hänge an einem blutigen Holzkreuz, meine Haut ist rau und aufgescheuert.
Ich bin allein.
Ich war jung.
Ich war leichtsinnig.
Vielleicht habe ich mich dazu verleiten lassen...
Ich höre Schritte und hebe ermattet meinen schweren Schädel, um meinem Peiniger entgegenzusehen.
Langsam schreitet er auf mich zu. Die Dunkelheit löst sich von ihm wie wabernde Nebelfetzen.
Als er an mich herantritt, lächelt er.
Nicht sanft und liebevoll.
Nicht brutal und erfreut.
Nicht grausam und ungerührt.
Er lächelt mich todtraurig an.
Tränen sammeln sich in meinen trockenen, schmerzenden Augen.
"W...ar...u...m...", hauche ich mit Staub auf der Zunge.
Als Antwort zieht er etwas aus der Tasche seines uralten Mantels.
Es ist eine goldene Taschenuhr.
Sie ist schmutzig und die Zeiger drehen sich wohl schon lange nicht mehr.
"I...ch...Verste...he...Nicht..." ;
"Das ist meine Zeit."
"Was...? W...er...bi...st...du...?"
Er schaut mir lange Zeit tief in die Augen.
Aber er schweigt.
Und greift zu einer angespitzten Eisenstange.
Ich presse mit letzter Kraft meine Zähne zusammen und schließe meine müden Augen.
Aber es kommen keine Schmerzen.
Etwas schabt und kratzt am Boden.
Lange Zeit kann ich meine Augen nicht öffnen.
Irgendwann entfernt er sich.
Mit einem Klacken springen die Fesseln auf, die mich am Kreuz gehalten haben. Ich falle und schlage hart auf dem Boden auf.
Der klare, freie Schmerz befreit mich von meiner trüben Wahrnehmung. Alles prasselt auf mich ein, und ich krümme mich.
Bin ich... Frei...?
Langsam setze ich mich auf und lehne meinen Rücken gegen das morsche Holz des Kreuzes.
Wie immer ist alles dunkel.
Aber ich bin frei.
Frei von Schmerzen.
Frei von Fesseln.
Ich richte mich auf.
Meine Beine sind wackelig, aber ich kann stehen.
Ich beginne zu laufen.
Ich beginne zu lächeln.
Durch die Dunkelheit zu wandern befreit mich.
Die beklemmende Schwärze wird wärmer und heller.
Ich kann alles sehen.
Ich fühle mich besser.
Nein...
Ich fühle mich...
...Mächtig...
Ich fühle mich...
...Falsch...
Etwas stimmt nicht...
Mein Fuß berührt etwas, und ich bücke mich angespannt, um die kleine, goldene Taschenuhr aufzuheben.
Ich spüre das Ticken.
Es dringt bis tief in meine Adern und lässt mich erschaudern.
Neben ihr ist etwas in den Boden gekratzt.
Mit einem spitzen Metallstück.
'Du bist an der Reihe'
Ich richte mich wieder auf.
Ich war leichtsinnig.
Ich war dumm.
Ich war naiv.
Langsam stolpere ich vorwärts, zurück zu dem Ort meiner Folter.
Das Kreuz ist nicht länger leer.
Ein kleiner Junge sieht mich aus verzweifelten Augen an.
Sein Mund öffnet sich zu einem Schrei.
"Wer bist du!"
Ich fasse in die Tasche meines alten Mantels und spüre ein Messer.
Ich habe eine Aufgabe zu erfüllen...

Kommentare Seite 1 von 1
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none ( 68775 )
Abgeschickt vor 592 Tagen
93.128.186.186
Suigetsugirl*-* ( 87991 )
Abgeschickt vor 630 Tagen
Dankeschön für die lieben Kommentare:D
Dunkelkralle ( 12847 )
Abgeschickt vor 637 Tagen
Also echt!! Respekt!!
Luna2003 ( 51933 )
Abgeschickt vor 641 Tagen
Wow ! Respekt ! Das ist richtig gut !!! Ich bin Begeistert !!!
Lady_Siren ( 04573 )
Abgeschickt vor 642 Tagen
Dein Schreibstil gefällt mir ^^ Kurze Sätze, die aber gekonnt eingesetzt wurden. Die Emotionen des Angeketteten sind klar, der "Peiniger" wurde seeehr gut dargestellt und ist schön unheimlich. Man weiß nicht, wer es ist und das macht es so effektiv. Es könnte jeder sein.
Auf jeden Fall was für Psycho-Grusel-Fans.
xXCupcake-CultXx ( 12445 )
Abgeschickt vor 642 Tagen
Und wieder sehr interessant und gut geschrieben ^^