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Wild West

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5 Kapitel - 1.798 Wörter - Erstellt von: Rira04 - Aktualisiert am: 2015-06-15 - Entwickelt am: - 885 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

Eine Kurzgeschichte über ein Mädchen im wilden Westen.

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    Ich drehte mich vor dem Spiegel im Kreis. Mein hellblaues Kleid sah hässlich aus. Ich mochte keine Kleider oder Röcke. Viel lieber waren mir Hosen a
    Ich drehte mich vor dem Spiegel im Kreis. Mein hellblaues Kleid sah hässlich aus. Ich mochte keine Kleider oder Röcke. Viel lieber waren mir Hosen aller Art. Aber heute wollte meine Mutter das so. Sie wollte auf eine Vernissage gehen. Da musste man richtig schick sein und es ging um Kunst! Ehrlich, das war nichts Schönes. Da rief meine Mutter: „Sei bitte in 5 Minuten fertig, Luna!“ „Okay!“, antwortete ich. Ich griff nach meiner Kette. Sie hing noch über dem Spiegelrand. Doch meine Hand prallte nicht gegen das Spiegelglas sondern glitt hindurch. Ich erschrak und riss die Augen auf. Meine Knie fühlten sich an wie Wackelpudding. Ich streckte mein rechtes Bein aus und es glitt auch durch den Spiegel. Hinterher kamen mein anderer Arm, danach mein Oberkörper und nun mein linkes Bein. Es würde bestimmt komisch aussehen wie mein Kopf da aus dem Spiegel hang. Ich presste meinen Kopf mit aller Kraft hindurch und ich sah eine Wüste. Es gab Berge. Aber nicht so wie in Deutschland. Es sah aus wie in den USA. Wilder Westen! Davon hatte ich doch schon immer geträumt. Hoffentlich hatte ich nicht mein blaues Kleid an. Ich setzte zwar nicht so viel auf mein Aussehen, aber wie würde das den aussehen? Meine langen braunen Haare waren noch als Fischgrätenzopf geflochten. Das sähe doof aus! Als ich einen Schritt tat, bemerkte ich jedoch, dass ich eine Hose anhaben müsste. Ich sah an mich herunter. Ich war mit einer braunen dreiviertel Hose bekleidet. Sie saß locker an meinen Beinen. Eigentlich hatte ich ja etwas dickere Beine und diese passten nur in etwas weitere Hosen. Diese Hose musste ich einfach mitnehmen! Auch hatte ich eine lockere Bluse in ockerfarben an. Als Sonnenschutz hatte sie einen Hut an. Das war irgendetwas Magisches hier. Weiter entfernt kläffte wild ein Hund. „Puh, hier gibt es auch noch andere Menschen als mich!“, bemerkte ich erleichtert. Ich wischte mir über die Stirn. Aber es war angenehm. Naja, ziemlich… Trotzdem wollte ich wieder zurück. Doch als ich mich umdrehte war die „Tür“ nach Hause verschwunden. Verwirrt drehte ich mich um die eigene Achse. Doch überall nur Orange und Braun. „Oh nein!“, bemerkte ich. „Diepo, bei Fuß!“, rief eine Mädchenstimme aus der Ferne. Ich drehte mich um und sah ein Mädchen herbeieilen die den Hund, der anscheinend Diepo hieß, tadelte. Als der Border Collie Mischling wieder anfangen wollte zu bellen, hielt das Mädchen Schnauze und Maul zusammen. Wenn ich hier wirklich in den USA war, dürfte ich das Mädchen doch gar nicht verstehen! Oder? Das Mädchen hatte genau die gleiche Kleidung an wie ich. Sie kam zu mir. „Hallo wer bist du?“, fragte sie. Ich stotterte: „Ähm, äh, Luna!“ Das Mädchen nickte und stellte sich vor: „Ich bin Ellinor und das ist mein Hund Diepo. Wo kommst du denn her?“ Ich musste überlegen, was sollte ich den sagen, etwa: „Ich komme aus einem Spiegel.“? Oder: „Aus dem fernen Deutschland.“? Nein das ging nicht! Ich musste was erfinden. Irgendwann würde ich es ihr noch erzählen. „Also, ich komme aus Kalifornien, genauer aus…“, ich musste überlegen. Welche Stadt lag in Kalifornien? „Aus San Francisco!“, vollendete ich meinen Satz. Es war die erste Stadt die mir eingefallen war. Ellinor nickte wieder und erwiderte: „Ich komme von der Ranch Horsefield hier im Monument Valley.“ Meine Vermutung hatte sich bestätigt, ich war in den USA. „Unsere Ranch macht aber leider keine Geschäfte mehr. Eigentlich verkaufen wir Schafe, Rinder, Pferde, Hühner und vieles mehr. Aber keiner interessiert sich mehr für uns. Alle gehen zu dieser „Black Cattle Ranch“!“, erzählte sie weiter und ballte die Fäuste. „Black Cattle Ranch“ hatte Ellinor wie ein Schimpfwort ausgesprochen. Diepo knurrte. „Aber es hat auch etwas Gutes. Ich kann meine Stute Sunbathe behalten die eigentlich zum Verkauf steht!”, erklärte sie. Ich überlegte. Reiten liebte ich! Pferde auch… „Lass uns doch einen Ausritt machen!“, schlug ich vor. Ellinor nickte begeistert und meinte: „Dann lass uns losgehen. Die Ranch ist nicht weit entfernt.“ Auf dem Weg zur Ranch sprachen wir über unsere Hobbys und diskutierten über verschiedene Sachen. Ellinor erzählte mir das sie Western ritt. Diese Reitart war viel spannender als englisches Reiten! Auf der Ranch waren viele Gebäude leer. Sie wussten nicht was sie damit anfangen sollten. Auch Ellinor mochte keine Röcke und Kleider. Auch sonst hatten Ellinor und ich viel zusammen. Auch sie mochte reiten und klettern. Nur mit Inlinern war sie noch nie gefahren. Ich werde ihr es beibringen, überlegte ich es mir. Ellinor war definitiv die Reise wert gewesen.

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    Die Horsefield Ranch war wunderschön. Auf der Weide grasten friedlich Pferde, in einem Paddock tobten Fohlen und über den Hof liefen vereinzelt Hühner und 2 Katzen. „Willkommen auf der Horsefield Ranch!“, präsentierte Ellinor mir die Ranch. „Wer ist Sunbathe?“, fragte ich. Ellinor zeigte auf ein Quarter Horse das eine Topinoscheckung in dunkelfuchs hatte. Sunbathe war super schön. „Darf ich sie mal streicheln?“, fragte ich. Ellinor nickte freundlich und ging mit schnellen Schritten auf die Weide zu. Sie schnalzte mit der Zunge und Sunbathe kam langsam auf sie zu. Ich bewegte vorsichtig die Hand zu ihrem Kopf und streichelte sie. Sunbathe stupste mich an. „Sie will ein Leckerli!“, kicherte Ellinor vergnügt. Ich zuckte mit den Schultern und sagte entschuldigend: „Leider keins dabei.“ Als hätte Sunbathe die Worte verstanden, trottete er zu Ellinor und zog die gleich Show bei ihr ab. Ellinor holte immer noch kichernd ein kleines Pferdeleckerli aus ihrer Hosentasche und gab ihn Sunbathe. Diese zog zufrieden ab. „Welches Pferd darf ich denn nehmen?“, fragte ich nun. Sie nickte zu einer Appaloosa Stute. „Pennypel. Ihr Spitzname ist aber Penny!“, antwortete Ellinor. Penny wieherte zustimmend. „Penny ist ein Schabrackentiger in braun weiß und sein Charakter ist perfekt; brav und freundlich aber auch wild und widerspenstig!“, erklärte sie stolz. Ich lächelte und fragte: „Gehen wir die Ausrüstung holen. Und vielleicht auch ein kleines Picknick?“ Ellinor nickte eifrig und ging voraus.

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    Wir trabten am Anfang und unterhielten uns. Da konnte ich es nicht mehr aushalten. Ich musste ihr die ganze Wahrheit sagen. „Du, Ellinor“, fing ich an, „es ist so. Ich musste dich ein bisschen anlügen. Nun, ich komme nicht aus San Francisco, sondern aus Deutschland, aus Kiel. Es wie von Zauberhand. Ich bin einfach durch den Spiegel geglitten. Und dann war ich hier. Ich kann deine Sprache, du kannst mich verstehen und ich hatte die richtigen Klamotten an. Entschuldigung wegen der Lüge, aber du hättest mir bestimmt nicht geglaubt. Jetzt auch nicht… Ich würde dich verstehen wenn du mich jetzt hier aussetzen würdest. Es tut mir leid!“ Ich schaute betreten zu Boden und parierte Penny durch in den Schritt. Doch Ellinor blieb entspannt und sagte: „Magie gibt es überall. Und das mit der Lüge hätte ich genauso getan wie du!“ Sie grinste. Ich lenkte Penny freudenstrahlend zu Ellinor und umarmte sie. Ich fragte: „Galopp?“ „Galopp!“, antwortete Ellinor und raste los. Ich trieb Penny schnell hinterher und jauchzte: „Ach wie schön war doch das Leben!“

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    Ellinor und ich saßen gemütlich im Schatten eines Baumes und aßen amerikanisches Essen. Die Pferde knabberten an Heu das Ellinor mitgebracht hatte und dösten ein bisschen. Es war herrlich! Es schoss mir durch den Kopf wie ein Blitz. Doch es folgte kein Donner, nein, auch kein Regen. „Ich habe es!“, rief ich und schnippte, „Ich weiß was wir machen können um Kunden anzulocken!“ Ellinor legte ihren Donut zur Seite und machte ein fragendes Gesicht. „Also, ihr könntet in eure leeren Gebäude Ferienwohnung herrichten. Die könntet ihr vermieten!“, erklärte ich aufgeregt. Ellinor nickte erst langsam und dann immer schneller und rief: „Ja, perfekt! Und wir könnten einen kleinen Shop eröffnen.“ Ich überlegte mir: „Und ihr könntet Ausritte machen!“ Ellinor nickte aufgeregt und schlug vor: „Dann reiten wir gleich mal zurück und sagen meinen Eltern Bescheid!“ Ich nickte wild, räumte mit Ellinor das Picknick auf und sprang auf Penny.

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    Ellinor musterte ihren Vater. „Und?“, fragte sie erwartungsvoll. „Sehr gut!“, schaltete sich die Mutter von Ellinor ein. Ich lächelte. Auch der Vater nickte und meinte: „Morgen fahre ich gleich zu einem Möbelshop! Wie wäre es wenn ihr Werbung erstellt?“ Ellinor und ich nickten und Ellinor führte mich zu ihrem Zimmer. Dort stand ein Laptop. Ellinor startete das Programm. Ich fragte: „Wenn ich wieder weg muss, werde ich dich sehr vermissen. Aber wir können ja schreiben. Du hast doch eine E-Mail Adresse oder?“ Ellinor nickte und schrieb sie auf. „Warum war die „Tür“ eigentlich nicht mehr da?“, fragte ich nebenbei. „Ich hab mal „Das magische Baumhaus“ in der Schule gelesen. Die konnten erst wenn sie ihre Aufgabe erfüllt hatten, nach Hause!“, erklärte Ellinor.

    „Die Werbung ist super!“, stellte ich fest. Ellinor nickte begeistert. Ich seufzte. Wie schön es doch mit Ellinor war. „Ellinor ich glaube, ich muss jetzt los. Es war fabelhaft dich kennen gelernt zu haben. Wirklich! Kann Diepo mich zu der Stelle hinführen, wo die Tür ist?“ Ellinor nickte traurig. „Du warst wirklich toll!“, stellte sie fest. Ich schloss sie in die Arme und sagte: „Wir schreiben!“ Ellinor wischte sich eine Kullerträne aus dem Augenwinkel und rief nach Diepo. Sie erklärte ihm, dass er nach der ältesten Spur von mir suchen sollte. Er lief schon los, doch Ellinor stoppte ihn. Ich sagte Ellinors Eltern tschüss und verabschiedete mich mit einem Leckerli bei Penny. Auch Sunbathe bekam noch eine Streicheleinheit. Der Abschied viel mir wirklich schwer. Doch dann war es soweit. Diepo lief los und Ellinor und ich hinterher. Er brachte mich an die gleiche Stelle wie vor ein paar Sunden. Ich winkte noch ein letztes Mal und ging dann einfach weiter. Doch dann verschluckte mich die Magie des Spiegels. Ellinor seufzte, das hörte ich noch. Ich kniff die Augen kurz zu und stand dann in meinem Zimmer. Angezogen mit dem blauen Kleid und der Kette. Erst dachte ich, es wäre ein Traum gewesen, doch dann sah ich eine Hose in meinen Händen. Die Westernhose…

Kommentare (1)

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Rira04 (51978)
vor 873 Tagen
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