Traum von Mittelerde - Hobbit Teil 1 - Kapitel 6

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1 Kapitel - 3.337 Wörter - Erstellt von: Lossiel Niquesse - Aktualisiert am: 2015-06-04 - Entwickelt am: - 1.404 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

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    Neue Freunde und nicht mehr ganz so neue Feinde

    Da ich keine sonderlich große Lust auf erneuten Ärger mit Herrn Eisenfaust/Halbglatze habe, laufe ich langsamer und lasse mich zurückfallen, bis ich wieder am Schluss neben Kili bin. Der zwinkert mir vom Sattel aus zu. „Gut gemacht!“ flüstert er gerade so laut, dass ich es hören kann. „Was denn?“ „Nicht jeder schafft es, Thorin zu bezwingen.“ „Ich hab ihn doch gar nicht bezwungen!“ „Auf jeden Fall hast du erreicht, dass er dich nicht davonjagt. Dabei hast du Dwalin ernsthaft verärgert und bist obendrein eine Elbin!“ Ach, die scheinen ja ziemlich rassistisch den Elben gegenüber zu sein. „Und ich bin NOCH KEINE Frau...“ murmele ich vor mich hin. Kili muss lachen. „Ja, das auch.“
    Nach einer Weile spähe ich nach vorne auf Dwalins Hinterkopf. „Kriegt er öfters solche Tobsuchtsanfälle wie eben?“ flüstere ich zu Kili gewandt. Kili beugt sich zu mir hinunter, sodass wir uns ungehört unterhalten können. „Na ja... er wird schon öfters wütend als andere, aber so heftig war's schon lange nicht mehr.“ Puh. „Dann hat er sich jetzt hoffentlich etwas verausgabt. Noch so was würden meine Ohren schlecht vertragen.“ „Nun, Lossiel“ Kili senkt die Stimme noch etwas mehr „Du kannst froh sein, dass es Dwalin war, der ausgerastet ist, und nicht Thorin. Das wäre...“ „ ...schlimm ausgegangen“ führe ich seinen Satz zu Ende. „Oh ja, das glaube ich.“ In der Tat. Die Vorstellung, von Thorin so angeschrien zu werden wie von Dwalin eben, lässt mich erschaudern. „Du sagst es“ sagt Kili mit grimmiger Stimme und schaut nach vorne auf den Rücken seines Onkels. „Ehrlich gesagt wundert es mich, dass er es nicht schon längst getan hat.“ „WAS?“ entsetzt starre ich den dunkelhaarigen Zwerg an. „Du meinst, er wird es noch tun?“ Kili zuckt zweifelnd die Schultern. „Wahrscheinlich nur, wenn du ihn wirklich ernsthaft ärgerst. Sogar bei Fili und mir macht er das eher selten... er zeigt meist einfach so eine kalte Enttäuschung. Glaub mir, das ist schlimm genug.“ Oh je, das muss ja wirklich unangenehm für die beiden sein. Nach allem, was ich über sie weiß, ist ihr Vater tot und sie wurden von Thorin, dem Bruder ihrer Mutter, mit großgezogen. Dann ist ja klar, dass sie ihn stolz machen wollen, und wenn er sich so enttäuscht zeigt... ich senke leicht den Kopf. „Glaubst du, er wird mich wegschicken?“ frage ich Kili mit leiser Stimme. Mir ist durchaus klar, dass ich allein in der Wildnis nicht lange überleben würde. Kili schüttelt skeptisch den Kopf. „Ich glaube nicht - wenn du dich einigermaßen benimmst.“ Ey! „Und selbst wenn...“ fährt Kili fort, und jetzt tritt wieder dieses schelmische Funkeln in seine Augen, „ ...würdest du uns im Gebüsch folgen und wir würden dir heimlich zu essen bringen!“ beendet Fili, der auf einmal an meiner anderen Seite reitet, den Satz. Überrascht schaue ich ihn an. „Echt? Das würdet ihr tun?“ „Also hör mal! Wir können doch keine Lady in Not im Stich lassen! Das wäre äußerst ungalant!“ spottet Kili. „Aber nein, das würden wir nie tun!“ zieht jetzt auch Fili mich auf. „Vor allem, wenn die besagte Lady so hübsch ist, wie ihr es seid“ macht Kili weiter. „Und wenn sie unseren Schutz gegen bösartige Zwerge benötigt!“ setzt Fili noch eins auf. Ha, so gewählt kann ich mich aber auch ausdrücken! Ich beschließe, das Spiel mitzuspielen. „Oh, ich danke euch von Herzen, meine Herren!“ seufze ich erleichtert. „Ihr wisst gar nicht, welch gewaltige Last ihr mir damit von den Schultern nehmt! Welchen Trost ihr in dieser dunklen Stunde der Verzweiflung bringt. Euer Dienst mag sich für manche Ohren gering anhören, doch für mich ist es das großzügigste, was meine von Kummer und Elend heimgesuchte Seele in einem solchen Moment erreichen könnte.“ Ich lasse mich theatralisch gegen die Flanke von Kilis Pony sinken. „Der Tod...!“ Mit einer dramatischen Bewegung lege ich mir den Handrücken an die Stirn und werfe den Kopf in den Nacken. „ ...eines Tages mag er mich ereilen, doch dieser Moment rückt Dank euch, meine Prinzen!“ Ich richte mich wieder auf und schaue Fili mit weit aufgerissenen Augen an „Dank euch und eurer unendlichen Güte rückt dieser Moment in eine fernere Zukunft als die von ein paar jämmerlichen Tagen erbärmlichen Zugrundegehens! Obwohl...“ Ich senke meinen Kopf auf die Brust und taumele neben dem Pony her. „ ...obwohl es wahrscheinlich nicht mal mehr Tage sein würden!“ Ich drehe den Kopf, klammere mich an Kilis Knie und schaue schmachtend zu ihm hoch. „Ich bitte euch, nein, ich flehe euch an, oh edler Zwergenprinz!“ hauche ich mit meiner allerbesten gleich-werd-ich-bewusstlos-bitte-haltet-mich-fest- Stimme. „Überlasst mich nicht diesem Schicksal! Nehmt mich mit euch! Beschützt mich!“
    Perfekt. Mann, bin ich gut! Ich könnte in Romeo und Julia mitspielen! Fili und Kili starren mich sprachlos an, dann fangen die beiden an zu klatschen. Ich lächele geschmeichelt, da höre ich Dwalins Stimme. „Warum klatscht ihr?“ Fili setzt gerade zu einer Antwort an, da wird er von Kili unterbrochen. „Wir applaudieren ihr zu ihrer Meisterleistung. Es ist schon eine ganze Weile her, dass dich jemand so zum Schreien gebracht hat!“ Ahhhhh, nein! Kili! Entsetzt reiße ich den Kopf zu ihm herum. „Spinnst du eigentlich?“ zische ich panisch und werfe einen Blick auf Dwalin, der schon wieder Tomatenrot anläuft. Er holt tief Luft – da fällt Fili ihm ins Wort. „Bleib ruhig, Dwalin. Wir haben nicht über dich gesprochen. Lossiel hat uns nur ihr bemerkenswertes schauspielerisches Talent bewiesen.“ Er dreht sich zu mir. „Du solltest Theater spielen. Für einen Moment hab ich dir sogar fast geglaubt.“ Beschämt senke ich den Kopf. Es war doch nur ein Scherz nebenbei gewesen! Ich hatte mich noch nicht mal sonderlich groß verstellen müssen - ich war ihnen ja wirklich dankbar. Dwalin schnaubt wütend, dann dreht er uns abrupt den Rücken zu. Ich atme auf und schaue Fili erleichtert an. „Danke! Das war echt Rettung in letzter Sekunde.“ Ich habe zwar nicht wirklich Angst vor Dwalin, doch angeschrien zu werden gefällt mir auch nicht sonderlich gut. Fili grinst. „Keine Ursache, mein Fräulein“ sagt er und verneigt sich. „Es war mir ein Vergnügen.“ Kili gibt ein verärgertes Geräusch von sich und wendet sich ab. Ich klopfe ihm aufs Knie. „Ach komm schon! Sei jetzt nicht gleich beleidigt. Es ist schon lustig zu sehen, wie Herr Eisenfaust sich aufregt, solange es sich nicht schon wieder auf mich entlädt. Und...“ Ich senke die Stimme „ ...es wäre interessant herauszufinden, welche Schattierungen von rot sein Kopf noch annehmen kann.“ Das durchbricht Kilis Fassade, und er prustet los. Fili und ich fangen ebenfalls an zu lachen. Dwalin dreht sich um und wirft uns einen finsteren Blick zu, bei dem wir allerdings nur noch mehr lachen müssen. Nachdem wir uns wieder beruhigt haben, schlendern wir wir weiter (bzw. ich schlendere, die anderen reiten) und plaudern noch über dies und das. Die beiden fragen mich nicht nach meiner alten Welt, wofür ich ihnen dankbar bin, denn ich hätte wirklich keine Antworten gewusst. Jedenfalls keine, die sie verstehen würden. Und jede Erklärung würde weitere Erklärungen mit sich ziehen, kurz - wir würden nie zum Ende kommen.

    Am frühen Abend halten wir an einer kleinen grünen Wiese an, die im Schatten einiger Bäume liegt. Ich bin so erschöpft, dass ich mich einfach ein Stück von den Zwergen entfernt ins Gras plumpsen lasse. Ich strecke die schmerzenden Beine aus, lege den Kopf zurück, schließe die Augen und genieße die kühle Brise, die über mein erhitztes Gesicht streicht. Noch nie bin ich so lange an einem Stück gelaufen... doch dafür bin ich eigentlich ganz zufrieden. Ich konnte problemlos mit den Zwergen mithalten - erst, als die Sonne sich bereits zu sinken begann und das Licht sich rot färbte, begannen sich meine strapazierten Muskeln bemerkbar zu machen, weshalb das Gespräch mit Fili und Kili letzten Endes etwas abklang. Doch obgleich die beiden Durinsbrüder meine schleppenden Schritte sehr wohl bemerkten, verloren sie kein Wort des Spotts darüber, wofür ich ihnen sehr dankbar war. Jawohl, schon wieder. Meine Fresse, ich steh bei den Zweien echt in der Kreide. Der Länge nach lege ich mich ins Gras und atme tief aus. Niemand spricht mich an, auch nicht Fili und Kili, ja nicht einmal Dwalin, der bestimmt immer noch sauer auf mich ist. Doch die Ruhe kommt mir ganz recht. Ich verdränge die Gedanken aus meinem Kopf, entspanne mich und bin schon fast eingeschlafen, als ich laute Stimmen höre. Ich schrecke aus meinem Dämmerzustand auf und merke, dass es auf der ganzen Lichtung nach Essen riecht. Bei dem köstlichen Duft krampft sich mein Magen vor Hunger zusammen, besonders viel habe ich in den letzten zwei Tagen ja nicht zu mir genommen. Als ich die Augen öffne, sehe ich, dass es bereits dunkel ist. Oh, wahrscheinlich habe ich DOCH geschlafen... dann sehe ich, wer sich da streitet: Kili und Dwalin. Nanu, kennen wir das nicht irgendwoher? Doch diesmal tue ich nicht so, als ob mich ihr Gezeter nicht geweckt hätte, sondern richte mich langsam auf, streiche mir eine pechschwarze Haarsträhne aus den Augen und schaue mich um. In der Mitte der Lichtung brennt ein helles Feuer, über dem ein großer Eisentopf hängt. Wie malerisch mittelalterlich! Aus dem Topf dringt der heiße, schwere Duft eines kräftig gewürzten Eintopfs. Mein Magen grummelt. Um das Feuer sitzen Gandalf, Bilbo und die Zwerge, die entweder essen, Pfeife rauche oder der hitzigen Diskussion zuhören, die direkt neben dem Feuer stattfindet. Kili und Dwalin umklammern beide ein und dieselbe Holzschüssel, die, nach dem Schwappen im Inneren, mit Eintopf gefüllt ist. Dwalins Kopf scheint schon wieder rot geworden zu sein, was ich im Feuerschein leider nicht so gut erkennen kann (ist das jetzt Tomaten- oder Paprikarot?) und Kili - ja, der sieht mit seinen dunklen Augen, in denen sich die Flammen spiegeln, fast ebenso einschüchternd aus wie Eisenfaust. Es ist das erste Mal, dass ich ihn wütend sehe, bisher war er nur belustigt, einmal wehmütig und einmal beleidigt. Wie ich ihn so anschaue, fällt mir beiläufig auf, dass er wütend genauso gut aussieht wie lächelnd... hey! Ich schüttle den Kopf. Was war denn das für ein Gedanke? Ich habe ihn erst gar nicht bemerkt, auf einmal war er einfach in meinem Kopf. Verärgert klopfe ich mir mit den Knöcheln gegen die Schläfe und richte meine Aufmerksamkeit auf das Thema ihres Streits. Es geht - wer hätte es gedacht - um mich. „Es reicht!“ höre ich Dwalin mit wütender Stimme knurren. „Erst tischt sie und Lügen auf, dann rennt sie uns ungebeten hinterher, und jetzt sollen wir sie für ihre Unverschämtheit auch noch durchfüttern?“ „Jetzt hör endlich mit diesem Quatsch auf!“ zischt Kili zurück. „Was ist so schlimm an einer scharfen Zunge? Es ist dein Problem, wenn du sie provozierst.“ „ICH provoziere SIE?“ Dwalins Stimme wird lauter. „Ich lasse mich nicht von einem Elbenbalg provozieren!“ „So? Dann sag mal, warum du sie zweimal hintereinander anschreist. Das hast du nicht mal gemacht, als Fili und ich dir damals den Eimer mit Kirschsirup über den Kopf gegossen haben.“ Kirschsirup? Ich pruste durch meine zusammengepressten Hände. Im Nu ist mein Kopfkino angeschaltet: ein tobender Dwalin mit sirupverklebtem Schädel rennt zwei kleinen Zwergenkindern hinterher, eins blond, eins dunkelhaarig, die lachend vor ihm fliehen... „Treib es nicht zu weit, junger Herr!“ donnert Dwalins Stimme durch meine Vorstellung. Ich mache immer noch grinsend die Augen auf und schaue auf den (leider nicht sirupverklebten) echten Dwalin, der anscheinend kurz davor ist, Kili im Suppentopf zu versenken. „Dann lass sie gefälligst in Ruhe!“ schießt dieser zurück. Er verteidigt mich schon wieder! „Meinetwegen, aber das bleibt hier!“ Mit einem Ruck reißt Dwalin Kili die Schüssel mit Eintopf aus der Hand und stellt sie beiseite. Kili sieht ihn eiskalt an - und streckt, ohne den Blick abzuwenden, die andere Hand, in der er eine weitere Schüssel mit Eintopf hält, hinter sich. Fili ergreift die Schüssel, steht auf und marschiert zwischen den anderen hindurch geradewegs auf mich zu. Überrascht schaue ich ihn an, als er mir die Schüssel auf den Schoß stellt. Fili grinst nur und lässt sich ein Stückchen weiter weg ins Gras fallen, wo er seinen eigenen Eintopf zu essen beginnt. Obwohl mein Magen aus voller Kehle „HUNGER!“ schreit, esse ich noch nicht, sondern schaue zu Kili, der jetzt zu uns herüber kommt und sich zwischen Fili und mich setzt. Als er meinen zweifelnden Blick bemerkt, grinst er genau wie zuvor Fili, dreht sich dann zu deinem Bruder und bedient sich an dessen Suppe. Immer noch nicht ganz überzeugt, beuge ich mich dann doch über Kilis, also jetzt meine Schüssel, der Hunger ist zu groß. Aber bevor ich beginne, kann ich nicht umhin, zwischen meinen Haarsträhnen hindurch ein Blick auf Dwalin zu werfen. Sein sowohl wütender als auch fassungsloser Blick lässt mich leicht schmunzeln. Nach dem Essen beuge ich mich zu Fili und Kili hinüber. „Ähm... danke!“ sage ich leicht verlegen. Jetzt habe ich NOCH eine Schuld bei ihnen... na toll. Fili und Kili fangen beide an zu lachen. „Ach keine Ursache!“ feixt Kili und wuschelt mir doch tatsächlich durch die Haare. „Einem Fräulein in Not ist immer zu helfen, und wir haben euch schließlich unser Wort gegeben, euch Beistand zu leisten in dieser finsteren neuen Welt!“ fährt er in einem spöttisch vornehmen Ton fort und ich spiele abermals mit. Das kann ich besser! „Ach ja, eure Hoheiten!“ seufze ich pathetisch mit einem affektierten Augenaufschlag. „Nun stehe ich abermals in eurer schuld!“ Ich wende gespielt melancholisch den Blick zu Himmel. „Ich will nicht an euren Fähigkeiten zweifeln, doch erlaubt mir zu hoffen, dass ich lange genug lebe, um euch entlohnen zu können. Zwar habe ich gerade nichts, nicht einen Silberpfennig, den ich euch geben könnte, doch vielleicht bin ich eines Tages fähig, euch eure Freundlichkeit zu vergelten. Bis dahin mögen es die Valar tun!“ Fili und Kili brechen in unterdrücktes Gelächter und gedämpften Applaus aus, und ich verneige mich. Dann lehnt Kili sich auf den Ellenbogen zurück und lächelt verträumt. „Ach was, bald haben wir alle genug Gold zur Verfügung. Dann können wir dich für deine Schauspielkunst entlohnen, wie wär's damit?“ „Oh ja!“ Fili ist begeistert. „Du könntest uns Theater vorspielen - im Erebor kann Thorin bestimmt ein paar Bühnen aufbauen lassen. Balin kennt ein paar wunderschöne Stücke, du würdest perfekt in die Hauptrolle passen!“ Ich antworte nicht. Bei der Erwähnung, des Goldes, des Erebors und somit dem Ende ihres Abenteuers ist mir ein äußerst unangenehmes Gefühl durch den ganzen Körper gefahren. Ein seltsames, eiskaltes Brennen, dazu ein scharfes Ziehen im Bauch. Ich presse mir die Hände an die Schläfen und senke die Stirn. Irgendetwas ist mit diesem Gefühl verbunden, etwas Schreckliches. Ich werfe den Kopf hin und her, um den herannahenden Gedanken zu vertreiben. „Alles klar?“ dringt Kilis Stimme durch meinen aufgescheuchten Kopf. Ich zucke hoch und starre ihn an. Er und Fili spähen besorgt in mein Gesicht. Ich lasse die Hände sinken und lächele beruhigend. „Ja, alles klar. Ich war nur kurz... abgelenkt.“ Fili zieht die Augenbrauen hoch, sagt aber nichts. Dann steht er auf, wünscht mir eine gute Nacht und geht zu seinem Lager. Kili folgt ihm, doch bevor er geht, legt er kurz seine Hand auf meine. Seine Haut ist so warm wie damals in Bilbos Höhle, und ich spüre, wie ich ruhiger werde. Dann lächelt Kili mir zu und folgt seinem Bruder. Bevor ich ihm hinterherstarren kann, werfe ich mich aufs Gras und presse fest die Augen zusammen. So liege ich da und kämpfe mit den Gedanken, die sich in meinen Kopf zu schleichen versuchen. Ein endloser Kampf, genau wie damals in der anderen Welt. Um mich abzulenken, denke ich eine Weile über den Weltenwechsel nach, kann mir jedoch keinen Reim darauf machen, deshalb beschließe ich, am nächsten Tag Gandalf danach zu fragen. Er sagte zwar, es sei nicht mehr darüber bekannt, als er bereits erzählt hätte, doch ich kenne Gandalf gut genug um zu wissen, dass er ein furchtbarer Geheimniskrämer ist. Gute Aussichten, dass er etwas verschwiegen hat, schlechte, es aus ihm herauszuholen. Aber ich habe ein Recht auf dieses Wissen. Schließlich bin ich die Weltenwechslerin! Auch wenn das von einigen hier bezweifelt wird... und das lenkt meine Gedanken auf das morgige Aufwachen. Dwalin und wahrscheinlich auch Thorin werden mich voraussichtlich schlafend zurücklassen wollen, wie sie es schon mal getan haben (die konnten ja nicht ahnen, dass ich wach war). Und ich bin leider, leider, leider ein schrecklicher Morgenmuffel. Kann sein, dass Fili und Kili mich nebenbei aufwecken würden, beispielsweise mit einem Stein gegen die Birne. Doch das ist wirklich nicht gerade meine bevorzugte Aufstehensweise und peinlich wäre es obendrein. Außerdem würden die beiden Ärger bekommen, und den haben sie wegen mir schon zur Genüge. Nein, ich muss selber aufwachen. Und da kommt mir eine Idee. Schon beim Betreten der Lichtung fiel mir die riesige Distel auf, die am Rande stand. Sie ist fast so groß wie ich, mit dicken, dunkelgrünen Stachelblättern, die richtiggehend gefährlich aussehen... das perfekte Weckmittel. Schmerzhaft, aber wirksam. So leise ich kann, stehe ich auf und schleiche zu Nori hinüber, der mit offenem Mund vor sich hin schnarcht. Dabei werfe ich einen wachsamen Blick auf Dori (ich glaube jedenfalls, dass es Dori ist), den Thorin zur Nachtwache eingeteilt hat. Doch er bemerkt nichts. Ich drehe mich wieder zu Nori, greife in seine Rucksack und fische mit spitzen Fingern eine Rolle Bindfaden heraus. Yeah, Volltreffer! Zum Glück kann ich mich noch gut genug an die verschiedenen Eigenarten der Zwerge erinnern. Nori schleppt doch immer allen möglichen Krempel mit sich herum. Ohne den geringsten Laut husche ich zur Distel, hocke mich neben sie und knote den Faden um ihren Stiel. Dann führe ich ihn ein Stück von ihr weg und lege ihn in einem rechten Winkel um einen kleinen Felsbrocken im Gras, ungefähr zwei Meter entfernt. Dann ziehe ich den Faden nach links weg vom Felsen, knapp unter Gloins Füßen vorbei, der ebenfalls selig schläft. Nach wenigen Metern befestige ich die Schnur unter einem weiteren Stein und probiere meine Falle aus. Ich ziehe leicht am Faden, er strafft sich um den Felsen herum und zieht seinerseits die Distel herab. Es funktioniert! Wenn Gloin am nächsten Tag aufwacht, wird er auf dem Weg zu seinem Pony HOFFENTLICH über die Schnur stolpern und das wird die große, böse und wirklich verdammt stachelige Distel auf meinen Kopf hinuntersausen lassen. Wenn ich davon nicht aufwache, werden Fili und Kili mich wohl doch mit Steinen bombardieren müssen. Zufrieden lege ich mi
    ch unter die Distel schlafen.

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