Vampire Knight: Die Geschichte von Chinmoku Akira. 2: Bittere Realität

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1 Kapitel - 1.533 Wörter - Erstellt von: Safomaly - Aktualisiert am: 2015-06-03 - Entwickelt am: - 860 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

Akira war endlich aufgetaut. Doch kaum fing sie an, sich mit ihrem Leben zurechtzufinden, wird es in tausend Scherben zerschlagen.

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    2 Bittere Realität
    „Kann ich Bio bei dir abschreiben?“, riss mich Kohana aus meinen Tagträumen. Wir saßen auf einer Bank unter einem Baum auf dem Südgelände des Waisenhauses und ließen uns in der Mittagspause vollkommen gehen, zumindest ich. „Was..?“ „Bio. Hausaufgaben. Ich habe es gestern nicht mehr geschafft.“ Ich grinste. „Du meinst wohl: „Da ich gestern erst nach Sperrstunde wieder zurück gekommen bin, weil ich mich mit dem so wunderbaren und hübschen Raidon…“, ich machte eine übertriebene Geste und warf meine wuscheligen, blondbraunen Haare zurück „…treffen musste, habe ich es versäumt, mich um meine Hausaufgaben zu kümmern.“ „Schwing keine Reden und hilf mir aus der Patsche.“ Kohana war knallrot angelaufen. Ich kramte in meiner Tasche und reichte ihr meinen 3-seitigen Aufsatz, den ich gestern vor dem Schlafengehen noch zusammengebastelt hatte. Meine Freundin schnappte sie sich und warf einen Blick darüber. Sie seufzte. „Selbst wenn ich das verstehen würde, ich schaff es doch nie im Leben, das alles abzuschreiben.“ Sie zückte Stift und Papier und begann, die Sätze in gekürzter Fassung zu notieren.
    Kohana war seit drei Jahren hier. Damals wurde sie meine erste Zimmergenossin und nach einiger Zeit auch meine erste gute Freundin. Sie hatte meine Schweigsamkeit, die ich noch eine ganze Weile nach meinem „Sprachcomeback“ beibehalten hatte, geradezu genossen. Mit 13 hatte sie ihre Eltern verloren und war sofort im Waisenhaus untergebracht worden. Damals hatte sie nicht reden wollen, zumindest nicht darüber. Aber wir hatten uns gut verstanden und begannen nach einigen Tagen, uns zu unterhalten. Heute waren wir beide 16 und hatten unser gegenseitiges Versprechen, niemals unsere Vergangenheit zu erwähnen, nicht ein einziges Mal gebrochen. In allen anderen Punkten waren wir jedoch ziemlich offen und konnten ausgiebig über alles Mögliche reden und lachen. Wir ergänzten uns auch recht gut, sie konnte alles, was ich nicht konnte und fast genauso war es umgekehrt. Es war also leicht, sich gegenseitig zu helfen. Sie hatte mich in den letzten Monaten sogar für die Prüfungen im Sportunterricht fit gemacht. Ich hatte zwar oft versucht mich zu drücken und war völlig erschöpft, wenn sie mich versuchte, zu Liegestützen oder Joggen zu zwingen, aber mittlerweile konnte ich stolz sagen, dass ich gut mit ihr mithalten konnte und wir bei gutem Wetter sogar freiwillig bis zu 15 Runden ums Haus liefen, einfach weil es nach einem langen Tag half, den Kopf freizukriegen und Bewegungsdrang und frische Luft meistens besser waren, als im stickigen Zimmer zu sitzen und zu lesen oder sich mit anderen auf dem Flur zu treffen.
    Ich setzte mir die dunkelgrünen Kopfhörer auf, die ich letztes Jahr zu meinem Geburtstag mitsamt MP3-Player von meinem Taschengeld hatte kaufen können. Es war das erste Mal gewesen, dass ich das Grundstück verlassen und an einem der freien Tage mit Kohana in die Stadt gegangen war. Es würde vermutlich auch erstmal das letzte Mal gewesen sein. Die vielen Leute und Familien, Häuser und Läden, alles war neu für mich gewesen. Und es machte mich zugegebenermaßen auch etwas traurig. Familien zu sehen, versetzte mir meist einen kleinen Stich, wenn ich darüber nachdachte, dass ich keine hatte, warum auch immer. Das hatte mir also meinen Geburtstag, der Tag, an dem meine Erinnerungen begannen, und damit auch der Tag, an dem ich in das Waisenhaus gekommen war, ein wenig getrübt. Nichtsdestotrotz hatte ich mir selbst ein wunderbares Geschenk gemacht, nämlich Musik, die ich immer und überall auf voller Lautstärke hören konnte, ohne dass es irgendwen störte. Ich lehnte den Kopf zurück, schloss die Augen und entspannte meine Nackenmuskulatur. Drei Lieder später tippte mir Kohana auf den Oberarm. „Hm?“ Ich blinzelte und schob einen Hörer vom Ohr. „Wusstest du was von einer Versammlung um 7?“ „Heute?“, fragte ich verwirrt. Normalerweise bekam ich das schnell mit, aber soweit ich wusste war für heute nichts geplant. „Hat Nana eben gesagt.“ Sie zuckte mit den Achseln und gab mir meine Zettel wieder. „Werden wir ja nachher sehen. Danke.“
    Es war für diesen Abend tatsächlich eine Versammlung einberufen worden. Alle Jugendlichen ab 14 waren verpflichtet zu kommen, was ungewöhnlich war, weil normalerweise alle Versammlungen nach eigenem Belieben besucht oder eben auch geschwänzt werden konnten. Schweren Herzens ließen wir also unsere Joggingrunde ausfallen und setzten uns neugierig in die zweite Reihe, der beste Platz, wie man nach einigen Jahren lernte. Man hatte einen guten Blick nach vorne, wurde gesehen, wenn man seine Meinung einbringen wollte, aber man wurde nicht direkt angesprochen, wenn die eigene Meinung gefragt war und keiner was zu sagen hatte. Das fiel dann in der Regel auf die Leute in der ersten und der vierten Reihe zurück, warum auch immer. Jedenfalls ließ sich überall um uns herum ein Tuscheln vernehmen, als sich die Stühle langsam füllten.
    „Also ich muss zugeben, ich fühl mich doch ein wenig unwohl...“, murmelte Kohana.
    „Wieso das? Weil sie uns hier her befehlen, ohne auch nur das Thema des Abends bekanntzugeben?“ Ich schüttelte den Kopf. „Das gab's doch schon mal erinnerst du dich? Mit der Verabschiedungsfeier von der Betreuerin aus dem zweiten Stock.“
    „Naja, irgendwie habe ich nicht den Eindruck, dass das wieder eine verpatzte Überraschungsparty werden soll...“
    „Ich auch nicht! Wenn ihr mich fragt, dann hat wieder einer was angestellt und wir…“ Ja, dachte ich, dich hat aber keiner gefragt. Ich konnte für Leiko aus der Nachbarklasse mit ihrer Überheblichkeit und der Stimme einer gerissenen Geigensaite nur wenig Sympathie aufbringe… eigentlich gar keine. „…und es ist nicht verwunderlich, dass wir alle jetzt damit…“ „Leiko, komm jetzt da vorne sind noch Plätze frei.“ Eine ihrer Freundinnen zog sie mit sich. Die gute Sache daran war allerdings, dass Kohana über das Geschwätz der Nervensäge ihre Unruhe vergessen hatte.
    „Meine Ohren…“, sie strich mit dem Finger über ihr Ohr. „Das war zwei Frequenzen höher als sonst.“
    Ms. Foruko betrat den Raum. Zunehmend wurden die Gespräche eingestellt und bald hatte sie die ungeteilte Aufmerksamkeit, ohne auch nur ein Wort gesagt zu haben.
    „Ich habe eine Mitteilung zu machen. Vermutlich ist der Sinn besser getroffen wenn ich sage, dass ich eine schlechte Nachricht überbringen muss. Ihr wisst, dass wir in den letzten Jahren mit finanziellen Problemen zu kämpfen hatten. Wir haben uns um Sponsoren bemüht, mehr Geld vom Staat gefordert, keine weiteren Kinder mehr aufgenommen und Aktivitäten eingestellt, die wir uns nicht mehr leisten konnten. Das alles hat den heutigen Tag ein wenig hinausgezögert, aber konnte ihn nicht verhindern. Wir können die Kosten nicht mehr decken und wir haben keine Möglichkeit gefunden, anderweitig Gelder zu erhalten. Diese Einrichtung wird zum Ende dieses Quartals aufgelöst werden müssen.“ Sie machte eine Pause. Sofort ging ein Raunen durch die Reihen. „Das ist doch jetzt nicht wahr…“ „Das können Sie nicht machen!“ „Wir können das anders schaffen, wir älteren könnten einen Nebenjob in der Stadt annehmen.“ „Wo sollen wir denn hin?“, quietschte Leiko aus der ersten Reihe. „Wir haben das Recht auf all das hier!“
    Kohana warf mir einen erschrockenen Blick zu. Ich konnte es nicht fassen. Sie wollten mein zuhause schließen und mich einfach wegschicken? Wohin? Ich würde auf keinen Fall ohne Kohana gehen. Würden wir in ein neues Waisenhaus kommen oder schon eine Ausbildung anfangen und …
    „Ruhe, bitte! Seid ruhig!“ Die Gespräche erstarben. „Ich weiß, dass das jetzt eine schwierige Zeit wird. Wir müssen in kürzester Zeit 273 Waisenkinder bei Familien oder anderen Waisenhäusern unterbringen. Ihr seid die ältesten und erfahrensten hier und ich erbitte eure Unterstützung, damit wir das alles ohne größere Probleme arrangiert bekommen. Schließlich soll jeder hier ein gutes neues zuhause bekommen…“ „Wir sind doch kein Tierheim!“, schnaubte Leiko. Ihre Freundin stupste sie an und schmollend lehnte sie sich wieder zurück. „Jedenfalls“, fuhr Ms. Foruko mit etwas brüchiger Stimme fort „müssen wir allerhand verschiedene Dinge organisieren und ich würde gerne einige der „Alten Hasen“ als Hilfen rekrutieren. Alle anderen sind dazu angehalten, sich vor allem um die jüngeren zu kümmern, damit es für sie leichter wird, mit der Situation umzugehen. Wer sich also bereit erklärt, sich mit uns zusammenzusetzen und eine bestmögliche Zukunft für jedes einzelne Kind zu erreichen, der trägt sich bitte am Ausgang in die Liste ein. Ihr werdet dann morgen euren Aufgaben zugeteilt. Ansonsten seid ihr jetzt entlassen. Ich wünsche euch eine gute Nacht.“

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