Chroniken der Werwölfe - Suche nach der Wahrheit

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6 Kapitel - 9.894 Wörter - Erstellt von: Minnicat3 - Aktualisiert am: 2015-06-29 - Entwickelt am: - 1.325 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

Im Urlaub wird der 15 jährige Mike von einem Wolf angefallen und muss wenig später mit großem Entsetzen feststellen, dass er sich in einen Werwolf verwandelt hat. Zusammen mit seiner kleinen Schwester begibt er sich auf die Suche nach einem Rudel.
-Angelehnt an Chroniken der Unterwelt-
-In enger Zusammenarbeit mit Schneestern37-

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“Mike“. Der Gerufene kroch tiefer in seinen Schlafsack, bis nur noch die Spitzen seiner dunkelbraunen Haare zu sehen waren. Trotzdem hörte er imm
“Mike“. Der Gerufene kroch tiefer in seinen Schlafsack, bis nur noch die Spitzen seiner dunkelbraunen Haare zu sehen waren. Trotzdem hörte er immer noch die Stimme, die nun zum zweiten Mal nach ihm rief: “Michael Harbourt!“.
Er verdrehte die Augen. Nachdem ein drittes Mal gerufen wurde, hörte er das typische Geräusch eines Reißverschlusses, der energisch aufgezogen wird. Mit einem Ruck wurde ihm der Schlafsack vom Kopf gerissen. Im Licht der untergehenden Sonne sah er in der Mitte des Zeltes, das er sich mit seiner Schwester teilte, seine Mutter stehen. Man sah ihr an, wie sauer die war. Ihr Atem war tief und bedrohlich schwer und sie hatte die Hände zu Fäusten geballt, um die Wut auf ihren Sohn zu unterdrücken.
“Warum kommst du nicht, wenn ich dich rufe?“
Mike schwieg und starrte an die Zeltdecke.
“Bist du taub? Ich hab dich was gefragt“
Sie fuhr ihn regelrecht an und je weniger er darauf reagierte, desto wütender wurde sie. Solche oder ähnliche Konfrontationen hatte es schon oft zwischen ihnen gegeben und da er wusste, was sie als nächstes sagen würde, fing er ruhig und betont langsam zu sprechen an, als sie gerade den Mund öffnete:
“Natürlich habe ich dich gehört. Wie jeder andere auf diesem Campingplatz auch. Du warst ja nicht zu überhören, so laut wie du gekreischt hast.“
Nathalie Harbourt war sprachlos. Mit immer noch offenstehendem Mund starrte sie ihren Sohn an. Und Mike starrte provozierend zurück. Als sie sich wieder gefasst hatte, wurde ihr zuvor vor Wut funkelnder Blick gewohnt kühl und abweisend.
“Geh in den Wald, Holz sammeln. Wir wollen heute Abend ein Lagerfeuer machen“
Mike wollte protestieren: “Ich...“
“Sonst geht Sophie und holt uns das Brennholz.“ Wurde er von seiner Mutter unterbrochen.
Mike hatte verloren. Alles, was er jetzt noch sagen würde, wäre sinnlos. Seine Schwester allein im Wald, abends, noch dazu in der fremden Gegend? Niemals.
Seufzend stand er auf. Sophie hatte den Blick aus ihrem Buch gelöst und sah ihn betroffen an.
“Wenn du willst, kann ich auch mitkommen“, bot sie zögernd an. Mike hätte das Angebot sowieso abgelehnt. Er wusste, dass sie lieber im Zelt bei ihrer Lektüre bleiben würde. Doch auch Nathalie widersprach ihrer Tochter:
“Nein, er geht alleine. Er will dir doch bloß seine Aufgaben andrehen.“
Mike biss sich auf die Lippe.
“Nein Mama, das stimmt nicht. So ist Mike nicht...“ Sophies Stimme war leise und traurig geworden.
“Da wäre ich mir nicht so sicher...“
Nathalie Harbourt verließ das Zelt ihrer Kinder, froh darum, das letzte Wort bei diesem Gespräch gehabt zu haben.
“Sie meint es nicht so.“
“Doch, sie meint es GENAU so. Das weißt du und du verteidigst sie immer noch. Hat sie das etwa verdient?“
“Sie ist unsere Mutter.“ Sophie klang verzweifelt, wohl wissend, dass ihr Bruder eigentlich Recht hatte.
“Aber sie verhält sich nicht so. Und ist es nicht eher das Verhalten, das zählen sollte?“
“Doch.“ Sophie nickte leicht. Mike ging zu ihr und nahm sie in den Arm.
“Ich muss jetzt in den Wald. Mach dir keine Sorgen, ich bin spätestens in einer Stunde wieder zurück.“
“Pass auf dich auf“ Ihre Stimme war kaum hörbar.
“Werd ich“ Er schenkte ihr ein Lächeln, bevor er das Zelt verließ.
“Du bist ja immer noch da. Nimm den großen Rucksack mit, damit du mehr tragen kannst“ Empfing ihn seine Mutter, als sie ihn aus dem Zelt kommen sah. Neben ihr, auf einem der Campingstühle, saß Phil. Bei Mikes Anblick legte er herausfordernd einen Arm um ihre Schulter. Sofort spürte Mike die Wut wieder in sich aufbrodeln. Er riss seiner Mutter besagten Rucksack aus der Hand.
“Bin in einer Stunde wieder da“, zischte er. Phil schnalzte tadelnd mit der Zunge.
Mike ignorierte ihn und ging die Straße des Campingplatzes entlang in Richtung Ausgang.
Phil war der Lebensgefährte seiner Mutter, seit zwei Jahren mit ihr zusammen.
Mikes Vater hatte sich von Nathalie scheiden lassen, nicht lange bevor Sophie geboren wurde. Seine Eltern hatten sich immer mehr gestritten. Eine dieser Streitereien hatte Mike noch ganz genau in Erinnerung. Es war in den Sommerferien gewesen, bevor er in die zweite Klasse kam. Er hatte in seinem Bett gelegen und versucht zu schlafen. Da hatte er zwei Stockwerke tiefer gehört, wie seine Eltern stritten. Es war darum gegangen, wer nach der Geburt des Kindes zuhause bleiben sollte, um sich um das kleine Mädchen zu kümmern. Keiner der beiden Elternteile war bereit, seinen Job dafür aufzugeben. Beide hatten einflussreiche, gut bezahlte Berufe. Der Streit wurde immer schlimmer, bis Nathalie ihrem Mann irgendwann an den Kopf warf, es wäre besser gewesen, hätten sie nie Kinder bekommen. Zwei Tage später war sein Vater am Morgen, als Mike aufwachte, nicht mehr da. Er hatte sich nicht von ihm verabschiedet, hatte sich am Vorabend genauso verhalten, wie immer. Er hatte ihn seitdem nicht mehr gesehen. Für den Jungen war an dem Tag die Welt zusammengebrochen. Seine Mutter hatte die Scheidung eingereicht und vor Gericht wurde entschieden, wer das Sorgerecht für Mike und seine ungeborene Schwester kriegen sollte. Als man ihn damals fragte, bei dem er denn lieber wohnen wolle, wusste er keine Antwort. Schließlich war beiden ihre Karriere wichtiger als ihre Familie und ihr Sohn. Schließlich gewann seine Mutter den Prozess, sehr gegen ihren Willen, und durfte das Sorgerecht an beiden ihren Kindern behalten. Zwei Wochen nach Sophies Geburt ging Nathalie wieder zur Arbeit. Mike war von Montag bis Freitag im Internat und für Sophie wurde ein Kindermädchen gesucht. Es sollte nicht bei diesem einen bleiben, bis zu ihrer Einschulung hatten sie elf Nannys für Sophie gehabt. Keine war ihrer Mutter auf Dauer gut genug. Was sollen denn die Nachbarn denken, wenn sie die jüngste Harbourt mit irgendeinem billigen Mädchen sehen würden? Nein, nur das Beste für Sophie. Ab Freitagabend hatten die Mädchen frei, bis Montagmorgen musste Mike auf seine Schwester aufpassen. Als Sophie eingeschult wurde, meldete sie ihre Mutter auf einem teuren Mädcheninternat an. Auch Mike war von der ersten Klasse an auf ein Internat gegangen, ging inzwischen mit fünfzehn Jahren in die zehnte Klasse. Im Gegensatz zu seiner kleinen Schwester hatte er die letzten Schuljahre aber nur mit viel Mühe und Not bestanden. So wenig ihm auch an seinen Noten lag, desto wichtiger war es ihm, dass die achtjährige Sophie ihre Schule ernst nahm. So sehr er es am Anfang auch gehasst hatte, sich jedes Wochenende um sie kümmern zu müssen, und keine Zeit mehr für seine Freunde oder Hobbys zu haben, umso wichtiger war es ihm jetzt. Freitags nach Schulende fuhr er mit Bus und Bahn zu ihrer Schule, um sie abzuholen und mit ihr nach Hause zu fahren.
Und vor zweieinhalb Jahren hatte ihre Mutter eben Phil kennen gelernt. Mike hatte seine arrogante, selbstverliebte Art von Anfang an nicht ausstehen können und sogar die sonst so freundliche und liebenswürdige Sophie mochte ihn nicht. Und das beruhte auf Gegenseitigkeit. Auch Phil mochte die Geschwister nicht, war anfangs sogar eifersüchtig auf sie gewesen. Doch als er bemerkte, dass es dazu keinen Grund gab, begann er schon sehr schnell mit kleinen, provozierenden Gesten die beiden aufzuziehen. So auch der um die Schultern ihrer Mutter gelegte Arm. Vor einem Jahr hatte Nathalie dann schließlich zu arbeiten aufgehört, um mehr Zeit mit Phil verbringen zu können. Beide waren recht vermögend, weshalb sie allein von ihren Ersparnissen gut leben konnten.
Mike war so vertieft in seine Gedanken gewesen, dass er einen korpulenten Herrn übersehen hatte, der ihm entgegenkam. Er schreckte erst aus seinen Grübeleien hoch, als er frontal mit dem Mann zusammenstieß. Erschrocken kehrte er in die Wirklichkeit zurück.
“He, ja sog amoi! Wos foit dia eigentlich ei? Pass hoit af, wosd hilafst, du Depp! Ihr junga Leit hobts heitz'dog ibahabts koan Respekt mehr!“
“Oh, entschuldigen sie bitte. Tut mir leid. Ich habe wohl nicht auf den Weg geachtet. Wird nicht wieder vorkommen. Entschuldigen sie bitte vielmals.“ Mike war verwirrt. Der Mann hatte in tiefstem Dialekt gesprochen.“Saupreiß...“ Leise auf bayerisch vor sich hin fluchend ging der Mann weiter. Auch Mike versank wieder in seinen Gedanken, wobei er dieses Mal mehr auf den Weg achtete. Er verließ das Gelände des Campingplatzes und ging die Straßen der Kleinstadt entlang in Richtung Wald. Eigentlich war der Ort fast zu klein, um als Stadt durchzugehen. Die Bezeichnung “Dorf“ traf es wohl eher. Nach nur acht Minuten Fußmarsch hatte er die “Stadt“ bereits durchquert. Die Wohnblocks verwandelten sich je weiter er ging allmählich in Reihenhäuser, bis auch diese immer weniger wurden und vor ihm, keine 100 Meter von dem Ortsschild entfernt, der Wald auftauchte.

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minnicat3 ( 25591 )
Abgeschickt vor 339 Tagen
Inzwischen ist die Geschichte abgebrochen, ich habe allerdings bis Kapitel 12 auf Fanfiktion.de veröffentlicht (https://www.fanfiktion.de/s/557edfa2000 4ede9a1621b2/1/Chroniken-der-Werwoelfe-S uche-nach-der-Wahrheit)
cessedy ( 60230 )
Abgeschickt vor 342 Tagen
Hi, ich habe dieses Geschichte begeistert gelesen. Sie gefällt mir wirklich gut 👍🏻 Allerdings frage ich mich ob du nun eine Fortsetzung schreiben wirst oder nicht. Ich würde mich riesig darüber freuen, denn dein Schreibstil ist echt cool 😉
Minnicat3 ( 24424 )
Abgeschickt vor 654 Tagen
Vielen Dank für den Hinweis. Ich habe es ausgebessert, ich hoffe es passt jetzt so.
LiMary ( 25705 )
Abgeschickt vor 660 Tagen
Ich find es echt gut, nur eine Sache is nervig (ich weiß nich obs nur bei mir so is) zwei szenen kommen mitten in einer anderen szene ein weiteres mal. Das irritiert beim lesen total, an sonsten aber wie gesagt wirklich gut!