Traum von Mittelerde - Hobbit Teil 1 - Kapitel 4 & 5

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2 Kapitel - 4.264 Wörter - Erstellt von: Lossiel Niquesse - Aktualisiert am: 2015-05-25 - Entwickelt am: - 2.029 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

1
Tatsächlich wahr

Nein! Nein! Ich will nicht! Ich will nicht aufwachen! Doch es hilft nichts, der wunderbare Traum verblasst und rückt in die Ferne. Verzweifelt klammere ich mich an ihn, aber er wird mehr und mehr zur Erinnerung. Dann entgleitet er mir, und ich sehe nichts mehr. Na Super! Verbittert presse ich die Augen zusammen und versuche, die Bilder zurückzuholen. Der Traum war wunderschön! Ich war dort, wo ich immer hatte sein wollen! Und... ich hatte Zwerge getroffen und mich mit ihnen gestritten... ich hatte spitze Ohren bekommen... die Zwerge hatten gesungen und ich war dabei eingeschlafen... oh, dieses Lied... es hatte mich mit seiner düsteren Melodie eingeschläfert. Ich kann die Bilder nicht mehr festhalten und dumpfe Schwermut ergreift von mir Besitz. Das war der schönste und realistischste Traum gewesen, den ich je gehabt hatte. WARUM, zum Teufel, hatte ich aufwachen müssen!
„Sollen wir sie nicht aufwecken?“
Die Stimme erschallt urplötzlich, direkt über mir.
„Was? Du bist verrückt!“
Eine andere Stimme, genauso nah.
„Wir wollten sie doch bei einer Familie hier zurücklassen.“
Was soll das heißen?
„Wenn wir sie jetzt aufwecken, haben wir nur unnötige Scherereien am Hals. Außerdem, unser Meisterdieb wird eh nicht kommen. Der kann sich um sie kümmern. Beziehungsweise, sich von ihr in den Wahnsinn treiben lassen.“
Meisterdieb?
„Wir wissen nicht, ob er hierbleibt. Und ich finde es ziemlich gemein, einfach so zu verschwinden, ohne sich dafür zu interessieren, was weiterhin mit ihr geschieht.“
Die andere Stimme wird lauter, härter.
„Wieso interessierst du dich denn so für sie? Sie platzt einfach in unsere Versammlung, kennt unsere bestgehütetsten Geheimnisse und ist eine verdammte ELBIN!“
„Sie kommt aus einer anderen Welt, hat eben einfach nur Temperament und schien gestern nicht einmal zu wissen, dass sie eine Elbin ist! Habt ihr nicht gesehen, wie sie nach ihren Ohren getastet hat? Und wie geschockt sie aussah?“
Geschockt bin ich schon, aber nicht wegen der Form meiner Ohren. Vielmehr wegen dem, was sie hören.
„Sag bloß, du glaubst ihr diese Geschichte!“
„Das tue ich allerdings, und du solltest es auch tun!“
„Werd nicht zu frech, Junge! Schon gar nicht, um die zu verteidigen!“
„Dann begrab doch einfach deine blöden Vorurteile!“
„Sag mir nicht, was ich zu tun habe!“
„Sag du mir nicht, was ich zu glauben habe!“
„RUHE!“ donnert eine dritte Stimme. Die beiden streitenden verstummen sofort, und die Stimme fährt fort „Wir werden sie nicht aufwecken. Kili...“ die erste Stimme will etwas sagen, wird jedoch unterbrochen. „Kili, ich weiß, dass dir das nicht gefällt, aber Dwalin hat recht damit, dass es nur Scherereien geben würde. Wir müssen jetzt aufbrechen und können uns nicht mit einem verirrten Elbenmädchen befassen, die, wie ich gestern Abend den Eindruck bekommen habe, sehr gut reden und damit auch schnell einen Platz finden wird, an dem sie bleiben kann, sollte Herr Beutlin doch noch auftauchen - was ich ehrlich gesagt bezweifle.“ „Thorin...“ beginnt Kili, doch dieser lässt ihn abermals nicht zu Wort kommen. „Schluss! Die Diskussion ist beendet. Wir gehen jetzt, und zwar leise und ohne sie zu wecken - falls wir das nicht schon getan haben.“ Es wird still. Ich begreife, dass sie mich anschauen, und habe gerade noch genug Geistesgegenwart, nicht zu kreischen, ruhig zu atmen und die Augen geschlossen zu lassen. Nach einer Weile spricht eine unbekannte Stimme. „Scheint einen festen Schlaf zu haben, die Kleine.“ Kleine? Ich bin genauso groß wie sie, einige sind sogar kleiner! Doch der Kommentar muss warten. Ich bleibe liegen, völlig still, bis auf meine Atemzüge. Dann spüre ich leise Bewegungen, als die Zwerge hinausgehen. Ich bewege mich immer noch nicht, was auch gut ist. „Kili, komm jetzt“ höre ich eine Stimme, die ich nach ein paar Sekunden Fili zuordne. Ein leiser Seufzer ertönt und eine Fingerspitze streicht mir über die Wange. „Leb wohl, Lossiel“ murmelt Kili mir zu, dann entfernen sich seine Schritte, eine Tür fällt zu, und ich bin allein. Reglos liege ich da, äußerlich ruhig, währen in meinem Kopf die Gedanken Achterbahn fahren. Es ist also wahr. Es war kein Traum. Kein Traum. Kein Traum! Die Freude schießt so heftig durch meine Adern wie ein Adrenalinstoß. Ich bin in Mittelerde!

Nach ein paar Minuten klärt sich mein Kopf wieder, und dann kommen mir Kilis letzte Worte wieder in den Sinn. Wie hat er mich noch einmal genannt? Lossiel? Ich habe keinen Plan, wo er das herhat, doch es gefällt mir. Es klingt elbisch. Wenn ich mich recht erinnere, bedeutet „Losse“ Schnee. Lossiel bedeutet also Tochter des Schnees... Oh mann, das passt! Meine fast schneefarbene Haut, die eisigen Augen. Viel besser als mein vorheriger Name, der mir zwar auch gefällt, aber mal so gar nicht nach Mittelerde gehört. Jetzt entsinne ich mich eines weiteren elbischen Namens, den ich damals besonders schön fand. ...Niquesse...
Eisblume, soweit ich weiß. Das klingt auch wunderbar. Und zusammen noch besser. Lossiel-Niquesse.
Lossiel Niquesse.
Einen Moment genieße ich den Klang der beiden Wörter und bedenke, wie schön sie mein äußeres beschreiben. Meine Haut ist wie Schnee, und sie silbernen Sprenkel in meinen Augen sind die Eisblumen. Und in diesem Moment fasse ich einen Entschluss. Nein, zwei Entschlüsse. Nein, drei. Nein, sogar vier!
Erstens: ich werde diesen Namen annehmen, der mich besser widerspiegelt, als es ein anderer je könnte.
Zweitens: ich werde den Zwergen folgen und mich ihrer Unternehmung anschließen, egal was Dwalin, Thorin und sämtliche andere davon halten (was garantiert nichts Gutes sein wird).
Drittens: ich werde mich mit all meinen Kräften dafür einsetzen, dass ihre Mission erfüllt wird.
Viertens: ich werde mich bei Kili für den wundervollen Namen bedanken, den er mir gegeben hat.
Und wie ich so daliege und mich an dem schönen Gefühl des Muts freue, das durch die Entscheidungen ausgelöst wurde, höre ich eine Stimme. „Hallo?“ ruft sie fragend und ein bisschen zögerlich. Sie scheint aus dem hinteren Teil der Hobbithöhle zu kommen. Ach ja, das muss Bilbo sein! Haben die Zwerge in ihrem Gespräch vorhin nicht durchblicken lasse, dass sie ohne ihn losgezogen sind? Wie gemein. Wenn er sie noch einholen will, muss er rennen, sie sind ja schon eine ganze Weile weg. Und er muss sich überhaupt noch klar werden, dass er sie begleiten will. Zusammengefasst, er muss sich sputen. Ja, und ich muss mich auch sputen! Was bringen alle meine heroischen Vorsätze, wenn ich die Zwerge einfach nicht mehr einhole? Dann wär ja mal wieder alles in den Sand gesetzt. Mit einer blitzschnellen und doch vollkommen lautlosen Bewegung springe ich auf, und in diesem Moment sehe ich Bilbo, der in die im nächsten Raum liegende Küche eilt. Anscheinend sucht er die Zwerge, beziehungsweise versichert sich, dass sie verschwunden sind. Er schaut in den Kamin (ernsthaft!), dann geht er zum Durchgang, der ins Wohnzimmer führt und stemmt die Hände in die Hüften. Einen Moment steht er so, dann lässt er die Arme fallen und geht ein paar Schritte in den Raum. Er scheint mich, wie ich statuengleich am Kamin stehe, nicht bemerkt zu haben. Plötzlich dreht er sich in meine Richtung, doch sein Blick fällt nur auf ein großes, beschriebenes und ziemlich zerknittert aussehendes Stück Pergament, das gleich neben mir auf einem Schemel liegt. Ohne den Kopf zu bewegen (es ist ja schon ziemlich ulkig, wie Bilbo mich übersieht, der soll mal schön selbst merken, dass eine Elbin in seinem Wohnzimmer steht) drehe ich die Augen zu dem Pergament. Ganz unten, unter dem ganzen anderen Text, der so eng geschrieben ist, dass ich gar nicht versuche, ihn zu lesen, erkenne ich zwei schwungvolle Unterschriften, die ich mit etwas Mühe kopfüber entziffere. „Thorin, Sohn von Thrain“ steht da, und darunter „Balin, Sohn von Fundin.“ Darunter ist noch Platz für eine weitere Unterschrift, die dann wohl Bilbos sein soll. Dieser schaut kurz auf den Vertrag, dann wieder nach vorne zur Haustür. Ich wage es, mich zu räuspern. Bilbo zuckt vor Schreck zusammen und starrt mich mit weit aufgerissenen Augen an. „Wie, wie, wie... Ihr seid nicht fort?“ Offensichtlich nicht. Ich schüttle den Kopf. „Ich nicht, aber die Zwerge. Wie es scheint, haben sie euch genauso zurückgelassen wie mich.“ Bilbo nickt, dann starrt er wieder nach vorne. Es scheint, als würden mindestens tausend widersprüchliche Gedanken in seinem Kopf herumwirbeln. Die Erfahrung hab ich in letzter Zeit zur Genüge gemacht. Er verharrt einige Sekunden – und dann dreht er sich plötzlich um, rast aus dem Raum und verschwindet. Kurz darauf kommt er mit einem ledernen Rucksack wieder, in den er so schnell wie möglich irgendwelche Sachen stopft. Oha, da hat wohl jemand Blut geleckt. In wahrer Rekordzeit packt Bilbo seinen Ranzen, zieht sich einen roten Mantel über, dann schnappt er sich den Vertrag und kritzelt seine Unterschrift unter die von Balin. Auch ich habe mich inzwischen in Bewegung gesetzt und das Kleiderbündel mit angemessener Kleidung geholt, das ich letzten Abend nach meinem Wutausbruch einfach beiseite geschmissen habe. Zeit mich umzuziehen habe ich jedoch nicht, denn Bilbo rennt bereits an mir vorbei, schnappt sich dabei die Kleider, haut sie in seinen Rucksack und reißt die Tür auf. „Komm!“ schreit er noch, dann ist er weg. Ich folge ihm hinaus, nehme mir jedoch noch die Zeit, die hübsche, dunkelgrüne Tür hinter mir zu schließen. Sie wird für lange Zeit geschlossen bleiben.

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