Traum von Mittelerde - Hobbit Teil 1 - Kapitel 3

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1 Kapitel - 2.471 Wörter - Erstellt von: Lossiel Niquesse - Aktualisiert am: 2015-05-19 - Entwickelt am: - 1.695 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

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    Es wird schon alles wieder gerade gerückt - irgendwie

    Ich laufe auf direktem Wege zurück ins Wohnzimmer und setze mich neben den immer noch brennenden Kamin. Stumm starre ich in die Flammen, während sich die Wogen in mir langsam glätten. Zwar verstehe ich immer noch nicht, was Thorin mit seiner extremen Vorsicht vor mir bezwecken will, doch ich beschließe, mich vorerst nicht weiter darüber aufzuregen. Ich ziehe die Knie unter dem Nachthemd bis zum Kinn heran und schiebe es über meine Füße, dann schlinge ich die Arme um die Beine. So, jetzt kann man wirklich kaum noch weibliche Kurven an mir erkennen. Das ist es doch, was er verlangt, oder? Ich warte. Gut zehn Minuten später kommen die Zwerge endlich zur Tür herein, obwohl ich sie schon seit fünf Minuten flüstern gehört habe. Angeführt werden sie von Gandalf. Nach ihm kommt Thorin, der immer noch ein bisschen sauer aussieht, und dann die anderen. Ganz am Schluss erscheint Bilbo, der ziemlich verunsichert guckt. Er wirft nur einen schnellen Blick ins Zimmer, dann verschwindet er wieder. Ich verziehe mitleidig das Gesicht. Der Ärmste ist bestimmt schon wegen der Zwerge völlig durcheinander, und jetzt bin auch noch ich da. Ich drehe mich wieder zu den Zwergen, die sich im Zimmer verteilen. Als Kili meinen Blick bemerkt, lächelt er mir zu. Es ist ein verhaltenes Lächeln, aber es ist freundlich. Und das macht mir Mut. Furchtlos schaue ich Thorin an, der sich mir gegenüber auf die andere Seite des Kamins gestellt hat. In seinem Blick ist kein Ärger mehr zu erkennen; Er guckt genauso abschätzend wie vorhin. „So“ sagt er mit leiser Stimme. „Nun erzähl uns, wo du herkommst und wieso du wie ein Stein vom Himmel gefallen bist. Soweit ich weiß, ist so etwas bisher weder in den Geschichten der Elben, noch in denen der Zwerge oder Menschen überliefert. Oder?“ Er blickt zu Gandalf, der den Kopf schüttelt. Zufrieden schaut Thorin wieder mich an. „Gut. Was hast du zu sagen?“ Dieser Kommandoton geht mir langsam echt auf die Nerven. Trotzig hebe ich das Kinn und schaue ihm in die Augen. „Dass ich Verhöre nicht ausstehen kann und den Vergleich mit der Sternschnuppe vorhin viel hübscher fand als den mit dem Stein jetzt.“ Das musste einfach sein. „Sternschnuppe?“ fragt Thorin irritiert, und ich nicke mit dem Kopf zu Kili. Der grinst belustigt. Thorin atmet tief ein und wirft Kili einen tadelnden Blick zu. Dann wendet er sich wieder zu mir, doch als er gerade wieder ansetzt, schneide ich ihm das Wort ab. „Und ich hasse es, herumkommandiert zu werden.“ sage ich mit neutraler Stimme. Der Blick, mit dem ich Thorin dabei anschaue, ist genauso gleichgültig, wie seiner vorher war. Thorin schließt für einen Moment die Augen (!) und sagt dann mit extrem höflicher Stimme: „Wärst du wohl so freundlich, uns die Gründe für dein ungewöhnliches Erscheinen zu erklären?“ Wow, das war jetzt mehr als erwartet. Und so kann ich ja wohl schlecht ablehnen, oder? Ich öffne den Mund - und erst dann, mit reichlich Verspätung, erkenne ich, in was für einer Zwickmühle ich stecke. WIE, zum Finsterbergdämon, soll ich auch nur ansatzweise glaubwürdig erklären, dass ich aus einer anderen Welt komme! Warum ich ausgerechnet vom Himmel gefallen bin, das weiß ich auch nicht, und ich könnte mir ein gutes Dutzend andere Möglichkeiten ausdenken, die weniger schmerzhaft und aufsehenerregend wären. Als Thorin nach einigen Sekunden fragend die Augenbrauen hebt, winde ich mich, innerlich einen Schutzschild erhebend, mit den Worten: „Lasst mich doch erst einmal Gandalfs Theorie hören“ aus der Klemme. Vorerst. Thorin seufzt leise, doch er wendet sich an Gandalf. „Es wird zwar dauern, aber meinetwegen.“ Gandalf sieht mich mit einem Schmunzeln an, dann beginnt er, seine Theorien vorzutragen. Nach den ersten zwei Vorschlägen (Idee von Varda, einen Stern zu beleben, oder unbekannte Mitreisende auf Eärendils Schiff, unterwegs über Bord gegangen) schalte ich auf Durchzug und durchdenke stattdessen verschiedene Möglichkeiten, ihnen schonend und vor allem glaubwürdig die Wahrheit beizubringen. Mir fällt keine ein. Immer verzweifelter durchsuche ich mein Gedächtnis, bis ich plötzlich mit einem Ruck aufschrecke. „Wie war das?“ frage ich Gandalf und versuche, meine Aufregung zu verbergen. Ich könnte schwören, dass ich gerade die Worte: „Andere Welt“ gehört habe. Gandalf legt leicht den Kopf schräg. „Ich habe euch gerade die letzte, unwahrscheinlichste und wohl auch unglaublichste Theorie genannt. Es ist die von den Weltenwechslern.“ Ich halte den Atem an, als er weiterspricht. „Es gibt Geschichten, nein, eher Legenden oder sogar Mythen von Personen, die von den Valar in unsere Welt geholt wurden. Es geschah sehr, sehr, sehr, sehr selten, und nicht mal ich weiß, ob es überhaupt jemals geschehen ist. Mehr ist darüber nicht bekannt.“ Pfuuuuuh. Mit einem Ruck stoße ich den Atem aus und schließe die Augen. „Das ist es.“
    Stille.
    Nach ein paar Sekunden öffne ich die Augen wieder. Na Super, ich dachte, sie würden es besser aufnehmen, als wenn ich es einfach so in den Raum werfen würde, doch nein! Alle, Gandalf eingeschlossen, stieren mich an, als sei ich das achte Weltwunder. Und dazu noch verrückt oder gemeingefährlich oder beides... Himmel. Aber da mir gerade wirklich nichts mehr einfällt, lasse ich sie weiter starren, lehne mich zurück und richte den Blick an die gegenüberliegende Wand. Irgendwann müssen die ja mal wieder auftauen. Nach schätzungsweise drei Minuten spricht Thorin. „Wie?“ seine Stimme klingt wie ein Reibeisen. Nun ist es an mir, die Augenbrauen hochzuziehen. „Keine Ahnung. Auf die Frage, wieso ich von Himmel gefallen bin: auch keine Ahnung. Ich hab noch nie was von irgendwelchen Weltenwechslern gehört. Auf die Frage, woher ich von deinem Schlüssel weiß: ich kenne ihn, ebenso wie eure Namen und das Anliegen eurer Reise, aus diversen Geschichten aus unserer Welt, die von Mittelerde und den Unsterblichen Landen handeln. Zusammengefasst: eure Welt ist in der unseren nur Fiktion - allerdings die beste, die je geschrieben wurde.“ Na, ging doch. Kurz und schmerzlos. Wieder einige Minuten Stille. Dann wieder Thorin: “Und es ist die Wahrheit?“ Wenn meine Augenbrauen nicht schon oben wären, würden sie jetzt dorthin wandern. „Ich lüge nicht“ sage ich mit kühler Stimme. Wieder ein paar Minuten Stille. Dann spricht der mit den riesigen Oberarmen. Er hat sie vor der Brust verschränkt, und erst jetzt sehe ich, dass Metallplatten an seinen Fingerknöcheln und Handgelenken befestigt sind. Oh-oh, den sollte ich wohl besser nicht wütend machen. Doch es erweist sich als unmöglich, diesem Vorsatz gerecht zu werden, als er spricht. „Und du denkst, wir würden dir glauben?“ Wtf! Die Temperatur meiner Stimme sinkt von höflicher Kühle auf schneidende Eiseskälte herab. „Ich lüge nicht“ wiederhole ich leise. Das klingt zwar immer noch beherrscht - doch der nächste Satz des Zwerges bringt mich ernsthaft an meine Grenzen. Er wendet sich an Thorin. „Sag ehrlich Thorin - glaubst du ihre Erzählung?“ Thorin guckt mich zweifelnd an. „Ich... weiß nicht genau...“ Eisenfaust reißt die Augen auf. „Ist das dein Ernst? Sie fällt wie ein Komet vom Himmel, kennt deinen Namen, weiß von unserer Reise und wählt aus drei Dutzend vorgeschlagenen Theorien, die allesamt ins unglaubliche gehen, ausgerechnet die unwahrscheinlichste aus! Ich bitte dich!“ Er will noch etwas hinzufügen, da wird er von Kili unterbrochen. „Was wäre denn deine Theorie, Dwalin?“ Aha, Dwalin. Merkmale: sieht aus wie ein Profiringer, hat Metallhandschuhe und eine tätowierte Halbglatze, kann mich offenbar nicht leiden. Jetzt guckt er erst Kili und dann mich mit finster gerunzelten Brauen an. Na, das kann Thorin aber immer noch besser. Dwalin alias Eisenfaust zeigt mit einem gepanzerten Finger auf mich. „Ich halte sie für eine Spionin der Elben! Irgendjemand muss sich verplappert haben, und jetzt schicken sie uns dieses Gör auf den Hals, um uns zu manipulieren! Das ist doch sonnenklar!“ Wie bitte! Wer ist hier ein Gör? Na warte, der wird sich noch wundern! Doch gerade als ich tief Luft hole, um Eisenfaust die Meinung zu geigen, spricht Kili erneut. „Und wie erklärst du dir ihren Sturz? So etwas können nicht mal die Elben bewerkstelligen. Alles in allem finde ich, dass wir ihr Glauben schenken sollten.“ Ach, wie süß, er verteidigt mich! Nicht, dass das unbedingt nötig gewesen wäre, doch es ist wahrscheinlich besser, als wenn ich Dwalin als tätowierten Kleiderschrank bezeichnet hätte (oh ja, das hätte ich mich getraut! Es wäre vielleicht nicht gut für meine Knochen gewesen, doch mein Gewissen hätte es beruhigt). Aber dass Kili sich für mich gegen Eisenfaust behauptet, ist schon cool. Na ja, er ist auch der Neffe von Thorin, da muss er sich sowas erlauben können. Deshalb verzichte ich darauf, Halbglatze (hihi, der Spitzname ist doch viel besser als Eisenfaust!) zu sagen, dass er seine Hackfresse halten soll und pfeffere ihm nur meinen berüchtigten Todesblick entgegen. Er erwidert ihn böse, bevor er Kili demonstrativ den Rücken zukehrt und beginnt, in seiner Sprache auf Thorin einzureden. Wie gemein! Jetzt kann ich nichts mehr verstehen. Aber so bekomme ich glücklicherweise auch nicht die negativen Dinge, die Dwalin seinem Anführer zweifellos erzählt, mit - sonst würde es eventuell nicht mehr bei einem Blick bleiben. Ja, ich weiß, dass das dumm wäre. Nach einer Weile hebt Thorin eine Hand. „Wir werden sehen. Ich vertraue ihr auch nicht ganz, und was ihre Herkunft betrifft, so werden wir uns noch einmal mit Gandalf beraten, jetzt ist es dafür zu spät. Zu deinem Vorschlag, sie einfach vor die Tür zu setzen – so wenig gastfreundlich werden wir uns selbst einer Elbin gegenüber nicht verhalten. Wir lassen sie für diese Nacht in Ruhe und geben sie morgen bei irgendeiner Hobbitfamilie ab, die werden sich schon um sie kümmern.“ HÄ? Was soll den DAS schon wieder! Ich rege mich nicht darüber auf, dass Thorin mich offensichtlich abschieben will, wie ich es sonst vielleicht getan hätte. Nein, ich bin in Gedanken ganz mit seiner einen Bemerkung beschäftigt, die, so nebensächlich sie auch geklungen haben mag, für mich wie eine Kaltwasserdusche war: „so wenig gastfreundlich werden wir uns selbst einer Elbin gegenüber nicht verhalten.“ Elbin? Elbin! ELBIN! Wieso, zur Hölle, hat er mich als ELBIN bezeichnet? Ich bin ein Mensch! Ein stinknormales Menschenmädchen! Zwar bin ich ganz offenkundig ein äußerst seltener Weltenwechsler, aber eine Elbin? Jetzt fällt mir ein, dass auch Dwalin mich bei den Elben einsortiert hat: „ich halte sie für eine Spionin der Elben!“ hat er gesagt. Warum ist mir das nicht da schon aufgefallen? Wahrscheinlich war ich zu wütend darauf, dass er mich „Gör“ genannt hat. Dafür wird er später bezahlen. Doch wenn an Thorins Behauptung tatsächlich was dran sein sollte... Ich hebe eine Hand, fahre damit unter mein Haar und streiche über die Rundung meines Ohrs. Besser gesagt: über die EHEMALIGE Rundung meines Ohrs... oh mein Gott. Ein eisiger Schauder durchfährt mich, als ich die unvertraute und nie zuvor dagewesene Spitze ertaste. Ich beiße die Zähne zusammen, um nicht loszukreischen, dann rutsche ich nach hinten, um die Ecke des Kamins herum aus dem Zimmer. Kaum bin ich draußen, springe ich auf und schaue mich panisch nach einem Spiegel um. Als ich endlich in einem Ankleidezimmer ein mannshohes (bzw. hobbithohes) Exemplar finde, bleibt mir die Luft weg. Aus dem Spiegel schaut mir ein schlankes Mädchen mit einem anderen Gesicht entgegen. Meine Züge sind zwar gleich geblieben, doch sie haben jetzt etwas edleres, schärferes. Meine Haltung wirkt stolzer und stärker, und ich könnte schwören, dass meine Taille nicht immer so schmal war und meine Beine nicht immer so lang. Meine ehemals braunen Haare sind jetzt pechschwarz, meine Haut absolut makellos und sehr bleich, fast weiß, mit einem zarten Glanz. Aber was mich wirklich fesselt, sind meine Augen. Ihre sonst graue Farbe ist einem leuchtenden, durchdringenden Eisblau gewichen, mit schimmernden Silbersprenkeln. Ich presse mir die Hand vor die zartroten Lippen, um einen erneuten hysterischen Anfall zu vermeiden, doch ein leises Wimmern ist doch zu hören. Ich weiche einen Schritt vor meinem Spiegelbild zurück und lasse mich zu Boden sinken. Tief durchatmen, befehle ich mir selber. Ganz ruhig, gaaaaanz ruhig... langsam entspanne ich mich. Doch gerade als meine eine Gehirnhälfte anfangen will, verschiedene Theorien zu meiner Verwandlung aufzustellen, meldet sich die andere Hälfte mit einem Machtwort. SCHLUSS! Schluss mit den Gedanken! Akzeptiere es einfach und freu dich! Die eine Hälfte zieht sich eingeschüchtert zurück und überlässt der anderen, im Moment wirklich schlaueren Hälfte das Feld. Langsam richte ich mich auf und schaue wieder in den Spiegel. Es ist nicht zu leugnen: das neue Aussehen steht mir. Ein leichtes Lächeln hebt meine Mundwinkel, und meine - ich muss schon sagen - ziemlich coolen Augen erstrahlen. Mit einer fließenden Bewegung stehe ich auf. Wie anmutig allein das schon wirkt! Mein Lächeln wird noch breiter, ich zwinkere der Elbin im Spiegel zu und gehe dann mit lautlosen Schritten zurück ins Wohnzimmer, wo ich mich an meinem ursprünglichen Platz niederlasse. Die Zwerge beachten mich nicht weiter, sie starren reglos vor sich hin. Dann fangen sie an zu summen. Die Melodie ist langsam und schwermütig. Schließlich lehnt Thorin, ohne den Blick vom Feuer zu wenden, einen Arm an den Kaminsims und fängt an zu singen.

    Über die Nebelberge weit
    zu Höhlen tief aus alter Zeit
    da ziehen wir hin
    da lockt Gewinn
    durch Wind und Wetter,
    Not und Leid

    Jetzt stimmen auch die übrigen Zwerge ein.

    Und dort, wo knisternd
    im Gehölz erwacht
    ein Brand von Winden angefacht
    zum Himmel rot
    die Flamme loht
    Bergwald befackelt
    hell die Nacht.

    Mir fallen die Augen zu, und die Melodie des Zwergenlieds begleitet mich in den Schlaf, wo sie mir seltsame und höchst wundersame Träume beschert.

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