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Shapeshifter ~ Du kennst mich nicht

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1 Kapitel - 1.877 Wörter - Erstellt von: Nighingale - Aktualisiert am: 2015-05-17 - Entwickelt am: - 1.083 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

Vielleicht war ich einfach zur falschen Zeit am falschen Ort.
Vielleicht hatte ich nur Pech.
Vielleicht war es ja Schicksal.
Vielleicht hätte ich nach oben sehen sollen.

Ava liebt Tiere, Indie-Rockbands, Märchen und noch zehntausend andere wundervolle Dinge.
Doch eines Tages ändert sich alles und sie ist wie vom Erdboden verschluckt.

    1

    Es war ein wunderschöner Tag im Mai.
    Die Vormittagssonne lachte über die saftigen, weichen Wiesen und die Luft roch nach Freiheit.
    Ich lief Barfuß über den eingetrockneten Feldweg, der vor ein paar Tagen noch eine einzige Matschgrube gewesen war. Ich rannte den Hügel hinauf, durch das hohe Gras, das nach meinen Beinen zu greifen schien. Als ich am höchsten Punkt, völlig außer Atem ankam, warf ich die Hände in die Luft und drehte mich einmal um die eigene Achse.
    Ich spürte wie die Last der letzten Tage von mir abfiel und ich lachte.
    Heute war heute und ich würde jeden Moment genießen.
    Doch es kam anders.
    Ich legte mich in die Wiese und betrachtete mit leichtem Herzen den blauen Himmel, geschmückt mit zarten Wolken.
    Ich wusste nicht mehr wie lange ich dort so lag, mitten auf dem Hügel, keine Menschenseele in der Nähe.
    Zeit spielte für mich keine Rolle mehr.
    Am Himmel kreiste ein großer Vogel, ich konnte nicht ausmachen welche Art.
    Adler gab es hier nicht. Und dennoch... mir viel keine andere Vogelart ein.
    Irgendwann war er aus meinem Sichtfeld verschwunden und ich stand auf und klopfte die Halme von meinem dunkelblauen Sommerkleid herunter. Ein kleiner Käfer krabbelte auf meinem Arm und ich pustete ihn davon.

    Vielleicht war ich einfach zur falschen Zeit am falschen Ort.
    Vielleicht hatte ich nur Pech.
    Vielleicht war es ja Schicksal.
    Vielleicht hätte ich nach oben sehen sollen.

    Ich wurde mit einem kräftigen Ruck in den Nacken zu Boden geworfen. Die Luft wurde mir aus den Lungen gepresst, sonst hätte ich vor Schmerz geschrien. Ich lag keuchend auf dem Boden, wollte mich aufrappeln, aufstehen, wegrennen. Aber bevor ich auch nur eine Bewegung machen konnte, wurde ich herumgerissen. Ich spürte einen reißenden Schmerz an meinen Armen und das Blut lief in kleinen Gerinnseln herunter.
    Ich starrte in die Augen eines Adlers.
    Eines riesigen Adlers. Hell grüne, eigentlich wunderschöne Augen mit einem irren Blick. Der Kopf bewegte sich ruckelnd hin und her, als wollte mich das Tier hypnotisieren. Ich riss den Mund auf um zu schreien.
    Aber im nächsten Moment passierte es.
    Die Krallen in meinem Arm wurden zu... Fingern.
    Der Kopf des Vogels nahm menschliche, männliche Züge an und die hellen, stechenden Augen bekamen eine andere Form und wurden dunkler.
    Das Tier war jetzt kein Tier mehr.
    Meine Gedanken waren stumm, aber gleichzeitig kreischten sie:
    „Wach auf, wach auf, WACH AUF!“
    Aber das war kein Traum.
    Der junge Mann hatte mich immer noch fest im Griff. Sein ganzes Gewicht drückte meine Beine und meinen Unterkörper herunter. Eine seiner Hände auf meiner Schulter, die andere auf dem anderen Oberarm. Meine Hände schnellten reflexartig hoch, in die Nähe seiner Kehle.
    Aber er war schneller, packte meine Hände und drückte sie über meinem Kopf zu Boden.
    Ich konnte mich nicht mehr bewegen. Hoffnungslos.
    Ich starrte ihn an.
    Aus der Nähe konnte ich alles sehen, jeden Zentimeter seines Gesichts.
    Kantige Kieferpartie, gerade Nase, gerade Augenbrauen, moosgrüne Augen, braune, leicht wellige Haare.
    Er hätte wunderschön sein können, wenn er nicht grade dabei gewesen wäre, mich umzubringen.
    Er öffnete den Mund zu einem boshaften Grinsen.
    „Eigentlich sollte ich dich auf der Stelle töten“
    Natürlich viel mir nichts Besseres ein als: „Was bist du?“
    Aber anstatt zu antworten kam sein Gesicht immer näher an meines. Ich hielt die Luft an und schwor mir, dass ich spucken würde sobald er zu nah kam.
    Aber er hatte es gar nicht auf meinen Mund abgesehen. Er drückte seine Lippen schnell und fest auf mein Schulterblatt. Die Berührung fühlte sich wie tausend Nadelstiche auf einmal an.
    Mein erster Gedanke war: „Scheiße. Ein Vampir. Ew.“
    Er küsste mich weiter den Hals hinauf, bis er dann noch endlich meinen Mund ankam. Es hätte vielleicht leidenschaftlich sein können, würde aber a) ich das nicht freiwillig mitmachen und
    b) war er zu wütend, zu grob dafür.
    Ich riss meinen Kopf herum (und traf ihn dabei ziemlich stark am Kinn, wofür ich eigentlich stolz auf mich war).
    Mein Gehirn hatte den scheißblöden Gedanken ein Wort dafür zu finden.

    V...
    vergew...
    Ich zwang es zur Ruhe, sonst würde ich total ausflippen.
    Ich hatte aber keine Zeit nachzudenken, mich zu wehren oder für was auch immer, denn auf einmal packte er mich und riss mich hoch, sodass ich ich schon fast stand, nur dass meine Beine ein paar Zentimeter über den Boden baumelten.
    Er quetschte meine Schultern zu stark, dass ich aufstöhnte vor Schmerz.
    Wut.
    Meine Angst war für den Moment weg und ich spürte die brodelnde, heiße Wut in mir, die mir so oft zu schaffen machte.
    „Du Psycho, du. Du Monster! Lass mich verdammt noch einmal frei!“
    Das hätte ziemlich taff wirken können.
    Wäre mir dabei nicht ein Fluss von Tränen das Gesicht hinunter gelaufen.
    Die Wut war durch meine Hilflosigkeit verrauscht und ich schwebte heulend und verzweifelt in der Luft.
    Lange konnte er mich nicht halten, und setzte mich wieder ab.
    Mein Fuß schnellte nach oben und hätte ihn eigentlich an einer bestimmten Stelle treffen sollen, was aber nicht der Fall war.
    Stattdessen wehrte er mit dem Unterarm ab und er...
    verwandelte
    sich wieder in den übergroßen Adler.
    Seine riesigen Klauen umschlossen meine Taille und die meterlangen Flügel hauten mir durch den Luftschwung eine runter.
    Mir wurde übel, als er mit einem Ruck abhob und rasend schnell nach oben peilte.
    Alles verschwamm vor meinen Augen, ich sah nur noch verschiedene Grünstufen unter mir tanzen.
    Fliegen.
    Ich wollte schon immer fliegen können.
    Als Kind bin ich, wenn es windig war, mit ausgestreckten Armen herumgelaufen und habe gehofft, dass ich irgendwann abheben würde.
    Ich träumte vom Fliegen, andauernd.
    Aber als ich so hoch oben in der Luft, in den Klauen eines Monsters, wie in einem Märchen entführt wurde...
    wünschte ich mir aufzuwachen.
    Die Schmerzen waren so stark, mein gequetschter Körper, die aufgerissene Haut an meinen Nacken, an meinen Armen.
    Ich atmete ganz flach.
    Meine Tränen tropften die hunderte von Meter hinunter auf die Erde.
    Ich sah die riesige Waldfläche unter mir. Wald, Wald, Wald.
    Hier war niemand. Ich hatte keine Ahnung mehr, wo wir waren.
    Ich fing vor Angst an zu zittern wie verrückt.
    Auf einmal stürzte er sich in die Tiefe und der Wald-Wald-Wald raste mir entgegen. Ich presste die Augen zusammen und war überzeugt davon, dass ich sterben werde.
    Stoßgebet für Stoßgebet.
    Er bremste sehr spät ab und lies mich los. Ich knallte auf den eigentlich weichen, nachgiebigen Waldboden wie auf ein hartes Brett.
    Mein Kopf wummerte und für eine gefühlte Ewigkeit sah ich nichts mehr.
    Wumm...
    Wumm..
    Ich blinzelte, mein ganzer Körper ächzte vor Schmerz.
    Ich drücke mich hoch, obwohl ich nicht wusste wo oben und unten war.
    Lauf, lauf, lauf.
    Ich strauchelte einige Male, rannte in die Bäume hinein anstatt um sie herum.
    Lauf!
    Mein einziger Gedanke.
    Irgendwann konnte ich gerade auslaufen.
    Ich sah mich kein einziges Mal um.
    Aber irgendwann war ich am Ende meiner Kräfte angelangt und brach zusammen.
    Alles tat weh. Jede Faser meines Körpers.
    Ich lehnte mich an einen Baum und lies mich daran herunter rutschen.
    Meine Haut brannte höllisch.
    Ich weigerte mich meine Wunden anzusehen, und betrachtete stattdessen den Ort an dem ich war. Wald. Natürlich.
    Tausende, dunkle, dichte Bäume, die noch nie etwas von Menschen und Kettensägen gehört haben. Hier war noch nie jemand. Von ihm keine Spur.
    Es war leise, nicht mal die Vögel zwitscherten.
    Ich fing wieder an kurze, banale Gebete zu flüstern, die eigentlich nur aus den Worten „Hilf mir!“ bestanden.
    Plötzlich raschelte es und ich riss den Kopf herum um herauszufinden woher das Geräusch kam.
    Ein Eichhörnchen.
    Ich hätte beinahe geweint vor Erleichterung.
    Das Tierchen hüpfte scheu herum.
    Ich hielt mich ganz still und irgendwann kam es näher.
    Irgendwas war seltsam.
    Ich hielt eine kleine Buchenecke ausgestreckt in der Hand.
    Es kam näher.
    Es schnüffelte daran.
    Nah genug!
    Ich packte es blitzschnell am Hals und presste den kleinen Körper so fest wie möglich zusammen in der Hoffnung, dass Genick gleich knacken zu hören.
    In mir vereinten sich Angst, Hass und Ekel von mir selbst.
    Ich hatte zwar recht gehabt, aber es brachte mir nicht viel.
    Denn er hatte noch genug Energie um sich zu verwandeln.
    Ausgerechnet in einen riesigen Grizzly.
    Er brüllte wütend. Stocksauer.
    Er war so laut, ich duckte mich verängstigt, aber seine Spucke traf mich dennoch überall.
    Er erhob seine riesige Pranke und sie schoss auf mich herunter. Ich war gerade noch schnell genug um mich auf den Rücken zu drehen.
    Ich schrie und schrie und schrie.
    Seine Pranke war direkt über meinen Rücken gezogen.
    Mein ganzer Verstand hielt an, mein Herz stoppte für einen Moment.
    Es fühlte sich an, als hätte er ein riesiges Fleisch mit fetten Hautstücken aus meinem Rücken gerissen. Und vielleicht war es auch so.
    Ich sehnte mich nach der Ohnmacht, in die man doch in Büchern und Filmen für gewöhnlich fällt, wenn der Schmerz zu groß wurde.
    Stattdessen lag ich da und ich wusste nicht mal ob ich schrie. Ich hörte nichts, ich sah nichts.
    Und endlich raste eine schwarze Mauer auf mich zu und nur noch für den Bruchteil einer Sekunde wusste ich, dass ich lebte.

Kommentare (8)

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Sonnenuntergang ( von: Sonnenuntergang)
vor 392 Tagen
Ich stimme Sarah zu, mach weiter!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Sarah (96459)
vor 443 Tagen
Es ist so wie in echt machst du echt toll
Swity (73478)
vor 697 Tagen
Echt gut schreib doch bitte weiter
anna luisa (86132)
vor 707 Tagen
Ich habe das gelesen das ist ja ein halbes Buch
Ich bin zum Glück 🍀 eine schnelle leseren aber so viel
habe ich noch nie gelesen auch wenn ich zich Bücher
Habe aber ich habe aufgehört zu lesen da würde ich doch eher
das dner Quiz machen wie gut kennst du Dner
Ailurophile (Nighingale) (04250)
vor 793 Tagen
Ärgerlicherweise kann ich mich nicht mehr unter meinen alten Profil anmelden >:( Ich werde die restlichen Kapitel unter meinen neuen < br />Ailurophile
posten (mit selben Titel)
Nighingale (04250)
vor 793 Tagen
Vielen Dank ;) Ich bin gerade am zweiten kapitel, vlt schaffe ich es noch, es heute zu posten :)
legolanta2000 (48681)
vor 797 Tagen
Das ist einfach voll cool! Mach bitte bitte sofort weiter!
Luna2003 (51933)
vor 797 Tagen
WOW ! Echt gut ! Wirklich spannend ! Mach weiter so !