Das Biest und der Tyrann - Teil 15

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1 Kapitel - 4.519 Wörter - Erstellt von: Ronja - Aktualisiert am: 2015-05-11 - Entwickelt am: - 5.556 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

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    Kids Sicht
    Wo bleibt sie denn? Und warum geht sie nicht an die Teleschnecke? Verdammt! Ist ihr etwa was passiert? Ich wusste doch, dass es dumm von mir war, sie alleine gehen zu lassen. Das hat keinen Sinn. Ich lege den Hörer auf. Wenn sie nicht rangeht, muss ich sie halt suchen. „Heat! Wenn Grit hier auftaucht, rufe mich sofort an“, weise ich an. Er nickt. „Killer!“ Er schaut auf. „Komm mit!“ Ich stehe auf und wir verlassen die Bar. Killer folgt mir Richtung Stadt. „Grit ist etwas zugestoßen“, erkläre ich ihm bitter. „Wo?“, fragt Killer kurz angebunden. „Ich weiß es nicht“, antworte ich sehr sehr mies gelaunt. „Sie wollte auf die andere Seite der Insel und geht jetzt nicht an die Teleschnecke, die ich ihr gegeben habe“, erkläre ich ihm und biege in eine Straße. Wenn ihr irgendetwas Schlimmes passiert ist, dann raste ich aus. Ich zerstöre die ganze Stadt, wenn es sein muss. Als wir auf einem Platz ankommen, bleibe ich stehen. „Such du sie hier. Ich gehe weiter auf die andere Seite der Insel“, sage ich ernst. Killer verschwindet blitzartig. Ich nehme die Straße, welche direkt auf die andere Seite führt. Verdammt noch mal Grit! Wo treibst du dich nur herum? Die letzten Häuser habe ich schon vor einigen Minuten zurückgelassen. Somit sind auch die letzten Lichter erloschen. Ich kann kaum was sehen. Die Bäume des Waldes verdecken jegliches Licht. So werde ich Grit noch verfehlen, falls sie hier irgendwo sein sollte. Ich rufe ihre Teleschnecke an und höre angespannt, ob ich ihre Teleschnecke hören kann. Da! Ist das nicht ein schwaches „Bölleböllebölle“? Ich laufe einige Schritte in die Richtung des Geräusches. Es wird lauter. Sie muss hier doch irgendwo sein… Ich kann Grit nirgends ausmachen, obwohl die Teleschnecke hier irgendwo liegt. Da ist sie! Ich hebe die Teleschnecke auf und beende den Anruf. Wo ist Grit? Ich suche die Gegend ab. Auf dem Weg liegt sie nicht. Wenn sie entführt wurde, dann wird es Tote geben. Warte mal! Da ist irgendetwas im Gebüsch. Ich ziehe mein Messer aus dem Waffengurt und komme vorsichtig näher. Mit einer Hand schiebe ich langsam einen Ast zur Seite. Da liegt jemand. Grit! Es ist Grit! Schnell packe ich das Messer wieder weg und knie mich neben sie. Sie liegt auf dem Bauch, die Arme seltsam von sich gestreckt. Vorsichtig drehe ich sie um. „Hey Grit! Was ist los?“, frage ich besorgt und klopfe ihr leicht auf die Wangen. Sie scheint bewusstlos zu sein, denn atmen tut sie noch. „Grit, wach auf!“ Sie zuckt nicht einmal mit den Augenliedern. Scheiße! Ich hebe sie hoch und trage sie auf meinen Armen. Vorsichtig drücke ich sie an mich, während ich schnell zurück zur Stadt gehe. Grits Kopf lehnt an meiner Brust. Ihre Gesichtszüge sind ganz ruhig. Sobald wieder etwas mehr Licht um mich herum ist, gucke ich sie mir etwas genauer an. Grit hat einige Kratzer im Gesicht und auf den Armen. Außerdem ziert ein fetter Bluterguss ihre linke Gesichtshälfte. Etwas Blut klebt auf ihrer Stirn. Sie muss unbedingt zum Doc. Ich krame meine Teleschnecke aus meiner Tasche und stelle sie auf Grits Bauch. „Kid?“, höre ich Killers Stimme aus dem Hörer, als ich ihn anrufe. „Ich hab sie! Geh zurück und sag dem Doc, dass ich ihn brauche!“ „Verstanden!“ Killer legt auf. ich schaue zu Grit runter. Warum wacht sie denn nicht auf? Endlich! Da vorne ist der Hafen. Ich bringe Grit direkt ins Krankenzimmer. Der Doc ist schon da und ist dabei etwas Licht zu machen. Vorsichtig lege ich Grit auf dem Krankenbett ab. Ohne ein Wort zu sagen, beugt sich der Doc ruhig über Grit und mustert sie. Er berührt den Bluterguss und schaut sich die Wunde auf der Stirn an. Wie ich auch schon, klopft er sachte auf ihre Wangen, doch Grit regt sich wieder nicht. Er schaut auf. „Kid kannst du mir bitte vom Waschbecken ein Tuch geben“, bittet er in einer ruhigen Stimme. Ich nicke und drehe mich um. „Klatsch!“ Reflexartig ziehe ich meine Pistole und richte sie wütend auf den Doc. Er hat Grit gerade allen Ernstes eine Ohrfeige verpasst. „Sag mal spinnst du?“, frage ich drohend. Er schaut mich ruhig an und streicht sich über den Bart. Wie kann er es wagen? Ich vernehme eine Bewegung. Grit regt sich. Der Doc neigt sich ein bisschen runter zu ihr. „Grit?“, sagt er mit klarer lauter Stimme. „Kannst du mich hören?“ Ich lasse die Waffe sinken. „Das nächste Mal sagst du mir Bescheid, bevor du so etwas tust!“, befehle ich dem Doc. Er schaut auf und sagt: „Tut mir Leid! Ich dachte nur, du würdest es nicht zulassen!“ Da hat er schon Recht! Aber Grit ist jetzt wach, deshalb lasse ich es jetzt einfach auf sich beruhen. Ich lehne mich an die Wand und warte. „Wo bin ich?“, fragt Grit leise und hält sich eine Hand an die Stirn. „Du bist auf dem Schiff“, erklärt der Doc mit ruhiger Stimme. Grit dreht den Kopf leicht hin und her. „Welches Schiff? Das von Kid?“, fragt sie verwirrt. Der Doc nickt. „Ja genau!“, antwortet er. Grit tastet ihre linke Gesichtshälfte ab. „Au!“, sagt sie. Der Doc nimmt sich einen Beutel voll Eis und legt ihn vorsichtig auf den Bluterguss. „Was ist passiert?“, fragt er. Grit hält den Eisbeutel fest und denkt einen Augenblick nach. „Ich bin von einem Baum runtergefallen“, antwortet sie und scheint etwas überrascht zu sein. Der Doc zieht die Augenbrauen verwundert hoch. Er tastet vorsichtig ihren Kopf ab. „Hast du sonst noch irgendwo Schmerzen? Arme? Beine? Brustkorb?“, fragt er während er nun die Arme abtastet. „Nein“, sagt Grit nach einem kurzen Augenblick. Der Doc drückt vorsichtig auf ihren Brustkorb. Wäre er nicht mein Arzt, dann… Ich spanne mich an. „Es scheint nichts gebrochen zu sein“, gibt er schließlich erleichtert von sich. „Kannst du dich aufsetzen?“ Grit setzt sich vorsichtig auf und hält sich den Kopf. „Uf! Alles dreht sich“, stöhnt sie. „Hier! Trink ein wenig.“ Der Doc reicht ihr ein Glas Wasser. Sie trinkt es aus. „Geht es jetzt besser?“ Grit nickt leicht. „Hast du Kopfschmerzen?“ „Nein“, antwortet Grit. „Nur das hier schmerzt!“ Sie zeigt auf den fetten Bluterguss. Der Doc geht zu einem der Schränke und holt etwas raus. Grit hat mir den Rücken zugewandt, deshalb kann ich nicht genau sehen, was der Doc mit ihr macht. Es sieht so aus, als ob er eine Wunde behandeln würde. Stimmt! Sie hatte eine Wunde auf der Stirn. Ich nehme an eine Platzwunde. „So!“, sagt der Arzt schließlich. „Gegen den Bluterguss kann ich leider nichts machen. Kühl ihn noch ein bisschen, dann schmerzt er wenigstens nicht allzu sehr.“ Er packt die Sachen wieder weg. „Du solltest jetzt viel trinken und dich ruhig verhalten. Dein Kopf ist ein bisschen angeschlagen, aber das geht wieder weg, sobald du dich ausgeruht hast. Du kannst jetzt gehen, wenn du willst.“ Ich stoße mich von der Wand ab und gehe zu Grit. Sie schaut mich erstaunt an. „Wo kommst du denn her?“, fragt sie verwirrt. Ich grinse sie breit an. „Hab mich hergezaubert“, antworte ich. Sie lächelt freudig überrascht und haut mich damit einfach um. Ich bin einfach nur erleichtert, dass ihr nichts Schlimmes passiert ist. „Kannst du gehen?“, frage ich sie. Grit zuckt grinsend die Schulter. „Werden wir gleich sehen“, antwortet sie belustigt. Ihr Kopf ist ganz eindeutig angeschlagen. Das wird sicher noch lustig. Grit rutscht vom Bett runter und streckt die Arme gleichgewichtsuchend aus. Sie schwankt ein bisschen, bleibt letztendlich ruhig stehen und fällt dann doch langsam nach vorne. „Ohhhhhhh“, macht Grit überrascht. Ich fange sie auf. Sie hängt in meinen Armen und guckt auf. „Du bist mein Held!“, sagt sie bewundernd. Ich lache und richte sie wieder auf. „Komm, Kleines! Wir gehen“, sage ich grinsend. Ich nicke dem Doc dankend zu und umfasse Grits Taille. Nicht, dass sie unterwegs umkippt. Außerdem genieße ich ihre Nähe. Ich bugsiere sie in unsere Kajüte. Grit macht sich ganz gut, obwohl sie ständig stolpert. „Uiuiuiuiui“, macht sie und stolpert wieder. Ich grinse. Wüsste ich es nicht besser, würde ich sagen, sie ist betrunken. „Wir sind da“, sage ich ihr und mache die Tür auf. Ich führe sie zum Sessel und sie lässt sich darauf fallen. Der Eisbeutel fällt auf den Boden. „Ohh!“, macht Grit erschrocken und beugt sich über die Armlehne nach unten. Ihre Arme sind aber nicht lang genug. Ich beuge mich ebenfalls und hebe den Beutel auf. „Hier!“ Ich gebe ihr den Eisbeutel wieder. Grit hält ihn sich auf die Wange. Ich lehne mich an den Tisch und gucke sie an. „Und jetzt?“, frage ich sie lächelnd. Grit zieht ihre Stirn in Falten und überlegt offensichtlich. „Erst einmal ziehe ich mir etwas Anderes an. Mir wird kalt“, sagt sie schließlich. Auf unsicheren Beinen steht sie auf und geht zum Schrank. Sie hält sich schwankend an den Türen fest. Ich grinse. Grit beugt sich vor und verschwindet fast im Schrank. Plötzlich fliegt ein Pullover heraus. Dicht gefolgt von ihrer bunten Aladdin-Hose. Grit richtet sich wieder auf und hält noch ein Top in der Hand. Sie lässt sich im Schneidersitz nieder und lehnt sich an den Schrank. Etwas umständlich fummelt sie an ihrem Waffengürtel rum, bis der schließlich aufgeht und sie ihn neben sich legt. Sie guckt auf und schaut mich wieder überrascht an. Ich grinse und setze mich in meinen Sessel, welchen ich von ihr wegdrehe. Es klingt gefährlich, wie sich Grit anzieht. Scheinbar knallt sie hin und wieder gegen den Schrank. „Stirbst du, oder was machst du da?“, frage ich sarkastisch. Ich bekomme keine Antwort. Plötzlich spüre ich zwei Arme, die sich von hinten auf meinen Oberkörper legen. Ich spüre Grits Kopf neben meinem. Wieder überkommt mich ein ungeheures Glücksgefühl. Ich umfasse ihr Arme und streichle darüber. „Ich liebe dich“, flüstert sie. Ich spüre, wie sich ihre Lippen an meinem Ohr bewegen. Diese Nähe! Weiß sie eigentlich, was sie da in mir anstellt? Weiß sie, was das mit mir macht? Ich kann mich kaum beherrschen. Sie ist so verführerisch. Ich wäre kein Mann, würde ich sie nicht lieben. Und wie ich sie liebe! Vorsichtig nehme ich ihre linke Hand und küsse sie leicht. Grit krallt sich mit der rechten Hand an meinem Waffengurt fest. „Ich liebe dich auch“, sage ich in verführerischer Stimme. Noch nie in meinem Leben hatten diese Worte so viel Bedeutung. „Ich glaube du solltest dich hinlegen“, sage ich grinsend. Grit zieht ihre Arme zurück und ich drehe mich um. Sie verzieht ihren Mund. „Das glaube ich nicht, du Tyrann!“, antwortet sie. „Du bist schwer angeschlagen, außerdem wollen wir morgen früh los, damit wir genug Zeit haben, um rüber zu segeln.“ Sie legt den Kopf schief und verschränkt ihre Arme vor der Brust. „Aber es ist doch noch echt früh“, protestiert sie. Da hat sie Recht. Es ist vielleicht neun oder so. Wahrscheinlich sind die Meisten noch unten in der Bar. Ich atme geräuschvoll aus. „Mach was du willst. Ich hole dir erst einmal was zu trinken. Der Doc hat gesagt, dass du viel trinken sollst.“ Damit stehe ich auf und lasse Grit im Zimmer zurück. Am liebsten hätte ich es, dass sie sich hinlegt, aber sie tut nicht immer das, was mir am liebsten ist. Das habe ich heute mehr als einmal erfahren. Sie findet ja auch nicht alles toll, was ich mach. Von daher… Als ich in den Speiseraum komme, höre ich Stimmen. Hinten in der Sofaecke sitzen einige Männer und unterhalten sich bei ein zwei Flaschen Bier. Ich nehme eine Wasserflasche und gehe zu ihnen rüber. „Kid!“, werde ich freudig begrüßt. „Na Männer“, antworte ich grinsend. Ich schaue in die Runde. Zwei von Bobs Freunden hängen hier rum. Wire, Kalle, Markus und Thomas sind auch da. „Was machst du denn hier?“, fragt Markus überrascht. „Ich dachte unten in der Bar ist Party?“ Ich grinse. „Und was macht IHR hier, wenn unten Party ist?“, sage ich gespielt vorwurfsvoll. „Ui“, höre ich eine quietschige Stimme. „Kiiiiiiiiiiiiiiiiiid!“ Ich drehe mich um. Grit kommt schwankend angelaufen. „Was ist denn mit der los?“, fragt Kalle amüsiert. Ich stöhne und schüttle den Kopf. Hätte sie nicht wenigstens auf dem Zimmer bleiben können? „Sie ist vorhin von einem Baum gefallen“, antworte ich unzufrieden. Die Männer lachen. Ich seufze. Grit werde ich ganz sicher nicht mehr dazu bringen können, sich hinzulegen. Meinetwegen! Sie soll tun, was sie für richtig hält. Ich setze mich auf eines der Sofas. Grit lässt sich neben mich plumpsen. Sie dreht sich zu mir, kniet sich hin und hält mit einer Hand meine Schulter fest. „Ich habe dir noch gar nicht erzählt, was ich herausgefunden habe“, erzählt sie mir mit großen Augen. Ich reiche ihr die Wasserflasche. „Na was hast du denn herausgefunden?“, frage ich sie lächelnd. Grit nimmt die Flasche entgegen und stürzt einige große Schlucke runter. Sie setzt die Flasche ab, schließt sie und gibt sie mir zurück. Warum auch immer, aber ich nehme sie entgegen. „Diese Vogelscheuche ist da und der Frosch auch“, antwortet sie mit geheimnistuerischer Stimme. Ich schaue sie verständnislos an. Von wem redet sie da bitte? Ich schaue die anderen an, um herauszufinden, ob die etwas verstanden haben, aber es sieht nicht so aus. Kalle legt absolut verwirrt den Kopf schief, Markus zieht verständnislos eine Augenbraue hoch und Thomas verengt seine Augen zu Schlitzen und versucht zu verstehen, was Grit wohl meinen könnte. „Wer ist da?“, fragt Wire skeptisch nach. Ich schaue zurück zu Grit. „Na die beiden Spinner, die wir treffen wollen. Hawkins und Scratchmen Apoo“, antwortet sie und guckt, als wäre das, das einzig logische, was man aus ihren Worten heraushören könnte. „Achso!“, sagt Markus in übertrieben sarkastischer Stimme und haut sich gegen die Stirn. „Natürlich! Wie konnten wir nur nicht darauf kommen, dass die beiden gemeint waren. Vollkommen bescheuert von uns!“ Grit lehnt sich ruhig mit dem Rücken gegen die Armlehne des Sofas. „Sei nicht so hart zu dir. Man kann nicht immer logisch denken“, antwortet sie ernst. Ich muss grinsen. Unglaublich, dass sie diesen Sarkasmus nicht verstanden hat. Den hat ja sogar Kalle kapiert. „Boa ey! Wie sieht denn dein Gesicht aus!“, ruft plötzlich einer von Bobs Freunden aus. Erstaunlicherweise sogar mit ziemlich viel Emotion und relativ laut. Grit guckt verwirrt und fässt sich an die rechte Wange. Sie beugt sich zu mir hin und fragt: „Was habe ich im Gesicht Kid?“ Ich lächle sie an und streichle ihr sanft über die linke Gesichtshälfte. „Hast du vorhin nicht in den Spiegel geguckt? Du hast einen riesigen Bluterguss, deshalb hattest du auch den Beutel Eis bekommen“, erkläre ich ihr. Sie schaut mich überrascht an. „Oh!“, gibt Grit nach einiger Zeit von sich und setzt sich normal neben mich. Sie hält ihre linke Hand an die Wange und sagt kein Wort mehr. Anscheinend ist sie gerade in Gedanken versunken. Die Männer erzählen von ihrem Tag und was sie alles herausgefunden haben, aber es gibt keinen neuen Infos. Nur Gerüchte. Ich höre zu und kommentiere hin und wieder etwas. Grit hat sich an mich gekuschelt und scheint vor sich hin zu dösen. Da hätte sie sich auch eigentlich hinlegen können. Naja, was soll es! „Gute Nacht Leute!“, sage ich schließlich und bewege mich. Dabei wird Grit wieder richtig wach „Hm?“, fragt sie müde. „Komm wir gehen“, sage ich ruhig zu ihr und nehme ihre Hand. Und zu den anderen sage ich: „Morgen fahren wir früh los. Ich brauche eure volle Aufmerksamkeit!“ Was das heißt, wissen sie selber. „Alles klar!“, antwortet Thomas. „Gute Nacht!“, sagt Kalle. Ich stehe auf und Grit tut es ebenfalls. Grit torkelt neben mir her zur Kajüte. Jetzt scheint es allerdings an der Müdigkeit zu liegen und nicht an dem angeschlagenen Kopf. Im Zimmer krabbelt sie sofort ins Bett. Sie kämpft sich noch aus ihrem Pullover raus und kuschelt sich dann in ihre Decke. „Gute Nacht“, gibt sie seufzend von sich. Ich mache mich grinsend Bettfertig. Es ist jeden Abend wieder schön mich neben Grit ins Bett zu legen. Sie liegt auf der rechten Seite, mit dem Gesicht mir zugewandt. Vermutlich tut ihr Gesicht weh, wenn sie sich auf die andere Seite dreht. Ich rutsche an sie ran und lege meinen Arm über ihre Taille. Unglaublich! Grit ist schon eingeschlafen. Ich lächle und küsse sie auf die Stirn.

    Beep! Beep! Beep! Mein innerer Wecker sagt mir, es ist Zeit aufzustehen. Ich richte mich auf und reibe mir übers Gesicht. Es ist noch dunkel draußen. Die Sonne wird wahrscheinlich erst in einer Stunde oder so aufgehen. Bis dahin will ich schon auf dem Weg zu Hawkins sein. Ich gucke neben mich. Grit liegt auf dem Bauch, die Arme über dem Kopf und schläft noch. Lächelnd streiche ich ihr über die linke Wange. Ich stehe auf und gehe zum Schrank. Igitt! Ich bin in irgendetwas Nasskaltes getreten. Angewidert hebe ich das Etwas auf. Es ist der Eisbeutel von gestern. Ich schmeiße ihn in den Mülleimer, welchen ich erstaunlicherweise in dieser Dunkelheit treffe, hole eine neue Boxershorts aus dem Schrank und gehe ins Badezimmer. Nach einer kurzen Dusche gehe ich nur mit Boxershorts bekleidet zurück ins Zimmer. Plötzlich sehe ich auf dem Bett einen Schatten. Grit sitzt aufrecht im Schneidersitz auf dem Bett. Man hat sie mich erschreckt. Ich dachte sie schläft noch. „Warum stehen wir so früh auf?“, fragt sie und legt den Kopf schief. „Ich will so viel Zeit zum Rübersegeln, wie möglich haben. Wer weiß, welche Steine Hawkins uns in den Weg legt. Außerdem wird es gefährlich, wenn wir da im Dunkeln ankommen“, erkläre ich, während ich mich anziehe. Ich gehe zum Bett und mache dabei meinen Gürtel zu. „Wie geht es deinem Kopf?“, frage ich besorgt. Hoffentlich geht es ihr wieder besser. Ansonsten wird sie heute nicht wirklich behilflich sein. Grit grinst mich an. „Perfekt!“, sagt sie und hält einen Daumen hoch. Ich grinse. „Heute wird ein anstrengender Tag. Es gibt gleich Frühstück, also raus aus den Federn“, sage ich gut gelaunt, schnappe mir meinen Mantel und den Waffengurt und verlasse die Kajüte. Unterwegs zu dem Männerschlafsaal ziehe ich mich weiter an. Ich stoße die Tür auf. „Los! Aufstehen!“, sage ich laut und bestimmt. Es kommt mal kein Gemurre und Gefluche, stattdessen hektisches Aufstehen und Anziehen. Mein Rundgang geht weiter und ich mache die Tür zum Speisesaal auf. Markus und Thomas sind in der Küche beschäftigt und Mika ist dabei ein bisschen Licht in den Raum zu bringen. „Morgen“, sage ich zur Begrüßung. „Morgen Kid“, bekomme ich dreistimmig zurück. Ich gehe zu Mika. „Ist alles bereit?“ Er nickt. „Sobald das Frühstück beendet ist, können wir ablegen. Der Wind steht ganz gut, wir sollten zügig vorankommen“, berichtet er. „Gut!“, antworte ich knapp. Die ersten Männer betreten angezogen den Raum. Grit kommt auch durch die Tür. Sie trägt eine Jeans, ihre Wanderschuhe und einen Pullover. Außerdem sind ihre Dreads zu einem dicken Zopf gebunden. Sie sieht wie immer toll aus. Ich gehe raus aufs Deck und schaue mich um. Die Stadt ist noch ganz ruhig. Im Hafen sehe ich nur eine Handvoll Leute. Es scheinen Passanten zu sein. Auf dem Meer ist nichts zu erkennen. Ich gehe zurück in den Speiseraum. Innerhalb dieser kurzen Zeit, die ich draußen war, hat sich der Raum mit Leuten gefüllt. Die Tische sind voll und das Essen wird hektisch aufgedeckt. Markus und Grit bringen die letzten Krüge an die Tische, während ich zu meinem Platz gehe. „Guten Morgen Männer!“, sage ich laut. „Das Frühstück wird etwas kürzer ausfallen. Danach legen wir sofort ab. Wir werden später in Unwetter geraten, deshalb haltet euch bereit.“ Es ist absolut still im Raum. „Guten Appetit!“, rufe ich noch und setze mich hin. Sofort fangen die Geräusche wieder an und Essen wird aufgetan. „Du bist nachher in Gruppe eins“, sage ich und zeige auf Grit. Sie schaut mich überrascht und mit gefüllten Wangen an. „Wofür?“, quetscht sie heraus und kaut weiter. „Wenn wir in Unwetter geraten, bist du in Gruppe eins. Das wirst du dann schon sehen“, erkläre ich ihr. Sie zuckt mit den Schultern. „Okay!“ Ich will sie dann lieber in Reichweite haben. Wer weiß, was nachher passiert und ich will nicht, dass sie über Bord gespült wird. Ich lasse mir jetzt auch ein gutes Frühstück schmecken. Sobald ich aufstehe, machen sich auch einige andere bereit aufzustehen. Während ich zur Tür gehe, kommen sowohl Killer, als auch Mika dazu. Das Ablegen geht schnell und schon bald nehmen wir Fahrt auf und verlassen den Hafen. Das Wetter ist super warm und schön, bis plötzlich ein Sturm aufkommt. Die dunkle Gewitterfront war schon lange zu sehen. Am Horizont war eine riesige schwarze Wolke zu sehen. Jetzt da wir der Wolke immer näher kommen, nimmt auch der Wind zu. „GRUPPE EINS BEREIT MACHEN!“, befehle ich laut rufend. Es kommt Bewegung in die Truppe. Einige gehen unter Deck, andere kommen aus den Türen rausgelaufen. Grit auch. Ich schaue mir die immer näher kommende Wolke an. Gleich wird es hier ungemütlich. Kein zwei Minuten später bricht das absolute Unwetter ein. Das Schiff schwankt hin und her, Wellen überspülen das Deck und Wind peitscht uns allen ins Gesicht. Mika brüllt Kommandos übers Deck. Jeder gehorcht ihm aufs Wort. Auch ich. Es ist anstrengend. Meine Kraft schwindet. Wenn eine Welle mich durchnässt habe ich zuweilen das Gefühl zusammenzubrechen. Meine körperliche Stärke wirkt dem Schwächegefühl wenigstens ein bisschen entgegen. Ich vergewissere mich ständig, dass Grit noch an Bord ist und nicht weggespült wurde. Das war der eigentliche Grund, weshalb ich sie in meiner Gruppe haben wollte. Sie packt ordentlich mit an und zeigt kein Zeichen von Schwäche. Wir segeln so bestimmt schon ne Stunde. Die Insel ist durch das Unwetter nicht zu erkennen. Ich reiße die Tür zum Speisesaal auf. „Gruppe zwei!“, rufe ich durch das Unwetter hindurch. Ein Blitz erhellt hinter mir den Himmel. Sofort werden die Gruppen ausgetauscht. Die ausgeruhten Männer rennen raus, während die erschöpften Männer frierend reinkommen. Ich halte die Tür offen und lasse alle an mir vorbeigehen. Markus und Thomas sind die ganze Zeit dabei zu kochen und heißes Wasser vorzubereiten. Sie sind vom Dienst draußen entschuldigt, um die Männer während der Pause wieder zu Kräften zu bringen. Als letzte kommt Grit auf mich zu. Sie fällt mehr oder weniger auf mich zu und umarmt mich erschöpft. Ich schiebe sie leicht in den Raum und schließe die Tür. Es wird ein bisschen leiser, aber der Sturm tobt immer noch sehr laut. Einige sitzen erschöpft an den Tischen, die meisten ziehen sich allerdings erst einmal etwas Trockenes an. Ich nicke den Köchen zu und gehe mit Grit in meine Kajüte. Sie zieht ihren Pullover aus und wirft ihn in die Badewanne. Ich ziehe meinen Mantel aus. Er ist auch klatschnass, aber da draußen hält er wenigstens den Wind und Wasser ab. Nachher muss ich ihn leider wieder anziehen. Ich nehme mir ein Handtuch und trockne mich ab. Grit kramt neue Sachen aus dem Schrank und geht ins Badezimmer. Erstaunt schaue ich ihr hinterher. Sie hat die Tür offen gelassen. Grinsend ziehe ich mir eine trockene Hose und ein Shirt an. Als Grit rauskommt, hat sie ihre Dreads zu einem dicken Knödel zusammengebunden. Keine Ahnung, wie man so eine Frisur nennt. Sie lächelt mich etwas müde an. Ich lächle zurück. „Alles in Ordnung?“ „Sollte ich das nicht lieber dich fragen?“, sagt sie lachend. „Du verlierst da draußen doch ununterbrochen deine Kraft.“ Ich lache. „Da hast du Recht“, antworte ich. Grit schaut sich meinen Mantel an. „Lass uns den auswringen und dann hängen wir ihn in die Küche. Da kann er hoffentlich etwas trocknen“, schlägt sie vor. Gar keine so schlechte Idee. Ich packe die eine Seite und Grit die andere und dann wringen wir den Mantel über der Badewanne aus. Es kommt einiges an Wasser raus. Ich schlage den Mantel aus. „Der ist gleich viel leichter“, sage ich grinsend. Grit lacht. „Da kannst du mal sehen, wie schwer Wasser ist“, sagt sie grinsend. Ich lege einen Arm um ihre Schulter und mit dem anderen halte ich meinen Mantel. „Komm! Wir sollten uns ein wenig stärken“, sage ich. Grit lehnt ihren Kopf an mich und legt ihren Arm um mich. Wir gehen zum Speisesaal vor der Tür halte ich an. Ich wollte noch beim Doc vorbeigucken. „Geh schon mal rein. Ich komme gleich“, sage ich zu ihr und streichle kurz ihre Wange. Als ich beim Doc ankomme steht seine Tür weit auf, darum trete ich einfach ein. Er lehnt gelassen an seinem Schreibtisch und liest in einem Buch. Als ich eintrete, schaut er auf. „Irgendwelche Patienten?“, frage ich ihn. Er schüttelt den Kopf. „Luke brauchte einen Verband, weil er sich beim Schwertputzen geschnitten hatte“, sagt er grinsend. Ich lache. „Dieser Trottel“, sage ich. „Na dann bis später.“ Ich gehe zurück zum Speisesaal. Jetzt muss ich erst einmal diesen nassen Mantel loswerden. Markus und Thomas sind immer noch dabei zu kochen. Zusammen sind die echt ein spitzen Team. „Gute Arbeit Männer!“, lobe ich die beiden. Thomas nickt mir zu. „Iss lieber was. Damit ehrst du unser Tun mehr“, antwortet Markus hektisch aber sarkastisch. Ich grinse. „Ja gleich.“ Der beste Platz, um meinen Mantel aufzuhängen, ist wohl neben dem Ofenrohr. Mit meinen Teufelskräften forme ich aus einer Gabel einen Haken und schlage diesen in die Wand hinter dem Rohr. Ein bisschen wird der Mantel wohl trocknen.

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