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Die Entscheidung

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1 Kapitel - 1.712 Wörter - Erstellt von: Cuna - Aktualisiert am: 2015-05-01 - Entwickelt am: - 611 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

Das junge Mädchen Estenya lebt in der Unsichtbaren Welt. Zusammen mit ihren Freunden Fenria, Anaya, Eolo und vielen anderen Kindern muss sie sich entscheiden. Geht sie zu den weisen, wunderschönen und eiskalten Aerané oder zu den freundlichen und mutigen Tsúhimo? Sie muss ihre Wahl ehrlich treffen, denn es gibt kein Zurück...

1
Ich stützte den Kopf auf den Ellenbogen und schaute gelangweilt zur Tafel, an die Meister Linux eifrig etwas kritzelte, was sowieso niemand verstand. Okay, vermutlich verstand es wieder mal jeder außer mir, aber was soll's...
"Fenria? Hey, Fenria!"
Meine beste Freundin, die bis eben noch interessiert Meister Linux' Erzählungen gelauscht hatte, wandte ihren Kopf jetzt in meine Richtung.
"Hmm?", machte sie, während sie ihren Kopf wieder nach vorne drehte.
"Kapiert du das?"
"Hmm... Was?"
"Kapierst du das?", wiederholte ich.
"Den Unterricht? Klar, wer kapiert den nicht?"
Ich seufzte resigniert und lehnte mich zurück.
"Ich?", schlug ich vor. "War ja klar, dass du wieder nicht aufpasst", war die einfache Antwort von links. Fenria schenkte ihre Aufmerksamkeit wieder Meister Linux.
Nur noch ein paar Wochen, sagte ich mir, dann ist das hier vorbei. Nur noch ein paar Wochen und ich würde mich entscheiden müssen. Würde ich zu den weisen, wunderschönen und eiskalten Aerané oder den mutigen und freundlichen Tsúhimo gehen? Langsam wurde die Zeit knapp und ich wusste als einzige noch nicht, wohin ich gehen sollte. Nur noch ein paar Wochen. Nur noch ein paar Wochen und ich würde entweder in den glitzernden Unterwasserhöhlen der Tsúhimo oder in dem großen Wolkenpalast der Aerané leben. Nur noch ein paar Wochen und ich würde mein erstes 'Großes Treffen' miterleben. Und danach würde ich entweder als wunderschöne Aerané durch die Wolken fliegen oder als mutige Tsúhimo durch die Wellen pflügen. Doch wohin wollte ich wirklich? Die einzige Antwort darauf war: Zu meinen Eltern. Doch leider konnten meine Eltern entweder Tsúhimo oder Aerané sein. Ich wusste es nicht. Niemand wusste es, außer König Lónerin, der Herrscher über alle Völker der Unsichtbaren Welt und somit auch über mich. Er hatte festgelegt, dass alle neugeborenen Babys sofort ihren Eltern weggenommen werden sollten und in menschlicher Gestalt dreißig Jahre [in unserer Altersrechnung wären das etwa 13 Jahre] Unterricht bei den Menschen, die sich gegen beide Fraktionen entschieden hatten und als Menschen der Unsichtbaren Welt ihre fünfhundert Lebensjahre weiterleben wollten, nehmen sollten. Dies sollte uns unter anderem bei unserer Entscheidung helfen. Ich wollte zu den Aerané, da König Lónerin ebenfalls ein Aerané war. Als ich das erfahren hatte, hatte meine Entscheidung eigentlich so gut wie festgestanden. Sie war aber wieder unsicher geworden, als Fenria mir freudestrahlend erzählt hatte, dass sie zu den Tsúhimo gehen würde. Sie war meine beste Freundin. Eigentlich mit Eolo und Anaya meine einzige Freundin. Eolo würde - hatte er erzählt - auch zu den Tsúhimo gehen, aber Anaya zu den Aerané.
Resigniert seufzend fuhr ich mit meiner Hand durch die braunen Haare und schielte fast automatisch zu Fenria herüber, die gedankenverloren eine ihrer dunkelroten Haarsträhnen zwischen Daumen und Zeigefinger rieb. Unwillkürlich musste ich grinsen, als ich daran dachte, wie ich Fenria versucht hatte zu erklären, dass ihre Haarfarbe, auf die sie so stolz war, egal wäre, da sie sowieso bald entweder schwarze - wenn sie zu den Tsúhimo gehen würde - oder silberne - wenn sie zu den Aerané gehen würde - Haare haben würde. Ich hatte damit eigentlich kein wirkliches Problem, aber Fenria hatte das ganz schön gewurmt, weil sie ihre schöne Haarfarbe verlieren würde.
Anaya war auch ein wenig wehmütig gewesen, aber wegen ihrer Hautfarbe. Sie hatte nämlich eine wunderschöne braungebrannte Haut, würde aber bald eine dunkelblaue bis dunkeltürkise - wenn sie zu den Tsúhimo gehen würde - oder eine hellblaue bis weiße - wenn sie zu den Aerané gehen würde - Hautfarbe haben. Mich und Eolo störte das eigentlich nicht so viel, da wir beide die kompletten Durchschnittsschüler waren. Ich hatte braune Haare und braune Augen und Eolo hatte blonde Haare und ebenfalls braune Augen.
"Hey, Estenya!", flüsterte Anaya, die rechts neben mir saß, mir zu und stupste mich an.
Ich gab ein gelangweiltes "Hmm?" von mir und drehte meinen Kopf unauffällig nach rechts.
"Hörst du überhaupt zu?", wollte sie wissen. Ich schüttelte mit einem leichten Grinsen den Kopf.
"Ich auch nicht", war die Antwort.
"Ich wette, Eolo stupst dich gleich wieder an, weil wir reden", meinte ich. Eolo hatte schon immer - wie Fenria - im Unterricht gut aufgepasst.
"Ja, glaub ich auch." Sie grinste.
Wir zählten runter: "Drei, zwei, eins uuund...!" In diesem Moment stupste Eolo Anaya an und flüsterte: "Passt ihr zwei eigentlich auf?"
Wir prusteten los. Als Linux mit einer Mischung aus Entsetzen und Genervtheit (hieß das so? Ich war in der gemeinen Ausdrucksweise noch nie sonderlich gut gewesen...) in unsere Richtung schaute, versuchen wir, einen unschuldigen Gesichtsausdruck aufzusetzen.
"Findet ihr das etwa lustig? Findet ihr lustig, wie bei dem letzten Aufstand der Tsúhimo Tausende gestorben sind?"
Er sah Anaya durchdringend an. "Nein", sagte diese schnell.
Ich versuchte, möglichst schuldbewusst dreinzublicken, da die Unschuldsmasche nicht wirklich funktionierte.
Linux seufzte resigniert und wandte sich wieder der Tafel zu.
"Meister Linux?", fragte einer der fünfzehn Schüler in unserem Unterricht (ich wusste nicht genau wer, da ich gedankenverloren an meinen Fingernägeln herumfummelte), "Ich hätte mal eine Frage. Warum habt Ihr Euch gegen ein Leben als Aerané oder als Tsúhimo und für eines als Mensch entschieden? Menschen sind den Fraktionen doch weit unterlegen...?"
"Hmmm...", machte Meister Linux, "Das erkläre ich euch zur richtigen Zeit."
"Na gut", meinte der Schüler ein wenig enttäuscht.
"In Ordnung. Wovon habe ich gerade gesprochen?", fragte Meister Linux in die Runde.
Ich meldete mich überlegen grinsend.
"Estenya?"
"Ihr habt von dem letzten Aufstand der Tsúhimo gesprochen", grinste ich.
"Richtig. Ihr müsst wissen, die Tsúhimo...-" Und ich schaltete wieder ab.

Ein paar Stunden später schlenderten Anaya, Eolo, Fenria und ich nebeneinander durch die unterirdischen Gänge zum großen Speisesaal. Unsere gesamten Unterrichts-, Schlaf- und Waschräume lagen unter der Erde. Genauer gesagt unter dem Turm, in dem die Großen Treffen stattfanden.
"Wartet mal bitte kurz", bat ich und holte meinen Trinkbehälter aus meiner Tasche, "ich möchte kurz noch mein Wasser auffüllen."
Ich wandte mich zu einem der kleinen, plätschernden Wasserrinnsäle an der Wand, die ungefähr alle fünfzig Meter zu finden waren.
Nachdem ich meinen Trinkbehälter aufgefüllt hatte, steckte ich ihn wieder in die Tasche und erntete einen kopfschüttelnden Blick von Eolo, der sagte: "Wie viel trinkst du eigentlich am Tag? Mein Wasser ist noch fast voll!"
Ich zuckte nur mit den Schultern und entgegnete: "Naja, aber ich habe auch eine bessere Blase als du."
"Stimmt nicht!"
"Stimmt doch!"
"Stimmt NICHT!"
"Stimmt DOCH!"
"Stimmt NICHT!"
Ich überlegte kurz und rief dann: "Stimmt nicht!"
Eolo (das bewies wieder mal, wie dumm er manchmal war) erwiderte automatisch: "Stimmt doch!"
Ich grinste. "Siehst du, du hast es zugegeben."
Eolo schmollte.

In dem Speisesaal angekommen setzte ich mich sofort auf unseren Stammplatz und beobachtete die kleinen Kinder, die überall herumliefen und -rannten. Da unser Jahrgang, der aus zehn Klassen bestand, welche wiederum aus fünfzehn Kindern bestanden, der höchste war, waren wir auch dementsprechend die ältesten Schüler.
"Ich möchte hier gar keine langen Reden halten", begann unser Schulleiter Ínos, ein alter Mann mit grauem Haar, der auf einem kleinen Podest stand, nachdem sich alle gesetzt hatten, "deswegen bringe ich es auf dem Punkt: Wir haben einen Neuzugang, der jetzt alt genug ist, um am Unterricht teilzunehmen. Aleya, stehe bitte auf."
Ein kleines Mädchen von vielleicht 12-14 Jahren [das sind in unserer Altersrechnung etwa 5-6 Jahre] stand zögerlich auf.
"Das ist Aleya", sagte Ínos. Das merk' ich mir eh nicht, dachte ich im Stillen.
"Du kannst dich nun wieder setzen", meinte er gutmütig an Aleya gewandt, "Und ihr anderen: Haut rein!"
Sofort stand unser Tisch - die ältesten - auf und stellte sich in einer Reihe an einen langen Tisch, der am hinteren Ende des Raumes lag. Als ich meinen Magen knurren hörte, musste ich unwillkürlich grinsen.
"Hat da jemand Hunger?", fragte Fenria ebenfalls grinsend.
"Wann hab ich denn mal nicht Hunger?", konterte ich.
"Nie!", gab auch Eolo seinen Senf dazu.
Als ich endlich an der Reihe war, was bei 150 Schülern in meinem Jahrgang sehr lang dauerte, nahm ich mir viiieeeel Brot und Suppe.
Die Suppe balancierend, ging ich rasch wieder zu meinem Platz zurück und setzte mich.
Dann - nachdem meine Freunde auch wieder saßen - stopfte ich so schnell es ging das Essen in mich hinein.

Kommentare (1)

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Swity (73478)
vor 752 Tagen
Schreib bitte weiter sonst hast du ein offenes
Ende und es ist ja auch interessant. ;-)!