Verhängnisvolle Zeiten

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1 Kapitel - 912 Wörter - Erstellt von: Failariel - Aktualisiert am: 2015-04-29 - Entwickelt am: - 483 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt

2. Weltkrieg:
Der 16-jährige Jürgen wird zur Armee der deutschen Einheit geschickt, und das gegen seinen Willen

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    „Ich will aber nicht!“ Wütend blicke ich meinen Großvater an. „Ich will nicht für etwas kämpfen, wofür mein Vater gestorben ist!“ Ich laufe vor der Bank, auf der mein gebrechlicher Großvater sitzt, auf und ab.
    Dieser verzieht keine Miene und meint nur trocken: „Du wiederholst dich.“ Ächzend setzt er sich auf. „Ich will auch nicht, dass du gehst, Jürgen, aber dir bleibt nichts übrig. Ob du willst oder nicht, du wirst gehen! Außerdem, was hält dich hier schon? Ein alter Krüppel,“ Er deutet auf sein rechtes Bein, von dem nur noch ein Stumpf übrig ist. „der auch bald ins Grab gehen wird? Pah! Du musst weder dir, noch mir zuliebe so tun, als ob! Zieh in den Krieg, sorge dafür, dass die richtige Seite gewinnt!“ Großvater seufzt.
    Leise, zögernd frage ich: „Und welche ist die richtige Seite?“
    „Das musst du selber entscheiden. Und jetzt geh!“ Er winkt mit der Hand. Traurig trete ich in mein Zimmer und packe meine Sachen. Warum muss dieser Adolf Hitler auch nur einen Weltkrieg anzetteln?
    Ich ziehe meine Tasche hinter mir her und folge dem Soldatenstrom, weg von meiner Heimat. Von meinem Großvater verabschiede ich mich nicht, das konnte ich auch nicht bei meiner Mutter oder meinem Vater.
    Die Tage vergehen wie im Flug. Nachdem die anderen Rekruten, teilweise kaum älter als 14 Jahre, und ich im Armeelager angekommen sind, lernen wir, wie man mit einem Gewehr, wie mit einer Pistole umgeht. Schon schnell wird klar, wie dringend Hitler Truppen gegen Großbritannien braucht. Morgens, noch vor Sonnenaufgang, stehen wir auf, trainieren mehrere Stunden und essen zwischenzeitlich. Danach müssen wir putzen oder noch mehr trainieren.
    Nach mehreren Wochen ist es so weit. „Und Jürgen,“ schallt es durch den Saal. Der Offizier mustert mich durchdringend, als ob er mich auseinander nehmen müsste. „werden zum Dienst an die Front verlegt. Heil Hitler!“ Alle heben die Hand zum Gruß und stimmen in die letzten Worte mit ein.

    „Ach du liebes bisschen!“ Ich ringe verzweifelt nach Luft. Dann nicke ich einem weiteren deutschen Soldaten zu, wie er heißt weiss ich nicht. Geduckt sprinten wir hinter den nächsten Graben. Überall hört man Schreie, die jedoch bald von Schüssen und Explosionen übertönt werden. Knapp einen Meter links von mir liegt eine Leiche, zerfetzt von Wölfen und wilden Hunden. Sie ist schrecklich entstellt. Fliegen kommen aus dem Mund, der Körper ist auseinander gerissen. Nach dem Geruch zu urteilen liegt die Leiche dort schon seit einigen Tagen. Angewidert rümpfe ich die Nase.
    Plötzlich saust rechts neben meinem Ohr eine Kugel vorbei. „Verdammt!“ Probeweise schnippe ich neben meinem Ohr. Nichts. Ich höre rein gar nichts.
    Ehe ich mir darum Gedanken machen kann sehe ich im Augenwinkel eine Bewegung im Gebüsch. Das Etwas krabbelt auf mich zu. Kein Deutscher, schließe ich, er kommt aus der anderen Richtung. In einer einzigen Bewegung packe ich mein Gewehr, ziele und schieße.
    „Ahh!“ Der durchdringende Schrei muss überall zu hören gewesen sein. Ich atme angestrengt ein und aus. „Verflucht!“ Schnell renne ich einige Gräben weiter. Geduckt schleiche ich im Schatten einiger Bäume, als ich einen Knall höre. Ich stolpere. Ein Blutstrom schießt aus einer Wunde an meiner Schulter. Mit blutverkrusteter Hand fasse ich auf das Loch. Knapp unter dem Knochen klafft ein Loch. Nirgends ist der Knochen oder ein wichtiger Muskel verletzt. Erleichtert atme ich aus. Wenn ich mich schone, werde ich den kommenden Abend noch erleben.
    Nach einigen weiteren Schießereien, ich habe nur noch zwei Streifschüsse abbekommen, gehen wir in die Offensive. Die Schützen erheben sich. Schnell überblicke ich die Lage. Nur wenige Briten, kein einziger unverwundet.
    Eine schmale, zerbrechliche Gestalt steht humpelnd auf. Ein Soldat, der sich auf ihn gestützt hat, sinkt kläglich zusammen. Du könntest das auch sein, ermahne ich mich. Um den Toten breitet sich eine Blutlache aus.
    Die schmale Gestalt humpelt auf mich zu und hebt die Hand. „Du!“, bringt der Soldat langsam hervor. Irritiert ziehe ich eine Augenbraue hoch. „Du Mörder!“ Wie eine Furie kreischt der Soldat. „Du hast meinen Bruder umgebracht!“ Ich ziehe meine Pistole, um dem Briten seinen Gnadenstoß zu geben, doch der Verrückte ist schneller. Er hebt das Gewehr.
    Es knallt. Mit weit aufgerissenen Augen blicke ich den Soldaten an. Erst jetzt erkenne ich sein Gesicht. Er kann nicht älter als 15 sein. Dann blicke ich an mir herab. Und was ich sehe, lässt mir den Atem stocken. Ein dunkelroter Fleck, direkt über meinem Herz, wird schnell größer.
    Zu spät realisiere ich, was geschehen ist. Keuchend atme ich aus. Ich blicke auf. Es knallt erneut. Mein Mörder öffnet den Mund. Sein röchelnder Atem ist leise. Aus seinem Mundwinkel tropft Blut, vermischt mit Speichel. Dann kippt er nach vorne.
    Und ich mit ihm!

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Becca ( 12045 )
Abgeschickt vor 757 Tagen
Wow...