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Das Biest und der Tyrann - Teil 10

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1 Kapitel - 7.220 Wörter - Erstellt von: Ronja - Aktualisiert am: 2015-03-09 - Entwickelt am: - 2.861 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

Hier ist der nächste Teil. Hoffe er gefällt euch: D

    1
    Grits Sicht
    Auf dem Rückweg zum Schiff schaue ich mich neugierig um. Vorhin habe ich ja nichts mitbekommen. Es gibt viele Läden und Cafés. Allerdings sieht alles sehr nach Tourismus aus. Ziemlich blöd. „Hey Leute!“ Überrascht drehe ich mich um. Kid hält eine Teleschnecke vor sich und spricht hinein. „Kann sein, dass euch bald die Marine in die Quere kommt. Kann sich nur noch um Minuten handeln, bis der erste Anruf bei denen eingeht. Grit und ich… wie soll ich sagen…“ Kid schaut mich an und grinst. Ich grinse auch und merke wie ich mir wieder unbewusst auf die Lippe beiße. „Wir haben ein bisschen Ärger gemacht. Wirklich nur ein bisschen.“ Aus dem Hörer der Teleschnecke kommen mehrere Bestätigungen. Kid legt auf. Wir gehen weiter und halten wachsam Ausschau. Kid gähnt neben mir ausgiebig. „Ab zum Schiff. Ich bin müde“, sagt er, hält seine Augen aber dennoch aufmerksam offen. Gut gelaunt pfeife ich ein Liedchen vor mich hin. Bald sind wir am Hafen angekommen. Um unser Schiff ist wildes Treiben. Crewmitglieder beladen das Schiff mit neuen Lebensmitteln und ich glaube auch einige Kanonenkugeln zu sehen. Kid und ich gehen aufs Schiff und durch den Speisesaal. „Hey Markus!“, rufe ich laut und winke dem Koch zu. Er steht in der Küche und scheint beschäftigt zu sein. „Hey!“, ruft er und winkt ebenfalls. „Na da hast du ja fette Beute gemacht!“ „Aber sowas von!“, rufe ich zurück. „Und hätte ich sie nicht aufgehalten, dann hätte sie den Laden leergeräumt“, ruft Kid laut und grinst. „Hör nicht auf ihn. Er lügt!“ Wir verlassen den Raum. Ich boxe Kid in die Seite. „Wofür war das denn jetzt?“, fragt er empört. Ich zucke mit den Achseln. „Ach.. einfach nur weil ich dich mag!“ Upps! Klang das irgendwie doof? Kid lacht auf. „Aha! Du magst mich also. Heißt das, du missbrauchst mich heute Nacht wieder als Kissen und Kuscheltier?“ „Oh… ähm…“ Ich räuspere mich und werde wahrscheinlich rot. „Mal schauen. Willst du das denn?“ Der Ton meiner Stimme verändert sich zum Sarkasmus hin. „Oh! Aber natürlich. Wenn sich eine kleine, gut aussehende Rebellin mit einem Kopf voller Dreads an mich kuschelt, kann ich nicht nein sagen“, antwortet Kid ironisch, aber mit einer gewissen Spur ernst. Hat er grade gesagt, dass ich gut aussehe? Er hat tatsächlich gesagt, dass er mein Aussehen gut findet. Ich grinse breit. „Na dann ist gut“, sage ich. Kid öffnet die Tür und hält sie mir auf. „Ladies first!“ Ich ziehe skeptisch die Luft ein und schüttel den Kopf. “Tut mir Leid! Aber ich glaube nicht, dass ich eine Lady bin”, antworte ich und grinse dann. Kid mustert mich, verzieht das Gesicht und sagt: „Stimmt! Du bist nun wirklich keine Lady, aber ich bin ein Gentleman und deshalb halte ich dir die Tür auf.“ „Ein Gentleman, dass ich nicht lache“, sage ich und lache tatsächlich. Ich gehe an ihm vorbei durch die Tür und klopfe ihm auf den Bauch, welcher sich ziemlich durchtrainiert anfühlt. „Du bist ganz sicher kein Gentleman!“ Ich ziehe meinen Mantel aus und lege ihn auf den Tisch. Kid geht auf seinen Sessel zu. „Ach du hast ja keine Ahnung“, sagt er etwas unverständlich und lässt sich in den Sessel fallen. Er lehnt sich zurück, gähnt noch einmal und schließt dann seine Augen. „Gute Nacht“, murmelt er. Was ist denn mit dem los? Warum ist er heute so müde? Hat er letzte Nacht nicht geschlafen? Oh nein! Wahrscheinlich habe ich schrecklich gewühlt und ihn die ganze Zeit wach gehalten. Ich betrachte Kid wie er schläft. Irgendwie sieht er anders aus. Da fehlt doch etwas. Ach ja… seine Brille, die habe ich ja immer noch um den Hals hängen. So wie Kid da liegt, sieht er ziemlich ungeschützt aus. Ich glaube es ist mal wieder Zeit für einen Streich. Mensch! Ich habe ihm ja schon Ewigkeiten keinen Streich mehr gespielt. Mal schauen… Es wird hier ja wohl irgendwo einen Stift geben. Ich durchforste die Schubladen des Schreibtisches. Hier ist nichts. Vielleicht in der anderen… Na was für ein Glück. Es liegen einige Stifte in der Schublade. Ich nehme einen schwarzen und positioniere mich vor Kid. Na dann kann ich meiner Kreativität ja jetzt freien Lauf lassen. Ein Schnurrbart muss auf jeden Fall sein. Ein schwarzes Pandaauge ist auch nicht zu vermeiden. Hoffentlich wacht er nicht auf. Ein paar Sternchen auf die Wange und eine Sonne auf die andere. Sieht ganz gut aus. Jetzt muss ich mein Kunstwerk nur noch signieren. Auf die Stirn schreibe ich „gez.“ und dann in großen dicken Buchstaben „GRIT“. Ich grinse. Der wird sich freuen. Mal schauen was draußen so los ist. Ich ziehe mir einen Pullover über und setze eine Mütze auf. Mit den Händen in den Hosentaschen schlendere ich zum Speiseraum. Es sind relativ viele Crewmitglieder versammelt. Der ganze Raum ist mit einem leckeren Essensgeruch erfüllt. Anscheinend gibt es bald Mittagessen. Ich kann es kaum glauben, dass es erst Mittag ist. Die Zeit mit Kid im Laden kam mir ziemlich lange vor. Zum Essen kommen viele von ihrem Landgang wieder zurück aufs Schiff. Das Essen bekommt man schließlich umsonst. Ich setze mich zu einer Gruppe dazu. „Hallo Jungs!“, sage ich und haue auf den Tisch. „Oh, hey Grit!“, Höre ich John sagen. Ich schaue durch die Runde. Tatsächlich, da sitzt er ja. „Hab dich auf den ersten Blick kann nicht gesehen“, sage ich und lache kurz auf. „Ich sehe, du warst shoppen“, sagt er. Ich ziehe die Kapuze vom Pulli zurecht. „Joa. Habe mir warme Sachen geholt. Nach dem Essen ist eine Schneeballschlacht angesagt. Wehe einer von euch drückt sich!“ Ich zeige drohend in die Runde. „Keine Sorge! Bei einer Schneeballschlacht bin ich immer gern dabei“, sagt einer und „Wir sind doch keine Feiglinge!“ ein anderer. „Hast du die auch neu?“, fragt einer. „Dann bist du mit Kid ja im Partnerlook.“ Was meint er? Ich bin verwirrt und meine Miene zeigt wahrscheinlich genau das. „Die Brille“, sagt er und zeigt auf meinen Hals. Ich schaue runter. Ach ja… Irgendwie vergesse ich immer, dass sie da hängt. „Achso. Jetzt verstehe ich was du meinst. Ne, das ist die von Kid. Ich habe sie mir vorhin nur als Requisite geliehen. Weißt du, in dem Laden gab es nämlich so eine besonders grässliche Mütze. Ich habe sie aufgesetzt, aber irgendwie sah ich noch nicht bescheuert genug aus. Also habe ich mir Kids Brille genommen und aufgesetzt. Damit war es dann schon besser“, antworte ich grinsend. Ein zwei lachen. „Und wo ist Kid jetzt?“, fragt John. Ich deute mit dem Kopf zur Tür. „Hält seinen Schönheitsschlaf.“ Das wird ihm allerdings nichts nützen. Ich grinse dick und fett. Allein der Gedanke daran, dass Kid mit bemaltem Gesicht aufwachen wird, versetzt mich in gute Stimmung. Da wäre ich zu gerne dabei, um seine Reaktion zu sehen. „Was meinte Kid vorhin eigentlich, als er meinte ihr beide hättet Ärger gemacht?“, fragt mich einer grinsend. Ich grinse ebenfalls. „Oh, das! Also… wir haben kurzfristig eine Geisel genommen. Der Typ hat uns blöderweise erkannt und dann haben wir ihn fürs erste in eine Umkleidekabine verstaut.“ „Ihr habt ihn nicht getötet?“, fragt der Typ erstaunt. „Natürlich nicht!“, erwidere ich entrüstet. „In dem Laden gab es super geniale Klamotten, außerdem nehme ich an, dass Kid es auf Streit mit der Marine anlegt. Er möchte, dass der Kerl die Marine verständigt.“ Ich schmunzel geheimnisvoll. „Ehrlich gesagt, habe ich auch nichts gegen eine kleine Prügelei“, sage ich noch. Das war nur gespielt. Wenn ein Kampf ausbricht, dann kämpfe ich, aber ich lege es nicht darauf an. John lacht. „Dann prügle dich doch mit Kid. Wäre ja nicht das erste Mal“, sagt er laut lachend. Ich grinse. „Mal schauen“, antworte ich. „Vielleicht mache ich das auch.“ Eigentlich habe ich Lust noch einmal in die Stadt zu gehen. Viel zu lange war ich jetzt schon auf dem Schiff. Die Schneeballschlacht kann man auch noch morgen machen. Ich brauche auch noch neue Munition, fällt mir grade ein. Na dann nichts wie los! „Naja, wir sehen uns“, sage ich, während ich aufstehe. „Ich geh noch mal in die Stadt.“ Mit den Händen in den Taschen gehe ich zur Kajüte. Kid schläft bestimmt noch. Schade eigentlich… Mein lieber lieber Käpt’n sitzt in seinem Stuhl und schläft friedlich. Das Kinn ist auf die Brust gesackt und die Arme liegen auf den Armlehnen. Sein Gesicht ist mit einem schwarzen Stift angemalt worden, von mir natürlich. Ich grinse. Leise, damit er nicht aufwacht, ziehe ich meinen Mantel und das restliche Zeugs an. Ich möchte alleine in die Stadt. Mal einen Moment ohne den Rest verbringen. Meinen Knarrengürtel binde ich mir über den Mantel um. Es wird jetzt wahrscheinlich wirklich gefährlicher in der Stadt. Ich will nur sichergehen, dass meine Waffen griffbereit sind. Die Brille um meinen Hals wird langsam ungemütlich, aber ans zurückgeben denke ich nicht einmal. Ich schiebe sie einfach auf die Stirn und nutze sie als Kopfband, so wie Kid. Mein Blick schweift zu ihm. Er sieht so friedlich aus, wenn er schläft. Süß irgendwie. Das würde er wahrscheinlich nicht hören wollen, aber ich finde es so halt. Im Vorübergehen streiche ich sanft über seine Hand. Ein Kribbeln durchfährt mich. Ich konnte nicht anders, ich musste es tun. Ich hoffe er schläft… schnell schiebe ich mich aus der Tür raus und schließe diese leise. Ohne die Abkürzung durch den Speisesaal zu nehmen gehe ich raus aufs Deck. Ich verpasse jetzt das Mittagessen, aber ist nicht so schlimm. Habe eh keinen großen Hunger. Auf jeden Fall jetzt noch nicht. Ich atme die Kühle klare Luft ein. Es ist ein tolles Gefühl draußen zu sein. Munter stapfe ich in die Stadt. Der Schnee knirscht unter meinen Schuhen. Wie lange ist es her, dass ich im Schnee war. Außer natürlich vorhin. Es muss schon Ewigkeiten her sein. An den Hausdächern hängen Eiszapfen und die Bäume sind schwer beladen mit Schnee. Gut gelaunt und pfeifend schlendere ich durch die Stadt. Links und rechts sind Läden und Cafés. Hier sieht es viel netter aus, als vorhin. Anscheinend bin ich in einen anderen Teil der Stadt gekommen. Blöderweise kenne ich mich hier absolut gar nicht aus. Wie soll ich hier denn bitte einen Waffenladen finden? Die Passanten auf der Straße beobachten mich. Scheint als wäre mir „Fremde“ ins Gesicht geschrieben. Einige beäugen mich argwöhnisch, andere ängstlich und wieder andere interessiert. Ich muss jetzt jemanden nach dem Weg fragen. „Entschuldigung“, spreche ich einen freundlich lächelnden jungen Mann an. Er bleibt stehen. „Ich bin fremd hier und kenne mich nicht aus. Könntest du mir sagen, wo es hier einen Waffenladen gibt?“ Er nickt. „Zweite Straße links und dann dritte Straße rechts. Der Laden ist dann auf der linken Seite“, antwortet er mit krächzender Stimme. Ich schaue in die Richtung in die er zeigt. Man kann von hier aus schon die zweite Straße links erkennen. „Vielen Dank“, sage ich, während ich mich wieder zurück drehe, aber der Kerl ist nicht mehr da. Komischer Typ! Wie auch immer. Ich biege in die Straße ein. Hier ist schon weniger los. Die Straße ist nicht mehr von Läden gesäumt sondern von Wohnhäusern. Es sind schon alte Häuser, von deren Fassaden der Putz bröckelt. Außerdem sind deutlich weniger Passanten unterwegs. Wachsam gehe ich weiter. In so einer Gegend weiß man nie. Es würde mich nicht wundern, wenn der Kerl mir eine falsche Wegbeschreibung gegeben hätte, damit er mich hier überfallen kann. In meinen Knarren ist noch genug Munition, um mich zu verteidigen, aber ich würde lieber nicht davon Gebrauch machen. Dritte Straße rechts. Ich biege ab. Das Straßenbild ist noch das Gleiche. Es hat sich nichts verändert. Auf der linken Seite soll der Laden sein. Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass hier so weit weg vom Trubel ein Laden sein sollte. Ein Ladenschild hängt schief an der linken Häuserreihe. „Waffenpapi“ steht dort in schwarzen kaum lesbaren Buchstaben. Tatsächlich! Es gibt hier wirklich einen Waffenladen. Ich schaue mich wachsam um und spähe auch durch die Fensterscheiben des Ladens. Drinnen scheint niemand außer dem Verkäufer zu sein. Ich trete ein. „Hi“, sage ich tonlos. Der Verkäufer, ein ungepflegter, grimmig und gefährlich aussehender muskulöser Mann, schaut mich Kaugummi kauend an. Hier ist das richtige Auftreten enorm wichtig. Ich darf weder schwach, noch extrem stark wirken, nicht unwissend, aber auch nicht wissend sein und ich darf mich auf gar keinen Fall tollpatschig verhalten. Das wäre mein sicherer Tod. Naja, nicht so ganz sicher, schließlich kann ich ja kämpfen und mich bestens verteidigen. Ich gehe gelassen und ruhig auf den Tresen zu und lege meine beiden Knarren vor die Nase des Verkäufers. „SX7 21er Kaliber M“, sage ich mit fester selbstbewusster Stimme. Der Verkäufer mustert mich vulgär kauend und zieht unter dem Tresen eine Schachtel raus. Er stellt sie auf den Tresen und schiebt sie zu mir rüber. Während der ganzen Zeit lässt er mich nicht aus den Augen. Er stützt sich auf dem Tresen ab und blickt mich einschüchternd an. Ich knicke aber nicht ein. Diesen Blick habe ich auch drauf, aber der ist hier jetzt nicht gefragt. „Zwei“, sage ich. Der Verkäufer greift wieder unter den Tresen und holt eine weitere Schachtel hervor. Er legt sie wieder auf den Tresen und schiebt sie zur anderen Schachtel. „Eins fünf“, sagt er in einer tiefen rauen Raucherstimme. Ich reiche ihm 150 Berry rüber. Gelassen nehme ich meine Knarren und stecke sie zurück in den Gürtel. Die beiden Schachteln Munition verstaue ich in meinen Manteltaschen. Ich bleibe ruhig stehen, schaue den Verkäufer an und nicke einmal kurz zur Verabschiedung. Der Verkäufer hört für einen Moment auf zu kauen. Er zieht kurz die Mundwinkel runter und blinzelt, um mich ebenfalls zu verabschieden. Dann kaut er weiter. Ich drehe mich um und gehe zur Tür. Meine Hand ist bereits an der Türklinke, als ich die Stimme des Verkäufers wieder höre. „Die da draußen wollen nur dein Geld.“ Nur mein Geld? Ich glaube nicht, dass ich es ihnen geben werde. Wer ist eigentlich da draußen? Wer sind die? Wahrscheinlich der Typ von vorhin und seine kleinen Freunde. Ruhig aber kraftvoll öffne ich die Tür. Gegenüber an der Hauswand lehnt ein breitschultriger Kerl. Er beobachtet mich. Jetzt da ich aus den Laden trete, löst er sich von der Wand und kommt näher. Ich drehe mich nach rechts und gehe den Weg, den ich gekommen bin. Wenn es zu einem Kampf kommen sollte, wäre ich lieber an einem Ort, welcher nicht so tief im Gesetzlosenviertel ist. Ich bin an der Ecke, an welcher ich in die dritte Straße rechts eingebogen bin. Am linken Ende der Straße ist wieder die Straße mit den Läden. Aus den Schatten der Häuser kommen nun allerdings mies aussehende Kerle mit Schlagstöckern und anderen Waffen. Na super! Ich stelle mich breitbeinig auf und lege meine Hände lässig auf meinen Knarren ab. Auf gar keinen Fall einknicken! Lasse ihnen das erste Wort, aber lass sie nicht über das Gespräch bestimmen. Die Schlägertypen stellen sich jeweils in die Straßeneingänge und versperren mir so jeden Fluchtweg. Zu mindestens jeden horizontalen Fluchtweg. Ich schaue mich unauffällig um. Die Hausecke rechts vor mir. Wenn ich auf die Mülltonne springe, könnte ich von dort aus das Fenstersims im zweiten Stock zu fassen bekommen. Von da aus komme ich locker auf das Dach. Für alle Fälle. Ich erkenne den Typen mit der krächzenden Stimme. Er grinst dreckig und lässt die Fingerknöchel knacken. Etwas vor ihm steht ein breiter Kerl mit gepflegtem Bart. Er hat eine Zigarre im Mundwinkel und trägt einen Hut. „Was führt eine junge Dame wie Sie in eine so hässliche Gegend?“, fragt der Zigarrentyp. Ich schaue ihm direkt in die Augen. Er steht ein paar Meter von mir entfernt. „Dein Handlanger hat mich hierhin geschickt“, antworte ich kühl und emotionslos. Der Kerl neigt überrascht seinen Kopf. „Mein Handlanger? Toni hör‘ dir das an. Die junge Dame hat dich als meinen Handlanger bezeichnet“, antwortet der Zigarrentyp amüsiert. „Nein, nein! Er ist nicht mein Handlanger junge Dame. Er ist mein Sohn.“ Upps! Bloß nichts nach außen anmerken lassen. „Achja?“, antworte ich gleichgültig. Hauptsache hier passiert gleich mal etwas. Langsam geht mir das auf die Nerven. Diese angespannte Situation ist einfach nur nervig. Er schaut mich fies grinsend an und sagt: „Ja und…“, doch er wird unterbrochen. „Oh Pablo! Halt den Mund. Er mag dein Blut in sich haben, aber ist tatsächlich dein Handlanger.“ Ein Mann in schwarzem Anzug und polierten Schuhen kommt aus einer anderen Gasse. Hinter ihm mehrere gut gekleidete, dennoch böse dreinschauende Männer. „Ist das dein Revier, Rian?“, fragt Pablo mit einem sehr gefährlichen Unterton. „Nein! Aber die kleine Schlampe dort, hat auf meinem Boden gesündigt“, antwortet Rian wütend. Na toll! Bin ich hier etwa mitten in einen Bandenstreit geraten? Darauf habe ich echt keine Lust, vor allem werden es immer mehr. Das Gute ist allerdings, dass ich nicht alle fertigmachen muss. Die werden sich gegenseitig angreifen und für mich einige Angreifer aus dem Verkehr ziehen. Genervt streiche ich mir über die Stirn und bekomme die Brille zu fassen. Kid! Das ist es! „Ähm… ich will euch ja nicht unterbrechen, aber ich habe keine Lust euch beim Streiten zuzuhören. Ich mache euch einen Vorschlag. Ihr lasst mich gehen und ihr sucht euch ein schönes Plätzchen zum weiterstreiten. Das ist die einfachste Lösung für uns alle“, erkläre ich laut im geschäftigen Ton. Pablo lacht auf und Rian grinst. „Kommt nicht in Frage! Du hast mein Revier betreten, ohne zu bezahlen. Dafür musst du jetzt mit mehr als nur Geld bezahlen“, droht er mir. Ich grinse ihn bedrohlich an. „Wenn du das tust, wird nicht mehr viel von dir oder deinen Leuten übrig bleiben. Kid wird das nicht einfach Geschehen lassen“, sage ich mit gefährlicher böser Stimme. Pablo scheint ein ziemlich guter Pokerspieler zu sein. Sein Gesicht verzieht sich kaum. „Ja stimmt. Ich habe gehört, dass die Kid-Piraten jetzt ne Göre an Bord haben. Allerdings siehst du, soweit ich weiß, nicht wie der Typ Frau aus, den Kid normalerweise in sein Bett lässt. Scheint als ob du nur eine Notlösung wärst“, sagt Pablo spöttisch. In mir kocht es. „Was hast du gesagt?“, presse ich wütend mit gequetschter Stimme hervor. Was denkt er eigentlich, wie er über mich spricht? Rian lacht. „Der Typ hat doch eh nichts auf dem Kasten. Der ist sein Kopfgeld nicht einmal Wert. Vor dem hab ich keine Angst. Und vor dir auch nicht, du kleines Biest“, sagt er. Meine Hände umfassen meine Knarren so doll, dass meine Knöchel weiß anlaufen. Ich will die beiden töten. Sie sind über Kid und auch über mich hergezogen. Das werde ich ihnen nicht verzeihen. Außerdem hat er kein Recht den Spitznamen zu benutzen, den Kid für mich hat. „Ich zeige euch jetzt, was es heißt, sich mit den Kid-Piraten anzulegen!“, rufe ich laut und ziehe meine Revolver aus dem Gürtel. Mit dem einen ziele ich auf Pablo mit dem anderen auf Rian, aber ich drücke nicht ab. Beide geben ihren Männern das Zeichen zum Angriff. Ich darf meine Munition nicht verschwenden. Ich werde keine Zeit haben nachzuladen. Das Wichtigste ist jetzt erst einmal, eine andere Waffe zu bekommen. Ich stecke die Knarren weg. Die ersten Angreifer erledige ich elegant mit einigen Kicks. Einer lässt seinen Knüppel fallen. Na das ist doch mal etwas. Ich schnappe ihn und schlage um mich auf die Angreifer ein.

    Kids Sicht
    Boah! Das Nickerchen tat gut. Ich reibe mir übers Gesicht. Was ist das denn? Auf meinen Händen ist schwarze Farbe. Ich stehe mühselig auf und gehe zum Spiegel. Was zum…? Wie sehe ich denn bitte aus? „Grit!“, entfährt es mir. Ich grinse. Alles klar! Sie möchte also ein bisschen Streiche spielen. Das kann sie gerne haben. Ich schaue mich im Zimmer um. Wo ist sie eigentlich? Wahrscheinlich im Speisesaal. Ist es jetzt nicht auch Essenzeit? Ah ne, die habe ich wohl schon verpasst. Ich muss dieses Zeug runterbekommen. Mit viel Wasser und Seife versuche ich die Farbe von meinem Gesicht zu bekommen. Gar nicht so leicht. Das Zeug ist ziemlich hartnäckig. Oh Grit! Das wirst du bezahlen… na geht doch! Ich trockne mir das Gesicht ab und fahre mir einmal durch die Haare. Es ist ganz schön ungewohnt, ohne meine Brille auf dem Kopf. Ich werfe mir meinen Mantel über und schlendere zum Speiseraum. Es halten sich nicht besonders viele im Raum auf. Die Meisten sind unterwegs und genießen den festen Boden unter den Füßen. Ich schaue umher und kann Grit nirgends entdecken. Allerdings entdecke ich Killer, der am Tresen sitzt und sich scheinbar etwas anschaut oder nachdenkt oder so. Ich gehe zu ihm rüber. Stillschweigend setze ich mich neben ihm. „Die Marine wird uns noch angreifen, oder?“, fragt Killer in einem normalen Ton. „Jo“, antworte ich kurz angebunden. „Gut“, erwidert Killer und richtet sich auf. „Proviant und Munition ist alles an Bord.“ „Alles klar!“ Die Tür wird aufgerissen und eine Sekunde später wieder laut zugeschlagen. Ich drehe mich um. Grit kommt mit wütenden stampfenden Schritten von draußen in den Speiseraum. Ihre Fäuste sind geballt und ihr süßes Gesicht zu einer wütenden Fratze verzogen. Dreck ist auf ihrem neuen Mantel und sie scheint Wunden im Gesicht zu haben. Was zum Teufel ist mit ihr passiert und welches Dreckschwein hat ihr das angetan? Ich stehe auf und stelle mich ihr in den Weg. „Was ist passiert?“, frage ich ernst. „Lass mich durch!“, antwortet Grit mit sehr wütender Stimme. So habe ich sie bisher noch nie erlebt. „Nein!“ Ich fasse ihren Arm, als sie an mir vorbeigehen will. Grit stockt. Sie schaut auf meine Hand. Ihr Kopf neigt sich langsam nach oben. Da ist so viel Wut in diesem Blick. Das passt nicht zu ihr, das gehört nicht zu ihr. „Wenn du mich nicht loslässt, dann haue ich dich!“, droht sie mir. Ich ziehe eine Augenbraue hoch. „Sag mir jetzt, was passiert ist!“ In ihren Augen sehe ich, dass sie es mir nicht sagen wird. Auf jeden Fall nicht hier und jetzt. Verdammt! Ich lockere meinen Griff und Grit reißt sich los. Sie hat mir ins Handgelenk gebissen und zwar ziemlich doll. Ein dünner Blutfaden Läuft mir übers Handgelenk. „Lass mich einfach in Ruhe!“, ruft sie aufgebracht und verschwindet aus dem Speisesaal. Was ist verdammt noch einmal passiert? Warum will sie es mir nicht sagen? Ich glaube es ist keine so gute Idee ihr jetzt nachzugehen. Außerdem hat sie ja auch gerade gesagt, dass sie alleine sein will. Ich wende mich zu Killer und gehe zu ihm zurück. Im Raum ist wildes Gerede. Wahrscheinlich redet jeder über den Vorfall grade. „Willst du ihr jetzt nicht nachgehen, oder was?“, fragt Killer mir überrascht. Ich gucke ihn verwirrt an. „Sie will allein sein.“ „Du Idiot! Bist du noch ganz dicht? Los! Hinterher!“ Killer zeigt Richtung Tür. Vielleicht hat er Recht. „Okay, okay!“, antworte ich beschwichtigend. Bevor ich den Raum verlasse, kommen mir Heat und Wire entgegen. „Käpt’n?“, sagt Heat. „Krieg ich jetzt meinen Dreizack wieder?“, fragt Wire. Ich wimmel sie schnell ab. „Jaja! Killer hat ihn“, antworte ich knapp. Die beiden machen mir Platz und ich gehe in meine Kajüte. Im Türeingang liegen ihr Mantel und ihr Waffengürtel. Allerdings nur mit einer Waffe. Scheiße! Du gibst dir doch jetzt wohl nicht die Kugel? „GRIT?“, rufe ich laut. Keine Antwort. Ich schaue mich hektisch im Zimmer um. Hier ist sie nicht. Wo ist sie dann? Die Gummizelle! Ich renne aus der Tür raus und den Gang runter bis zum Ende. Kraftvoll reiße ich die Tür auf und stürze rein. Grit hängt am Boxsack. Sie hält sich daran fest und weint. Ein Stein, so groß wie ein Berg, fällt von meinem Herzen. Sie lebt. Ich gehe auf sie zu. „Hey Grit“, sage ich in beruhigender Stimme. Oh man! Sowas kann ich ja gar nicht. Grit schaut mich an, das Gesicht verzerrt und mit Tränen benetzt. „Was ist denn los?“, frage ich vorsichtig. Nicht, dass sie mich wieder beißt. Ihre Tränen hören auf. Sie zieht ihre Nase hoch. „Die Schweine haben meine Knarre geklaut und meinen neuen Mantel dreckig gemacht“, erklärt sie mit gebrochener Stimme. Ich muss lächeln. „Deshalb warst du so wütend?“, frage ich belustigt. Das kann doch nicht ihr ernst sein. Selbst wenn ihr die Knarren wichtig sind, woran ich keinen Zweifel habe, regt sie sich ein bisschen zu sehr auf. Den Mantel kann man ja schließlich auch wieder waschen. Grit antwortet nicht und schaut nur auf den Boden. Ich komme noch einen Schritt näher. „Und wer hat sie geklaut?“ Sie schaut mich an. „Rian und seine Leute.“ „Wer sind die?“ Den Namen habe ich noch nie zuvor gehört. Kennt sie die etwa? „Seiner Bande gehört das Revier in dem der Laden steht, wo wir eingekauft haben“, antwortet sie. Achso! Jetzt macht das Sinn. Er wollte sich rächen. Aber die hat sie doch sicher mit links erledigen können? „Und warum warst du jetzt so wütend?“, frage ich noch einmal nach. Grit lässt den Boxsack los und stellt sich grade vor mich. Sie wischt sich mit dem Handrücken die Tränen aus dem Gesicht und schaut mich finster an. „Sie haben sich über dich lustig gemacht und mich beleidigt“, sagt sie wieder mit dieser wütenden Stimme. „Das hat mich schrecklich wütend gemacht. Ich wollte mich nur noch an ihnen rächen und habe sie gehasst. Genau das hat mich nur noch mehr wütend gemacht, weil ich so etwas nicht fühlen will. Hass ist scheiße, man! Hass fesselt einen und macht einen nicht frei. Meine Mama hat immer…“ Ihre Stimme versagt. Tränen laufen wieder ihre Wange runter. Sie soll nicht weinen. Ich überbrücke den letzten Abstand und bevor ich mich stoppen kann, nehme ich sie in den Arm. Mit der linken Hand halte ich ihren Kopf an meinen Körper gedrückt mit dem anderen Arm halte ich ihren Oberkörper fest. Ich neige meinen Kopf zu ihr runter. Ihre Nähe macht mich verrückt. Das war bestimmt eine richtig bescheuerte Idee. Normalerweise mache ich mir nie Gedanken über solche Sachen. Ich tue es einfach, aber bei Grit bin ich mir immer unsicher. Sie legt gar nicht ihre Hände um mich… Ich hätte das nicht tun sollen. Ich muss sie loslassen. Sie will das nicht. Was ist das? Ich spüre einen leichten Druck in meiner Seite und auf meinem Rücken. Auf der anderen Seite jetzt auch. Der Druck wird stärker. Es sind Grits Arme. Sie legt sie um mich und hält sich an mir fest. Ich bin glücklich. Ich bin endlos glücklich. Am liebsten würde ich es jetzt sagen, aber ich glaube der Moment ist nicht so passend. So sensibel bin ich dann auch grade noch. Ich kraule leicht ihren Kopf. „Man kann nicht immer alles richtig machen. Manchmal muss man Rache nehmen“, erkläre ich ihr ruhig. Ich kann sowas echt nicht. „Wir sind Piraten! Das gehört einfach dazu. Man muss versuchen den Hass von der Rache trennen.“ Ich weiß selber, wie schlecht es ist Rache zu nehmen, aber wenn man sich als Pirat gegen andere behaupten möchte, dann muss man manchmal etwas brutal sein. Grit krallt sich in meinen Mantel fest. Ich liebe sie! Wir bleiben noch ein bisschen so stehen. Wie auf Kommando lassen wir uns beide gleichzeitig langsam los. „So und jetzt ist es Zeit deine Knarre wiederzuholen. Nur weil du keine Rache ausübst heißt das nicht, dass ich das nicht tue. Die Typen haben jemanden aus meiner Crew angegriffen und mich beleidigt. Ich muss denen zeigen, dass man so etwas nicht mit mir macht“, sage ich entschlossen und grinse. Grit schaut mich mit geröteten Augen an und lächelt schräg. Ich strecke meine Hand aus und berühre ihr Gesicht. Nicht schon wieder! Bei ihr habe ich mich nie unter Kontrolle. Grit schließt die Augen und schmiegt sich an meine Hand. Ein Lächeln umspielt ihre Lippen. „Scheiße man, Kid! Du machst mich ganz verrückt. Ich will dich! Ich brauch dich! Verdammt noch einmal, ich liebe dich!“, murmelt Grit, doch ich kann es klar verstehen. Oder habe ich mir das nur eingebildet? Das kann doch nicht sein. „Was war das?“, frage ich mit leiser Stimme. Grit macht die Augen auf und fragt: „Was war was?“ Es kann doch nicht sein, dass ich mir das eingebildet habe. „Was hast du eben gesagt?“ Grits Augen weiten sich unnormal. Sie nimmt einen erschreckten Gesichtsausdruck an. „Habe ich das gerade laut gesagt?“, flüstert sie, gerade noch laut genug, dass ich es verstehen kann. Ich streiche mit dem Daumen über ihre Wange. Es geht nicht anders, ich muss lächeln. „Ja, das hast du“, antworte ich glücklich. „Und?“, fragt sie und ich kann ihre Angst förmlich spüren. Wie kann sie nicht wissen, dass ich sie liebe? „Ich hätte es dir schon heute Morgen gesagt, wenn die Vollidioten nicht gestritten hätten. Grit, ich liebe dich!“ Endlich ist es raus. Endlich konnte ich es mal sagen. Grits Mimik verändert sich zu einem überraschten Gesichtsausdruck. Ein positiv überraschter Gesichtsausdruck. Ein Grinsen erscheint auf ihrem Gesicht, welches ich noch nie gesehen habe. Sie sieht so unendlich glücklich aus. „Heißt das“, beginnt Grit ihren Satz und hält sich aufgeregt an meinem Arm fest. „Heißt das, wir sind jetzt zusammen?“ Ich grinse. Sie ist zu süß. Wie sie sich freut. „Könnte man so sagen“, antworte ich und kann mir ein kurzes Lachen nicht verkneifen. Grit kann kaum still stehen und ein quicken entfährt ihr. Sie fällt mir um den Hals und legt ihre Stirn auf meinen Brustkorb. „Ich bin glücklich“, flüstere ich in ihr Ohr. Sie lässt mich wieder los, schaut mir in die Augen und sagt mit ihrem unglaublich großen und glücklichen Grinsen: „Ich auch!“ „Das sieht man“, antworte ich lachend. Grit öffnet ihren Mund, als ob sie etwas sagen möchte. Stattdessen holt sie tief Luft und stößt sie schnell wieder aus. „Los geht’s! Verhauen wir ein paar Ärsche!“ Sie bleibt noch einen Moment stehen, dann dreht sie sich abrupt um und bewegt sich Flick Flack machend zur Tür. Erstaunlich wie schnell sich ihre Laune geändert hat. Grinsend folge ich ihr. In meiner Kajüte ist sie bereits in Gange sich den Pullover mit meinem Totenkopf anzuziehen. „Fang!“, ruft sie mir zu und wirft mir meine Brille zu. „Ah! Danke. Die habe ich schon vermisst“, antworte ich grinsend. Ich hebe ihren Waffengürtel auf und reiche ihn ihr. „Danke!“ Sie macht ihn sich um. Ich hebe nun auch ihre Jacke auf. „Was hast du denn da drinne? Fühlt sich an, als hättest du da Gewichte in den Taschen“, sage ich erstaunt und pendel die Jacke ein bisschen hin und her. „Oh!“, stößt Grit aus und schaut auf die Jacke. „Ohhhh! Das ist die Munition, die ich vorhin gekauft habe.“ Sie greift in die Tasche und holt eine Schachtel heraus. Während sie die Munition in ihren Revolver macht, setze ich meine Brille wieder auf. „Die ist für die andere“, erklärt sie und steckt ein paar Kugeln in ihre Hosentasche. „So! bist du endlich soweit?“, fragt sie und grinst mich an. „Ob ich bereit bin?“, frage ich spöttisch. „Ich warte wie immer nur auf dich.“ Ich gehe zur Tür. Grit folgt mir protestierend. „Du wartest gar nicht immer auf mich. Ich brauche ja nicht einmal lange, um mich fertig zu machen.“ Ohne eine Antwort gehe ich weiter. Ich bin zu glücklich. Ich kann nichts erwidern. Vor allem aber kann ich es kaum fassen, dass wir jetzt zusammen sind. Ich schaue zu Grit und grinse. Sie sieht zu mir und grinst ebenfalls. Ihr geht es genauso, dass spüre ich. Ich stoße die Tür zum Speisesaal auf. „Alle herhören!“, rufe ich laut im Befehlston. Es wird schlagartig ruhig und alle Köpfe im Raum drehen sich zu mir. „Jemand aus meiner Crew wurde in der Stadt belästigt und mein Name wurde in den Dreck gezogen. Wer ist dabei?“ Laute Zustimmungsrufe ertönen. „Kid!“, ruft Killer mir zu und kommt mir entgegen. „Die Marine wird wahrscheinlich bald hier sein.“ „Wie viele sind noch in der Stadt?“ „Vielleicht ein Viertel der Crew.“ Ein Viertel… „Sag allen über Teleschnecke Bescheid, dass sie zum Schiff kommen sollen und zwar sofort. Es wird eine kleine Prügelei geben. Oder auch eine etwas größere…“ Killer tut sofort, was ich ihm sage. „Ein Teil von euch bleibt hier und fängt die Marine ab, der andere größere Teil kommt mit mir in die Stadt. Killer hat hier das Kommando!“, ordne ich an. Schlachtrufe und zustimmendes Gebrüll ist zu hören und die Männer machen sich auf, um sich vorzubereiten. Ich schaue zu Grit. Sie grinst immer noch und schaut mir in die Augen. „Komm wir gehen schon mal raus“, sage ich und wir gehen Richtung Tür. Killer fängt uns ab und sagt: „Die meisten sind in der Nähe und brauchen nicht lange.“ Ich nicke. „Gut! Sie sollen hier bleiben und das Schiff verteidigen“, ordne ich an. Killer nickt. Er schaut Grit eine Weile an. „Was ist mit der eigentlich los? Die hört ja gar nicht mehr auf zu Grinsen“, sagt er dann irritiert. Grit haut ihn gegen die Schulter. „Nur weil du niemanden zeigst, wie es dir geht, heißt das noch lange nicht, dass ich meine Gefühle verstecken muss“, antwortet sie frech. Ich liebe ihre Schlagfertigkeit. „Das hat man vorhin gemerkt!“, sagt Killer emotionslos. Grit streckt ihm die Zunge raus. Er nickt mir noch einmal zu und geht dann weg. „Ich glaube du hast ihn verärgert“, sage ich grinsend. Grit schaut mich schuldbewusst an. „Wirklich?“, fragt sie vorsichtig. „Ja, aber mach dir nichts draus. Er wird dir schon nicht böse sein. Dir kann man kaum richtig böse sein“, erkläre ich ihr und lächle sie an. Ich habe noch nie so viel gelächelt, wie seitdem ich sie kenne. Grit boxt mir lachend in die Schulter. „Ach Quatsch! Man kann mir sehr wohl böse sein“, meint sie. „Nein, kann man nicht!“, antworte ich und beharre auf meiner Meinung. Es ist einfach wahr. Ich weiß, dass ich Recht habe. „Glaub ich nicht“, sagt Grit, aber es klingt nicht so ganz überzeugt. Draußen scheint die Sonne. Wir gehen aufs Deck. „Du kommst jetzt also doch mit in die Stadt?“, frage ich Grit. Sie antwortet mir nicht. „Grit?“ Ich schaue zur Seite. Sie ist nicht mehr da. Watsch! Mir ist ein Schneeball gegen den Hinterkopf geflogen. Ich reibe mir die getroffene Stelle und schaue mich um. Grit hockt lachend am Boden und knetet bereits den nächsten Schneeball. Bevor ich reagieren kann, kommt er angeflogen und trifft mich an der Schulter. „Na warte!“, rufe ich grinsend. Das bekommt sie zurück. Ich laufe auf sie zu, doch Grit nimmt sich noch eine Ladung Schnee und läuft kreischend weg. Sie wirft einen Schneeball, aber trifft mich nicht. Stattdessen fange ich den Ball. Grit hangelt sich geschickt am Geländer hoch und erreicht so das erhöhte Vorderdeck. Ich werfe den Schneeball, aber Grit ist sehr schnell und weicht aus. Sie lacht laut auf und klopft sich den Schnee von den Handschuhen, während sie triumphierend auf dem Geländer steht. „Freu dich nicht zu früh!“, rufe ich ihr grinsend zu. Ich strecke meine Hände aus und benutze meine Teufelskräfte. Grit schwankt, dann hängt sie plötzlich in der Luft und kommt mir immer näher. „Was soll das? Lass das!“, ruft sie, aber ich lasse sie jetzt ganz sicher nicht los. Erstens würde sie runterfallen und ich will ihr nicht wehtun und zweitens braucht sie eine kleine Abreibung. Dank ihrer Waffe, ziehe ich Grit mit meinen magnetischen Kräften ganz zu mir. Beim Aufkommen auf den Boden, stolpert sie und fällt hin. Das ist meine Chance. Ich seife sie ordentlich mit Schnee ein. Grit kreischt vergnügt und versucht sich zu wehren. Sie wirft mir Schnee ins Gesicht und versucht mich wegzudrücken. Plötzlich umfässt sie mich mit ihren Armen und rollt mich auf den Rücken. Sie sitzt jetzt grinsend auf meinem Bauch und drückt mir Schnee ins Gesicht. Ich kriege so einiges ab, bevor ich schützend meine Arme hebe und Grit erfolgreich abwehre. Sie nimmt sich noch eine große Ladung Schnee, lässt sie auf mich herabfallen und läuft dann lachend weg von mir. Ich rappel mich schnell auf. Grit läuft zur Tür, die nach drinnen führt und guckt nach hinten. Ich sehe ihren triumphierenden Blick, aber ich sehe auch die Leute, die gerade aus der Tür kommen. „Freue dich nicht zu früh“, murmle ich und sehe auch schon wie Grit kreischend mit jemanden zusammenstößt. Ich lache laut auf und gehe zu ihr hin. Grinsend reiche ich ihr meine Hand. Sie nimmt sie grinsend an und ich ziehe sie hoch. Es kommen immer mehr Männer aufs Deck. „Seid ihr bereit?“, frage ich laut, als so ziemlich alle draußen sind. „Dann los!“ Grit und ich führen meine Männer an. Sie scheint ziemlich gut gelaunt zu sein. Ich kann es gut verstehen. Schließlich bin ich auch immer noch ganz schön froh über den plötzlichen Wandel vorhin. Wer hätte gedacht, dass wir zusammenkommen, nachdem Grit erst so schlecht drauf war. „Ey Kid! Wen wollen wir eigentlich fertig machen?“, fragt John. Er geht auf meiner linken Seite und trägt seine Waffe über der Schulter. Es ist ein Morgenstern. „So eine Bande hat mich beleidigt“, erkläre ich ihm und fahre dann etwas grimmiger fort: „Außerdem haben sie Grit angegriffen und eine ihrer Waffen gestohlen. Die werden nicht so einfach davonkommen.“ John nickt entschlossen. „Verstehe!“, antwortet er. Die Passanten auf den Straßen machen uns ängstlich Platz. Viele suchen Schutz in den Läden und Cafés. Aber einige Männer drücken sich auch in den Hauseingängen und in kleinen Gassen. Ich beobachte sie unauffällig, während ich zielsicher geradeaus laufe. „Da die zweite Straße links. Das ist das Revier von Pablo und da wir grade mit einer halben Armee durch Rians Revier marschiert sind, wird der dort bestimmt auch auftauchen“, erklärt mir Grit sehr sachlich. „Und wer ist jetzt Pablo?“, frage ich überrascht. Gibt es hier etwa Bandenkriege oder was ist hier los? „Ach der! Pablo ist nur ein anderer Bandenboss. Er wollte, dass ich mit Blut bezahle, weil ich nicht mit Geld bezahlt habe. Im Grunde eine Nichtigkeit“, sagt sie als wäre es keine große Sache. Der Typ wird bezahlen. Er wollte Grit etwas antun. Das werde ich nicht verzeihen! „Eine Nichtigkeit? Grit, er wollte dich töten! So etwas wird von mir nicht toleriert!“, erkläre ich ihr grimmig. Ich hoffe die Kerle zeigen sich bald. Ich will ihnen endlich beibringen, wie man sich gegenüber einem Mitglied meiner Bande zu verhalten hat. Und dann auch noch Grit gegenüber. Da verstehe ich keinen Spaß! „Machst du dir etwa Sorgen um mich?“, fragt sie überrascht und lächelt mich von der Seite an. Ihr Blick durchdringt mich und bringt mich eine Sekunde lang aus der Fassung, aber ich fange mich schnell wieder. Ich muss hier jetzt aufpassen. Wir sind im feindlichen Gebiet. Ich schaue nach vorne ohne etwas zu sagen. Natürlich mache ich mir Sorgen! Schließlich liebe ich sie ja. Und wie ich sie liebe! Wenn ihr wieder irgendetwas zustößt… das wäre der reinste Albtraum. „Kid. Schau mich an! Ich bin nirgends richtig verletzt. Die einzigen Verletzungen sind ein paar blaue Flecke. Er hat mir nicht wehgetan, okay?“, erzählt sie mir mit beruhigender Stimme. Ich nicke langsam. Er hat ihr vielleicht nicht wehgetan, aber er hat ihr gedroht. „Hier ist es!“, sagt Grit plötzlich und hält mich am Arm fest. Ich schaue in die Gasse. Der Schnee ist plattgetreten und es gibt weitere Kampfspuren. Allerdings ist niemand zu sehen. Wir gehen ein Stück in die Gasse rein. Ich bleibe stehen und stell mich direkt in die Mitte. Mit verschränkten Armen und einem gefährlichen Grinsen auf den Lippen rufe ich laut: „Hallo, halloo!“ Es bleibt still. Keine Antwort! „Wir werden euch nicht suchen. Entweder kommt ihr von allein oder wir räuchern euch raus!“ Sie werden kommen. Das weiß ich. Es ist immer so! Irgendwo aus einer der drei Gassen, die sich hier kreuzen, höre ich Kampgeschrei, welches näher kommt. Noch ist es gedämpft von den hohen Häusern und dem tiefen Schnee, aber es wird eindeutig lauter. Ich glaube es kommt von vorne. Von rechts höre ich aber auch etwas und von links scheint ebenso jemand zu kommen. Also Gut, sie greifen von drei Seiten an. „Ich will mir nur meine Waffe wiederholen“, sagt Grit. „Ich glaube ich verschaffe mir mal einen besseren Überblick.“ Sie scheint schon im nächsten Augenblick verschwunden zu sein. Habe ich mir das gerade eingebildet oder hat Grit mich noch einmal kurz am Arm berührt? Die Berührung war so flüchtig, dass ich mir nicht sicher bin.

Kommentare (110)

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Rosa (03587)
vor 2 Tagen
Wann schreibst du wieder weiter?
Bahar (99888)
vor 285 Tagen
Ich finde es echt klasse das du immer am
Spannendesten Platz aufhörst da bekommt Mann
ja mehr Lust zu lesen
Hikari (52165)
vor 296 Tagen
Nein würde ich nicht Ronja , aber deswegen iSt es so blöd weil es genau wirklich die spannendste stelle ist
Ronja (57034)
vor 296 Tagen
Ich weiß, ich weiß. Würdest du schlecht über mich denken, wenn ich dir sage, das war mit Absicht? Fortsetzung folgt bald...
Hikari (52165)
vor 297 Tagen
OMG! SO ETWAS DARF MAN KEINEM ANTUN😱 an der spannendsten
Stelle einfach aufhören.......Bitte schreib schnell weiter!!!!!!!
P.S.
Respekt, ich könnte Soetwas nicht . Mach weiter so😉
alegssa (22446)
vor 301 Tagen
Ich hab schon so gespannt gewartet. Bitte schreib schnell weiter 😍😍
Bahar (10063)
vor 303 Tagen
Respekt du kannst schreiben wie ne Profi.
P.S
Mich hast du schon als Bewunderer
angle of life (63895)
vor 304 Tagen
Coool der neue Teil ist echt so toll 😊
Ich finde die Story eine von den besten ! Bitte mach schnell weiter!
Ich möchte gern wissen wie es weiter geht. Mach weiter so!
loliee (10932)
vor 374 Tagen
Das ist DIE BESTE ff, die ich bis jetzt gelesen hab, um ehrlich zu sein;)
♥☺♥☺♥☺♥☺♥☺
Monkey D Woosmann (89282)
vor 383 Tagen
cool der neue Teil
SAKURA (64916)
vor 410 Tagen
Wann kommt der 36 Teil die Geschichte is voll cool
Ronja (14911)
vor 427 Tagen
Ich find es super cool, dass du dir so Gedanken machst, wie es wohl weitergeht. Ob Grit Königshaki hat weiß ich nicht so genau. Ich kann es mir eigentlich nicht vorstellen, aber wer weiß. Sie überrascht einen immer wieder ;)
Gol D. Lea (64467)
vor 427 Tagen
Bittttee schreib weiter ich finde diese geschichte so cool ich hätte
sogar eine Idee wie es weiter gehen könnte ; nähmlich das die kid piratrn
in einen kampf mit der marine haben aber da dabei auch der admiral
kuzan oder wie der heisst dabei ist könnnen die kid piraten nicht gewinnen
Den sie sind dan alle auch schon stark mitgenommen und als dan dieser
Admiral dan kid und die anderen töten will setzt dan Grit Königshawki frei
Und besiegt sie dan weil du hast schon so mit dem Hawki angefangen das
Sie und kid es trainieren da wäre das glaube ich eine coole wenden das dan
Grit Königshawki erweckt aber es ist deine FF es wäre jetzt nur von mir
Ein Vorschlag.
Bahar (00301)
vor 453 Tagen
Ist nicht schlimm aber es würde mich freuen wenn
du bald weiter schreiben könntest den das ist
meine aler Liebste Geschichte überhaupt ❤️😍😂😜
Vicky (55748)
vor 479 Tagen
OK danke für die Info
Ronja (58949)
vor 480 Tagen
Hey Vicky. Bisher sind es nur 33 Teile. Schreibe grade den nächsten aber bin in letzter Zeit kaum zu Hause. Deshalb dauert es ein bisschen 😊
Vicky (40966)
vor 483 Tagen
Hallo Ronja wie viele Teile giebt es den insgesamt ? Die fanaction war so cool ich bin jezt bei 33 giebt es noch mehr ?
Lu (48365)
vor 496 Tagen
Ich finde die story echt cool obwohl ich mir garnicht mag😃! Bitte schreib weilet
Rika Nara/Weasley (16164)
vor 503 Tagen
Ach so, bei Kid kann man ja nie wirklich wissen
wie er gerade so drauf ist :-) Schreib bitte
schnell weiter. Bei so SCHÖNEN Geschichten
kann ich es immer NICHT ABWARTEN. :-)
Ronja (45778)
vor 504 Tagen
@Rika Nara/Weasley Kid hat nur eine Ansage gemacht. Es wurde niemand zusammengeschrien ^^