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Das Biest und der Tyrann - Teil 9

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1 Kapitel - 6.501 Wörter - Erstellt von: Ronja - Aktualisiert am: 2015-02-24 - Entwickelt am: - 3.076 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

Es könnte sein, dass es mit dem Schreiben bei mir jetzt etwas langsamer geht, da ich echt viel zu tun habe. Aber ich gebe mein Bestes ;)

    1
    Grits Sicht
    Am frühen Nachmittag ertönt der Ruf: „Land in Sicht!“ Ich gehe ans Fenster und versuche die Insel auszumachen. Das Schneetreiben hatte zwar aufgehört, aber ich kann die Insel trotzdem nicht sehen. Nicht von hier drinnen zu mindestens. Ich bin es leid, im Inneren des Schiffes festzustecken. Warum habe ich mir eigentlich auf der letzten Insel keine Schuhe geholt? Vollkommen bescheuert! So muss ich leider mal wieder den ganzen Tag drinnen verbringen. Draußen auf dem Deck leisten sich einige Jungs eine Schneeballschlacht. Da würde ich auch gerne mitmachen. Ich seufze. „VERDAMMTE SCHEISSE!“, schreie ich laut auf und mache ein Hohlkreuz. Kalter Schnee rutscht langsam meinen Rücken runter. Ich schüttele mich und versuche das Zeug irgendwie loszuwerden. „KID!“, schreie ich und drehe mich um. Da steht er, lachend. Ich glaube er braucht eine Abreibung. „Wie gesagt. Ich lasse dir solche Aktionen jetzt nicht mehr so einfach durchgehen. Jetzt gibt's Prügel!“, sage ich und grinse vor lauter Vorfreude. Ich springe Kid in den Bauch. Sofort ist er dabei und wir liefern uns eine wilde Rauferei. Nichts Schmerzhaftes, nur ein paar blaue Flecken. Wir scheinen gleichstark zu sein, aber ich weiß, dass Kid seine Kräfte zurückhält. Auf der einen Seite ist das echt nervig, aber auf der anderen Seite auch süß. Er will mir nicht wehtun. Bääm! Kid landet einen schmerzhaften Treffer in meinem Gesicht. Naja, vielleicht will er mir doch wehtun. „Es reicht jetzt!“, ruft jemand und stellt sich zwischen Kid und mir. Killer drückt uns beide auseinander. Etwas außer Atem gehe ich ein paar Schritte rückwärts und setze mich dann im Schneidersitz auf den Boden. Ich fange an zu lachen. „Puuuuuuh! Das habe ich vermisst!“, sage ich noch immer lachend. „Du kleines Biest!“, wirft Kid mir ebenfalls lachend an den Kopf. „Du gemeiner Tyrann!“, sage ich und grinse. Kid und ich starren uns eine Weile an, unfähig auch nur zu zwinkern. „Habt ihr euch jetzt wieder beruhigt, ja?“, fragt Killer. „Hm? Jaja“, murmele ich und wende meinen Blick von Kid ab. Er macht mich ganz verrückt. Ganz verrückt nach ihm. Ich stehe auf. „So! und was jetzt?“ Der Tag scheint nicht verfliegen zu wollen. Schade, dass es nicht der nächste Morgen ist. Die Morgen mag ich zurzeit am liebsten, wenn ich so neben Kid liege… „Wir könnten ja wieder Karten spielen“, schlägt Killer vor. Ich zucke mit den Schultern. Na meinetwegen. Nach einiger Zeit, legen wir an Land an. Einige machen sich gleich auf und davon und suchen die nächste Kneipe. Mir ist das zu kalt, außerdem habe ich keine Schuhe. Als ich vorhin noch einmal kurz aus dem Fenster geschaut habe, habe ich gesehen, dass die Insel über und über mit Schnee bedeckt ist. Brrr… das ist nichts für mich. Obwohl so eine Schneeballschlacht macht bestimmt ziemlich viel Spaß, wenn man richtig gekleidet ist. Es ist wirklich sehr kalt. Sogar hier drinnen friere ich nun. Abends kuschle ich mich in die Decke, aber es wird nicht richtig warm. Was ich auch tue, ich friere.

    Kids Sicht
    Grit wälzt sich neben mich immer wieder hin und her und versucht die Decke ständig fester um sich zu wickeln. Es ist kälter, als in den letzten Nächten. Grit friert bestimmt. Zu blöd, dass ich keine zweite Decke für sie habe. Ich könnte sie wärmen… im Laufe der Nacht kuschelt sie sich ja eh an mich heran. Sie fragen kann ich ja mal. „Grit?“, frage ich leise. Sie wälzt sich auf die andere Seite und wendet mir ihr Gesicht nun zu. „Ja?“, fragt sie ebenfalls leise. „Komm her. Ich weiß, dass dir kalt ist.“ „Oh, ähm, also… ne. Mir ist gar nicht kalt“, stottert sie unbeholfen und versucht zu lügen. Ich lächle. „Bei deinem Zähnegeklapper kann ich aber nicht einschlafen.“ Grit sagt nichts. Ist sie jetzt etwa doch eingeschlafen? „Okay“, flüstert sie schließlich etwas unverständlich. Sie rutscht langsam näher. Ich schiebe meine Hand unter ihre Taille und ziehe sie zu mir heran. Sie legt ihren Kopf auf meine Brust. Es fühlt sich so gut an, wieder Grits Nähe zu spüren. Sie legt ihren Arm über meinen Körper. Ihre Haut fühlt sich ziemlich kalt an. Ich nehme die Decke und ziehe sie auch über mich rüber. Verdammt! Mein Herz schlägt wie verrückt. Hoffentlich spürt sie das nicht. Ich lege wieder einen Arm um Grits Schulter und einen auf ihren eigenen Arm. Es fühlt sich so gut an, sie in meinen Armen zu halten. Noch besser fühlt es sich an, zu wissen, dass sie sich diesmal mit vollem Bewusstsein an mich gekuschelt hat. Ich streichle ihr über den linken Arm. „Und? Wird dir schon wärmer?“, frage ich sie. Sie sagt nichts. Es dauert einige Sekunden bevor sie antwortet. „Ja“, haucht sie. Jetzt grade ist einfach alles perfekt. Ich bin glücklich. Ich bin richtig glücklich. Grit kuschelt sich dichter an mich und hält mich mit ihrem linken Arm fest. Ich beiße mir auf die Unterlippe. Sie macht mich verrückt und sie weiß es wahrscheinlich nicht einmal. Ihre Art zu sprechen, zu lachen, zu gehen und zu bewegen. Damit wickelt sie jeden Mann um den Finger, aber sie merkt es nicht. Sie merkt es einfach nicht. Das liebe ich so an ihr. Das macht sie so echt, so authentisch. Grits Atemzüge werden ruhiger. Ich sollte auch schlafen, aber ich glaube, ich werde heute Nacht kein Auge zu tun.

    Sie regt sich. Nach Stunden bewegt sie sich das erste Mal wieder. Es ist bereits Morgen und das erste Dämmerlicht fällt durch die Bullaugen. Grit schlängelt ihr Bein um mein linkes Bein und kuschelt sich wieder etwas näher an mich heran. Wie befürchtet habe ich diese Nacht nicht besonders viel geschlafen. Grit hat mich viel zu sehr abgelenkt. Ich habe es genossen. Ist sie jetzt wach? Ein Seufzer entfährt ihr. SO SÜSS! Ich liebe sie! „Grit?“, frage ich leise. Ich will sie nicht aufwecken, falls sie doch noch schläft. Sie dreht ihr Gesicht zu mir und lächelt. „Mh?“, macht sie. Ich lächle auch. Was soll ich jetzt eigentlich sagen? Shit! Hätte ich mir mal vorher überlegen sollen. Ach, sag einfach guten Morgen. Meine Hand, so sehr ich es auch versuche, will einfach nicht auf mich gehorchen. Ich fahre damit ihren Arm hoch und unter den Ärmel von Grits T-Shirt. Auf der Schulter lasse ich meine Hand liegen und streichle sanft über ihre Haut. „Guten Morgen!“, sage ich. Meine Stimme hat, da ich sie lange nicht benutzt habe, einen rauen Unterton. Grits Gesicht bekommt einen sehsüchtigen Ausdruck. Meins vermutlich auch. Sie liegt hier in meinen Armen und doch sehne ich mich nach ihr. Grit dreht ihren Kopf wieder zurück. Wir bleiben noch eine unglaubliche Ewigkeit so liegen. Ich muss es ihr jetzt sagen, ich halte es nicht mehr aus. Alles in mir schreit bereits: Ich liebe dich! Ich kann nicht mehr schweigen, es geht nicht mehr. Aber wie soll ich es sagen? Soll ich es ausschmücken und eins dieser komischen Liebesgedichte sagen? Ne! Voll kitschig. Ich sag es einfach frei heraus. Die direkte Art ist immer noch die Beste. Mein Herz arbeitet schon die ganze Zeit Doppelstunden, aber jetzt kommt es richtig auf Hochtouren. Kann man es überhaupt überleben, wenn das Herz so schnell schlägt? Oh man! Wen interessiert das bitte? „Grit?“ Puh, okay! Los geht's. „Ich…“ Rumms! Grit zuckt in meinen Armen zusammen. „ICH BRING DICH UM!“ Etwas, oder wohl eher jemand ist von außen gegen die Wand geknallt. Verdammt noch einmal! WAS SOLL DAS? „ICH SCHWÖR ES DIR! ICH BRING DICH UM!“ „Was…“, fängt Grit an, doch ich unterbreche sie. „Tut mir Leid! Da muss ich dazwischen gehen“, sage ich genervt und auch sauer. Hätten diese beiden Streitvögel nicht eine Stunde warten können? Oder vielleicht auch zwei? Ich streichle Grit noch einmal über die Schulter und entziehe mich dann ihren Armen. Mit wütenden Schritten gehe ich zur Tür und reiße sie auf. „VERDAMMTE SCHEISSE! WAS SOLL DAS?“, schreie ich und schließe schnell die Tür, damit es für Grit nicht so laut ist. Heat wird von Wire gegen die Wand gedrückt und von dessen Dreizack fast erwürgt. Ich packe Wire bei den Schultern, ziehe ihn von Heat weg und werfe ihn gegen die Wand gegenüber. Heat hält sich den schmerzenden Hals. „ICH BRINGE IHN UM! LASS MICH DURCH!“, schreit Wire immer noch und versucht mich mit dem Dreizack zu stechen. Ich ziehe den Stab mithilfe meiner Teufelskräfte in meine Hand und schlage ihn mit der stumpfen Seite. „REISS DICH VERDAMMT NOCHMAL ZUSAMMEN! IN DIE GUMMIZELLE! SOFORT!“, schreie ich wütend und funkle Wire bedrohlich an. Er hält sich die blutende Schläfe und rappelt sich auf. Fluchend geht er Richtung Gummizelle. „Verdammt noch einmal! Was sollte das?“, frage ich noch immer gereizt. Der Kerl hatte mich erstens davon abgehalten Grit zu sagen, dass ich sie liebe, zweitens hat er mich so früh am Morgen schon in schlechte Laune versetzt und drittens hat er versucht mich mit seinem Dreizack zu stechen. Und ich bin sein Käpt'n! Heat reibt sich noch immer den Hals und hustet und röchelt. „Los! Sag schon!“ Er wehrt mich mit einer Hand ab und holt tief Luft. „Ich habe mich nur ein bisschen über ihn lustig gemacht. Nichts Schlimmes, aber er tickt gleich so aus“, antwortet er mit seiner kratzigen Stimme. Ich reibe mir genervt die Stirn. Und der Tag hatte so verdammt gut angefangen… „Also gut!“, presse ich hervor. „Wenn er sich entschuldigt, entschuldige dich auch!“ Ich stampfe zur Gummizelle. Den Dreizack fest umschlossen. Noch bevor ich die Tür öffne, höre ich laute Geräusche aus dem Raum. Ich trete ein. Wire schlägt und tritt gegen eine der Wände. „JETZT KOMM MAL WIEDER RUNTER!“ Bei ihm hilft in solchen Fällen nur anschreien, sonst hört er einen nicht. Wire hält inne, dreht sich dann zu mir und kommt mit stampfenden Schritten auf mich zu. Er hebt seinen einen Arm, wie zum Schlag. Seine Hand zu einer Faust geballt. Ich schaue ihn bedrohlich an. „Wenn du mich schlägst, dann prügel ich dich windelweich!“, knurre ich in einer sehr gefährlichen Stimme. „Ich bin dein Käpt'n!“ Wire hält einen Meter vor mir an und sein Gesicht ist noch immer wutverzerrt. Sein Arm noch immer erhoben, doch er zögert. Er würde es nicht wagen. Ich bin stärker, das weiß er genau. Außerdem hat er Respekt vor mir. Wire lässt seinen Arm sinken und den Kopf hängen. Er seufzt einmal tief. Ich kann ihm jetzt nicht mehr sauer sein. Er hat es schwer. „Du musst das unter Kontrolle bringen, mein Freund! Irgendwann bringst du in deiner Wut tatsächlich noch jemanden aus der Crew um“, sage ich und klopfe ihm auf die Schulter. Wenn es Grit wäre, könnte ich ihm niemals verzeihen… „Es tut mir Leid!“, murmelt Wire. „Diesmal wäre er wirklich fast drauf gegangen“, sage ich warnend. Wire schweigt. „Bring das wieder in Ordnung!“, sage ich eindringlich und halte ihm warnend den Zeigefinger hin. „Wenn du dich entschuldigt hast, dann kommt ihr beide zu mir. Dann kriegst du auch deinen Dreizack wieder.“ Wire nickt immer noch mit hängendem Kopf. „Und jetzt komm mit“, befehle ich ihm. Er schaut auf und sieht mich fragend an. „Du wärst zweimal fast auf mich losgegangen. Das muss bestraft werden“, erkläre ich ihm grinsend. Wire folgt mir bis aufs Deck. Es ist wirklich sehr kalt. Ich bin immer noch barfuß und meine Füße fangen leicht an zu schmerzen in dem kalten Schnee. An der Reling zeige ich aufs Wasser. „Okay“, sagt Wire und springt ohne zu murren über Bord. Ich beuge mich über die Reling, um zu gucken, ob er wieder auftaucht. Sein Kopf taucht wieder auf. „Rauskommen und aufwärmen“, ordne ich an und gehe wieder rein. Alter, war das kalt. Kein Wunder, dass Grit gestern gefroren hat. Grit… wir hätten noch länger im Bett liegen können, wenn diese Idioten sich nicht in die Haare bekommen hätten. Ich hätte ihr sagen können, dass ich sie liebe. Ob sie wohl noch im Zimmer ist? Wahrscheinlich nicht. Es ist ja auch Zeit fürs Frühstück. Hoffnungsvoll öffne ich meine Kajütentür, aber wie erwartet ist niemand mehr im Raum.

    Grits Sicht (als Kid aus dem Zimmer stürmt)
    OH SCHEISSE MAN! Herzrasen, Schmetterlingsachterbahn, Glücksgefühle und Dauergrinsen. Das volle Programm. Draußen höre ich noch Kid schreien. Egal! Eben… ich meine WOW! Seine Nähe, seine Wärme, seine Berührungen. Ich spüre ihn noch immer. Es war so schön. Wenn ich daran denke, dann spüre ich seine Berührungen und Bewegungen. Wie er ganz sanft meinen Arm hochfährt, die Hand unter das T-Shirt schiebt und dann die leichte Berührung, als er mit seinem Daumen meine Schulter streichelt. Es brennt wie Feuer. In meinem Kopf schwirrt alles durcheinander. Ich muss erst einmal aufstehen. Wenn Kid wiederkommt und ich hier immer noch liege… Was würde er nur von mir denken? Ich werde es ja wohl wenigstens bis zum Kleiderschrank schaffen. Den Pulli mit Kids Jolly Roger vorne drauf, habe ich gestern gewaschen und ziehe ihn nun wieder an. Ich schaue mich im Spiegel an. Das Grinsen in meinem Gesicht sieht fast ein wenig unecht aus. Aber es geht nicht anders. Ich kann die Freude kaum in mir halten. Okay. Ein Freudensschrei muss sein! Ich stoße ein lautes, klares, freudiges, undefinierbares Wort aus und drehe eine Pirouette. Naja, so was ähnliches. Freudig spaziere ich aus dem Zimmer raus. John, Kalle und Killer sind bereits alle im Speiseraum versammelt. Kid ist noch nicht da. In bester Laune lasse ich mich auf meinen Stuhl plumpsen. „Guten Morgen!“, sage ich fröhlich. John grinst mich vielsagend an. „Gut geschlafen, ja?“, fragt Killer eindeutig zweideutig mit einer Spur Sarkasmus. „Oh ja!“, antworte ich und gieße mir Milch ein. „Kid und ich hatten tollen Sex!“ Kalle spuckt den Saft, den er eigentlich trinken wollte, zurück ins Glas und verschluckt sich dabei. John fällt beinahe vom Stuhl. Heute fällt es mir viel leichter über das Gerücht Späße zu machen. Killer prustet los vor Lachen und ich stimme mit ein. Aus den Augenwinkeln sehe ich, wie Heat in den Raum kommt. Komm schon, Kid. Wo bleibst du? Du bist der Grund, weshalb ich so am Rad drehe. Ich hoffe, ich hoffe wirklich, dass du mir nicht nur etwas vorspielst, sondern ehrlich und aufrichtig bist, dass du in mir nicht deine übliche Beute siehst und mich nicht nur benutzt, dass du mich nicht verarschst, denn das würde mich umbringen und zwar wortwörtlich. Ich hoffe, dass du genauso für mich fühlst, wie ich für dich. Und ich hoffe, dass wenn ich den Mut aufbringe es dir zu sagen, du mich nicht dumm da stehen lässt. Erst jetzt bemerke ich, dass ich die ganze Zeit sehnsüchtig zur Tür geschaut habe und mir vor Anspannung auf die Unterlippe gebissen habe. „Warst du gestern auch bei Tom?“, fragt mich John. Und zwar keine Sekunde zu früh. Hätte er mich ein paar Sekunden früher gefragt, hätte ich ihn wieder unabsichtlich ignoriert. „Was? Wieso? Wegen dem Geld?“, frage ich, ein bisschen benommen von meinen Gedanken. „Ja natürlich wegen dem Geld. Weshalb denn sonst?“, sagt John sarkastisch. „Ja klar. Hab mir meine Kohle abgeholt“, antworte ich und zwinkere ihm, grinsend zu. Mich überkommt wieder diese Freude. Wo bleibt Kid? „Guten Morgen und guten Appetit!“, ruft Kid fröhlich und setzt sich hin. Wo kommt der denn plötzlich her? Macht nichts! Ich freue mich trotzdem. Als ob es auch einen Unterschied machen würde, wenn ich gesehen hätte wie er kommt. Ich meine, das ist ja voll egal, denn das was zählt ist, dass… WEN INTERESSIERT ES? Kid sitzt mir gegenüber und grinst mich breit an. Er scheint auch in super Laune zu sein. An den beiden Streithähnen vom Flur kann es nicht liegen. Vielleicht ist er ja tatsächlich wegen mir so gut gelaunt? „Du bist ja auch so eine Grinsebacke. Hast du etwa auch so gut geschlafen?“, fragt Killer und scheint ziemlich amüsiert. Anscheinend findet er es lustig, dass wir zwei so gut drauf sind. Kid streckt sich und lehnt sich gemütlich zurück. „Oh ja! Es war ganz unglaublicher Sex, nicht wahr Grit?“, antwortet Kid sehr anzüglich. Ich pruste los. Ich kann es nicht glauben, dass er das gleiche sagt wie ich. „Scheint ja doch was Wahres dran zu sein, wenn ihr beide es schon zugibt. Also hattet ihr jetzt oder hattet ihr nicht?“ Killer scheint es echt wissen zu wollen. Kid will antworten, aber ich bin schneller. „Wir hatten“, antworte ich absolut dick und fett grinsend. Diesmal ist es Kid, der loslacht. „Hast wohl Lust auf ein neues Gerücht, huh?“, fragt John mich. „Ich würde mich geschmeichelt fühlen.“ Ich gucke Killer provozierend an. Er zeigt mit dem Zeigefinger auf mich und schüttelt die Hand. „Jaja, ganz lustig!“ Ich tauche meinen Löffel in die Müslischale. „Es wundert mich, dass ihr gar nichts gehört habt“, antworte ich und ziehe leicht lächelnd eine Augenbraue hoch. „Wir waren sehr laut!“ Das sehr habe ich in besonders anzüglicher Stimme gesagt. Ich frage mich echt, weshalb ich plötzlich so offen Witze drüber machen kann. Kid grinst breit und schüttelt leicht den Kopf. „Oh Grit“, sagt er leise. „Plaudere doch nicht alles aus. Sie müssen ja nicht jedes Detail erfahren. Lass ihnen wenigstens ein bisschen Fantasie.“ John und Kalle schauen zwischen Kid und mir hin und her und sehen dabei aus, als würden sie die Welt nicht mehr verstehen. Das scheint ganz gut zu klappen. Ich schaue zu Kid und lächele fröhlich. Ach Mist! Das hätte ich nicht tun sollen. Er guckt mich auch an und lächelt auch. Einfach unwiderstehlich! Habe ich mir grade auf die Lippe gebissen? Upps! Das wollte ich eigentlich nicht, aber es ging irgendwie auch nicht anders. Ich lenke mich ab, indem ich mich dem Müsli zuwende. Killer hat unser Spielchen durchschaut, aber John und Kalle sind immer noch ein wenig in Trance. Schweigend essen sie ihr Frühstück. Killer, Kid und ich unterhalten uns fröhlich. „Und? Habt ihr schon irgendetwas geplant für heute?“, fragt Killer und lehnt sich zurück. Kid macht eine Kopfbewegung. Es sieht so aus, als wäre es eine zustimmende Kopfbewegung. „Wir gehen warme Sachen für das kleine Biest hier kaufen“, antwortet er und deutet in meine Richtung, als er mich erwähnt. Überrascht ziehe ich meine Augenbrauen hoch. „Wann haben wir denn das beschlossen?“, frage ich grinsend. „Tja“, sagt er und grinst. „Ich würde sagen, dass du keine andere Wahl hast. Du hast nämlich keine Schuhe und kannst daher nicht alleine losziehen.“ „Wenn ich mit dir in die Stadt gehe, habe ich aber immer noch keine Schuhe“, antworte ich mit einem sarkastischen Unterton. Kid lacht kurz auf. „Aber ich kann dich tragen.“ „Ach so? Und niemand sonst kann mich tragen? So schwer bin ich nun auch wieder nicht.“ „Nein“, antwortet Kid und schaut mir in die Augen. „Aber niemand sonst darf dich tragen!“ Was soll das denn schon wieder? Versucht er mir grade vorzuschreiben, mit wem ich was machen darf? Ich verenge meine Augen zu Schlitzen und schaue ihn scharf an. „Damit wir uns verstehen“, sage ich mit ernster Stimme und ohne einen Anflug Humor. „Du bist zwar mein Käpt'n, aber das heißt nicht, dass du über mich bestimmen kannst.“ Ich mache eine Pause, hole Luft und sage noch: „Wenn du mir meine Freiheit nimmst, bin ich ganz schnell wieder weg!“ Die ganze Zeit habe ich meinen Blick nicht von Kid abgewendet und auch er hat nicht einmal geblinzelt. Ich schaue ihn noch ein paar Sekunden an. Die Message soll bei ihm ankommen. Ich liebe ihn, aber wenn er den gleichen Fehler macht, wie mein Vater, dann werde ich nicht bleiben. Das habe ich meiner Mutter versprochen und ich werde mein Versprechen halten. Es sieht so aus, als wäre das bei ihm angekommen. Ich lächele. „Ich nehme dein Angebot aber dankend an“, antworte ich wieder fröhlich. Die Aussicht von Kid huckepack getragen zu werden ist einfach zu schön. Er mustert mich noch einen Augenblick und grinst dann auch wieder. „Dann müssen wir nachher auch eine Schneeballschlacht machen. Das sieht nach so viel Spaß aus“, sage ich enthusiastisch. Darauf habe ich richtig Lust. „Sag mir nicht, du hast noch nie an einer Schneeballschlacht teilgenommen?“, fragt Killer bestürzt. Also seine Stimme klingt auf jeden Fall bestürzt und überrascht. Bei ihm kann man meistens nur vermuten was für Emotionen er hat. Ich setze ein unschuldiges Lächeln auf. „Hast du früher nie im Schnee gespielt?“, fragt Kid, ebenfalls überrascht. „Tja“, antworte ich Schulterzuckend. „Es war mir immer zu kalt. Außerdem habe ich Schnee auch noch nicht so oft miterlebt. Bei uns hat es nur ein bis zweimal geschneit, als ich Kind war und danach habe ich mich immer in warmen Gebieten aufgehalten.“ Kid steht entschlossen auf. „Dann wird es langsam mal Zeit. Wir gehen jetzt einkaufen, damit du so schnell wie möglich deine erste Schneeballschlacht erlebst. Du hast da echt etwas verpasst.“ „Okay“, antworte ich lachend. Wie süß! Er ist so lieb… Ich stehe ebenfalls auf. „Los geht's!“, sagt Kid und ist im Begriff zu gehen. „Oh nein, warte! Ich brauche noch meine Waffen und noch einen Pullover. Oh, und mein Geld.“ Kid setzt sich wieder hin. „Dann beeil dich“, antwortet er grinsend. Ich schüttle lächelnd den Kopf ein wenig und gehe in die Kajüte. Es ist unglaublich! Dieser Tag ist einfach unglaublich! Während des Gehens verfalle ich beinahe in Hoppsalauf, so glücklich bin ich. In der Kajüte schnappe ich mir meinen Waffengürtel und binde ihn mir um. Mein Geld stecke ich in meine Hosentasche. Ich schnappe mir noch einen von Kids Pullis und ziehe ihn unter den mit seinem Jolly Roger vorne drauf. Hoffentlich ist das warm genug. Ich mache mir noch meinen roten Schal um und gehe zurück in den Speisesaal. Als ich durch die Tür eintrete, schaut Kid hoch und grinst. „Na dann kann es ja jetzt losgehen“, sagt er und steht auf. Ich winke Killer noch zu und wir beide gehen zur Tür. „Aufsatteln!“, sagt Kid grinsend. Er verschränkt seine Hände hinter seinem Rücken und gibt mir so eine Stufe. Ich stelle meinen Fuß drauf ab, gar nicht so leicht mit meinen kurzen Beinen, aber ich trainiere meinen Körper ja nicht umsonst. Ich stütze mich auf das Bein, bekomme Kids Schultern zu fassen und bin eine Sekunde später schon Huckepack. „Lauf Pferdchen, lauf!“, weise ich Kid an. Er lacht. Ich spüre wie sein Oberkörper bebt. Es tut so gut ihm wieder so nah zu sein. Ich höre hinter mir einige Pfiffe. Kid dreht sich um und ruft: „Sie wollte mal wissen, wie die Welt von oben aussieht. Bisher musste sie ja immer nach oben schauen.“ Gelächter ertönt. Ich grinse. Es ist tatsächlich ein unglaublich wundervolles und total berauschendes Erlebnis die Welt von einem höheren Standpunkt aus zu beobachten. Äh… ja! Bevor ich auch nur etwas antworten kann, sind wir schon draußen. Na gut, diese Chance ist mir leider entgangen. Es ist kalt. Ich verschränke meine Füße vor Kids Bauch ineinander, um mir mehr Halt zu geben. Mit einer Hand ziehe ich die Kapuze über den Kopf und kuschel mich in Kids Nacken. Er riecht so gut… Warte! Seine Hände sind an meinem Arsch! SEINE HÄNDE! AN MEINEM ARSCH! Das Gefühl gefällt mir ganz und gar nicht. Wenn er mich nicht Huckepack tragen würde, hätte er sich ganz sicher eine gefangen. Tja, da muss ich jetzt wohl durch. „Wie geht's dir Frostbeule?“, fragt Kid mich nach einer Weile. Ich bewege meinen Kopf ein wenig und sage: „Ist ein bisschen ungemütlich hier. Und ich habe Durst. Wäre es vielleicht möglich mir ein Glas Champagner zu bringen?“ Kid lacht in sich hinein. Ich spüre es. „Anscheinend geht es dir nicht allzu schlecht. In welchen Laden willst du?“ „Sind wir denn schon in der Stadt?“ Ich habe keine Lust nachzuschauen, es ist grade ganz gemütlich, wie mein Kopf ist. „Äh… Ja! Geschäfte links und rechts. Such eins aus.“ „Mach du. Ich vertraue deinem Geschmack. Falls dein Geschmack zu schlimm ist, können wir immer noch wechseln“, antworte ich mit halblauter Stimme. Hoffentlich findet er nicht allzu schnell ein gutes Geschäft. Es ist zwar ein bisschen kalt, aber es ist ein gutes Gefühl, ihm wieder so nah zu sein. Nach einiger Zeit spüre ich, wie plötzlich warme Luft meine Füße und Hände umhüllt. Ich höre eine Glocke klingeln und eine Tür zuschlagen. Also gut. Ich schiebe mir die Kapuze vom Kopf und schaue mich um. Es ist bunt! Das sieht schon einmal gut aus. Kid lässt mich runter. Ich schaue mich begeistert um. Da hat Kid wirklich das richtige Geschäft ausgesucht. Hier gibt es Jacken, Hosen, Schuhe und normale Bekleidung in verschiedenen Farben, Mustern und Styles. Das ist ja eine wahre Goldgrube. „Und? Ist das was für dich?“, fragt Kid mich und schlendert zu mir rüber. „Machst du Witze? Das Zeug hier ist einfach spitze!“, antworte ich begeistert und grinse. Ein weiterer Ständer mit Jacken zieht meine Aufmerksamkeit auf mich. Ich schaue mir eine nach der anderen an. „Kann ich euch helfen?“ Der Verkäufer, ein junger Mann, tritt lächelnd zu uns. Diese Frage ist echt nervig. Wenn ich etwas brauche, dann werde ich das schon sagen. „Nein!“, antwortet Kid bevor ich etwas sagen kann. Seine Stimme klingt hart und er hat eine ausdruckslose Miene aufgesetzt. Was wohl mit ihm los ist? Der Verkäufer scheint ein bisschen eingeschüchtert zu sein. Jetzt tut er mir Leid. Als Verkäufer musst du oft einiges einstecken, von den Kunden. Ich trete vom Kleiderständer weg und stelle mich vor den jungen Mann. Leicht lächelnd sage ich: „Falls wir Hilfe brauchen, sagen wir schon Bescheid.“ Er nickt und lächelt ebenfalls. Dann wandern seine Augen… Warte mal! Mustert der Typ mich etwa? So ein Schwein! Jetzt bleiben seine Augen auch noch an mir kleben. Ich hätte große Lust, ihm den Lauf meiner Pistole zu zeigen. Vielleicht beherrscht er sich ja dann ein wenig. Klick! Irgendjemand hat bereits seine Pistole gezogen. Ich schaue zu Kid. Er hält seine Pistole auf den Verkäufer gerichtet. Der junge Mann zittert und hat vor Angst geweitete Augen. Er starrt immer noch auf mich. „Die k-k-Kid p-p-Piraten…“, stottert er leise. „Und ich bin der Käpt'n höchstpersönlich!“, sagt Kid drohend und setzt ein Grinsen auf, aber es ist definitiv kein freundliches Grinsen. Wie blöd bin ich eigentlich! Der Verkäufer starrt nicht auf mich, sondern auf den Totenkopf auf meinem Pulli. Ich lege meine Hände auf meine Waffen. Nur für alle Fälle! Wenn Menschen Angst haben, tun sie die verrücktesten Dinge. „Wenn du nicht sterben willst, dann höre zu aller erst mal auf Grit anzustarren. So! Hier auf der Insel ist eine Marinebasis, richtig? Wenn du sie anrufst, bevor wir den Laden verlassen, dann wirst du dir wünschen du wärst tot. Hast du mich verstanden?“ Der junge Mann wendet seinen Blick von mir und schaut zu Kid. Noch immer zittert er am ganzen Leib. Armer Kerl! „Hast du mich verstanden?“, fragt Kid noch einmal etwas lauter. Der Verkäufer nickt. „Los! Da rein!“, befiehlt er ihm und schiebt ihn in eine der Umkleidekabinen. Mit seiner Teufelskraft fesselt Kid den Typen mit Kleiderbügeln. Sehr kreativ. Das muss man ihm schon lassen. Er knebelt ihn noch, dann wendet Kid sich mir zu. Grinsend, diesmal wieder sein übliches mehr oder weniger freundliches, sagt er: „Na dann suchen wir mal was Passendes für dich!“ „Du bist so ein Tyrann!“, sage ich beeindruckt. Ich habe Kid bisher noch nicht wirklich in Aktion gesehen. Das letzte Mal, als ich ihm zugeschaut habe, hätte es mich fast das Leben gekostet. „Und du bist ein Biest!“, antwortet Kid grinsend und geht ganz dicht an mir vorbei. Mein Herz! Ich hoffe ich bekomme keinen Herzinfarkt oder sowas. Seine Nähe macht mich verrückt. Konzentriere dich Margrit! Oh ne man! Ich nenne mich in Gedanken nie wieder Margrit, das ist ja grauenhaft. So, habe jetzt einfach Spaß mit Kid… Mir ist heiß! Ich muss unbedingt diese beiden Pullover ausziehen. Puh… schon besser. „Na! Ist dir wegen mir heiß geworden?", fragt Kid und grinst spöttisch. Ich lächle ihn verführerisch, hoffe ich zu mindestens, an und komme auf ihn zu. „Nein, nicht wegen dir. Es ist ganz allein meine Schuld. Ich bin heiß!“, antworte ich ruhig und muss grinsen. Ich kann nicht ernst bleiben. Mir ist sehr wohl bewusst, wie nah ich ihm schon wieder stehe, aber es gefällt mir. „Ja das stimmt. Du bist ganz schön heiß!“, antwortet Kid und lächelt. Einen Augenblick lang sagt keiner etwas, bewegt sich niemand. „Na dann lassen wir sie Spiele mal beginnen“, sage ich grinsend und gehe zu einem Kleiderständer. Ich schaue mir eine Jacke nach der anderen an. „Wie wäre es hiermit?“ Kid hält grinsend eine knallpinke Jacke hoch, die einen ganz gruseligen Schnitt hat. „Oh nein! War ja klar, dass du keinen Geschmack hast“, antworte ich und halte eine grün-blaue Jacke hoch. „Das hier sieht gut aus“, sage ich überheblich. Kid zieht eine Augenbraue hoch und sieht mich und die Jacke skeptisch an. „Jaja, ganz nett. Aber das ist doch wohl nicht dein ernst? Ich suche dir eine bessere Jacke.“ Er verschwindet gleich zwischen einigen Kleiderständern. Süß! Wenn er sich darum kümmert, kann ich ja ganz entspannt Schuhe suchen. Und ich brauche dringend andere Socken. Die von Kid sind mir einfach viel zu groß. Ich schnappe mir gleich ein Paar in meiner Größe und ziehe sie an. Jetzt kann ich mich den Schuhen widmen. Es gibt eine recht gute Auswahl. Die Schuhe müssen auf jeden Fall warm sein, man muss gut drin laufen können und außerdem sollen sie gut aussehen. Ich probiere mehrere Schuhpaare an, aber so richtig überzeugen tut mich keines. Halblaut singend schaue ich mich weiter um. Da! Das sind sie! Die Schuhe will ich haben. Ich ziehe sind an. Perfekt! Sie sehen gut aus, sind bequem, warm und außerdem scheinen sie gut zum Laufen sein. Ich stelle mich vor den Spiegel. Es sieht einfach zu gut aus. Ich richte mein T-Shirt ein wenig und betrachte die Schuhe von allen Seiten. Eine weitere Person erscheint im Spiegel. Okay! Fast hätte ich mich erschreckt, aber Kid war nicht leise genug. „Eine von den dreien ist es. Ich weiß es!“, sagt er überzeugt und hält drei Jacken hoch, wobei eine Jacke eigentlich ein relativ kurzer Mantel ist. Ich grinse ihn an. „Na dann lass mich mal schauen.“ Kid legt die Jacken auf die Bank, welche zum Schuhe anziehen gedacht ist. Ich will mir eine nehmen, aber Kid drückt meine Hand weg. „Halt! Lass mich die Reihenfolge bestimmen. Ich glaube ich weiß sowieso schon, welche Jacke du nehmen wirst“, sagt Kid und grinst mich vielsagend an. Skeptisch mustere ich ihn. „Wenn du meinst.“ Er reicht mir eine Jacke und ich ziehe sie an. Sie ist aus schwarzem festem Stoff und mit bunten Blumen bestickt. Der Schnitt ist tailliert und die Jacke hat keine Kapuze. Ich betrachte mich im Spiegel. Joa… ganz nett. Hoffentlich sind die anderen besser. „Die hat ziemlich viel schwarz drin“, sage ich kritisch. Kid nickt. „Ja ich weiß. Ich wollte auch eigentlich nur gucken, wie sie dir steht. Okay die nächste, aber du musst sie mit geschlossenen Augen anziehen. Bitte!“ Er grinst und scheint ziemlich begeistert. „Meinetwegen!“ Sein Enthusiasmus steckt an. Ich ziehe schnell die schwarze Jacke aus und schließe die Augen. Kid gibt mir die Jacke und ich ziehe sie an. Er dreht mich zum Spiegel hin und sagt: „Okay, mach die Augen auf!“ Ach du Scheiße! Mir entfährt ein Schrei. „Also wenn du das ernst meinst, dann muss ich dich hauen.“ Ich stecke in einem Alptraum aus lila mit Glitzer. Kid lacht sich einen ab. Ich fixiere ihn im Spiegel und schaue ihn vorwurfsvoll an. „Ich hoffe für dich, dass die letzte Jacke besser ist“, drohe ich ihm grinsend. „Keine Sorge. Du wirst sie lieben“, versichert Kid mir. Er kriegt sich langsam wieder ein. Ich ziehe die Alptraumjacke aus und werfe sie achtlos zur Seite. Wie kann man nur so eine schreckliche Jacke designen. Kid gibt mir die letzte Jacke, welche eigentlich der Mantel ist. Der Mantel hat einen hübschen dunkelgrünen festen Stoff. Ich ziehe ihn an, knüpfe ihn zu und schaue mich im Spiegel an. Wow! Der Mantel reicht mir bis zur Mitte des Oberschenkels. Der untere Teil liegt, wie bei einem Kleid, in Falten. Nach oben hin wird er enger. Die Kapuze ist groß und um die Mitte hat der Mantel einen gleichfarbigen Stoffgürtel. Ich bringe eine Zeit lang kein Wort hervor, sondern betrachte mich nur von allen Seiten. Dann drehe ich mich zu Kid um. Ich grinse begeistert. „Das ist absolut der Hammer! Der Mantel ist genial! Allerherzlichsten Dank fürs Aussuchen!“ Ich würde ihm am liebsten um den Hals springen. Kid deutet eine Verbeugung an. „Ja ich weiß! Ich habe einfach ein Gefühl dafür, was Frauen wollen. Das nennt man auch Talent!“ Ich grinse und mache eine wegwerfende Handbewegung. „Spinner!“ „Was willst du noch?“, fragt Kid mich. Mal schauen… „Pullover und Handschuhe und so ein Zeug. Und Socken wohl auch, aber das geht ja schnell.“ Ich schnappe mir einige Socken. „Alles klar! Pullover also. Du kannst auch meinetwegen meine weiter tragen. Ich benutze sie sowieso selten“, bietet Kid mir an. Ich grinse verschmitzt. „Oh, das werde ich auch. Nur weil ich mir welche hole, die mir sogar passen, heißt das nicht, dass ich deine nicht mehr tragen werde“, antworte ich ehrlich. Ich muss ihm da nichts vormachen, nur weil ich eigene Kleidung habe, werde ich seine Sachen ja nicht links liegen lassen. Seine Kleidung kann durchaus gut sein, wenn man weiß, wie man sie trägt. Ich lege die Socken und den Mantel auf den Kassentresen. Kid ist bereits von Pullovern umgeben. Wir suchen einige ganz coole Pullis raus, wobei Kid meistens eher hinderlich ist und irgendwelche schreckliche Stücke findet. Letztendlich legen wir mehrere Pullover auf den Kassentresen. „Ich glaub ich sollte mal nach unserer Geisel schauen“, meint Kid und atmet laut aus. „Du tötest ihn doch nicht, oder?“ Er schüttelt den Kopf. „Ach Quatsch!“ Ich schaue ihm hinterher, wie er zu den Umkleiden geht. Okay. Mützen, Schals, Handschuhe. Das brauche ich jetzt. Auch hier gibt es wieder eine ziemlich krasse Auswahl. Ich nehme mir eine besonders hässliche Mütze und setze sie auf. Uh… Das ist gar nicht gut. Wer kauft so etwas? Die hier ist noch viel besser. Eine von denen, die für das Gesicht eine Öffnung vorne hat. Ich ziehe sie mir über. „Ach du Scheiße! Das ist ein absoluter Aufreißer!“, höre ich Kid sagen. „Warte! Es wird noch besser“, antworte ich und schnappe mir flink die Brille, die er immer als Stirnband trägt. Ich setze sie auf, schiebe die Lippe hoch und grinse dämlich. Kid lacht laut auf und schlägt sich auf den Oberschenkel. Ich falle mit ein, vor allem, da ich mich jetzt selber im Spiegel sehe. Alter! Das ist absolut schräg. Ich schiebe die Brille nach unten und lasse sie mir um den Hals hängen. Die Mütze ziehe ich wieder vom Kopf. Es gibt mehrere Mützen die mir gefallen. Ich glaube ich nehme sie alle. Mit Handschuhen, Mützen und einigen Schals in den Armen gehe ich wieder zum Tresen. Ich schaue nach draußen. Es liegt viel Schnee und anscheinend weht auch der Wind ein wenig. Es ist kalt. Zwar habe ich jetzt einen Mantel, Schuhe und eine Mütze und so, aber um die Beine bleibt es kalt. „Pack das doch schon einmal ein, ich muss noch kurz etwas machen“, sage ich und hole mir eine Strumpfhose. In der Umkleide ziehe ich sie gleich drunter. Ich schnappe mir zwei weitere und gehe zurück zu Kid. „Hast du alles?“, fragt er. Ich nicke. „Gut. Dann wird es auch langsam Zeit, dass wir verschwinden. Wir können von Glück reden, dass noch keiner bemerkt hat, was hier drinnen los ist. Aber lange kann es nicht mehr dauern bis eine die Marine ruft.“ „Ja, stimmt. Na dann lass uns gehen.“ Ich ziehe den Mantel und Handschuhe an und setze eine Mütze auf. Aus meiner Hosentasche ziehe ich einige Geldscheine raus und lege sie auf den Tisch. Auf einen kleinen Zettel schreibe ich „Dankeschön“ und male einen Smiley dazu. „Du brauchst nicht zu bezahlen“, sagt Kid. „Ja ich weiß“, antworte ich lässig und nehme die Tüten. „Aber ich bin ziemlich zufrieden, mit dem was ich gefunden habe. Außerdem hat er nicht den vollen Preis bekommen. Das Zeug hier ist unverschämt teuer.“ Kid lacht kurz auf. Er nimmt mir zwei Tüten ab und geht voran zur Tür. „Tschüss“, rufe ich laut und wir spazieren glücklich aus der Tür. Also ich bin auf jeden Fall glücklich. Mit Kid shoppen zu gehen ist gar nicht mal so schlecht.

Kommentare (118)

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Ronja (60192)
vor 32 Tagen
Ich freue mich wirklich sehr über euer Feedback. Das ermutigt mich weiterzuschreiben. Ich gebe mir immer Mühe also möglichst realitätsnah und grammatisch Korrekt zu schreiben. Die Fiete, habe Geduld. Vielleicht wird dein Wunsch ja schon bald in Erfüllung gehen. Wer weiß! Ich kann ja schliesslich nicht in die Zukunft schauen :P
Die Fiete (84825)
vor 35 Tagen
Ich bin Leserin seit der 21 Episode oder so (also als die gerade aktuell war). Und ich bin immernoch gefesselt! Dir fällt immer wieder was neues ein und du schreibst alles sehr lebendig. So viel Kreativität und Mühe nimmt man selten war in Fanfictions! Naja hier ubd da sind noch ein paar Kommata zu viel, aber im Allgemeinen ist auch die Rechtschreibung super! (Auch das ist ja leider selten der Fall bei Fanfictions, deswegen sag ichs mal) Außerdem ist die FF nicht nur auf diese ganze Liebesgeschichte fokussiert. Dasbist auch mal ganz angenehm im Gegensatz zu dem Schnulzenkram, den man sonst so liest. Trotzdem würde ich mir auch hin und wieder mal eine etwas intimere Szene von Grit und Kid lesen, wenn du verstehst, was ich meine ;D
Monkey D. Sophie (49701)
vor 66 Tagen
cool das du weiter schreibst ich hatte schon argst das es nicht weiter geht
Luzybel ( von: Luzybel)
vor 67 Tagen
Endlich geht's weiter mit Teil 47 \^o^/
~ £∆D¥ ~ (14139)
vor 107 Tagen
Finde deine Geschichte wirklich spannend und extrem fesselnd.
Man kann gar nicht genug davon bekommen.
Die Charaktere kann man sich wirklich bildlich vorstellen in ihrer Mimik und Gestik.
Hoffe du schreibst schnell weiter (:
Denn das ist bis jetzt die beste Story die ich je gelesen habe. ❤
Natürlich hoffe ich des weiteren das deine Geschichte noch kein schnelles Ende findet!
Denn ich denke nämlich es gibt noch so einiges zu erzählen (;
Dafür das deine Geschichte so faszinierend und auch so ‚‚man denkt man ist hautnah dabei'' ist würde ich dir gerne mehr als nur 5 Sterne geben!
Mach bloß weiter so! ❤
Luzybel ( von: Luzybel)
vor 110 Tagen
Ich liebe deine Geschichte lese sie von Anfang an und warte immer fleißig auf ein neues Kapitel

Freue mich schon wieder aufs nächste :D
Ronja (17555)
vor 116 Tagen
Herzlichen Dank! Man tut ja was man kann nicht wahr?!
Ayumi (20597)
vor 120 Tagen
Wow was für eine lange und schöne Story *-*
Das gibt erstmal 5 fette Sterne *-* Probs an den Autor ich bin so gefesselt...da muss ich dich fast schon anzeigen wegen Freiheitsberaubung xD
Rosa (03587)
vor 144 Tagen
Wann schreibst du wieder weiter?
Bahar (99888)
vor 427 Tagen
Ich finde es echt klasse das du immer am
Spannendesten Platz aufhörst da bekommt Mann
ja mehr Lust zu lesen
Hikari (52165)
vor 438 Tagen
Nein würde ich nicht Ronja , aber deswegen iSt es so blöd weil es genau wirklich die spannendste stelle ist
Ronja (57034)
vor 438 Tagen
Ich weiß, ich weiß. Würdest du schlecht über mich denken, wenn ich dir sage, das war mit Absicht? Fortsetzung folgt bald...
Hikari (52165)
vor 439 Tagen
OMG! SO ETWAS DARF MAN KEINEM ANTUN😱 an der spannendsten
Stelle einfach aufhören.......Bitte schreib schnell weiter!!!!!!!
P.S.
Respekt, ich könnte Soetwas nicht . Mach weiter so😉
alegssa (22446)
vor 443 Tagen
Ich hab schon so gespannt gewartet. Bitte schreib schnell weiter 😍😍
Bahar (10063)
vor 445 Tagen
Respekt du kannst schreiben wie ne Profi.
P.S
Mich hast du schon als Bewunderer
angle of life (63895)
vor 446 Tagen
Coool der neue Teil ist echt so toll 😊
Ich finde die Story eine von den besten ! Bitte mach schnell weiter!
Ich möchte gern wissen wie es weiter geht. Mach weiter so!
loliee (10932)
vor 516 Tagen
Das ist DIE BESTE ff, die ich bis jetzt gelesen hab, um ehrlich zu sein;)
♥☺♥☺♥☺♥☺♥☺
Monkey D Woosmann (89282)
vor 525 Tagen
cool der neue Teil
SAKURA (64916)
vor 552 Tagen
Wann kommt der 36 Teil die Geschichte is voll cool
Ronja (14911)
vor 569 Tagen
Ich find es super cool, dass du dir so Gedanken machst, wie es wohl weitergeht. Ob Grit Königshaki hat weiß ich nicht so genau. Ich kann es mir eigentlich nicht vorstellen, aber wer weiß. Sie überrascht einen immer wieder ;)