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Kristallregen

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1 Kapitel - 1.476 Wörter - Erstellt von: Amaraen - Aktualisiert am: 2015-02-22 - Entwickelt am: - 1.292 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt

Auszug: "Es war zuerst nur eine von ihnen, silbern funkelnd, dann waren es zwei, die langsam in der Luft tänzelten und mit einem Mal, waren es tausende von kleinen silber-weißen Kristallen, die sich auf Bilbos Nasenspitze setzten. Lang genug, um ihre Schönheit zu bewundern, jedoch zu kurz, um sie in all ihren Facetten zu sehen. Denn kaum berührten sie seine warme Haut, schmolzen sie und kleine Wassertropfen rannen an seinem Gesicht herab und flossen nach unten in seine Kleidung und er fröstelte. "
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    Es war zuerst nur eine von ihnen, silbern funkelnd, dann waren es zwei, die langsam in der Luft tänzelten und mit einem Mal, waren es tausende von kleinen silber-weißen Kristallen, die sich auf Bilbos Nasenspitze setzten. Lang genug, um ihre Schönheit zu bewundern, jedoch zu kurz, um sie in all ihren Facetten zu sehen. Denn kaum berührten sie seine warme Haut, schmolzen sie und kleine Wassertropfen rannen an seinem Gesicht herab und flossen nach unten in seine Kleidung und er fröstelte.
    Und mit einem Mal, sah er nicht mehr die einzelnen Schneeflocken, sondern Röcke von weißen Kleidern, die sich wirbelnd aufspannten, als würde die Tänzerin einer Musik folgen, die er nicht hören konnte. So zart wie die kleinen Kristalle waren, kamen sie ihm wie aus Spitze gefertigt vor; kostbar, leicht und so leicht zu zerstören, sodass sie schwanden und andere ihren Platz einnehmen mussten.
    Ein hoher Schrei riss ihn aus seinen Gedanken und er senkte seinen Blick, um nach der Geräuschquelle zu sehen, die ihn so je gestört hatte. Er sah zu einem Mädchen herüber, deren Lockenkopf von Schnee bedeckt war, da sie jemand mit einem Schneeball abgeworfen hatte. Ihre Wangen und ihre Nasenspitze waren gerötet von der Kälte, doch ihre Augen strahlten vor Jugend und ungeahnten Träumen, die sich hinter ihnen abspielten. Entrüstet schüttelte sie ihre dunklen Locken und suchte nach der Person, die sie getroffen hatte. Als sie einen Jungen lachend hinter dem Stamm eines Baumes ausmachen konnte, formte sie selbst einen Schneeball, der sicher sein Ziel traf.
    Es waren nur wenige Augenblicke und schon wurden sachte Hügel zu Festungen umfunktioniert, auf denen im Sommer sonst die schönsten Blumen wuchsen, doch nach dem Schneefall der letzten Tage, sahen sie aus wie stehende Wellen eines weißes Meeres, die in der blassen Sonne wie Kristalltürme funkelten. Das Knirschen des Schnees unter den Füßen der Kinder war weit zu hören, als sie sich in Gruppen einteilten und ihre Festungen bezogen. Ihre Spuren blieben nur für wenige Minuten gut sichtbar, bis der Schnee die Lücken wieder gefüllt hatte und es am späten Abend nicht einmal mehr eine Ahnung von ihrer Schlacht gab.
    Im flachen Tal zwischen den Hügeln waren eisige Männer erbaut worden, die mit tiefschwarzem Blick dem Geschehen folgten, bis ihre Augen von weißen Kugeln bedeckt waren, die ihr Ziel verfehlt hatten. Zwischen ihnen standen graue Bäume, deren verschneite und kahle Äste zum Himmel heraufragten, als wollten sie mit ihren knochigen Fingern die Schneeflocken erhaschen. Winzige Berge aus Schnee türmten sich überall auf und es war nur zu erahnen, dass es Sträucher waren, die vollends bedeckt wurden.
    Und noch immer flogen die weißen Flocken vom grauen Firmament hinab und bedeckten alles Lebende mit einer dünnen Schicht, als wenn es ihre Aufgabe wäre sie zu verstecken und nicht mehr freizugeben, bis die ersten warmen Sonnenstrahlen des Frühlings sie befreiten. Der frisch gefallene Schnee wurde vom kalten Wind hinfort getragen und über die verdeckten Sträucher geweht. Es wirkte wie ein weißer Schleier aus Gischt, die die unbewegten Wellen vor sich her trieben.
    In den nächsten Wochen wollten die Kinder den Winter genießen, der sich so frohlockend eingeläutet hatte. Umso mehr erfreuten sie sich an der Kälte, wenn sie von ihren Müttern ins Haus gerufen wurden, um Tee zu trinken und Kekse zu essen, um sich aufzuwärmen. So schmeckte beides erst recht. Bis zum Tee gab es aber noch genug Zeit, um sich mit seinen Freunden zu vergnügen.
    Eine der kleineren Gruppen rief Bilbo zu sich, da er von ihnen am besten sehen und werfen konnte. Ihre dunklen Locken waren hinter dem weißen Schnee sehr gut zu sehen, wodurch beinahe jeder Schneeball traf, doch das galt auch für ihre Gegner hinter den anderen Hügeln. Als sich auf ihren Haaren kleine, weiße Türme ansammelten, ähnlich Kronen aus Diamant, beendeten sie ihren kleinen Krieg und trafen sich im Tal, um die Schneemänner vom überflüssigen Schnee zu befreien, der sich auf ihnen angesammelt hatte. Die schwarzen Steine schimmerten im schwachen Licht der Sonne, kaum waren sie erlöst vom weißen Pulver.
    Nun wurden sie geschmückt und trugen nach wenigen Minuten Mützen, die sowieso keines der Kinder getragen hatte, bunte Schals, wodurch es viele nackte Hälse gab und am nächsten Tag mehrere kranke Kinder, und dürre Äste, die vom unerbittlichen Wind von den Bäumen gerissen wurden und nun als Arme dienten. Die Kinder sammelten weitere Steine, welche oftmals erst ausgegraben werden mussten, um den Männern der Kälte Knöpfe zu geben. Einige der Mädchen und noch weniger Jungen lagen auf dem Boden, um dort die Gestalt eines geflügelten Hobbits zu hinterlassen. Kaum saß der letzte Stein an den Jacken der Männer wurden die Kinder schon Heim gerufen und mit winkenden Händen verabschiedeten sie sich von ihren Freunden, die ebenso schnell daheim rannten.
    Die Sonne war bereits am Untergehen und der sowieso schon graue Tag verfinsterte sich schnell. Bilbo konnte den süßen Tee bereits auf dem Weg riechen, der kaum noch zu sehen war und hätte er ihn nicht so gut gekannt, wäre er wohl verloren gegangen. Der Duft von Beeren hing in der Luft und die wenigen vorbeilaufenden Hobbits sogen ihn seufzend ein und liefen schneller, um selbst heimzukehren und dort ihren eigenen Tee an einem prasselnden Feuer zu genießen.
    Die Fensterläden waren bedeckt vom weißen Puder, das bereits eine dünne Eisschicht gebildet hatte, weswegen Bilbo seine kleine Hand in den Schnee drückte und das Eis leise brechen hörte. Die wenigen noch vorhandenen Pflanzen im Garten waren vom Schnee bedeckt und als er sie streifte, rieselten einzelne Flocken oder Eiskörner herab und bildeten auf dem weißen Boden winzige Hügel. Der Steinweg zum Haus war penibel gefegt worden und wie eine Mauer zog sich der Schnee am Rand des Weges entlang. Die kleinen Tannen in den hinteren Ecken waren noch grün und auf ihren Ästen lag schwer der Schnee, wodurch sie sich herab bogen, bis einzelne Stücke knirschend zu Boden fielen und sich das Schauspiel wiederholte.
    In der Höhle war es angenehm warm und Bilbo nahm seinen Schal eiligst ab und hing ihn zusammen mit seinem Mantel an einen der Kleiderhaken. Schwer hingen seine nassen Haare in seiner Stirn und eiligst strich er sie zur Seite. Sein Vater saß in einem der Sessel vor dem Kamin und rauchte seine Pfeife. Am Kaminsims hing eine selbstgestrickte, rote Socke herab auf der Bilbos Name in goldenen Buchstaben stand. Bungos Augen waren halb geschlossen und doch lächelte er, als er Bilbo sah. Neben ihm, auf einem kleinen Tisch, dampfte sein Tee. In der Küche stand Bilbos Mutter und legte die noch warmen Kekse auf einen Teller, um sie zu ihrem Mann zu bringen. Sie rochen nach Nüssen und Bilbo nahm den Teller selbst entgegen, um schon zu naschen. Dass er sich die Zunge verbrannte, erwähnte er nicht.
    Den Teller stellte er auf den Tisch neben seinen Vater. Als er sich umdrehte, saß seine Mutter bereits auf dem zweiten Sessel und hielt eine Tasse in ihren Händen. Bilbo setzte sich auf ihren Schoss und knabberte an seinem Keks, als er aus dem Fenster sah. Es war bereits dunkel geworden und die einzelnen Schneeflocken, die noch immer zu Boden fielen, konnte er nur durch das schwache Licht der Sterne und des Mondes sehen. All seine Spuren wurden verwischt und mit einem Keks in der Hand und dem Geräusch des leise knisternden Feuers in den Ohren, schlief er in den Armen seiner Mutter ein.

Kommentare (5)

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Amaraen (65897)
vor 469 Tagen
Huch, hab irgendwie gedacht, der Kommentar von Lucy steht bei einer anderen Geschichte XD
Amaraen (19427)
vor 483 Tagen
@Lucy, tatsächlich versuche ich diese Idee hier auszubauen und zu einem Buch zu machen ^^
Lucy (06773)
vor 519 Tagen
Es ist lustig zu sehen, dass ich die Geschichte ein Jahr später lese und trotzdem hast du das Talent zum schreiben, du könntest mal Schriftstellerin werden!
Amaraen (17979)
vor 879 Tagen
Es war nur ein kleiner One Shot zu einem Adventskalender, aber es passt noch immer in die Winterzeit, auch wenn bei uns gerade der Frühling ausbricht ^^
Vielleicht stelle ich noch eine längere Geschichte online, ich bin am Überlegen^^

Auf alle Fälle vielen lieben Dank :D
chacha (54511)
vor 879 Tagen
Wow voll poetisch O.o ich liebe diese ganzen bildhaften vergleiche :) bbin gespannt was draus wird, gerne mehr davon ^^ lg