Als das Licht in meinem Leben ausging...

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10 Kapitel - 1.606 Wörter - Erstellt von: Schnuffi12 - Aktualisiert am: 2015-02-01 - Entwickelt am: - 639 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt

Lilly ist seit einem Jahr mit ihrem Hannes zusammen. Doch plötzlich verschwindet er eines Tages! Lilly ist untröstlich, da sie sein schreckliches Geheimnis weiß: Er ist ein Werwolf und muss deswegen jedes Jahr zu dem Mondfelsen, um eine Aufgabe zu erfüllen.
Doch diese Aufgabe wird für Lilly tödlich enden...

    1
    Ich lächelte. Hannes brachte mich auch an diesen verregneten Tagen immer wieder zum Lachen. Während die U-Bahn auf die nächste Haltestelle einfuhr, schnitt er eine Grimasse, um zu zeigen, dass er den Witz nicht ganz so gut fand.
    Die Bahn blieb stockend stehen, sodass ich mitten in seine Arme fiel. Ich schloss die Augen, er roch gut nach Weichspüler und ein bisschen nach Tier. Der Geruch war mir so vertraut, dass ich mich nicht mehr wunderte, als ich tief die Luft einsog. Er zog mich vorsichtig hoch und küsste mich sanft auf die Wange. Meine Brille verrutschte, da ich zitterte. Er elektrisierte mich wieder immer wieder mit seinem Charme.
    Liebevoll blickte er mich an und stupste meine Nerdbrille wieder auf ihren Platz. In meinem Bauch tobte ein Schwarm Schmetterlinge, als er mich wieder in seine Arme zog. Er befühlte meine Hand und sagte überrascht: "Meine Fresse, die sind aber kalt!" Dann schloss er sie in seine warmen, kräftigen Hände.
    Die Sprecherin aus der U-Bahnanlage sagte fröhlich den Marktplatz an.
    Ich seufzte. Jetzt hatte ich Geschichte.
    Doch es gab Schlimmeres.

    2
    Ich nagte an meinem Bleistift und grübelte angestrengt über die blöde Rechnung nach, die uns unser Lehrer gestellt hatte. Doch eigentlich war ich in Gedanken schon ganz woanders.
    Dieses Wochenende wollte Hannes mit mir ins Schwimmbad gehen! Und das hieß: Bikinisaison!
    "Lilly, was machst du da?"
    Eine Stimme riss mich aus meinem Tagtraum.
    "Ihr solltet schon längst mit der Aufgabe fertig sein!", sagte mein Lehrer anklagend. "Hast du ees nicht verstanden? Soll ich es noch einmal erklären?"
    "Ne...Ich meine...Ja! Könnten sie mir das bitte noch einmal erklären?"
    Ich sah meinen Lehrer bittend an.
    Er seufzte. Dann lief er vor zur Tafel und fing erneut mit der Rechnung an. Und wieder versank ich in meiner Traumwelt von Hannes und mir.

    3
    "Was?"
    Ich sah Hannes bestürzt an.
    "Ja, ich muss. Sonst werde ich aus dieser Welt genommen, Li."
    "Es tut mir so leid, kann ich dich vielleicht am nächsten Wochenende ins `La brasserie'einladen?"
    Ich runzelte die Stirn. Es gefiel mir nicht wirklich, dass Hannes an unserem gemeinsamen Wochenende zum Monddingsda musste.
    Aber wenn es sein musste...
    "Ich komme wieder, versprochen!", flehte er mich an.
    "Na gut. Ich will schließlich, dass du hier bleibst."
    Er atmete erleichtert aus. Dann gab er mir einen Kuss auf die Wange und war im nächsten Moment verschwunden.

    4
    An diesem Tag war ich total aufgeregt. Es war der Tag, an dem mich Hannes in die 'La Brasserie' eingeladen hatte.
    Ich zupfte an meinem tiefblauen Kleid herum, während ich nach ihm Ausschau hielt. Ich atmete erleichtert auf, als er mit grimmigem Gesicht um die Ecke bog.
    Seine Augen leuchteten bedrohlich.
    Ich bekam es mit der Angst zu tun. Irgendetwas war anders. Irgendetwas stimmte nicht.
    Doch meine Anspannung löste sich, als er mich entdeckte und anlächelte.
    "Na?", fragte er mich. "Ist eine lange Zeit ohne mich gewesen, was?"
    Ich antwortete seufzend: "Ja. Kelly war mal wieder unerträglich. Sie nörgelte die ganze Zeit an mir herum, dass ich ein Kleid aus dem letzten Jahr anhabe."
    Er lachte.
    "Und? Wie war beim Monddingsda? Was für einen Auftrag hast du erhalten?"
    Sein Lachen verstummte urplötzlich. Seine Augen wurden dunkel vor Trauer, tiefe Schatten unter seinen Augen griffen in seine Haut.
    "Das willst du nicht wissen, Li. Das willst du nicht wissen."

    5
    Ich spürte, dass irgendetwas nicht mit mir und ihm in Ordnung war.
    Zögernd fragte ich: "Und...was passiert, wenn du nicht den Auftrag erfüllst?"
    "Dann bin ich weg, Lilly. Dann bin ich ganz weg.", flüsterte er heiser.
    Mir lief eine Gänsehaut über den Rücken.
    Klar, er war ein Werwolf, das störte mich nicht, doch dieser Auftrag beunruhigte mich sehr.
    Ich bekam das Gefühl nicht weg, dass bald ein Abschied für immer anstand.

    Das Essen war gut, doch auf dem Nachhauseweg fühlte ich mich bedroht, angreifbar und von jemandem beobachtet.
    Ich beschleunigte mein Schritttempo auf das Maximum, bis ich schnaufend und keuchend vor meiner Haustür ankam.
    Doch mein Schlüssel lag in meinem Zimmer, außerdem kam meine Familie erst nach Mitternacht wieder.
    Mir lief ein Schauer über den Rücken. Die Straßenlaternen spendeten trübes Licht.
    Ich musste wieder zu Hannes.

    6
    Die Laterne glühte schwach, als ich beim Vorgarten von Hannes stand.
    Ich atmete tief ein und aus. Das ist nur Hannes Haus!, beruhigte ich mich selber.
    Trotzdem wuchs meine Anspannung als ich auf die Klingel drückte. Nach ein paar Sekunden öffnete sich langsam die Tür und Hannes steckte seinen Kopf heraus. Er lächelte, als er mich sah.
    Die Spannungen fielen aus meinem Herzen.
    "Komm rein!"

    7
    Vorsichtig setzte ich mich auf einen abgewetzten Ledersessel und begutachtete die fleckige Wand.
    Hannes kam aus dem Bad zurück und legte sich in sein Bett.
    Als er das Nachtlicht ausknipste, wurde ich das unbehagliche Gefühl nicht los, dass das hier nicht der geeignete Ort zum Übernachten war.
    Ich hätte zu Fanny gehen sollen, überlegte ich.
    Doch dafür war es jetzt zu spät.

    8
    Ich wachte ruckartig aus dem Schlaf auf. Stöhnend blickte ich auf die Standuhr. Halb eins. Mein ganzer Körper schmerzte. Außerdem fühlte sich meine Kehle wie ausgedörrt an.
    Also stand ich auf und taumelte durch die Dunkelheit, als ich endlich die Türklinke entdeckte.
    Vorsichtig drückte ich sie herunter und mit einem grellen Quietschen öffnete sich die Tür.
    Ich huschte ins Nachbarzimmer, aber bemerkte nicht den Schatten, der hinter mir herschlich.

    9
    Der letzte Schluck Wasser löschte meinen Durst, als plötzlich das Licht anging.
    Hannes stand mit bedrohlich funkelnden Augen im Türrahmen und beobachtete mich.
    Ich fragte ihn vorsichtig: "Auch wach?"
    Er knurrte zur Bestätigung.
    "Was hast du eigentlich für einen Auftrag bekommen, Hannes?"
    "Ich muss dich töten, Lilly."
    Mir fiel das Glas aus der Hand und ich wurde leichenblass.
    "Sonst werde ich sterben, Li."

    10
    Ich hatte Angst um mein Leben und wäre schreiend aus dem Haus gelaufen, wenn Hannes nicht im Türrahmen stehen würde.
    Ich fragte zitternd: "Du bist dir wichtiger als ich dir."
    Bei mir fiel der Groschen.
    "War das alles nur Fassade? Die Küsse, die Umarmungen, die Einladungen?", schrie ich ihn an.
    Sein Blick wurde weich.
    "Li, ich liebe dich, vertrau mir-" Doch er wurde jäh unterbrochen. "Ich dir vertrauen? Nachdem...Nachdem du das denkst und sagst?"
    Ich schluchzte auf.
    "Li, ich liebe dich. Doch ich bin wichtiger als du. Ich kann die Zeit überdauern! Ich bin unsterblich, wenn ich alle Aufträge ausgeführt habe!", rief er begeistert.
    "Oh, Hannes...", ich schüttelte mitleidig den Kopf.
    "Das ist so erbärmlich und feige. Du mordest, um ewig leben zu können?"
    Das Leuchten in seinen Augen erlosch.
    "Mitleidig nennst du das? am liebsten wäre ich mit dir Herrscher der Welt!"
    "Lieber würde ich sterben, als das.", ich schüttelte abermals traurig den Kopf.
    "Was ist nur aus dir geworden? Wo ist der liebe Junge, der mich beschützt hat, wenn ich alleine war?", flüsterte ich.
    Mein Herz wurde von einer eisernen Faust gepackt.
    Ich streichelte ihm über die warme Wange.
    Er sah mich irritiert an. "Ich bin dir immer gefolgt. Ich hab deinen Schlüssel versteckt, damit du hierher kommst.", gab er mit kalter Stimme zu.
    Ich wich zurück. "Hast du noch ein Leben? Oder wurdest du von dem mordenden Werwolf vollkommen ersetzt?", hauchte ich.
    "Schluss jetzt!", knurrte er nach einer längeren Pause. "Es wird Zeit."
    Ich machte mich bereit.
    Und dann stürzte er sich auf mich, verwandelt als Wolf.

Kommentare Seite 1 von 1
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Julia : ) ( 8.120 )
Abgeschickt vor 141 Tagen
Echt gut geschrieben
Schnuffi12 ( von: Schnuffi12 )
Abgeschickt vor 216 Tagen
Ach du [BEEP]-grade diese alte Geschichte wieder entdeckt...
lilly malfoy ( 0.202 )
Abgeschickt vor 568 Tagen
Cool echt!
Kannst du mehr schreiben?
Schnuffi12 ( 3.200 )
Abgeschickt vor 718 Tagen
@Luna
Danke, freut mich, dass es dir gefällt :)!
Luna2003 ( 9.201 )
Abgeschickt vor 719 Tagen
Die Geschichte ist echt schön, das ganze ist gut geschrieben und die Geschichte ist einfach nur traurig und schön...
:)