Das Biest und der Tyrann - Teil 4

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1 Kapitel - 6.556 Wörter - Erstellt von: Ronja - Aktualisiert am: 2015-01-13 - Entwickelt am: - 2.413 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

Nachdem es so lange gedauert hat, bis der dritte Teil hochgeladen wurde, hoffe ich nun, dass der Vierte schneller für euch zu lesen ist ;)

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    Grits Sicht
    Oh man! Das wäre peinlich geworden. Fast hätte Killer gesehen, wie ich in Kids Augen versunken bin. Ich wollte doch böse auf ihn sein und dann plötzlich war sein Gesicht direkt vor mir. Verdammt! Er kriegt doch sowieso schon jedes Mädchen. Eigentlich wollte ich mich nicht da einreihen. Aber er ist so unglaublich… Halts Maul! Denk nicht mal drüber nach. Bilde dir ja nicht ein, bei dir wäre es etwas anderes. Er will einfach nur jedes Mädchen erobern. Er spielt nur mit dir. Huch… was ist denn das? Während ich in Gedanken mit meinen Gefühlen gestritten habe, ist mir gar nicht aufgefallen, dass ich einen total unbekannten Weg eingeschlagen habe. Tatsächlich habe ich grade einen Raum entdeckt, den ich vorher noch nie gesehen habe. Was steht auf der Tür? Gummizelle? Ich gehe einen Schritt in den Raum und sehe mich um. Tatsächlich! Der Boden und die Wände sind alle mit Gummimatten ausgelegt. Es gibt ein paar Boxsäcke und andere Gegenstände, an denen man entweder trainieren oder Wut ablassen kann. Ich nehme an, der Raum wird zum Abregen genutzt. Wahrscheinlich sperrt Kid die Aufmüpfigen hier ein und lässt sie erst wieder raus, wenn sie sich abgeregt haben. Ich schließe die Tür. Ein wenig Training wird mir gut tun. Draußen auf dem Deck fände ich es komisch, zu trainieren. Ich dehne mich und wärme mich ein wenig auf. Im Kampf setze ich nicht nur auf meine Knarren und meine gute Ausdauer. Ich bewege mich viel und turne überall rum, deshalb brauche ich turnerisches Können, Kraft und ein schnelles Reaktionsvermögen. Letzteres kann ich mir schlecht im Einzeltraining aneignen. Ich beginne mit ein paar leichten Übungen. Rad schlagen, Flick flack und Handstand. Als ich im Handstand alles über Kopf sehe, fällt mir plötzlich wieder Kid ein, wie ich ihn über Kopf angeguckt habe. Ich knicke ein und falle auf den Boden. „Scheiße!“, fluche ich laut. Noch immer sehe ich Kids Gesicht vor mir. „Hau ab! Hau ab! Hau ab!“, sage ich und haue mir mehrmals gegen den Kopf. Er soll raus. Raus aus meinen Gedanken. Ich umfasse meine angezogenen Beine und lege meinen Kopf auf die Knie. Erst einmal tief durchatmen und dann… Die Kleidung riecht wie Kids Mantel, den ich heute Morgen als Decke benutzt habe. Es riecht SO gut. Mist! Ich wollte doch grade auf andere Gedanken kommen. Mühsam stehe ich auf. Okay, stell dir einfach vor, du bist mitten in einem Kampf. Ja genau, die Angreifer sind von der Marine und die sind ziemlich stark. Du brauchst jetzt deine gesamte Konzentration. Wenn du eine Sekunde nicht aufpasst, stirbst du. Ich spüre wie Adrenalin in mir aufsteigt. Gut, das funktioniert fast immer. Ich beginne mein Training und springe, laufe, rolle und fliege durch den Raum. Meine Gedanken lassen nichts anderes zu. Ich bin hochkonzentriert.

    Verschwitzt aber glücklich stehe ich schnaufend neben der Tür. Das hat gut getan. So ich würde mal sagen duschen ist angesagt. Seit dem ich auf Kids Schiff bin, dusche ich unnormal oft. Das ist echt unglaublich. Aber irgendwie bleibt mir auch keine andere Wahl. Ständig ist irgendwas. Ich brauche auch unbedingt jede Menge Kleidung. Schließlich sind meine Sachen ständig nass oder dreckig oder was auch immer und da kann ich nun wirklich nichts für. Hoffentlich finde ich den Weg jetzt überhaupt zurück. Ich folge dem einzigen Gang, den es hier gibt und befinde mich schon bald in bekanntem Gebiet. Bitte, bitte, bitte sind Kid und Killer nicht mehr im Zimmer. Bitte, bitte, bitte. Ich lausche an der Tür, öffne sie dann vorsichtig und atme erleichtert aus. Niemand da! Schnell husche ich rein, packe mir ein neues T-Shirt von Kid und verschwinde im Badezimmer. Mir muss diese Peinlichkeit von vorhin ja nicht noch einmal wiederfahren. Oh man, war das peinlich. Ich kann es kaum glauben, dass er mich halb nackt gesehen hat. Aber einmal musste es ja schief gehen. Als Kid dann direkt vor mir stand, hat er bestimmt alles gesehen. Obwohl… Hat er mich überhaupt gemustert? Ich glaube er hat gar nicht meinen Körper angesehen, sondern nur mein Gesicht. Oder hat er mich doch gemustert? Ich weiß es nicht mehr. Nachdem ich nur meinen Körper geduscht habe, ziehe ich mich an. Die Enden der Hose, welche viel zu lang ist, kremple ich hoch und oben hält sie ein Ledergürtel zusammen. Das T-Shirt lasse ich lose runterhängen und halte es nur zurück, indem ich es vorne hinter die Gürtelschnalle stecke. Meine Haare binde ich zusammen und benutze zwei Dreads als Haargummi. Ich höre laute Geräusche von draußen und gucke durchs Fenster. Das einzige, was ich sehen kann, sind die Holzplanken eines fremden Schiffes. Oh Scheiße! Wir werden angegriffen und ich habe nichts bemerkt. Schnell schnalle ich mir meine Knarren um und renne an Deck. Dort ist geschäftiges Treiben. Außerdem sind im Hintergrund Häuser. Aha! Wir sind also schon auf der Insel und niemand hat mir Bescheid gesagt. Naja, macht nichts. John und Kalle sind grade dabei das Schiff ordentlich zu vertäuen. Einige wenige sind noch an Deck, aber sind auch schon im Begriff zu gehen. Ich schlendere zu den beiden rüber. „Wollen wir zusammen in die Stadt gehen?“, frage ich sie. Verwundert dreht sich John um. „Huch! Da bist du ja. Kid hat dich vorhin gesucht. Wir können leider nicht weg bis Markus und Thomas wiederkommen mit den Lebensmitteleinkäufen. Der Käpt’n hat uns Schiffswache aufgedrückt“, sagt John und zieht dabei eine Schmolllippe. Schiffswache? War da nicht jemand anderes dran? „Aha! Und warum müsst ihr jetzt auf das Schiff aufpassen? Es waren doch andere eingeteilt“, frage ich verwundert. Jetzt meldet sich Kalle zu Wort. „Tja, das hat uns wohl unser Streich eingebrockt. Strafe wegen Lebensmittelverschwendung.“ „Selber schuld!“ Ich grinse. Da haben sie wohl Pech gehabt. John zuckt mit den Achseln. „Hat sich trotzdem gelohnt. Wir können ja nachher noch was trinken gehen“, schlägt er vor. „Ja supi. Machen wir so. Ich komme dann später wieder aufs Schiff. Wir treffen uns bestimmt irgendwie“, sage ich, winke den beiden zu und gehe von Bord. Also gut. Erst einmal Kleidung holen. Mein Magen knurrt. Also gut. Erst einmal Essen holen. Ich gehe etwas weiter in die Stadt rein und halte Ausschau nach einem Restaurant oder einem Essenstand oder sowas. Schon bald finde ich einen Laden, aus dem es köstlich riecht. Ich bestelle mir etwas zu essen. „Das macht 15 Berry“, sagt die Verkäuferin. Oh Mist! Das hatte ich total vergessen. Ich habe ja gar kein Geld. Aber ich habe doch Kid gefragt, warum… Ah! Ich weiß wieder. „Tut mir Leid, aber ich habe das Geld grade nicht bei mir. Könnten Sie das vielleicht auf Rechnung setzen? Wenn Sie übermorgen um drei zum Hafen kommen, kann ich es Ihnen bezahlen“, sage ich in einem freundlichen Ton. Die Verkäuferin sieht mich skeptisch an, nickt aber und schreibt etwas auf. „Dankeschön!“ Schnell weg hier. Ich packe das Essen und lass es mir unterwegs schmecken. Links und rechts schaue ich in die Geschäfte rein. Hm… welches soll ich als erstes probieren? Mit gefülltem Magen betrete ich den ersten Laden.

    Glücklich und mit prallgefüllten Einkaufstüten gehe ich zurück zum Schiff. Shoppen kann richtig Spaß machen, wenn du alles brauchst und nicht bezahlen musst. Wahrscheinlich war das das erste Mal, dass ich richtig viel Spaß am Shoppen hatte. Die meisten Verkäufer haben es mir ohne Umschweife erlaubt, den Einkauf auf Rechnung zu schieben. Lag wohl daran, dass es meistens junge Männer waren, mit denen ich mich prächtig verstanden habe. Schade eigentlich, dass ich sie so übers Ohr hauen muss. Fast will ich gar nicht meine eigene Kleidung haben. Die von Kid riecht doch so gut. Vielleicht riechen ja meine bald auch so gut, wenn ich sie im gleichen Schrank wie Kids Kleidung aufbewahre. Was Kid wohl den ganzen Nachmittag gemacht hat? Och manno. Warum denke ich denn jetzt schon wieder an Kid? Das ist doch doof. Ich verziehe den Mund. „Hey Grit!“ Es dämmert schon und ich bin fast wieder beim Schiff. Ich schaue mich um. Wer hat mich gerufen? John steht vor einer Kneipe und winkt. „Oh hey John“, rufe ich zurück. „Wir feiern alle hier. Komm auch gleich! Das wird lustig“, ruft er mir zu. Seine Stimme klingt bereits leicht angetrunken. Na das wird ja wieder ein richtiges Saufgelage. Ich grinse und rufe zurück: „Ja. Ich komme gleich.“ In Kids Kajüte mache ich mich an die Arbeit seinen Schrank erst einmal neu zu sortieren. Jetzt wo meine Kleidung auch noch mit rein muss, kann er sich nicht mehr so ausbreiten. Er braucht vor allem nicht einmal den ganzen Schrank, aber seine Sachen sind so überall verteilt, dass es aussieht als wäre dort kein Platz mehr. Zufrieden betrachte ich das Ergebnis. Meine Oberteile liegen direkt neben seinen. So werden sie ganz sicher seinen Geruch annehmen. Ich hau mir mit der Hand an den Kopf. Wie bescheuert! Das ist voll creepy. Egal jetzt. Ich will runter in die Kneipe. Also beeile ich mich, damit ich schnell da ankomme. Vor der Tür hört man schon lauten Lärm. Es ist eine Mischung aus Musik, Gegröle, Poltern und Lachen. Das wird ein Spaß. Gut gelaunt öffne ich schwungvoll die Tür. Sie knallt gegen die Wand und viele Augen sind auf mich gerichtet. Ich schmeiße einen Arm hoch und stoße einen Freudenschrei aus. Alle heben ihren Sake und stimmen ein. „Na endlich! Ich dachte schon du hast dich verdrückt“, sagt John laut, als er auf mich zukommt. Die Musik ist so laut, dass man fast schreien muss. Er legt einen Arm um mich und drückt mir einen Krug Bier in die Hand. Seinem Atem zu urteilen, hat er bereits mehrere Krüge runtergegossen. Im Raum wurden überall die Tische an die Seiten geschoben, sodass man tanzen kann. In einer Ecke tummelt sich eine große Gruppe von Menschen. Die Kid Piraten. John bugsiert mich laut singend auf die Sofas, die dort herum stehen. Ich nehme einen großen Schluck von meinem Bier und singe ebenfalls laut mit. „Ich habe sie gefunden!“, grölt John, als wir in der Ecke ankommen. Ich werde jubelnd begrüßt. John lässt sich auf ein Sofa fallen und zieht mich mit runter. Ich plumpse neben Kalle, der ebenfalls einen Arm um meine Schultern legt und nun fangen die beiden an zu schunkeln und ich werde hin und her gedrückt. Sie sind schon ein Haufen Spaßvögel. Ich lache und amüsiere mich prächtig. Als Kalle und John für einen Augenblick abgelenkt sind, habe ich die Möglichkeit mich umzuschauen. Hier in der Ecke sitzen nicht nur die üblichen Mitglieder der Crew, sondern auch einige Frauen. Die meisten vertieft in einen, doch ziemlich wilden Kuss. Sie sind eben doch nur Männer. Ich lasse meinen Blick schweifen. Das hätte ich lieber lassen sollen. Am anderen Ende sitzt Kid. In jedem Arm hält er eine Frau. Jede knapp bekleidet und richtig sexy. Da hat er seine 90-60-90 Barbies. Ich will mir lieber nicht vorstellen, was da noch passiert. Noch behält jeder seine Finger für sich. Verstimmt und richtig mies gelaunt lehne ich mich zurück. Ich schnappe mir mein Bier und kippe es runter. „Wir brauchen aber gar keine Frauen um eine gute Party zu feiern, nä Kalle? Wir brauchen nur Grit und dann haben wir auch ohne Frauen Spaß“, erklärt John neben mir irgendeinem anderen aus der Crew laut und holt mich damit zurück ins Geschehen. „Ja genau!“, bestätigt Kalle und lehnt sich weit über mich. Seinen Sake hält er mir direkt ins Gesicht. Diese Idioten. Ich schnappe mir den Sake, kippe ihn runter und sage dann laut: „Ich bin auch eine Frau!“ Kalle und John schauen mich wie Kühe an. Joa. Alles klar. Einfach nur idiotisch. Die beiden werden von allen umstehenden ausgelacht. Ich grinse nicht. „Ja schon… aber… du bist irgendwie… anders“, stammelt John vor sich hin. „Du bist nicht so… Frau Frau hicks weischt du?“ Kalle hat eindeutig schon mehr getrunken als John. Der Anblick der beiden bringt mich dann doch zum Lachen. Ich kann den beiden auch irgendwie nicht sauer sein. Sie sind einfach zu idiotisch. Schlechte Laune hin oder her, Kid versaut mir nicht den Abend. Ausnahmsweise trinke ich mal ein bisschen mehr als sonst, aber nur ein bisschen. Die Party ist mega genial. „Hier trink upps… trink doch noch etwas“, lallt John und hält mir noch einen Sake hin, den er beinahe verschüttet hätte. „Puh! Ne, ich glaube ich trinke lieber nichts mehr. Will ja schließlich noch Herrin über meine Taten bleiben“, antworte ich fröhlich. Kalle kommt von der anderen Seite und legt wieder seinen Arm um meine Schultern. „Ach komm schon! Dasch macht Spaß!“ „Jaja. Aber ich trink halt nicht so viel!“, antworte ich bestimmt. Kalle zuckt mit den Schultern und hebt seinen Krug hoch und singt das Lied mit, dass grade angemacht wurde. „Okay, okay!“, sagt John und grinst mich fett an. „Ist akzeptiert“ Ich grinse auch und lasse mich von der ausgelassenen Stimmung mitreißen. Viel von den anderen oder besser gesagt DEM anderen, bekomme ich nicht mit. Das ist wahrscheinlich auch besser so. Oh wow. Meine Füße tun langsam weh und ich bin echt fertig. Wie spät ist es eigentlich? Ach egal. Wen interessiert‘s? Ich lache laut los. „Jungs? Ich muss zurück aufs Schiff, sonst falle ich gleich tot um.“ John schaut mich erschrocken an. „Dann solten wir unsch wohl hineilen. Will nisch, dasch du stribst.“ „Oh John“, sagt Kalle und haut seinem Kumpel auf den Rücken. „Dat war doch nischt ernst jemeint. Dat war `n Witzsch.“ Johns Gesicht leuchtet auf. „Ah! Jut. Denn lasch uns gehen“, lallt er und zieht mich mit sich, da er und Kalle mal wieder ihre Arme um meine Schultern gelegt haben. Torkelnd und lallend bestreiten wir den Weg zum Schiff. Upps… Auf der Planke hoch zum Schiff rutsche ich aus. „Achtung!“, rufe ich grade noch irgendwie, bevor wir ins Wasser fallen. Ich halte mich verkrampft an John und Kalle fest, während sie sich an der Planke festkrallen, damit wir nicht ins Wasser fallen. Ich fange hysterisch an zu lachen. „Dat war gar nischt lustisch!“, schreit mich Kalle an. „Ach nu reg disch mal nischt auf. Is ja nischt passiert“, lallt John ebenfalls lachend. „Schorry. Hascht ja recht“, antwortet Kalle nun ganz geknickt. Ich streichel seinen Kopf. „Schon oke“, sage ich grinsend. Kalle guckt auf und lächelt. Kichernd klettern wir den restlichen Weg aufs Schiff rauf. Plötzlich bin ich wieder richtig munter. „guck mal… ich will irgendwie… eigentlich will ich doch nicht schlafen. Darf ich noch ein bisschen wach bleiben?“, frage ich John flehend. „Aber natürlisch. Du kannst doch schlafen wann du willscht, nä Kalle?“ Kalle nickt zu Zustimmung heftig. Freudig springe ich hoch. Plötzlich liege ich auf dem Boden. „Huch“, sage ich kichernd. „Alles oke?“, fragen Kalle und John besorgt und lassen sich jeweils auf einer Seite von mir nieder. „Bin umgeknickt!“, antworte ich verträumt kichernd. Die Sterne sind so schön. „Da! Guckt! War das grade eine…“

    „Nein! Du darfst nicht mehr in meinem Bett schlafen. Da in der Ecke kannst du doch pennen. Ich schlafe jetzt mit meiner Freundin in meinem Bett!“ Was? Er kann mich doch nicht so einfach aus dem Bett schmeißen. Der Boden ist total hart. Ich kriege Kopfschmerzen, so hart ist er. „Nein! Kid bitte…“, flüster ich verzweifelt. „Bitte nicht!“ Ich reiße die Augen auf. Über mir ist der blaue Himmel. Ich habe Kopfschmerzen, liege tatsächlich auf einem harten Boden und irgendetwas Schweres liegt mir auf dem Bauch. Wieso liege ich nicht in Kids Bett? Hat er mich tatsächlich rausgeschmissen? Das wäre echt übel. Ich strecke meinen Kopf hoch um zu sehen wo ich bin. Um mich herum liegen überall Leute aus der Crew. Ich bin auf dem Deck. Wahrscheinlich bin ich hier eingepennt. Das Schwere auf meinem Bauch sind der linke Arm von Kalle und der linke Arm von John. John liegt rechts von mir auf dem Rücken, schlafend, und Kalle liegt links von mir auf dem Bauch, schnarchend. Plötzlich sehe ich eine Bewegung. Kid klettert grade über die Reling und kommt an Bord. Er hält sich den Kopf und geht ein bisschen unbeholfen übers Deck. Wo der wohl die Nacht verbracht hat? Halt! Ich will es gar nicht wissen, denn es interessiert mich ja nicht. Oh Mist! Jetzt guckt er hoch und mir direkt in die Augen. Kid mustert kurz mich, Dann John und Kalle und wendet dann sein Gesicht ohne jegliche Emotion ab. Na toll! Ich hoffe er denkt jetzt nichts Falsches. Ich lasse meinen Kopf wieder auf den Boden senken. Aua! Mein Kopf tut weh und ich liege echt unbequem. Vorsichtig versuche ich mich etwas bequemer hinzulegen. „Hä was?“, sagt John verschlafen und gähnt ausgiebig. Jetzt habe ich ihn doch geweckt. „Sorry. Wollte dich nicht wecken“, antworte ich leise. „Ach kein Problem!“ Warum bemühe ich mich eigentlich leise zu sein, wenn er hier so laut ist? Kalle regt sich nun auch neben mir. „Halt die Klappe John!“, sagt er gähnend und rollt sich auf den Rücken. Es dauert eine Weile, bis sich einer von uns wieder bewegen kann. Die ersten Bewegungen eben waren ja schon ziemlich anstrengend. „Wie spät ist es?“, frage ich schließlich und kneife die Augen zusammen, um den Stand der Sonne zu erkennen. Es ist aber viel zu hell und da ich kein Land sehe, sondern nur den Himmel und die Sonne, kann ich es auch schlecht abschätzen. Egal, ich gebe auf! „Wahrscheinlich so zwölf Uhr nehme ich an“, bringt Kalle nach einer Weile hervor. Och nö! Ich bin heute fürs Mittagessen eingeteilt und das gibt es immer um eins. Also wahrscheinlich essen wir dann halt Frühstück und nicht Mittag. „Dann muss ich jetzt in die Küche. Hab Dienst“, sage ich und bereite mich innerlich darauf vor, gleich aufzustehen. „Ach Mist! Ich auch“, sagt Kalle. Drei, zwei, eins und los. Ich gebe mir einen Ruck und stehe umständlich auf. Kalle rappelt sich ebenfalls mühevoll auf. „Ich bleibe noch ein wenig liegen, wenn es euch nichts ausmacht“, höre ich John sagen. „Jaja“, murmelt Kalle. Mir tanzen bunte Punkte vor den Augen und mein Kopf fängt mächtig an zu dröhnen. „Uff“, mache ich und halte mir den Kopf. „Kopfschmerzen huh?“, fragt Kalle. „Keine Sorge wir haben hervorragende Kopfschmerztabletten.“ Er klopft mir aufmunternd auf die Schulter. Die bunten Punkte lassen nach und auch mein Kopf hört ein wenig auf zu schmerzen. Schwankend bewegen wir uns zur Küche. „Guten Morgen Jungs!“, begrüßt uns Thomas herzlich, als wir die Küche betreten. Kalle hebt seine Hand abwehrend und sagt: „Pscht!“ „Ich bin eine Frau“, protestiere ich kraftlos und lasse mich auf einem hohen Hocker am Tresen nieder. „Ihr seht aus wie Zombies!“, sagt Thomas fröhlich und rührt in der Pfanne rum. Ich nehme an es ist Rührei. „Danke, du siehst heute auch gut aus“, antworte ich langsam. Ich stütze meinen Kopf auf die Hände und stöhne. Thomas stellt jedem von uns ein Glas Wasser hin. „Wenn das so weiter geht mit euch, dann könnt ihr nicht mal den Tisch decken. In der Schublade sind Tabletten“, sagt er und wendet sich wieder dem Kochen zu. Welche Schublade meint er? Kalle greift unter meinen Arm durch und öffnet eine Schublade. Erstaunt schaue ich auf. Ah… die Schublade meinte er. Kalle holt eine Schachtel raus und öffnet sie. „Hier!“, sagt er und reicht mir eine kleine weiße Kugel. Ich nehme sie und schlucke sie mit Wasser runter. „Bäh!“ Ich verziehe das Gesicht. „Ist ja ekelhaft!“ „Aber sie hilft. In ein paar Minuten geht es dir schon wieder besser“, sagt Kalle und schluckt ebenfalls eine Tablette runter. „So! Jetzt deckt den Tisch. Es gibt gleich Essen“, meldet sich Thomas zu Wort. „Wie spät ist es denn?“, frage ich verwundert. Ich dachte es ist erst so 12 Uhr. „Es ist kurz vor eins.“ Was? So spät schon. Na dann müssen wir uns tatsächlich beeilen. Ich quäle mich durch die Prozedur des Tischdeckens durch. Unglaublich schnell wie ich finde. Meine Kopfschmerzen lassen wirklich ziemlich schnell nach. Die viele Bewegung weckt mich auf und macht mich munter. Die ersten Jungs kommen rein, schnappen sich ein Glas Wasser und eine Tablette und setzen sich an die Tische. Kalle scheint nun auch wach und relativ munter zu sein. Wir setzen uns zu John, der mit seinem Kopf auf dem Tisch liegt und versucht zu schlafen. Nach einiger Zeit wird die eine Tür aufgestoßen. Kid hält sich schwankend am Türrahmen fest. Der muss sich ja richtig abgeschossen haben letzte Nacht. „Jaja… fangt an“, sagt er und fuchtelt mit der Hand rum. Ständig das Gleichgewicht verlierend und wahrscheinlich mit schrecklichen Kopfschmerzen, schafft er es endlich an den Tresen in der Küche. Er hievt sich auf einen der Hocker und legt den Kopf auf die Platte. „Boah! Den hat es ja mal richtig erwischt. Der hat sich mit Sicherheit das Gehirn weggesoffen“, raunt Kalle mir zu. Genauso sieht er aus. Thomas stellt ihm ein Glas Wasser hin und legt eine Kopfschmerztablette dazu. Angewidert schüttel ich den Kopf und wende mich meinem Essen zu. Warum muss man sich bitte so krass abschießen?

    Kids Sicht
    Scheiße man! Diese Kopfschmerzen sind eine Qual. Ich kann keinen klaren Gedanken fassen. Ah… verdammt! Hör auf! Ich hoffe die Tablette wirkt bald. Ich halt es nicht mehr aus. Gestern habe ich noch gar nicht mal so viel getrunken, oder? Ich halt‘s nicht aus. Gestern Abend war richtig geil, aber heute Morgen war richtig für‘n Arsch. Keine Ahnung wo ich aufgewacht bin, die Frau, die neben mir lag, war im Tageslicht doch nicht so hübsch wie gedacht und dann habe ich auch noch gesehen, wie Grit zwischen John und Kalle lag. Scheiße man, was läuft da eigentlich bei denen? Immerhin kann ich jetzt schon wieder klarere Gedanken fassen. Die Kopfschmerzen lassen nach. Denk einfach nicht mehr über die drei nach. Ich dreh mich um. Die Tische sind nur halb gefüllt, wenn überhaupt. Ich schaue zu dem Ende, an dem ich immer sitze und sehe… na toll! Ich drehe mich wieder um. Da sitzt sie, wieder eingerahmt von John und Kalle. Was fällt ihr eigentlich ein mit meinen Männern zu flirten? Und dann auch noch mit zwei gleichzeitig. Das werde ich nicht durchgehen lassen. Wenn sie mit jemanden flirten darf, dann nur mit mir. Oh shit! Was rede ich da eigentlich. Sie steht ja nicht einmal auf mich, das hat sie mir schließlich von Anfang an unter die Nase gerieben. Thomas schiebt mir einen Teller Essen hin. Verdammt noch einmal, aber sie ist so anders. Mit ihr kann man reden und raufen, Streiche spielen und Spaß haben und zwar nicht im Bett sondern richtigen Spaß. Aber seit wann stehe ich auf sowas? Mich interessiert es nicht einmal, dass sie äußerlich so gar nicht meiner üblichen Beute entspricht. Ich sehe sie noch nicht einmal als Beute an, sondern als… „Jetzt starr den Teller nicht nur an, sondern iss endlich auch etwas, dann geht es dir auch wieder besser.“ Ich schrecke hoch. Thomas steht mit verschränkten Armen hinterm Tresen und sieht grimmig zu mir herüber. Erst jetzt realisiere ich, dass mein Frühstück schon eine Weile vor mir steht. „Oh… ähm danke“, bringe ich hervor und fange an zu essen. Als ich fertig bin, drehe ich mich um und schaue durch den Raum. Noch immer sind die Tische halbvoll, aber ich nehme an, dass mittlerweile die zweite Hälfte frühstückt, während sich die erste getrollt hat. Grit ist nicht mehr da. John und Kalle sitzen alleine am Tisch und spielen Daumenwrestling. Ich beobachte noch eine Zeit lang das müde Treiben und entschließe mich dann aufzustehen. Mit Händen in der Tasche schlendere ich zu meiner Kajüte. Ich mache die Tür auf und sehe wie Grit vor dem Spiegel steht. Als sie mich hört guckt sie auf. „Na! War schön letzte Nacht?“, fragt sie sarkastisch und etwas unverständlich, weil sie eine Dread in ihrem Mund hat. Es sieht so aus, als ob Grit grade ihre Haare macht oder so. Ich setze ein Grinsen auf. „Oh ja, war prächtig. Soll ich dir etwas darüber erzählen?“, antworte ich stolz. Sie wendet sich wieder ihrem Spiegelbild zu. „Ne ne, lass mal stecken. Wollte nur aus Höflichkeit etwas sagen. Solange du keinen Sex in dem Bett hast, in dem ich schlafe ist es mir auch Lachs“, antwortet sie emotionslos, während sie die Dread aus ihrem Mund irgendwie in einem Zopf unterbringt. Ich mustere sie. Macht es ihr wirklich nichts aus? Schade eigentlich. Sie wird schon noch ausrasten deswegen. Dafür sorge ich schon. Erst jetzt fällt mir auf, dass sie ja gar nicht mehr meine Kleidung trägt. Offenbar war sie gestern ordentlich shoppen. Grit sieht echt gut aus. „Ich verpiss mich jetzt mal“, sagt sie, schaut mich an und geht dann Richtung Tür. „Heute Abend, Party in der Kneipe, Anwesenheitspflicht“, sage ich laut. „Jaja. Mal schauen“, antwortet sie und verschwindet aus der Tür. Ich grinse. Dieses süße kleine Biest! Wie soll ich ihr bloß jemals böse sein?

    Grits Sicht
    „Da vorne ist schon das Schiff! Ich bin erste“, rufe ich und laufe in Höchstgeschwindigkeit aufs Schiff zu. Hinter mir keucht John, dicht gefolgt von Kalle. Ich werde das Wettrennen gewinnen. Am Schiff angekommen, stütze ich mich ab und keuche außer Atem. „Erster!“, bringe ich hervor, als Kalle und John ebenfalls erschöpft ankommen. Wir waren den ganzen Tag in der Stadt gewesen und hatten viel Spaß. Das Wettrennen ging durch die halbe Stadt und ich habe gewonnen, obwohl ich barfuß bin und wir teilweise über Kieswege gelaufen sind. Meine Fußsohlen sind jetzt auch echt wund. So krasse Hornhaut besitze ich dann doch nicht. Erschöpft gehen wir drei aufs Schiff. Es dämmert bereits. „Wann geht ihr in die Kneipe?“, frage ich Kalle und John. Die beiden gucken sich bedrückt an. „Naja“, meint John. „Eigentlich gar nicht.“ „Was? Warum nicht?“, frage ich entgeistert. Bitte nicht! „Wir müssen doch aufs Schiff aufpassen und da Thomas und Markus gestern Abend aufgepasst haben, müssen wir nun heute Abend aufpassen“, sagt Kalle unglücklich und macht einen Schmollmund. „Nicht euer ernst? Kid ist so ein Tyrann!“, sage ich entsetzt. Ohne die beiden wird es doch nur halb so lustig. Mit wem soll ich denn sonst feiern? „Sorry tut mir echt Leid“, sagt John und ich sehe, dass er und Kalle es tatsächlich auch sehr blöde finden. „Tja… dann habe ich auch keine Lust. Wir können ja hier ein bisschen feiern“, schlage ich vor. „Ne lass mal“, sagt Kalle. „Du solltest auf die Party gehen. Echt jetzt! Du findest schon andere mit denen du feiern kannst.“ Ich atme geräuschvoll aus. „Nagut“, antworte ich und humpel davon. Meine Füße tun so weh. Ich muss sie unbedingt verbinden. Als ich durch die Küche durchgehe, eine Abkürzung, treffe ich auf Thomas. „Kannst du mir vielleicht zwei Verbände und eine Wundsalbe oder sowas besorgen? Ich habe nämlich keine Ahnung, an wen ich mich dafür wenden sollte“, sage ich. Er sieht mich verwundert an. „Was hast du denn angestellt?“ Ich setze mich auf einen der Hocker am Tresen. „Ich habe ein Wettrennen durch die Stadt gemacht. Barfuß. Über Kieswege.“ Thomas verzieht schmerzvoll das Gesicht. „Autsch“, murmelt er, während er irgendwohin geht. Ich gucke mir meine Füße an. Sie sind ziemlich rot aber zum Glück nicht blutig. Thomas kommt wieder und legt mir die Sachen hin. „Hier, aber sei in Zukunft lieber vorsichtiger. Kid wird das sicher nicht gefallen“, rät er mir. Ja und? Was soll das jetzt? Mir doch egal ob Kid das gefällt, oder nicht. Ich gucke Thomas noch einmal verwirrt an, dann humpel ich in „meine“ Kajüte. Auf dem Bett sitzend verbinde ich mir die Füße. Hoffentlich schmerzt es nicht allzu sehr. Vorsichtig trete ich auf. Der Schmerz ist kaum noch zu spüren. Sehr gut! Kid scheint einen super Arzt zu haben. Ich schau mich im Spiegel an. Kann ich so gehen? Ich trage ein lilanes Top und eine bunte Aladdin Hose. Ach das passt schon. Sieht zwar ein bisschen komisch mit den Verbänden aus, aber wenn… Ich schrecke auf. Kid steht plötzlich in der Tür. „Man hast du mich erschreckt!“, rutscht es mir raus. Er grinst. „Und kommst du mit auf die Party?“, fragt er während er zum Schrank rübergeht und ihn öffnet. „Klar!“, antworte ich grinsend. „Das lasse ich mir doch nicht entgehen. Ich weiß nur nicht so recht mit wem ich feiern soll. John und Kalle müssen ja das Schiff sitten. Tyrann!“ Kid lacht und zieht eine Hose aus dem Schrank. „Tja. Dann musst du wohl mit anderen Vorlieb nehmen. Du kannst ja zum Beispiel mit mir feiern. Biest!“ Ich verschränke die Arme vor der Brust. „Achja? Ich will nun wirklich nicht in deine Angelegenheiten… ZIEH DICH GEFÄLLIGST WIEDER AN!“, schreiend beende ich meinen Satz. Kid zieht sich vor meinen Augen um. Und zwar auch die Unterhose. Schnell drehe ich meinen Kopf weg und halte die Hände schützend in seine Richtung. Boah ey! Das kann doch nicht sein ernst sein. Sein Sixpack ist ja noch ganz nett anzusehen, aber seine Genitalien will ich nun wirklich nicht sehen. „Was ist dein Problem?“, höre ich Kid sagen. Die Geräusche klingen so, als ob er sich wieder anziehen würde. „Noch nie einen nackten Mann gesehen?“ „Nein!“, blaffe ich ihn an und drehe mich um. Ein Glück hat er schon eine Hose an. Verblüfft schaut Kid mich an. Oh Mist! Das wollte ich eigentlich nicht so herausposaunen. „Du hattest noch nie Sex?“, fragt er mich ungläubig. Tja jetzt ist es wohl sowieso schon raus. „Nein“, gebe ich kleinlaut zu. Bisher hatte ich nie ein Problem damit. Ich war eigentlich immer stolz darauf gewesen, aber jetzt kommt es mir so vor, als wäre es total armselig noch nie Sex gehabt zu haben. Kid starrt mich immer noch verwundert an. „Hast du überhaupt jemals schon einen Mann geküsst?“ Ich fange nervös an mit meinen Händen an der unteren Kante meines Tops herumzuspielen. Da hat er doch tatsächlich einen richtig wunden Punkt bei mir getroffen. „Sag nicht, du hattest noch nie auch nur irgendetwas mit einem Jungen?“ Was soll das alles? Muss er mich jetzt hier so runtermachen? Bin halt nicht der Typ für so etwas. Außerdem, ich hasse es mir das einzugestehen, ist nun einmal kein Junge an mir interessiert gewesen. Noch nie in meinem ganzen Leben, hat mir ein Junge irgendwie zu verstehen gegeben, dass er mich mag, so wie ich bin. Also so richtig mag. „Na und?“, frage ich leise. Na toll! Jetzt werde ich auch noch rot. „Ja ne. Ist doch in Ordnung“, sagt Kid noch immer mit einer überraschten Stimme. Jetzt bin ich überrascht. Ich schaue auf. Er guckt mich einfach nur verwundert und geschockt an. Kein Zeichen von Spott, kein Zeichen von Hohn. Mir reicht es jetzt aber. Ich habe genug. „Können wir jetzt zur Party gehen?“, frage ich ungeduldig und hoffe, dass Kid mal langsam der Alte wird. es macht mich nervös, wenn er so ist. Er schüttelt einmal den Kopf, grinst und sagt: „Jap. Los geht’s!“ Kid guckt noch einmal in den Spiegel, fährt sich durchs Haar und geht dann mir voran aus dem Raum. Als wir durch die Küche kommen, schnappt er sich eine Flasche Sake und trinkt einen großen Schluck. Er legt seinen Arm um meine Schulter und hält mir die Flasche hin. „Jetzt wird gefeiert.“ Ich nehme die Flasche und trinke ebenfalls einen großen Schluck. So sehr ich es auch genieße, wie Kid seinen Arm um mich legt, er soll nicht denken, dass ich wie die Barbies bin. Ich schiebe bestimmt seinen Arm von meiner Schulter. „Sorry Kid, ich bin nicht deine Beute, also behandle mich auch nicht so.“ Er schaut mich von der Seite an. „Kein Wunder, dass du noch keinen Freund hattest“, sagt er schnappt sich die Flasche wieder und nimmt ein paar große Schlucke. „So wirst du für immer ungeküsst bleiben. Und vor allem auch ungebumst!“ Ich bleibe abrupt stehen und gucke ihn an. Hat er das grade wirklich gesagt? Schwein. Mistkerl. Arschloch. „Tyrann!“, ist das einzige Wort, das ich über die Lippen bringe. Grinsend setzt Kid die Flasche zu einem weiteren Schluck an. Ich schnappe mir die Flasche und trinke selber was. Diesem Mistkerl werde ich es schon zeigen. Heute Abend reiße ich einen Typen auf und hole mir meinen ersten Kuss ab. Und zwar nicht von Kid. Der wird schon sehen. Ich grinse verbissen. Kid stößt die Kneipentür auf. Drinnen sind bereits eine ganze Menge Leute aus der Mannschaft und zwar auch schon ziemlich betrunken. Kid wird jubelnd begrüßt. Ich folge ihm zu dem Sofa, auf dem er auch gestern schon saß. Allerdings setze ich mich zu Markus, der auch dort in der Nähe sitzt. „Na sieh mal einer an“, sagt dieser und grinst mich an. Ich schnappe mir ein Bier, stoße es gegen das von Markus und sage: „Prost!“ Kid wird bereits von zwei langhaarigen, mit knappen Short und Bikinioberteilen bekleideten, gut gebauten Blondinen belagert. Er grinst dick und fett und amüsiert sich prächtig mit den beiden. Ich versuche es zu ignorieren, aber es geht einfach nicht. „Sorry, aber das halte ich nicht aus“, sage ich zu Markus und stehe auf. Selbstsicher, und mit dem Arsch wackelnd, gehe ich genau vor Kids Nase zur Bar und setze mich hin. Das wird ihm ja wohl hoffentlich aufgefallen sein. So, jetzt muss ich nur noch irgendwie einen Typen aufreißen. Ich bestelle mir einen Cocktail. „Setz das bei denen mit auf die Rechnung. Ich gehöre dazu“, sage ich zum Wirt. Während ich versuche irgendwie verführerisch den Cocktail zu trinken, schaue ich in die andere Hälfte des Raumes. Man ey! Ich habe es echt nicht drauf. Jungs um den Finger zu wickeln, war noch nie meine Stärke und schon gar nicht mein Ziel. Wie soll sich denn so bitte jemand für mich interessieren? „Hey! Wie heißt du?“ Ich zucke zusammen und drehe mich um. Jemand hinter mir hat mich gerade unerwartet an gestupst und dann mit mir geredet. Neben mir sitzt ein junger Mann. Er lächelt mich an und hält ein Bier in der Hand. „Grit und du?“ „Tom“, sagt er einfach nur und grinst. Er sieht eigentlich ganz gut aus. In einem Versuch verführerisch zu wirken, stütze ich mich auf dem Tresen ab und spiele mit der einen Hand an einer Dread. „Also Tom“, sage ich. Irgendwie muss ich ein Gespräch zu Stande bringen. „Kommst du hier aus der Stadt?“ „Ja komme ich. Was hast du eigentlich für coole Haare?“, sagt er begeistert und beugt sich zu mir hin um meine Dreads anzufassen. Ich schaue an ihm vorbei und habe ein perfektes Sichtfeld auf Kid, welcher mich grade beobachtet. Eine der Blondinen versucht seine Aufmerksamkeit zu erlangen, aber er achtet nicht auf sie. Er grinst mich fast ein wenig mitleidig an. Ich grinse überheblich. Der wird schon sehen, wozu ich alles in Stande bin. Okay, ich schaffe das. „Oh wow!“, sage ich und fasse Toms Oberarm an. „Was hast du denn für tolle Muskeln?“ Er grinst mich stolz an. „Tja die bekommst du nur durch hartes Training, Süße“, antwortet er. Pah! Erstens mache ich mir nichts aus Muskeln, zumindest meistens, zweitens hat er echt erbärmliche Muskeln. Tom fasst mich an der Taille an. Scheiße man. Das ist eigentlich nicht so mein Stil. Aber heute Abend muss ich es wohl oder übel über mich ergehen lassen. „Lust zu tanzen?“, fragt er mich. „Aber klar doch“, antworte ich und versuche mich an einem sexy Lächeln. Ich glaube es hat nicht so gut geklappt, aber es ist eh dunkel. Schnell nehme ich noch eine Flasche Bier mit. Anders würde ich das sicher nicht aushalten. Auf der Tanzfläche tanzen wir nah. Aber nicht zu nah, dafür sorge ich schon. Ich tanze echt gerne, aber SO habe ich noch nie getanzt. Es widert mich an. Ich habe auch gar keine Lust mit diesem Typen rumzumachen. Vielleicht reicht es, wenn ich Kid einfach in dem Glauben lasse, als würde ich es tun. Ich versuche mir bei den anderen Mädchen auf der Tanzfläche abzugucken, wie die tanzen. Okay, also immer wieder anfassen und dicht mit dem Gesicht an sein Gesicht rangehen. Ein bisschen steif, aber nicht allzu schlecht wie ich finde, mache ich es ihnen nach. Es scheint tatsächlich auch zu funktionieren. Schließlich packt mich Tom mit beiden Händen an der Hüfte und flüstert mir ins Ohr. „Ich würde dich liebend gerne küssen und überall berühren.“ Es ist also soweit. Ich würde ihn schon noch irgendwie abwimmeln, bevor er tatsächlich tut, was er eben gesagt hat. Aber jetzt muss ich ihn erst einmal nach draußen locken. Ich gehe mit meinem Mund ganz nahe an sein Ohr ran. „Aber nicht hier drinnen. Mein Bruder guckt zu.“ Meine Lippen haben bestimmt sein Ohr gekitzelt. Zur Krönung beiße ich ihm noch sanft ins Ohrläppchen. Das muss doch überzeugend genug gewesen sein, oder? Ich nehme Toms Hand, gucke ihn verführerisch an und gehe zur Tür. Im Hinausgehen erhasche ich einen kurzen Blick auf Kid. Er guckt zu mir und sieht richtig wütend aus. Endlich habe ich ihm sein beschissenes Grinsen aus dem Gesicht geholt. Plötzlich übernimmt Tom die Führung und zieht mich bestimmt mit sich. Mist! So war das nicht geplant.

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