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Der Namenlose

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1 Kapitel - 487 Wörter - Erstellt von: NewZombiegirl - Aktualisiert am: 2014-12-26 - Entwickelt am: - 730 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt

Er ist nur einer der vielen Namenlosen. Von niemanden vermisst.

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    Seine leeren Augen schauen an die weiße Decke, während seine bleiche Haut langsam immer kälter wird. Die schwarzen, fettigen Haare klebten an seiner schweißnassen Stirn.
    Ein langes und schmerzvolles Stöhnen entfuhr seinen Lippen.
    Das Herz, welches früher einst kräftig gewesen war, wurde schwächer bis es schließlich aufhört zu schlagen und es nie wieder tun wird. Als wäre die Zuversicht und die Fröhlichkeit für immer verschwunden.
    Die Bierflasche, welche zuvor in seine blutbefleckten Hand lag, fällt auf den staubigen Teppichboden. Der Rest von der Flasche saugt sich in den braunen Teppich, so dass ein dunkler, großer Fleck daraus entsteht. Die anderen Bierflaschen stehen dagegen in Reih und Glied ordentlich nebeneinander an der weißen, kahlen Wand. An die sich auch er sich mit dem Rücken anlehnte, als er beschloss, sterben zu wollen.
    Plötzlich war es still in dem kleinen, versifften Raum. Eine Gedenkminute für den Namenlosen. Eine stille, aber traurige Beerdigung ohne Gäste. Einzig die unzähligen Bierflaschen waren da, um zu trauern. Und das Küchenmesser. Besonders das Küchenmesser. Sein einziger Freund in schlechten Zeiten. Tiefe Narben zierten seinen linken Unterarm, damit alle von der tiefen und festen Freundschaft erfahren. Falls sie es sehen wollten.
    Violette Flecken fingen an sich zu bilden an seinem Rücken. Ein Zeichen, dass es keine Hoffnung mehr geben wird.
    Niemand wird das erfahren.
    Niemand wird nach ihm suchen.
    Niemand wird ihn vermissen.
    Es würde so sein, als hätte er nie existiert.
    Spätestens in drei Tagen würde der Nachbar sich wegen den Gestank aufregen, den Vermieter kontaktieren und einen Rauswurf wieder beantragen.
    Dann würde er mit einem entsetztem Gesicht die Leiche sehen. Auch er hatte ihn nicht gekannt, wie die anderen Mieter auch. Trotzdem tuschelte er hinter seinem Rücken, beschimpfte ihn und hetzte mehrmals die Polizei gegen ihn auf.
    Er wird sich verzweifelt bei Gott entschuldigen für die schlimmen Taten, dass er ihm das Leben so schwer gemacht hatte. Und Gott wird ihm verzeihen, denn er ist nur ein Mensch.
    Das Blut an dem linken Arm ist schon lange versiegt.
    Pulsader aufgeschnitten, davor gesoffen. Er war verzweifelt.
    Seine Narben werden irgendwann einem interessierten Zuhörer eine Geschichte erzählen. Eine Geschichte voller Schmerz, Wut und scheinbar endloser Trauer.
    Aber auch wenn sie jemand hören will, die ganze Geschichte ist mit dem Namenlosen gestorben.

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