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Harry Potter - Another FANFICTION | Another LOVESTORY | Another ADVENTURE | TEIL 2

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7 Kapitel - 7.003 Wörter - Erstellt von: Anna Hess - Aktualisiert am: 2014-12-18 - Entwickelt am: - 9.523 mal aufgerufen - User-Bewertung: 4.53 von 5.0 - 17 Stimmen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

Jordan ist auf dem Weg nach Hogwarts und wird bereits jetzt mit Ängsten und allerlei Personen konfrontiert, denen man lieber aus dem Weg gehen mag. Wird sie stark bleiben oder bereut sie ihre Entscheidung sich für Hogwarts entschieden zu haben?
Der zweite Teil über die Geschichte der 16-jährigen Jordan Haynes.

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    Ich fange hier noch einmal mit dem Anfang meiner Fanfiktion an, den ich bereits veröffentlicht hatte. Für alle die neu dazugekommen sind: Fangt ab h
    Ich fange hier noch einmal mit dem Anfang meiner Fanfiktion an, den ich bereits veröffentlicht hatte. Für alle die neu dazugekommen sind: Fangt ab hier an zu lesen! Für alle, die den ersten Teil schon gelesen haben: Beginnt bei Kapitel VIER (4):)


    Gelangweilt kritzelte ich auf meinem Pergament herum. Da ich das nun schon seit längerer Zeit tat, war es bereits größtenteils mit meinen Malereien bedeckt. Ich verpasste einem zuvor gezeichneten Herzchen Teufelshörnchen. Mein Gott, ich fühlte mich als wäre ich noch in der Vorschule. Aber es war auch so gut wie unmöglich den Worten meines Lehrers zu folgen. Den Worten meines Privatlehrers. Seufzend riss ich den Blick von dem Pergament los und heftete ihn auf den Mann, der mir seit gefühlten zehn Stunden etwas über die Koboldaufstände vor hunderten von Jahren erzählte. Obwohl ich seine einzige Schülerin war und er mir seine ganze Aufmerksamkeit widmen sollte, bemerkte er nicht, dass ich ihm schon seit Ewigkeiten nicht mehr zuhörte und stattdessen zu malen begonnen hatte. Er starrte die Wand hinter meinem Rücken an und schien mich vollkommen vergessen zu haben. Ich bezweifelte sogar, dass er bemerken würde wenn ich aufstand und einfach den Raum verließ. Was für ein Idiot. Ich versuchte mir die Müdigkeit aus den Augen zu reiben. Es kostete mich große Willenskraft, sie überhaupt noch offen zu halten. Das Thema über das er redete könnte eigentlich sehr spannend sein. Professor Michaelson rasselte es aber so monoton herunter, dass ich schon längst das Interesse verloren hatte. Mein Rücken schmerzte vom langen Sitzen. Ächzend dehnte ich meine Nackenmuskulatur und streckte meine Glieder.
    „Das war alles für heute. Am Montag werden wir hier wieder ansetzen.“, sprach Michaelson endlich die erlösenden Worte. Nicht nur die Geschichtsstunde war vorbei, sondern mein gesamter Unterricht für heute. Plötzlich hell wach, schnappte ich mir sowohl meinen Federkiel als auch das Pergament und stürmte noch vor dem Professor aus dem Raum. Er kannte den Weg inzwischen selbst. Zwar hatte es einige Zeit gedauert, bis er sich in dem riesigen Haus zurecht gefunden hatte, doch das konnte ich ihm bei bestem Willen nicht verübeln. Das Haus in dem ich wohnte, war mit ganzen sieben Schlafzimmern, drei großen Badezimmern, zwei Gästetoiletten, einer offenen Küche die an einen Salon grenzte und einem überdimensionalen Wohnzimmer mit einem bis unter die Decke reichenden Kamin ausgestattet. Hinzu kam ein großer Garten mit Pool und privatem See. Ach, ich hatte die zwei Arbeitszimmer vergessen. Eins wurde als Büro genutzt und das andere für meinen Unterricht. Das Erstaunlichste an der ganzen Sache war, dass nur meine Mutter und ich diese Villa bewohnten.
    Die Zimmer erstreckten sich auf zwei Etagen. Ich selbst rannte die Marmortreppe zu meinem Schlafzimmer hoch. Dort angekommen warf ich die Feder und das Pergament achtlos auf meinen Schreibtisch und rannte wieder runter in die Küche. Hey, es war Wochenende und bis Montag würde ich mich nicht mehr mit langweiligem Schulkram beschäftigen müssen! Hausaufgaben bekam ich nie auf, da wir immer alles im Unterricht behandelten und sie dadurch überflüssig wurden. Betrachtete ein Außenstehender das Geschehen, so schien ich das perfekte Leben zu haben. Das Problem war nur: Mein Leben war ganz und gar nicht perfekt. Ja klar, ich bekam Unmengen von Taschengeld, wohnte in einer Villa und wurde von Privatlehrern unterrichtet. Etliche andere Teenager würden dafür töten, doch die hatten absolut keine Ahnung. Durch den Privatunterricht konnte ich keine Kontakte zu Gleichaltrigen knüpfen, schließlich hatte ich keine Klassenkameraden. Auch das viele Geld konnte die Einsamkeit nicht verschwinden lassen. Und Himmel, ich war einsam! Seit ich mich erinnern konnte wohnte ich nun schon hier und kam so gut wie nie vor die Tür. Ich war noch nicht volljährig und durfte somit nicht disapparieren. Ich kannte niemanden zu dem ich per Flohnetzwerk reisen konnte und auch meine Mutter nahm mich nirgendwo mit hin. Es schien, als wolle sie mich hier vor der Welt geheim halten. Ich hatte es satt hier gefangen zu sein. Gefangen in einem goldenen Käfig. Schon oft hatte ich meine Mutter angefleht mich auf eine normale Schule gehen zu lassen. Von einem meiner Professoren hatte ich erfahren, dass die Schule die junge, englische Zauberer besuchten Hogwarts hieß. Ich würde alles dafür geben um dorthin gehen zu dürfen, doch meine Mum verbot es mir. Immer wenn ich sie nach einer Erklärung fragte wich sie aus und meinte, dass ich mich nicht beschweren solle – ich hätte schließlich Privatlehrer und mir würde es an nichts fehlen. Meine Antwort darauf lautete für gewöhnlich, dass ich jedoch keine Freunde hatte und gerne Mal etwas anderes als dieses vermaledeite Haus sehen würde. Daraufhin folgte ein Schulterzucken ihrerseits und ein 'Es tut mir leid, aber es geht nicht. Glaub mir, es ist nur zu deinem Besten.' Ja, ich kannte diese Unterhaltungen inzwischen auswendig. Kein Wunder, da sie immer gleich abliefen. Ach so, mein Vater. Ja, hm … Ich hatte keine Ahnung wer mein Vater war. Auch das war ein Tabuthema für meine Mutter. Vielleicht wusste sie es auch selbst nicht – keine Ahnung.

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    Ich hatte die Küche erreicht. Verwundert stellte ich fest, dass meine Mutter bereits zu Kochen angefangen hatte. Ich sah eine Pfanne durch die Luft segeln und sicher auf dem Ceranfeld unseres Herdes landen. Unser Herd war ein Muggelprodukt. Wir hatten sogar etwas das die Muggel Fernseher nannten und unsere Lampen brannten mittels Elektrizität. Ungewöhnlich für einen Hexenhaushalt, das war mir bewusst.
    „Du hast schon Feierabend?“, fragte ich die Frau hinter der Küchentheke. Meine Mutter hatte genau wie ich hellblondes, langes, glattes Haar. Ihres war allerdings bereits mit einzelnen grauen Strähnen durchsetzt, welche aber erst bei genauerem Hinsehen auffielen. Ihre Augen waren jadegrün; meine hingegen dunkelbraun, was ich wahrscheinlich meinem Vater zu verdanken hatte. Eine weitere Gemeinsamkeit die ist mit meiner Mutter hatte war, dass wir groß und schlank gebaut waren. Das Schlank-Sein lag bei uns in den Genen und hatte wenig mit Essen zu tun.
    „Ja, ich habe heute früher Schluss gemacht. Ich dachte mir, dass wir vielleicht zusammen zu Abend essen wollen.“, antwortete sie und bedachte mich mit einem kurzen Lächeln. Meine Mutter hatte mich in jungen Jahren bekommen und war daher selbst erst Mitte dreißig. „So, jetzt müssen wir nur noch auf die Kartoffeln warten.“ Seufzend wischte sie sich die Hände an einer Schürze ab, die sie sich um die Hüften gebunden hatte und legte einen Glasdeckel auf den Kochtopf, der die kochenden Kartoffeln enthielt. Aufmerksam musterte ich meine Mutter. Sie machte selten früher Schluss und wenn sie es tat, dann verhieß es für gewöhnlich nichts Gutes. Ich beobachtete wie sie die Schürze auszog und kleine Fältchen in ihrem schwarzen Bleistiftrock glatt strich. In dem Rock steckte eine weiße, geschäftsmäßig aussehende Bluse, deren Ärmel nach oben gekrempelt waren. Der Rock reichte ihr bis zu den Knien und betonte ihre gute Figur. Normalerweise war ich genau so groß wie meine Mum, doch im Moment trug sie schwarze Pumps, die sie circa vierzehn Zentimeter größer erscheinen ließen. Neben ihr fühlte ich mich in meinem Sweatshirt und den zerrissenen Jeans jämmerlich. Meine Haare hatte ich zu einem unordentlichen Dutt hochgebunden – ein unübersehbarer Kontrast zu ihrer eleganten Hochsteckfrisur. Außerdem war sie geschminkt – im Gegensatz zu mir. Ich selbst hatte mir heute Morgen nur ganz schnell die Wimpern dezent getuscht und Make-Up, Lippenstift, Lidschatten, et cetera weggelassen.
    „Was habe ich wieder angestellt.“, seufzte ich und lehnte mich gegen die schwarze Granit-Arbeitsplatte. Noch immer lächelnd kam meine Mum zu mir herüber und legte die Hände auf der Theke ab. Bei meinen Worten runzelte sie die Stirn und sah auf mich herab: „Wie kommst du darauf, dass du etwas angestellt hast?“
    „Du machst nie ohne Grund früher im Ministerium Schluss.“ Ach ja, meine Mutter war die Sekretärin des Ministers – nur mal nebenbei bemerkt. Selbstverständlich waren sowohl sie, als auch ich reinblütig. Bis jetzt hatte sie mir jedenfalls nie Anlass zur Vermutung gegeben, dass mein Vater halbblütig, oder muggelstämmig war.
    „Ach, nein?“, erwiderte sie noch immer verwundert. Daraufhin antwortete ich trocken mit 'Nein' und schüttelte den Kopf. Einen Moment schien sie zu überlegen, dann jedoch verflüchtigte sich ihre verwirrte Miene.
    „Nun, heute schon, Darling.“, grinste sie wieder und küsste mich auf den Kopf, als sie an mir vorbei zum Kühlschrank ging. Sie öffnete ihn und holte eine Flasche Champagner daraus hervor. Dann machte sie sich auf den Weg zu einem der vielen Küchenschränke und füllte einen Teil der sprudelnden Flüssigkeit in eine Sektflöte. Ich selbst stieß mich von dem Tresen ab und schnappte mir die ebenfalls im Kühlschrank stehende Flasche Cola. Meine Mutter hatte sich in der Zwischenzeit an dem im Salon stehenden Esstisch niedergelassen. Ich folgte ihrem Beispiel und ließ mich auf den Stuhl ihr gegenüber fallen. Während sie an ihrem Champagnerglas nippte, trank ich mit dem Mund aus der Colaflasche. Amüsiert schüttelte sie den Kopf über mein Benehmen. Sie sagte nichts, da sie wusste, dass ich mich in Gesellschaft anderer niemals so benehmen würde. Seit ich denken konnte, wurde mir gutes Betragen beigebracht. Im Moment waren mir meine Manieren allerdings ziemlich egal. Es kümmerte doch sowieso niemanden.
    „Weiß du, Jordan – “, setzte meine Mutter.
    „Also doch … Du hast nicht einfach so früher Schluss gemacht.“, seufzte und lehnte mich mit vor der Brust verschränkten Armen gegen die Stuhllehne. Die Colaflasche hatte ich zuvor wieder verschraubt und auf den Tisch gestellt.
    „Doch, schon. Aber ich habe trotzdem etwas mit dir zu besprechen.“ Ich öffnete den Mund um sie wieder zu unterbrechen, doch sie gebot mir zu schweigen, indem sie die Hand zum Zeichen hob. Ich schloss den Mund wieder und ließ sie fortfahren. „In wenigen Tagen hast du Geburtstag und wirst sechzehn. Außerdem ist in einer Woche dieses Schuljahr zu Ende. Du hast mich in den letzten Jahren sehr oft gefragt, ob du eine offizielle Schule besuchen darfst und ich habe dir die ganze Zeit gesagt, dass ich das nicht zulassen kann.“
    „Ja, ich erinnere mich vage.“, brummte ich und musterte meine Fingernägel.
    „Nun, ich habe es mir jetzt anders überlegt. Sobald das neue Schuljahr beginnt, darfst du nach Hogwarts gehen. Ich denke, dass du dann alt genug bist und auf dich allein aufpassen kannst.“ Sprachlos starrte ich meine Mutter an. Wahrscheinlich war ich jetzt doch eingeschlafen und träumte gerade einen wunderschönen Traum. Um meine These zu belegen zwickte ich mich kräftig in den Arm und erwartete in meinem Bett aufzuwachen. Ich zuckte zusammen, da der Schmerz doch ziemlich real erschien. Ich konnte es nicht fassen! Meine Mutter erlaubte mir tatsächlich nach Hogwarts zu gehen!
    „Ist das – ist das dein Ernst?“, fragte ich mit aufgerissenen Augen. Meine Mutter grinste und bestätigte meine Frage mit einem Nicken.
    „Ich habe bereits mit Cornelius geredet und er hat versprochen, dass er den Bürokram mit Dumbledore regeln wird. Auch mit deinen Lehrern habe ich mich bezüglich meines Plans ausgetauscht. Sie sind zwar alle der Meinung, dass du eine gute Schülerin bist, finden jedoch, dass du statt direkt in die sechste Klasse zu gehen, lieber erst die fünfte absolvieren solltest. So kannst du auch in einem deine ZAG's machen.“
    „ZAG … was?“ Ich warf meiner Mutter einen ratlosen Blick zu. Mir machte es nichts aus erst einmal in die fünfte Klasse zu gehen – Hauptsache ich konnte nach Hogwarts!
    „Ach, das wird dir alles in der Schule erklärt werden. Also gehe ich richtig in der Annahme, dass du noch immer nach Hogwarts willst?“
    „Ja!“, rief ich und setzte mich aufrecht hin. Dafür erntete ich ein Lachen seitens meiner Mutter. Schließlich stellte sie ihr Sektglas auf den Tisch und klatschte in die Hände. Lächelnd sagte sie: „Gut. Dann werden wir am Montag einen Ausflug in die Winkelgasse machen und deinen Schulkram besorgen. Cornelius sollte morgen die Liste mit den benötigte Sachen von Dumbledore erhalten haben. Verdammt, die Kartoffeln!“ Wie vom Blitz getroffen sprang meine Mutter auf und rannte zum Herd. Ich selbst blieb elektrisiert auf meinem Stuhl sitzen. Ich würde nach Hogwarts gehen. Endlich – nach all der Bettelei und den vielen Beschwerden! All meine Fragen bezüglich des 'Wieso lässt du mich nicht?' und so weiter, waren vergessen. Das Einzige was jetzt noch zählte war, dass ich es geschafft hatte. Bereits jetzt brannte die Vorfreude in mir und ich vermochte nicht mir vorzustellen, dass sie noch würde wachsen können.

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    Ich hatte mich geirrt. Meine Vorfreude und Aufregung wuchs ins Unermessliche. Die kommende Woche verging wie im Flug und da meine Schuljahre zu anderen Zeiten als die der Hogwartsschüler stattfanden, würde ich bereits in der nächsten Woche nach Hogwarts reisen. Dieser Tatsache sah ich mit riesiger Freude, jedoch auch mit einem flauen Gefühl in der Magengrube entgegen. Ich würde die Neue sein und ich hatte keine Ahnung, wie mich meine Mitschüler aufnehmen würden. Doch ich sollte es schon bald herausfinden.
    Eine Woche später brachte meine Mutter mich zu Gleis 9 Ÿ. Ich war überwältigt von dem Wirrwarr der vielen Menschen um mich herum. Noch nie hatte ich mich in Mitten einer solchen Masse befunden und ich fühlte mich ehrlich gesagt auch nicht vollkommen wohl in meiner Haut. Die ganzen Leute machten mich nervös und schienen mich einzuengen.
    „Ist alles in Ordnung, Darling? Du siehst ein wenig blass um die Nasenspitze aus.“, fragte meine Mutter und warf mir einen leicht besorgten Blick zu. Ich schluckte schwer und biss die Zähne zusammen, als ein hochgewachsener Mann mich im Vorbeigehen versehentlich anrempelte. „Alles bestens.“, log ich und zwang mich zu einem Lächeln. Dieses schien meine Mutter nicht zu überzeugen, doch sie drängte nicht weiter auf mich ein. Dafür war ich ihr dankbar, auch wenn man es mir gerade nicht anmerkte.
    Plötzlich blieb meine Mutter stehen und reflexartig tat ich es ihr gleich. „So, wir sind da, Jordan.“ - „Ich – Ich habe irgendwie die Orientierung verloren.“, gab ich zu und runzelte die Stirn.
    „Aber du bereust deine Entscheidung nach Hogwarts gehen zu wollen nicht, oder?“
    „Nein!“ Meine Antwort kam wie aus der Pistole geschossen.
    „Okay, dann ist ja gut. Du steigst jetzt gleich in den Zug und dann geht es schon los nach Hogwarts. Wenn du wirklich dorthin gehen willst, dann wirst du die Zeit dort genießen, das weiß ich. Aber noch ist es nicht zu spät um dich anders zu entscheiden.“
    „Das habe ich nicht vor. Mein Entschluss steht fest – an der Umsetzung hapert es augenblicklich nur ein wenig.“, brummte ich.
    „Das wird sich legen, da bin ich mir sicher, Liebling.“ Ohne Vorwarnung zog meine sonst so konservative Mutter mich in die Arme. Ich schlang meinerseits meine Arme um sie und legte den Kopf auf ihre Schulter. Zwar hatte meine Mutter nur selten Zeit für mich, doch die Zeit die wir zusammen verbracht hatten, hatten wir immer genossen. Folglich war unsere Beziehung eng und sie war mir keineswegs egal. Ich hatte ihr nie vorgeworfen nicht genug für mich da zu sein – nur, dass sie es mir durch den Privatunterricht unmöglich gemacht hatte Leute kennen zu lernen, die so alt waren wie ich und nicht zwanzig Jahre älter. Nach einer kleinen Ewigkeit lösten wir uns wieder voneinander. Meine Mutter strich mir sanft über die Wange und sagte so leise, dass nur ich es hören konnte: „Vergiss nicht, ich habe dich lieb. Und Jordan, vergiss niemals was richtig und was falsch ist.“ Verhalten nickte ich. Das Pfeifen des Zuges ertönte und ich die Unruhe in mir gewann erneut die Oberhand. Mit den Worten: „Ich habe dich auch lieb, Mum. Ich melde mich!“ verabschiedete ich mich von meiner Mutter, winkte ihr noch kurz und bahnte mir mit meinem Koffer und einer Tasche einen Weg durch die Menschenmenge zum Zug. Dort wurde mir von einem erschöpft und gleichzeitig gehetzt aussehenden Mann mit roter Mütze der Koffer abgenommen, um ihn zu verstauen. Ich selbst stieg in den Zug. Hinter der sich nun schließenden Waggontür blieb ich stehen und sah aus dem kleinen Fenster. Da ich die Letzte war, die in diesen Waggon gestiegen war, konnte ich hinaus sehen, ohne dass mir jemand die Sicht versperrte. Mit Mühe machte ich das Gesicht meiner Mutter zwischen all den vielen Menschen aus. Sie entdeckte mich ebenfalls, winkte zaghaft und lächelte mir zu. Ich lächelte zurück. Zu diesem Zeitpunkt war mir noch nicht klar, dass ich mir die Worte meiner Mutter mehr zu Herzen hätte nehmen sollen. Später hätten sie mir eine Menge Ärger erspart; doch ich war zu aufgeregt, nervös und naiv, um mir über die Worte einer besorgten Mutter Gedanken zu machen. Hey, ich war ein Teenager!

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    „Pass doch auf!“, fuhr mich ein dunkelhaariges Mädchen an, dass ich im Vorbeigehen versehentlich gestreift hatte. Die Gänge des Zuges waren aber auch verdammt eng – da war es leichter Personen zu streifen, als es nicht zu tun.
    „Sorry, war keine Absicht.“, fauchte ich zurück; verärgert angesichts dieser Bosheit.
    „Ach nein, war es nicht?“, knurrte sie und kam auf mich zu. Ihr Gesicht war zu einer wütenden Fratze verzerrt. Sie war ohnehin nicht besonders hübsch, doch dieser Gesichtsausdruck sorgte nicht gerade für eine Besserung.
    „Oh, jetzt wo du es sagst: Natürlich war das Absicht! Weißt du, das ist mein Hobby. Ich laufe durch Züge und remple Leute an – solltest du auch mal probieren, macht echt Spaß. Vor allem die Reaktionen der so liebenswürdigen Menschen machen es lohnenswert.“ Ich kniff die Augen zusammen und musterte das hässliche Mädchen. Sie war ungefähr in meinem Alter – vielleicht etwas jünger. Ihre Augen waren klein und gingen in dem plattgedrückten Gesicht unter. Sie fletschte ihre Zähne, was wirklich kein schöner Anblick war.
    „Du willst Ärger? Den kannst du haben.“ Sie machte einen Satz nach vorn und versuchte mich am Kragen meiner Jacke zu packen, doch plötzlich umschlossen zwei starke Hände ihre Oberarme und hielten sie zurück. Das Mädchen wurde wild wie eine Furie und lehnte sich gegen den kräftigen Griff auf, doch sie konnte sich nicht befreien. Reflexartig war ich einen Schritt zurückgewichen. Mit Worten konnte ich mich wehren – geprügelt hatte ich mich allerdings noch nie und konnte auch gut auf diese Erfahrung verzichten. Auf meiner To-Do-Liste stand „Prügelei“ so ziemlich an letzter Stelle. Ich musste jedoch zugeben, dass ich nicht ganz unverantwortlich an meiner derzeitigen Situation war. Meine sarkastische Antwort hatte mit Sicherheit nicht gerade besänftigend gewirkt. Aber das musste ja niemand erfahren; ich würde die Schuld einfach auf diese jähzornige Schnepfe schieben.
    „Mensch, beruhig' dich, Pansy!“, redete jemand mit tiefer Stimme auf das dunkelhaarige Mädchen ein. Ich konnte den Sprecher nicht sehen, da er zum einen im Schatten stand und zum anderen der dicke Schädel meiner Kontrahentin sein Gesicht verbarg, weil er sich zu ihr runter gebeugt hatte. Dass er gebeugt stand musste heißen, dass er nicht gerade klein war, denn diejenige die er festhielt, war selbst circa einen halben Kopf größer als ich und ich war schon nicht klein. Spöttisch zog ich eine Augenbraue in die Höhe, reckte das Kinn vor, verschränkte die Arme vor der Brust, sah Pansy – so hatte der Junge sie eben genannt, also war das wohl ihr Name – an und stellte mit Genugtuung fest, dass ihr Gesicht feuerrot geworden war; ich vermutete vor Zorn.
    „Genau, fahr einen Gang runter, Pansy.“, grinste ich und machte einen winzigen Schritt auf sie zu – gerade so weit, dass sie noch stärker gegen denjenigen ankämpfte, der sie festhielt. Mein Gott, die hatte doch 'ne Schraube locker. Ich musste allerdings zugeben, dass ich das hier gerade irgendwie genoss. Noch nicht in Hogwarts angekommen und ich geriet schon mit Schülern aneinander; fing ja gut an.
    „Das hilft nicht gerade.“, knurrte der Typ hinter Pansy angestrengt und ich sah, wie sich der Griff um ihre Oberarme verstärkte, „Kannst du nicht einfach abziehen? Vielleicht beruhigt sie sich dann.“
    „Sie hat mich angegriffen – nicht umgekehrt. Ich bin zwar nicht scharf auf eine Prügelei, aber ich lasse mir auch nicht vorschreiben, wo ich hinzugehen habe und wo nicht.“
    „Ich sage dir nicht wo du hinzugehen hast, sondern ich bitte dich darum zu gehen, da ich Pansy nicht mehr lange werde festhalten können und ich befürchte, dass die Sache ein unschönes Ende nehmen wird, wenn ich sie sich losreißt und du noch hier stehst. Also BITTE geh!“
    Ich rümpfte die Nase, überlegte und ignorierte die nach mir ausgestreckten Hände Pansy's. Als ich einen Entschluss gefasst hatte öffnete ich den Mund um dem Typen zu sagen, dass er sich seine Bitte sonst wohin schieben konnte – was eigentlich gar nicht typisch für mich war –, doch noch bevor ein Ton über meine Lippen kam, mischte sich eine vierte Person in das Geschehen ein.
    „Oh oh, Blaise. Du bittest ein Mädchen um etwas. Das habe ich ja noch nie erlebt.“ Wieder handelte es sich um eine männliche Stimme – allerdings nicht ganz so tief wie die erste.
    „Draco, halt die Klappe und hilf mir hier mal!“, fauchte derjenige, der anscheinend Blaise hieß. Und der der gerade dazu gekommen war hieß Draco. Namenstechnisch war ich schon einmal ein gutes Stück weiter. Ich kannte nun eine Pansy, einen Draco und einen Blaise. Hey, drei Leute in fünf Minuten – das war doch was. Wenn das so weiter ging, würde ich in naher Zukunft bereits die ganze Schule kennen.
    „Lass los, ich übernehme.“, sagte Draco und wieder konnte ich nur sehen, wie sich Hände um Pansys Arme schlossen. Vorsichtig ließ Blaise sie nun los und erst jetzt fiel mir seine dunkle Hautfarbe auf. Obwohl Draco darauf vorbereitet gewesen war, dass Blaise Pansy losließ, gelang es dieser tatsächlich einen Satz nach vorne zu machen und erst im letzten Moment gelang es Draco, Pansy festzuhalten und zurück zu ziehen. „Himmel, Arsch und Zwirn – halt Ruhe Pansy und fahr runter!“, rief Draco verärgert. Ein Paar Leute die durch den Gang gingen beobachteten neugierig unser Treiben, blieben jedoch nicht stehen. Als ich meinen Blick wieder von ihnen abwandte sah ich mich plötzlich einem großen, dunkelhäutigen, nicht gerade unattraktiven jungen Mann gegenüber, bei dem es sich wahrscheinlich um Blaise handelte, wie ich aus der Hautfarbe schloss. Er hatte breite Schultern, einen durchtrainierten Oberkörper und schmale Hüften. Wie gesagt: Nicht unattraktiv. Mit seiner rechten Hand griff er nach meinem Oberarm und zog mich mit sich – raus aus dem Gang dieses Zug-Waggons. Ich war so überrumpelt, dass ich zum einen keinen Widerstand leistete und zum anderen beinahe meine Handtasche hatte fallen lassen.
    „Aua!“, quiekte ich und lief hinter Blaise her, der mich zwar noch immer zog, mich allerdings keines Blickes würdigte – geschweige denn auf mich wartete. Wie schon erwähnt, war Blaise groß; größer als ich. Er hatte lange Beine und machte große Schritte und auch wenn ich ebenfalls lange Beine hatte, kam ich nur mühsam hinter ihm her und eigentlich schleifte er mich schon fast. Da ich sowieso hinter Blaise herlief, konnte ich ihn auch ruhig ausgiebig mustern. Also, er hatte breite Schultern und nun da ich hinter ihm ging, konnte ich sehen, dass er nicht nur einen muskulösen Bauch, sondern auch einen muskelbepackten Rücken hatte. Seine Haare waren kurz und dunkel und ich schätzte ihn auf 1,90m, da er mindestens zehn Zentimeter größer war als ich. Offenbar spürte er meinen Blick in seinem Rücken, denn er blieb plötzlich stehen und ich schaffte es nur gerade so, nicht in ihn reinzulaufen.
    Wir standen nun in einem anderen Waggon des Zuges; weit weg von Pansy. Ausdruckslos sah Blaise mich an und ich erwiderte seinen Blick ohne zu blinzeln. Blaise Gesichtszüge wurden definiert durch markante Wangenknochen, einen kräftigen Kiefer, einen wohlgeformten Mund, ausdrucksstarke braune Augen und dominante Augenbrauen, die leicht zusammengezogen waren, da sein zuvor emotionsloser Gesichtsausdruck zu einem grüblerischen gewechselt war.
    „Na los, sag schon was du zu sagen hast und dann hör auf mich so bohrend anzugucken.“, seufzte ich und stemmte die linke Hand in die Hüfte, während die rechte meine Tasche hielt. Zu meiner Überraschung befanden sich keine anderen Schüler auf dem Gang. Sie saßen alle in ihren Abteilen und unterhielten sich angeregt - etwas, das ich noch nicht in Angriff hatte nehmen können, da ich soeben nur knapp einer Prügelei entgangen war und keine Möglichkeit für Smalltalk bestanden hatte. Ich hätte gerne neue Leute kennen gelernt; Leute, die mir nicht ihre Faust ins Gesicht rammen und mir mit ihren Fingernägeln die Augen auskratzen wollten.
    „Für gewöhnlich gefällt es Frauen, wenn ich sie so mustere.“, sagte Blaise und ich sah seine rechte Augenbraue, sowie seine Mundwinkel zucken. Er schien belustigt zu sein. Na, wenigstens einer von uns hatte seinen Spaß. Ich hingegen verspürte den leisen Drang gegen etwas zu treten. Doch vermutlich war das keine gute Idee, weshalb ich dem Trieb widerstand. Was würde mich dann noch von Pansy unterscheiden, wenn ich meine Gefühle nicht unter Kontrolle hatte.
    „Es ist bemerkenswert wie ruhig du eben geblieben bist – obwohl Parkinson dich fast angefallen hat.“
    „Was hat eine Nervenerkrankung damit zu tun?“ Meine Worte brachten Blaise jetzt wirklich zum lächeln – dieses Mal konnte ich es mir jedoch nicht erklären. Meine Frage war ernst gemeint gewesen. Blaise bemerkte meine verdutzte Miene, räusperte sich kurz und antwortete dann: „Parkinson ist Pansys Nach- und Spitzname.“ Ich errötete und wandte den Blick von Blaise ab. Autsch, Demütigung.
    „Du bist süß, wenn du rot wirst.“, grinste Blaise und machte einen Schritt auf mich zu. Ich spürte wie mein Gesicht wieder seine normale Farbe annahm und heftete meinen Blick erneut auf mein Gegenüber. Überrascht stellte ich fest, dass Blaise nur noch ungefähr einen Meter von mir entfernt stand – also viel näher als wenige Sekunden zuvor.
    Ich straffte meine Schultern und bemühte mich um eine selbstbewusstere Haltung, da ich mir vor Blaise plötzlich ziemlich winzig vorkam. Ich sah nur selten zu Personen auf. „Frauen wollen nicht 'süß' sein.“, sagte ich und war sehr erleichtert, dass meine Stimme nicht zitterte. Meine Knie taten es nämlich.
    „Du bist es trotzdem.“, flüsterte Blaise, stand innerhalb eines Sekundenbruchteils ganz nah vor mir, umfasste meinen Kopf mit seinen Händen und küsste mich. Oh ja, er küsste mich. Scheiße, er küsste mich! Ich stieß ihn heftig von mir weg und machte zusätzlich noch einen Schritt nach hinten. Schockiert fasste ich mir an die Lippen und rief: „Sag mal, spinnst du? Was glaubst du wer du bist, dass du mich einfach so küsst?“
    Schelmisch lächelnd sah Blaise zu mir herab und kam wieder auf mich zu. „Ich bin Blaise.“, grinste er und versuchte erneut mich zu küssen. Dieses Mal war ich vorbereitet – auch wenn ich nicht erwartet hatte, dass er einen neuen Versuch wagen würde. Wütend holte ich aus und verpasste ihm eine schallende Ohrfeige. Ich biss die Zähne zusammen und unterdrückte einen Schrei, da meine Handfläche nach dem Aufprall brannte wie Feuer. Für Blaise schien der Schlag jedoch keine Lektion gewesen zu sein, denn er sah mich noch immer grinsend an. Aufgebrachte stürmte ich an ihm vorbei, ließ ihn stehen und wechselte erneut den Waggon. Ich konnte noch immer die Wärme und Weichheit seiner Lippen auf den meinen spüren. In Gedanken befühlte ich erneut meinen Mund – fassungslos über die Dreistigkeit dieses Spinners, allerdings auch ein wenig beeindruckt. Ich hatte zuvor erst einmal einen Jungen geküsst und das war, als ich sieben Jahre alt gewesen war. Er war der Sohn eines Arbeitskollegen meiner Mutter und wir hatten als Kinder immer zusammen gespielt. An einem warmen Sommerabend hatten wir auf der Wiese gesessen und vierblättrige Kleeblätter gesucht, als Will, so hieß der Junge, mich plötzlich geküsst hatte. Natürlich war es kein richtiger Kuss gewesen – eher ein Schmatzer, wie man ihn den Eltern immer gab. Aber für mich war es mein erster und bis soeben einziger Kuss gewesen. Nun sah die Sache jedoch anders aus und Blaise wollte mir einfach nicht aus dem Kopf gehen.
    „Hey, wer bist du denn?“, fragte mich ein braunhaariges Mädchen neugierig. Sie hatte den Kopf aus einem der Abteile gesteckt und sah mich freundlich an. Ihr Haar war wie gesagt braun und dazu noch wirr gelockt. Das Mädchen war sehr zierlich und lächelte freundlich. Ich hatte gar nicht bemerkt, dass ich mitten im Gang stehen geblieben war und wie eine Verrückte ins Nichts starrte. Das Mädchen hatte mich allerdings aus meinen Gedanken gerissen und ich bemühte mich um eine aufmerksame Miene. „Ehm, ich heiße Jordan.“, antwortete ich und erwiderte ihr Lächeln.
    „Ich bin Hermine. Ich habe dich noch nie in Hogwarts gesehen, Jordan.“ Nachdenklich musterte Hermine mich.
    „Das liegt daran, dass ich neu bin und dieses Jahr das erste Mal nach Hogwarts fahre.“
    „Oh, echt? Wow, das habe ich noch nie erlebt. Geht das denn so einfach?“
    „Ja, ich denke schon. Meine Mum hat Kontakte im Ministerium und die haben das irgendwie geregelt, denke ich.“
    „Ah, das erklärt einiges. Oh, wie unhöflich von mir. Willst du dich zu uns setzen, Jordan? Du siehst ziemlich verloren aus.“, stellte Hermine fest. Wenn sie nur wüsste. Aber sie schien nett zu sein, also nahm ich ihr Angebot dankend an und gesellte mich zu ihr ins Abteil. Wir waren nicht alleine. Außer uns saßen noch zwei Jungs hier drin. Der eine Junge hatte orangenes Haar und massenhaft Sommersprossen; der andere war dunkelhaarig, trug eine Brille und hatte eine blitzförmige Narbe auf der Stirn. Zu meiner Überraschung kannte ich den zweiten sogar; es war Harry Potter – der Junge, der überlebt hatte.

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    Ich stellte fest, dass Hermine, Ron (der rothaarige Junge) und Harry wirklich nett waren und sie behandelten mich nicht wie die Neue, sondern wie Jemanden, den sie schon seit der ersten Klasse kannten. Kurz gesagt: Ich fühlte mich wohl und genoss die Gegenwart der drei.
    Wir lachten gerade herzhaft über eine Geschichte, die Ron erzählt hatte, als Hermine plötzlich fragte: „Jordan, weswegen standest du vorhin eigentlich so verloren im Gang und hast so gedankenverloren gewirkt?“
    Ich überlegte hin und her. Sollte ich ihnen erzählen was passiert war, oder sollte ich mir lieber eine plausible Ausrede ausdenken a la: Ich war ganz alleine und wusste nicht wohin. Ich entschied mich für die Wahrheit. Also berichtete ich von Pansys Beinahe-Angriff und der Rettung durch Blaise. Nun ja … Einen Teil ließ ich aus – den mit dem Kuss.
    „Zabini hat dich vor Parkinson gerettet?“, fragte Ron mit großen Augen. Mir fiel auf, dass hier ziemlich oft von Personen gesprochen wurde, indem man sie nicht bei ihren Vor- sondern ihren Nachnamen nannte. Von meiner Mutter kannte ich dieses Phänomen nur, wenn sie jemanden nicht leiden konnte. Wahrscheinlich war das auch hier der Fall. Demnach hieß Blaise wohl mit Nachnamen „Zabini“ und Ron – sowie vermutlich auch Harry und Hermine – konnte ihn nicht leiden.
    „Ist doch nicht groß was dabei, oder?“, tat ich Blaise Geste achselzuckend ab.
    „Nicht groß was dabei? Ich habe noch nie mitbekommen, dass Blaise einem Mädchen 'in Not' geholfen hat, ohne dass er etwas dabei im Sinn hatte.“, lachte Ron.
    „Was meinst du damit?“ Verdutzt sah ich ihn an – ich konnte mir allerdings schon denken, worauf er hinaus wollte.
    „Blaise ist nicht gerade eine … treue Seele, wenn du verstehst was ich meine. Er shakert mit vielen Mädchen rum und hatte glaub' ich noch nie eine feste Beziehung.“
    „Hmmm.“ Nachdenklich sah ich aus dem Fenster. Draußen strich die Landschaft Englands an uns vorbei und die Sonne ging allmählich unter. Harry, Ron und Hermine interpretierten in meine Miene wahrscheinlich rein, dass ich darüber nachgrübelte, was Blaise wohl mit seinem Verhalten hatte bezwecken wollen. In Wahrheit dachte ich jedoch darüber nach, weshalb ich die Absicht dieses Tölpels nicht vorher erkannt hatte und warum ich auf ihn reingefallen war. Klasse, mein erster Kuss und dann noch mit so einem frauenverachtenden Typen, der nichts anderes im Sinn hatte, als jedes Mädchen der Schule aufzureißen. Da ich am Fenster saß, konnte ich den Kopf an die Scheibe lehnen und meinen Gedanken nachhängen. Ich verfluchte mich selbst; meine Naivität, meine Dummheit. Aber andererseits: Ich hätte Blaise Spiel vermutlich gar nicht durchschauen können, da meine Mutter mich sechszehn Jahre lang von der Welt abgeschirmt und bei uns zu Hause verschanzt hatte. Lieben herzlichen Dank, Mama. Niedergeschlagen hörte ich dem Gespräch von Harry, Ron und Hermine zu und döste ohne es zu bemerken ein.

    6
    „Komm zu mir.“, hauchte eine rauchige Stimme. Sie kam von dem Schatten. Dem Schatten. Wieder besuchte er mich in meinen Träumen und wieder konnte ich ihm nicht entkommen. Bei jedem seiner Besuche lief mir ein Schauer über den Rücken und ich begann zu zittern. Ich wusste nicht weshalb ich so auf ihn reagierte, doch mein Gefühl sagte mir, dass hier etwas sehr falsch lief. Auf der anderen Seite jedoch spürte ich eine gewisse Anziehungskraft von ihm ausgehen. Innerlich zerriss es mich. Ich wollte zu dem Schatten rennen und mich zu ihm gesellen. Gleichzeitig drängte es mich aber auch zum Wegrennen und die beiden Triebe fochten in meinem Innern einen unerbittlichen Kampf aus.
    „Du gehörst zu mir.“, knurrte der Schatten und ich spürte, dass er sich mir näherte. Sehen konnte ich es nicht. Er war ein Schatten in der Dunkelheit und ich war das Nichts. Nein, ich war Alles und Nichts. Wie sollte ich wissen wohin ich gehörte, wenn ich selbst nicht wusste wer und was ich war?
    „Du spürst es. Das weiß ich. Komm zu mir, Jordan.“
    Ich war Jordan. Ja, ich war Jordan! Ich war eine Hexe – eine begabte Hexe. So begabt, dass ich diesem Traum entkommen konnte; sicherlich. Ich presste meine Augenlider zusammen – hatte ich welche? - und wünschte mir von ganzem Herzen zu erwachen. Ich musste entkommen. Nein, ich wollte bleiben, aber innerlich spürte ich, dass es falsch wäre zu dem Schatten zu gehen. „Wach auf, Jordan.“, sagte ich mir immer und immer wieder. Irgendwann war es nur noch ein Flüstern – ein Mantra, dass sich ständig in meinem Kopf wiederholte. Jahre schienen zu verstreichen und ich spürte den Schatten unweigerlich näher kommen. Bald hatte er mich erreicht und wenn er das geschafft hatte, würde ich ihm nicht mehr entkommen können. „Jordan … Jordan … Komm zu mir.“ Die krächzende Stille des Schattens zerriss die Stille, die nur durch mein unentwegtes Flüstern der Worte: „Wach auf, Jordan.“, gestört wurde. „Gleich habe ich dich erreicht, meine Liebe.“, kicherte die Stimme, doch das Kichern war nicht freundlich. Es war durchtränkt von Finsternis und Grausamkeit. Wie konnte ich mich zu etwas so grauenvollem hingezogen fühlen – das war falsch!
    „Nein!“, schrie ich, riss die Augen auf und fand mich am Boden liegend in dem Zugabteil wieder. Geblendet von dem plötzlichen Lichteinfall schloss ich meine Augen wieder. Ich hatte es geschafft dem Alptraum zu entkommen – dieses Mal, doch wie würde es beim nächsten Mal aussehen?

    7
    „Oh Gott, Jordan. Was zur Hölle ist passiert?“, keuchte Hermine und legte mir ihre kühle Hand auf die Stirn. Abwechselnd überliefen mich Hitze- und Kältewellen. Meine Kleidung klebte an meinem verschwitzten Körper und mein Atem ging stoßweise. „Du glühst ja!“, staunte Hermine und versuchte mir beim Aufstehen zu helfen. Ich war allerdings so erschöpft, dass ich es nicht schaffte mich aufzusetzen. Nun ebenfalls schwitzend, gab Hermine ihr Unterfangen auf. Ich konnte es ihr nicht verdenken.
    „Na komm, Ron, hilf mir mal.“, sagte Harry und fasste meinen Oberarm. Ron griff nach meinem anderen und gemeinsam hievten sie mich auf eine der beiden Sitzbänke im Zugabteil. Kraftlos ließ ich meinen Kopf in die Polster sinken und legte mir meinen rechten Unterarm über die Augen. Noch immer war ich außer Atem, doch mein zuvor rasender Puls beruhigte sich langsam.
    „Was war los?“, fragte Harry besorgt. Er, Hermine und Ron knieten vor der Sitzbank auf der ich lag und alle drei sahen mich mit großen Augen an.
    „Nur … ein Alptraum.“, hauchte ich, ohne den Arm von meinen Augen zu nehmen. Das Licht war zu hell und die nach meinem Alptraum üblichen Kopfschmerzen begannen mich zu plagen.
    „Das sah aber nach mehr als einem normalen Alptraum aus und glaub mir, ich kenne mich mit Alpträumen aus.“, widersprach Harry. So sehr ich es auch wollte, ich konnte ihnen nicht erzählen, dass ich diesen Alptraum jede Nacht hatte und er langsam immer schlimmer wurde. Was, wenn sie dann dachten, dass ich unnormal sei und sie sich von mir abwandten. Nein, das konnte ich nicht riskieren. Ich kannte die drei noch nicht lange, doch ich wollte den Kontakt zu ihnen nicht verlieren, bloß weil ich schlecht schlief und etwas verschwitzt aufwachte.
    „Doch, nur ein normaler Alptraum. Ich hatte in der letzten Woche ziemlichen Stress. Ich musste die Schulsachen besorgen und die ganze Aufregung kommt auch noch dazu – vermutlich bin ich einfach übermüdet.“, log ich und war froh darüber, dass die drei mir nicht in die Augen sehen konnte. Dann hätten sie nämlich gemerkt, dass ich nicht ehrlich zu ihnen war. Wirklich, ich war keine gute Lügnerin.
    „Jordan, du hast die ganze Zeit 'Nein' geschrien und wie wild um dich geschlagen. Wir hatten echt Angst um dich.“, protestierte Hermine. Nun nahm ich doch den Arm von meinem Gesicht und sah sie an.
    „Hermine“, lächelte ich müde, legte ihr meine Hand auf die Schulter und drückte sie leicht, „es geht mir gleich wieder gut. Einmal richtig durchschlafen und dann ist wieder alles in Ordnung.“ Mir entgingen die skeptischen Blick meiner drei neuen Freunde nicht, weshalb ich hinzufügte: „Wirklich.“ Damit schien ich sie endgültig besänftigt zu haben, denn sie setzten sich wieder auf ihre Plätze und begannen sich zögerlich zu unterhalten. Hoffentlich nahmen sie es mir nicht übel, dass ich mich nicht an der Unterhaltung beteiligte, denn mir war im Moment wirklich nicht nach Reden zu Mute. Der Schreck des Alptraums saß mir noch tief in den Knochen und auch wenn ich die drei hatte besänftigen können, ich wusste, dass es eine Lüge gewesen war. Die Alpträume würden nicht verschwinden. Dieses Mal war der Alptraum noch schlimmer gewesen als bei den vorherigen Malen und der Schatten hatte mich fast erreicht. Tief in meiner Magengrube nagte die Angst an mir – Angst davor, dass ich dem Schatten beim nächsten Mal nicht würde entkommen können. Angst davor, dass beim nächsten Mal wieder jemand mitbekommen würde, wie ich träumte, mich hin und her warf, schwitzte und schrie. Über das zweite Problem würde ich mir später Gedanken machen. Im Augenblick konnte ich mich dieser Angelegenheit noch nicht stellen. Zuerst musste ich mich ausruhen. Bald würden wir in Hogwarts ankommen und nach dem, was meine Mum mir erzählt hatte, würde ich in eines der vier Häuser eingeteilt werden. Davor hatte ich bereits jetzt Panik, da ich mich auf einen Hocker würde setzen müssen, der auf einer Empore stand, zu der alle Schüler empor blicken würden. Hatte ich Lampenfieber? - Ja. Hatte ich verstörende Alpträume? - Ja. Würde ich dem Druck standhalten? - Vielleicht.

    Rückmeldungen und so weiter in die Kommentare. Werbung machen erwünscht. Mehrere Harry Potter Quizze in meiner Galerie, sowie auch eine vollendete Fanfiktion zu 'Chroniken der Unterwelt' und eine angefangene zu 'Divergent – Die Bestimmung':)
    Bei Fragen könnt ihr mich unter dieser Mail-Adresse erreichen: harry_potter2108@gmx.de

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1418667359
Harry Potter - Another FANFICTION | Another LOV...
Harry Potter - Another FANFICTION | Another LOV...
Jordan ist auf dem Weg nach Hogwarts und wird bereits jetzt mit Ängsten und allerlei Personen konfrontiert, denen man lieber aus dem Weg gehen mag. Wird sie stark bleiben oder bereut sie ihre Entscheidung sich für Hogwarts entschieden zu haben? Der zwe...
http://www.testedich.de/quiz35/quiz/1418667359/Harry-Potter-Another-FANFICTION-Another-LOVESTORY-Another-ADVENTURE-TEIL-2
http://www.testedich.de/quiz35/picture/pic_1418667359_1.jpg
2014-12-15
402D
Harry Potter

Kommentare (59)

autorenew

helenWeasley (55097)
vor 387 Tagen
Super FF! Schreib unbedingt weiter, dein Stil ist toll!
Wow (74261)
vor 403 Tagen
Bitte bitte bitte bitte bitte schreib weiter !!!!!!!!! ich m,uss wissen wie es weiter geht !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
LilyPotter (84679)
vor 446 Tagen
Bbbiiitttttteee schreib weiter!!!!!!!
Lg LilyPotter
Sarah (72158)
vor 567 Tagen
Die Geschichte ist der HAMMER!! *-*
die 1. Frage... Wann geht es weiter??
Snowsun (81311)
vor 577 Tagen
Bitte bitte schreib weiter du schreibst soo gefühlvoll du musst weiter schreiben .
CaroCo07 (78096)
vor 600 Tagen
Wann kommt der 4. Teil raus??
piacxline (81131)
vor 632 Tagen
schreibst du noch weiter? :(
Die story ist so schön man sollte sie nicht vergessen....
Rosabell Sophie (97405)
vor 746 Tagen
SCHREIB WEITER!!!
bitte bitte bitte
Die Geschichte ist der Hammer!!!
Ich habe mindestens tausend fragen!
Wann geht es weiter?...
Ist eine von vielen

Liebe grüße deine Rosabell Sophie
Nathalie (20008)
vor 768 Tagen
Sooooo coooole Geschichte biiitteeee schreib weiter !!!!!!
nuss (04236)
vor 776 Tagen
Voll cool!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Leyla (00662)
vor 799 Tagen
Bitte schreib weiter
none (68775)
vor 800 Tagen
217.91.80.219
Jo Potter (22688)
vor 813 Tagen
Schreib weiter biiiiiiíiiiiiiiiiittttttteeeeee ist so geil der Anfang

Lg deine Jo Potter
Laura98 (72744)
vor 819 Tagen
OMG!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Du musst UNBEDINGT weiter schreiben. Die Geschichte ist der Hammer und ich bin schon gespannt wie es weiter geht!!!!!!!!!!!
Snowballcooky (72523)
vor 846 Tagen
Die Geschichte ist unglaublich! Du musst weiter schreiben!!
Evesweety ^-^ (35533)
vor 851 Tagen
Awesome :D schreib weiter, ich will wissen, wie es jordan in Hogwarts geht ^^
Crazynnsmile (65928)
vor 858 Tagen
OMG SCHREIB WEITER !!!
Susanne matt (87398)
vor 860 Tagen
OMG!
du musst unbedingt weiter schreiben. deine geschichte hat einfach alles was so eine geniale Geschichte braucht.
Wäre ich jetzt diese Jordan, ich würde Luftsprünge machen, dürfte ich nach Hogwarts!! Zu Draco und zu Snape
Susanne matt (42860)
vor 860 Tagen
geil!
SCHREIB UNBEDINGT WEITER! Deine Geschichten sind echt gut ich kann so was gar nicht!
JjU (80364)
vor 860 Tagen
° kreisch ° soooooooo gut! Schreib auf jeden fall weiter. Ehrlich, von dir könnte ich mir eine Scheibe abschneiden. Lest mal meine FF Deine Lovestory mit Bill Weasley dann wisst ihr was ich mit Scheibe abschneiden meinte.