Das Biest und der Tyrann - Teil 2

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1 Kapitel - 5.259 Wörter - Erstellt von: Ronja - Aktualisiert am: 2014-12-18 - Entwickelt am: - 2.573 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

Die erste Fortsetzung von der Liebesgeschichte von Grit und Kid. Hoffe natürlich, dass euch die Geschichte gefällt. Kommentare kommen natürlich auch immer gut an!

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    Kids Sicht:

    Dieses Biest! Grinsend sehe ich ihr nach, wie sie davon stolziert. Die Kleine hat echt was drauf. Hätte ich nicht gedacht. Wenigstens mal eine, die Humor hat und Sarkasmus versteht. Ich reibe mir die Schulter. Ihr Schlag hatte tatsächlich ziemlich viel Kraft. Mehr als erwartet. „Kid?“, sagt Killer. „Jo.“, antworte ich und drehe mich zu ihm. „Mika will mit dir reden. Wegen des neuen Kurses.“ Ich gebe ihm einen Daumen hoch und mache mich auf den Weg. Die Sonne scheint jetzt schon warm. Nachher wird es bestimmt richtig schön heiß. Ich komme an John und Kalle vorbei, die sich grade lauthals streiten. John entdeckt mich und ruft: „Ey, Käpt’n! Kalle hat…“ Ich hau ihm eine rein. „Halt's Maul, John!“, sage ich gelassen. „Ha! Siehst du. Nicht mal Kid…“ Auch Kalle hau ich eine rein. „Das Gleiche gilt für dich!“ Ein paar Herumstehende grölen vor Lachen. „Guten Morgen, Mika.“, begrüße ich meinen Navigator, als ich bei ihm ankomme. „Hey, Kid!“ „Was ist los?“ Mika zeigt auf den Log-Port. Erstaunt schaue ich mir den Log-Port an. Alle drei Nadeln bewegen sich nicht mal ein winziges Bisschen. Sie sind absolut total ruhig. „Wo willst du hin?“, fragt mich Mika und grinst dabei. „Wie langweilig. Die sind alle drei lahm. Was soll das? Das macht ja gar keinen Spaß.“, meckere ich. Mein Navigator zuckt mit den Schultern. „Da kann man nichts machen.“ „Na gut. Dann nimm eben diese hier.“ Ich zeige auf die rechte Insel. Vielleicht gibt es da ja wenigstens eine Marinebasis, die wir aufmischen können. Wenn es da nicht gefährlich ist, können wir es vielleicht gefährlich machen. Ich grinse. Im Zusammenhang mit meinen Gedanken wirkt das Grinsen wahrscheinlich etwas sadistisch. Draußen höre ich einen Kanonenschuss und dann spüre ich wie eine Welle das Schiff zum Schaukeln bringt. Jemand greift uns an. Piraten oder Marine? „Ihr seid alle festgenommen!“ Eindeutig Marine. Ich schüttle den Kopf. Als ob wir uns jetzt einfach so ergeben. Ich schlendre an Deck. „Es ist Eustass, Kids Piratenbande. Ergebt euch!“, ruft einer der Marineschwachköpfe. Bedrohlich grinsend lasse ich meine Fingerknöchel knacken. „Fickt euch!“, rufe ich ihnen entgegen. Meine Mannschaft ist bereit und wartet nur auf mein Zeichen. Aus dem Augenwinkel sehe ich wie etwas Rotes aus einer Tür kommt. Ich schaue hin und entdecke Grit, die ein rotes Kleid anhat und sich gemütlich aufs Hinterdeck begibt. Ohne der jetzigen Kampfsituation auch nur einen Blick zu würdigen. Sag mal, spinnt die? Entweder sie kämpft oder sie bleibt unter Deck. Obwohl da gibt es eigentlich keine Option. Wenn sie nicht krank ist, kann sie kämpfen. Das werde ich ihr schon noch beibringen. Ich widme mich wieder voll und ganz der Marine. „So ihr Arschlöcher. Seht zu, wie ihr sterbt!“, rufe ich wütend und lege los. Der Kampf dauert relativ lange, auch wenn er nicht wirklich hart ist. Als letzter Überlebender steht der Kapitän des Schiffes vor mir und guckt mich böse an. Ich grinse breit, ziehe meinen Revolver und erschieße ihn dann ganz klassisch. „Killer! Kümmre dich um das Schiff.“, rufe ich meinem Freund zu und springe zurück auf unser Schiff. Während Killer mit seinen rotierenden Klingen das Schiff zerschneidet, stapfe ich wütend aufs Hinterdeck. Grit liegt in ihrem roten Kleid, welches eigentlich das Tuch ist, das sie gestern trug, auf einem Liegestuhl, sonnt sich und lässt ihre Kleidung trocknen. „Sag mal, spinnst du?“, schreie ich sie an. Sie fährt erschrocken auf. „Alter! Hast du mich erschreckt. Ich wäre fast gestorben.“, schreit sie zurück. „Wir wurden gerade angegriffen. Da hast du gefälligst mitzukämpfen. Du wirst nicht geschont, nur weil du ein Mädchen bist. Kannst du knicken.“ „Pah! Als ob ich das erwarten würde. Ich hatte halt keine Lust zu kämpfen. Ihr seid doch genug Leute. Habt es ja auch ohne mich geschafft.“ Wir stehen uns mit vor Wut verzogenen Gesichtern gegenüber und starren uns an. „Du kannst gar nicht kämpfen was?“, sage ich provozierend und um dem Ganzen noch ein Krönchen aufzusetzen, grinse sie dick und fett an. Grit platzt fast vor Wut. „Ich zeigs dir!“, schreit sie und läuft auf mich zu. Sie boxt und tritt mich. Wenn sie das möchte, meinetwegen. Ich hau zurück. Wir rangeln auf dem Deck rum. Sie ist echt stark, das hätte ich nicht gedacht. Ich bin natürlich stärker, aber so ist das wenigstens etwas spannender. Immer mehr Schaulustige haben sich auf dem Hinterdeck versammelt. Ich höre Anfeuerungsrufe für mich, aber auch für Grit. Sie verpasst mir einige sehr durchdachte Tritte, die ihren Zweck vollkommen erfüllen und das, obwohl sie barfuß ist. Okay, jetzt reicht es mir. ich packe sie, werfe sie auf den Bauch und setze mich auf ihren Rücken. „Verloren!“, sage ich und grinse. Grit keucht. „Fick dich!“, höre ich von ihr. Dieses Biest! „Als Strafe, weil du deinem Kapitän nicht gehorchst, musst du heute Nachmittag die Küche schrubben.“ Ich stehe auf, um ihr mehr Platz zum Atmen zu lassen. Immer noch keuchend steht Grit auf. Sie grinst mich an und sagt: „Kein Problem. Mach ich gerne.“ Als ob. Das nehme ich ihr nicht ab. Ich drehe mich um und geh in meine Kabine. Eine Dusche wäre jetzt richtig super. Ich lege meinen Mantel aufs Bett und gehe ins Badezimmer. Während das Wasser auf mich prasselt, denke ich noch einmal über eben nach. Sie ist widerspenstig. Das gefällt mir. Sie versucht nicht es mir Recht zu machen, so wie die anderen Mädchen. Außerdem scheint sie mir nicht verfallen zu sein, was zur Abwechslung auch ganz interessant ist. Mit ihr zu reden ist unkompliziert, so wie bei Killer. Ich bin fertig und trockne mich ab. Jemand kommt ins Zimmer. Ich nehme an, es ist Grit. Angezogen öffne ich die Tür und bleibe im Rahmen stehen. Ich lehne mich lässig gegen die eine Seite und sage sarkastisch: „Schade! Wärst du nur etwas früher gekommen, hätten wir zusammen duschen können. Jetzt ist es natürlich zu spät.“ Grit macht eine gespielt traurige Grimasse. „Oh nein! Wie konnte ich mir diese großartige Chance nur entgehen lassen? Der große Eustass Kid nackt mit mir in derselben Dusche. Das wäre es gewesen.“ Mit ihrer Kleidung unterm Arm geht sie an mir vorbei ins Badezimmer. Nicht, ohne mich vorher noch einmal anzurempeln. „Sorry! Tut mir echt Leid!“, sagt sie und knallt die Tür zu.

    Grits Sicht:

    Ich brauche unbedingt neue Kleidung. Schließlich kann ich ja nicht ewig zwischen nur mein Tuch als Kleid und diese Jeans mit Kids schwarzem T-Shirt wechseln. Nach dem Essen reicht man mir Schrubber und Eimer und dann muss ich schrubben. das ist vielleicht eine Scheiß-Arbeit. Die Küche ist recht groß. Ich bin nur froh, dass Kid nicht gesagt hat den Speisesaal oder gar das ganze Deck. Ich fülle den Eimer mit Wasser und fang an. An einigen Stellen ist echt hartnäckiger Dreck. Wie lange haben die hier bitte nicht geputzt? In Gedanken versunken singe ich ein bisschen vor mich hin. Kid hat mir vorhin echt ein paar heftige blaue Flecke verpasst. Ich werde aussehen wie eine zermatschte Banane. Immerhin hat er zugeschlagen, aber das hätte ich von ihm auch erwartet. Die meisten Männer schlagen dann wie ein kleines Kind, weil sie eine Frau nicht verletzen wollen. Es hat echt Spaß gemacht. Ich habe schon wieder so eine richtig dreckige Stelle vor mir. Kniend versuche ich, den Dreck loszuwerden. „Kid würde dieser Anblick sicher gefallen.“ Erschrocken zucke ich zusammen und lasse den Schrubber fallen. Ich dreh mich um. „Ach du Scheiße, John. Erschrecke mich doch bitte nicht so.“ John sitzt auf dem Tresen und grinst mich breit an. „Man, bist du schreckhaft“, lacht er. „Na wenn du dich so reinschleichst. Anstatt mich hier zu erschrecken, kannst du mir auch helfen.“, werfe ich ihm sarkastisch vor. Er hebt abwehrend die Hände. „Sorry. Darf ich nicht. Wenn man dabei erwischt wird, wie man einem anderen die Strafe erleichtert, dann muss man selber putzen und der Bestrafte auch noch mal. Und das ist dann richtig harte Arbeit.“ Beleidigt versuche ich, mir eine Dread aus dem Gesicht zu pusten, was nicht so ganz funktioniert. Letztendlich streiche ich sie mir hinters Ohr und schrubbe weiter. „Du singst gut!“ John nimmt das Gespräch wieder auf. „Hm, ja geht so. Aber danke.“, antworte ich. „Du hast es Kid vorhin aber ganz schön gezeigt. Du bist ja richtig stark.“ Ich lache. „Was soll das denn heißen. Bist du etwa so überrascht, dass ich stark bin? Irgendwie muss ich mir ja ein hohes Kopfgeld verdient haben.“ John lacht auch. „Ja, hast recht. War aber echt cool.“ Wir reden die ganze Zeit, während ich putze. Meine Strafe vergeht wie im Flug. Ich mache sogar noch Herd und Spüle sauber. Gerade noch rechtzeitig bis der Koch kommt um Abendessen vorzubereiten. Wir wollen uns gerade verabschieden, als er sagt: „Ihr könnt gleich hier bleiben. Ich brauche noch Leute zum Schnippeln.“ Also bleiben John und ich noch, um dem Koch zu helfen. Ich pfeife vor mich hin und schaffe es sogar, ihn ein wenig aufzumuntern. Er macht wahrscheinlich auch nichts Anderes, als den ganzen Tag nur zu kochen. Nach dem Abendessen gehe ich in „meine“ Kabine. Das Putzen war ganz schön anstrengend, das ist mir während der Arbeit gar nicht so sehr aufgefallen, aber jetzt spüre ich es umso mehr. Ich gucke in Kids Schrank und suche mir irgendeine gemütliche Shorts von ihm raus. Ich will nicht noch eine Nacht in Jeans schlafen. Mit meinem notdürftig zusammengestellten Pyjama, lege ich mich ins Bett. Ich schnappe mir die Decke und das Kissen und mach es mir auf der Wand Seite gemütlich. Das Bett ist tatsächlich groß. Und so bequem. Ich liege noch eine Weile wach und genieße einfach dieses unglaublich bequeme Bett. Im Halbschlaf kriege ich mit, wie jemand ins Zimmer reinkommt. Das wird wohl Kid sein. Plötzlich wird mein Kissen weggezogen und mein Kopf fällt auf das Bett. Augenblicklich bin ich wieder wach. „Das ist meins!“, sagt Kid. Er zieht mir auch die Decke weg. „Genauso wie die Sachen die du trägst!“ „Oh komm schon!“, antworte ich müde. „Lass mich doch einfach schlafen und suche dir eigene Sachen.“ Verzweifelt versuche ich nach dem Kopfkissen zu schnappen. „Geht es noch? Das ist alles meins.“, meckert Kid rum. Spießer! Der soll sich mal nicht so anstellen. „Hast du nicht noch ein zweites Kissen oder so?“, frage ich gähnend. Ein Kissen kommt direkt auf mich zugeflogen und trifft mich am Kopf. „Hier!“ Okay, diesmal hat er angefangen. Ich schnappe mir das Kissen, kämpfe mich aus dem Bett und beginne eine wilde Kissenschlacht. Am Anfang habe ich den Überraschungseffekt auf meiner Seite, aber Kid fängt sich schnell wieder. Ohne mir eine Möglichkeit zu bieten, zurückzuschlagen, schlägt er auf mich ein. Mir bleibt nur noch die Flucht auf den Gang. Ich kreische und lache gleichzeitig. „Da hast du jetzt selber Schuld, Grit.“, sagt Kid und grinst. Türen werden aufgerissen. „Was ist hier los?“, rufen einige Crewmitglieder. Schon bald kommt der erste mit seinem Kissen und beteiligt sich an dem Gefecht. Letztendlich endet Kids und meine Auseinandersetzung in einer großen Kissenschlacht-Party. Einige Kissen mussten dran glauben und Federn fliegen durch die Gegend. Als ich endlich wieder in der Nähe der Kabinentür bin, werde ich plötzlich gepackt und in diese hineingedrückt. Kid schließt die Tür. „Puh!“, stöhne ich und puste mir eine Feder aus dem Gesicht. Grinsend schaue ich zu Kid. „Das war lustig!“ Er nickt ebenfalls grinsend. Sein Kissen ist noch in Ordnung. Meins ist zwar ziemlich zerknautscht, aber zum Glück nicht aufgeplatzt. Nun bin ich echt müde. Die Kissenschlacht hat mir den Rest gegeben. Ich krabble ins Bett und mach es mir gemütlich. „Gute Nacht, Margrit“, höre ich von Kid. „Halt's Maul.“, gebe ich ihm als Antwort zurück. Ich höre ihn noch leise lachen, da schlafe ich auch schon ein.

    Kids Sicht:

    Sie legt sich hin und ist eine Minute später schon eingeschlafen. Man, das würde ich auch gern können. Ich setz mich in den Sessel gegenüber vom Bett und schaue Grit eine Weile beim Schlafen zu. Versunken in alle möglichen Gedanken. Ich denke gerad über etwas nach, was ich in der Zeitung gelesen habe. Der Strohhut ist wieder da. Ich grinse. Natürlich ist der wieder da. Schon der Gedanke daran, dass er tot gewesen wäre, ist doch echt absurd. Dieser kleine Typ ist echt stark und hat so einiges drauf. Damals auf dem Sabaody Archipel, als… Ich höre ein Geräusch von Grit und schaue auf. Sie redet irgendetwas im Schlaf und dreht sich auf die andere Seite. Es sieht ein bisschen so aus, als ob sie frieren würde. Ich nehme die Decke und lege sie über sie rüber. Meistens schlafe ich eh ohne. Mir ist so ziemlich immer warm. Irgendwie habe ich eine innere Heizung, die auf ziemlich hoch eingestellt ist. Ich gähne. Wahrscheinlich sollte ich auch mal pennen gehen.

    Ich wache auf der Seite liegend auf. Nach ein paar Mal blinzeln drehe ich mich auf den Rücken und werfe dabei meinen Arm von der rechten auf die linke Seite. Ein Aufschrei lässt mich zusammen fahren. Ich habe ganz vergessen, dass Grit ja jetzt neben mir schläft. Sie hält sich die Hände an den Hals, die Stelle, die ich wahrscheinlich getroffen habe. „Seitdem ich auf diesem Schiff bin, werde ich entweder durch Geschrei oder durch eine Attacke geweckt. Kann ich nicht einmal normal aufwachen?“, krächzt Grit verschlafen. Es tut mir echt ein bisschen Leid, aber das zeige ich ihr natürlich nicht. „Wo bleibt denn da der Spaß. Du hast lang genug geschlafen. Raus aus den Federn und mach mir Frühstück.“ Mir ist sehr wohl bewusst, dass es noch ein bisschen früh ist für ein Wortgefecht, aber es macht doch immer wieder Spaß das kleine Biest zu reizen. Leider hat meine Attacke nicht den gewünschten Effekt. Grit schaut mich nur müde an und lässt sich dann wieder ins Kissen fallen, um weiter zu pennen. Meinetwegen. Ich mache mich auf jeden Fall schon einmal fertig. Im Badezimmer entdecke ich Grits Jeans und ihr rotes Tuch. Grinsend nehme ich sie an mich. Zusammen mit einigen von meinen Klamotten verstecke ich sie in einer kleinen Abstellkammer direkt neben meinem Zimmer. Mal schauen, wie sie das findet! Bevor ich zum Frühstück gehe, habe ich noch einiges zu tun. Ich reiße die Tür zum Schlafsaal auf und wecke alle durch ein lautes „Guten Morgen“ auf. Gleiche Reaktion wie immer. Murren und fliegende Kissen. Ach, sie lieben es einfach von ihrem Käpt’n geweckt zu werden. Ich starte meinen Rundgang übers Schiff, lasse mich kurz von der Nachtwache aufklären und bleibe für ein paar Minuten am Bug stehen. Auf den Horizont schauend genieße ich noch für einen Augenblick die Ruhe, bis mit dem Frühstück wieder der Lärm anfängt. Bevor ich die Tür zum Speisesaal öffne höre ich schon den Lärm. Wenn wir nicht grade eine Party gefeiert haben, sind die Jungs auch morgens schon ziemlich laut. Ich komme rein und gebe das Zeichen zum Anfangen. Wie immer setze ich mich neben Killer, der wie immer schon gegessen hat. In Anwesenheit von anderen Menschen nimmt er wirklich nie die Maske ab. Er nickt mir zur Begrüßung zu. „Guten Morgen Käpt’n!“, ertönt neben mir eine fröhliche Frauenstimme. Ich dreh mich nach links. Grit hält ein Tablett in der Hand und grinst mich an. Skeptisch ziehe ich eine Augenbraue hoch. Was hat sie vor? Sie trägt noch die Kleidung, die sie sich von mir zum Schlafen geborgt hat. Sie hält mir das Tablett hin. „Ich sollte dir doch Frühstück machen, oder nicht?“ Auf dem Tablett ist ein Teller, auf dem ein beschmiertes Brot, das in viele kleine Vierecke geschnitten wurde und in einem Schmetterling angeordnet ist. Kleingeschnittenes Gemüse verziert das Ganze noch. Daneben sind eine kleine Gabel und ein Becher mit Milch. Außerdem ist da noch ein zweiter, kleiner Teller, auf dem Apfelschiffchen drauf sind, die mit einem Zahnstochermast und einer Paprikafahne verziert sind. Sie stellt mir das Tablett vor die Nase und sagt: „Lass es dir schmecken und iss ja alles auf.“ Ich kann es nicht glauben. Grit setzt sich ein paar Plätze weiter hin. Entgeistert schaue ich auf den Teller. Killer hält sich den Bauch vor Lachen und auch Heat amüsiert sich köstlich. Auf meiner Stirn bildet sich eine Wutader. Sie ist so ein Biest! Scheint, als hätte ich endlich einen würdigen Gegner zum Streiche spielen gefunden. Ich beuge mich nach vorne und gucke nach links. Grit schaut mich neugierig und grinsend an. Diesen Sieg werde ich ihr nicht schenken. Ich grinse ebenfalls und pikse mit der kleinen Gabel ein Stück Brot auf. Langsam führe ich es zum Mund und kaue genüsslich drauf rum. Grits Grinsen verschwindet und sie lehnt sich böse wieder zurück. Die Kleine fängt an mir zu gefallen. Ich schaue auf meinen Teller. Das ist echt peinlich. Ich kann auf gar keinen Fall Brote essen, die in Schmetterlingform angeordnet sind. Mit der Gabel schiebe ich mein Essen ein bisschen hin und her, sodass es nicht mehr ganz so peinlich aussieht. „Der neue Arbeitsplan ist fertig.“, sagt Killer neben mir. Als Antwort nicke ich nur, da ich mich grade über diese blöden Apfelschiffchen ärgere. „Ich hänge sie gleich an die Pinnwand.“, fügt er noch hinzu. „Ja ja!“, antworte ich immer noch genervt. „Jetzt komm mal wieder runter! Grit hat gestern viel entspannter reagiert, als du ihr einen vollen Eimer mit eiskaltem Wasser über den Kopf gegossen hast. Und ich würde sagen, dein Frühstück ist dagegen eher harmlos.“ Er hat Recht. Natürlich hat er Recht! Warum regte es mich also so auf? Wahrscheinlich, weil sie die erste ist, die ich haben will, aber die ich nicht haben kann, weil sie mich nicht haben will. Sie hat keine schönen Proportionen, trägt keine sexy Kleidung und versucht nicht einmal, mit mir zu flirten. Genau das ist es, was mir so an ihr gefällt. Verdammt! „Die Ersten gehen schon!“ Killer stößt mich an und reißt mich aus den Gedanken. Ich schrecke hoch. „Was? Achso, ja.“ Killer gibt mir den Plan und ich überfliege ihn. Mist! Ich habe heute Nachtwache. Oh warte! Ich grinse. Ja das gefällt mir. Ich stehe auf und schiebe meinen Stuhl zurück. „So Jungs.“, sage ich laut und die, die bereits gehen wollten, bleiben stehen. In meiner Nähe höre ich ein empörtes Husten. Ich grinse. „Ab heute gelten die neuen Pläne. Killer hängt sie gleich aus. Außerdem habe ich noch eine schlechte Nachricht. Die nächste Insel wird schrecklich langweilig werden.“

    Grits Sicht:

    Von überall kommt Murren und sogar einige Buh-Rufe. Deren Ernst? Ist doch schön, wenn man mal auf einer etwas ruhigeren Insel ist. „In zwei bis drei Tagen sind wir da, also überlegt euch schon einmal etwas Aufregendes.“ Plötzlich kommt von allen Jubel. Wir sollen uns etwas Aufregendes überlegen? Wie soll ich mir das denn bitte vorstellen? John, der mittlerweile echt ein guter Freund ist und neben dem ich beim Essen immer sitze, ist total aufgeregt, fast schon übermütig. „Vielleicht nimmt er ja diesmal meinen Vorschlag dran. Ich muss mir unbedingt was Gutes überlegen.“ „Was meinte Kid damit? Und was meinst du damit?“, frage ich, während ich mit meiner Gabel im Rührei herumstochere. Ich bin etwas beleidigt, weil Kids Reaktion nicht so war, wie ich gehofft hatte. Irgendwie muss ich es doch schaffen können, ihm sein dämliches Grinsen zu vertreiben. „Wenn wir langweilige Inseln ansteuern, können wir uns immer überlegen, wie wir unseren Besuch etwas spannender machen können. Entweder wir greifen sie sofort an, oder wir legen irgendwann ein Feuer, wir besetzen eine Stadt für ein paar Tage oder wir spielen Spiele. Kommt darauf an, was vorgeschlagen wird.“, erklärt mir John. „Ihr spielt Spiele?“, frage ich skeptisch. Er nickt grinsend. „Oh ja! Wir bauen zum Beispiel einen Parcours durch die Stadt oder über die Insel auf und müssen den dann bewältigen.“ „Okay. Ich glaube, ich habe es verstanden.“ „Einmal haben wir alle jungen Frauen der Stadt zu einer Party aufs Schiff eingeladen und…“ „Das will ich gar nicht wissen!“, sage ich eindringlich und in einem Ton, dem John lieber gehorcht. „Und was ist mit dem Arbeitsplan?“, frage ich, nun wieder in einem normalen Ton. „Auf dem Schiff gibt es viel Arbeit, aber wir sind auch eine ziemlich große Mannschaft und deshalb müssen nicht immer alle mit anpacken. Der Arbeitsplan regelt, dass alle mal jede Arbeit machen und dass alle auch genügend Pausen haben. Der Plan ist echt voll gut.“ „Und den Plan macht Killer immer?“ „Ja, weil Kid nicht so das Planungstalent ist.“ John lacht. „Aber er hatte die Idee dazu und hat Killer für die Pläne zuständig gemacht.“ Interessant. Ich hätte nicht gedacht, dass Kid sich so für die Crew sorgt. Scheint ja doch ein ganz guter Käpt’n zu sein. Nach dem Frühstück gehe ich mit John zur Pinnwand. „Ich habe diese Woche wahrscheinlich nicht so viel zu tun, weil ich letzte Woche oft eingeteilt wurde.“ Er überfliegt den Plan und nickt zur Bestätigung. Dafür scheine ich umso mehr zu tun zu haben. Ich bin für jeden Tag eingeteilt etwas zu tun. Zum Glück muss ich beim Landgang keinen Bootswächter spielen. Puh! Glück gehabt. Aber, warte mal… Nachtwache heute: Grit und Kid. „So ein Mist!“, fluche ich leise. Der lässt mich ja gar nicht mehr in Ruhe. Wahrscheinlich hat Kid da bei Killer einen Extrawunsch eingereicht. Dieser Blödmann! Kann mich nicht einmal eine Nacht alleine lassen… Na ja, aber immerhin hat er auch Aufgaben, dass macht ihn mir dann doch etwas sympathischer. Wie auch immer. Heute Mittag habe ich Küchendienst und nachmittags habe ich frei. Wahrscheinlich um ein Nickerchen zu halten, damit ich bei der Nachtwache durchhalte. „Du und Kid? Was läuft da eigentlich?“, fragt mich John mit einem richtig fetten und zweideutigen Grinsen. Verdammt! Verdammt, weil John gesehen hat, mit wem ich Nachtwache habe und verdammt, weil alle auf diesem Schiff dieses verdammt fette und verdammt nervige Grinsen drauf haben. Was ist verdammt noch einmal mit denen los? „Nichts!“, sage ich eindringlich, während wir uns auf den Weg an Deck machen. „Da läuft absolut nichts!“ John hustet, aber es klingt ziemlich nach „als ob“. Ich haue ihm einmal kräftig gegen den Arm. „Halt's Maul!“, grummel ich. Er lacht und verschränkt seine Hände hinterm Kopf. „Und warum trägst du dann seine Kleidung?“ „Weil meine teilweise dreckig ist und ich ja nur das besitze, was ich bei meiner Ankunft am Leibe trug.“, erkläre ich ihm. John lacht wieder. „Und darum hast du jetzt einen neuen Stil? Trägst nur noch Männerkleidung oder was?“ Ich schaue an mir herab. Stimmt ja. Ich trage noch immer Kids Shorts. „Ne, also das war anders.“, fange ich in einem belustigten Ton an. „Ich habe mir Kids Shorts geschnappt, damit ich nicht in meiner Jeans pennen muss, aber vorhin, als ich mich anziehen wollte, hat Kid meine Sachen versteckt. Ich laufe nicht freiwillig so rum.“ „Na gut. Lasse ich gelten.“, sagt John und wir gehen aus der Tür raus. Draußen ist es schon ziemlich warm. Die letzten Tage waren echt schön. Ich hoffe, das bleibt so. Wir setzen uns aufs Hinterdeck. Da ist es nicht so laut und niemand rennt da herum. John lehnt sich an die Reling und schließt die Augen. Ich ziehe meine eine Knarre. Die andere habe ich ja letztens schon geputzt, aber die zweite muss ich noch reinigen. Nachdem ich fertig bin, steh ich auf. John ist schon vor einer Weile gegangen. Gemütlich pfeifend, schlendere ich in die Küche. Dort ist der Koch mit drei anderen bereits zu Gange. Er meckert mich an, warum ich denn erst so spät komme. Ich setze ein entschuldigendes Lächeln auf und kratze mich hinterm Kopf. „Sorry! Ich wusste nicht, wann ich herkommen sollte!“ Er verzieht mir schnell und lächelt gestresst. „Schon okay.“, sagt er und schiebt mich zu den anderen, um Fleischbällchen vorzubereiten. Die drei Anderen sind ziemlich angespannt und genervt. Wahrscheinlich hat der Koch sie schon herumgescheucht. Pfeifend lockere ich die Stimmung ein wenig auf. Nach ein paar Witzen entspannt sich sogar der Koch und lacht mit uns. Wir haben richtig Spaß beim Kochen. Unerwarteter Weise sind wir schon viel früher fertig. Während die anderen drei die Tische decken, bleibe ich noch in der Küche und helfe dem Koch. Dabei plaudern wir ein bisschen. Es stellt sich heraus, dass er Markus heißt. Super! Jetzt kenne ich endlich mal seinen Namen. „So viel Spaß am Kochen hatte ich lange nicht mehr und das, obwohl Kochen doch meine Leidenschaft ist:“, beichtet er mir. „Das ist bestimmt auch echt stressig, wenn man für so viele Kochen muss. Du stehst ja fast den ganzen Tag in der Küche.“ Markus nickt mir eifrig zu. „Genau das ist das Problem. Oft drücken sich die Leute auch vorm Küchendienst und dann stehe ich ziemlich auf dem Schlauch. Wir haben hier an Bord noch einen zweiten Koch und wir werden dann halt abwechselnd eingeteilt, damit wir auch mal eine Pause bekommen.“ „Achso!“, antworte ich interessiert. Der Speisesaal hinter mir füllt sich langsam mit Leuten. Scheint als gäbe es bald Mittag. Zu Viert decken wir die Speisen auf den Tisch. Der Raum füllt sich immer mehr.

    Nach dem Essen waschen wir ab. Ich verabschiede mich und begebe mich zu Kids Kajüte. Wahrscheinlich könnte ich jetzt tatsächlich gut ein Nickerchen gebrauchen. Ich öffne die Tür zu „unserem“ Zimmer. Kid liegt bereits im Bett und schläft. Leise gehe ich ins Badezimmer um meine Jeans auszuziehen und wieder Kids Shorts anzuziehen. Da fällt mir auf, dass ich ja noch immer die Shorts trage. Heute Morgen hatte ich ja gar keine Möglichkeit mich anzuziehen. Da er meine Jeans und auch die brauchbarsten Stücke aus seinem Kleiderschrank mitgenommen hatte, daher konnte ich nicht einmal improvisieren. Nachher werde ich mir meine Kleidung schon wiederholen. Ich gehe wieder aus dem Badezimmer raus. Kid schläft friedlich. Sieht ja schon ein wenig süß aus, wie er sich da so ausstreckt. Ich bleibe für ein paar Sekunden im Türrahmen stehen. „Steh da nicht so blöd herum, leg dich einfach hin und versuche zu pennen!“, sagt Kid plötzlich. Ich werde steif. Hat er etwa doch nicht geschlafen. Peinlich! Grinsend komme ich näher. „Dann nimm auch gefälligst deinen Arm von meiner Seite, sonst habe ich da keinen Platz.“, antworte ich patzig. Kid stützt sich auf seine Unterarme und grinst mich an. „Ich könnte ihn da auch lassen und wir kuscheln ein bisschen zusammen!“, sagt er verführerisch. Allerdings verführt er mich damit so gar nicht. Ich lege mich neben ihm ins Bett und stütze mich auf eine Seite. „Und das, obwohl ich keine 90-60-90 habe.“, sage ich ebenfalls in einem verführerischen Ton und lächle ihn an. Wir schauen uns noch ein bisschen in die Augen bis Kid plötzlich sagt: „Stimmt! Alles außerhalb 90-60-90 kommt nicht in die Tüte. Sorry Grit, du hast keine Chance.“, antwortet Kid und grinst mich noch einmal überheblich an, bevor er sich auf die Seite dreht. Auch ich leg mich hin. Was sollte das denn? Erst guckt er mich so an und dann betont er noch einmal, wie angeblich unperfekt ich sei. Arschloch! Aber als er mich so angeschaut hat, da wäre ich fast in seinen Augen versunken… Vergiss es, Grit! Er kann jede haben und er hatte auch jede Andere. Er wird sich nicht ändern. Schon gar nicht wegen dir. Ich liege noch eine ganze Weile wach, bevor ich endlich einschlafen kann.

    Als ich wieder aufwache, merke ich sofort, dass etwas anders ist. Vorsichtig öffne ich die Augen. Vor mir liegt Kid, der noch immer schläft. Was ist anders, was ist es nur? Es ist ganz ruhig und die letzten Strahlen der Abendsonne scheinen durch die Spalten der Vorhänge. Ich weiß es. Ausnahmsweise bin ich mal von alleine aufgewacht. Ich wurde weder angeschrien, noch attackiert. Wahrscheinlich auch nur, weil Kid noch schläft. Na dann kann ich mich ja endlich mal revanchieren. Er ist mit dem Gesicht zu mir gedreht und sieht ganz entspannt aus. Ich hoffe, er schläft tatsächlich noch. Nicht so wie vorhin. „So! Zeit zum Aufwachen!“, flüstere ich leise. Ich packe Kids Nase und halte sie zu. Es dauert keine zwei Sekunden, da fuchtelt er schon wild um sich und schlägt die Augen auf. Der Anblick ist einfach zu komisch. Lauthals fange ich an zu lachen. Kid packt meinen Arm und zieht ihn problemlos weg. Er schnappt nach Luft und reibt sich die Nase. „Sag mal, spinnst du?“, schreit er, nachdem er endlich die Orientierung zurückgefunden hat. „Willst du mich etwa umbringen?“ Immer noch lachend gehe ich vorsichtshalber außer Reichweite. „Das ist meine Rache!“, antworte ich nur. Kid steht wütend auf. Ich glaube, ich lasse ihn erst einmal wieder runterkommen und verschwinde schnell nach draußen. Hinter mir schließe ich die Tür und setze mich direkt davor auf den Boden. Ein paar Jungs, die ich schon am ersten Tag kennengelernt habe, kommen vorbei und schauen mich verwundert an. „Ich habe ihn sauer gemacht. Er muss sich erst einmal beruhigen.“, sage ich grinsend. Nach einer Weile ist es still im Zimmer. Ich öffne die Tür und schaue ins Zimmer. Kid sitzt in dem Sessel und schaut mich grinsend an. Verunsichert trete ich ein. „Was ist?“, frage ich vorsichtig. „Nichts.“, bekomme ich zur Antwort. „Hast du dich abgeregt?“ „Jup!“ Was soll das hier? „Bekomme ich meine Kleidung wieder? Sonst friere ich nachher.“, sage ich. Ich beschließe, sein Grinsen einfach zu ignorieren. Wahrscheinlich soll es mich sowieso nur reizen.

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