Die Blaue Stille

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8 Kapitel - 2.323 Wörter - Erstellt von: Divergent - Aktualisiert am: 2014-12-01 - Entwickelt am: - 538 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt

Das ist eine kurze (Fantasy-)Geschichte. Sie basiert lose auf das Buch "Under the Neversky", ist aber für meine Kurzgeschichte unwichtig.

Maria lebt ein einfaches, aber harmonisches Leben im Dorf auf einer weit vom Festland abgeschotteten Insel. Eines Tages ist die Existenz der Dorfbewohner ungewiss, & Maria stellt sich einer schwierigen Entscheidung.
Das ist meine erste Kurzgeschichte also seid bitte nicht zu streng (: haha

    1
    "Das ist die Ruhe vor dem großen Sturm.", sagte Evelyn gegen das Rauschen der Wellen, die sich langsam mit dem Wind legten.

    Während die Sonne sich ihren Platz am Himmel zurück erkämpfte, sahen wir vom Rand der Insel zu, wie die letzten Überreste unser Schiffe, und damit unsere einzige Verbindung zum Festland, davon trieben. Unser Dorf war sich damit selbst überlassen, hunderte von Kilometern vom nächsten Dorf entfernt.
    "Der gestrige Sturm war nur ein Vorgeschmack. Der nächste wird schlimmer. Und tödlicher." ergänzte Rosie, als sie es endlich zu unserer Verabredung schaffte.
    Evelyn guckte uns irritiert an und wir erklärten ihr, dass es nur eine Frage der Zeit wäre, bis uns ein Äthersturm herbeisuchen wird. Das ist kein normaler Sturm. Aufzeichnungen von ehemaligen Überlebenden waren unzuverlässig, aber an der geringen Menge der, die dem Sturm entflohen konnten, und die Art, wie sie es beschrieben haben, waren die Stürme wirklich schlimm und haben psychische Störungen verursacht. Es muss grauenvoll gewesen sein. Kaum einer hatte nach Anblick dieser Naturgewalten länger als ein Jahr gelebt. Alles Selbstmorde. Verständlich, da deren ganze Wohnorte zerstört wurden und Familienmitglieder ausgelöscht.
    Seit vielen Generationen war aber nichts mehr geschehen, und wir dachten wir lebten in Sicherheit.
    Nachdem wir darüber sprachen, herrschte Stille.
    "Was haben wir noch einmal in Mathe auf?", fragte ich, um das Thema zu wechseln.
    "Nichts. Schule fällt auf unbestimmte Zeit aus." sagte Rosie, die offenbar immer über alles Bescheid wusste.
    "Cool!", jubelte Evelyn. "Ist es nicht! Wir sind im Notstand!" schrien Rosie und ich sie gleichzeitig an.
    Ich entschuldigte mich bei Evelyn, schließlich war sie eine meiner besten Freunde und ich weiß, wie sie tickt. In ihren Augen sah ich Angst, wie bei einem Kind. "Die Dorfältesten lassen sich schon was einfallen." versicherte ich den beiden, die mehr Vertrauen in meinen Worten fanden als ich selber.

    Dann ging ich den Strand entlang, durch das Dorf und in den Wald nach Hause.

    2
    "Wo sind unsere Eltern?", fragte ich meine große Schwester mit ihrem Kind auf dem Arm, als ich zu Hause ankam.

    "Unterwegs, Vorräte sammeln."
    Ich schlief bis zum Nachmittag. Meine Mutter fragte mich, was ich heute machen würde. "Keine Ahnung." sagte ich. Aber ich wusste es. Warten. Warten auf den Sturm.
    In den nächsten Tagen war ich immer zu Hause, um Zeit mit meiner Familie zu verbringen.
    Eines frühen Morgens weckte mich mein Cousin Daniel. "Aufstehen! Wir gehen auf Abenteuer." schrie er. Total schlaftrunken sagte ich "Lass mich, ich bin müde."
    "Das wirst du gleich nicht mehr sein. Steh jetzt auf! Schlafen kannst du, wenn du Tod bist."
    Dieses Argument überzeugte mich. Ich folgte ihm, und von da an war ich immer mit ihm und vielen Freunden unterwegs. Wir besuchten andere Leute, geisterten im Dorf umher und schauten zusammen Filme. Ich traf auf Mitschüler, die ich sonst nur in der Schule gesehen hätte.
    Ich wusste nicht warum, aber ohne einen festen Tagesablauf (also zb Schule) fühlte ich mich leer. Verloren.

    3
    Anders als die Jugendlichen hatten die Erwachsenen viel zu tun. Vorräte sammeln und nach Lösungen suchen.
    Nach 13 Tagen der totalen Planlosigkeit fanden sie eine Lösung.
    Ein alter Mann, er hieß Ruffy und wurde beim letzten Sturm von einem umstürzenden Baum erschlagen, hatte ein großes Lagerhaus. Dort hat man einige Boote gefunden. Die meisten konnte man sogar benutzen, nachdem man ein paar Makel ausgebessert hat.
    Es gab nicht annähernd genug Boote für die ganze Insel, und nicht annähernd genug Zeit, um neue zu Bauen. Also konnte man sich teure Fahrtickets kaufen, aber leider war meine Familie nicht reich.
    Nach zwei Tagen verließen die ersten Boote unsere Insel. Es gab herzzerreißende Abschiede.
    Tag für Tag brachten sich mehr Menschen in Sicherheit. Die Bäckerei schloss, die Apotheke schloss, Häuser wurden verlassen.
    Ich weiß noch, als Daniel und seine Familie uns unter Tränen verlassen mussten. Sie gaben uns den Rest ihres Geldes, in der Hoffnung, wir würden bald nachkommen. Aber alles Geld was wir nun hatten reichte nicht für 5 Karten. Und keiner wollte jemanden zurück lassen.

    4
    Am Abend traf ich meine besten Freunde Laura und Selina. Sie erzählten mir, dass auch sie am nächsten Morgen die Insel verließen.

    Die Boote wurden weniger, und schon nach zwei Tagen waren die meisten meiner Freunde weg.
    Am nächsten Morgen klopfte Jasper an meiner Tür. Er hatte mich schon lange geliebt aber ich ihn nicht. Es hatte böse geendet. Dachte ich zumindest. Er überreichte mir zwei(!) Fahrkarten. Ich fragte ihn, wieso er das tat, obwohl ich ihn immer so abgewiesen hatte, nachdem ich ihm so viele Hoffnungen gemacht hatte. "Weil ich dich immer noch liebe. Du faszinierst mich. Du hast das Leben verdient."
    "Aber-"
    "Nichts 'Aber'! Ich muss los, mein Boot fährt bald mit meiner Familie los, und die werden nicht warten. Du hast bis morgen Zeit dich zu entscheiden, wen du mitnimmst. Wir sehen uns."
    Dann rannte er los. Und so endete unsere Geschichte. Liebevoll und verwirrend, so wie sie von Anfang an war.

    Ich erzählte es meinen Eltern und sie entschieden, dass ich das Kind meiner Schwester mitnehmen sollte. Sie weinte vor Freude, weil ihre zwei liebsten Menschen auf Erden überleben werden.
    Als es morgens zu weit war, sah ich unser Boot an. Es sah nicht stabil aus aber kaum einer fuhr mit. Mit jeder Sekunde steigerte sich die Angst in mir, mein Herz hämmerte wie verrückt, ich war den Tränen nahe und dann entschied ich mich. Ich rannte mit meinem kleinen Neffen nach Hause und schlug die Tür auf. "Keine Zeit für Erklärungen! Sammelt alles Geld ein und rennt so schnell ihr könnt zum Boot. Tut es einfach. Bitte!" schrei ich hysterisch. Was tat ich da? Ich wusste es nicht, aber es beruhigte mein Herz.
    Ich rannte in den Laden von Lauras Eltern. Sie hatte mir mal von einem geheimen Versteck erzählt, wo sie viel Geld gefunden hatte.
    Ich hatte Glück, es war tatsächlich noch da. Sie hatte es vergessen oder absichtlich da gelassen.
    Damit rannte ich zum Kartenverkäufer und sagte ihm, dass er damit meiner Familie noch zwei Karten kaufen sollte. Mit unseren Ersparnissen sollte es ausreichen.
    In einem kleinen Dorf wie diesem kennt jeder jeden. Ich sagte ihm, dass ich wüsste was ich tat und dass er meiner Familie ausrichten sollte, dass ich sie so sehr liebte.
    "Ich muss dir noch sagen, dass die restlichen Boote nicht mehr restauriert werden konnten und das nun die letzte Fahrt ist. Es geht in 10 Minuten los.", sagte er. Ich rannte ins Dorf und vermittelte die Botschaft. Dann traf ich Evelyns kleine Schwester. "Was machst du hier? Ihr habt keine Zeit mehr! Gleich fährt das letzte Boot los. Hol deine Familie!" schrie ich sie an und sie reagierte sofort. Sie war anders als ihre Schwester. Sie war nicht so naiv. Ich werde sie vermissen.
    Ich durchlief das Dorf und als ich zurück am Hafen ankam, verschwand das Boot gerade am Horizont.
    Der Fahrkarten-Verkaufsstand war geschlossen, aber da lag die Perlenkette meiner Mutter. Und mit ihrer letzten Botschaft realisierte ich, dass ich ihr Leben über meins gestellt hatte, deren Bedürfnisse über meine.
    In dem Moment fing mein Herz an zu zerreißen.

    5
    Ich legte die Perlenkette meiner Mutter um meinen Hals, in der Hoffnung, auf dieser Weise bei ihr zu sein.
    Meine Armbanduhr zeigte 3 Uhr, der offizielle Zeitpunkt an dem sich unsere Clique (oder besser: das was übrig war) traf. Lucia und Ich waren als erste da, es gesellten sich noch Lukas und Henry dazu. "Das wars? Nur wir sind über?"
    "Ja." sagte Lucia. "Naja, Rosie sollte noch kommen, aber sie ist wie immer zu spät."
    Abends waren wir endlich alle versammelt. Henry fing an zu reden. "Ich weiß nicht wie es euch ergeht, aber ich bin über die jetzige Situation nicht wirklich traurig. Das Leben der anderen ist auch nicht sicher, nur weil sie diese Boote haben. Sie können unterwegs verunglücken, sich an der Küste verlaufen und den Weg zur Zivilisation nicht finden, oder das Festland wurde schon längst vom Sturm zerstört. Wer weiß?"
    Keiner wollte sich dazu äußern.
    Dann fragte er mich, wieso ich auf die Rettung verzichtet habe. "Ich weiß nicht, ich hatte einfach Panik. Alles andere konnte ich nicht. Das Gefühl ist nicht leicht zu beschreiben. Ich glaube, er war der Gedanke, dass ich entweder ohne meine Familie in ewiger Trauer weiter leben konnte, oder mit der Sicherheit, dass sie weiter leben, sterbe. Ich werde sie nicht vermissen müssen, sie aber mich. Das schien mir irgendwie richtig. Obwohl das wirklich egoistisch klingt, ich weiß..."
    Sie sahen mir alle in die Augen, und dann sagte Lukas "Das ist nicht egoistisch. Das ist das schönste was jemand für einen tun kann. Deine Familie kann stolz auf dich sein."
    Ich war so dankbar für diese Worte.
    Anfangs dachte ich, ich wäre nun alleine, ohne Menschen die ich liebte. Aber ich blieb mit umso mehr Menschen, die ich mochte. Und jemanden zu mögen ist auch ein schönes Gefühl.

    6
    Auf dem Weg nach Hause (obwohl es kein zu Hause ohne meine Familie gab) sah ich in der Ferne ein Mädchen. Anfangs konnte ich es nicht glauben, aber es war Evelyn. Ich fragte sie, was sie hier mache, und sie erzählte, dass sie auf dem Boot Schuldgefühle hatte und mich nicht nach meiner "selbstlosen" Tat alleine lassen konnte. Also sprang zu gegen den Willen ihrer Familie vom Boot und schwamm mehrere 100 Meter zurück. Als ich sie deshalb anschrie, sagte sie, dass wir morgen mit dem nächsten Boot fahren könnten, und ich erzählte ihr, dass ihr Boot das letzte war. Wie naiv sie doch war.Sie hatte es vergessen. Zu Beginn war sie traurig aber dann stellte sie fest, dass auch das Boot ihr Leben nicht garantieren konnte, und ich stellte fest, dass meine Familie vielleicht doch sterben würde und ich nichts wüsste. Dann musste sie MICH trösten. Aber es war okay, denn sie war eine meiner besten Freunde und jemand den ich liebte.

    7
    Von da an genossen wir unsere Tage.

    Irgendwann entschlossen wir uns, eine Flaschenpost zu schreiben, um möglichen zukünftigen Findern unsere Umstände zu erzählen. Alle schrieben persönliche Einträge auf, Gedanken, Abschiede, Geständnisse, Letzte Worte für die Nachwelt. Dann malte Evelyn unsere Situation auf: Sonne, Strand, Meer. Ein freies Leben ohne Grenzen, obwohl ich mir welche gewünscht hätte. Lagerfeuer, Picknicks und Gelächter. Nur eines hat sie typischer Weise vergessen: Die Tatsache, dass diese Insel dem Tod geweiht war.

    8
    15 Tage, nachdem das letzte Boot den Hafen verließ, wachte ich in einem Zelt am Strand auf. Das Lagerfeuer der letzten Nacht war vom selben Wind erloschen worden, der durch meine Haare wehte. Im Bann des Anblicks der Sturmwolke, die uns fast erreicht hatte, weckte ich die anderen. Aus ihr donnerte giftig blau leuchtendes Feuer. Wir standen alle auf und umhüllt vom Wind des Sturmes sahen wir unserem Untergang entgegen. "Es ist verrückt das zu sagen, aber es sieht unbeschreiblich... schön aus."
    Ich nickte nur, weil uns allen der Geruch von Säure und Feuer Tränen in die Augen zwang. Oder war es der Tod?
    "Zeit für letzte Worte. Richtige Worte, und keine Flaschenpost!" schrie Evelyn gegen den immer zunehmenden Lärm an.
    Aber keinem viel was ein.
    Wir trauerten still, bis der Sturm eintrat und das passierte, was passieren musste. Unsere Heimat wurde zerstört und Kindheitserinnerungen im Feuer des Sturmes erloschen. Und dann wusste ich, warum ich blieb. Statt die Vergangenheit ziehen zu lassen verlor ich lieber meine Zukunft.


    -ENDE-
    Ich hoffe, es war ok. Hatte mit der Zeit kb mehr richtig zu schreiben hahah Upps. Naja die Geschichte basierte auf einem Traum den ich dank eines Buches hatte, und das Verrückte war der Schmerz und die Gefühle die ich dabei hatte. So einen Traum musste ich einfach nieder schreiben. jop
    danke fürs lesen ;-*

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