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CHRONIKEN DER UNTERWELT – Dein Leben in der verborgenen Welt der Schattenjäger TEIL 6

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4 Kapitel - 3.744 Wörter - Erstellt von: Anna Hess - Aktualisiert am: 2014-09-15 - Entwickelt am: - 6.520 mal aufgerufen - User-Bewertung: 4.6 von 5.0 - 20 Stimmen- Die Geschichte ist fertiggestellt

Der vorletzte Teil der Geschichte um Catherina und Jonathan mit einer wahrscheinlich unerwarteten Wendung ...

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    … „Aahhh!“, schrie ich und fiel wie ein nasser Sack zu Boden. Frustriert atmete ich den Geruch von nassem Gras ein und spürte, wie meine Kleidun
    … „Aahhh!“, schrie ich und fiel wie ein nasser Sack zu Boden. Frustriert atmete ich den Geruch von nassem Gras ein und spürte, wie meine Kleidung die Nässe der Wiese aufsog.
    „Noch einmal!“, knurrte Jonathan, packte den Kragen meines T-Shirts und zog mich grob wieder auf die Beine. „Aua.“, jammerte ich und war mir meines geschundenen Körpers deutlich bewusst. „Du hast dich verbessert, kämpfst aber noch immer armselig.“ Bei seinen Worten fiel mir die Kinnlade herab.
    „Jonathan, du bist wirklich der Einzige den ich kenne, der es schafft ein Kompliment wie eine Beleidigung klingen zu lassen.“, fauchte ich, holte mit meinem circa sechzig Zentimeter langen Holzschwert aus und ließ es auf seine linke Gesichtshälfte zusausen. Lässig duckte er sich und schlug mir mit seinem eigenen Schwert – das natürlich auch aus Holz bestand, da ich sonst längst Sushi gewesen wäre – schmerzhaft in die Hüfte. Keuchend entfuhr sämtliche Luft meinem Körper und ich konnte nicht anders als mich vor Schmerzen zu krümmen. Erbarmungslos schlug Jonathan ein weiteres Mal zu, dieses Mal in meinen Rücken. Der Wucht des Schlages und die Stelle an der er mich getroffen hatte sorgten dafür, dass ich erneut hinfiel und mein Gesicht schmerzhafte Bekanntschaft mit dem Boden machte. Meine Nase grub sich in die weiche Erde und dem Spruch „Ins Gras beißen“ wurde eine vollkommen neue Bedeutung verliehen. Prustend drehte ich den Kopf zur Seite, spuckte Erde und Gras aus und seufzte genervt. Damit stand es 18:0 für Jonathan – und ich sprach nur vom heutigen Tag.
    Wir trainierten nun schon seit einer Woche und ich hatte nicht die geringste Ahnung wofür. Sicher war ich mir nur in einem: Ich hatte immer geglaubt eine gute Schattenjägerin zu sein, doch Jonathan schaffte es mir jegliche Selbstsicherheit zu entreißen. Bis jetzt hatte ich nicht ein einziges Mal gewonnen. Meine Fragen hatten sich im Übrigen nicht geklärt. Jonathan schwieg wie ein Stein; jedoch hatte ich gelegentlich den Eindruck, dass er auf manche meiner Fragen selbst keine Antwort wusste. Fest stand aber: Jonathan kämpfte wie ein Gott. Verdammt nicht einmal Jace hatte ich so kämpfen sehen und Jonathan setzte während des Trainings mit Sicherheit nicht seine vollständige Kraft ein!
    „Wir hören auf. Morgen geht es weiter.“, sagte Jonathan kühl, sammelte die Schwerter ein – meins hatte ich bei meinem Sturz fallen lassen – und steckte sie in eine Trainingstasche. Stöhnend drehte ich mich auf den Rücken und sah die Baumkronen über mir an. Plötzlich erschien Jonathans Kopf in meinem Gesichtsfeld. Die Sonnenstrahlen die durch die Blätter der Bäume fielen, erleuchteten von hinten seinen Kopf und ließen seine blonden Haare erstrahlen. Fasziniert sah ich in an und bemerkte nicht, dass er mir seine Hand hinhielt. Er wollte mir beim Aufstehen helfen. Hey, er war dafür verantwortlich, dass ich überhaupt erst dort lag, also war diese Geste ja wohl das Mindeste!
    „Wenn der Boden wirklich so bequem ist, dann kannst du auch liegen bleiben. Sag mir einfach nur Bescheid, dann kann ich nämlich rein gehen und brauche mir hier nicht die Beine in den Bauch zu stehen.“, sagte Jonathan gelangweilt.
    „Oh, ehm, ja.“ Schnell stand ich mit seiner Hilfe wieder auf den Beinen und klopfte mir den Dreck von der Kleidung. Ohne ein weiteres Wort schnappte Jonathan sich die Trainingstasche und machte sich auf den Weg zurück zum Haus, das etwa hundert Meter von unserer Trainingsfläche entfernt stand. Wortlos folgte ich ihm und rieb mir die schmerzenden Glieder. Noch nie in meinem Leben hatte ich Muskelkater gehabt, doch irgendwie schaffte mein „Trainer“ es, mich immer wieder an meine körperlichen Grenzen zu bringen.
    Im Haus angekommen wurde die Trainingstasche in eine Ecke geworfen und wir gingen wie jeden Abend in die Küche um etwas zu essen. Auf unerklärliche Weise waren der Kühlschrank und die Schränke immer gefüllt und ich vermutete, dass Jonathan irgendwo Lebensmittel besorgen ging sobald ich schlief. Ich hatte schon ein paar Mal bemerkt, dass er nachts das Haus verließ. Etliche Versuche ihm zu folgen waren fehlgeschlagen – genauso wie meine zwei Ausbruchversuche. Es schien, als hätte er einen sechsten Sinn um mich zu entdecken.
    Aus heiterem Himmel flog ein Joghurt auf mich zu und ich konnte ihn gerade noch auffangen. Ich sah auf ihn herab und stellte fest, dass es meine Lieblingssorte, nämlich Kirsche war. „Ich nehme an den wolltest du, oder?“, fragte Jonathan und öffnete sich selbst ein Töpfchen Milchreis. Angewidert verzog ich das Gesicht. Diese Pampe hatte ich noch nie leiden können. Auch Jace und Isabelle hatten oft Milchreis gegessen. Jace und Isabelle … Ich vermisste sie! Und meinen Bruder … und natürlich Alec. Schon längst hatte ich mit einer Rettungsaktion gerechnet, doch sie waren nicht aufgetaucht. Hatten sie mich vergessen? War ich ihnen egal? Hatten sie mich aufgegeben? Oder fanden sie mich einfach nicht? Andererseits ging es mir hier nicht wirklich schlecht. Nur dass ich wie eine Gefangene behandelt wurde, störte mich.
    Nachdenklich starrte ich meinen Joghurt an – überlegte, wie ich meine Gedanken am ehesten in Worte fassen konnte. Zum Schluss entschied ich mich für die direkte Variante: „Jonathan, warum hältst du mich hier fest?“ Er ignorierte meine Frage und aß weiter seinen Milchreis. „Warum?“, fragte ich erneut. Er sah zwar nicht auf, aber er antwortete mir zumindest: „Weil ich dir das Kämpfen beibringe.“
    Ich verdrehte die Augen. „Dafür musst du mich hier aber nicht einsperren.“
    „Doch, glaub mir.“
    „Nein! Ich könnte genau so gut weiterhin im Institut leben und du unterrichtest mich dort.“
    Jonathan lachte trocken: „Das denke ich eher weniger.“
    „Hä?“
    „Das heißt 'Wie bitte'.“, verbesserte er mich. Ich zuckte mit den Schultern: „Ich habe dich ja verstanden, aber ich versteh's nicht. Erklär mir, weshalb du mich nicht im Institut unterrichten kannst.“
    „Die anderen wären über meine Anwesenheit nicht sonderlich erfreut, vermute ich.“
    „Erklärung wird geladen …“, seufzte ich und zog eine Augenbraue in die Höhe. Endlich sah Jonathan mich. Er legte den Kopf schief und musterte mich wie ein Versuchskaninchen. „Iss deinen Joghurt.“, sagte er knapp und ignorierte mich wieder ein Mal.
    Ich wedelte mit dem Joghurt in der Luft herum und säuselte: „Mit Löffel ginge es einfacher.“ Genervt warf Jonathan seinen leeren Becher in den Mülleimer und machte Anstalten eine der Schubladen neben sich zu öffnen – die Besteckschublade.
    „Oh nein, Freundchen.“, knurrte ich, wodurch er in seiner Bewegung innehielt, „Fliegende Joghurtbecher sind schon ätzend, aber noch weniger kann ich durch die Luft segelnde Löffel leiden. Bei meinem Glück steckt mir am Ende einer im Auge.“
    „Dann sollten wir vielleicht auch Fangen trainieren.“, feixte er und lächelte. Wie immer was das Lächeln kalt und erschien künstlich. Doch das war ich inzwischen schon gewohnt. „Schwertkampf zu lernen ist effektiver als Löffel-Fangen.“, seufzte ich und dachte an den Muskelkater und meine vielen blauen Flecken. Schnell verdrängte ich den Gedanken wieder, da mir so mein gequälter Körper nur allzu schmerzhaft bewusst war. Stattdessen machte ich mich auf den Weg um mir einen Löffel zu holen. Um die Schublade öffnen zu können war es notwendig, dass Jonathan einen Schritt zur Seite trat. Das tat er allerdings nicht.
    „Darf ich mal?“, brummte ich und versuchte ihn zur Seite zu schieben. Er rührte sich keinen Millimeter. „Man! Ich habe Hunger.“, quängelte ich und wie zur Unterstreichung knurrte mein Magen gut hörbar. Ich startete einen weiteren Versuch in von der Schublade zu vertreiben und scheiterte erneut. Blieb wohl nur eine Möglichkeit. Im Institut hatte ich nie so weit gehen müssen. Jace hatte ich immer wegschieben - beziehungsweise schubsen können. Bei Jonathan wurde ich wohl zu härteren Methoden gezwungen. Ich spannte meinen rechten Arm an, formte die Hand zur Faust und ließ sie von unten auf sein Kinn zuschnellen. Das Dumme war nur – Jonathan war darauf gefasst gewesen. Wahrscheinlich hatte er gespürt, dass ich meine Muskeln anspannte … oder es war wieder einmal sein sechster Sinn gewesen. Jedenfalls fing er meinen Schlag mit Leichtigkeit ab und umschloss mit seiner riesigen Hand mein zierliches Handgelenk. Er brach es mir zwar nicht, doch ich konnte schwören, dass meine Knochen gefährlich knirschten. „Aua!“, heulte ich auf und versuchte mich zu befreien.
    „Zu langsam.“, knurrte Jonathan und heftete den Blick seiner schwarzen Augen auf mich. Man sagte immer 'Die Augen sind das Fenster zur Seele'. Sah ich jedoch in Jonathans Augen schien es so, als hätte er keine Seele. Sie waren wie schwarze Löcher. Nicht einmal die Pupille konnte ich ausfindig machen.
    „Kannst du jetzt los lassen?“, quiekte ich und wand mich unter seinem festen Griff.
    „Erst entschuldigst du dich.“
    „Wofür? Dafür, dass ich an die Schublade wollte?“, erwiderte ich trotzig. Erbarmungslos sah Jonathan mich an. „Ich werde mich nicht entschuldigen!“
    „Okay. Ist nicht mein Handgelenk, das festgehalten wird.“
    „'Festgehalten'? Wohl eher 'zerquetscht'.“, zischte ich durch zusammengebissene Zähne. Verdammt, tat das weh! Ich war kurz davor mich zu entschuldigen, als mir plötzlich eine Idee kam, wie ich mich womöglich ohne eine Entschuldigung befreien konnte. Eigentlich hätte mir dieser Einfall schon viel früher kommen müssen. Zu hoffen, dass ich meine Faust irgendwann in Jonathans Gesicht vergraben konnte war dumm. Er war darauf gefasst. Generell war es beinahe unmöglich ihn zu überraschen. Das hatte ich bereits bei unseren Kämpfen feststellen müssen. All meine Versuche prallten an ihm ab und führten dazu, dass weitere Blutergüsse meinen Körper zierten. Nein, wenn überhaupt konnte man Jonathan nur auf eine Art und Weise überraschen. Mit etwas, das er nie im Leben würde kommen sehen. Ich küsste ihn.
    Ich legte meine freie linke Hand in seinen Nacken und presste meine Lippen auf seine. Sie fühlten sich weich und warm an. Ganz anders, als ich es erwartet hatte. Ich konnte spüren wie sich der Griff um mein Handgelenk lockerte. Ich hatte es tatsächlich geschafft ihn zu überrumpeln! Jetzt wo ich mein Ziel erreicht und meine Hand befreit hatte, wollte ich mich wieder von ihm lösen. Als ich das jedoch versuchte, schlang Jonathan seinen Arm um meine Taille und zog mich wieder an sich. Sein Körper presste sich an meinen. Ich konnte die von ihm ausgehende Wärme spüren. Ebenso seinen trainierten Oberkörper und die Stärke seiner Arme. Der Kuss wurde hitziger. Ich vergrub meine rechte Hand in seinen Haaren, krallte mich darin fest und zog ihn wenn überhaupt möglich noch enger an mich. Seine Hand wanderte meinen Rücken hinab. Es fühlte sich an, als würde sich die Welt um uns herum drehen. Mir wurde schwindelig. Ich konnte nicht mehr klar denken. In diesem Augenblick gab es nur Jonathan und mich. Mein Herz hämmerte in meinem Brustkorb. Plötzlich hob er mich hoch und ich schlang einem Instinkt folgend meine Beine um seine Hüfte. Er setzte mich auf der Küchentheke ab. Ohne Vorwarnung beendete er den Kuss und ich hätte beinahe vor Enttäuschung geseufzt, spürte aber einen Moment später, dass er meinen Hals mit Küssen bedeckte. Sie waren nicht zart und leicht, so wie sie in Büchern beschrieben wurden. Nein, sie waren hungrig und ließen meinen Körper beben. Ich legte den Kopf in den Nacken und öffnete den Mund. Ich konnte seine Zähne an meinem Hals spüren. Seine Lippen wanderten hinab zu meinem Schlüsselbein und schließlich wieder hinauf zu meinem Mund. Seine Finger streiften die T-Shirt-Träger von meinen Schultern und fuhren meine Arme entlang. Eine Gänsehaut überkam mich und Hitzewellen durchfuhren meinen Körper. Noch nie hatte ich mich so lebendig gefühlt wie in diesem Moment. Ich griff nach dem Saum seines T-Shirts und streifte es ihm über den Kopf. Ich kam nicht umhin seine definierten Bauchmuskeln zu bewundern und mit den Fingerspitzen nachzufahren. Allerdings hatte ich nicht lange Zeit dafür, da Jonathan mich erneut küsste und mich dieser Kuss wieder vollkommen gefangen nahm. Ich schlang meine Arme um ihn und spürte wie sich seine Rückenmuskeln anspannten. Schnell hüpfte ich von der Küchentheke. Wieder küsste Jonathan meinen Hals. Gleichzeitig glitten seine Hände unter mein Top und schoben es ein Stück nach oben. Seine Hände fuhren meine Hüfte entlang und meine Haut brannte unter seiner Berührung. Ich krallte meine Fingernägel in seinen Rücken und presste mich ihm entgegen. Er zog mein Top aus und warf es achtlos zur Seite. Langsam ließ ich mich zu Boden sinken und zog ihn mit mir nach unten. Ich konnte an nichts anderes als an Jonathan denken. Ich verlor mich in seinen Küssen, in seinen Berührungen und seiner Wärme.

    2
    Ich schlug die Augen auf. Es war dunkel. Die einzige Lichtquelle war der Mond, der durch ein Fenster schien. Mein Schlafzimmerfenster. Irritiert drehte ich mich zur Seite. Mir war nicht aufgefallen, dass ich eingeschlafen war. Das Letzte woran ich mich erinnern konnte war, dass ich in Jonathans Armen auf dem weichen Teppich in der Küche gelegen hatte. Auf einmal fiel mir auch wieder ein, was wir zuvor gemacht hatten. Bei der Erinnerung beschleunigte sich mein Herzschlag. Wie hatte es nur so weit kommen können? Ich hatte ihn doch nur geküsst um meine Hand freizubekommen! Statt mir aber danach einen Löffel zu nehmen und meinen Joghurt zu löffeln, hatte ich mit ihm geschlafen. In der Küche. Auf dem Teppich. Mein Gott! Ich fuhr mir mit der Hand durch die strubbeligen Haare. Dass ich in meinem Bett lag musste bedeuten, dass er mich nach oben getragen hatte, nachdem ich eingeschlafen war. Ich konnte den rauen Bezug der Bettdecke auf der Haut spüren und schloss daraus, dass ich noch immer nackt war. In der Küche war mir heiß gewesen und ich hatte geschwitzt. Jetzt allerdings, ohne die Körperwärme und die Küsse Jonathans, fühlte sich mein Körper eisig und durchgefroren an. Ich schlug die Decke zurück und schwang die Beine aus dem Bett. Bibbernd verschränkte ich die Arme vor der Brust und schlurfte müde zu meiner Kommode. Daraus fischte ich ein langärmeliges Shirt und eine lange Hose aus dünnem, karierten Stoff. Nicht, dass ich das Muster in der Dunkelheit erkennen konnte. Ich wusste nur das die Hose kariert war, weil ich sie schon oft in der Schublade hatte liegen sehen.
    Schnell schlüpfte ich in die Klamotten. Dann lief ich eilig wieder zu meinem Bett und genoss die wohlige Wärme meiner Bettdecke. Schon bald begannen meine Augenlider schwer zu werden. Das letzte woran ich vor dem Einschlafen dachte, war der Sex mit Jonathan und wie falsch es war, dass er mir so viel bedeutet hatte und es immer noch tat.

    3
    Feuer. Überall Feuer. Panisch wirbelte ich herum. Suchte nach einem Ausweg aus meinem tödlichen Gefängnis. Plötzlich teilte sich die Flammenwand und ein Schatten schritt durch die Öffnung. Hinter ihr loderten erneut Flammen auf. Ich konnte das Gesicht der Person nicht erkennen. Was ich spürte war tief verwurzelte Angst. Angst um mein Leben. Angst vor diesem Wesen. Der gesichtslose Schatten blieb stehen – wenige Meter von mir entfernt. „Es ist so weit.“, knurrte er mit tiefer Stimme. Eine Stimme die verursachte, dass sich die Härchen auf meinen Armen aufstellten.
    „Schließ dich mir an, Catherina. Gemeinsam werden wir die Welt beherrschen. Sie von den Wesen reinigen, die ihrer nicht würdig sind.“
    Ich trat einen Schritt zurück. Versuchte so viel Platz wie möglich zwischen mich und dieses Monster zu bringen. Doch dieser Schritt war ein Fehler. Er entfesselte unvorstellbare Qualen. Mit diesem einen Schritt war ich direkt in die Mauer aus Feuer getreten. Hungrig leckten die Flammen an meinem Körper. Verschlangen ihn. Plötzlich ließ der Schmerz nach und auch das Feuer verschwand. Stattdessen legten sich von hinten kräftige Hände auf meine Schultern. Erschrocken fuhr ich herum und sah mich von Angesicht zu Angesicht mit Jonathan. Doch er sah nicht aus wie der Jonathan den ich kannte. Den Jonathan, mit dem ich diese überwältigende Nacht verbracht hatte. Sein Gesicht war zu einer Fratze verzerrt. Dunkle Schatten lagen unter seinen schwarzen, erbarmungslosen Augen. Seine einst sonnengebräunte Haut war bleich. So bleich, als wäre jegliches Blut aus seinem Körper verschwunden. Die Stimme mit der er sprach, war noch tonloser als gewöhnlich: „Darauf habe ich dich vorbereitet, Catherina. Hierauf haben wir hingearbeitet. Du bist so weit. Wir alle sind so weit.“
    Ich schüttelte den Kopf und entriss mich seinem Griff. „Nein! Das hier ist falsch. Ich spüre es.“, schüttelte ich den Kopf und brachte mehr Raum zwischen ihn und mich.
    „Du irrst dich! Das hier ist deine Zukunft. Unsere Zukunft.“, redete er auf mich ein und machte Anstalten sich mir zu näheren. Ich hob abwehrend eine Hand und bedeute ihm so, Abstand zu mir zu halten. „Wenn das hier der Grundstein unserer Zukunft sein soll, will ich nichts mit ihr zu tun haben. Und ganz tief in deinem Inneren willst du das auch nicht, Jonathan! So bist du nicht. So musst du nicht sein.“, beschwor ich ihn und appellierte an den Jonathan den ich hatte kennenlernen dürfen.
    „Du dummes Mädchen! Natürlich muss er so sein.“, höhnte eine Stimme hinter meinem Rücken. Ich erkannte die Stimme – der Schatten. Schockiert warf ich einen Blick über die Schulter und stellte fest, dass er nur wenige Schritte von mir entfernt stand. „Es liegt in seinem Blut. Nein, es ist sein Blut.“, zischte der Schatten. Ich wandte ihm wieder den Rücken zu und widmete meine Aufmerksamkeit erneut Jonathan.
    „Du musst das nicht tun. Ich kenne dich. Denk an … Denk an den Joghurt.“, flehte ich ihn an und hoffte den guten Jonathan zu erreichen. Tatsächlich umspielte plötzlich ein winziges Lächeln seine Lippen. „Bitte! Triff die richtige Wahl.“
    Das Lächeln verschwand: „Ich habe keine Wahl.“
    „Unsinn! Jeder hat eine Wahl.“ Tränen sammelten sich in meinen Augen.
    „Du verstehst nicht.“ Er verzog gequält das Gesicht.
    „Doch. Du musst eine Entscheidung treffen. Nicht unser Blut ist es, das unseren Charakter ausmacht. Es sind unsere Entscheidungen.“
    Der Schatten hinter mir lachte. „Klappe!“, fauchte ich über die Schulter und er verstummte. „Du hast die Wahl. Gut, oder Böse. Er, oder ich.“
    Auf einmal wechselte erneut die Szene. Alles um mich herum wurde schwarz. Ich blickte hinab auf meine Hände. Blut. Alles voller Blut. Panisch riss ich den Blick von meinen Händen los und sah mich um. Ein Schrei, animalisch und voller Grauen zerriss die unnatürliche Stille. Es war mein Schrei.

    4
    Schweißgebadet fuhr ich aus dem Schlaf hoch. Keuchend lockerte ich den Griff meiner Finger, die sich instinktiv in die Bettdecke gekrallt hatten.
    „Ein Alptraum … nur ein Alptraum.“, versuchte ich mich selbst zu beruhigen und legte eine Hand über mein Herz, das sich anfühlte, als würde es jeden Moment aus meiner Brust springen. Noch immer war es dunkel im Zimmer, woraus ich schloss, dass noch nicht viel Zeit vergangen war. Ich atmete tief durch und schloss die Augen.
    Kurze Zeit später öffnete ich sie wieder und beschloss, dass ich an die frische Luft musste. Barfuß ging ich zur Tür und legte die Hand auf den kühlen Messingknauf. Da hörte ich plötzlich Stimmen. Sie kamen aus meinem Nachbarzimmer – Jonathans Raum. Das Zimmer, dessen Tür seit meiner Ankunft verschlossen war. Nach kurzer Überlegung traf ich eine Entscheidung und schlich auf Zehenspitzen zu der kahlen Wand, die mein Zimmer von dem anliegenden trennte. Vorsichtig presste ich ein Ohr dagegen und lauschte.
    „ … ahnt überhaupt nichts.“, schnappte ich einen Satzfetzen Jonathans auf. „Nein. Nein, sie ist ahnungslos. Ich trainiere jeden Tag mit ihr.“ Ich runzelte die Stirn. Mit wem redete er da bloß? Mir kam die Idee, dass er womöglich telefonierte. Ich stoppte meine Überlegungen, als er erneut begann zu sprechen: „Sie wird sich uns anschließen. Ich habe sie um den Finger gewickelt. Catherina wird mir überall hin folgen, Vater.“

    Wie es ausgeht erfahrt ihr im nächsten Teil. Der Showdown von Catherina und Jonathan rückt näher. Für all jene die so lange gewartet haben: Ich hoffe ihr vergebt mir. Allerdings wäre es ja auch nicht mehr spannend, wenn ein Teil unmittelbar auf den anderen folgen würde, oder? Außerdem muss ich zugeben, dass ich im letzten Teil wirklich kurzzeitig den Faden verloren habe, ihn hoffentlich dieses Mal jedoch wieder fand! Erklärend möchte ich hinzufügen, dass die Geschichte von diesem Teil an von der ursprünglichen Story abweicht. Das ist nötig, damit meine Geschichte ihr geplantes Ende finden kann. Jace und die anderen kennen Jonathan als Sebastian, wissen jedoch, dass mit ihm irgendetwas 'faul' ist. Außerdem hat sich Clary in der Zwischenzeit den Schattenjägern angeschlossen und die Ausbildung angetreten. Valentine hat die Dämonen um sich herum versammelt, jedoch noch nicht Idris angegriffen. Außerdem suchen Jace und seine Freunde nach Catherina, können aber einfach keine Spur finden. Ihr Bruder verzweifelt immer mehr. Inzwischen glauben die Schattenjäger, dass Cat verloren und wahrscheinlich sogar tot ist.
    Hinterlasst mir eure Meinung, Kritik und Verbesserungsvorschläge. Ihr kennt das ja schon:) Für kleine Rechtschreibfehler die sich eingeschlichen haben entschuldige ich mich im Voraus!

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1410546092
CHRONIKEN DER UNTERWELT – Dein Leben in der ve...
CHRONIKEN DER UNTERWELT – Dein Leben in der ve...
Der vorletzte Teil der Geschichte um Catherina und Jonathan mit einer wahrscheinlich unerwarteten Wendung ...
http://www.testedich.de/quiz34/quiz/1410546092/CHRONIKEN-DER-UNTERWELT-Dein-Leben-in-der-verborgenen-Welt-der-Schattenjaeger-TEIL-6
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2014-09-12
406H
Chroniken der Unterwelt

Kommentare (96)

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Cornelia (57250)
vor 109 Tagen
Woooow das klingt voll super gut! 😇 Ich könnte gar nicht mehr aufhören! Schreib unbedingt mehr du kannst das!😊
lotus_nj (69410)
vor 561 Tagen
total süchtig danach...Ich wünsche ich hätte deine Vorstellungskraft.. bei mir gehts nur zwei Seiten lang
Rosalyn ( Rose ) (12225)
vor 632 Tagen
Ich hab alle Teile gelesen und was soll ich sagen es war hammermäßig super !!!!!!
Percy Jackson (20674)
vor 718 Tagen
Ich bin......deine Geschichte ist so......wie du schreibst....
Du siehst, ich kann das nicht in Wirte fassen:))
kiwi2000 (35791)
vor 839 Tagen
Wow. Der Hammer. Ein riesiges Lob, die Geschichte hat mich total umgehauen. Eigentlich schade, dass es nicht weiter geht. Hör bitte nie auf, FFanfiktions zu schreiben (du hättest wahrscheinlich auch das Zeug für ein Buch)♥
Lg, kiwi2000
Schneestern37 (93767)
vor 842 Tagen
Wahnsinn! Hammer Geschichte! Du schaffst es wirklich, den Leser in den Bann deiner Geschichte zu ziehen, riesen Respekt dafür!
Ich werde auf jeden Fall weiterlesen.

Und noch ein Tipp, nur eine Kleinigkeit:
Wenn du schreibst: "Er hat angefangen.", protestiere ich..., dann fällt der Punkt am Ende der wörtlichen Rede weg, weil nach der wörtl. Rede ein Komma steht.
Wie gesagt, nur eine Kleinigkeit, die mir aufgefallen ist.
Ich finde, du hast sehr großes Talent, du darfst auf keinen Fall aufhören, Geschichten zu schreiben! Wenn du mich fragst, hat Cassandra Clare Konkurrenz bekommen... ;)
Kp (76266)
vor 850 Tagen
OMG wie Geilll!!!!!! Ich 💜 deinen Schreibstil du Schreiber um einiges besser als ich und ich kann das schon gut! Du hast einen sehr großen Wortschatz und man hat immer neue Ausdrücke zu kesen . man versetzt sich richtig in die Figur! Einfach nur Hammer! Werd später Autorin.....!!!! Boah vllt. Schreiber du mal besser als Suzanne Collins mein großes Vorbild in Sachen Geschichten schreiben!!!!
Anna Hess (93508)
vor 895 Tagen
@Rexxa : Ohhhh, vielen lieben Dank! Aber ich stimme dir zu: Ab dem dritten Buch zieht sich die Reihe unglaublich 😟 Daher freut es mich umso mehr, wenn dir meine Geschichte trotzdem gefällt 😍

@Looora : Auch dir vielen lieben Dank! 🌹

@bella : Uuuh, Dankeschön 😊
bella (28216)
vor 905 Tagen
Oiiiiii schöhhhhhhhn
Looora (85594)
vor 934 Tagen
Richtig schön.....

Ich bin begeistert

Wow!
Rexxa (22584)
vor 957 Tagen
Oh wow...
du hast echt talent, die Geschichte hat mich total gefesselt...
Ich bin ja ehrlich gesagt, nicht so der FAn von den Chroniken der unterwelt, da zu viel in die länge gezogen, immer dauernd was neues nerviges, aber deine FF hat mich echt richtig umgehauen und würdest du ein richtiges buch draus machen würde ich es mir kaufen :D
Anna Hess (09117)
vor 961 Tagen
@Nikau : Oh, vielen Dank das freut mich wirklich! :) Ach halt dich nicht zurück in dem was du schreibst - ist doch ein Kompliment! ^^
Nikau (71861)
vor 962 Tagen
OMG. Die Geschichte ist ja mal Hammer geil! (Tschuldigung für meinen Ausdruck. Aber anders kann man es nicht beschreiben:) ) Die Schreibstil ist echt klasse. Ich bin über die Divergent FF auf die gestoßen, weil ich die auch schon mega finde, aber das hier...
Anna Hess (09117)
vor 963 Tagen
@Isabelle : Ist aber lieb, dass du Cat verteidigst :) ^^
Isabelle (33380)
vor 985 Tagen
@Malec forever: Was soll das mit der Mary Sue? Meinst du damit Catherine? Ich finde nicht das dieser Charakter eine Mary Sue ist...
Isabelle (33380)
vor 985 Tagen
Der zweite Teil von "Chroniken der Unterwelt. Die erste Begegnung aus Magnus Sicht." ist raus. Ich würde mich auch über dein Feedback freuen Anna. Über das der anderen natürlich auch:D
Anna Hess (47584)
vor 989 Tagen
@Malec forever: Achso. Dann hoffe ich, dass ich das das nächste Mal besser hinbekomme.
Malec forever (27266)
vor 989 Tagen
Eine Mary-Sue ist eine Protagonistin, die sich fast klischeehaft verhält. Einen perfekten Charakter der fast schon unrealistisch wirkt
Anna Hess (27949)
vor 990 Tagen
*ihren Eltern
*Eigenes
*verbessert

Sorry für die Fehler. Ich habe mit meinem Handy geantwortet :D
Anna Hess (68775)
vor 990 Tagen
@ALL : Der erste Teil meiner neuen Fanfiktion ist draußen. Er heißt "Divergent - Liebe | Schmerz | Bestimmung". Über Rückmeldungen würde ich mich freuen.

@Isabelle: Habe ich gerne gemacht :)

@Sophie: Ich finde das ist häufig bei Kindern der Fall, dass sie von ihren viel zu sehr unterdrückt und geformt werden. Man sollte dem Charakter eines Menschen wenigstens die Möglichkeit geben sich zu formen! Ja ich wollte schon häufiger etwas eigenes schreiben, aber irgendwann kommt der Punkt wo ich festhänge und es nicht weiter geht. Außerdem habe ich das Problem, dass ich nicht weiß in welche Richtung ich gehen soll, weil ich immer alles perfekt machen möchte und nicht nur so halb und das geht nur, wenn man sich mit der Thematik wirklich auskennt.

@Adhara: Dankeschön für dieses große Kompliment. Man merkt auch einfach selber beim Schreiben, dass man sich immer weiter verbesseet und das Formulieren immer leichter fällt.