Manipuliert

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1 Kapitel - 6.606 Wörter - Erstellt von: Sasparella - Aktualisiert am: 2014-08-01 - Entwickelt am: - 1.574 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt

Jenna gerät nach einer matschigen Autopanne in Sarumans Händen. Da sie absolut keinen Weg zurück nach London findet, bleibt ihr nichts anderes übrig, als bei dem weißen Zauberer zu bleiben und sich über Mittelerde aufklären zu lassen. Wäre Saruman nur nicht einer der Bösen und würde ihr nicht ein komplett falsches Bild über den Ringkrieg geben. Als Gandalf von der Rückkehr des Ringes Saurons erzählt und wissen lässt, dass er Hobbits auf die Reise geschickt habe, wird Jenna von Saruman beauftragt dem Hobbit den Ring zu entnehmen und nach Isengard zu bringen. Eine eigentlich ziemlich einfache Aufgabe. Es ist ja nur ein "Ring", denkt sie. Ahnungslos wird sie viel Schaden anrichten, Gefühle verletzen und einen Sieg der Guten unmöglich machen. Doch kann sich das schreckliche Schicksal zum Guten wenden?

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Kennt ihr es? Man wächst in einer Welt auf, in der ein Mensch kaum noch lächelt, sondern mit versteinerten Gesichtszügen an dir vorbei läuft? Oder diejenigen, die ihren Blick nicht mehr von dem Display ihres Smartphones wenden können, aus Angst etwas in der virtuellen Welt zu verpassen? Kennt ihr es? Gut, ich auch. Denn das ist unsere Welt und unsere Zeit. Gehetzt sprinten wir durch die Straßen, als würde uns die Zeit davon rennen. Das jetzt spielt für uns keine Rolle. Wir fokussieren uns nur noch auf eine Zukunft, die wir uns perfekt vorstellen und versuchen dies mit allen Mitteln zu erreichen. Hinter Geld trachten wir her. Dafür opfern wir unsere Liebe, Freundschaft, Zeit und Gesundheit. Das ist unsere Generation. Wir wachsen zwischen Arroganz, Egoismus, Manipulation und Gefühlslosigkeit auf.

Und jedes Mal, wenn ich in den Spiegel schaue, sehe ich unsere Unzufriedenheit, die uns mitten im Gesicht geschrieben steht. Wir haben alles und doch sind wir unglücklich. Aber wie soll man es ändern, wenn unser System zu viel von uns fordert und wir daran gehindert werden an uns selbst zu denken? Wir wollen mehr, obwohl wir längst zufrieden sein sollten.
Aber vielleicht sollte ich mich erstmal vorstellen, bevor ihr noch mehr von meinen negativen Gedanken über die heutige Menschheit lest:

Mein Name ist Jenna Jones. Ich bin 21 Jahre alt und lebe mit meinen Eltern in einer schönen Stadtvilla in London. Mein Vater ist Fernsehmoderator des englischen Nachrichtenteams und verdient für jede Minute vor der Kamera über tausende von Pfund. Ja, uns geht es finanziell sehr gut. Ich hatte Materialisch gesehen alles was ich wollte und bekam auch alles was ich möchte. Zufrieden sollte ich sein, oder? Tja, leider gab es viel Materielles, doch Dinge wie familiäre Liebe oder Zufriedenheit, da mangelte es bei mir. Meine Eltern arbeiteten von morgens bis abends, also gab es wenig von der Familie. Meine Schwester war schon längst aus London geflohen und lebte in New York. Ich war also fast ständig allein. Familiär gesehen natürlich.

Auch über mein Äußeres konnte ich nicht klagen. Meine Haare waren dunkelbraun und reichten mir wildgewellt bis zu den Rippen. Nach dem Aufstehen sah ich eher aus wie eine Vogelscheuche. Wer ist schon perfekt? Braune Augen, die bekanntlich gefährlich in der Liebe waren, aber meistens sehr ehrlich. Keine sonderlich auffallende Farbe, nicht? Meine Hautfarbe zeigte mir, dass meine Mutter aus Spanien kam und ich ihre sommerliche Bräune vererbt bekommen hatte, sowie die Kurven und die winzige Größe von gerade Mal 1,60m. Aber auch wenn ich gern größer sein würde und auf die Sanduhrsilhouette verzichten könnte, war ich relativ zufrieden. Und das sollte ich auch.

Bevor ich meinen Abschluss an der privaten Schule gemacht habe, galt mein Lebenssinn immer darin: perfekt, intelligent und beliebt zu sein. Und beliebt wurde ich. Ich gehörte zur dieser Art Clique, um dessen Aufmerksamkeit sich alle stritten. Und wisst ihr was? Wenn du einen berühmten Vater hast, dann war es ebenso wichtig, dass auch die Tochter beliebt war. Von daher war es ganz einfach. Erschreckend wie manipulativ manche Menschen waren, oder?

Es sind diese ungeschriebenen Regeln, die man dir in die Wiege legt und du kannst es dir nicht aussuchen. Vielleicht ist es auch die Gesellschaft, die dich zu so etwas formt. Wir lebten einfach unsere Rollen, wie kleine Spielfiguren in Jemandes Händen.

„Bist du dir sicher, dass du nach Hause möchtest?“ Warme Finger strichen über meine nackten Schultern, daraufhin folgten weiche Lippen, die sanft über meine Haut strichen und sie dann küssten. Ich lächelte und lehnte mich zurück an die warme Brust meines festen Freundes.

Alex und ich waren schon ca. seit zwei Jahren ein Paar. Und ich muss gestehen, dass eine Beziehung mit ihm ziemlich kompliziert ist. Er ist der Sohn eines Mannes, der sämtliche 5 Sterne Hotels auf aller Welt betreibt und war dazu noch ein wahrer Frauenheld. Seine Gefühle glichen eher einem Eisberg. Wie oft wir uns getrennt hatten, mochte ich nicht mehr zählen, aber momentan lief es gut zwischen uns. Gerade eben hatte er mir seine Rede vorgelesen, die er morgen an einer privaten Schule halten musste. Sein Vater spendete ziemlich viel Geld an diese Schulen und somit musste Alex regelmäßig für ihn einspringen und von der Welt berichten.

„Clary holt mich gleich ab. Wir wollen noch in die Stadt und zu dieser Halloweenparty.“, erwähnte ich und richtete mein schwarzes Minikleid. Alex blaue Augen blickten streng über meinen Körper. „Clary treibt dir nur dumme Sachen in deinen hübschen Kopf. Bleib hier. Es regnet. Wir können einen Horrorfilm schauen und uns später ein wenig aufheizen. In Diskos verblödet man nur unnötig.“ Ich lächelte und schnipste gegen seine hübsche Stirn. „Heute nicht, Hübscher.“, antwortete ich und zog meine schwarzen Sandaletten an. Alex seufzte frustriert auf. „Na schön. Aber wehe du amüsierst dich mit irgendeinem anderen Kerl!“

Unten an seiner Tür klingelte es. „Das muss Clary sein.“ Es klingelte Sturm. „Wer denn auch sonst? Die Nervensäge ist so unerträglich, wie Miley Cyrus' ihre Zunge, die uns auf jedem Titelblatt entgegenkommt.“ Ich kicherte und gab ihm einen Kuss. „Ich dachte eigentlich, dass du heute die Nacht nicht in eurem Landhaus in Greenwich verbringst, sondern in deiner Suite in London?“ Alex gähnte und schüttelte den Kopf. „Ich genieße das Wochenende auf dem Land.“, zwinkerte er mir zu und küsste mich noch einmal extra lang, damit Clary weiterhin ungeduldig Klingeln durfte.

Dermaßen schlecht gelaunt stand sie auch vor der Tür und starrte Alex mit giftigen Augen an. „Glaub ja nicht, dass ich nicht weiß, dass ihr euch extra lange Zeit gelassen habt!“, zischte sie und Alex quittierte es lediglich mit einem kühlen Lächeln. „Nur, damit ich sehen kann, wie dein Outfit an deinem mageren Körper klebt.“ Ich stieß Alex zur Seite. „Wie bitte?“ Ich rollte mit den Augen. „Mädels. Aus! Alex du gehst zurück ins Haus und Clary wird mit mir jetzt großen Spaß haben.“, mischte ich mich ein und zog meine beste Freundin zu ihrem Wagen.

„Alex ist ein Arsch!“
„Er ist dein Ex-Freund und es ist ein normaler Zustand bei euch, dass ihr euch ankeifen müsst.“, antwortete ich genervt. Was heißt hier Ex-Freund? Die beiden hatten sich besoffen auf einer Party amüsiert, während Clary in ihm die große Liebe gesehen hatte und er aber eigentlich die ganze Zeit etwas von mir wollte. Na ja, das war aber schon lange her und wir waren nun seitdem deutlich reifer.

„Hast du deine Abgaben für Montag schon fertig? Ich muss unseren Dozenten erstmal um eine Verlängerung fragen. Wie soll ich ein Plakat für das Hyde-Park-Festival erstellen, wenn mein Photoshop nicht funktioniert!“, wechselte Clary das Thema und gab Gas. „ Ich habe heute alles fertig gemacht und könnte dir ja mein Laptop leihen, damit du es morgen mit einem Kater erstellen kannst?“, bot ich grinsend an und hielt meine Tasche hoch, wo meine Klamotten und mein Laptop lagen. Clary und ich studierten Kommunikationsdesign. Also Film, Fotografie, analoge sowie digitale Kunst. Clary erwiderte nichts, was wohl bedeutete, dass sie das Angebot nicht annehmen würde, sondern weiterhin an ihrem Plan festhielt.

„Das Wetter ist heute auch Mal wieder bescheiden.“, seufzte ich und blickte aus dem Fenster. Es regnete, wie immer. Clary schnaubte. „Mein Wagen darf morgen wieder in die Reinigung. Die ganze Landstrecke von Greenwich sollte unbedingt ausgebaut werden. Dieser ganze Schlamm ruiniert das weiße Lack.“ Es ruckelte ab und zu und ich lauschte Clarys Vorstellungen vom heutigen Abend. „Ich werde James finden und mich an ihn ranschmeißen.“ James war unser damaliger Fußballstar in der Oberstufe und er studierte nun Jura. Sein Vater war einer dieser Staranwälte, der sich mit Madonnas Problemen rumschlagen musste, oder von anderen Stars.

Plötzlich fuhren wir in etwas Weiches und der Wagen rührte sich nicht mehr von der Stelle, obwohl Clary auf das Gaspedal trat. „Oh nicht doch! Jenna, was machen wir jetzt nur?“
Meine beste Freundin stieg aus dem Auto und sah sich den Schaden an, den sie eben gerade verbrochen hatte. Seufzend folgte ich ihr und wurde sofort vom stürmischen Regen erfasst. Der Wagen steckte in einer riesigen schokobraunen Schlammpfütze fest, die durch das schlechte Wetter entstanden sein musste.

„Ganz toll!“, seufzte ich und wischte mir den Regen aus dem Gesicht. Ich blickte mich um. Wir fuhren immer diese waldige Strecke von Greenwich nach London, denn sie war die Kürzeste. „Vielleicht können wir ja einen Abschleppdienst anrufen!“, rief ich Clary zu, die wieder in ihren Wagen stieg und erneut Gas gab.

Die Reifen drehten sich hoffnungslos um ihre eigene Achse und spritzen den ganzen Schlamm in alle Himmelsrichtungen. Das Auto bewegte sich keinen Zentimeter nach vorne. Ich fischte mein Handy aus meiner Jackentasche und suchte die Nummer des Abschleppdienstes aus meiner Telefonliste.
„Ich habe keinen Empfang und du? Wieso habe ich mich auch für so einen Billiganbieter entschieden! Selbst in der Großstadt habe ich keinen Empfang!“, fluchte Clary und kam wieder aus ihrem Auto geklettert. Ihre blonden Locken klebten nass auf ihrem Gesicht.

Ich drückte auf die Anruftaste und ließ es klingeln. Erleichtert atmete ich aus und streckte meinen Daumen in die Höhe, da ich auf meinem Handy Empfang hatte. Meine beste Freundin band sich ihre nassen Locken zu einem Zopf und wartete ungeduldig darauf, dass ich etwas sagte, aber es nahm niemand an der anderen Seite der Leitung ab. Ich ließ es noch vier weitere Male klingeln und biss mir nervös auf die Lippen. Nichts. „Da geht niemand ran!“, antwortete ich und versuchte es noch einmal. Schon wieder klingelte es eine Weile und wieder nahm keiner ab.

Ich wählte die Nummer von Alex. „Was ist los, Süße? Kommst du doch zurück?“, fragte er. „Nein, wir stecken in einer Schlammpfütze. Hast du eine Idee, was wir machen können?“ Alex seufzte. „Clary ist eine miserable Fahrerin. Versucht es zu schieben. Einer gibt Gas, die andere schiebt. Wenn das nicht klappt, dann komme ich rum und helfe euch.“ „Danke dir.“ „Für dich doch immer.“ Ich legte lächelnd auf. „Und? Hat dein Idiotenfreund eine Idee?“, fragte Clary sarkastisch. Ich steckte mein Handy in die Innentasche meiner schwarzen Lederjacke.

„Wir versuchen den Wagen zu schieben und wenn das alles nicht hilft, sollen wir noch einmal anrufen!“, antwortete ich und strich mir eine nasse Haarsträhne zur Seite. „Wenn du dich dreckig machen möchtest? Bitteschön!“, stellte Clary die Gegenfrage und machte eine Geste, um mir zu verdeutlichen, dass die Pfütze groß war. Als würde sie sich dreckig machen. Clary war eitel und ja gegenüber anderen ziemlich hochnäsig.

Ich grinste sie an. „Da ich bei Alex geschlafen habe, liegt in meinem Rucksack noch Wechselzeug.", meinte ich und stellte mich hinter ihren schwarzen Mercedes. Die Drecksarbeit musste ich ja immer machen. „Ich hasse diese Vororte Londons. Muss man denn immer durch Wälder und halbe Sümpfe fahren, um nach London zu kommen?", fragte sie eher Richtung Himmel gewandt, also würde Gott ihr nun antworten und sagen, dass er bei der nächsten Weltherstellung alles anders machen würde.

"Wir fahren diese Strecke täglich auf und ab. Schließlich bist du diejenige, die in Greenwich wohnt.", sagte ich. "Nicht nur ich. Dein Schatz wohnt auch hier! Und er ist dein Freund. Der könnte sich auch um dich kümmern und dich nach Hause fahren!" Jetzt ging das schon wieder los. Ich rollte mit den Augen. "Du wolltest aber heute zu dieser Party in London und wenn du da schon hin fährst, wieso sollte er mich auch noch extra nach London fahren?", verteidigte ich ihn. „Er hat genügend Geld! Das würde ihm sicherlich nicht wehtun!" Schließlich knallte sie die Autotür zu. Ich seufzte. Es war eben immer so richtig kompliziert, wenn die beiden aufeinander trafen.

Ich zog meine Schuhe aus und stapfte in den Schlamm, damit ich das Auto überhaupt von hinten erreichen konnte. „Bereit?“ Clary blickte aus dem offenen Autofenster. Ich nickte und stemmte mich gegen das Auto. Clary gab Gas und die Reifen drehten sich weiterhin ohne einen festen Widerstand auf dem Boden. Der ganze Matsch spritze gegen mich, aber ich drückte weiter. Ein bisschen Bewegung kam hinein, aber nicht so viel, dass der Wagen befreit werden konnte. "Es geht nicht!", rief ich und stemmte mich erneut dagegen, aber in einer anderen Position. Nichts.

„Stoooop!“. Ich stellte mich wieder normal hin und sah auf mich hinab. „Alles in Ordnung?“, rief Clary besorgt. Als sie mich sah, brach sie in schallendes Gelächter aus. „Wolltest du zu einer Halloweenparty?", fragte sie kichernd. Ich rollte mit den Augen und wischte mir den Matsch aus dem Gesicht. "Ne, eigentlich wollte ich dich gleich damit einseifen! Aber los. Starten wir noch einen Versuch!"

Erneut stemmte ich mich gegen ihren Wagen. Allerdings gebot mir der Schlamm keinen Halt und ich fiel geradewegs und mit dem Gesicht nach vorn in die Pfütze. Ich hörte die Reifen im Matsch quietschen und spürte wie mehr Dreck auf meinen Körper prasselte. Vorsichtig versuchte ich mich aufzurappeln, allerdings fühlte ich mich vom Matsch angesaugt, dass ich mich nicht aufrichten konnte. Ich lag so ungünstig, dass ich auch keine Luft mehr bekam. „Nur keine Panik!“, ermahnte ich mich selbst. Vorsichtig, Jenna. Ich rutschte mit der Hand ab. Verdammt. Ich strampelte wie wild, kam aber nicht hoch, bis ich plötzlich zwei Hände an meinen Schultern spürte und aus der Pfütze gezerrt wurde.

„Clary?“. Ich hustete und spuckte den Matsch aus meinen Mund. War das widerlich! Ich rieb mir über die Augen, damit ich etwas sehen konnte, aber es brannte so dermaßen in den Augen, dass ich sie geschlossen ließ. „Wascht sie mit klarem Wasser und bringt sie mir zum Turm!“

Ich horchte auf. Eine männliche Stimme? Moment, was war mit Clary? War jemand zur Hilfe geeilt? „Clary? Reich mir mal bitte ein Tuch.“, rief ich, aber von meiner besten Freundin kam keine Antwort. Ich lauschte. Kein Regenprasseln, kein Mucks vom Auto, kein Fluchen von Clary. Was war hier los?

Plötzlich verlor ich den Boden unter meinen Füßen. Jemand trug mich. Panisch rieb ich mir über die Augen, verschmierte aber nur noch mehr Schlamm in meine empfindlichen Augen. „Wer ist da?“, fragte ich blind und erhielt abermals keine Antwort. "Hey! Jetzt sagt doch was!" Wütend strampelte ich mit meinen Beinen. "Nicht bewegen!", wurde ich ermahnt. Die Stimme war mehr ein Grunzen und klang total unheimlich.

Plötzlich wurde ich fallen gelassen und ich spürte warmes Wasser um mich herum. „Reinigt sie und bringt sie anschließend in den Saal!“ Wieder die Stimme dieses Mannes. Wer war das? "Wer?..." Jemand drückte meinen Kopf unter Wasser und ich verschluckte mich an meinen unausgesprochenen Worten. Mein Kopf wurde wieder aus dem Wasser gezerrt und ich hustete heftig. "Wa-" "Mund zu!" Erneut drückte man mich unter Wasser. Wollten sie mich umbringen? Vergeblich versuchte ich mich zu wehren, rutschte aber an der glitschigen Wand ab. Mit einem Ruck wurde mein Kopf wieder aus dem Wasser gezerrt. Ich schnappte zitternd nach Luft. Etwas Weiches wurde auf mein Gesicht gelegt und das Brennen in meinen Augen lies nach.

Langsam öffnete ich die Augen und ich schrie entsetzt auf. Vor mir stand ein Monster! Ein sehr hässliches Monster! Vergammelte Haut, schiefe, gelbe, messerscharfe Zähne, leuchtend rot-gelbe Augen. Es war definitiv unmenschlich und ich musste in der Hölle sein! Was war das für ein Freak? „Ruhig!“, knurrte es einsilbig und ich blickte mich panisch um. Das musste ein Scherz sein!

Der Raum war schwarz, als würde es aus schwarzem Metall bestehen. Es wirkte kalt und ungemütlich. Nichts davon gab mir einen Anhaltspunkt, wo ich sein könnte. Wo war ich bloß? Wo war Clary? Und was zum Teufel war das da vor mir? „Wer bist du?“, fragte ich und blickte auf mich herab. Ich war mit meinen verdreckten Klamotten in eine Badewanne gepackt worden. Mein Hals brannte, da ich Wasser geschluckt hatte, weil dieses hässliche Ding mich ohne Vorwarnung ertränken wollte.

Das Monster sah mich fragend an, als würde es mich mustern. „Wir haben noch nie so etwas Schönes aus dem Schlamm geboren!“, sagte es. Aus dem Schlamm geboren? „Bitte?“, hakte ich nach. War der bescheuert? Ein Psychopath den man zu lange eingesperrt hatte? Das würde sein Aussehen bestätigen.
„Ich bin Lurtz! Oberster Uruk-Hai aus Isengard!“, raunte er. Ich verstand leider kein Wort und sah ihn fragend an. Uruk-Hai? Isengard? Lurtz? Was waren das für Namen? „Liegt Isengard in London?“, fragte ich verwirrt. Eigentlich war ich ziemlich gut in Erdkunde, aber von Isengard hatte ich um London noch nie gehört, besonders nicht auf der Strecke zwischen Greenwich bis nach London…Vielleicht war es ja ein Haus, schließlich benannten die Bewohner Englands sehr oft ihre Häuser. Aber was sollte ein Uruk-Hai sein? Ein Nachname?

„Saruman wird Euch alle Fragen beantworten! Reinigt Euch!“ Dieser Lurtz stapfte davon. Ich atmete tief ein und aus. Es wird schon eine plausible Erklärung für diese banale Situation geben. Zu meiner rechten fand ich graue Handtücher, die alles andere als flauschig aussahen, aber besser als sich gar nicht trocknen zu können. Ich befreite meinen Körper von der dreckigen Kleidung, da ich zu meiner linken neue und weiße Kleidungsstücke entdeckte. Leider gab es hier keinen Shampoo oder ein Stück Seife, weshalb ich nun mittlerweile im dreckigen Wasser saß und damit versuchte den Schlamm vom Körper weg zu rubbeln.

Als ich einigermaßen sauber war, wickelte ich mir ein Handtuch um meinen kleinen Körper und zog mir das merkwürdige weiße Gewand an. Es war weich und hübsch, jedoch erinnerte es mich an die Kleider aus dem Mittelalter. Meine Cousine war so ein Mittelalterfreak und deshalb schon Stammkunde auf diese Mittelalterpartys in Schottland, wo sich alle in irgendeine Rolle hineinversetzen und das Leben des Mittelalters nachahmten.

Das Kleid reichte mir bis zum Boden und war mit silbernen Perlen bestickt, die Blumenformen annahmen. Für meine Füße entdeckte ich nichts, also lief ich Barfuß über die kalten schwarzen Fließen. Keine Hausschuhe, nichts. Aber dennoch glänzte der Boden, wie bei uns in der Eingangshalle, das hieß, dass zumindest dieser Ort gereinigt wurde. Meine langen dunkelbraunen Haare flocht ich zu einem Zopf, da sie noch nass waren.

Irgendwo müsste doch jemand sein, der mir helfen und sagen konnte, wo ich überhaupt war. Barfuß trat ich durch eine Tür und betrat eine kleine Halle. Sie war schwarz, keine Dekoration an den Wänden. Nur ein kleiner Tisch in der Mitte, worauf etwas Rundes lag, welches mit einem Tuch bedeckt wurde. Am Ende des Raumes stand ein Thron, auf dem ein Mann in einem weißen Gewand saß. Seine Haare waren weiß und lang. In seiner Hand hielt er einen weißen Stab. Seine blauen Augen sahen mich gutmütig an. Wie ein Großvater, der stolz seine Enkelin betrachtete.

„Wahrlich ein Meisterwerk!“, lächelte er. Fragend zog ich die Augenbrauen hoch. Dieser Lurtz war ebenfalls anwesend, jedoch mit mehreren hässlichen Gestalten an seiner Seite. Sie waren kleiner und tatsächlich noch hässlicher. „Wo bin ich?“, fragte ich ruhig und sah diesen Opi an. Er war menschlich und sah vertrauenswürdiger aus, als diese Monster. Abgesehen von dieser Entführung, aber da würde ich mich noch an James wenden. Er könnte seinen Vater dazu bringen, dass man ihm eine gerechte Strafe zuteilt. Mir war die Situation gar nicht geheuer.

Der Mann hob seine Hände, als wäre er ein Pastor in der Kirche, der die Gemeinde segnete. „Herzlich Willkommen in Isengard, ein heiliges Reich auf Mittelerde und ab heute dein neues Zuhause!“ Mittelerde... ein Land mitten auf der Erde? Mein neues Zuhause? Pah, da träumt er wohl davon. Ich sagte es ja. Ein irrer Entführer! Das macht Sinn. Die Straßen waren kaum beleuchtet und Clary für Angreifer keine wirkliche Gefahr. „Ich bin Saruman, der weiße Zauberer!“

Ich lächelte leicht. Irre, das bestätigte sich ja jetzt schon Mal. Ein Zauberer! Sieht man doch sofort – nicht? „Darauf hätte ich sofort kommen müssen.“, antwortete ich ironisch. „Und ich bin der Kaiser von China!“ Fragend sah der Opa mich an. „China? Was ist ein "Kaiser", mein Herr?“ Eines dieser kleinen hässlichen Geschöpfe schien von mir mehr verwirrt zu sein, als ich von ihnen. Konnten sie jetzt endlich mal sagen, was hier los war?

„Ich verlange eine Antwort. Wieso bin ich hier und warum nicht mehr dort, wo ich noch vor 20 Minuten gewesen bin? Und bitte lügen Sie mich nicht an, dass Sie ein Zauberer seien. So etwas gibt es doch gar nicht! Sie sind ein Entführer!“, rief ich und verschränkte die Arme vor der Brust. Ich hatte einfach viel zu viele Fragen.

„Ihr werdet Antworten bekommen, wenn Ihr mir mehr von Euch erzählt!“ Saruman kam auf mich zu und geleitete mich in einen anderen Raum, wo sehr leckere Sachen zum Essen standen und sehr viele Bücher. Es wirkte warm und viel gemütlicher, als diese kalten Räume von eben. Diese Geschöpfe folgten uns. Als hätte Saruman meinen skeptischen Blick bemerkt, erklärte er auch schon, um wen es sich bei den Geschöpfen handelte. „Das sind Orks und Uruk-Hais. Sie dienen mir und warten auf meine Befehle. Ein Uruk-Hai wird aus dem Schlamm ganz tief am Boden zum Leben geholt. Dies ist ebenso mit Euch geschehen. Höchst ungewöhnlich, da Ihr rein und von Schönheit glänzt!“ Er dirigierte mich auf einen Stuhl, dabei deutete er auf Lurtz. Ja, gegen diese Uruk Hais und Orks war ich wahrlich eine Schönheit.

Aber dennoch verstand ich nur Bahnhof. „Sie meinen, dass ich auch so ein Uruk-Hai bin? Nein, nein, nein! Ganz bestimmt nicht. Ich bin ein Mensch. Ein Mädchen. Ein. Ganz. Normales. Mädchen. Welches. Sie. Entführt. Haben.!“ Saruman lächelte und lehnte sich entspannt nach hinten. „“Wir haben Euch aus dem Schlamm gezogen, sowie die Uruk-Hais und Orks!“, erklärte er sachlich. Das klang ja fast so, wie eine Verarschung von The Walking Dead. Tote, die zum Leben erwachen, am besten aus dem Matsch. „Zunächst möchte ich mehr über Euch erfahren, dann hoffe ich auf bessere Antworten auf Eure Fragen!“

„Mein Name ist Jenna, ich bin 21 Jahre jung und eine normale Frau aus Groß Britannien…“, fing ich an und erzählte ihm alles Erdenkliche über mich, bis zur Geschichte mit dem Auto. In seinen Augen lag häufig Verwirrung, wenn ich manche Fachbegriffe nannte. Strom, I Pod, oder so. „Und letztendlich fiel ich in den Schlamm und konnte mich nicht befreien, bis Sie mich hinauszogen!“ Ich endete und sah in fragende Gesichter. Lediglich Saruman hatte am Ende ein wissendes Lächeln auf dem Gesicht.

„Es scheint, als wäre mein Ritual vollbracht…“, antwortete er. Nun sah ich ihn verwirrt an. „Was für ein Ritual? Können Sie wirklich zaubern?“, fragte ich und als ein Schale Wasser an mir vorbei flog, die Kerzen von alleine angingen und ein Ork durch die Luft geschleudert wurde, war ich mir ziemlich sicher. Ok. Saruman war kein verrückter Nachahmer von Uri Geller oder ein Entführer. Das Leben spielte gerade einen Streich mit mir. Ich schüttelte fassungslos den Kopf. Langsam bekam ich Kopfschmerzen von dieser irrsinnigen Situation.

Ich konnte das alles nicht glauben, aber ich hatte nun mit eigenen Augen gesehen, dass manche unmöglichen Dinge wahr waren. Oder sahen wir nur zu wenig und meine Augen wurden nun geöffnet? „Einst wünschte ich mir eine Art Schülerin. Es solle von unbekannter Existenz sein, aus einer unbekannten Gegend, intelligent, mächtig genug, um eine Waffe zu tragen und weise Entscheidungen treffen zu können. Letzte Nacht schien der Mond in vollster Pracht und öffnete zum neuen Zählmonats nach 10 Vollmonden die Pforten zu anderen Welten. Es scheint so, als wärt Ihr nun die Auserwählte und die Schülerin des weißen Zauberers!“, erzählte er und ich zog zweifelnd die Augenbrauen hoch.

Sprach er von Halloween? Hach, der war gut. Das sollte ich glauben? So einen Schwachsinn hatte ich in meinem gesamten Leben noch nie gehört! Außerdem hatte ich Gewiss keine magischen Kräfte oder konnte weise Entscheidungen treffen. Ich war bestimmt keine zweite Hermine Granger. Sonst wäre wohl der Brief aus Hogwarts bei mir gelandet. In meinem Leben war nie etwas Sonderbares geschehen, außer am heutigen Tag, wo ich aus einer Schlammpfütze direkt in die Arme des Monsters gelandet war.

„Ich glaube Sie irren sich!“, antwortete ich. Ich war nicht mal besonders intelligent. Meine Noten waren immer im durchschnittlichen Bereich. „Wahrlich bin ich überrascht, dass man mir ein Menschenmädchen brachte, aber Eure Ausbildung wird ab morgen früh beginnen!“ Saruman duldete keine Widerrede. Er war sich bei mir nun ziemlich sicher. Aber immerhin war dies eine bessere Erklärung, als dass ich so ein hässlicher Uruk-Hai sei.

~*~*~*

Und so kam es dazu, dass ich nun bei Saruman lebte. Der Turm war doch nicht so unbequem und kalt, wie ich anfangs befürchtet hatte. Man hatte mich nur zu Beginn in die fast nie benutzten Räume geschickt, da man nicht wusste, wer ich war. Um den Turm herum wuchsen alle möglichen Pflanzen und Bäume. Ein Trainingsfeld gab es auch, z.B. für Bogenschießen oder Ähnliches.

Nach Hause kam ich nicht. Mittelerde ähnelte der normalen Erde kein bisschen. Nicht mal ein Land hatte eine ähnliche Form, wie die von der Erde. Also verweilte ich bei Saruman. Bei ihm schien es sicher und Interesse auf andere Dinge hatte ich momentan nicht. Schließlich war ich sonst wo gelandet.

Saruman lehrte mir im Laufe der Zeit alte Geschichten auf Mittelerde, erklärte mir von Legenden der Elben, Zwerge, den Geschichten von Sauron dem Bösen, den Zauberern und was weiß ich was es hier alles gab. Im Prinzip wollte ich das alles gar nicht glauben, da ich es mit meinen eigenen Augen nie gesehen hatte. Ich wollte nach Hause. An meinem Laptop, zur Uni, Feiern gehen, mit Alex die Nächte verbringen, mich mit Clary amüsieren, mit meinen Eltern in den Urlaub fahren, oder oder oder. Und was tat ich hier? Ich lernte Dinge aus dem Mittelalter!

Die Orks dienten Saruman. Für mich waren es kleine hässliche, böse Biester, was Saruman letztendlich auch bestätigte. Da er aber der weiße Zauberer sei und sozusagen der oberste Zauberer auf Mittelerde, stand es ihm zu die Kontrolle über "böse" Geschöpfe zu haben. Irgendein Eru, der Gott in dieser Welt, entschied es angeblich. Jedenfalls meinte er, dass es einer der wenigen Orte auf Mittelerde sei, wo es sicher ist und das stimmte mich glücklich. Ich hätte ja auch irgendwo in einem Dorf landen können, wo irgendwelche schrecklichen Monster auf mich warteten.

Saruman versuchte mich auch der Magie vertraut zu machen, aber damit konnte ich gar nichts anfangen - zu seiner großen Enttäuschung. Mir gelangen keine Zauber, also musste ich lernen mit Waffen umzugehen. Davor hatte ich aber die größte Angst, denn mit Pistolen schießen wollte ich nicht. Es war schon schlimm genug, wenn man an die Kriege dachte, an die Bomben usw. Von dem Zweiten Weltkrieg erzählte mein Opa noch so viel. Die ganzen Zerstörungen, allein durch eine Bombe... Ich schüttelte mich, wenn ich daran dachte. Allerdings war ich sichtlich überrascht, als man mir Bögen und Schwerter vor die Nase legte. So etwas wie Bomben und Pistolen kannten sie anscheinend gar nicht. Ich beschloss mich auch davor zu hüten, etwas von den Waffen auf der Erde zu erzählen. Sie waren grausamer, als ein Schwert oder ein Bogen.

Zuerst brachten mir seine Uruk-Hais verschiedene Kampftechniken bei. Zumindest ging es bei denen eher um das Zusammenschlagen von Feinden, als um wirkliche Techniken. Eigentlich konnte ich von denen gar nichts lernen. Ich gebe auch zu, dass ich mich auch ein wenig Mädchenhaft anstelle. Warum sollte ich denn auch Kämpfen?

Ich lernte in meinem ersten Jahr auf Mittelerde so viel, dass ich schon fast kein Heimweh mehr hatte, welches zur Anfangszeit unerträglich gewesen war. Es war eine komplett neue Umstellung. Keine Toiletten, keine Duschen, keine Computer, keine Handys, soziale Kontakte gab es hier auch nicht wirklich und ganz besonders vermisste ich Alex und meine Familie. Gleichzeitig war ich aber auch so neugierig über Mittelerde, dass ich weniger an sie dachte. Abends bekam ich dann immer ein schlechtes Gewissen und malte mir aus, was sie wohl taten.

Nach einem Jahr bekam ich einen Privatlehrer in Form eines normalen Menschen. Er kam aus Harad. Ein "Südländer", die man auch Haradrim nannte. Von ihm lernte ich ziemlich viel, was das Kämpfen anging. Saruman meinte, dass ich gewisse Ähnlichkeiten mit den Menschen aus Harad hätte. Meine Haut war dunkler und auch meine Haare und Augen waren dunkel.

Als ich ihm erklärte, dass meine Mutter aus Spanien kam, also eine Südländerin in meiner Welt war, sah er sich mit seiner Theorie bestätigt und glaubte, dass ich mit deren Kampftechniken besser klar käme.

Der Haradrim erzählte mir sehr viele Geschichten aus seiner Heimat und dass diese mittlerweile von Sauron übernommen wurde. Die meisten von ihnen schlugen sich nun auf die Seite Saurons. Er selber reiste viel umher und hatte auch schon fast alles von Mittelerde gesehen, weshalb er schon ewig nicht mehr in seiner Heimat gewesen war und somit auch nicht vom Überfall betroffen war.

„Ihr seid zwar kein Naturtalent, aber mittlerweile stark genug, um Euch zu verteidigen. Es sind enorme Fortschritte die Ihr macht.“ Er lächelte mich an. Heute war sein letzter Tag auf Isengard. „Verzichtet auf Langschwerter. Der Bogen ist Eure Waffe in der Entfernung und Dolche, sowie Krummsäbel im Nahkampf für Euch geeigneter, als jedes anderes Langschwert!“ Ich nicke, als er mir noch weitere Tipps gab, bevor sich unsere Wege trennen würden. Ich selber hoffe, dass ich nie eine Waffe anwenden müsste, aber angeblich lauerten überall Gefahren. Zum Abschied hatte er mir zwei seiner Krummschwerter geschenkt. Sie leuchteten in schwarz-roten Tönen. Ich behütete sie, wie ein Schatz.

~*~*

Eines Tages bekam Saruman Besuch von Gandalf dem grauen Zauberer. Anders als bei seinen anderen Besuchern, die ziemlich selten waren, sollte ich mich vor Gandalf verstecken, da er von meiner Existenz nichts wissen durfte. Meiner Meinung nach einer sehr miserablen Ausrede. Aber Gandalf war ein grauer Zauberer. In ihm steckten das Gute, sowie das Böse. Und auch das Böse hatte er schon oft gezeigt, das hatte Saruman mir erzählt.

Ich lauschte dem Gespräch. Wenn Gandalf einen bösen Anfall bekam, dann konnte ich Saruman immer noch beschützen... Ich verstand nicht viel, nur dass Gandalf einem Hobbit aufgetragen hatte den Einen Ring von Sauron nach Bruchtal zu bringen, damit dieser dort Sicherheit sei. Doch bevor ich weiterlauschen konnte, schien mich Saruman bemerkt zu haben und schloss die Tore. Diese waren so dick, dass kein Geräusch von innen nach außen drang.

"Ihr solltet nicht so neugierig sein!“ Lurtz stand neben den Toren und hielt Wache. Doch bevor ich etwas erwidern konnte, hörte ich Kampfgeräusche. „Was geht da vor?“, frage ich den Uruk-Hai. „Der graue Zauberer setzt häufig zu hohe Ziele, die unseren Herren missfallen. Ein Kräftemessen ist ein häufiger Anlass zwischen den Zauberern!“ Fragend sah ich zur Tür. Es klang grausam, auch wenn es sehr leise war.

„Meinst du Saruman lässt mich Reisen?“, fragte ich. Schon lange sehnte ich mich danach mehr von Mittelerde zu sehen, bzw. nach Abwechslung. Nicht, dass ich es in Isengard schlecht gehabt hatte, aber irgendwie wurde es mir zu einsam und mein Heimweh nach Hause wurde Tag für Tag schlimmer. Ich musste für eine Weile hier raus und ich hoffe Saruman würde es verstehen. „Das kann ich nicht beantworten!“ Lurtz brummte vor sich hin.

Nach einer Weile öffneten sich die Türen. Saruman sah erschöpft aus, aber lächelte, als er mich sah. „Alles in Ordnung?“, fragte ich besorgt und stützte ihn zum Thron. Von Gandalf gab es keine Spur. „Gandalf will den Ring sicher, aber in Bruchtal wird er nicht sicher sein… Hier in Isengard kann er unter meiner Macht beschützt werden. Keiner wird den Ring anrühren können, kein Menschenherz wird vergiftet durch das Böse…“

Ich blickte Saruman mit großen Augen an. „Also ist es wahr? Der Eine Ring ist wieder in Gesellschaft?“ Wow, einst war es eine Legende um diesen Ring und nun war es doch die Wirklichkeit. „Der Ring war lange verborgen und nun wird ein Hobbit ihn zu den Elben bringen!“

Saruman sah mich lange an. „Zwei Jahre lang habe ich dich gelehrt und ausgebildet. Es ist deine Zeit. Du wirst den Hobbit finden und den Ring an dich nehmen. Erwähne niemals meinen Namen in der Gegenwart anderer Personen. Wir handeln im Verborgenen. Erwähne niemals, dass du die Macht des weißen Zauberers gelehrt bekommen hast. Mir ist es egal für wen du dich ausgibst, aber bringe mir diesen einen Ring!“

Ich durfte gehen? Das war fantastisch! Ich lächelte. „Die Hobbits machen sich auf den Weg nach Bree zum „Tänzelnden Pony“, aber du wirst nicht schnell genug da sein. Begib dich zu den Ruinen des Wachturm Amon Sûl und erwarte ihre Ankunft dort!“

Saruman gab mir Karten mit und eine Kette, die er mir um den Hals band. Es war ein weißer Stein, der wirklich hübsch aussah und im Licht in allen Farben glänzte. Na ja mein Geschmack wäre es in London nicht gewesen, aber von Mode konnte man bei Saruman nicht viel sprechen. „Über diesen Stein können wir miteinander kommunizieren, sobald der erste Lichtstrahl bei Nacht erscheint! Ähnlich wie in deiner Welt mit dem Tandy!“ Ich lächelte. „Handy.“, korrigierte ich ihn.

„Die Zeit eilt!“, meinte er und ich umarmte ihn zum Abschied. Irgendwie war er so etwas wie mein Großvater geworden. „Pass auf dich auf.“ Ich grinste ihn an. „Wir werden uns bestimmt bald wieder sehen! Auf mich ist Verlass“, rief ich und verließ glücklich die Halle.

Lurtz brachte mich hinunter. Draußen wartete bereits ein schwarzes Pferd auf mich. „Ihr solltet auf andere Kleidung zugreifen. Kleider eignen sich nicht gut zum Reiten. Zieht Euch um! Ich werde Eure Waffen holen.“ Also ging ich erneut in den Turm und in mein Zimmer. Ich zog mir eine grüne Hose und lange Lederstiefel an. Obenrum trug ich ein bequemes Hemd in schwarz und dazu braune Lederhandschuhe. Meine Haare ließ ich offen. Ich hasste Zöpfe, da zwickte es einfach nur überall. Kurz blickte ich in den Spiegel.

So wäre ich in London nie rumgelaufen. Irgendwie vermisste ich meine alten Klamotten. Clary würde mich umbringen, wenn sie mich so sehen würde. Ob es ihr gut ging? Oder Alex? Meiner Familie? Suchten sie nach mir? Ich betrachtete einen Ring an meinem Finger, den Alex mir zu Weihnachten geschenkt hatte. Es war das einzige, was mich an mein Zuhause erinnerte. Ob ich je zurückkehren würde? Diese Welt war so absurd, aber sie gab es wirklich und ich war nun ein verrückter Teil davon. Saruman hatte nie eine richtige Antwort darauf gefunden, ob ich zurückkehren konnte. Allerdings war ich mir nie sicher gewesen, ob er das auch wollte.

"Dolche und ein Bogen!“ Lurtz überreicht mir weitere Waffen. Meine Krummschwerter hatte ich mir an einem Gürtel um meine Hüfte befestigt. Die neuen Dolche bekamen einen Platz um meinen rechten Oberschenkel und um meine linke Wade. Den Köcher und den Bogen band ich mir um den Rücken. „Es sind Waffen von den Elben!“, rief Saruman aus seinem Balkon hinunter. Ich lächelte breit. Besser als die schwarzen und verbogenen Waffen beim Training waren diese allemal. „Danke!“, bedankte ich mich und Lurtz half mir auf das Pferd.

„Und versuche etwas freundlicher zu sein!“, grinste ich Lurtz zum Abschied an. Die Orks und Uruk-Hais waren mir nicht sehr geheuer, aber Lurtz war ziemlich lustig und irgendwie zu meinem Leibwächter geworden. Vielleicht mochte er mich ja. "Ich bin freundlich, zumindest Euch gegenüber.", antwortete er und ich ritt davon.

Vor mir lag ein weiter Weg, aber ich war vorbereitet und glücklich mehr von dieser Welt zu sehen. Außerdem lag es nun an mir den einen Ring sicher in Sarumans Händen zu bringen


~*~*~

Spoiler:

„Bewerft sie mit Steinen!“, rief mir einer zu. Was sollte ein Stein bzw. ich gegen fünf Ringgeister anrichten? "Ich habe noch eine Bratpfanne, um sie zu erschlagen! Nur falls du sie brauchst.", rief mir ein anderer zu.

Kommentare Seite 1 von 1
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JennaSparrow ( 04752 )
Abgeschickt vor 969 Tagen
Cool. Mal eine Story aus anderer Sicht :))
AliceChantal ( 86220 )
Abgeschickt vor 981 Tagen
Ich finde sie Geschichte total interessant und dein
Schreibstil ist auch gut. Ich freu mich schon wenn du weiter
schreibst ;)
!!! ( 17966 )
Abgeschickt vor 997 Tagen
Ja schreib bitte weiter! Das ist eine tolle Geschichte!
Bella ( 23024 )
Abgeschickt vor 1008 Tagen
Coole Story schreib bitte weiter