Gestrandet (Fluch der Karibik)

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4 Kapitel - 2.563 Wörter - Erstellt von: Sensless - Aktualisiert am: 2014-07-15 - Entwickelt am: - 4.198 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt

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Keuchend ringe ich nach Luft. Das Meer hinter mir tobt und braust, der eisige Wind lässt die Regentropfen zu Dolchen werden. Ich ziehe mich weiter ans Ufer, egal wohin, nur weg vom Wasser. Immer noch versuche ich verzweifelt, Luft in meine Lungen zu pressen. Langsam aber sicher funktioniert es. Mein Atem wird gleichmäßiger, der Rest meines Körpers entspannt sich. Entkräftet werfe ich einen letzten Blick nach vorne. Urwald, nichts als Urwald. "Das kann ja heiter werden", murmle ich leise, bevor ich in einen traumlosen Schlaf gleite.

Das erste, was ich spüre, ist Sand. Sand auf meinem Gesicht, in meinem Mund. Ich huste und würge, um ihn loszuwerden. Zuerst bin ich orientierungslos, weiß nicht, warum ich hier gelandet bin. Doch plötzlich ziehen die Bilder von gestern Nacht wieder vorüber. Ein Sturm, ein Tosen, eine riesige Welle. Mehr brauchte es nicht, um das mächtige Schiff in die Knie zu zwingen. Es zerschellte an dem ungebändigtem Ozean, der gleichermaßen faszinierend wie schrecklich ist. Wie viele Leute waren es auf dem Schiff? Vierzig? Haben sie es geschafft, wie ich? Oder sind sie in den Fluten umgekommen? Was ist mit meinem Vater, meiner Mutter? Beim Gedanken an sie durchfährt mich ein kalter Schauer. Ich setze mich auf und schlinge die Arme um mich, lasse meinen Blick schweifen. Wo zur Hölle bin ich hier gelandet? Vor mir nichts als das Meer, das etwas zur Ruhe gekommen ist. Hinter mir endlos wirkender Urwald. Es hätte aber auch schlimmer kommen können. Wenn ich mich an das erinnere, was mir mein Vater beigebracht hat, wird mir der Urwald Nahrung, Unterschlipf und Wasser bieten. Aber ich kann mich nur noch unscharf daran erinnern. Und je mehr ich mich daran erinnern will, desto mehr verschwimmt es. Ich seufze, stehe auf und sehe an mir herab. Das einst so schöne, blaue Kleid hängt schlaff und verdreckt an mir herab. Schnell taste ich nach der Kette um meinen Hals. Gut, noch da. Mein Vater hat sie mir geschenkt. Sie besteht aus einer schlichten Goldkette, an die er ein kleines Taschenmesser gefädelt hat. "Extra aus der Schweiz importiert", hatte er gesagt und mir durch die Haare gewuschelt. "Dad!", hatte ich gekreischt. "Meine schöne Sonntagsfrisur!" Doch er lachte nur. Tränen sammeln sich hinter meinen Augen, doch ich halte sie zurück. Jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt, um sentimental zu werden. Ich klappe das Messer aus und schneide mit zittrigen Fingern durch den feinen Stoff. Ich schneide mal hier, mal dort, bis ein halbwegs akzeptables Kleid entstanden ist. Kurz und knapp. Die Überreste lasse ich derweil hier liegen. Wer sollte sie schon klauen? Langsam nähere ich mich dem Urwald, das Messer gezückt, stets bereit, wegzulaufen. Ich fange an, das dichte Gestrüpp aus Lianen zu bearbeiten, was mir leichter fällt als erwartet. Schon bald betrete ich den Urwald und schlage eine Schneise durch das Unterholz. Hier ist es viel schwüler und die Luft ist schwer und zähflüssig, als würde man Lava einatmen. Ich schrecke ein paar Vögel auf, das ein oder andere Kaninchen kreuzt meinen Weg, doch sonst sehe ich keine Tiere, obgleich es eine Unmenge an Insekten gibt. Es zirpt und flattert und brummt um mich herum, ein Lärmpegel, der es glatt mit den Straßen Londons aufnehmen könnte. London, meine Heimat. Werde ich je dorthin zurückgelangen? Ich breche mir einen etwas längeren Zweig von einem der Urwaldriesen ab und schnitze im Gehen einen halbwegs passablen Speer. Ob er funktioniert teste ich direkt am nächsten Kaninchen, das vorbei kommt. Yep, tadellos. Damit kann ich auch Fische fangen. Und so langsam kommt die Erinnerung zurück, an die vielen Tage im Wald, wo mein Vater mir gelernt hat, die Natur zu verstehen und sie für mich zu nutzen. Doch ohne Wasser nützt mir dieses Wissen herzlich wenig. Die Sonne steht mittlerweile direkt über mir. Mittagszeit. Ich beschließe, fürs erste aus dem Urwald zu verschwinden. Aber nicht, ohne Holz und trockenes Laub für Feuer mitzunehmen. Auf dem Rückweg merke ich langsam, wie sich mein Magen bemerkbar macht. Innerlich verfluche ich mich für meine Gewohnheit, drei festgelegte Mahlzeiten am Tag zu mir zu nehmen. Das werde ich hier noch büßen, da bin ich mir sicher. Als ich aus dem Urwald hinaustrete, fällt mir als erstes auf, dass die Fetzen meines Kleides nicht mehr da sind. Also entweder bin ich an einer anderen Stelle als vorher oder sie wurden weggespült. Egal. Ich suche mir eine geeignete Stelle und staple fein säuberlich das Holz so auf, wie mein Vater es mir gelernt hat. Fachmännisch stopfe ich in etwaige Ritzen das trockene Laub und beginne schließlich mit zwei Stöcken Feuer zu machen. Schon nach wenigen Augenblicken funktioniert es, und ich habe ein schönes, knisterndes Feuer. Ich setze mich daneben und nehme das Kaninchen aus. Es ist genauso lustig wie es klingt, aber ich muss essen. Das Fleisch spieße ich auf und halte es übers Feuer, während ich mir mit dem Kaninchenfett die Lippen eincreme. Ein schwacher Feuchtigkeitsersatz, aber man tut was man kann. Nach einiger Zeit sieht das Fleisch ziemlich genießbar aus und ich fange an zu essen. Gerade verschwindet die Sonne blutrot am Horizont, sie spiegelt sich in der Meeroberfläche und verleiht allem einen besonderen Glanz. Ich bleibe lange wach, betrachte den Mond und die Sterne und passe immer auf, dass mein Feuer weiterbrennt. Doch schließlich schlafe ich doch ein.

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