Traumwelt

star goldstar goldstar goldstar goldstar greyFemaleMale
1 Kapitel - 1.473 Wörter - Erstellt von: NewZombiegirl - Aktualisiert am: 2014-05-01 - Entwickelt am: - 2.182 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt

Eine Geschichte über ein seelisch verletztes Mädchen, das in ihre eigene Welt flüchtet.

Hoffe es gefällt euch ;).

    1
    Die Regentropfen schlugen im schnellen Rhythmus gegen das schmutzige Fenster, als ob sie es sauber machen wollten, doch der hartnäckige Schmutz blieb auf der Oberfläche vom Fenster haften. Lustlos beobachtete sie die Regentropfen bei den weiteren Versuchen, die wie zum Scheitern verurteilt waren. Nach einiger Zeit blickte sie wieder zu ihrem Radiowecker, der immer noch die Zeit 10:15 anzeigte.>Wie lange Boy wohl noch braucht?, fragte sie sich. Sonst braucht doch nicht so lange.<
    Seufzend strich sie sich eine dunkelblonde Strähne aus ihrem Gesicht und stand langsam von ihrem Bett auf. Unwillig schaute sie sich in ihrem chaotischen, dreckigen Zimmer um. Überall lagen Klamotten, Bücher und Schulsachen rum. Eigentlich fand sie, dass es Zeit wäre ihr Zimmer wenigstens halbwegs ordentlich aufzuräumen, doch ihr fehlte die Motivation dazu.
    Plötzlich ging knarzend die Zimmertür auf und ein hagerer Mann mit schwarzen, kurzen Haaren trat ein. Erschrocken wirbelte sie herum. „Guck nicht doch so als wäre ich ein Gespenst“, brummte Boy griesgrämig und verschränkte seine knochigen Arme. „Hast schon gegessen, Laura? Ich fahre nämlich gleich los. Wenn du mit willst, beeil dich. Ich fahre dich nicht nach Hogwarts, wenn du den Zug verpasst.“ Schüchtern sah sie ihn mit ihren klaren, dunkelblauen Augen an und sagte leise: „Ich hab schon gegessen, Paps.“ Auf eine Antwort wartend blickte sie in seine kalten, ausdrucklosen Augen. Aber ihr Vater ging ohne etwas zu sagen aus dem schmutzigen Zimmer raus und lässt seine, ihm verhasste, Tochter stehen.

    „Warum hat es denn so lange gedauert? Wegen dir komme ich noch zu spät zur Arbeit!“, schnauzte Boy sie an, als sie in den alten, blauen Ford auf dem Beifahrersitz kletterte und es sich gemütlich machen versuchte, was ihr bei den vielen Bierdosen schwer fiel.
    Sie verbiss sich gerade noch, dass sie doch die ganze Zeit auf ihn gewartet hatte, aber sie wusste was passiert wäre, wenn sie sich frech ist. Ein blaues Auge, blaue Flecken am Rücken und kein Mitleid. Weder von im, noch von ihrer Mutter.
    Während der Ford ächzend seine letzten Jahre irgendwie halbwegs zu meistern versuchte, bevor er den Gnadenschuss bekommt und auf den Schrotthaufen kommt, biss Laura sich angestrengt auf ihre Lippe, um nicht in Tränen auszubrechen. Die ganzen Ferien lang dachte sie nur noch an die Schule, hatte immer das Bild vor ihren Augen. Wo die andern lachten. Über sie. Schwerfällig schluckte sie den Kloß runter, der sich in ihrem Hals gebildet hatte.
    >Nicht vor Boy weinen. Nicht vor Boy weinen.< Wie einen Mantra sagte sie sich den Wunsch im stillen auf. Rauf und runter, rauf und runter. Sie weinte nicht. Sie konnte nicht mehr weinen.
    Nach einer unangenehmen, halbstündigen Autofahrt stand der alte Wagen schliesslich auf dem Parkplatz des Bahnhofes.
    „Willst du hier Wurzeln schlagen oder endlich aussteigen?“, fragte er gereizt. „Ne-ein, will ich nicht“, stotterte sie verwirrt und halb stolperte sie aus dem Wagen raus, nahm ihren schweren Koffer von der Rückfahrt und ging eilig rüber zum Gebäude.
    Als sie beim Gleis 9 ankam, zeigte die große, dreckige Bahnhofuhr die Zeit 10:50 an. „Verdammt, ich komm noch zu spät“, murmelte sie entsetzt und schaute sich um. Nur ein paar Menschen standen auf dem Gleis, warteten auf ihrem Zug oder verabschiedeten sich schluchzend von ihren Liebsten. >Niemand beachtete sie. Wieso denn auch? Ich bin ja ein Niemand. Wieso sollte jemand mich beachten.< Schnell verbannte sie den Gedanken aus ihrem Kopf und rannte mit geschlossenen Augen durch den dicken Pfosten hindurch. Erst als sie den verhassten Lärm hörte öffnete sie ihre Augen und sofort sprang ihr die rote Eisenbahn in ihr Blickfeld.
    Imposant stand sie da, wartete auf die Schüler, um sie nach Hogwarts zu fahren. Langsam ging Laura zu ihr hin, erfasste den Griff und drückte ihn runter. Die Menschenmasse, der Lärm, die Gedanken und Gefühle, was die Schule betraf, das alles fühlte sich für sie wie ein schlechter Traum an. Doch hier, in ihrer Traumwelt gab es das alles nicht mehr. Das war alles verschwunden, dort gab es nur sie und der endlose lange Flur, den sie entlang ging, schritt für schritt.
    Ein wenig hilflos suchte sie sich nach einem leerem Abteil um, als plötzlich eine quitschige Stimme sie aus ihrer Traumwelt verbannte. „LAURA!“. Die erwähnte Person drehte sich entsetzt um und blickte in die grauen, mit grünen Lidschatten dick geschminkten Augen ihres persönlichem Albtraum. Dieser Albtraum watschelte mit seinen dicken Elefantenbeinen zu ihr hin. Laura widerstand dem Bedürfnis zu flüchten und setzte im Geiste ihre Maske auf.
    Mit einem unnatürlichen Lächeln ging sie zu dem Watschelmonster, das im engen Gang kaum voran kam.
    „ Clare, na wie geht's?“, begrüßte sie Clare und sie umarmten sich kurz. „Komm, ich hab ein Abteil für uns freigehalten“, war ihre einzige Antwort und zog Laura mit sich. Im Abteil saß noch ein weiterer schwarzhaariger Junge, der gelangweilt aus seinem Fenster schaute und betont lässig seine Beine auf dem gegenüberliegenden Sitz ausstreckte.
    Clare verdrehte genervt die Augen und bedeute Laura sich zu setzen. Nach unangenehmen Schweigen fuhr die Lok endlich los, begleitet von schluchzenden Müttern, die ihren Kindern hinter rufen und mit ihren Taschentüchern wild herumwedelten, als ob es einen Preis zu verdienen gäbe.
    Der Junge blieb nicht lange, denn als er einen anderen, blonden Jungen sah, machte er das er schleunigst wegkam von den Mädchen.
    „Na Gott sei Dank, das Riddle weg ist“, raunte Clare Laura zu. Dann holte sie aus ihrer mit Blümchen bestickten Umhängetasche, die sie neben sich hin gelegen hatte, zwei Bertie Botts Bohnen raus und reichte Laura eine. Unsicher drehte sie die Bohne in ihrer Hand und schaute Clare argwöhnisch an, die sich vor Lachen kaum halten. „Vertraust du etwa deiner aller bester Freundin nicht?“, kicherte sie. >Meinst du nicht, das mit aller bester Freundin überdenken zu müssen?<
    Als sich Clare ein wenig beruhigt hatte, meinte sie: „Na los, kannst mir doch vertrauen! Ich bin ja nicht so fies wie Tom Riddle.“ >Na wenigstens bist du in diesem Punkt ehrlich.<
    Zögerlich nahm Laura die Bohne in den Mund und ließ es sich auf der Zunge zergehen, was sie sofort bereute. Angewidert spuckte sie den Rest der Bohne, die nicht runtergeschluckt worden ist auf dem Boden. Der andere Teil der Bohne, der im Magen liegt, verursacht einen Würgereiz bei ihr, sie ihn aber unterdrücken konnte.
    „Da war Nuß drinne, oder?“ zischte sie sauer, während sie ihre Hände fest an den Sitz krallt, um den Würgereiz zu unterdrücken. Clare pruste jedoch wieder vom neuen los, angespornt von Lauras giftigen Blicken. „Du weisst doch, das ich gegen Nüsse allergisch bin“, schreit sie Clare verletzt an und versucht die Tränen zurück zu halte.
    Immer gehasst. >Nie ernst genommen. Immer verarscht! Das will ich nicht!<
    „Jetzt hab dich doch nicht so. War doch nur ein kleiner Scherz“. Aber Laura sagte nichts mehr, schaute aus dem Fenster, weshalb sich Clare achselzuckend sich an die, von ihr mitgebrachten, Sirupbonbons ran machte.

    Schliesslich aber kam die rote Lok an ihr Ziel, Hogwarts, an. Durch den Schülerstrom drängten sich die Mädchen zu den Kutschen. Aus der Ferne schon konnte Laura Hogwarts sehen und erinnerte sich daran, als sie mit 11 Jahren eingeschult wurde. Sehnsüchtig hat sie die großen Türme angeschaut, sich ausgemalt wie die Lehrer wären. Ihren Vater hat sie von vorne bis hinten durch löchert, um noch mehr von Hogwarts zu erfahren, auch wenn sie eine dicke Lippe deswegen eingefangen hatte, das war es wert gewesen, damals.
    Wenn sie jetzt auf das Schloß hinaufblickte, tauchen andere Erinnerungen auf. Erinnerungen, die sie nachts vom Schlafen abhalten und sie von innen aufaßen. Bedrückt starrte sie auf dem Holzboden der Kutsche verscheuchte die schmerzhaften Erinnerungen und flüchtete in ihre Traumwelt zurück, während die Kutsche gemütlich, ohne hast sich ihrer Hölle näherten.


    Hoffe es gefällt euch ;). Lasst mir ein paar nette Kommis übrig.

Kommentare Seite 0 von 0
Klicke hier um ein Kommentar zu schreiben - Wenn du Mitglied bei testedich bist logge dich bitte hier ein
Noch keine Kommentare.

Sie haben die Möglichkeit den Text zu gestalten.
((bold))Fett((ebold)) ((cur))Kursiv((ecur)) ((unli))Unterstrichen((eunli))
((big))groß((ebig)) ((small))klein((esmall))
((green))grün((egreen)) ((maroon))dunkelrot((emaroon)) ((olive))graugrün((eolive)) ((navy))marineblau((enavy)) ((purple))violett((epurple)) ((teal))teal((eteal)) ((gray))grau((egray)) ((red))rot((ered)) ((blue))blau((eblue)) ((fuchsia))fuchsia((efuchsia))
Bitte beachten Sie, dass Sie immer beide Codes, z.B. ((bold)) hier der Text der fett sein soll ((ebold)), gebrauchen, mit dazwischen den Text.