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Im Glashaus – eine etwas andere Art der Charakteranalyse

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1 Kapitel - 1.372 Wörter - Erstellt von: Peddychan - Aktualisiert am: 2014-04-01 - Entwickelt am: - 1.606 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt

Das lyrische Ich - Seto Kaiba - versucht sich selbst ein Stückchen näher zu kommen. Begleitet ihn mit mir auf seinem Weg dorthin!

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    Seid gegrüßt und vielen Dank schon mal dafür, dass ihr diese FF hier überhaupt angeklickt habt!
    Wie man bereits am Titel erkennt, ist das hier ein Versuch einer Charakteranalyse zu Seto Kaiba.
    Allerdings soll das keine Typische werden, die zäh und langweilig ist, sodass man schnell das Interesse verliert. Nein!
    Viel mehr will ich versuchen, die vielen unterschiedlichen Aspekte seiner Persönlichkeit in Form von mehreren Drabbles darzustellen.
    Die meisten werden wahrscheinlich recht melancholisch geschrieben sein, doch ihr könnt euch ja selbst einen Eindruck verschaffen... ;)
    Jedenfalls ist noch zu erwähnen, dass ich diese Seite hier von Zeit zu Zeit aktualisiere werde, sodass die neusten Drabbles dann immer ganz unten stehen!


    Prolog:



    Ich glaubte immer, dass mein Glashaus der perfekte Ort zum Leben sei, bis es einzustürzen drohte.
    Je mehr Steine ich nach draußen warf, desto Größere kamen zurück und prallten gegen meine Panzerglasscheiben.
    Ich fühlte mich sicher – unberührbar, bis die ersten kleinen Risse sichtbar wurden.
    Sie waren so zart wie Spinnweben, wie Adern, die dem toten Glas Leben schenkten.
    Mein warmer Atem ließ das kalte Glas sofort beschlagen.
    Ich spürte eine Vibration, einen Herzschlag, das letzte Aufbäumen bevor mein gläserner Palast in sich zusammenbrach.
    Nacht für Nacht befinde ich mich im freien Fall.
    Wenn ein Blitz meinen Palast in Zwei reißt, die Glasscheiben zerspringen und mein Atem stockt, mein Herz aufhört zu schlagen, dann schließe ich meine Augen und lass mich fallen.
    Und Nacht für Nacht packt mich eine Hand, umklammert meinen Arm fest und versucht verzweifelt mich hoch zu ziehen.
    Erst wenn die ersten Tränen meine Haut berühren, öffne ich langsam meine Augen.

    ---

    „Seto.“
    Ich spüre, wie Sauerstoff in meine Lunge zurückkehrt.
    Meine Muskeln wieder arbeiten.
    Und mein Herz aus seinem Stillstand erwacht.
    „Seto. Du hast geschrien.“
    Und jede Nacht die gleiche Frage: Warum?
    Schloss ich nicht meine Augen, ließ ich mich nicht fallen, begrüßte ich nicht den Tod?
    Warum also die Schreie?
    „Mir geht es gut, Mokuba.“
    Ich lüge - wie immer - in dem naiven Glauben, dass mir Mokuba keine weiteren Fragen stellen wird.
    In der Hoffnung, dass er immer noch der kleine Junge ist, der an Märchen glaubt.
    Doch Mokuba weiß, genauso wie ich, dass alles nur eine müde Entschuldigung ist, damit das verborgen bleibt, was nie das Tageslicht hätte erblicken dürfen: Mein wahres Ich.
    Wer bin ich?
    Seto Kaiba.
    Nein, wer bin ich wirklich?
    Ein Bruder, ein Vater, ein Vollwaise, ein Genie, ein Spieler, ein Kind ohne Kindheit, ein Bauer im Schach, ein Tyrannenmörder, ein Monster, ein Firmenleiter, ein Spitzenduellant, ein egozentrisches Arschloch, ein Mensch ohne Freunde, ein Mensch ohne Freude, nichts.


    Duschen:


    Der Boden und die Wände meines Badezimmers sind mit grauem Schiefer bedeckt, während das Waschbecken, die Toilette sowie die Badewanne aus weißem Porzellan sind.
    Die Dusche hingegen ist ebenerdig und von feinen Glasscheiben umgeben.
    Ich dusche meist mit vollem Wasserdruck.
    Der harte Wasserstrahl gräbt sich tief in mein Schulterblatt und massiert die verspannte Muskulatur.
    Ich genieße den anfänglichen Schmerz, bis sich langsam ein Gefühl von Entspannung ausbreitet.
    Dann schalte ich die Regenfunktion ein und lege meinen Kopf in den Nacken.
    Das kühle Nass spült alles davon.
    Meine Schuld, meine Verpflichtungen, meinen Hass.
    Ich fühle mich frei.
    Bis mich mein Spiegelbild begrüßt.


    Seto:


    „Seto?“
    Ich hasse es, wenn mich jemand "Seto" nennt.
    Nicht wegen dem Namen selbst, sondern wegen seinem Klang.
    Denn egal wer diesen Namen ausspricht, ich höre immer nur ihn.
    Seine kalte, tiefe Stimme durchdringt meinen ganzen Körper.
    Ein eisiger Schauer läuft mir über den Rücken, mein Herz beginnt schneller zu schlagen und die ersten Schweißperlen zeichnen sich auf meiner Stirn ab.
    Mein Hals schnürt sich langsam zu und ich drohe zu ersticken.
    Langsam schließe ich meine Augen und öffne leicht den Mund.
    Ich spüre, wie die kalte Luft durch meine Lunge strömt und mir wieder neues Leben einhaucht, bevor ich mich umdrehe.
    „Was ist, Mokuba?“


    Väter:


    Ich nannte in meinem Leben zwei Menschen "Vater".
    Der Erste starb, als ich acht Jahre alt war.
    Er war ein einsamer Mensch, sprach nicht viel und arbeitete bis spät in die Nacht.
    Und liebte meine Mutter so sehr, dass er mit ihrem Tod aufhörte zu leben.
    Am Ende blieben Mokuba und ich alleine zurück.
    Ich war ein Kind, dem man seine Kindheit geraubt hatte.
    Ich hasste ihn dafür.

    Der Zweite starb kurz vor meinem sechzehnten Geburtstag.
    Er war ein machtbesessener Mensch, der es perfekt verstand andere für seine Interessen zu instrumentalisieren.
    Der Gott seiner eigens kreierten Welt war er und ich nur eine seiner Spielfiguren.
    Am Ende sprang er in den Tod und ließ mich mit der Gewissheit zurück, sein Ebenbild zu sein.
    Ich war ein Monster, das bereit war seinen Bruder zu töten.
    Ich hasse mich immer noch dafür.


    Zigarren:


    Der beißende Gestank von kaltem Qualm erreicht meine Nase.
    Ich versuche den Würgereiz zu unterdrücken und schlucke hart, während eine Hand unbewusst an meinen Unterarm wanderte.

    Mein Kinn hielt er fest umschlossen, während er mir eine seiner Zigarren in den Mund schob.
    Mit einer gekonnten Geste hielt er mir das Feuerzeug unter die Nase.
    Seine Augen blitzten golden auf.
    "Zigarren und Cognac sind das beste diplomatische Mittel.
    Erst nebelst du deine Geschäftspartner ein und dann machst du sie mit dem Alkohol gefügig."
    Langsam nahm er mir die Zigarre aus dem Mund und blies mir den Rauch ins Gesicht.
    Ich kniff meine Augen zusammen und unterdrückte ein verzweifeltes Husten.
    Ein Schrei.
    Ein kurzes Wimmern und ich sank mit zusammengepressten Lippen auf den Boden.
    Der Gestank von verkohlter Haut drang an meine Nase.
    Meine zittrigen Finger tasteten die kreisförmige Brandnarbe ab.
    Schmerzen.
    Höllische Schmerzen gepaart mit den erbärmlichen Gefühl der Hilflosigkeit.
    "Und wenn Zigarren und Cognac nicht helfen, wendet man eben Gewalt an. Verstanden?"
    "Auch eine Zigarre Mr. Kaiba?"
    "Ja, Sir."


    Tee oder Kaffee:


    Tee.


    Schreie:


    Ich kauere in einer Ecke, halte meine Arme schützend vor mein Gesicht und schreie um Hilfe, doch meine Schreie ersticken in der Finsternis.
    Aber nicht gänzlich. Nein, ein leiser Schrei entflieht immer meinen Lippen, nur ist er zu kraftlos um Gehör zu finden.
    Hilflos muss ich mit ansehen, wie die Schatten näher kommen, bereit sind mich zu verschlingen, mich in den Strudel aus Angst und Verzweiflung hinein zu ziehen.
    Je mehr ich dagegen ankämpfe, desto schneller schnürt sich meine Kehle zu und kleine Schweißperlen sammeln sich auf meiner Stirn.

    Ich bin ein Gefangener meiner Alpträume oder ist das die Realität?

    Ich kann den Unterschied nicht mehr erkennen.

Kommentare (1)

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Tiger01 (35660)
vor 1271 Tagen
Hmm mal eine andere Sicht auf den Hübschen
Sehr interessant, wirklich gut geschrieben und auch von der Wortwahl und vom Ausdruck her sehr angenehm und flüssig zu lesen.
Eine tolle FF, meinen Glückwunsch^___^