Balorim School (1) [überarbeitet]

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1 Kapitel - 4.863 Wörter - Erstellt von: Mentos - Aktualisiert am: 2014-02-15 - Entwickelt am: - 1.372 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

Maggie glaubt ein "normales" Mädchen zu sein, bis sie eine Aufnahmebestätigung einer 'hochbegabten Schule' erhält, obwohl sie sich nicht einmal beworben hat. Als sie schließlich doch hinfährt, findet sie heraus, dass es sich um eine Schule für magisch Begabte handelt.
Als ob das noch nicht genug wäre, erfährt Maggie von einer dunklen Prophezeiung, die sie und ihre neuen Freunde betrifft.

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    "MAGGIE", schrie meine Mutter, "Komm sofort runter!" Ich stöhnte auf. Was war jetzt schon wieder los? Aber da ich es mir nicht erlauben konnte sie zu ignorieren (weil ich ihr versprochen hatte zu versuchen mich gut zu benehmen, was nicht sonderlich gut klappte), trotte ich die Treppe hinunter und ging in die Küche, wo meine Mutter mir mit hoch rotem Kopf einen Brief entgegenstreckte. Ich überlegte, ob der von der Schulleitung sein könnte, weil ich im Auto meiner Deutschlehrerin eine Stinkbombe gezündet hatte, aber eigentlich hatte ich mich dabei nicht ertappen lassen. Also fragte ich ganz unschuldig: "Was ist das?" Aber meine Mutter beachtet mich gar nicht. "Wann wolltest du mir erzählen, dass du dich bei einem hochbegabten Internat beworben hast?", fragte sie mich aufgebracht. "Bei einem was?", ich verstand die Welt nicht mehr. Die Frage machte sie nur noch wütender. "Jetzt tu nicht so unschuldig, ich halte hier die Aufnahmebestätigung in der Hand! Warum willst du dahin? Weil dein Vater weg ist und ich den ganzen Tag arbeite? Oder weil du hier keine Freunde hast?" Sie klang echt verzweifelt. Doch ich war jetzt richtig wütend und schrie: "Ich habe keine Freunde, weil ich keine will und..." Weiter kam ich nicht, denn es klingelte an der Tür. Meine Mutter ging zur Haustür, doch bevor sie sie öffnete zischte mir sie noch zu: "Wir reden später weiter" Ich schnaubte wütend, rannte in mein Zimmer und knallte die Tür zu. So bekam ich nicht mit, wie ein junger Mann mit gepflegten langen Haaren das Haus betrat und sich als Herr Nelson, Lehrer an der hochbegabten Schule, vorstellte.

    Irgendwann kam meine Mutter zu mir und sagte, dass mich mein neuer Lehrer sprechen allein wolle. Ich war zwar immer noch wütend, aber trotzdem auch neugierig. Welcher Lehrer besucht seine neuen Schüler schon vor dem Schulstart? Warum wollte er mit mir allein sprechen? Die Fragen schwirrten mir durch den Kopf als ich in die Küche ging und mich gegenüber von dem fremden Mann auf einen Stuhl fallen ließ. Einen Augenblick lang herrschte Schweigen indem wir uns gegenseitig musterten. Schließlich ergriff der Mann das Wort: "Ich freue mich deine Bekanntschaft zu machen, Maggret Walters..." Ich wunderte mich, niemand außer mir und meiner Mutter kannte diesen Namen, und ich erzählte ihn auch niemanden, da ich ihn hasste. Der Mann fuhr fort: "Aber du möchtest lieber Maggie genannt werden, nicht wahr? Wie dem auch sei, ich bin Garret Nelson. Bevor du fragst, ich arbeite nicht für eine hochbegabten Schule. Du hast dich wahrscheinlich gefragt warum du an dieser Schule angenommen wurdest, obwohl du dich nicht beworben hast? Hör zu, ich bin Lehrer an der Balorim School, das ist eine Schule für...besondere Leute, wie dich" "Ich soll in eine IRRENANSTALT!", rufst du aufgebracht. "Was? Nein, natürlich nicht! Ich wusste nicht, wie ich es nennen sollte, da du den Begriff 'Neoreh' nicht kennst..." Ich unterbrach ihn: "Neoreh?" Er seufzte genervt. "Das wollte ich dir gerade erklären. Ein Neor ist jemand wie du oder ich. Jemand mit einer einzigartigen Begabung. Hast du dich nicht schon immer anders gefühlt?" Er ließ mir keine Zeit zu antworten. "Tja so geht es jeden von uns. Aber jetzt wieder zu der Schule: Wir unterrichten zwar auch Fächer wie Mathematik oder Fremdsprachen, allerdings gibt es auch noch besondere Fächer, ich zum Beispiel unterrichte Kampfkünste, aber über die Fächer wirst du dort dann alles erfahren..." "Kampfkünste? Wie cool!", rief ich aus, "Sie haben mir aber immer noch nicht gesagt, was mit 'besondere Begabungen' gemeint ist!" Er stöhnte. "Na schön, da du mir ja offensichtlich nicht zuhören willst-" "Ich höre Ihnen doch zu!", protestierte ich. "Dann unterbrich mich nicht ständig!", langsam begann der Mann die Fassung zu verlieren, "Diese besonderen Begabungen können sehr unterschiedlich sein, dein neuer Schulleiter zum Beispiel, kann Gedanken lesen und ich kann mich in jedes Tier verwandeln-" "Alles klar, entweder sind Sie verrückt oder das ist ein schlechter Scherz!", meinte ich, doch in einem Bruchteil einer Sekunde war der Mann verschwunden. Stattdessen hockte auf der Stuhllehne ein kleiner, blauer Wellensittig der mich erwartungsvoll ansah. Im nächsten Augenblick saß wieder der Mann vor mir. "Darf ich jetzt fortfahren oder hast du immer noch Zweifel?" Ich brachte kein Wort mehr hervor. Das Gesicht meines neuen Lehrers nahm einen befriedigten Ausdruck an. Dann begann er wieder zu reden: "Die normalen Menschen wissen nichts von unserer Existenz und werden es auch nicht erfahren. Mit deiner Mutter habe ich schon alles abgesprochen und sie für das hochbegabten Internat begeistern können. Sie war traurig, dass sie dich dann nicht mehr so oft sieht, aber ich habe ihr erklärt, dass du in den Ferien nach Hause kommen kannst. Außerdem hat sie eingesehen, dass es, da sowieso von Morgens bis Abends arbeitet, kaum einen Unterschied machen würde. Sie hofft, dass du dort vernünftiger wirst.", Herr Nelson sah aus, als müsse er sich ein Lachen verkneifen und sein Gesichtsausdruck schien 'als ob das funktionieren würde' zu sagen. "Was ist daran so lustig?", rief ich empört, aber auch ich konnte mir ein lächeln nicht verkneifen. Herr Nelson erhob sich und reichte mir die Hand. "Am Montag komme ich wieder und bringe dich zur Schule, auch darüber habe ich deine Mutter auch schon informiert. Über Schulutensilien brauchst du dir keine Gedanken machen, die bekommst du an der Schule. Sorg einfach dafür, dass du am Sontag um 10 Uhr komplett reisefertig bist, also bis dann." Er reichte meiner Mutter, die inzwischen zu uns gestoßen war, die Hand zum Abschied, ging zur Haustür und verschwand.
    Eine Zeitlang sagten weder meine Mutter noch ich etwas. Schließlich sagte sie knapp: "Es ist schon spät, geh schlafen." Ich nickte stumm, ging auf mein Zimmer und legte mich ins Bett. Doch in dieser Nacht machte ich kein Auge zu, ich hatte viel zu viele Fragen. Was, wenn das alles nur ein Scherz war? Oder ein Traum? Selbst wenn das alles wahr wär, wie wäre es wohl im Internat? Wären die Mädchen anders, als die, die ich kannte (nur auf ihr Aussehen fixiert und mit Schminke überladen, würg)? Und die Jungen (nicht nur auf das Aussehen der Mädchen fixiert)? Und vor allem, was war MEINE Begabung?

    Am nächsten Morgen stand ich völlig übermüdet auf und zog mich an. Dann ging ich in die Küche. Ich staunte nicht schlecht, als ich meine Mutter am Herd stehen und Speck braten sah. Normalerweise war sie Samstags um diese Zeit entweder noch im Bett oder auf der Arbeit. "Guten Morgen, Maggie", grüßte sie mich ungewöhnlich freundlich. "Mum, alles in Ordnung?", fragte ich erstaunt. "Selbstverständlich! Ich dachte nur, da ich dich ab Morgen eine ganze Zeit nicht sehen werde, können wir doch heute etwas zusammen machen. Ich hab mir überlegt, dass wir heute Morgen shoppen gehen und am Nachmittag können wir schwimmen gehen. Was hältst du davon?", fragte sie mich. Erst wollte ich ihr sagen, dass ich shoppen hasse und nicht mit ihr schwimmen gehen wollte, doch dann besann ich mich eines Besseren. Das war schließlich das erste Mal seit über fünf Jahren, dass sie etwas mit mir unternehmen wollte. Also stimmte ich ihr (mehr oder weniger) begeistert zu und versuchte den Tag zu genießen, was mir, muss ich sagen, bis auf beim shoppen, sehr gut gelang.
    Am Abend packten wir sogar gemeinsam meine Koffer. Zunächst packte ich meine Kleidung ein (meine Mutter bestand darauf, dass ich die neuen Sachen und etwa die Hälfte meines Kleiderschrankes mitnahm!) Dann packte ich noch meine wichtigsten Habseligkeiten, darunter eine lederne Kette mit einem Anhänger, der aus einem Gefäß mit einer grünlichen Flüssigkeit und einem Reiskorn, auf dem der Name Maggie eingraviert ist darin. Zudem bestand meine Mutter noch darauf, dass ich das neue Handy, das sie mir heute Morgen gekauft hatte, mitnahm. Später schauten wir uns gemeinsam meinen Lieblingsfilm (Herr der Ringe: D) an. Als ich endlich ins Bett ging, war es schon nach zwölf. Erst dachte ich, das ich dieses Mal wider nicht einschlafen kann, doch drei Minuten nachdem ich mich ins Bett gelegt hatte, schlief ich dennoch ein.

    Hände rüttelten mich wach. Es war lange her, dass ich so geweckt worden war... "Maggie, Maggie, du hast verschlafen, es ist schon kurz nach neun!", sagte meine Mutter. Eilig schlang ich das Toast runter, das sie mir gemacht hatte und putzte mir die Zähne. Dann zog ich mir ein weißes T-Shirt mit einer Zeichnung eines Karatekämpfendes Hundes darauf und darüber eine graue Sweatshirtjacke darüber an. Ich schlüpfte in eine bequeme, schwarze Stoffhose. Ich warf einen Blick auf die Uhr-schon kurz vor zehn- Schnell ging ich ins Bad, kämmte mir die hell braunen Haare und flocht mir einen Zopf zur Seite. Es klingelte. Ich hörte wie meine Mutter die Tür öffnete und Herrn Nelson meine Koffer übergab. Ich zog mir meine schwarzen halbhohen Stiefel an und schlüpfte in die dunkel graue Winterjacke. Schließlich ging ich zur Haustür, an der meine Mutter wartete. Herr Nelson saß bereits im Auto. Meine Mutter umarmte mich zum Abschied. "Ich hab dich lieb", sagte sie. "Ich dich auch", antwortete ich. Meine Mutter küsste mich auf die Stirn. "Bis bald", sagte ich zu ihr und stieg zu Herrn Nelson ins Auto.

    Eine Zeit lang fuhren wir schweigend, bis er irgendwann an einem Bahnhof hielt. Mein Lehrer stieg aus und besorgte einen Gepäckwagen. Ich half ihm meine Koffer zu verstauen. Ohne ein Wort zu sagen ging er los und ich musste mich beeilen ihm hinterher zu kommen. Herr Nelson ging zu einem Informationsschalter und zeigte einen Ausweis. Die Frau hinter dem Tresen lächelte und reichte ihm einen Schlüssel. Der Lehrer ging los und während wir liefen richtete er das erste Mal heute das Wort an mich: "Wir gehen jetzt zum Gleis 35 und dort..." "Gleis 35? Dieser Bahnhof hat nur 27 Gleise!", protestierte ich. Herr Nelson lächelte nur. Ich wollte gerade fragen, was es mit dem Schlüssel auf sich hat, als er an einer alten Tür, an der ein Schild mit der Aufschrift 'Nur für befugtes Personal' hielt. Er öffnete die Tür mit dem Schlüssel und bedeutete mir vor zu gehen. Verwirrt trat ich über die Schwelle und fand mich auf einem Bahnhof wieder, der dem, von dem wir kamen in der Konstruktion sehr ähnelte, doch hier hatte jede Plattform eine andere Farbe und die Zählung begann bei Gleis 28. "Fahren all diese Züge zu Orten, in denen Leute wie wir...Neoreh leben?", fragte ich. Er nickte: "Ja, die Gleise hören meist bei einem unserer Städte oder Dörfer auf. Meistens führen ein-oder zwei Gleise zu einem weiteren Bahnhof wie diesem." Er warf einen Blick auf die Uhr,"Wir sind spät dran, komm, wir müssen uns beeilen." Er nahm mir den Gepäckwagen ab und wir eilten durch eine Unterführung. Bald erreichten wir das Gleis 35. Der Zug stand bereits dort und so nahm Herr Nelson kurzer Hand einen der beiden Koffer und automatisch griff ich zum anderen. Schnell rannten wir zu den sich schließenden Türen des Zuges. Gerade noch rechtzeitig gelangten wir noch hinein. Herr Nelson ging sofort weiter und verstaute das Gepäck. Ich setzte mich auf einen vierer und er ließ sich gegenüber fallen. Der Zug fuhr an. Und jetzt wurde ich erst recht neugierig: "Wie lange dauert die Fahrt? Wie ist es da? Gibt es viele Neoreh? Wie funktioniert..." "STOP!", rief Herr Nelson, "Ich kann nicht alle Fragen auf einmal beantworten! Dir Fahrt dauert etwa zwei Stunden. Wie es an der Schule ist, solltest du selbst beurteilen. Und auf unsere Schule gehen so um die 150 Neoreh. Sind damit deine Fragen erstmal geklärt?" "Ja", ich überlegte kurz, "Ich meine nein. Was habe ich überhaupt für eine Begabung?" Ich sah ihn erwartungsvoll an. "Du kannst das Feuer kontrollieren", sagte er bedeutungsvoll. "Und wie?", fragte ich neugierig. "Das ist nicht so leicht. Du musst dich stark konzentrieren und dir vorstellen, was das Feuer machen soll-" "Etwa so?" Es hatte nur einen kurzen Moment gebraucht, bis ich ein angenehmes Kribbeln in der Brust gespürt hatte. Ich stellte mir vor, wie eine kleine Flamme in meiner Handfläche erscheinen. Das Kribbeln wanderte durch meine Arme und schließlich in meine offene Handfläche, dort hörte es auf. Stattdessen glühte tatsächlich eine kleine Flamme in meiner Handfläche auf. Es tat nicht weh-im Gegenteil, es war zwar anstrengend, aber auch angenehm. Herr Nelson sah überrascht aus- und beeindruckt. "Vieleicht doch nicht so schwer.", murmelte er. "In der Schule wirst du lernen, wie man das Feuer durch bestimmte Bewegungen kontrolliert.", erklärte er.
    Während der restlichen Fahrt spielte ich mit dem Feuer. Ab und zu stellte ich Herrn Nelson ein paar Fragen, aber ich war viel zu sehr auf die Flamme, die sich zwischen meine Finger wand beschäftigt, als an etwas anderes zu denken. Ich merkte nur immer wieder, wie mein Lehrer mich mit einer Mischung aus Neugierde, Belustigung und Erstaunen anstarrte.

    Nach einiger Zeit räusperte Herr Nelson sich "Wir sind gleich da.", sagte er. Ich vergas die Flamme, die sofort erlosch, und stürzte zum Fenster. Wir fuhren durch einen dichten Tannenwald, es waren keine Geräusche daraus zuhören. Irgendwie mochte ich das... Plötzlich fiel mir etwas auf. "Sind wir die einzigen Passagiere hier?", fragte ich. "Normalerweise fährt dieser Zug nur zu Beginn und Ende der Ferien..." Ich hörte ihm nicht mehr zu, sondern starrte wieder aus dem Fenster. Draußen ging der Tannenwald in einen Laubwald über. Ich wunderte mich, denn eigentlich müssten die Bäume doch im Winter kahl sein, doch hier leuchteten die Blätter grün. Ich kam nicht dazu Herr Nelson darüber zu fragen, denn der Zug hielt ruckartig an. Herr Nelson stand auf und nahm die Koffer von der Ablage. Einen reichte er mir und den anderen zog er selbst hinter sich her.
    Wir standen auf einer einzelnen Plattform mitten im Wald, die Gleise endeten hier und der Zug war auch schon wieder abgefahren. Mein Lehrer ging von der Plattform herunter und ich folgte ihm auf einem relativ breiten Trampelpfad. Mein Herz raste und meine Finger zitterten vor Neugier. Ich brachte keinen Ton heraus. Als wir vielleicht fünf Minuten gegangen waren, kamen wir an eine Lichtung. Mein Mund blieb mir offen stehen: hier sah alles so wunderschön aus! Auf einem Grasbewachsenen Hügel thronte ein schönes Gebäude, das etwas von einem modernen Schloss hatte. Um den Hügel wand sich ein kreisförmiger Weg nach oben. Rund um das große Gebäude verteilt lagen vereinzelt kleine Hütten. Ein langer Bach wand sich über die Lichtung. Hier war es echt atemberaubend. Herr Nelson war offensichtlich zufrieden mit meiner Reaktion und ging weiter. "Stell den Koffer erst mal hier ab", er deutete auf die Wurzeln eine Eiche, wo er seinen auch abgestellt hatte, "Wir nehmen sie später mit, wenn du den Schlüssel für dein Haus hast." Endlich hatte ich meine Sprache wieder gefunden: "Heißt das, eine dieser Hütten gehört mir?" "Nun ja, nicht dir allein, du wirst sie dir mit drei anderen teilen.", bemerkte der Lehrer. "Wo sind denn alle, haben wir etwa auch Sontags Schule?", fragte ich ungläubig. "Nein, natürlich nicht, ich nehme an, dass sie beim Mittagessen sind.", erklärte er. Inzwischen waren wir den Weg zu Schloss hochgegangen und standen nun vor dem großen Eingangsportal des Schlosses. Herr Nelson legte seine Hand auf die Tür und drückte leicht dagegen. Sofort schwang die Tür auf. Wir traten ein und standen in einem großen Flur. Herr Nelson ging auf eine breite Treppe zu, die sich in das nächste Stockwerk wand. Er deutete auf ein weiteres Portal, das sich am Ende des Flurs befand. "Dort ist der Speisesaal.", sagte Herr Nelson, während wir die Treppe hoch gingen. Oben angekommen stellte ich fest, dass es hier nur eine Tür gab. "Hier ist das Büro von Herrn Falderim, deinem neuen Schulleiter.", er führte mich zur Tür und klopfte an. "Ja, bitte?", erklang eine gedämpfte Stimme von innen. Herr Nelson öffnete mir die Tür und bevor ich rein gehen konnte flüsterte er mir zu: "Sei höfflich" Ich schritt an ihm vorbei und betrat das Büro. Herr Nelson blieb draußen und schloß die Tür wieder. Ich blickte mich um. Hier drin sah es aus, wie in einem Chemielabor. An den Wänden hingen Regale mit seltsamen Gefäßen darauf und auf einem Tisch standen ein Mikroskop und ein Brenner. Hinten im Raum befand sich vor einem Bücherregal ein Schreibtisch, an dem ein Mann, undefinierbaren Alters, mir ordentlichen drei Tage Bart und schwarzen Haaren saß. Der Mann erhob sich und stellte sich als Herr Falderim vor. "Hallo", sagte ich knapp. "Maggie Walters... Herzlich Willkommen an unserer Schule. Über Essenszeiten und Räumlichkeiten muss ich Sie ja wohl nicht informieren, dafür haben Sie ja Mitbewohner. Wo hab ich ihn denn... Ah hier", sagte der Schulleiter und reichte mir einen Schlüssel, indem eine 13 eingraviert war. "Das ist dein Hauschlüssel, also verlier ihn besser nicht.", fuhr Herr Falderim fort, "Du gehst in Klasse G, also hier ist dein Stundenplan. Hm... Hab ich etwas vergessen? Ach ja, deine Schulbücher, hier" Er zog einen Stoffbeutel hervor und reichte ihn mir. Er war überraschend schwer, doch ich schaffte es ihn locker über meine Schulter zu legen. "Den Rest erfährst du dann von deinen Lehrern oder Mitschülern, du kannst jetzt gehen.", entließ er mich. Ich drehte mich mit um und griff zum Türknauf. Bevor ich die Tür öffnen konnte, sagte Herr Falderim noch leise: "Sei vorsichtig mit deiner Gabe. Sie ist etwas Besonderes. Und jetzt geh." Ich gehorchte und ging aus der Tür und schloss sie wieder. Herr Nelson hatte ein paar Meter entfernt gewartet und nahm mir nun die Bücher ab. "Welche Hausnummer?", fragte er beim Treppe-runter-gehen. "13, glaub ich"
    "Interessant...", murmelte er. "Wie meist du... Sie das?", fragte ich. "Schon gut, das ist jetzt auch egal", meinte er ausweichend. Den restlichen Weg schwieg er und führte mich zunächst zu dem Baum, bei dem wir die Koffer zurückgelassen hatten. Dann brachte er mich zu einer Hütte, die schon fast im Wald lag und an welcher der Bach entlang floss. "Hier ist es.", sagte er. Das Haus war gemütlich eingerichtet und unten befanden sich ein Badezimmer, ein Wohnzimmer, sowie eine kleine Kochnische und ein Esstisch. Im Dachgeschoß befanden sich vier Schlafzimmer. Herr Nelson zeigte mir mein Zimmer, das himmelblau gestrichen war und Fenster mit Blick auf den Wald hatte, und stellte dort meine Sachen ab. "Ich lass dich dann mal in Ruhe auspacken, die anderen müssten auch gleich mit dem Essen fertig sein.", verabschiedete er sich und ging.
    Ich hatte gerade damit angefangen, mein Bett zu beziehen, da klingelte mein Handy. "Hallo?", meldete ich mich. "Maggie? Wie geht es die? Bist du schon da? Wie ist es?", antwortete meine Mutter. "Mir geht es gut, Mum. Ich bin schon da- und es ist echt schön hier!", beschwichtigte ich sie. "Und wie sind die andren so?", es war lange her, dass sie sich so um mich gesorgt hatte, aber ich freute mich darüber. "Ich habe sie noch nicht kennen gelernt", setzte ich an, als sich Stimmen näherten, "Aber da kommen meine Mitbewohner. Ich ruf dich dann später noch mal an. Tschüss", sagte ich zu meiner Mutter. "Tschüss, Maggie", antwortete die und legte auf. Schnell zog ich mein Bett zu Ende auf und ging die Treppe runter um meine (hoffentlich coolen) Mitbewohnerrinnen kennen zu lernen.


    * Lukas' Sicht *
    Tom schloß gerade die Tür auf, als ich mit Mike über unseren neuen Mitbewohner spekulierte. Eben beim Mittagessen hatte es uns Frau Doring mitgeteilt. Mike behauptete felsenfest, dass der Neue ein Streber sei, wer sonst kam mitten im Jahr. Ich hingegen vermutete, dass es jemand besonderes war, nach dem lange gesucht worden war und der so früh wie möglich herkommen musste. Mike fand das zu weit hergeholt... "Warum wartet ihr nicht einfach zwei Sekunden ab, dann wisst ihr es.", stöhnte Tom, der die Tür gerade öffnete. Gerade als wir eintraten, erklangen Schritte auf der Treppe und ein Mädchen in unseren Alter erschien am Treppenabsatz. Ich wunderte mich, warum ein Mädchen bei uns wohnte und sah, dass die anderen, auch das Mädchen, genauso überrascht waren. Ich weiß nicht wie lange wir uns nur gegenseitig musterten. Lange genug jedenfalls, um sie genau zu beschreiben: Sie hatte die mittellangen, hell braunen Haare zu einem Zopf geflochten, aus dem sich manche Strähnen lösten. Das Mädchen hatte volle, rote Lippen und braun gebrannte Haut. Sie war normal groß, dünn und leicht muskulös. Das Mädchen war sehr hübsch, aber das schönste und auffallendste an ihr, waren die Augen: Um die Pupille herum. hatten sie einen gelblichen Ton, der in einen grau-Blauton überging und am Rand waren sie dunkel blau.
    Nach einer halben Ewigkeit ergriff Mike schließlich das Wort: "Äh... Also ich bin Mike, und das sind Lukas und Tom. Und wer bist du?" Der Blick des Mädchens huschte von einem zum anderen. Mike räusperte sich. Das Mädchen schrak auf "Oh, ich bin Maggie. Ich dachte, ihr seid Mädchen...", sagte Maggie. "Sehen wir etwa so aus?", sagte Tom und tat empört. Sie lächelte. "Ein wenig", behauptete sie ironisch. Mike, der auch lächelte, sagte: "Tut uns Leid, dass wir dich so schlecht empfangen haben" Maggie sagte nichts. "Was? Kein 'es tut mir Leid, dass ich euch wie Aliens angeschaut habe'?", fragte ich sie. "Nein, ich entschuldige mich nicht." Ich wollte gerade etwas erwidern, als Tom sie fragte: "Welche Gabe hast du?" Verwirrt über den plötzlichen Themawechsel, sagte Maggie nur: "Feuer kontrollieren, wieso?" "Dacht ichs' mir doch..." "Du musst ihn nicht verstehen.", meinte Mike. Maggie schaute Tom fragend an. "Also Mike kontrolliert Erde, Lukas Luft, und ich Wasser, verstehst du was ich meine?", fragte Tom. "Ich weiß worauf du hinaus willst, aber was ist daran so besonders?", antwortete Maggie. Jetzt verstand ich auch. "Elementkontrolleure sind äußerst selten und dazu noch einer der mächtigsten Neoreh überhaupt!", erklärte ich ihr. "Ich glaube, es gab bis jetzt erst einmal einen Neor von jedem Element.", meinte Mike, der jetzt auch verstand.
    "Naja, wir sollten jetzt nicht deinen ganzen ersten Tag hier mit so etwas vermiesen.", überlegte Tom. "Stimmt, was hältst du davon, wenn wir dir die Trainingswiese zeigen?", fragte ich Maggie. Die war sofort Feuer und Flamme (XD). Und so zeigten wir ihr den Weg durch den Wald an unserer Hütte und waren schon nach kurzer Zeit auf der Trainingslichtung angekommen. Maggie war total begeistert von dem Ort: über die große Wiese floss der Bach weiter und endete in einem Teich. Am anderen Ende befand sich zudem noch zwischen zwei Sandkuhlen ein Schuppen mit Trainingsgeräten. Als wir auf die Lichtung kamen trat gerade Herr Nelson mit einer Strohpuppe und einem Degen aus dem Schuppen. "Das ist Herr Nelson, er -", setzte Mike an, doch Maggie unterbrach ihn. "Er unterrichtet Kampfkünste, ich weiß", sagte sie. "Woher?", fragte ich. Sie zuckte mit den Schultern. "Er hat mich abgeholt." Ich schaute sie überrascht an, normalerweise holte Frau Doring die neuen Schüler ab.
    In dem Moment hatte Herr Nelson uns entdeckt und winkte uns herbei. Als wir bei ihm ankamen fragte er: "Maggie, hattest du schon einmal Kampftraining?" "Nein?", entgegnete die. "Also schön dann wird es aber Zeit, sonst kannst du mit den anderen nicht mithalten.", und zu uns gewandt sagte er, "Eine kleine Trainingseinheit würde euch auch nicht schaden. Also holt euch jeder einen Degen." Maggie war total begeistert von der Idee kämpfen zu lernen. Und spätestens ab dann war uns allen klar, dass sie nicht nur zu uns gehörte, sondern auch, dass wir in Maggie eine einzigartige, unersetzlich Freundin gefunden hatten.
    Maggie lernte schnell und war innerhalb kürzester Zeit besser als die Hälfte unserer Mitschüler. Schließlich ließ Herr Nelson sie gegen Tom, der der beste Kämpfer unserer Altersklasse war, antreten. Zunächst schien Tom sich gar nicht richtig anzustrengen, doch als Maggie ihm einen schmerzhaften Hieb in die Seite verpasste, wurde es ein erbitterter Kampf, der nicht mal endete, als Tom Maggie den Degen aus der Hand schlug, sie kämpfte einfach ohne weiter. Ihr gelang es, ihn von den Füßen zu holen und den Degen wegzuschießen. Doch Tom stand wieder auf und sie kämpften mit den Fäusten weiter. Es machte mir Spaß den beiden zu zusehen und den anderen ging es genauso. In dem Moment konnte Maggie Toms Tritt nur in letzter Sekunde ausweichen und feuerte instinktiv einen Feuerball auf Tom. Der sah die Flamme überrascht näher kommen und schaffte es gerade noch sie mit einem Wasserschwall aus dem Bach zu löschen. "Genug!", rief Herr Nelson und die beiden Kontrahenten ließen sich erschöpft auf den Boden fallen. "Ich wollte den Feuerball nicht auf dich schießen. Tschuldigung.", sagte Maggie. "HA!", rief Mike. Ich blickte ihn verwirrt an. "Du hast dich gerade doch Entschuldigt!", fuhr er fort. "Willst du ein blaues Auge? Nein? Dann halt die Fresse!", zischte Maggie. "Beruhigt euch erstmal wieder. Lukas, Mike, Tom, bringt bitte die Degen wieder in den Schuppen.", beauftragte Herr Nelson uns. Während ich die Degen aufhob, sah ich, wie Herr Nelson Maggie auf die Beine half und etwas sagte, woraufhin Maggie die Achseln zuckte und irgendetwas von Instinkt sagte.

    Eine viertel Stunde später saßen wir alle vier im Wohnzimmer und unterhielten uns - über die Schule, über Schüler und Lehrer und über unsere Hobbies. So erfuhr ich, dass Maggie es liebte Streiche zu spielen, zu schwimmen und Fußball zu spielen. Sie erzählte auch, davon, was sie von den Mädchen aus ihrer alten Schule hielt (sehr unschöne Worte). Auf ihre Frage hin ob sie hier denn anders wären, antwortete ich: "Die meisten sind genauso, aber es gibt die ein oder andere, die nicht ganz so schlimm ist." Die Antwort schien sie nicht zufrieden zu stellen, denn sie murmelte etwas von neuen Feindinnen.
    Umso länger wir uns mit ihr unterhielten, umso mehr mochten wir sie...

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Tajira ( 25966 )
Abgeschickt vor 1146 Tagen
Bittet weiterschreiben…!
Nadja ( 15946 )
Abgeschickt vor 1179 Tagen
Grad als es so fesselnd wurde... schreib doch einfach weiter :)
Jess ( 03289 )
Abgeschickt vor 1184 Tagen
Hi, wieso geht es denn nicht weiter??????