Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 2.2

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2 Kapitel - 11.504 Wörter - Erstellt von: Julu92 - Aktualisiert am: 2014-01-15 - Entwickelt am: - 3.025 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt

Die letzten zwei Kapitel von HP 7.2

    1
    Schwere Verluste



    Wir rannten durch die Korridore von Hogwarts. Die Schlacht hatte bereits begonnen. Überall wurde gekämpft. Hier und da schossen Flüche durch die Gegend. Scheiben wurden eingeschlagen und Glassplitter flogen kreuz und quer durch die Flure. Porträts lagen manche zerstört am Boden. Brocken aller Größe waren einfach überall verstreut. Es waren entweder Teile von Treppen, von den Wänden von Säulen und alles Möglichem aus dem Schloss. Die ersten Toten lagen sogar schon starr auf dem Boden; einige Hogwartsschüler und Todesser.
    Die Bevölkerung von Hogsmeade hat sich uns angeschlossen uns steht Hogwarts beim Kampf gegen Voldemort zur Seite, und selbst die Angehörigen der Kämpfenden. Bei den Toten entdeckte ich auch Colin Creevey, den Idioten mit der Kamera – so wie ich ihn immer nannte. Aber jetzt wo ich ihn so sah, tat es mir schon richtig leid, aber es gab keine Zeit um zu Trauern.
    Nun waren wir an der Großen Treppe wo es nicht anders aussah, als in der restlichen Schule. Angriffe von allen Seiten, und auch auf uns wurden welche losgeschickt. Wir wehrten alles ab, und konzentrierten uns einfach drauf Voldemort zu finden, der sich laut Harry, im Bootshaus befindet. Wir schafften es unversehrt durch die Eingangshalle und dann nach draußen in den Innenhof zu kommen.
    Draußen sah es noch schlimmer aus als im gesamten Schloss. Vom Chaos und von den Kämpfern gab es wenig Unterschied zu drinnen, aber das krasseste war, dass sich draußen auch Riesen und Trolle befanden, die auf Voldemorts Seite standen.
    Doch ich entdeckte noch andere magische Wesen, die für Hogwarts kämpften. Grawp, den wir vor zwei Jahren kennengelernt haben, kämpfte mit den anderen Riesen, die auf Voldemorts Seite sind. Seidenschnabel versuchte, zusammen mit den Thestralen, die Riesen zu verletzen. Seidenschnabel flog von hinten auf den Riesen zu. Dieser schlug die Thestrale von sich fort. Er fuchtelte mit den Armen wild herum und erwischte Seidenschnabel, dessen rechter Flügel nun gebrochen war. Er stürzte zu Boden. Der Riese brüllte laut und griff nach Seidenschnabel. Es ging viel zu schnell. Der Riese hob Seidenschnabel hoch. Dieser kreischte und kratzte mit seinen Krallen um sich herum. Ehe man sich versehen konnte, kratzte der Riese Seidenschnabel mit seinen hässlichen Fingernägeln und schwang dann den Arm. Da Seidenschnabel nun nicht mehr fliegen kann, flog er kreuz und quer durch die Luft und prallte mit dem Nacken gegen eine Turmspitze. Er fiel wieder zu Boden und rührte sich dann nicht. Sein Genick war gebrochen. Ich konnte es kaum fassen, Seidenschnabel war immer so ein wunderbares Tier. Und nun ist er tot. Aber zum Trauern bleibt keine Zeit.
    Ich entdeckte auch noch Acromantulas. Die größten Spinnen der Welt, sie sind genauso groß wie Aragog – Hagrids Spinnenfreund.
    Die Acromantulas schienen auf keiner Seite zu stehen. Nicht auf der von Hogwarts und auch nicht auf der, der Todesser. Denn ich sah, wie sie einige Kämpfer von Hogwarts jagten, als auch Todesser. Ihnen scheint es nur um Beute zu gehen.
    Wir rannten trotz der Gefahr, die da draußen herrschte, mitten ins Getümmel in den Innenhof. Wir müssen uns durch sie durchschlagen, wenn wir an den Berg mit den Treppen kommen wollen, die runter zum Bootshaus führen.
    Harry, Ron, Hermine und ich schickten dauernd irgendwelche Zauber los und wenn es ging halfen wir sogar manchen, die in Schwierigkeiten steckten.
    Die Trolle wollten mehrmals auf uns mit ihren großen schweren Keulen einschlagen, doch wir schafften es ihnen auszuweichen. Als wir an den Acromantulas vorbeiliefen, sah ich den Schock in Rons Gesicht. Eine Acromantula wollte ihn gerade anspringen. Ron stieß einen spitzen Schrei aus.
    >>Lacanum Inflamarae! << rief ich. Eine kleine blaue Flamme schoss auf die Spinne zu und sie fing sofort Feuer. Ron sah mich dankend an und wir rannten sofort weiter.
    Nun war es nicht mehr weit, bis zum Bootshaus. Wir waren bereits am Rand angekommen. Und dort blieben wir alle geschockt stehen. Lavender Brown lag dort am Boden und versuchte Rückwärts auf allen vieren zu kriechen, wie ein Insekt. Fenrir Greyback steuerte auf sie zu. Lavender schrie. Greyback stürzte sich nun auf sie um sie zu beißen.
    >>Nein! << schrie ich.
    >>Levicorpus! << rief Hermine, doch der Zauber verfehlte Greyback. Er sah uns nun böse an und grinste dann plötzlich höhnisch. Er wandte sich wieder Lavender zu, die erneut wie am Spieß schrie.
    >>STUPOR! << rief ich jetzt. Dieses Mal reagierte Greyback viel zu spät und wurde von dem Zauber direkt am Kopf getroffen. Er flog von Lavender weg, die sofort aufstand.
    >>Danke! << rief sie zu uns und rannte dann davon.
    Auf einmal kam Yaxley auf uns zu.
    >>Avada Kedavra! <<
    Wir sprangen alle sofort zur Seite. Auf einmal stieß Yaxley einen Schmerzensschrei aus. Ernie Macmillian hatte ihn am Kopf mit einem dicken Brocken beworfen und Parvati verpasste ihm eine Ganzkörperklammer. Plötzlich war das Splittern von Gläsern zu hören.
    >>Du – mieses – Monster! Lass – ja – die – Kinder – in – Ruhe! Ich hab noch mehr davon! << Das war die Stimme von Professor Trewlaney, die den bereits halb bewusstlosen Greyback mit Kristallkugeln bewarf. Wir rannten wieder weiter.
    Nun waren wir bereits am Viadukt-Zugang. Doch wir blieben wieder stehen, als hätte man uns angewurzelt. Da die Schutzzauber um Hogwarts durchgebrochen wurden und der Schutz verschwunden ist, konnte hier jetzt alles hin und weg kommen. Und da war es. Ein ganzer Schwarm von mindestens über einer Millionen Dementoren flog auf das Schloss zu.
    >>EXPECTO PATRONUM! <<
    >>EXPECTO PATRONUM! <<
    >>EXPECTO PATRONUM! <<
    Harry, Ron, Hermine und ich fuhren herum. Hinter uns waren Aberforth, Neville, Luna, Seamus und Emily. Alle von ihnen hatten ihre Zauberstäbe gehoben und ihre Patroni kamen aus ihren Zauberstäben. Das blaue Licht bewegte sich auf die Dementoren zu. Es war groß und stark, aber sie könnten alle Hilfe gebrauchen. Ich zog meinen Zauberstab auch hervor. Ich dachte an die Zeit, an die das hier, was gerade in Hogwarts herrscht noch nicht war. Denn als Hogwarts sicher war, habe auch ich mich sicher gefühlt, und mit meinen Freunden an der Seite jede Gefahr und jedes Abenteuer heil überstanden.
    Meine Freunde und meine Eltern und das sichere Hogwarts. Das sind meine glücklichsten Erinnerungen.
    >>Expecto patronum! << rief ich nun auch. Aus meinem Zauberstab kam das Wildpferd und schloss sich den anderen Patroni an. Harry, Ron und Hermine folgten alle meinem Beispiel. Aus Harrys Stab kam der Hirsch, aus Hermines der Otter und aus Rons der Terrier.
    Die Dementoren wurden alle vertreiben. Die Patroni verschwanden und verblassten dann wieder, als wir unsere Zauberstäbe wieder sinken ließen.
    Ich sah Emily an.
    >>EMILY? Was tust du hier? <<, sagte ich. >>Habe ich dir nicht gesagt, dass du nicht mitkämpfen sollst! <<
    >>Ich habe mich wieder aus dem Gemeinschaftsraum geschlichen! Ich werde nicht einfach nur so rumhocken, während die Schule untergeht! <<
    >>Ich habe versucht sie zurückzubringen. Mit Emily lässt sich nicht reden! << sagte Neville. Emily ist ein Sturkopf. Ich kannte sie sehr gut. Sie wird nicht gehen. Selbst wenn man sie irgendwo anketten würde, würde sie es schaffen abzuhauen und würde zurück zur Schlacht zurückkehren.
    >>Du magst zwar älter sein, aber das heißt noch lange nicht, dass du meine Mutter bist und ich alles tun muss, was du mir sagst! << sagte Emily.
    >>Emily! Ich schwöre dir! Wenn wir das lebend überstehen, werde ich dich dafür einen Kopf kürzer machen! << sagte ich sauer zu ihr.
    Sie sah unversehrt aus, bis auf ihre etwas zerrissenen Kleider und ein paar kleinen Schrammen, sah sie in Ordnung und unverletzt aus. Ihr schien es leid zu tun. Ich habe sie noch nie angeschrien, ich wollte sie nicht verletzten. Ich wollte gerade den Mund aufmachen um noch etwas zu sagen, aber jemand nahm meine Hand.
    >>Wir müssen los. Ihr passiert schon nichts. << sagte Harry.
    >>Das werden wir ja noch sehen! << sagte ich.
    Nun ging es weiter. Wir eilten nun den Berg runter, der zum Bootshaus führt. Hier war es ruhig und es gab hier keine Kämpfer. Der ganze Lärm der zu hören war, kam von oben aus dem Schloss.
    Als wir näher an das Bootshaus kamen, schlichen wir uns den Rest des Weges heran. Man hörte Stimmen aus dem Bootshaus. Diese gehörten Voldemort – und Snape.
    Snape war wohl doch die ganze Zeit irgendwie hier gewesen. Er muss sich versteckt haben. Wir versteckten uns in den Büschen und lauschten dem Gespräch zwischen Snape und Voldemort.
    >> … Herr, ihr Widerstand bröckelt. <<
    >> - und das ohne deine Hilfe. <<, sagte Voldemort mit seiner hohen, klaren Stimme. >>Du bist zwar ein fähiger Zauberer, Severus, aber ich denke nicht, dass du jetzt noch von großer Bedeutung sein wirst. Wir sind fast am Ziel … fast. <<
    >>Lasst mich den Jungen finden. Lasst mich Potter zu Euch bringen. Ich weiß, dass ich ihn finden kann, Herr. Bitte. <<
    Snape schritt an einem Spalt vorbei. Man sah dadurch Nagini. Wir müssen sie erledigen. Wir sind so nah. Nagini liegt da nur auf dem Boden neben Voldemort, der leicht hin und her geht. Ich konnte nun sein Gesicht sehen. Die roten Augen, das abgeflachte, schlangenartige Gesicht, seine Blässe, die im Halbdunkel leicht schimmerte.
    >>Ich habe ein Problem, Severus. << sagte Voldemort leise.
    >>Herr? << sagte Snape.
    Voldemort hob den Elderstab, hielt ihn so zart und präzise wie ein Dirigent seinen Taktstock.
    >>Warum arbeitet er nicht für mich, Severus? <<
    Man hörte in der kurzen Stille, das zischen von Nagini, wie sie immer noch, wie Voldemort Snape anstarrte.
    >>H-Herr? <<, sagte Snape verdutzt. >>Ich verstehe nicht. Ihr – ihr habt außergewöhnliche Zauber mit diesem Stab vollbracht. <<
    >>Nein. <<, entgegnete Voldemort. >>Ich habe meine üblichen Zauber vollbracht. Ich bin außergewöhnlich, aber dieser Zauberstab … nein. Er hat die Wunder nicht offenbart, die er verheißen hat. Ich spüre keinen Unterschied zwischen diesem Zauberstab und dem, den ich vor all den Jahren bei Ollivander erworben habe. <<
    Voldemorts Ton war nachdenklich, ruhig, aber irgendetwas verbarg sich noch dahinter.
    >>Keinen Unterschied. << sagte Voldemort erneut.
    >>Aber, Herr, dieser Zauberstab, ist etwas Besonderes. Er dient nur Euch. Allein << sagte Snape.
    >>Tatsächlich? <<, saget Voldemort unbeeindruckt. >>Nun denn. Es ist so. <<, Voldemort lief wieder durch das Bootshaus, während Snape ruhig dastand. Vielleicht war er nervös und witterte Gefahr und versuchte mit seinen Worten, seinen Herrn zu beruhigen. >>Der Elderstab kann mir nicht dienen, weil ich nicht sein wahrer Gebieter bin. Der Elderstab dient nur dem Zauberer, der seinen letzten Besitzer getötet hat. <<,
    Mir gefror das Blut in den Adern. Ich ahnte nun, was gleich kommen würde.
    >>Du hast Albus Dumbledore getötet, Severus. Solange du lebst, kann der Elderstab nicht wahrhaft mir gehören. <<
    >>Herr! << protestierte Snape und hob seinen Zauberstab.
    >>Es gibt keinen anderen Weg. <<, sagte Voldemort. >>Ich muss den Zauberstab bezwingen, Severus. Den Zauberstab bezwingen, und dann werde ich endlich Potter bezwingen. <<
    Und Voldemort schlug mit dem Elderstab durch die Luft. Snape ge-schah nichts, und für den Bruchteil einer Sekunde schien er zu denken, ihm sei Gnade gewährt worden. Doch dann wurde Voldemorts Absicht offensichtlich: Der Schlangenkäfig wälzte sich durch die Luft, und ehe Snape etwas anderes tun konnte als schreien, war er mit dem Kopf und Schultern darin eingeschlossen, und Voldemort sprach Parsel.
    Voldemort zischte etwas, dass sich wie >>Töte. << anhörte.
    Ein furchtbarer Schrei war zu hören. Ich sah, wie Snapes Gesicht den letzten Rest Farbe verlor und weiß wurde, während seine schwarzen Augen sich weiteten, als die Zähne der Schlange sich in seinen Hals bohrten, und es gelang ihm nicht, den verzauberten Käfig von sich wegzustoßen, seine Knie gaben nach, und er stürzte zu Boden.
    >>Ich bedaure es. << sagte Voldemort kalt.
    Er wandte sich ab; da war keine Trauer in ihm, keine Reue. Voldemort nahm dann Nagini mit und die beiden schienen irgendwohin disappariert zu sein.
    Sofort sprangen wir alle wir aus dem Busch hervor. Wir rannten ins Bootshaus, wo Snape auf dem Boden saß und sein Rücken halb an der Wand angelehnt war. Als ich seine Hals sah, wurde mir fast schlecht. Die Abdrücke der Zähne der Schlange waren noch in den Hautfetzen zu sehen. Die Kehle aufgebissen. Alles voller Blut. Eine richtige Hinrichtung. Das Schlangengift lief ihm sogar an dem Hals herunter.
    Niemand von uns wusste es, warum wir uns diesem sterbenden Mann näherten. Der Mann, den wir seit unserem ersten Tag in Hogwarts hassten – der auch uns hasste. Der Mann, der versuchte mit seiner deutlich sichtbar zitternden Hand, die Wunde an seinem Hals zuzudrücken. Wir standen nun alle vor Snape und er sah uns genauso geschockt an, wie wir ihn.
    Doch dann floss eine durchsichtige Flüssigkeit an seiner Wange herunter, es war nur so groß wie ein ganz kleiner Regentropfen, ich wusste was es war. Harry war am nahsten an ihn herangetreten.
    >>Fang sie auf! <<, sagte Snape und deutete auf die Flüssigkeit an seiner Wange. >>Fang … sie auf! Bitte! << hauchte er. Harry sah mich an.
    >>Schnell! Gib mir ein Fläschchen oder so. Irgendwas! << sagte er hastig. Ich kramte sofort wieder in meiner Tasche herum, die ich immer noch um hatte. Ich fischte ein kleines Glasfläschchen heraus und reichte es Harry.
    Er legte das Fläschchen an Snapes Wange und ließ die Träne reinfließen.
    >>Bring … bring sie zum Denkarium! << sagte Snape schwach. Ich fragte mich, wieso ich gerade so richtig Mitleid hatte. Wieso machte es mich so fertig, Snape so zu sehen, wobei ich ihn doch so sehr hasse.
    >>Sieh mich an! << hauchte er wieder schwach. Harry sah ihm wieder in die Augen. Es trat eine kurze Stille ein. Snape würde es nicht mehr lange schaffen.
    >>Du hast die Augen deiner Mutter, Harry. << sagte Snape. Snape sah ihn nur noch ganz kurz an, ehe sein Gesicht sich wieder von selbst nach vorne richtete, er ein letztes Mal zusammenzuckte und dann gar nichts mehr bewegte.
    Keiner von uns sagte auch nur ein Wort. Wir standen nur alle da, als hätte man uns die Füße an den Boden geklebt, und sahen auf den toten Snape herab.
    Voldemorts Stimme hallte von den Wänden und vom Boden wieder und ich wusste, dass er zu Hogwarts und der ganzen Umgebung sprach und dass die Bewohner von Hogsmeade und alle, die noch im Schloss kämpften, ihn so deutlich hörten, als ob er neben uns stünde, als ob wir seinen Atem im Nacken hatten, einen tödlichen Schlag entfernt.
    >>Ihr habt gekämpft. <<, sagte Voldemort. >>Heldenhaft gekämpft. Lord Voldemort weiß Tapferkeit zu schätzen.
    Doch ihr habt schwere Verluste erlitten. Wenn ihr mir weiterhin Widerstand leistet, werdet ihr alle sterben, einer nach dem anderen. Ich will nicht, dass dies geschieht. Jeder Tropfen magischen Blutes, der vergossen wird, ist ein Verlust und eine Verschwendung.
    Lord Voldemort ist gnädig. Ich befehle meinen Streitkräften, sich sofort zurückzuziehen.
    Ihr habt eine Stunde. Schafft eure Toten mit Würde fort.
    Versorgt eure Verletzten.
    Harry Potter, ich spreche nun direkt zu dir. Du hast in dieser Nacht zugelassen, dass deine Freunde für dich sterben, anstatt mir selbst gegenüberzutreten. Ich werde eine Stunde lang im Verbotenen Wald warten. Wenn du nach Ablauf dieser Stunde nicht zu mir gekommen bist, dich nicht ergeben hast, dann beginnt die Schlacht von neuem. Diesmal werde ich selbst in den Kampf ziehen, Harry Potter, und ich werde dich finden, und ich werde jeden Einzelnen töten, der versucht sich mir in den Weg zu stellen. Bis auf den letzten Mann. Die letzte Frau. Das letzte Kind. Alle die versucht haben, dich vor mir zu verstecken. Eine Stunde. <<
    Stumm sahen wir uns an. Diese Worte ließen mich am ganzen Leib zittern. Ich hörte Voldemorts Stimme immer noch in meinem Kopf.
    >>Hör nicht auf ihn! << sagte Ron.
    >>Es wird alles gut werden. <<, sagte Hermine völlig außer sich. >>Lass uns – lass uns zum Schloss zurückkehren; wenn er in den Wald gegangen ist, müssen wir uns einen neuen Plan ausdenken. <<
    Wir alle warfen noch einen kurzen und letzten Blick auf Snapes Leiche. Hermine nahm mein Handgelenk und zog mich aus dem Bootshaus raus. Dann ließ sie meine Hand wieder los und rannte los. Ich tat es ihr nach. Uns folgten dann auch ausschließlich Ron und Harry. Wir eilten den Berg hoch. Im Innenhof war es erstaunlich still. Als wir dort ankamen, war dort nichts. Nur die Stücke des Schlosses die zerstört wurden und nun auf der ganzen Landschaft verteilt waren, waren noch da.
    >>Wo sind alle hin? << fragte Hermine. Keiner von uns kannte die Antwort. Die Todesser und die Anhänger Voldemorts haben sich sehr schnell zurückgezogen. Keine Lichtblitze von Zaubern und Flüchen, kein Knallen, keine Schreie oder Rufe. Einfach nichts. Es herrschte überall Totenstille. Apropos Tote. Ich will gar nicht erst wissen, wen wir alles heute Nacht noch verloren haben. Ich sah zum Himmel. Bis zum Morgengrauen dauert es noch ungefähr um die drei bis vier Stunden.
    Langsam und etwas zögernd bewegten wir uns durch den Innenhof. Wir betraten dann das Schloss.
    In der Eingangshalle waren Blutflecken. Wir sahen, dass die Tür zur Großen Halle weit aufgerissen stand. Dort waren Gruppen der Überlebenden.
    Die Haustische waren verschwunden und der Raum war Rappel voll. Die Überlebenden standen in Gruppen beieinander, hatten sich gegenseitig die Arme um den Hals geschlungen. Die Verletzten wurden auf dem Podium von Madam Pomfrey und einigen Helfern behandelt.
    Die Toten lagen in einer Reihe in der Mitte der Halle. Wir sahen weiter vorne die Weasleys stehen. Ron rannte zu ihnen, als er sie ebenfalls entdeckte. Die anderen traten zur Seite und ich sah, dass alle trauerten und weinten. Dort lag Freds Leichnam.
    Fred ist tot. Meine Augen füllten sich jetzt schon mit Tränen. Wir alle gingen zu den Weasleys. Jeder hatte knallrote Augen und ihnen liefen pausenlos Tränen an den Wangen herunter. Inzwischen flossen sie auch bei, Ron, der leise schluchzte. George der noch mehr am Boden zerstört war, umarmte Ron. Mrs. Weasley war über Fred gebeugt und strich ihm über die Stirn, so als hätte er hohes Fieber und nur schlafen würde.
    Ich konnte mir das einfach nicht mehr ansehen. Obwohl ich es nicht wissen wollte, zwangen mich meine Beine an den ganzen Toten vorbeizugehen, damit ich sah, wer alles gestorben war. Ich bereute es auf der Stelle. Dort lagen Remus und Tonks, blass, tot. Doch nun hatten sie ihre ewige Ruhe, was sein Gutes hatte. Sie machten den Eindruck als würden sie nur friedlich schlafen, wegen Müdigkeit. Aber es war nicht so, wusste ich in Wahrheit. Was würde nun aus Teddy werden? Ich vermute mal, dass er bei Tonks' Eltern ist, aber er war doch kein Jahr alt und hatte keine Eltern mehr.
    Mein Schluchzten konnte ich zurückhalten, aber den Tränen ließ ich freien Lauf. Sollen sie nur fließen. Soll ich nur darin ertrinken. So viele Menschen, die ich liebte haben ihr Leben verloren, zu viele mussten gehen. Zu viele.
    Ich merkte wie Hermine und Harry mir folgten. Sie sahen mich die ganze Zeit so furchtbar besorgt an, als würde ich jeden Moment ihn Ohnmacht fallen. Ich verstand sie nicht. Aber nachdem wir an ein paar der Toten vorbei waren, sah ich den Grund für ihre besorgten Gesichter.
    Ich schlug mir heftig die Hand vor den Mund um nicht gleich loszuschreien. Ich war so entsetzt, wie ich es noch nie in meinem Leben war. Dort lag sie. Emily. Tot.
    Ich ging sofort zu ihr. Ich beugte mich über sie und nahm ihre Hand, als würde sie noch leben. Aber so war es nun nicht mehr. Ich werde den Verstand verlieren. Emily. Ein so junges Mädchen. So klein. So wehrlos und so furchtbar jung. Ein Kind, das noch sein ganzes Leben vor sich hatte. Eine zwölfjährige. EIN KIND!
    >>Nein! << weinte ich leise.
    Ich konnte es nicht mehr zurückhalten; es wurde einfach bei so vielen Toten und gerade bei Emily zu schwer.
    Ich ließ es nun raus, es ging einfach nicht mehr anders. So grauenvoll hatte ich mich seit dem Tod meiner Eltern nicht mehr gefühlt. Nun würde ich wieder in diese Dunkelheit versinken; nur, dass ich aus dieser, niemals wieder herauskommen werde. Niemals.
    Hermine war sofort da. Sie umarmte mich und ich weinte weiter, auch sie konnte die Tränen nicht zurückhalten, denn auch ihr war Emily ans Herz gewachsen.
    Es war mir nicht peinlich vor den ganzen Menschen zu weinen. Den nicht nur die Weasleys und ich waren am weinen. Die halbe Halle vergoss Tränen, schluchzte so laut, dass man es kaum glauben konnte. Es war einfach nur schrecklich. Ich hasse Voldemort! Ich hasse Todesser! Ich hasse schwarze Magie!
    Hermine löste sich nach ein paar Minuten wieder von mir und führte mich hinaus. Ron nahm sie ebenfalls mit. Wir verließen die große Halle. Harry war ganz plötzlich verschwunden. Unsere Sorge wuchs immer mehr. Wir setzten uns auf die Stufen der Großen Treppe.
    Nun können wir nichts mehr tun. Außer warten.

    2
    Der letzte Horkrux


    Eine Weile saßen wir stumm auf der Großen Treppe. Keinem von uns ging es besser. Wir drei waren alle immer noch am Boden zerstört und konnten nicht denken und nicht reden. Mir fehlte sogar die Kraft dafür einen Finger zu bewegen.
    Ich habe nun wirklich niemanden mehr. Alle die ich vom ganzen Herzen liebte, waren fort. Meine Eltern. Die meisten meiner Freunde. Remus und Toks. Fred. Emily. Wer wird alles noch sterben? Wer muss sein Leben für uns denn noch geben? Wie viele Menschen müssen wir noch verlieren, bis Voldemort tot ist und wir alle in Freiheit leben können? Wird es überhaupt zu einem Sieg kommen?
    Fragen schossen mir durch den Kopf. Und nicht mal auf eine einzige kannte ich eine Antwort.
    Ich habe das Gefühl niemals wieder Lachen zu können. Wir haben einfach alles verloren. Gerade wünschte ich mir nichts sehnlicher als den Tod. Ich wollte jetzt am liebsten tot sein, als diese Schmerzen zu ertragen.
    Wo Harry war, wussten wir auch nicht. Er war vor einer Weile verschwunden und nicht wiedergekommen. Ron und Hermine hatten schon die Vermutung, er sei in den Wald gegangen. Aber ich meinte, dass das nicht stimmte. Er würde nie gehen, ohne uns etwas zu sagen, oder?
    Ron trauerte weiterhin um seinen Bruder. Er weinte nun nicht mehr. Ich hatte mich auch abgeregt. Aber wir beiden starrten mit roten Augen auf den Fußboden. Hermine hatte einen Arm um Ron gelegt und ihren Kopf an seine Schulter und versuchte ihn zu trösten. Ich saß abseits von den beiden. Ich konnte gerade die Nähe von niemandem ertragen.
    Ich hoffte, nicht mehr weinen zu müssen. Aber nach zwanzig Minuten kam es wieder über mich her. Meine Augen brannten wieder vor Tränen und füllten sich rasch mit diesen. Jede Träne lief einzeln und langsam an meinen Wangen herunter und tropfte entweder auf meine schwarze Jacke oder meine Jeans.
    Hinter uns waren Schritte zu hören. Wir drehten uns sehr langsam um, um zu schauen, wer es war. Zuerst hatte ich niemanden besonderen erwartet, wie einen Schüler mit von Tränengefüllten Gesicht, so wie wir, oder ein Lehrer, der etwas für die Verletzten dabei hatte. Doch es war Harry.
    Wir sprangen alle sofort auf.
    >>Gott! Da bist du ja! <<, sagte Ron. >>Wir dachten schon, du wärst in den Wald gegangen! <<
    Wir sahen ihn an. Harry beachtete uns nicht. Er ging einfach an uns vorbei.
    >>Da gehe ich jetzt hin. << sagte er. Er sah uns immer noch nicht an und drehte sich auch gar nicht um.
    >>Bist du verrückt? Warum tust du das? << fragte Hermine. Harry blieb jetzt doch stehen. Er drehte sich zu uns und sah uns halb ernst und wegen der vielen Toten auch halb traurig an.
    >>Es gibt einen Grund, warum ich sie höre. <<, sagte er. >>Die Horkruxe. <<, er blickte einen Moment auf den Boden. Doch dann hob er den Kopf und sah uns dann alle wieder an. >>Ich denke, ich weiß es schon länger. Und ich vermute mal, ihr auch. <<
    Ich traute meinen Ohren nicht. War er noch ganz beisammen? Wusste er überhaupt von was er da redete? Er meinte das doch nicht ernst. Nein. Es konnte einfach nicht sein. Aber wenn man es sich zweimal überlegt, dann macht es eigentlich Sinn. Harry hört die Horkruxe. Wir wussten den Grund vor ein paar Monaten noch nicht. Aber ich denke jetzt wissen wir alle es.
    Harry ist selbst ein Horkrux.
    Ich hätte am liebsten losgeschrien. Das bedeutete, er … ich zwickte mich dann unauffällig stark in die Hand. Nein, ich durfte diesen Gedanken gar nicht erst zu Ende führen.
    Hermine schluchzte leise.
    >>Lass uns mitkommen! << sagte sie leise. Harry jedoch schüttelte den Kopf.
    >>Nein. <<, sagte er. >>Tötet die Schlange. Am Ende ist es nur noch er selbst. << Ich konnte es gar nicht glauben. Er wollte das wirklich durchziehen. Ich will mir für ihn hoffen, dass er weiß, wie sehr er uns – und vor allem mir – damit wehtut. Doch nun, müssen wir es schlicht und einfach akzeptieren.
    Hermine weinte weiter und ging dann auf Harry zu und umarmte ihn. Harry erwiderte die Umarmung und hielt sie eine Weile lang im Arm. Dann lösten sich die beiden voneinander. Gerade wollte ich auf Harry zugehen und ihn auch noch ein letztes Mal in den Arm nehmen. Ich drückte ihn ganz fest, ihn schien es nichts auszumachen und er erwiderte die Umarmung. Ich liebte ihn so sehr. Und er weiß davon nichts. Nie habe ich es ihm erzählt, und jetzt ist es echt der ungünstigste Moment den es gibt.
    >>Kannst du noch kurz mit rauskommen, Angie? Ich muss mit dir reden. << sagte er. Ich sah ihn nur an. Dann drehte er sich um und ging auf den Ausgang zu. Draußen wehte ein kühler Wind und es roch frischer, wenn der ganze Staub von den Steinbrocken nun weggeweht wurde. Wir blieben draußen im zerstörten Innenhof stehen. Er drehte sich dann wieder um und sah mir in die Augen.
    >>Du fragst dich bestimmt, was ich von dir will. << Ich wusste nicht, ob ich in der Lage war zu antworten und ob meine Stimme versagen würde, deshalb nickte ich nur.
    Er schien bemerkt zu haben, wie schwer er mir bereits das Hertz zerrissen hatte, jetzt wo er sich tatsächlich Voldemort ausliefern will.
    >>Ich muss das jetzt tun. << sagte er.
    >>Warum tust du das? <<, zischte ich ihn wütend an und zugleich weinte ich weiter. >>Warum willst du uns das antun? Hast du überhaupt eine Ahnung, wie sehr du uns verletzt? Wie sehr du mich verletzt, Harry? Hast du eine Ahnung? << fragte ich ihn die ganze Zeit.
    >>Doch. Ich weiß, was ich euch damit antue. Und glaub mir: Ich will das nicht tun. Denn ich will nicht, dass ihr traurig, verletzt und am Boden zerstört seid, wegen mir. Ich muss das aber einfach tun, weil es anders nicht gehen wird. << sagte Harry.
    >>Trotzdem, Harry. Ich verstehe wirklich nicht, warum du immer so bist wie du bist! Du musst alles immer alleine machen. Denkst du überhaupt auch an uns, wenigstens nur einmal, bei so was? <<
    >>Ja. Das tue ich. Und an dich immer. <<, seine Stimme blieb ruhig. Meine Wut und Angst wurde einfach immer größer. >>Ich wünschte, es gäbe einen besseren und anderen Weg, aber so ist es nicht. Ich muss es tun. Freiwillig würde ich nie etwas machen, was Ron, Hermine oder dich verletzten würde. Ihr beutet mir wirklich viel. Und am meisten liegst du mir am Herzen. << sagte er. Ich starrte ihn an. Ich konnte ihn ja verstehen. Aber trotzdem wollte ich nicht, dass er ging. Das ist absoluter Wahnsinn. Das ist verrückt. Er ist verrückt.
    >>Angie. <<, sagte Harry und schritt auf mich zu. Er stand nun direkt vor mir und sah mich die ganze Zeit an. Er nahm dann meine Hand, ohne den Blick vom mir abzuwenden. Wieder machte sich dieses warme angenehme Kribbeln in mir breit und mein Herz pochte immer schneller. >>Es tut mir wirklich leid. Ich wollte nie, dass einer von euch wegen mir traurig sein wird. Und bei dir habe ich es mir am wenigsten gewünscht. Angie, du bist das klügste, frechste - << Ich lachte kurz und leise, auch er lächelte. >>lustigste, netteste, sympathischste und wunderschönste Mädchen, das ich kenne. Du warst immer meine beste Freundin. Aber, jetzt wo ich gehen werde, musst du es erfahren. << sagte er. Seine Worte berührten mich zutiefst und ließen mein Herz noch schneller und höher schlagen.
    >>Was erfahren? << fragte ich nach einer langen Runde Schweigen, in der wir uns nur in die Augen sahen.
    >>Ich liebe dich. << brachte er sofort raus. Ich habe niemals damit gerechnet, dass er das mal zu mir sagen würde. Zu mir! Seiner besten Freundin. Ich wollte ihm sagen, dass ich ihn auch liebte, aber aus irgendeinem Grund brachten meine Lippen kein einziges Wort zustande. Ich stand einfach nur da und sah ihn seine wunderschöne Augen. Er schien noch etwas sagen zu wollen.
    >>Das habe ich dir schon immer verschwiegen. Aber jetzt weißt du es. Ich liebe dich schon seit ich dich das erste Mal gesehen hab. Ich habe mich auf der Stelle in dich verliebt. Das ist auch der Grund für den Kuss vor zwei Jahren. Das musste ich einfach tun. Einmal wenigstens. << sagte er. Nun wurde mir alles klar. Der Nebel verzog sich so langsam und ein klares Bild erschien vor mir: Seine Blicke immer die er mir zuwarf. Sein Lächeln. Das hatte alles immer mit der Sache zu tun gehabt, dass er mich liebte.
    Ich konnte immer noch nichts sagen. Ich fühlte mich, als stände ich unter einer Ganzkörperklammer. Ich antwortete ihm nicht. Ich konnte es einfach nur nicht glauben.
    Harry drehte sich dann von mir weg und ging ohne ein weiteres Wort zu sagen. Wie gerne wäre ich jetzt ihm hinterher gelaufen, und ihm auch die Wahrheit gesagt. Aber meine Füße schienen am Boden für immer zu kleben.

    Ich hatte zusammen mit Hermine und Ron, den Lehrern und unversehrten Schülern geholfen, die Verletzen zu versorgen und zu behandeln: Wir versuchten es vor den anderen zu verheimlichen, dass Harry weg war. Keiner sollte wissen, dass er jetzt wirklich weg und inzwischen womöglich bereits tot war.
    Der Morgen graute. Durch die Fenster sah ich, dass die Sterne am Himmel immer blasser wurden. Der Himmel war leicht rosa. Ich sah hinter einer noch sehr dunklen Wolkendecke ein helles und goldgelbliches Licht, das von der Sonne stammte, die in ein paar Stunden aufgehen würde.
    Der Tag rückte immer näher und meine Nervosität stieg immer weiter. Ich musste dauernde Heulanfälle unterdrücken, so wie Schreie, heftiges Geschluchzte. Aber mit der Zeit hielt ich es einfach nicht mehr aus. Ich verließ die Große Halle und rannte dann los bis ich in dem Stock ankam wo der Gryffindor-Gemeinschaftsraum war. Das Porträt der fetten Dame schlief. Ich klopfte dagegen und die fette Dame wachte auf.
    >>Huch – was? Was machst du hier, Kind? Wie kannst du es wagen, jemanden so unsanft aus dem Schlaf zu reißen? Unverschämtheit! Dass du es erst wagst, mich aufzuwecken! Pah! << jammerte die fette Dame.
    >>Halt’s Maul! <<, schrie ich die fette Dame an. >>Mach einfach nur den Weg frei! <<
    >>Und das Passwort? Ohne Passwort - <<
    >>Ich kotze gerade auf Passwörter! Hier herrscht Krieg, wenn es dir noch nicht aufgefallen ist und die hälfte der Schüler ist entweder gestorben oder verletzt worden! Also mach endlich auf! << schrie ich sie wieder an.
    >>Kein Passwort – kein Zutritt! <<
    >>MACH AUF! <<
    Die fette Dame erschrak und sah mich an, als hätte ich gerade aufs übelste ihre Gefühle verletzt. Ich selbst wunderte mich über mein Verhalten. Ich war noch nie in meinem Leben so gemein. Aber das war mir herzlich egal. Ich wollte jetzt nur noch in den Gemeinschaftsraum, auf mein Himmelbett, mein Gesicht in das weiche Kissen graben und mir die Augen aus dem Kopf heulen.
    Das Porträt schwang zu Seite und gab den Weg frei. Ich kletterte durch das Porträtloch und rannte dann im Gemeinschaftsraum die Wendeltreppen hoch in den Mädchenschlafsaal und machte, das was ich mir vorgenommen hatte.

    Nach zwei Stunden weinen habe ich mich dann endlich beruhigt. Ich sah zwar aus wie eine Leiche die über neunzehn Stunden geweint haben muss, aber das interessierte mich keines Weges.
    In der Großen Halle traf ich dann wieder auf Ron und Hermine, die auf einer Bank saßen und sich bei Hand hielten. Ihnen ging es kaum besser als mir.
    Durch die offene Eingangstür und durch die offene der Großen Halle, konnte ich nach draußen blicken. Dort war Neville im Innenhof. Er hob einen komischen verfilzten Fetzen aus den Trümmern auf. Es war der Sprechende Hut. Ich beobachtete Neville die ganze Zeit. Bis ich dann plötzlich von der Brücke die zum Schloss führte, eine Gruppe von tausenden von Menschen sah. Alle in schwarz. Es waren die Todesser. Und ganz vorne war Voldemort hinter dem sie alle hergingen.
    Nicht nur mir waren Voldemort und die Todesser aufgefallen. Auch Ron und Hermine standen von der Bank auf und gingen hinaus. Es folgten dann einige andere Schüler, dann auch noch die Lehrer und letztendlich stand draußen ganz Hogwarts und sah zu den Todessern.
    Voldemort und seine Ahnhänger blieben auf der anderen Seite stehen. Ich sah dann auch, dass sie Hagrid hatten. Er trug jemanden in seinen Armen. Ich zitterte und musste mir wieder Mühe geben, nicht zu weinen.
    >>Wer ist das? Wen trägt Hagrid da? Neville, wer ist das? << sagte ich zu Neville. Neville war genauso geschockt wie ich und sah nach vorne.
    Voldemort trat einige Schritte vor.
    >>Harry Potter ist tot! <<
    >>NEIN! NEIN! << schrie ich und wollte schon rüber rennen, aber Ron und Hermine hielten mich an den Armen fest. Ich hätte es doch wissen müssen. Aber es war trotzdem der größte Schock meines Lebens. Ich hätte mir in diesem Moment am liebsten das Herz rausgerissen.
    >>SEI STILL! << sagte Voldemort. Es war einfach nur furchtbar. Zuerst meine Eltern, dann Emily, Fred, Remus, Tonks und jetzt auch noch mein bester Freund. Was kommt noch? Sind die nächsten Ron und Hermine, oder Neville? Obwohl ich wusste, dass es so kommen würde, konnte ich es trotzdem einfach nicht fassen.
    >>Harry Potter ist tot. Euer Held ist tot. Von heute bis in alle Zukunft. Es gibt nur einen Herrscher. Und das bin ich. Ihr könnt wählen: Kommt und schließt euch mir an! Oder sterbt! << sagte Voldemort.
    Alle sahen zu ihm rüber. Keiner bewegte auch nur einen Muskel. Ich entdeckte unter den Todessern Bellatrix, Greyback, Yaxley, die Carrows, Lucius Malfoy und Narzissa Malfoy und ein paar Greifer. Alle starrten auch uns an.
    >>Draco! << hörte ich dann plötzlich die schwache Stimme von Lucius Malfoy. Er sah schlimm aus. Nicht immer so gepflegt wie sonst immer. Haare fettig und schmutzig, Gesicht verschwitzt und dreckig und voller Kratzer und Schrammen.
    Lucius deutete seinem Sohn zu ihm und zu seiner Mutter rüber zukommen.
    Draco stand bei ein paar anderen der Überlebenden. Auch er war, so wie alle eigentlich, von Dreck, Blut und Staub übersehrt. Er sah nur zu seinen Eltern rüber.
    >>Draco. <<, sagte Narzissa. >>Komm. << sagte sie ruhig und leise. Draco schien zu überlegen. Dann ging er langsam auf die andere Seite des Innenhofs zu seinen Eltern rüber. Ich kann ihn ja irgendwie verstehen, er tut es nicht für Voldemort, sondern er geht nur zu seinen Eltern.
    >>Gut gemacht, Draco. <<, sagte Voldemort. >>So ein schlauer Junge. << Er sah dann wieder auf die Kämpfer von Hogwarts. Er wartete, dass noch jemand sich dazu entschied rüber zu kommen, aber keiner machte auch nur die Anmerkung sich zu bewegen.
    Neville trat plötzlich ein paar Schritte vor und blieb dann stehen. Voldemort sah ihn an.
    >>Nun, ich muss sagen, ich habe mir Besseres erhofft. << sagte Voldemort. Die Todesser lachten alle, am lautesten natürlich Bellatrix.
    >>Wie heißt du, Junge? << wollte Voldemort wissen.
    >>Neville Longbottom. <<
    Wieder lachten die Todesser kurz auf.
    >>Nun denn, Neville, ich denke mal, dass wir schon einen Platz für dich bei uns finden werden. << sagte Voldemort. Neville wollte aber nicht zu den Todessern. Ich sah es in seinen Augen.
    >>Ich möchte etwas sagen. << sagte Neville. Voldemort und die Todesser und auch Hogwarts sahen ihn an.
    >>Ich bin sicher, dass dir alle zuhören werden. <<, sagte Voldemort. >>Sprich nur, Junge. <<
    Neville holte Luft und sprach: >>Dass Harry tot ist, ändert gar nichts. Wir werden nicht aufgeben! << sagte Neville. Seamus redete dazwischen. >>Hör auf, Neville. Harry war doch unsere einzige Hoffnung. << Meine Tränen liefen weiter über meine Wangen. Ich konnte gerade fast die ganze Zeit nicht die Augen von Harrys leblosem Körper lassen. Ich bin so bescheuert. Wieso habe ich ihm nicht gesagt, dass ich ihn liebe, als er es mir gesagt hatte? Er hätte es wenigstens gewusst und das hätte mir schon gereicht, aber ich war so ein feiges Huhn, und habe mich mal wieder etwas nicht getraut.
    >>Jeden Tag sterben Menschen! <<, sagte Neville und sah Seamus kurz an, wandte seinen Blick dann zu den anderen auf Hogwarts’ Seite. >>Freunde. Verwandte. Ja, heute haben wir Harry verloren, <<, Nevilles Blick fiel dann kurz auf mich. Auch er wusste von meinen Gefühlen für Harry. >>aber er ist immer noch bei uns! Hier drin. <<, er deutete mit seiner Hand auf die Stelle auf seiner Brust wo sein Herz ist. >>Genau so wie Fred, Remus, Tonks. Einfach alle. Selbst Catherine und Sebastian. Ihr Tod war nicht sinnlos! <<, sagte Neville. Ich ließ meine Tränen weiter laufen, aber Neville hatte Recht. Seine Worte trafen alle sehr tief. Er lag nicht falsch. Hinter seinen Worten verbarg sich die pure Wahrheit. Jeden faszinierte die Wahrheit seiner Worte.
    Neville sah dann wieder zu Voldemort, der nur stumm vor sich hinlachte. >>Aber Ihrer wird es sein! <<, fuhr Neville fort. >>Wir werden nicht aufgeben! Harrys Herz hat für uns geschlagen! Für jeden von uns! Es ist noch nicht vorbei! << Neville hatte immer noch den Sprechenden Hut in der Hand gehabt. Plötzlich zog er das Schwert von Godric Gryffindor aus dem Hut.
    In demselben Moment sprang Harry aus Hagrids Armen. Er fiel zu Boden. Alle sahen geschockt zu ihm rüber – selbst Voldemort machte Augen. Ich konnte es kaum fassen. Harry war nicht tot! Er lebte! Ich hätte vor Freude Schreien können, aber ich ließ es sein. Selbst Hermine und Ron lächelten wieder.
    >>Confringo! << rief Harry und hatte den Zauberstab dabei auf die Schlange gerichtet. Der Zauber tat ihr allerdings nichts an. Harry rannte nun davon, hinter die zertrümmerten Mauern. Voldemort schickte Flammen auf ihn zu. Er konnte es auch gar nicht glauben.
    Dass Harry lebt, hatte nun sehr viele Todesser geschockt. Die meisten Feigen disapparierten. Bellatrix rief ihnen hinterher, dass sie zurück kommen sollen, aber keiner hörte darauf.
    Sofort begannen wieder Zauber und Flüche durch die Gegend zu fliegen. Voldemort und seine Anhänger rückten näher an das Schloss heran. Alle haben sich wieder in das Schloss verfrachtet. Hermine, Ron und ich standen am Eingang und warteten darauf, dass Harry dann zu uns kam.
    Plötzlich war er bei uns. Ich war so froh ihn zu sehen, dass ich ihn einfach umarmen musste. Ich wusste gar nicht, warum ich plötzlich wieder die Kraft hatte, zu kämpfen und woher dieser Kampfgeist plötzlich herkam. Ich sah Hoffnung. Wir könnten es wirklich schaffen. Wir können Voldemort vernichten.
    Ich löste mich wieder von Harry. Er sagte zu uns: >>Ich lock ihn ins Schloss! Wir müssen die Schlange töten! << Er wollte gerade wieder in eine andere Richtung laufen, als ich ihn am Arm festhielt.
    >>Warte! <<, sagte ich. Er sah mich an. Ich drückte ihm einen Basiliskenzahn in die Hand. >>Den wirst du brauchen, solltest du auch der Schlange begegnen. << sagte ich. Er nickte und lief dann weiter. Auch Hermine, Ron und ich nahmen jeweils einen Zahn in die Hand und liefen davon.
    Hermine und Ron versteckten sich hinter einer Ecke. Ich war in ihrer Nähe. Wir hielten alle nach der Schlange Ausschau. Wenn wir sie sehen sollten, muss ich raus und irgendwie ihre Aufmerksamkeit auf mich erregen. Ich weiß zwar noch nicht wie, deshalb denke ich die restliche Zeit, die wir noch haben nach. Es muss doch noch etwas geben. Ich sah Harry auf der Großen Treppe. Vor ihm erschien plötzlich Voldemort. Sofort schossen die beiden Flüche aufeinander. Ein blauer Strahl schoss aus Voldemorts Stab und ein roter aus Harrys. Die beiden trafen sich und ein helles Licht entstand zwischen ihnen. Dann verschwand Voldemort plötzlich. Er erschien dann wieder ein paar Meter höher hinter Harry auf der Großen Treppe. Wieder hetzten die beiden sich irgendwelche Flüche auf den Hals. Und da sah ich sie. Dort war Nagini. Sie schlängelte sich langsam hinter Harry auf ihn zu. Das war mein Stichwort. Ich kam sofort aus meinem Versteck heraus und hob einen Stein vom Boden auf. Ich warf ihn dann der Schlange an den Kopf. Diese zischte wütend und drehte ihren Kopf zu mir. Sie zischte noch mal. Ich warf ihr dann einen weiteren Brocken an den Kopf. Sie schlängelte dann genau auf mich zu. Ich sah sie die ganze Zeit an, lief jedoch Rückwärts.
    Die Schlange bewegte sich langsam auf mich zu. Ich sah ab und zu Hermine und Ron, wie sie heimlich immer wieder die Verstecke wechselten, wenn die Schlange und ich uns zu weit weg bewegten. Der Plan war, die Schlange in eine Ecke zu kriegen, aus der sie nicht flüchten kann.
    Ich wusste inzwischen gar nicht mehr, wo ich mich eigentlich befand, denn ich sah nicht ein einziges Mal von der Schlange weg. Aber es war nun so weit. Hinter mir war eine Wand. Ich konnte nun nicht mehr weg. Die Schlange ebenso wenig. Ich blieb stehen, starrte sie jedoch weiter an. Ich sah Ron und Hermine leise an die Schlange heranschleichen. Beiden den Arm gehoben in dem sie einen Giftzahn hielten.
    Doch es klappte nicht. Die Schlange bemerkte sie. Sie zischte sie wütend an. Dann griff sie die zwei an und beide verloren ihren Giftzahn. Voldemort und Harry befanden sich irgendwo auf den Treppen über uns und Voldemort schien uns beobachtet zu haben, denn er feuerte irgendeinen Strahl auf die Giftzähne ab, die dann zerbröselten. Als die Schlange dann auch mich angriff, fiel ich dummerweise hin und mir rutschte ebenfalls der Zahn aus der Hand. Voldemort zerstörte dann auch diesen.
    Ron, Hermine und ich liefen runter, weg vor der Schlange. Sie war richtig schnell. Wir hatten kaum Chancen zu entkommen. Mal stolperte einer über die Brocken, die immer noch überall verstreut lagen, mal mussten wir inne halten um die Schlange zurückzudrängen, wenn sie uns gefährlich nah kam.
    Wir waren nun vor der Großen Halle. Wir saßen in der Falle, denn keiner von uns hatte eine Fluchtmöglichkeit. Wir wurden von Nagini in eine Ecke gedrängt. Wir drehten uns alle weg und Ron legte schützend die Arme über Hermine und mich.
    Nagini sprang uns an und zischte wieder. Als ich dachte, dass es nun aus mit uns war, kam da plötzlich Neville. Er sprang auf die Schlange zu und hob das Schwert von Gryffindor – und sofort schlug er damit der Schlange den Kopf ab, die sich dann in Staub auflöste und zerfiel. Und somit war auch der letzte der sieben Horkruxe zerstört.
    >>Danke, Neville! << sagte Hermine.
    >>Immer gern! << sagte Neville. Wir rannten nun alle in die Große Halle. Hier befanden sich sie ganzen anderen Überlebenden und die noch übriggebliebenen Todesser. Alle kämpften. Wir stürzten uns Mitten ins Getümmel.
    Ich sah Ron zu Dean und Seamus rennen, die zwei versuchten Greyback fertigzumachen. Hermine und ich entschieden uns Ginny und Luna zu helfen, die mit Bellatrix kämpften und gerade am verlieren waren.
    >>Stupor! <<
    >>Expelliarmus! <<
    >>Confringo! <<
    Das Kämpfen mit Bellatrix war schwer. Obwohl wir zu viert waren und sie allein, war sie trotzdem stärker als wir, denn sie war – musste ich leider zugeben – eine echt starke Hexe und zaubern konnte sie sehr gut.
    Plötzlich krachte durch das große Fenster über dem Lehrerpodium in der Großen Halle etwas. Die Scherben flogen durch die Luft und verteilten sich in der gesamten Halle – eine davon flog an meine Wange und hinterließ einen hässlichen Schnitt, der anfing zu bluten.
    Ein schwarzer Nebel flog durch die Halle. Es waren Harry und Voldemort! Die beiden prallten auf dem Boden auf.
    Ein Todesser, der gerade einen Zauberer angegriffen hatte, feuerte einen Fluch auf diesen ab. Der Mann wich rechtzeitig aus und der Fluch traf das Stundenglas am Podium, das immer die Hauspunkte der Häuser anzeigte. Das Stundenglas der Slytherins zersprang und die Smaragde, die sich dort drin befanden wurden in der gesamten Halle verteilt.
    >>Avada Kedavra! << schrie Bellatrix auf Ginny zu. Hermine, Luna und ich schrien. Wir waren jedoch erleichtert, als sie es schaffen konnte, den Fluch auszuweichen.
    >>NEIN! <<
    Mrs. Weasley schrie dann plötzlich auch auf und rannte zu uns rüber. Sie stellte sich vor Hermine, Ginny, Luna und mich. Den Zauberstab auf Bellatrix gerichtet.
    >>NICHT MEINE TOCHTER, DU SCHLAMPE! << schrie sie Bellatrix an. Bellatrix lachte nur triumphierend und ein Kampf entstand nun zwischen ihr und Mrs. Weasley und sie schien zu gewinnen. Doch dann schleuderte Mrs. Weasley pausenlos Flüche auf Bellatrix zu und es schwer für sie diese abzuwehren.
    Zwar kannte ich den Fluch nicht, aber Mrs. Weasley feuerte irgendeine weißrote Lichtkugel auf Bellatrix zu und sie sah so aus als könnte sie nicht atmen und würde austrocknen während sie unter einer Ganzkörperklammer stände. Dann warf Mrs. Weasley noch so ein Licht auf Bellatrix zu und sie platzte, aber kein Blut spritze, sondern sie wurde zu solchen komischen schwarzen Tropfen und zerbröselte. Mrs. Weasley grinste.
    >>NEIN! << hörten wir Voldemort rufen. Mrs. Weasley hatte gerade eine seiner besten Todesserinnen getötet. Voldemort war sauer. Er schrie noch einmals und alle Fenster in der Großen Halle zersprangen. Er ließ die Scheiben dann über seinen Kopf gleiten und hob die Arme. Er riss seine Arme dann sofort wieder auseinander und die scharfen Scherben sprangen jedem in der Halle entgegen.
    >>Protego Maxima! << rief jeder in der Halle. Ein riesiger grüner Schutzschild entstand. Die Scherben sprangen dagegen und lösten sich auf.
    >>IHR WERDET ALLE STERBEN! <<, schrie Voldemort in die Runde. >>MEINE TODESSER SIND IN DER ÜBERZAHL UND IHR HABT DIE HÄLFTE EURER KÄMPFER VERLOREN! <<
    >>Vergiss es! <<, hörte ich Harry sagen. >>Du bist der, der heute sterben wird! <<
    Die Kämpfe gingen sofort weiter. Ich erledigte mit Hermine, Ginny und Luna jeden Todesser der uns in den Weg kam. Wir halfen anderen und retteten sie immer wenn es ging.
    Die Todesser gingen so langsam alle zu Boden und schließlich war der Punkt erreicht, dass nur noch Voldemort übrig war und es keinen einzigen Todesser mehr zu bekämpfen gab.
    >>Du hattest Recht! <<, sagte Harry zu Voldemort. Alle in der Großen Halle sahen zu ihm und Voldemort, standen jedoch am Rande. >>Der Elderstab dient dir nicht! Er wird dir niemals dienen! <<
    >>Ich habe Snape getötet! Der Elderstab gehört mir und sonst keinem anderen! << gab Voldemort zurück.
    >>Und was, wenn Snape es nie war, dem der Zauberstab in Wahrheit gehörte! <<, sagte Harry. >>Komm schon, Tom! Beenden wir es so, wie wir es angefangen haben! Zusammen! << sagte er.
    Voldemort, völlig außer sich vor Wut, schrie laut auf. Und dann kam es.
    >>AVADA KEDAVRA! <<
    >>EXPELLIARMUS! <<
    Wieder trafen sich die Lichtstrahlen der beiden Zauberstäbe. Ein lauter Knall erschütterte das ganze Schloss und ein paar Teile von der fast zerstörten Decke fielen zu Boden. Der Fluchwechsel war so stark, dass die ganze Halle davon erleuchtet wurde und Blitze wütend durch die Gegend wühlten.
    Das rote Licht von Harrys Zauber drängte den grünen von Voldemort Todesfluch immer weiter auf seinen Stab zurück. Voldemort war verwundbar. Viel zu schwach. Alle sieben Horkruxe waren bereits zerstört. Einfach alle. Das Tagebuch. Der Ring. Das Medaillon. Das Diadem von Rowena Ravenclaw. Der Kelch von Helga Hufflepuff. Nagini, die Schlange. Und der Teil von Voldemort, der in Harry lebte, aber von Voldemort selbst zerstört wurde, als er Harry angeblich getötet hatte.
    Voldemort würde und wird das hier nicht schaffen. Der Zauber von Harry war viel Stärker und drängte Voldemorts Fluch nun bis an den Elderstab, den Voldemort sich aus Dumbledores Grab gekrallt hatte.
    Der Zauberstab rutschte aus Voldemorts Hand. Der Stab flog kreuz und quer durch die Luft. Voldemort sah ihm hinterher, wie er immer näher an den Boden kam und dann von Harry aufgefangen wurde.
    Voldemorts Blick war nur entsetzt. Er wurde entwaffnet. Voldemort wurde ganz grau. Er sah so aus wie Asche. Er bekam Risse überall am Körper. Seine Augen verloren die Pupillen und er fiel zu Boden und löste sich in einer dicken grauschwarzen Staubwolke auf.
    Er war weg! Voldemort war weg! Er ist tot! Die Zaubererwelt ist nun keiner großen Gefahr mehr ausgesetzt! Jetzt ist Schluss mit weglaufen, verstecken, ums Überleben kämpfen, Tränen vor Kummer und Angst vergießen und Angst davor zu haben, dass man besondere Menschen verliert. Der Kampf um unsere Freiheit war hiermit gewonnen.
    Harry schien es selbst nicht zu fassen. Er hatte tatsächlich gesiegt. Ich war richtig stolz und freute mich einfach nur. Die gesamte Halle brach in Jubel aus und der Beifall war so laut, wie es noch nie gehört habe.
    Ich stand mit Ron, Hermine, Ginny, Luna und Neville in der Nähe des Ausgangs der Großen Halle. Ich stand direkt an der offenen Tür. Ich hörte dann als einzige wie jemand im Flur schrie, weil der Beifall und das Tosen so laut waren, dass nur ich es hören konnte. Ich sah in den Flur. Auf der Großen Treppe sah ich eine kleine Erstklässlerin aus Ravenclaw, die Stufen hoch rennen. Der Gemeinschaftsraum muss zerstört worden sein während eines Angriffs und die restlichen Ravenclaw-Schüler, die sich nicht an der Schlacht beteiligt haben, waren wohl gezwungen zu fliehen.
    Ich sah, wie das kleine Mädchen von einem Todesser gejagt wurde. Ihn müssen wir wohl übersehen haben. Das Mädchen schrie vor Angst und stolperte fast die Treppen hoch.
    Die beiden waren so schnell wieder weg, wie sie gekommen waren. Ich musste dem Mädchen einfach helfen und rannte aus der Großen Halle. Die anderen hatten es zum Glück nicht bemerkt, dass ich weg war, aber es ist nur einer und ich werde es schon schaffen.
    Ich lief genau denselben Weg, wie die beiden, die gerade in einen der Korridore verschwunden waren. Ich hörte es dauernd knallen und das Mädchen schreien. Der Todesser schoss dauernd Flüche auf sie ab. Ich bog um eine Ecke und da sah ich die zwei. Das Mädchen konnte nicht weg, da ihr Fels- und Steinbrocken, den Weg versperrten. Sie drückte sich an die Wand und kniff die Augen zusammen.
    >>Stupor! << rief ich auf den Todesser. Der Todesser reagierte noch rechtzeitig und schaffte es den Fluch abzuwehren. Ich duellierte mich mit ihm und er war richtig schlecht im Zweierkampf. Vielleicht lag es an Erschöpfung. Ich bin auch total müde und erschöpft, aber meine Magie ist immer noch so stark, als hätte ich sie niemals benutzt.
    >>Stupor! << rief ich erneut. Der Todesser flog zurück und krachte durch ein Fenster und fiel runter. Was mit ihm nun passierte interessierte mich nicht, ich hoffte nur, dass er nun tot war.
    Ich wandte mich an das Mädchen zu.
    >>Ist alles gut? << fragte ich. Sie nickte lächelnd.
    >>Ja. Ich danke dir! << sagte sie fröhlich und lief zurück. Ich lächelte und war froh geholfen zu haben. Nun war es endgültig vorbei.
    Ich ging langsam zurück. Ich überlegte, was nun jetzt passieren würde. Hogwarts muss wieder hergerichtet werden – da werde ich auf jeden Fall mithelfen. Ich werde nun auf jeden Fall mein verpasstes Jahr dann nachholen. Ich muss unbedingt an die Luft. Wir haben es tatsächlich geschafft. Ich kann es immer noch nicht glauben. Die Welt ist nun keiner Bedrohung mehr ausgesetzt. Alles ist wieder beim Alten. Voldemort ist Geschichte.
    Ich war so erschöpft, dass ich am liebsten nun einen Monat schlafen könnte um mich zu erholen. Hunger habe ich auch großen. Aber essen kann ich später, denn ich muss auf jeden Fall zuerst baden und dann schlafen. Das waren anstrengende sechs Monate. Und alles was ich jetzt brauche ist Ruhe und Erholung.
    Ich war nun an der Großen Treppe. Ich ging langsam die Stufen runter und linste in die Große Halle. Dort waren alle. Sie saßen, entweder auf den Bänken oder auf dem Boden, unterhielten sich, drückten ihre Freunde und Eltern, freuten sich über den Sieg, lachten und jeder hatte eine Tasse Tee in der Hand. Jeder ruhte sich aus. Heute wird das Schloss noch auf keinen Fall wieder aufgebaut. Vielleicht auch noch nicht morgen. Aber auf jeden Fall bald. Aber jeder braucht erstmal seine Ruhe und eine Pause. Ich lächelte bei dem Anblick. Es war einfach nur schön zu sehen, dass es allen nun gut ging und jeder wieder lachen konnte.
    Ich ging raus in den Innenhof. Dort war keiner, da sich alle drinnen befanden. Es war wieder hell draußen und die grauen Wolken von vorhin hatten sich auch verzogen. Die Sonne brannte am Himmel und die Vögel zwitscherten und sogar die Eulen flogen wieder umher.
    Der Wind wehte mir durchs Haar und ich schloss die Augen ganz kurz und genoss die Stille. Ich ging an den Rand und lehnte mich an die Mauer und sah auf die Landschaft und die Berge. Ich war glaub ich nie so Glücklich wie jetzt, dass alles vorbei war.
    >>Angie. << hörte ich hinter mir jemanden dann meinen Namen sagen. Ich drehte mich vorsichtig um und sah in Harrys wundervolle grüne Augen. Ich bekam Herzklopfen.
    >>Hey. << sagte ich und lächelte ihn an.
    >>Hey. << sagte er und lief etwas rot an, aber lächelte mich auch an. Man, war das süß. Ich schlang auf der Stelle meine Arme um ihn und drückte ihn so stark ich nur konnte an mich - vielleicht zu stark, denn ich glaube, dass er etwas gekeucht hat.
    >>Du bist Wahnsinnig mir so einen Schrecken einzujagen. Tu das nie wieder, oder du wirst es bereuen. <<, sagte ich. >>Ich kann es wirklich nicht glauben, du hast es wirklich geschafft. <<
    >>Ja, aber du, Hermine und Ron, ihr habt mir oft geholfen, alleine hätte ich das nie geschafft. << Ich ließ ihn los. Wir sahen uns eine Weile lächelnd an.
    >>Angie? << begann er vorsichtig.
    >>Ja? << Er fing plötzlich an schnell zu reden und ich sah, wie er immer nervöser wurde und anfing zu plappern wie ein Wasserfall und holte nicht mal Luft.
    >>Also, hör mal. Wegen dem, was ich vorher gesagt habe, über das was ich für dich empfinde, d-das meinte ich wirklich so, ich wollte einfach, dass du es weißt, ich wollte damit unsere Freundschaft nicht zerstören und ich hoffe, dass ich das damit nicht getan hab. Vermutlich erwiderst du meine Gefühle nicht, aber- << Ich schnitt ihm das Wort ab indem ich meine Hand in sein Haar grub und ihn dann zu mir heranzog und meine Lippen seine trafen. Wie oft hatte ich mir das schon gewünscht? Ich liebte ihn über alles. Ich wollte eigentlich nie jemanden anderes als ihn. Zuerst war er überrascht über mein Handeln doch dann sofort ging er darauf ein. Viel zu schnell lösten wir uns voneinander.
    >>Ich liebe dich doch auch, du Idiot! << sagte ich lächelnd zu ihm. Er strahlte mich an und er küsste mich dieses Mal. Sofort erwiderte ich den Kuss. Dieses Mal war der Kuss leidenschaftlicher und heftiger, sodass wir beide kaum Luft zum atmen hatten, aber das war uns beiden anscheinend völlig egal. Wir drückten uns so eng es ging aneinander. Ich wollte ihn am liebsten nie wieder loslassen und es war mir einfach nicht eng genug.
    Wir hörten erst auf, als sich jemand laut räusperte und wichen voneinander zurück. Wir beide liefen rosa an, als wir Ron und Hermine sahen, die uns angrinsten.
    >>Na endlich. Wurde aber auch Zeit. <<, sagte Ron mit einem breiten Grinsen im Gesicht. >>Wir dachten schon, dazu würde es nie kommen. <<
    >>Sagt ja ausgerechnet der Richtige. << gab Harry zurück. Ron und Hermine wurden beide rot und schauten verlegen Löcher in die Luft. Der Kuss von vorhin löste irgend so ein unbekanntes Gefühl in mir los. Ich spürte, wie ich Lust auf noch mehr Küsse bekam. Dieses Gefühl empfand ich noch nie.
    Harry sah mich dann wieder an und er schien dasselbe zu empfinden wie ich gerade in dem Moment und wir küssten uns dann noch mal - nur jetzt sanfter.
    Ron sagte dann wieder: >>Leute! Könntet ihr bitte fortfahren, wenn ihr alleine seid? Ihr könnt später weiter rumknutschen. << lachte er. Wieder lösten wir uns voneinander sahen uns aber noch tief in die Augen. Dann jedoch drehten wir uns wieder zu unseren besten Freunden.
    >>Kommt, lasst uns ein Stück gehen. << sagte Harry. Er ging voraus und wir folgten ihn dann bis zur Brücke die weg von Hogwarts führt. Dort blieben wir stehen.
    >>Jetzt wird alles anders sein, als es bis jetzt war, oder? << fragte Hermine und sah wie wir anderen auf die Landschaft in den Bergen.
    >>Ja. << sagte Harry.
    >>Aber eine Sache verstehe ich nicht. <<, sagte Ron. Wir sahen ihn an. >>Warum hatte der Elderstab Voldemort nicht gedient? << fragte Ron. Die Frage ging mehr an Harry als an uns alle. Denn ich wusste es nicht und Hermine genauso wenig.
    >>Weil er niemals sein wahrer Gebieter war. Er dachte, durch den Mord an Snape würde es sein Zauberstab werden, aber er gehörte niemals Snape. << erklärte Harry und sah dabei den Elderstab an, den er immer noch in der Hand hielt.
    >>Was? << sagte Hermine. Ich war genauso verwirrt. >>Aber wie ist das möglich? Das ergibt doch keinen Sinn. << sagte ich.
    >>Es war Draco <<, sagte er. >>der Dumbledore damals auf dem Astronomieturm entwaffnet hatte. Von dem Moment an, war er sein wahrer Herr und von dem Moment an, gehörte der Elderstab ihm ... Solange, bis ich Draco entwaffnet habe, auf dem Landsitz der Malfoys. << sagte Harry. Ich verstand und konnte es kaum fassen.
    >>Soll das etwa heißen … << Ron verschlug es die Sprache, denn er sprach nicht weiter.
    >>Er gehört mir. << sagte Harry und musterte den Elderstab in seiner Hand.
    >>Und was werden wir jetzt mit ihm machen? << fragte Ron.
    >>Wir? << fragte Hermine etwas gereizt und sah Ron an.
    >>Ja, ich meine, das ist der Elderstab. Der mächtigste Zauberstab aller Zeiten. Damit wären wir unbesiegbar. << sagte Ron.
    >>Letztendlich Ron, ist jeder besiegbar. Voldemort, der sich für unbesiegbar und unsterblich hielt, ist ein gutes Beispiel dafür, dass einfach alles möglich und zu schaffen ist. << sagte ich und sah Ron an.
    >>Genau so ist es. <<, sagte Harry. >>Und außerdem, habe ich nicht vor ihn zu benutzen. << Wir sahen ihn fragend an. Er lächelte uns nur an.
    >>Angie, hast du noch meinen Zauberstab? << fragte er mich immer noch lächelnd.
    >>Natürlich. Warum? << fragte ich.
    >>Gib ihn mir, bitte. <<
    Ich griff wieder in meine Tasche. Ich suchte herum bis ich den entzweigebrochenen Zauberstab aus Stechpalme und Phönixfeder wiederfand. Ich nahm die beiden zerbrochenen Teile und reichte sie Harry. Er nahm sie in die Hand und fügte sie mit den Händen zusammen. Dann richtete er den Elderstab auf seinen Zauberstab.
    >>Reparo! <<
    Der Zauberstab sah wieder aus wie neu und war nicht mehr kaputt. Harry legte den Elderstab auf dem Boden ab. Er richtete seinen auf den Elderstab und sagte: >>Reductio! << Der Elderstab knackste und war mit einem Mal zerbrochen. Harrys Stab war wieder heile und funktionierte wieder richtig gut und er konnte ihn weiterhin benutzen und musste nicht weiter den von Draco verwenden. Draco ist zwar mit seinen Eltern gegangen, da sie nicht kämpfen wollten, weder auf Voldemorts noch auf unserer Seite. Aber dennoch. Vielleicht kann man ihn ihm per Eulenpost zurückschicken.
    Harry nahm die beiden Teile des Elderstabs in die Hand und ging an den Rand der Brücke. Er warf dann die beiden Hälften weg in die Klippen. Keiner weiß nun wo sie sich befinden. Wir alle lächelten. Wir stellten uns dann alle nebeneinander, fassten uns alle vier an der Hand und sahen geradeaus in das Gebirge.
    >>Das waren mit Abstand die verrücktesten sieben Jahre meines Lebens. << sagte Ron.
    >>Meine auch. << sagte Hermine.
    >>Ich schließe mich an. <<, sagte ich. >>Wer hätte gedacht, dass vier Zauberer so ein Chaos und Ärger in der Zaubererwelt anrichten würden. Und das noch in sieben Jahren. Ich glaube, wir haben den Weltrekord gebrochen. << sagte ich. Harry, Ron und Hermine lachten und ich lächelte in die Runde.
    >>Ja. <<, sagte Harry. >>Doch damit ist nun Schluss. Wir hatten für unser Leben genug Chaos und Ärger. Und von Schwierigkeiten habe ich inzwischen auch genug. <<

    ENDE

    P.S.: Ob ich den Epilog einbaue, muss ich noch schauen, ob er okay ist, und falls ja, dann kommt er noch dazu.
    Vielen Dank fürs Lesen!:):):)


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