Vier Monde

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6 Kapitel - 31.119 Wörter - Erstellt von: Koller Barbie - Aktualisiert am: 2013-12-15 - Entwickelt am: - 2.084 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

Eine sehr lange Geschichte für diejenigen die auf wirkliche Bücher und Liebesgeschichten stehen

1
Sonnenmond
Die Suche beginnt
Im Laufschritt lief Talissa die dunkle Straße entlang. Nur der helle Mond beleuchtete die gepflasterte Straße und Totenstille dröhnte in ihren spitzen empfindlichen Ohren. Schon seit fast fünf Monaten traute sich niemand mehr nachts auf die Straßen, die Bedrohung, die in der ganzen Mythenwelt in der Luft hing, ließ sogar einen gestandenen Vampir vor Angst erschauern. Nicht so Talissa. Auch wenn ihr Aussehen nicht darauf schließen ließ, dass sie eine Kämpferin war, so hatten schon viele Männer eine Niederlage einstecken müssen. Ihre große und schlanke Gestalt und das lange schwarze Haar, das ihr wie ein Vorhang über ihre Schultern fiel, das schmale Gesicht mit der perfekten geraden Nase, den schmalen Lippen und den leicht spitzen Ohren, ließen jeden sie für eine Elfe oder eine Elbenfrau halten. Doch sie war weder das eine noch das andere. Ihre schwarzen Augen waren der Beweis dafür.
Ihre Existenz war ein reines Mysterium, genauso wie das ihrer drei Schwestern. Das war auch der Grund warum sie sich in diesem kleinen Dorf namens Galgenmännlein niedergelassen hatten. Das Dorf war sehr, sehr klein, gerade mal fünfzehn Häuser umfasste die Region, weite Felder umkreisten die Häuser und noch dazu war es so unbedeutend, das kein Krieg oder Aufstand je hier her gedrungen war. In diesem Dorf lebten zum großen Teil Elfen und Elben, aber auch ein Lykanerrudel hat sich hier her verirrt. In diesem bunten Haufen fielen also Talissa und ihre ebenfalls seltsamen Schwestern kaum auf.
Ihre schnellen Schritte hallten von den kahlen Wänden wieder und ihr schwerer Atem hörte sich unglaublich laut an. Nur Talissa, ihre Schwestern und noch einige wenige Mutige trauten sich zu diesen bedrohlichen Zeiten aus den Häusern. Darum blieb Talissa wie angewurzelt stehen, als sie fremde Schritte aus einer kleinen Nebengasse hörte. Sofort zückte sie ihr langes silbernes Schwert. Die schwarzen Zeichen auf der Klinge hoben sich von dem glänzenden Metall ab und riefen in ihr wieder alte Erinnerungen hervor.
Die Schritte wurden nicht langsamer und Talissa stellte sich schon kampfbereit hin, doch als dann ihre jüngere Schwester aus der Dunkelheit in den Mondschein trat, ließ sie ihr Schwert sofort sinken. >Dana.< grüßte Talissa sie und bekam nur ein Kopfnicken, während sie weiter liefen. >Wo warst du?< verlangte Talissa zu wissen. Normalerweise beredeten sie immer vorher wohin jemand ging und wie lange sie dort bleiben wollten. Dass Dana fort gewesen war, hatte Talissa nicht gewusst.
>Das ist meine Angelegenheit.< sagte Dana mit ihrer gleichgültigen Stimme. Doch Talissa hatte schon das schöne Kleid an ihr bemerkt und konnte sich schon denken, wo sie mal wieder war. Die Elbenbälle waren für die anderen Mythenwesen tabu und dennoch schlich sich Dana regelmäßig auf so ein Event.
>Du warst wieder auf einen Ball.< stellte Talissa missbilligend fest.
>Und selbst wenn, geht es dich nichts an.< sagte Dana nur darauf und schien ihre Leichtsinnigkeit gar nicht bemerkt zu haben.
>Dana, du gefährdest uns alle…< versuchte Talissa ihr Gewissen anzusprechen, doch schon wie die unzähligen Male zuvor, schnitt Dana ihr unwirsch das Wort ab. >Ich weiß was ich tue. Vertrau darauf, dass ich nicht geschnappt werde und lass diese scheinheiligen Predigen. Deine vielen Kontakte zu der kriminellen Ader der Mythenwelt ist genauso unsicher.<
>Aber unverzichtbar.< hielt Talissa dagegen. >Ohne diese Kontakte würden wir vollkommen ahnungslos bleiben.<
>Und wäre das so schlimm? Unsere Existenz beruht nur darauf, uns im Verborgenen zu halten. Wäre es daher nicht klug uns völlig von der Welt abzuschotten?< Es war nicht das erste Mal, dass Dana solche Gedanken äußerte und genauso wie jedes Mal vorher, erschreckte Talissa sich über die Gleichgültigkeit ihrer zweit jüngsten Schwester.
>Willst du denn nicht herausfinden, wohin du gehörst? Wer du in Wirklichkeit bist und was deine Bestimmung ist?< fragte Talissa sie schwermütig und kannte die Antwort schon.
>Nein. Und mögen die Götter meine Zeugen sein, ich pfeif auf meine Bestimmung.<
>Dana, hüte deine Zunge.< fuhr Talissa sie an, auch wenn es beim Laufen recht schwer ging. >Lass die Götter daraus, du weißt doch, dass sie uns im Auge behalten.<
>Ich will sogar das sie es hören. Vielleicht hat dann meine nichtsnutzige Existenz hier ein Ende.<
Beschämt und traurig über die Gedanken ihrer Schwester verfiel Talissa in Schweigen. Sie wusste selber nicht, warum sie das noch so mitnahm. Dana hatte nie ein Geheimnis darüber gemacht, dass sie sterben wollte. Der einzige Grund warum sie noch lebte war, dass Dana Selbstmord für eine feige und schwache Tat hielt und das Letzte was sie wollte war, mit einer feigen und schwachen Tat von dieser Welt abzutreten.
Doch jetzt musste Talissa sich auf etwas anders und viel Drängenderes konzentrieren. Gemeinsam mit ihrer Schwester schritt sie auf ein kleines einstöckiges Haus zu. Es unterschied sich von nichts von den anderen Häusern, nur beherbergte dieses Haus die einzigen Kreaturen ihrer Art. Dana stieß die Tür so fest auf, dass sie von der Wand wieder abprallte und dann hinter Talissa ins Schloss fiel. Blitzschnell schob Talissa den schweren Riegel vor die Tür. Man konnte ja nicht wissen, wer einen verfolgte ohne bemerkt zu werden.
Das große Wohnzimmer, in dem sie standen, hatte nur zwei unbequeme Sofas, einen kleinen, wackeligen Holztisch und noch einen großen Holzkasten. Das wichtigste in diesem ganzen Haus war wohl dieser Holzkasten, da drinnen verbargen sie ihre Waffen und die wenigen wichtigen Habseligkeiten, die sie besaßen. Es brannte nur eine Kerze in diesem Zimmer, die auf dem Tisch stand und ließ Talissas zweite Schwester, die auf einem der Sofas lümmelte erstrahlen.
>Ich hab mich schon gefragt, wo ihr abgeblieben seid.< war die gelangweilte Begrüßung von Alena.
>Es ist etwas schlimmes geschehen.< kam Talissa gleich auf dem Punkt und die Reaktionen, die sie bekam, hätten nicht unterschiedlicher sein können. Während Alena sich mit besorgter Miene aufsetzte, schlenderte Dana, die Ruhe selbst, hinter dem Sofa, auf dem Alena saß.
Da schien Alena plötzlich etwas aufzufallen, ihr gehetzter Blick durchsuchte blitzschnell den Raum. Dann mit einer grauenvollen Ahnung in den Augen, schaute sie wieder zu Talissa. >Wo ist Belle?<
Zitternd holte Talissa Luft. >Sie wurde entführt.<
Entsetzt sprang Alena auf und schlug sich Hände vor den Mund. Dana wurde plötzlich ganz starr, auch wenn sie sich keinen Millimeter gerührt hatte. >Oh, ihr Götter.< stieß Alena mit erstickter Stimme hervor. >Wie…?<
>Marchasias hat mich kurz nachdem es geschehen ist kontaktiert. Er sagte, es sei ein Mann gewesen und es wäre nicht geplant gewesen.< erzählte Talissa bevor Alena ihre Frage zu Ende formulieren konnte.
>Wieso hat er ihr nicht geholfen, wenn er es gesehen hat?< fauchte urplötzlich Dana und hatte ihre Fingernägel in das Sofa gekrallt. Ganz gleich was Dana auch sagte, oder nicht sagte, sie liebte ihre Schwestern, sogar Belle, die die schwächste von ihnen war.
>Du kennst ihn doch. Er sieht und hört alles, aber eingreifen kann er nicht. Er kann uns nur helfen den richtigen Weg zu finden.< sagte Talissa ganz ruhig.
>Es geht mir gehörig auf die Nerven, das er ein körperloses Schattenwesen ist. Langsam glaube ich, er kann uns helfen, aber er will nicht.<
>Sprich nicht so über ihn.< ermahnte Talissa ihre aufgebrachte Schwester. >Er hat viel mehr für uns getan, als wir es eigentlich verdient hätten. Er hat uns zusammen gebracht. Ohne ihn würden wir nicht einmal wissen, dass wir Schwestern haben.<
Mit zornigen Blick und zusammengepresste Lippen brach Dana den Blickkontakt ab und Talissa wusste, dass das ein Zeichen von Zustimmung war. Dana war nie ein Freund der Worte gewesen. Um sie verstehen zu können, musste man sie genau beobachten.
>Was sollen wir jetzt tun?< lenkte Alena die Aufmerksamkeit auf sich. Ihre Hände zitterten und um sich selbst zu beruhigen streichelte sie ihren eigenen Handrücken. Alena hatte die seltsame Eigenart sich nach Körperkontakt zu sehnen.
Um Alena zu trösten, schritt sie auf sie zu und legte einen Arm um ihre Schulter. Sofort hörte sie auf zu zittern, behielt aber die Streicheleinheiten für ihre Hand bei. >Ich werde nach ihr suchen.< verkündete Talissa dann in die Stille hinein. >Dana, du wirst weiter versuchen herauszufinden, welcher Art die Bedrohung ist.<
Ein stummes Nicken von Dana zeigte ihre Zustimmung. >Alena, du wirst hier bleiben. Ich befürchte, dass es nicht mehr lange dauern wird bis auch hier Unruhen herrschen. Du musst sie im Schach halten, bis wir wieder zurück sind.<
>Und wieso kann ich nicht etwas anders machen? Vielleicht etwas Nützliches.< gab Alena ihren Wiederwillen über ihre Aufgabe preis.
>Jemand muss es machen.< gab Talissa zu bedenken. >Und du bist dafür die Richtige. Die Leute hier mögen deine offene und witzige Art.<
Mit verbissenem Gesichtsausdruck dachte Alena nach, bis sie dann nur nickte. Dankend drückte Talissa sie noch einmal an sich und schritt dann auf die schiefe Treppe zu. >Ich breche morgen früh auf. Viel Glück.<
Schnell rannte sie rauf und in ihr Zimmer. Auf ihrem kleinen Strohbett ließ sie sich erschöpft fallen und fiel dann in einen traumlosen Schlaf.

Wenn man in eine Stadt geht und das auch noch in der Nacht, dann sah alles ganz anders aus, als auf dem Lande. Hier trauten sich noch Leute auf die Straße, auch wenn sie immer wieder nervöse Blicke über die Schulter warfen. Absolut jeder hatte Angst, das nächste Opfer zu werden. Im großen Städtchen Klauenfalle war es nicht anders. Den ganzen Tag hatte Talissa hier her gebraucht. Ein Pferd besaß sie nicht und die Pferde, die in ihrem kleinen Örtchen lebten, wurden für den Ackerbau gebraucht.
Auch hier lebten die verschiedenen Mythenwesen zusammen, Elfen, Elben, Vampire und sogar ein kleines Lykanerrudel. Hier zwischen den hohen Häusern und den dunklen Gassen voll mit Vampiren und Elfen und Lykanern schlenderte Talissa hindurch. Ihr langer Umhang wehte im frischen Sommerwind und ihre Kapuze bedeckte mehr als die Hälfte ihres Gesichts. Sie konnte es sich nicht leisten aufzufallen und da in der Mythenwelt es nicht weiter verwunderlich war, wenn eine vermummte Gestallt durch die Städte und Dörfer strich, konnte sie sich ohne großen Gedanken zu ihrem Treffpunkt gelangen.
Die Kneipe war recht groß und umfasste zwei Stockwerke. Der Name war „Lauerndes Elfenauge“ und es war die beliebteste Kneipe in dieser Stadt. Talissa hatte schon früh gemerkt, dass man weniger belauscht wurde wenn einen viele Leute umgaben. Lautes Gelächter und Gespräche drangen an ihre empfindlichen Ohren und zwei betrunkene Elfen saßen auf den Stufen, die zur Eingangstür führten, und erzählten sich ihre Lebensgeschichten.
Ohne auf die beiden Betrunkenen, von dem jetzt einer begonnen hatte zu weinen, zu beachten, schritt Talissa mit stolzen Schritt durch die Tür und wurde mit stickender und nach Alkohol riechender Hitze begrüßt. Es saßen und standen hauptsächlich Elfen und Elben in dem unteren Raum, der andere Stock wurde von Lykanern besetzt, da diese etwas anders unter dem Begriff Party verstanden. Vampire traf man hier so gut wie nie an.
Da hier sowieso niemand mit spitzen Ohren auffiel streifte sie sich ihre Kapuze ab und schlängelte sich durch die vielen Leute bis zur Bar durch. Der Barmann war ein großer stämmiger Typ, mit kurzen schwarzen Haaren, einer Hackennase und weißen Augen. An seinen viel zu spitzen Ohren und den weißen Augen konnte man erkennen, dass er ein Elb war und sein Name war Paloron.
Er schenkte gerade einen Krug mit Bier ein, als sie endlich am Tresen ankam und sich erschöpft dagegen lehnte. Paloron überreichte den Krug dem Elfen, der dann mit lautem Gebärden in der Menge verschwand, als er sie dann erblickte. >Talissa.< grüßte er sie freundlich, zog sie etwas über die Theke und küsste ihre Wange. >Schon lange nicht mehr gesehen. Was willst du denn?<
>Nur einen Apfelsaft, danke.< lächelte sie ihn an. >Wie ich sehe, hast du den Laden immer noch so gut im Griff.<
Selbstzufrieden grinste er, während er ihr ein Glas Apfelsaft hinstellte. Er stützte seine Arme am Tresen ab und musterte sie genau. Wie fast jeder Mann fand er sie wunderschön und auch wenn er sie schon unzählige Male gesehen hatte, so verzückte sie ihn immer aufs Neue. Schon vor Jahrhunderten hatte Talissa diese Kleinigkeit hingenommen, auch wenn es ab und zu noch nervte.
>Was hast du denn erwartet?< fragte er sie herausfordern.
>Ich weiß nicht. Vielleicht, das du endlich das Handtuch geschmissen hast und dir eine ruhigere Arbeit gesucht hast.< scherzte sie schelmisch grinsend.
Er gab einen amüsierten Laut von sich. >Wenn ich nicht mehr wäre, wüssten die alle hier nicht mehr wohin sie gehen sollen. Sie sind auf mich angewiesen.<
>Mit Alkohol und kleinen Zimmern im Keller?<
>Genau. Es gibt nicht viele Kneipen, die das anbieten, was ich anbiete.<
In der Mythenwelt war Alkohol fast schon ein Gift. Alkohol wirkte sich auf jede Art anders aus, jedoch hatten alle die gleichen Resultate. Sie wurden hemmungslos und mutig und unglaublich leichtsinnig, das es in manchen Städten verboten war Alkohol anzubieten. Manch einer wurde sogar nur von dem Geruch berauscht. Kein Wunder also, wenn viele Leute anreisten, nur um hier einmal den Geschmack von Alkohol zu kosten. Talissa selbst hatte noch nie den Wunsch verspürt diesem legalen Gift nachzugeben.
>Du bist ein Engel, Paloron.< grinste sie nur.
>Wartest du wieder auf deinen Mann?< wollte er dann ernst wissen. Das Tolle an ihm war, das man mit ihm scherzen und gleichzeitig ernsthaft reden konnte. Doch über dieses Thema wollte sie nie reden und er wusste das verdammt genau.
>Ja.< antwortete sie nur.
Er holte gerade Luft um noch etwa zu sagen, doch da wurde er von einer wunderschönen Elfe abgelenkt, die ihn zu sich winkte und ihm dann etwas ins Ohr säuselte. Talissa dankte den Göttern, dass Paloron sich wieder seiner Arbeit widmete. Jedoch blieb sie nicht lange allein.
Ein großer Elf stolperte gegen sie, entschuldigte sich lallend bei ihr und stellte sich dann ganz dicht neben sie. >Hallo, meine Schöne. Könnte ich Sie zu einem Getränkt einladen?< fragte er und hoffte wohl, dass er dabei sexy klang. Doch seine halb geschlossenen Augen und der Gestand von Alkohol aus seinem Mund, machten das schier unmöglich.
>Nein, danke. Ich warte auf jemanden.< versuchte sie ihn nett abzuwimmeln. Er war ja nicht der erste, der Interesse an ihr zeigte.
>Er ist ja noch nicht da.< stellte er dann fest und hatte die Frechheit einen Arm um ihre Taille zu legen. >Was hältst du davon, wenn wir uns inzwischen ein wenig vergnügen würden?<
>Ich halte gar nichts davon.< stellte sie jetzt leicht aufgebracht klar und schüttelte seinen Arm, der um ihre Taille geschwungen war, ab, und versuchte mehr Distanz zwischen sie zu bringen. >Ich bin meinem Mann treu.<
>Einen Mann?< fragte er, so als habe er nicht richtig gehört. Als er dann kurz nachgedacht hatte, rückte er ihr wieder auf die Pelle. >Er muss ja nichts erfahren.<
>Das Blutband kann man nicht umgehen. Er würde es fühlen.< erklärte sie ihm und wunderten sich im Augenblick selber, wie dieser Mann nur auf so eine bescheuerte Idee kam. Immerhin war er selber ein Elf und er musste sich mit dem Blutband bestens auskennen.
>Ich rieche aber, dass du noch nicht sein Blut getrunken hast.< sagte er plötzlich. Röte stieg in ihr Gesicht. Sie hatte keine Lust diesem Trunkenbold das zu erklären. >Du musst ja richtig unsicher sein, wenn du noch frei bist.<
>Ich glaube kaum, dass dich mein Privatleben etwas angeht.< fauchte sie ungehalten und fletschte unwillkürlich ihre Zähne und dabei kamen ihre beiden spitzen Eckzähne hervor.
Leider bewirkte das genau das Gegenteil, das sie eigentlich erreichen wollte. Statt ihn abzuschrecken, hatte sie ihn nur noch wilder auf sie gemacht. Er drückte sie plötzlich gegen die Theke, die Hände neben ihr abgestützt und hielt sie somit gefangen. >Zier dich doch nicht so. Du brauchst Abwechslung, das weiß ich genau.< schnurrte er und eine unglaublich ekelige Alkoholfahne blies ihr ins Gesicht.
Er rückte mit seinem Gesicht ihrem immer näher und sie war kurz davor ihre kleine Geheimwaffe einzusetzen, doch zuvor landete eine große Hand auf der Schulter des Kerls. Verwirrt, wer ihn da wohl gerade gestört hatte, drehte sich der Kerl um und sah sich einem Riesen gegenüber. Zwar wirkten seine schlanke Statur, die etwas längeren weißen Haare, die weichen Gesichtszüge, die geschwungenen Lippen und die glitzernden Augen nicht gerade furchteinflößend, aber das machte alles seine unglaubliche Größe wett. Die goldenen Augen des Kerls wurden vor Angst größer und beinahe reflexartig rückte er von Talissa ab.
>Wolltest du meine Frau gerade wirklich dazu verführen mich zu betrügen?< fragte der große Mann scheinbar ruhig.
Das ohnehin weiße Gesicht des Mannes wurde noch weißer, so dass Talissa beinahe fürchtete, er würde ohnmächtig werden. >Was,… ich? Oh…nein, nein, nein… Ich…ich…< stotterte er und Talissa stellte sich gerade mit einem Grinsen vor, wie er sich gleich in die Hose machen würde.
>Wollte gerade gehen.< beendete ihr Retter den Satz für den Angsthasen. Eifrig nickend stimmte er ihm zu und drängelte sich dann durch die Menge, die sich nicht weiter daran störte, wenn er sie anrempelte.
Noch mit einem letzten bösen Blick schaute er ihm nach, dann wandte er sich an Talissa. Dankbar lächelte sie ihn an. >Hallo, Wekoron. Wo warst du solange?< grüßte sie ihn.
Statt einer Antwort nahm er den Platz ein, den der Kerl freigegeben hatte, griff um sie herum und nahm dann einen kräftigen Schluck von ihrem Apfelsaft. >Ich hab dich auch vermisst, mein Schatz.< sagte er dann nur grinsend.
Seine Nähe und die Kosenamen störten sie nicht, auch wenn sie keine romantischen Gefühle für ihn hegte und er für sie genauso wenig. Es war ein tragischer Unfall gewesen, dass er ihr Blut getrunken und sich somit bis in alle Ewigkeit an sie gebunden hatte. Das war jetzt fast sechshundert Jahre her und die beiden hatten sich damit abgefunden und sich an diese Beziehung gewöhnt. Während er in der Welt herumreiste und seine Kontakte in der nicht ganz legalen und freundlichen Unterwelt der Mythenwelt pflegte, blieb sie Zuhause und kümmerte sich um ihre Schwestern. Nur alle paar Jahrzehnte trafen sie sich und selbst da hatten sie immer etwas zu tun.
>Also warum hast du mich hergerufen?< fragte er neugierig. Mit hergerufen meinte er nichts anders, als das sie ihn sich so sehr herbeigewünscht hatte, dass er es durch ihr Blutband gespürt hatte und so wie immer war er gekommen.
>Ich brauche deine Hilfe.< sagte sie mit ernstem Blick.
>Das nehme ich an, denn sonst würdest du mich niemals zu dir holen.< nickte er nur und drückte sie plötzlich mit seinem ganzen Körper gegen ihren, sodass sie gegen den Tresen gedrückt wurde. Sie ließ ihn einfach mal machen. So wie sie ihre Beziehung hinnahm, so machte er sich darüber lustig, entweder mit Scherzen, oder mit so offenkundigen Besitzansprüchen.
>Meine Schwester wurde entführt.< erzählte sie ihm, woraufhin er sie geschockt ansah.
>Welche denn?< fragte er dann und begann hinter ihrem Rücken mit einem ihrer Haarsträhne zu spielen.
>Belle.<
>Die jüngste. Oh, das ist fies.<
>Wirst du mir helfen?<
>Natürlich. Sag mir nur von welcher Art ihr Entführer war und ich werde mich umhören.< versprach er ihr und begann dann ganz plötzlich ihren Hals zu küssen. Überrascht das sich das unerwarteter Weise so gut anfühlte, riss sie die Augen auf und keuchte auf.
>Wekoron, was tust du da?< fragte sie atemlos.
>Er sieht her, ich kann es spüren.< nuschelte er an ihren Hals. Seine heißen Lippen drückten sich an ihrer empfindlichen Haut und beinahe hätte sie aufgestöhnt. Na ja, so aufgefallen wäre sie sowieso nicht. Hier küssten sich viele Pärchen in den Ecken und eines saß sogar auf den Boden an einer Wand gelehnt da. Wenn sie aufstöhnen würde, wäre sie nur eine von vielen. Jedoch die einzige, die nicht betrunken war.
>Bist du etwa eifersüchtig?< versuchte sie die altbekannte Lässigkeit zwischen ihnen wiederherzustellen.
>Ja. Du bist meine Frau, da muss ich dich beschützen.< erklärte er und saugte dann mit einem genüsslichen Geräusch an ihrem Hals. Es war nicht das erste Mal, dass sie das perfekte Pärchen in der Öffentlichkeit spielten, aber dass sie so reagierte war ganz untypisch. Jedoch wollte sie sich nicht wehren und ihn wieder zur Ordnung rufen.
>Weißt du, was ihm wirklich klar machen würde, das du mir gehörst?< fragte er und löste sich plötzlich von ihrem Hals. Schnell setzte sie ihre ruhige und lockere Miene auf, damit er ihre Hingabe nicht sehen konnte. Vielleicht mag sie auf ihn so reagieren, das hieß aber noch lange nicht, dass er das gleiche empfand. Wekoron war schon immer jemand, der leicht mit Küssen und Berührungen umging. Er galt in seiner Heimatstadt nicht umsonst als der Frauenmacher.
>Und was?< wollte sie wissen, um nur zu verdrängen, dass Wekoron schon einige Frauen im Bett gehabt hatte.
>Wenn wir uns kurz küssen würden und dann gehen würden. Jeder Idiot und Trunkenbold würden diesen Wink verstehen.< erklärte er ihr frech grinsend.
Selbst wenn sie gerade nicht in so einer Situation wären, würde sie ihn gerne küssen. Auch wenn es nicht ihr erster Kuss wäre, so würde sie vermutlich das erste Mal etwas dabei spüren. >Von mir aus.< stimmte sie gespielt gleichgültig zu.
Dann lagen seine Lippen auch schon auf ihre und in ihr flatterten plötzlich tausend Schmetterlinge herum und ihr wurde heiß, so unglaublich heiß. Automatisch schlang sie einen Arm um seinen Hals, um ihn noch enger an sich zu ziehen. Es fühlte sich einfach so unglaublich richtig an und sie wollte am liebsten gar nicht mehr aufhören. Jedoch fiel ihr gerade im richtigen Moment wieder ein, das sie eigentlich nur Freunde waren und Freunde taten so etwas nicht.
Sie zog kräftig an seinem Haar und brachte seine Lippen somit etwas auf Abstand. Leider liebte Wekoron die extravaganten Dinge und nahm noch schnell ihre Unterlippe zwischen die Zähne. Auch wenn das gerade unglaublich erregend war, konnte sie nur sagen: >Okay. Ich glaube, die Botschaft ist angekommen.<
Schelmisch grinste er. >Man kann nie vorsichtig genug sein.< Er griff wieder um sie herum und leerte ihr Glas dann mit fast einem Zug. Dann hielt er ihr den letzten Rest hin und das hatte sich kaum gelohnt, dennoch trank sie es gierig, da ihr Mund so unglaublich trocken war. Auch wenn sie vor nicht mal ein paar Sekunden Speichelaustausch mit Wekoron hatte, war sie unglaublich durstig.
Wekoron kramte in seiner unglaublich schicken Hose herum, holte ein Goldstück hervor und rief dann nach Paloron. Der Barmann konnte gerade noch lächeln, bevor Wekoron ihm das Goldstück hin schnipste und dann Talissa durch die Menge zog. >Du hast ihm gerade achtzig Prozent Trinkgeld gegeben.< stellte Talissa fest.
>Schön für ihn.< sagte Wekoron nur und hatte dann endlich die Tür erreicht.
Draußen war es angenehm kühl und Talissa konnte endlich mal wieder richtig durchatmen. Die zwei Betrunkenen auf der Stiege hatten von einer Frau Gesellschaft bekommen, die gerade an den Lippen des anderen hing und das Gesicht des anderen in ihren Ausschnitt drückte.
Nicht weiter darauf achtend, schlenderten Talissa und Wekoron noch immer Hand in Hand die lange Straße entlang. Leute kamen ihnen entgegen, manche betrunken manche nicht. >Jetzt weiter über deine Schwester.< nahm Wekoron plötzlich wieder den Faden ihres unterbrochenen Gesprächs auf. >Also wer hat sie entführt?<
Etwas unwohl kaute sie zuerst auf ihre Unterlippe und bildete sich dabei noch ein seine Zähne zu spüren. >Ehrlich gesagt, werden uns deine Kontakte nicht viel nützen.<
>Wie darf ich das verstehen?< fragte er verwirrt und bog mit ihr in eine kleine Seitengasse.
>Lass uns noch schnell klären, wohin du mich bringst.< weichte sie vorerst der Antwort, die sie sowieso geben musste, aus.
>Ich habe ein Zimmer in einem netten Gasthaus bekommen. Da ich annehme, dass wir wieder für ein paar Tage zusammen sein werden, nehm ich dich gleich mit in mein Quartier. Und jetzt antworte.<
>Okay. Der Entführer ist keinesfalls kriminell.<
>Wenn er nicht kriminell ist, wie kann er dann deine Schwester entführt haben?<
>So meinte ich das nicht. Ich will damit sagen, dass der Entführer keine Ahnung hatte was er getan hat. Die Entführung war ungeplant gewesen. Kein anständiger Krimineller wird ohne einen Plan zuschlagen.<
>Da hast du recht.< gab er zu. >Aber wenn er nicht in den Untergrundkreisen herumschwirrt, wie soll ich dir dann dabei helfen können?<
>Du kennst dich mit Entführern aus. Ich weiß auch, dass du es selbst einmal versucht hast. Darum dachte ich, du könntest mir mit deinem Wissen helfen.< erklärte sie kurz, auch wenn sie wusste, dass es etwas unlogisch klang.
>Zuerst einmal: Ich habe nur einmal versucht jemanden zu entführen und das ging nach hinten los. Zweitens: Werde ich versuchen dir zu helfen, ich garantiere aber für nichts. Und Drittens: Was bekomm ich dafür, wenn ich dir helfe?<
>Was du willst. Geld, Schmuck, vielleicht auch eine Frau.< zählte sie gelangweilt auf, auch wenn der Gedanke, dass er als Bezahlung eine andere Frau haben wollte, sie rasend machte, so blieb sie so ruhig wie zuvor.
>Nichts dergleichen. Ich will ein Date mit dir.<
Überrascht und geschockt blieb sie stehen und da sie noch immer Händchen hielten, zwang sie auch ihn stehen zu bleiben. >Bitte, was?< hakte sie sicherheitshalber nach.
>Ich will ein Date mit dir.< wiederholte er sachlich.
>Wieso?< hakte sie nach.
>Es könnte amüsant werden und außerdem so hab ich endlich mal einen Grund mit dir ordentlich Essen zu gehen.<
>Wir haben schon zusammen gegessen.<
>Ja, aber noch nie so seriös und schick. Ich will dich einmal in einem hübschen Kleid sehen, mit Verzierungen und Stöckelschuhen.<
>Das ist alles? Nur ein Date?<
>Nur ein Date, es sei denn du willst danach mehr. Da könnte ich mich vielleicht mit mir reden lassen, aber warten wir einmal wie dann das Essen wird.< Er hatte ja keine Ahnung wie gern sie dann mit ihm mehr machen möchte. Verdammt, was war nur mit ihr los? Wekoron war nur ein Freund, ein etwas eigenartiger Freund, aber ein Freund. Der Beste den man sich nur vorstellen konnte und jetzt lechzte sie nach ihm, wie ein kleines Schulmädchen.
>Von mir aus.< stimmte sie dann seiner kleinen Bedingung zu und sie gingen weiter.
>Du hast mir noch immer nicht gesagt, wer sie entführt hat.< ließ er sie dann nach einer kurzen Weile wissen.
Oje, das wird jetzt eine kleine Ohrfeige werden.
Am besten sie sagte es schnell und schmerzlos. >Es war ein Engel.<

Kommentare Seite 1 von 1
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DarkAngel2 ( 02948 )
Abgeschickt vor 944 Tagen
Bitte schreib schnellstmöglich weiter!!!!!
Cat ( 21714 )
Abgeschickt vor 961 Tagen
Die Geschichte ist echt der Hammer! Du musst unbedingt weiter schreiben. : )
Sky ( 69835 )
Abgeschickt vor 977 Tagen
Meeega geil! Bitte bitte schreib weiter du hast echt Talent! Ich mag fantasy eigentlich nicht aber ich liebe deine Geschichte!!! Also biiiiitttteeee schreib weiter!
Lisa ( 73781 )
Abgeschickt vor 977 Tagen
Bitte Bitte schreib weiter. Ich finde die Geschichte einfach nur geil will wissen wie es weiter geht
Linchen0809 ( 32254 )
Abgeschickt vor 1171 Tagen
Bitte schreib weiter. Diese Geschichte zieht einen so in ihren Bann, dass man unbedingt wissen will, wie es weiter geht.
7508 ( 50226 )
Abgeschickt vor 1176 Tagen
Die Geschichte hat mich ganz und gar in den Bann gezogen und ich freue mich auf eine Fortsetzung!
Kathaa ( 83692 )
Abgeschickt vor 1178 Tagen
WOW! Geniale Geschichte, genialer Schreibstil! Hoffe du schreibst weiter :) Interessante Idee, ziemlich fantasievoll! Freue mich auf jedes weitere Lebenszeichen von dir und deinen Figuren :D
Lg Kathaa