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Eine wahre Geschichte vom Tanzen im Regen

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11 Kapitel - 11.112 Wörter - Erstellt von: AllJustDestiny - Aktualisiert am: 2013-11-15 - Entwickelt am: - 3.457 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

Diese Geschichte ist tatsächlich wahr. Es ist mein Leben. Zugegeben, in abgewandelter Form und natürlich noch nicht zu Ende erzählt. Ich war niemals in der Nokturngasse, sondern auf einem zwielichtigen Markt im Ausland. Offensichtlich geht es hier um eine gewöhnliche Schule, nicht um Hogwarts. Meine Lehrerin war auch niemals Umbridge, auch wenn sie sich zweifellos ebenso ekelhaft verhalten hat.
Es geht um die Ereignisse, traurig, witzig, spannend und romantisch. Alles, was das Leben zu bieten hat. Und alle sind wahr.

    1
    Kapitel 1
    „BUH!“
    Parvati kreischte auf und wirbelte mit gezücktem Zauberstab herum.
    „Man, Lavender, du doofe Kuh!“, rief sie wütend und schlang schützend die Arme um sich. Ich lachte sie zwar aus, doch auch ich fühlte mich unwohl. Zusammen mit Daphne Greengrass und Padma, Parvatis Zwillingsschwester, streiften wir durch die Nokturngasse und sahen uns ebenso interessiert wie nervös um. All die Jahre, in denen ich mich gefragt habe, wie es hier wohl sein mag, wurden nun durch eine andere Frage ersetzt: War das Erlebnis es wirklich wert?
    „Hey, schaut euch mal die Umhänge da an!“, rief Parvati plötzlich und deutete auf einen zwielichtigen Stand an der Ecke.
    Ehe irgendeiner von uns eingreifen konnte, stand sie schon bei den mit Gold, Silber und glitzernden Fäden bestickten Umhängen. Bei Mode war sie einfach nicht mehr zu halten. Die Umhänge waren zweifellos schön, was ich mir trotz meines Unwohlseins widerwillig eingestehen musste.
    „Kann ich Ihnen helfen?“ Padma zuckte heftig zusammen, als ein langwüchsiger Zauberer plötzlich vor ihr und Parvati auftauchte. Sein dunkles Haar klebte fettig an seiner Kopfhaut und hing in vereinzelten Strähnen in sein Gesicht, während er sie mit schiefen, dunkelgelben Zähnen angrinste. Ich schauderte und beschränkte mich darauf mich zwischen den Umhängen zu verbergen.
    „Wie viel kostet der hier?“, fragte Parvati und zog einen am Saum rot bestickten Umhang hervor.
    „Sieben Sickel“, antwortete der Mann schnarrend. Gegen meinen Willen war ich beeindruckt. Das war echt kein schlechter Preis…
    „Lily…“ Ich wandte mich um, als Daphne hinter mir meinen Namen flüsterte. „Lass uns verschwinden. Diese Typen sind komisch.“
    „Typen?“, fragte ich leise und verwundert. Mehrzahl?
    Daphne zuckte mit dem Kopf in die andere Richtung. Ein kleiner, gedrungener Zauberer stand einen Meter abseits des Standes und musterte uns mit blutunterlaufenen Augen. Und als ich zurück zu Parvati sah, die ihren Geldbeutel zückte, um den Umhang zu zahlen, bemerkte ich einen weiteren Mann hinter dem, der Parvati bediente. Er war größer und breitschultriger. Seine hervorquellenden Augen waren auf mich gerichtet.
    Ich war froh, als Parvati endlich zahlte und wir verschwinden konnten. Ihre Tüte raschelte und schaukelte in ihrer Hand hin und her.
    „Wollen wir zurück zur Winkelgasse? Ist doch irgendwie langweilig hier“, gab Lavender naserümpfend zu bedenken. Ich stimmte zu und Padma sah aus, als sei sie erleichtert einfach bloß aus dieser unheimlichen Umgebung verschwinden zu können.
    „Zieh den Umhang mal an!“, forderte ich Parvati auf, als wir endlich wieder von gewöhnlichen Zauberern und Hexen umringt waren. Sie nickte und warf sich den Umhang über die Schultern, um ihn vorne am Hals mit einer Brosche zu verschließen.
    „Echt hübsch!“, kommentierte ich, während sie sich im Schaufenster von Florish & Blotts bewunderte.
    „Sieht toll aus“, bestätigte Lavender und Daphne und Padma nickten.
    In diesem Moment schrie Parvati jedoch auf und fasste sich an den Hals. Ihr hübsches Gesicht lief urplötzlich scharlachrot an und ihre Augen traten hervor.
    „Parvati!“, kreischte Padma und rannte auf sie zu, als Parvati an dem Kragen des Umhangs riss.
    „Scheiße!“, fluchte ich und zog schon meinen Zauberstab, als es Padma gelang die Brosche zu öffnen und Parvati erleichtert aufatmete.
    „Was war das denn?“, fragte Lavender entsetzt.
    „Keine Ahnung!“, keuchte Parvati und stopfte den Umhang mit zitternden Händen zurück in die Tüte. „Das Ding hat mir plötzlich die Luft abgeschnürt! Ich habe gar nichts gemacht!“
    „Diese Scheißkerle!“, regte sich Lavender sofort auf. „Die haben das verflucht! Deswegen war der so billig! Die stehen jetzt da und lachen sich einen ab! Ey, über solche Typen kann ich mich echt aufregen! Wie krank im Kopf muss man sein?“
    „Kein Geld, keine Ausbildung. Also stellen die sich da hin und verkaufen Killerumhänge“, meinte ich.
    „Nein, nicht mit mir!“, rief Parvati bestimmt und packte mich am Handgelenk, um mich mit sich zu schleifen. Die anderen liefen uns hinterher, als Parvati sich schnurstracks zurück zur Nokturngasse bewegte.
    „Was hast du vor?“, fragte Padma. „Du kannst dich doch nicht mit denen anlegen! Du bist ja verrückt!“
    „Ich lege mich mit niemandem an“, behauptete sie und ich riss mich von ihr los, um allein gehen zu können. „Ich will bloß mein Geld wiederhaben. Das ist alles.“
    „Das geben die dir nie“, murmelte Daphne in sich hinein. Vielleicht hätte sie etwas lauter Einwand erhoben und wahrscheinlich wäre Parvati gar nicht gegangen, wenn wir gewusst hätten, was uns erwarten sollte…

    2
    „Ich will diesen Umhang hier zurückgeben!“, stellte Parvati mit kühler Stimme klar und hielt dem Verkäufer die Tüte mit dem Killerumhang unter die Nase.
    „Sind Sie unzufrieden?“, fragte der Mann mit den schmierigen Haaren und den gelben Zähnen. „Wollen Sie sich einen anderen aussuchen?“
    „Nein, ich will mir keinen von den Umhängen aussuchen!“, sagte sie mit festerer Stimme, als ich sie gehabt hätte. Ich konnte nicht umhin, sie für ihre Standhaftigkeit zu bewundern, während ich mich zwischen einigen Umhängen verdrückte. In diesem Moment bemerkte ich den großen Mann, der mich nach wie vor mit seinen verquellenden Augen beobachtete.
    „Geben Sie mir einfach mein Geld wieder und Sie kriegen Ihren Umhang zurück“, forderte Parvati nun.
    „Das geht nicht“, behauptete der Mann.
    „Wieso nicht?“, hakte sie sofort nach.
    „Unser Boss holt das Geld regelmäßig ab. Wir haben nicht genug da.“
    „Sie haben keine sieben Sickel da? Das wollen Sie mir doch nicht ernsthaft erzählen, oder?“
    „Geben Sie uns den Umhang wieder oder lassen Sie’s. Wir können Ihnen das Geld nicht geben“, versuchte der Mann ihr deutlich zu machen. Parvati schien richtig angepisst. Und auch ich wurde so langsam wütend. Entschlossen ihr zu helfen und den Typen zu beweisen, wie dumm sie waren, griff ich mir den erstbesten Umhang von einer Stange und ging damit zu dem hünenhaften Mann, der mich die ganze Zeit über angestarrt hatte.
    „Ich soll Ihnen den Umhang wiedergeben? Und die sieben Sickel behalten sie dann? Als Geschenk, oder was?“, fauchte Parvati währenddessen zornig.
    Ich ignorierte sie, lächelte den großen Mann vor mir freundlich an und versuchte zu verbergen, dass meine Hände vor Angst zitterten, als ich sagte: „Kann ich diesen Umhang bitte kaufen?“
    Ich spürte die verwirrten Blicke der anderen in meinem Nacken. Nein, ich war nicht verrückt geworden. Ich hatte einen Plan.
    „Natürlich. Das macht dann sieben Sickel“, sagte der Mann und nahm mir den Umhang ab, um ihn mir in eine Tüte zu packen. Als er wiederkehrte, wartete er auf mein Geld.
    „Bitte“, sagte ich und machte Anstalten ihm eine Galleone zu überreichen.
    Er streckte bereits seine Hand danach aus, als ich meine zurückzog und misstrauisch fragte: „Sie haben genug Wechselgeld da?“
    „Natürlich“, antwortete er verwundert.
    Grinsend steckte ich die Galleone wieder ein. Da hatten wir’s.
    „Sie haben zehn Sickel, die Sie mir als Wechselgeld geben könnten, aber keine sieben Sickel, um sie meiner Freundin für den Umhang zurückzugeben? Sie merken selber, dass das ziemlich unlogisch ist, oder?“, vergewisserte ich mich. Aus den Augenwinkeln sah ich Parvati, Padma, Daphne und Lavender schadenfroh lächeln. Einen Moment glaubte ich, es geschafft zu haben.
    „Wollen Sie jetzt den Umhang kaufen oder nicht?“, fragte der Mann jedoch nur genervt. Da wurde mir bewusst, er hatte gar nicht den Grips meine Falle nachzuvollziehen.
    „Nein, ich will diesen scheiß Umhang nicht!“, rief ich wütend und enttäuscht. „Behalten Sie ihren Dreck, von mir kriegen Sie dafür sicher kein Geld!“
    „Bekomme ich jetzt mein Geld wieder?“, hakte Parvati noch einmal genervt nach.
    „Nein!“, entgegnete der schmierige Verkäufer nicht minder genervt.
    „Lass uns bitte gehen“, flüsterte Daphne leise. Ich sah mich um. Alle drei Verkäufer schienen wütend zu sein. Ihr Anblick verursachte eine Gänsehaut bei mir. Ich nickte zustimmend.
    „Okay“, willigte Parvati zögernd ein.
    Sie, Daphne und Lavender gingen schon voraus, als mich unvermutet eine Hand am Unterarm packte und festhielt. Ich zuckte zusammen und sah zu dem hünenhaften Mann mit hervorquellenden Augen auf. Mein Magen drehte sich um. Mir wurde speiübel.
    „Gib den Umhang wieder her!“, befahl er mir.
    „Welchen Umhang?“, fragte ich ernsthaft verwirrt.
    „Den, den du kaufen wolltest!“, erklärte er mit eisiger Stimme.
    „Den haben Sie in der Hand!“, machte ich ihn aufmerksam. In diesem Moment trat jedoch der gedrungene Zauberer hervor und streckte die Hände nach meiner Tasche aus. Ich zog sie gerade noch rechtzeitig weg und presste sie mit meinem freien Arm an meinen Körper. Ich bebte am ganzen Leib vor Angst, als mir klarwurde: Diese Männer wussten genau, dass ich nichts gestohlen hatte. Sie brauchten einfach nur einen Vorwand meine Sachen zu durchsuchen, um selbst wahrscheinlich etwas zu klauen.
    „Fassen Sie mich nicht an!“, zischte ich entsetzt.
    „Gib die Tasche her, Diebin!“, schnauzte der Große mich an, während der dritte seinen Zauberstab zog.
    „Nein!“, schrie ich und riss mein los. Hastig stolperte ich von ihnen weg, den einen Arm um meine Tasche geschlungen, die andere Hand umklammerte nun den Griff meines Zauberstabes.
    Ich lief hinüber zu Parvati, Daphne und Lavender und wollte gerade erleichtert aufatmen, als ich hinter mir eine verängstigte Stimme meinen Namen kreischen hörte: „LILY!“
    Erschrocken wirbelte ich herum und mein Herzschlag setzte eine Sekunde lang aus. Als er wieder einsetzte, drohte er mir die Rippen zu brechen.
    Die Mistkerle hatten Padma gepackt. Der eine umklammerte mit beiden Händen ihren linken Arm, der andere den rechten. Währenddessen hatte der dritte von hinten ihre Haare packt und zog ihren Kopf zurück, um ihr seinen Zauberstab an die Kehle zu halten.
    „Lasst sie los!“, schrie ich.
    „Komm wieder und wir lassen deine Freundin gehen“, sagte der Mann mit den gelben Zähnen.
    Sein schmieriges Grinsen lief mir eiskalt den Rücken herunter. Mir war nach Heulen zumute, doch stattdessen rief ich: „Ihr könnt mich mal! Lasst sie gehen!“
    „Gib zurück, was du gestohlen hast!“, verlangte er.
    „Ich hab nichts gestohlen!“, rief ich verzweifelt. Verdammt, das wussten sie doch! Hätte ich etwas gestohlen, würde ich es ihnen widergeben! Was würden sie nur mit mir anstellen, wenn sie mich in die Finger bekamen? Was würden sie mit Padma anstellen? „Lasst sie gehen!“
    „Hilfe!“, schrie Parvati in jenem Moment und rannte durch die Nokturngasse, um an jedes Schaufenster zu hämmern und die Leute auf uns aufmerksam zu machen. „Bitte helfen Sie uns! Hilfe! BITTE, HILFE!“
    Lavender zückte ihren Zauberstab, doch in diesem Moment taten die Männer es ihr gleich.
    Der Mann mit den schmierigen Haaren riss an Padmas Haaren und drückte ihr seinen Zauberstab immer fester an den Hals. Padma brach in Tränen aus.
    Mein Gott, ich sollte da stehen und nicht sie, schoss es mir durch den Kopf. Sie wollen mich!
    Ich wünschte, ich hätte heldenhaft gehandelt und hätte mich auf die Kerle gestürzt, hätte mich ihnen angeboten, um meine weinende Freundin zu befreien. Hätte man mich irgendwo unverbindlich gefragt, wie weit ich für meine Freunde gehen würde, hätte ich zweifellos geantwortet, dass ich mich für sie opfern würde. Doch das hier war die Realität. Und in der Realität war ich starr vor Schreck. Ich konnte meine Beine nicht bewegen und so schrie ich bloß: „LASST SIE GEHEN! BITTE! LASST SIE BITTE GEHEN!“
    Parvati rief noch immer nach Hilfe.
    Lavender hatte ihren Zauberstab gezückt. Doch sie tat nichts. Aus demselben Grund, wie wir anderen. Wir würden unsere Lage nur verschlimmern, wenn wir angreifen würden.
    „LASST SIE GEHEN!“, kreischte ich voller Verzweiflung angesichts Padmas Tränen und dem Gefühl selbst dafür die Schuld zu tragen.
    „Komm her!“, forderte der große Zauberer schon wieder. Ich spürte in Gedanken noch immer seine Hand an meinem Unterarm. Mein Herz hämmerte so laut, dass es beinahe Padmas Schluchzen übertönte. Gerade wollte ich in Tränen ausbrechen, als…
    „Hey! Was zum Teufel tun Sie da? Lassen Sie die Mädchen in Ruhe!“
    Die Männer ließen Padma wie von der Tarantel gestochen los.
    „Hagrid!“, seufzte ich so erleichtert, wie noch nie in meinem Leben. Verdammt, wie sehr man sich doch darüber freuen konnte einen Lehrer zu sehen!
    Padma schlang ihre zitternden Arme um ihren Körper und rannte zu uns herüber, wo Daphne sie schützend umarmte.
    „Sie können doch keine sechszehnjährigen Mädchen angreifen!“, brüllte Hagrid zornig. Fünfzehn, schoss es mir durch den Kopf. Aber na gut. „Was fällt Ihnen eigentlich ein?“
    Einem Erwachsenen wollten die düsteren Zauberer offensichtlich nicht die Stirn bieten. Sie zogen sich zwischen ihre Killerumhänge zurück.
    Nun traten auch einige andere Verkäufer auf die Straße und gafften uns an. Toll, dachte ich verbittert. Aber eben wollte uns keiner helfen, oder was?
    „Alles in Ordnung?“, fragte Hagrid besorgt, als er sich zu uns gesellt hatte.
    „Ja“, schniefte Padma und wischte sich die Tränen fort.
    „Am besten verschwindet ihr hier“, riet er uns. Wir nickten.
    „Danke, Hagrid“, sagte Parvati. „Ich weiß nicht, was ohne dich passiert wäre.“
    „Ja, danke“, stimmten wir anderen zu. Sein bärtiges Gesicht verzog sich zu einem wohlwollenden Lächeln.
    „Nun kommt“, meinte er jedoch bloß und scheuchte uns in Richtung Winkelgasse.
    „Wir sollten die Schweine anzeigen“, fauchte ich wütend.
    „Lass uns einfach Gras drüber wachsen lassen“, wandte Parvati ein.
    „Ich hätte die Scheißkerle verfluchen sollen!“, murrte Lavender.
    „Wir sollten sie wirklich anzeigen!“, wiederholte ich.
    „Jetzt lass gut sein, Lily“, meinte Parvati jedoch, während sie ihren Killerumhang in die nächste Tonne kloppte.
    „Nein, echt!“, rief ich und hatte gar keine Lust mich abzuregen. „Wir sollten diese Schweine…“
    „Lily!“, unterbrach Parvati mich genervt.
    „Wir hängen es einfach nicht an die große Glocke, okay?“, bat Padma uns. „Muss ja nicht jeder davon erfahren.“
    Wir nickten zustimmend.
    „Nie wieder Nokturngasse, was?“, fragte Daphne mit einem leisen Lächeln auf den Lippen.
    „Nie wieder Nokturngasse!“, stimmten wir anderen entschieden zu.

    3
    „Wir müssen jetzt wirklich los“, drängelte Papa und schaute auf seine Armbanduhr. Es war der erste September. Auch ich schaute auf die Uhr, die an der Wand des Krankenzimmers im Sankt Mungo hing. Halb elf. Mist.
    „Auf Wiedersehen“, verabschiedete ich mich von Mama und umarmte sie fest. Dann setzte ich mich zu meinem kleinen Bruder Tommy ans Bett. Er stemmte sich aus den Kissen und schlang die Arme so eng um mich, dass ich fürchtete, er würde mich nicht loslassen wollen. Doch nicht so fest wie sonst. Tommy war viel zu kraftlos geworden, für seine sonst so muskulöse Statur und seine vierzehn Jahre. Letztes Jahr noch war er Treiber für Ravenclaw gewesen und nun lag er hier und konnte nicht mitkommen.
    „Ich komme nach, sobald die Heiler rausgefunden haben, was falsch bei mir ist!“, ermunterte er mich jedoch grinsend. Ich zerwühlte seine Haare und achtete darauf seinen dabei Kopf nicht allzu sehr zu drücken, der ihm heftig wehtat. Das würde schon werden, sagte ich mir. Tommy würde werden.
    „Bis bald“, schniefte meine kleine Schwester Judie. Sie küsste Tommy und Mama, die seit Anfang der Sommerferien nicht von der Seite ihres kranken Sohnes wich.
    „Jetzt sei nicht albern, Judie“, sagte Papa lächelnd, weil Judie in Tränen ausbrach und Mama nicht loslassen wollte.
    „Ich will nicht zurück!“, schluchzte sie. Sie war zwölf. Das würde nun ihr zweites Jahr auf Hogwarts werden. In Slytherin. Ich hütete mich, mich als Gryffindor dazu zu äußern.
    „So schlimm ist es auch nicht“, lachte ich und zog sie an mich, um meinen Koffer in meine freie Hand zu nehmen, während Papa Judies nahm.
    Mit einem letzten „Auf Wiedersehen!“ für Mama und Tommy verschwanden wir aus der Tür.
    „Ist was, Lily?“, fragte Judie besorgt und wischte sich die Tränen aus den Augen. Ich bemerkte, dass ich schon wieder das Gesicht verzogen hatte.
    „Nein, nein“, wehrte ich ab und blieb kurz stehen, um meinen Koffer loszulassen und mir mit der Hand an meine Schläfen zu fassen. Judie zog die Augenbrauen zusammen. Sie war nicht blöd. Ich tat so, als würde ich mir eine Haarsträhne hinter das Ohr streichen wollen, nahm den Koffer wieder und ging weiter voran.
    Judies Gesichtszüge entspannten sich wieder, als sie mich lächeln sah. Papa lief vor uns und hatte nichts mitbekommen. Es ist nichts Großes, schärfte ich mir ein. Ich musste sie anlügen. Schließlich machten sie sich schon genug Sorgen um Tommy. Es reichte, dass er kaum noch aufrecht sitzen konnte. Mir ging es vergleichsweise gut. Auch wenn ich schon seit Wochen das Gefühl hatte, ein Troll würde stetig von außen mit seinen riesigen Händen gegen meine Schläfen drücken. Das wird schon werden, redete ich mir ein. Das wird schon werden.

    4
    „Dean! Seamus!“, schrie ich im Hogwartsexpress und rannte auf meine Freunde zu, um ihnen in die Arme zu fallen. Zusammen mit den beiden, Lavender und Parvati nahm ich mir ein Abteil.
    „Auch keine Vertrauensschüler?“, fragte ich sie. Sie schüttelten grinsend die Köpfe.
    „Dumbledore wäre auch schön doof euch auszuwählen!“, ärgerte Lavender sie. In diesem Moment schneiten noch fünf weitere Leute herein: Padma, Lisa Turpin, Megan Jones, Terry Boot und Justin Finch-Fletchley.
    „Vertrauensschülerin?“, fragte Megan Padma gerade abfällig. „War ja klar!“
    „Ja, ich muss jetzt auch gleich wieder raus und ins Vertrauensschülerabteil“, entschuldigte sie sich. „Und danach in den Gängen patrouillieren. Bin gespannt, wer es noch geworden ist.“
    „Wo ist Daphne?“, fragte Lisa uns, als Padma verschwunden war.
    „Wahrscheinlich bei ihrer besten, wunderbarsten Freundin Pansy Parkinson“, säuselte Lavender mit falscher Freundlichkeit und verzog das Gesicht.
    „Gut, dann soll sie doch bitte wegbleiben“, stellte Lisa klar, als die Tür sich öffnete und Daphne eintrat.
    „Wo ist Pansy?“, fragte ich überrascht.
    „Vertrauensschülerin“, antwortete sie schlicht und quetschte sich zwischen uns.
    „Fuck“, murmelte ich. „Die zieht mir Punkte ab, wenn ich sie wieder beleidige!“
    „Du hörst doch wohl nicht damit auf?“, fragte Parvati entsetzt. „Deine Kommentare für sie sind der Grund, dass ich sie ertragen kann!“
    „Ich kann nicht im See schwimmen! Ich bin zu fett! Ich kann nicht mit euch im See schwimmen gehen!“, äffte Lavender augenblicklich Pansy nach.
    „Stimmt“, bestätigte Parvati und sagte mit Lisa im Chor: „Wale wie du gehören ins Meer!“
    Wir brachen in Gelächter aus und ignorierten Pansys Freundin Daphne, die neben uns saß und das Gesicht verzog. Ich grinste jedoch breit. Klar, es war fies von mir gewesen das zu sagen. Aber ich fand es nervig, wie Pansy nach Komplimenten fischte und dieser Spruch hatte einfach rausgemusst.
    Die Zugfahrt wurde lustig. Wir deckten uns mit Süßigkeiten ein und erzählten uns gegenseitig vom Sommer. Nach einiger Zeit rückten wir sogar mit unserem Erlebnis in der Nokturngasse heraus. Von Tommys oder sogar meinen eigenen Kopfschmerzen redete ich jedoch nicht.
    „Ich muss mal“, sagte Parvati schließlich und erhob sich. „Kommst du mit, Lily?“
    „Klar“, willigte ich ein und erhob mich.
    „Ihr Mädchen müsst immer zu zweit auf Klo gehen!“, bemerkte Dean augenverdrehend. „Das ist wie so ein Zwang, oder? Wenn eine muss, dann…“
    „Nein, das ist einfach eine sehr alte Tradition, die sich aus einigen sehr prägenden Ereignissen ergeben hat. Angefangen vor fünfzig Jahren, in denen die maulende Myrte allein auf Klo gegangen ist und von einem Basilisken attackiert wurde, bis hin zu unserer Zeit, in der Hermine von einem Troll angegriffen wurde“, erklärte ich ihm.
    „Ein Troll? Im Hogwartsexpress?“, klugscheißerte Terry schnaubend.
    Ich ging nicht weiter auf ihn ein, sondern schob Parvati zur Tür hinaus und auf den Gang. Und dort, wie unvermeidlich, stießen wir mit niemand anderem als Draco Malfoy zusammen.
    „Hey“, grüßte Parvati ihn lächelnd und ehrlich erfreut. Er warf ihr einen Blick zu, fasste sich an sein Vertrauensschülerabzeichen und schritt hochmütig davon.
    „Was zum…“ Verdattert starrte Parvati ihm hinterher.
    „Ich sag doch, der Kerl ist komisch“, erinnerte ich sie.
    „Wir haben die Ferien über geschrieben!“, machte sie mich zum etwa hundertsten Mal aufmerksam. „Er hat mir zuerst eine Eule geschickt! Ich weiß, es stand nichts Großartiges in den Briefen, aber trotzdem! Man kann sich ja wohl grüßen!“
    „Wieso Draco Malfoy?“, fragte ich sie und sah ihm mit zusammengezogenen Augenbrauen hinterher.
    „Es ist der erste Kerl, den ich gut finde, Lily“, verteidigte sie sich. Sie hatte diesen nörgelnden Unterton angestimmt, der mich ein ums andere Mal weich werden ließ.
    „Na schön“, seufzte ich und suchte nach etwas Aufbauendem, das man als beste Freundin sagen konnte. „Ich weiß nicht, weshalb er dich nicht zurückgrüßt. Vielleicht ist er schüchtern.“ Glaubst du doch selber nicht, höhnte eine Stimme in meinem Kopf. „Vielleicht, weil du nicht zu seiner Slytherinclique gehörst. Ich weiß echt nicht. An dir wird es sicher nicht liegen. Du bist schön, schlau und nett. Mehr kann er nicht erwarten.“
    „Awww, das ist lieb von dir“, bedankte Parvati sich. Mein Lächeln gefror, als sie sich von mir wegdrehte und vor mir her zum Klo ging. Halte dich bitte von diesem Kerl fern, wollte ich sie eigentlich anschreien. Ich tat es jedoch nicht.
    Vielleicht war er ja ganz nett, dachte ich. Vielleicht wird da was aus ihm und Parvati.
    Glaubst du doch selber nicht, meldete sich die Stimme in meinem Kopf wieder. Und scheiße, sie hatte völlig Recht.

    5
    „Lasst uns in eine neue Ära schreiten, zwischen Innovation und Tradition, zwischen…“
    Parvati bog sich bei Lavenders Schauspiel vor Lachen und wischte sich die Lachtränen aus den Augen.
    „Hört auf damit“, mahnte ich sie, doch auch ich musste mir das Lachen verkneifen. „Vielleicht ist diese Umbridge ja ganz nett. Vielleicht kann sie einfach noch nicht gut mit Schülern umgehen.“
    „Vielleicht hat sie Hogwarts einfach mit dem Kindergarten im Zuckerwatteland verwechselt“, kiekste Parvati, die das rosa auftreten unserer neuen Lehrerin noch immer nicht verkraftet hatte.
    Nun verstummten wir jedoch, als wir ihr Klassenzimmer betraten. Professor Umbridge saß bereits an ihrem Pult vor der Klasse. Wir setzten uns und schlossen uns dem Schweigen der anderen an.
    „Nun, guten Tag“, begrüßte sie uns mit ihrer widerlich bittersüßen Freundlichkeit.
    „Guten Tag“, murmelte ich in mich hinein.
    „Das reicht aber nicht, oder? Ich möchte doch bitten, dass Sie guten Tag, Professor Umbridge antworten. Haben Sie das auch verstanden?“, fragte sie mit schneidender Stimme. Alles um uns herum war totenstill. Ich brauchte einige Zeit, um zu bemerken, dass die blöde Kröte mit mir sprach.
    „Ja, natürlich habe ich das verstanden“, antwortete ich ziemlich vor den Kopf gestoßen. Hatte ich etwas falsch gemacht?
    „Ihr Name ist?“, wollte Professor Umbridge wissen.
    „Ich heiße Lily Moon, Professor“, antwortete ich. Sie starrte mich einen Moment mit ihren Glubschaugen an, dann notierte sie sich etwas auf ihrem Pult. Verwirrt warf ich Ron neben mir einen fragenden Blick zu. Dieser zuckte jedoch nur ratlos mit den Schultern.
    „Noch einmal“, forderte sie nun. „Guten Tag, Klasse.“
    „Guten Tag, Professor Umbridge“, sagten wir im Chor. Ich sah vor mir auf die Tischplatte, als sie ihr Krötengesicht wieder mir zuwandte. Was hatte ich denn falsch gemacht?
    Die Stunde wurde nicht besser. Ich war nur dankbar, dass Harry Potter irgendwann austickte und diese blöde Kuh anschrie, auch wenn es mir leidtat, dass er nachsitzen musste und wir Punkte verloren hatten. Jedenfalls glaubte ich, es würde ein wenig von mir ablenken, dass sie alle irgendwann gegen sie aufspielten. Fehlanzeige.
    Entweder, ich litt unter Verfolgungswahn oder die Umbridge taxierte mich tatsächlich ungewöhnlich häufig mit ihren Blicken.
    „Bin ich verrückt geworden oder hasst diese Lehrerin mich?“, fragte ich fassungslos, als wir endlich aus dem Klassenraum, oder eher dem Eingangsbereich der Hölle, traten. „Habe ich irgendetwas falsch gemacht?“
    „Keine Ahnung. Aber sah ganz so aus, als könne die dich echt nicht leiden“, gab Ron zu. Ich seufzte schwer.
    „Mach dich nicht verrückt, Lily“, ermunterte Parvati mich. „Die Frau kann anscheinend niemanden leiden.“
    „Es ist nur ein Jahr“, warf Ron ein. „Dann sind wir die los.“
    „Wieso?“, fragte ich überrascht.
    „Naja“, meinte Ron. „Quirrel, Lockhart, Lupin und Moody sind alle schon nach einem Jahr weg. Die Stelle ist verflucht. Ein Jahr, dann sind wir die alte Kröte los. Das kriegen wir auch noch hin.“

    6
    Am Mittwoch danach weckte Parvati mich, indem sie auf meinem Bett kniete und aufgeregt auf und ab hopste, bis ich wach wurde und mich verschlafen grummelnd zu ihr umdrehte.
    „Was ist denn los?“
    „Draco hat mir geschrieben“, erzählte sie mir aufgeregt und hielt mir einen Brief vor die Nase.
    „Was haben wir in Pfl. Mag. Gesch. auf?“, las ich skeptisch vor. „Ist das jetzt die neue Abkürzung für Obercoole? Pflege Magischer Geschöpfe wäre auch nicht viel länger gewesen.“
    „Und jetzt einen netten Kommentar?“, bat sie mich.
    Seufzend setzte ich mich auf.
    „Hat er nicht auch mal in den Gängen mit dir geredet?“, fragte ich. „Das hätte er dich ganz sicher auch so fragen können.“
    „Es ist doch besser als nichts“, murmelte sie enttäuscht und warf Dracos Eule, die noch am Fenster saß, einen flüchtigen Blick zu. Ich musterte sie. Sie war meine beste Freundin und ich konnte sie einfach nicht so sehen. Wahrscheinlich war ich wirklich etwas herzlos gewesen.
    „Es ist besser als nichts“, stimmte ich ihr also zu.
    „Ja“, sagte sie glücklich und kletterte von meinem Bett herunter, um sich anzuziehen.
    Als wir zum Frühstück kamen, erhielt auch ich einen Brief. Von Zuhause. Sofort riss ich ihn auf und las:
    „Hey Lily,
    Die Ärzte haben meinen Kopf durchsucht und meinen, sie hätten die Ursache für meine Kopfschmerzen gefunden. Sie sagten etwas von einem Gnom und dass einer mich gebissen haben könnte, was normalerweise nichts Schwerwiegendes ist. Aber an der Kopfhaut sind dann irgendwelche Bakterien ins Gehirn oder so. Klingt krass, oder? Eigentlich heißt das nur, dass ich noch etwas hier liegen bleibe und mit Heiltränken vollgepumpt werde. Dann komme ich wieder zurück. Liebe Grüße von Mama und Papa. Ich vermisse dich.
    Tommy“
    Erleichtert legte ich den Brief zur Seite. Jetzt würde alles gut werden, dachte ich und meine Kopfschmerzen wurden gleich ein Stückchen besser. Sobald Tommy gesund war, konnte ich auch ins Sankt Mungo gehen. Sicher hatten mein Bruder und ich dasselbe.
    Jeden Tag wartete ich auf eine neue Nachricht von Tommy oder meinen Eltern. Es war bereits Mitte Oktober, als ich endlich wieder einen Brief über Tommys Befinden erhielt:
    „Liebe Lily,
    ich hoffe dir und Judie ergeht es in Hogwarts besser als uns. Das Sankt Mungo hat Tommy entlassen. Ich wünschte, ich könnte sagen, dass er bald wieder nach Hogwarts kommt, doch das kann ich nicht. Die Heiler haben alles getan, was in ihrer Macht steht. Der Biss an seinem Kopf ist nicht mehr ausschlaggebend für seine Schmerzen, sagen sie. Ich weiß nicht, was ich tun soll. Tommy konnte nicht mehr im Sankt Mungo bleiben, er fühlt sich da nicht wohl. Aber mach dir keine Sorgen und bring es Judie bitte schonend bei, damit sie sich nicht aufregt. Ich hab dich lieb.
    Deine Mami“
    Scheiße. Mit den Tränen kämpfend zerknüllte ich den Brief in meinen Händen. Mein Kopf schmerzte wie verrückt.
    „Was ist los?“, fragte Parvati besorgt.
    „Tommy geht es nicht besser“, erklärte ich knapp und konnte nun die Tränen nicht mehr zurückhalten. Zitternd wischte ich sie fort und hoffte, dass niemandem sonst am Tisch etwas aufgefallen war.
    „Hey, Leute!“, rief in diesem Moment jemand hinter uns. Alle am Gryffindortisch wandten die Köpfe. Dort standen Fred und George Weasley und grinsten uns an. Ich mochte die Zwillinge sehr. Sie waren die coolsten Verrückten, die ich kannte. Besonders mit Fred verstand ich mich gut, auch wenn er zwei Stufen über uns war.
    „Heute Abend gibt es eine Party im Gemeinschaftsraum. Ich hoffe doch, es stört niemanden von euch?“, fragte Fred.
    „Welcher Anlass?“, wollte Lavender wissen, während ich mich bemühte nicht allzu niedergeschlagen aus der Wäsche zu gucken.
    „Lee hat Geburtstag“, erklärten die beiden knapp, dann waren sie verschwunden.
    „Großartig“, murmelte ich.
    „Wir müssen nicht hingehen“, sagte Parvati sofort nachsichtig.
    „Nein, ich meinte das ernst“, erklärte ich ihr jedoch. „Eine Party. Da kann ich den ganzen Mist verdrängen.“
    Hätte ich doch nur geahnt, was für eine Drecksidee das war…

    7
    Mit einem Glas in der Hand stand ich im Gemeinschaftsraum und wusste nicht recht, was ich tun sollte. Schließlich entschied ich mich dazu, Lee erst einmal zu gratulieren.
    „Danke“, sagte er, als ich das schon einmal hinter mich gebracht hatte. Ich umarmte ihn. Als er mich losließ, fiel mein Blick auf Fred, der neben Lee stand und mich angrinste.
    „Hast du Lust mir einen Feuerwhisky zu holen?“, fragte er mich.
    „Sehe ich aus wie eine Kellnerin?“, entgegnete ich.
    „Nein“, gab er zu. „Aber ich habe dich lieb gebeten.“
    „Was springt für mich dabei raus?“, wollte ich wissen.
    „Ich würde dich küssen“, bot er an. Ich schüttelte lachend den Kopf und bahnte mich quer durch den vollen Gemeinschaftsraum, um ihm seinen Whisky zu holen. Ich wollte nicht wirklich von ihm geküsst werden. Ich wollte bloß wissen, ob er das tatsächlich tun würde.
    Als ich mit einem Glas vor ihm stand, sah er doch ein wenig irritiert drein. Ich lachte.
    „Ich wusste doch, dass du nicht die Eier in der Hose hast mich zu küssen“, rief ich und wollte mich abwenden, als George auf mich zugesprungen kam und die Lippen spitzte. Verwirrt musterte ich den Jungen, dann prustete ich los.
    „Ich meinte Fred, nicht dich, George“, sagte ich und schob ihn weg. „Du hast vielleicht ein wenig zu viel getrunken.“
    „Oh“, murmelte George und wandte sich amüsiert ab, um zu Fred zu gehen.
    „Etwas zu trinken?“, fragte Dean Thomas, der plötzlich neben mir stand.
    „Nein, danke“, lehnte ich ab. „Ich denke, ich habe schon genug getrunken.“
    „Ach was, jetzt hab dich nicht so!“, erwiderte er und drückte mir ein neues Glas mit… ich weiß nicht was in die Hand. Ich dachte an Tommy, dachte an meine Kopfschmerzen und daran, dass ich einfach alles ertränken könnte. Gute Idee. Ich trank.
    Danach wurde es lustiger. Ich tanzte mit meinen Freunden durch den ganzen Raum und zusammen grölten wir alle Lieder mit.
    „Noch was zu trinken?“, fragte Dean mich nach einiger Zeit. Ich nickte und er zog mich mit sich. Ich trank, wahrscheinlich war es Feuerwhisky, dann fiel mein Blick auf Lee. Irgendwie fand ich, dass nicht besonders gewürdigt wurde, dass er Geburtstag hatte. Man sollte etwas tun.
    „Ist hier irgendwo ein Tisch?“, lallte ich mir zurecht. Dean deutete auf einen der Tische am Kamin. Ich drängelte mich durch die Gryffindors und stellte mich hin, um George, der am Radio stand, zu bedeuten, die Musik auszumachen. Er gehorchte.
    „Leute, ich wollt nur sagen, dass das hier Lees Geburtstag ist und wir sollten alle auf ihn trinken! Alles Gute Lee! Auf ein super nächstes Jahr!“, schrie ich.
    Alle jubelten und stießen auf Lee an, während Dean rief: „Komm runter, du Verrückte!“ und mich vom Tisch zog. Ich torkelte mit ihm durch die Menge. Die Musik ging gerade wieder an, als Lee auf mich zukam und mich umarmte.
    „Das war klasse, Lily!“, rief er begeistert. Ich hob zur Antwort mein Glas und trank auf ihn. Als es leer war, stellte ich es auf den Tisch und Dean zog mich zurück zu den anderen Tanzenden. Er schlang die Arme um mich.
    Über seine Schulter hinweg sah ich Lavenders fragenden Blick. Sie deutete mit zusammengezogenen Augenbrauen auf Dean. Ich zuckte mit den Schultern. Und? Dann tanzten wir eben! War doch nichts dabei.
    Gut, wäre nichts dabei gewesen. Hätte Dean mich nicht in eben jenem Moment geküsst. Ich tat das erste, was mir in den Sinn kam: Ich erwiderte seinen Kuss. Es fühlte sich nicht einmal falsch an. Dean war bei Weitem kein schlechter Küsser.
    Es dauerte, bis ich es schaffte bei Dean und küssen und Tommy und Lees Geburtstag und Alkohol und die ganze Scheiße, die ablief, einen klaren Gedanken zu fassen. Ich schob Dean weg und öffnete den Mund, um etwas zu sagen, schloss ihn aber gleich wieder, als mir nichts einfiel.
    „Ich… ich bin gleich wieder da“, brachte ich schließlich hervor und schob mich durch die Menge hindurch zu einem Sessel, um mich verwirrt darauf fallen zu lassen. Was zum Teufel war nur in mich gefahren?
    „Alles klar, Lily?“, fragte Lavender, die plötzlich neben mir aufgetaucht war.
    „Nein“, erwiderte ich ehrlich. „Wieso bist du nicht dazwischen gegangen, als ich Dean geküsst hab?“
    „Du wolltest das nicht?“, fragte sie. Ich dachte einen Augenblick nach.
    „Nein“, antwortete ich schließlich. Es hatte sich schön angefühlt, doch Dean war zweifellos nicht der Richtige für mich. Ich wollte ihn sicherlich nicht küssen.
    „Oh“, sagte Lavender bloß und war im nächsten Moment verschwunden.
    „Oh Gott, was hab ich getan?“, stöhnte ich und vergrub mein Gesicht in den Händen, als ich plötzlich eine Stimme vor meiner Nase hörte: „Alles klar bei dir?“
    „Seh ich so aus?“, entgegnete ich. Als ich die Hand von meinen Augen nahm, brauchte ich einen Moment, um zu erkennen, wer das vor mir war. Schließlich war ich mir sicher, dass es sich um Fred, nicht um George handelte.
    „Was ist passiert?“, fragte er mich.
    „Kennst du Dean?“, wollte ich wissen.
    „Der Typ, der mit dir rumgelaufen ist? Ist das nicht ein Freund von dir?“, vergewisserte er sich.
    „Ja!“, jammerte ich. „Wir haben uns geküsst.“
    „Und du bereust das jetzt?“, hakte er nach.
    „Ja!“, rief ich.
    „Weiß er das?“, fragte Fred.
    „Nein“, gestand ich.
    „Dann musst du ihm das sagen. Hör mal, Lily: Ich kenne die Situation. Es gibt nichts Bittereres als Missverständnisse, wenn man jemanden küsst. Das kann übel ausgehen, wenn du ihm nicht die Wahrheit sagst“, erklärte Fred. Einen Moment lang musterte ich ihn. Ich wusste gar nicht, dass er so ernst sein konnte. Verdammt, er hatte jetzt nicht so ernst zu sein! Wieso gab er mir so bescheuerte Ratschläge? Wenn ich mit Dean reden wollte, dann hätte ich schon mit Dean geredet!
    „Darf ich?“, fragte ich mit Blick auf Freds Glas, das er in seiner Hand hatte.
    „Klar“, antwortete er und reichte er mir.
    Ich realisierte kurz, dass es Feuerwhisky war. Dieses Getränk war doof. Genauso doof wie Fred. Und ohne weiter nachzudenken kippte ich es ihm ins Gesicht.
    Ohne ein weiteres Wort drückte ich ihm sein leeres Glas gegen die Brust und verschwand.
    Ich war jedoch keine zwei Schritte gelaufen, da wurde mir klar, was ich eben für einen Fehler begangen hatte. Fred hatte nur helfen wollen und zum Dank dafür hatte ich ihm seinen Drink ins Gesicht geklatscht. Doch als ich mich wieder umdrehte, um mich bei ihm zu entschuldigen, war er weg. Mist.
    „Lily?“
    „Dean?“ Erschrocken wandte ich mich um, als er durch die tanzenden Gryffindors auf mich zukam. Ich seufzte schwer, dann riss ich mich zusammen und sagte: „Weißt du, Dean…“
    „War eine blöde Idee, das mit dem Küssen“, kam er mir zuvor.
    „Das siehst du auch so?“, fragte ich überrascht. Er nickte.
    Na ganz toll. Und weil ich vor diesem albernen Gespräch so viel Angst gehabt hatte, hatte ich Fred nassgemacht.
    „Tanzt du denn trotzdem noch ein Lied mit mir?“, fragte Dean mich. Ich nickte erleichtert lächelnd und schenkte ihm noch einen Tanz.
    Danach sah ich mich suchend um. Ich musste mich unbedingt bei Fred entschuldigen! Doch er war nirgendwo ausfindig zu machen.
    „Lee!“, rief ich, als ich ihn in der Menge stehen sah und torkelte zu ihm hinüber. „Hast du Fred gesehen?“
    „Nein“, antwortete er. „Schon seit einer ganzen Weile nicht mehr.“
    „Scheiße“, fluchte ich. Er hatte doch nicht etwa wegen mir die Party verlassen? „Wenn du ihn siehst, sagst du ihm dann, dass es mir leidtut?“
    „Was tut dir leid?“
    „Danke, Lee“, verabschiedete mich und machte mich weiter auf die Suche nach Fred.
    In diesem Moment rannte ich in jemanden hinein. Betrunken, wie ich war, fiel ich beinahe um. Der große, breitschultrige Junge drehte sich um und sah auf mich herab. Ich musste mich zwingen nicht nach Luft zu schnappen. Der sah ja gut aus! Wieso war er mir noch nie aufgefallen?
    „Kennen wir uns?“, fragte ich verwundert.
    „Nicht, das ich wüsste“, antwortete er grinsend. „Wie heißt du?“
    „Ich bin Lily Moon“, antwortete ich. „Ich gehe in die fünfte.“
    „Cormac MacLaggen“, stellte er sich vor. „Ich bin eine über dir.“
    „Ehrlich?“, fragte ich. Hätte er mir nicht einmal auffallen müssen? Warte… Was tat ich eigentlich hier? Ich sollte Fred suchen! „Hast du Fred Weasley gesehen?“
    „Den Treiber?“, fragte er. „Nicht dass ich wüsste. Ich wollte mich dieses Jahr auch bewerben, für die Stelle als Hüter. Ist was dazwischengekommen.“
    „Ach“, sagte ich bloß und sah mich weiter suchend um. Fred konnte doch nicht einfach disappariert sein!
    „Lust zu tanzen?“, fragte Cormac MacLaggen. Das überraschte mich. Dieser Kerl fragte ernsthaft mich?
    Nein, du hast jetzt keine Zeit, erinnerte mein Gewissen mich.
    „Klar“, antwortete ich dennoch. Cormac schlang die Arme um mich und zog mich an sich.
    Der Whisky ließ mich so einiges vergessen und so fand ich heute doch noch meine Ablenkung, die ich gesucht hatte. Scheiß auf Kopfschmerzen. Scheiß auf Dean oder Umbridge. Ich war hier und tanzte mit einem heißen Typen.
    „Du singst ziemlich gut“, sagte er plötzlich. Ich kniff die Lippen zusammen. Toll. Ich hatte gar nicht gemerkt, dass ich schon wieder mitgesungen hatte!
    „Sehr witzig“, entgegnete ich. Jeder wusste, dass eine Todesfee eine liebreizendere Stimme hat als ich.
    „War mein voller Ernst“, entgegnete er. Dann beugte er sich zu mir herab, um mich zu küssen.
    „Nicht!“, wich ich jedoch erschrocken aus. Er hob überrascht die Augenbrauen.
    „Ich habe heute schon genug Mist gebaut“, erklärte ich.
    „Was denn?“, fragte er sichtlich interessiert.
    „Ist egal“, versuchte ich mich herauszuwinden.
    „Ist es nicht! So etwas kannst du nicht einfach in den Raum werfen und so stehen lassen!“, widersprach er mir.
    Die nächste Zeit versuchte er aus mir heraus zu kitzeln, was ich getan hatte. Ich blieb stumm. Er jedoch schien immer interessierter an mir zu werden. War ich jetzt mysteriös für ihn geworden? Dieser Gedanke ließ mich kichern.
    „Cormac? Kommst du?“, fragte nach einiger Zeit einer seiner Freunde.
    „Ich muss los“, entschuldigte er sich.
    „Schon gut. Man sieht sich ja sicher“, erwiderte ich und wollte gehen, da zog er mich ein letztes Mal an sich und presste seine Lippen auf meine.
    „Man sieht sich“, verabschiedete er sich dann und ließ mich verwirrt zurück.
    „Ist etwas passiert?“, fragte Parvati, als ich sie fand.
    „Kennst du Cormac MacLaggen?“, fragte ich sie.
    „Wen?“, wollte sie wissen.
    „Ein Sechstklässler. Der hat mich eben geküsst“, erzählte ich ihr. Sie begann aufgeregt zu quietschen und ich wurde rot. Zwar hatte ich ihm gesagt, er sollte das nicht tun, doch irgendwie… War eine nette Geste gewesen.
    Parvati zog mich zurück zu unseren Freunden und zusammen tanzten wir in einer großen Gruppe, als ein Siebtklässler die Arme von hinten um mich schlang. Ziemlich überwältigt schob ich seine Hände von mir weg. Er ließ nicht locker, sondern versuchte es erneut. Ich versuchte ihn loszuwerden, bis ich mich schließlich wütend zu ihm umwandte und rief: „Du und ich, das wird heute nichts, klar?“
    „Okay“, erwiderte er, hob abwehrend die Hände und verschwand.
    Wir tanzten noch ein wenig, bis wir zusammen in den Gemeinschaftsraum gingen und uns unsere Schlafanzüge anzogen. Mit zusammengezogenen Augenbrauen saß ich aufrecht auf meinem Bett und starrte die Wand gegenüber von mir an.
    „Ist was?“, fragte Parvati und setzte sich zu mir. Ich dachte an Dean, an Cormac MacLaggen und den unbekannten Siebtklässler.
    „Bin ich hübsch?“, wollte ich schließlich wissen. Ich sah mich nicht als hübsch. Ich achtete noch nicht einmal viel auf mein Aussehen. Parvati, die war hübsch. Und Lavender war es auch. Aber ich?
    „Lily, du bist die hübscheste Hexe, die ich kenne“, antwortete Parvati.
    „Danke“, erwiderte ich lächelnd. „Das sagst du zwar nur, weil du meine beste Freundin bist, aber es ist trotzdem echt lieb von dir.“
    Sie lachte, dann legte sie sich schlafen. Auch ich legte mich hin und deckte mich zu. Das war ziemlich ereignisreich, dachte ich. Vielleicht ist ein wenig zu viel passiert.

    8
    Als ich am Morgen danach zum Frühstück in der großen Halle ging, sah ich Fred am Tisch sitzen. Ich schuldete ihm noch eine Entschuldigung.
    „Morgen, Fred“, sagte ich und setzte mich zu ihm. Er antwortete nicht. Großartig. „Hey, das mit gestern tut mir echt total leid. Du hattest ja recht. Du wolltest mir nur helfen. Ich hätte kein Feuerwhisky über dich kippen dürfen. Ich war betrunken und ich habe dich echt lange gesucht, um mich bei dir zu entschuldigen. Also, es tut mir leid.“
    „Nein, Lily“, sagte er kalt. Er sah mich nicht einmal an. „Dafür gibt es keine Entschuldigung.“
    „Ist das jetzt dein Ernst?“, fragte ich vor den Kopf gestoßen. Das war Fred, der das sagte? Konnte austeilen wie sonst was, aber einstecken kein bisschen?“
    „Ja“, entgegnete er jedoch nur knapp.
    „Okay“, sagte ich ziemlich eingeschnappt. Wie schnell man doch auf jemanden sauer sein konnte! „Ich meine, ich hätte dich nicht so eingeschätzt. Selber machst du solche Sachen ja auch oft genug. Aber gut, meinetwegen.“
    Eine Sekunde lang herrschte ein Schweigen zwischen uns. Dann brach Fred in schallendes Gelächter aus. Ich war absolut sprachlos, bis er rief: „Mensch, Lily, sei doch nicht so leichtgläubig!“
    Ich brauchte meine Zeit, bis ich verstand, dass er mich reingelegt hatte.
    „Das war gemein!“, rief ich. „Du weißt, dass ich naiv bin, Fred!“
    „Das stimmt“, gab er immer noch glucksend zu. Dann legte er einen Arm um mich. „Aber ich find’s schön, dass du dich bei mir entschuldigt hast.“
    „Du bist ein Arsch“, grummelte ich beschämt.
    „Auch ein Toastbrot?“, überging er das.
    „Okay“, willigte ich ein und aß mit ihm zum Frühstück.

    9
    Als ich am dem Montag nach Lees Feier am Mittwoch aufwachte, pochte mein Schädel so schmerzhaft, als würde mir ein Treiber ein ums andere Mal mit seinem Schläger eins überziehen. Dennoch quälte ich mich aus dem Bett und schlurfte zum Bad. Professor Umbridge hatte für heute einen Test angeordnet, um unser Wissen über theoretische Verteidigung zu überprüfen. Das war meine Chance! Bei Fragen ging es um richtig oder falsch, nicht um Sympathie und Antipathie. Wenn ich mir eine gute Note verdient hatte, dann würde sie mir eine gute Note geben müssen.
    Völlig gerädert stellte ich mich unter die Dusche und ließ das heiße Wasser über mein Gesicht laufen.
    Plötzlich drehte sich alles um mich herum. Ich stützte mich mit einer Hand an der Wand neben mir ab, mit der anderen stellte ich das Wasser ab, als schwarze Punkte vor meine Augen traten. Ich kniff sie fest zusammen und versuchte klaren Kopf zu bewahren. Das wird schon werden, redete ich mir ein.
    In diesem Moment knickten jedoch meine Knie ein. Ich verlor das Gleichgewicht, schlug mit dem Kopf gegen die Wand, spürte einen heftigen Schmerz, als ich mit dem Rücken auf den Boden aufschlug und dann wurde alles um mich herum schwarz…

    Benommen bekam ich die Stimmen mit, die meinen Namen riefen.
    „Lily! LILY! MACH AUF!“
    „Jetzt sag schon was!“
    „Scheiße, wir müssen da rein!“
    Ich konnte nicht antworten. Schon allein weil ich nackt auf dem Boden der Dusche lag und ich die Augen nicht öffnen konnte, so schwindelig war mir. Und mir war speiübel. Tatsächlich hoffte sogar ich mich zu übergeben, so mies, wie es mir ging. Doch ich übergab mich nicht. Ich lag nur da, versuchte mich probehalber mit einem schwachen, zitternden Arm hochzustemmen, doch vergeblich und mein pochender Kopf schlug auf das Marmor unter mir auf.
    „Alohmora!“, schrie Hermines Stimme. Ich bekam gerade noch mit, wie die Tür aufsprang und meine Freundinnen hereinstürzten.
    „Lily!“, schrie Parvati erschrocken und zog mich aus der Dusche, während Lavender mir ein Handtuch holte und es um mich wickelte. „Was ist passiert?“
    „Weiß nicht“, murmelte ich. „Plötzlich war alles schwarz.“
    „Ich hole McGonagall“, entschied Hermine und rannte gleich los, während Lavender und Parvati mich zurück in mein Bett schleppten, auf dem ich völlig geschafft und noch immer zitternd niederbrach.
    Professor McGonagall kam wenige Minuten später gefolgt von Hermine in unseren Schlafraum.
    „Miss Moon“, sagte sie und stellte sich vor mein Bett. Ich hatte gar nicht gewusst, dass sie auch so einen lieben Blick draufhatte. „Können sie mir sagen, was passiert ist?“
    „Nein. Plötzlich wurde alles schwarz“, erzählte ich ihr mit schwacher Stimme.
    „Hatten Sie das schon öfter?“, fragte sie.
    „Nein“, antwortete ich. Ich verschwieg absichtlich meine seit Monaten anhaltenden Kopfschmerzen. Erst sollte mein Bruder geheilt werden und zurück nach Hogwarts kommen, ehe ich mit der Sprache rausrückte.
    „Wollen Sie in den Krankenflügel?“, bot McGonagall mir nachsichtig an.
    „Nein. Ich muss den Test mitschreiben. Professor Umbridge muss doch sehen, dass ich gelernt habe!“, stöhnte ich und versuchte mich vergeblich aufzurichten.
    „So können Sie nicht zum Unterricht, Miss Moon!“, stellte Professor McGonagall kopfschüttelnd klar. „Sie scheinen ja selbst zu schwach zu sein, um in den Krankenflügel zu gehen.“
    „Kann ich liegen bleiben?“, fragte ich.
    „Sicher können Sie das. Ihr Fehlen wird bei den übrigen Lehrern entschuldigt“, versicherte sie mich. Ich lächelte dankbar, ehe sie verschwand.
    „Die alte Schreckschraube kann echt ganz nett sein“, sagte Parvati nachdenklich. Dann ging auch sie mit den anderen zum Unterricht, während ich gezwungen war im Bett zu bleiben.
    Im Laufe des Tages erholte ich mich wieder. Mit der Zeit konnte ich erst aufrecht sitzen, hinterher brachte ich meinen Kreislauf in Schwung, indem ich einige Runden durch den Schlafsaal spazierte.
    Am Mittag kamen Parvati und Lavender zu mir zurück und erzählten mir, wie mies der Test bei ihnen gelaufen ist.
    „Die blöde Kuh hat absichtlich so scheiß Fragen gestellt, die kein normaler Mensch beantworten kann!“, beschwerte Parvati.
    „Hast Glück, dass du gefehlt hast. Obwohl, du wirst ja sicher nachschreiben müssen. Aber für diesen Test kann man nicht lernen. Alle werden ein S bekommen, außer Hermine natürlich, das weiß ich jetzt schon!“, grummelte Lavender.
    Ich war jedoch keineswegs erleichtert, dass ich den Test verpasst hatte. So, wie ich Umbridge kannte, würde sie mir, ihrer Hassschülerin, nur zu gerne eine schlechte Note aufdrücken. Sie würde mich den Test nachschreiben lassen und ich hätte ihn lieber schon hinter mir.
    Deswegen ging ich gleich am nächsten Tag zu Professor Umbridges Büro, um einen Termin mit ihr zu vereinbaren. Ich klopfte und sie lud mich in ihr scheußlich pinkes Zimmer ein mit noch viel grässlicheren Katzentellerchen an der Wand. Igitt.
    „Guten Tag, Professor“, grüßte ich sie.
    „Setzten sie sich“, sagte sie mit ihrer kindlichen Mädchenstimme und deutete auf den Stuhl vor ihrem Pult. Ich setzte mich furchtbar nervös. Sie machte mich schon regelmäßig vor der ganzen Klasse fertig! Wie sah es dann erst aus, wenn ich allein mit ihr war?
    „Professor McGonagall sagte mir schon, dass sie gestern zu krank gewesen seien, um zum Unterricht zu erscheinen“, erzählte sie mir. Ich Krötenlächeln verhieß nichts Gutes. Ich schwieg vorerst und ließ sie fortfahren: „Das ist nicht weiter schlimm. Machen Sie sich keine Sorgen. Sie müssen mir einfach eine Bescheinigung von Madam Pomfrey geben, dass sie gestern schulunfähig gewesen sind und dann schreiben Sie den Test nach.“
    „Eine… eine was?“, stammelte ich und mein Magen zog sich zusammen. „Aber… ich war gestern nicht im Krankenflügel! Ich war nicht in der Lage aufzustehen! Professor McGonagall…“
    „Wenn Sie bei mir einen Test verpassen, müssen Sie eine ärztliche Bescheinigung vorlegen“, erklärte sie mir mit zuckersüßer Stimme und unentwegt lächelnd. Diese blöde Kuh wusste genau, dass ich keine Bescheinigung vorweisen konnte!
    „Was soll ich jetzt tun?“, fragte ich sie also verwirrt.
    „Sie können nichts tun“, erklärte sie mir. „Ich muss ihren Test leider als T werten.“
    „T?“, wiederholte ich fassungslos. Ich dachte bisher, Fred und George hätten sich diese Note bloß ausgedacht! Es gab wirklich etwas, das schlechter war als S?
    „Ja. T. Troll“, bestätigte sie. Bei Merlins Bart, ich wollte sie schlagen. Ich hatte so große Lust ihr mitten ihr blöd grinsendes Krötengesicht zu schlagen. „Tut mir Leid, Miss Moon. Sie dürfen gehen.“
    „Es gibt wirklich gar keine Möglichkeit…“
    „Nein. Ich habe jetzt auch keine Zeit das mit Ihnen auszudiskutieren“, unterbrach sie mich und wies mich an zu gehen.
    Verstört erhob ich mich von meinem Stuhl und ging hinaus. Das würde diese blöde Kuh nicht machen! Ich ließ mir doch kein T auf’s Auge drücken! Das wagte sie nicht!

    10
    Im Gemeinschaftsraum setzte ich mich sofort hin und schrieb einen Brief nach Hause zu meinem Vater, der Mitglied des Zaubergammots war. Da er im Gericht tätig war erhoffte ich mir von ihm Unterstützung, sodass ich vielleicht doch noch meinen Test nachschreiben konnte.
    Gleich darauf lief ich hoch in die Eulerei, um meinen Brief abzuschicken. Ich nahm mir eine der Schleiereulen und schickte sie sogleich los.
    „Beeil dich bloß! Ich will das Miststück endlich drankriegen!“, rief ich ihr hinterher und hörte sie noch schuhuhen, ehe ich mich abwandte und voll in jemanden hineinrannte.
    „Entschuldigung“, murmelte ich. Dann erst sah ich auf und mein Herz sackte mir in die Hose. Cormac McLaggen! Scheiße! Wie reagierte man bitte auf jemanden, den man betrunken geküsst hatte?
    „Hi“, sagte er jedoch völlig gelassen und selbstbewusst.
    „Hi“, wiederholte ich ihn. Ich errötete leicht.
    „Welches Miststück willst du denn drankriegen?“, fragte er amüsiert. Mist. Er hatte mich gehört.
    „Oh Gott, vergiss es einfach“, stöhnte ich. „Vergiss, dass ich ein Mensch bin, der Eulen nachschreit.“
    „Na gut. Aber nur, wenn du mit mir ausgehst“, erwiderte er.
    „Was?“, fragte ich völlig überwältigt und brauchte einige Momente, um mich zu sammeln. Ich hatte also keinen komplett beschränkten Eindruck auf ihn gemacht? „Ich… ich meine… ja klar. Gerne. Wann?“
    „Halloween?“, schlug er vor. „Wir könnten uns an Madam Puddifoots Café treffen. Sagen wir vier Uhr?“
    „Ist gut“, willigte ich lächelnd ein und stieg den Eulenturm hinunter. Oh mein Gott! Es war tatsächlich etwas Gutes in meinem Leben passiert!

    „Madam Puddifoots Café“, kiekste Lavender, als ich ihr und Parvati davon erzählte und stach mir aufgeregt in die Seite. „Du weißt, was das heißt?“
    „Ich weiß“, grinste ich. „Und wenn schon.“
    „Wie? Was heißt das denn?“, fragte Parvati verständnislos. Lavender schnappte ungläubig nach Luft.
    „Das weißt du nicht?“, fragte sie. „Wenn ein Junge ein Mädchen zu Madam Puddifoots Café einlädt…“
    „Will er sie flachlegen?“, vervollständigte Parvati und hob die Brauen.
    „Nein. Das wäre die heulende Hütte. Oder ‚Kommst du kurz mit hoch in den Schlafsaal, ich hab eine Frage bei den Hausaufgaben‘“, korrigierte Lavender sie. „Er will mit ihr rummachen, das heißt es.“
    „Das ist Bullshit!“, widersprach Parvati.
    „Das sind die Klassiker“, entgegnete ich. „Ich kann es nicht fassen, dass du diese Codes nicht kennst.“
    „Ich gehe eben nicht aus“, erklärte sie.
    „Apropos. Wie steht es eigentlich mit dir und Draco?“, fragte ich sie.
    „Wie soll es da stehen?“, wollte sie wissen. „Er ignoriert mich in den Korridoren und schreibt mir manchmal Eulen. Selbst zurück grüßt er mich nicht, wenn ich mal Hallo sage.“
    „Sicher, dass das was werden kann?“, fragte ich skeptisch.
    „Keine Ahnung“, seufzte sie und vergrub ihr Gesicht in den Händen, um uns mit gedämpfter Stimme mitzuteilen: „Ich finde ihn nur so toll!“

    Ich öffnete meinen Zopf und wuschelte mir nervös durch die Haare. Vier Uhr. Fuck. Ich war nervös.
    „Sehe ich okay aus?“, fragte ich Parvati nervös, die neben mir herging.
    „Du siehst super aus, Lily“, versicherte sie mir.
    „Aber du musst bei mir bleiben, bis ich ihn sehe. Weil falls er nicht kommt, will ich nicht allein da rumstehen…“
    „Er wird kommen“, beruhigte sie mich lächelnd. „Außerdem, was habe ich für eine Wahl? Du würdest dich doch hier verlaufen und nicht mehr nach Hogwarts zurückfinden, geschweigedenn zum Café. Hey, sieh mal! Da steht er doch, oder? Der sieht ja echt ganz nett aus!“
    Sie stieß mir den Ellbogen in die Seite und ich grinste, als ich auf ihn zuging.
    „Hey“, sagte ich. Er umarmte mich zur Begrüßung, Parvati zum Abschied und dann war sie verschwunden.
    „Wollen wir reingehen?“, fragte er. Ich nickte und wir betraten das Café. Es roch ziemlich süßlich hier. Überall und an jedem Tisch saßen Paare, die Händchen hielten.
    „Valentinstags haben die hier überall Konfetti schmeißende Engelchen. Bin froh, dass das heute nicht so ist“, erzählte Cormac mir und setzte sich mit mir an einen Tisch.
    „Willst du mir verraten, weswegen du der Eule nachgeschrien hast?“, fragte er nun grinsend. Ich zögerte, doch dann erzählte ich ihm von Umbridge. Er hörte aufmerksam zu und sagte schließlich: „Diese blöde Kuh ist echt das letzte. Zum Glück kann niemand die ausstehen!“
    „Sie hasst mich“, erklärte ich ihm. „Irgendetwas hat sie gegen mich!“
    Wir unterhielten uns fröhlich über die verhasste Lehrerin, bis die Bedienung kam und er für uns bestellte. Ich sah nach, wie viel das Getränk gekostete, das er mir bestellt hatte und wurde blass.
    „Hör mal, so viel habe ich gar nicht mehr“, gestand ich mit einem Blick in mein Portmonee. Cormac lachte.
    „Das zahle ich dir natürlich“, sagte er großzügig.
    „Danke“, erwiderte ich gerührt und wurde rot. Sein Blick fiel auf meine Hände.
    „Ist dir kalt?“, fragte er.
    „Was? Ach, nein“, wehrte ich ab und musste grinsen. „Meine Hände zittern ständig. Sieh mal.“
    Ich hob meine Hand mit den ausgestreckten Fingern. Sie bebte tatsächlich.
    Cormac lächelte und nahm meine Hände in seine. Ich war ziemlich überwältigt von seinem Verhalten. Dieser Kerl machte echt alles richtig.
    Irgendwann kam unser Getränk. Beeindruckt stellte ich fest, dass er auch einen ziemlich guten Geschmack hatte.
    Unser Gespräch lenkte sich auf Quidditsch. Ich fand den Sport toll und konnte ganz gut fliegen, war aber nicht die beste und bei Weitem nicht gut genug, um in die Hausmannschaft aufgenommen zu werden. Er erzählte mir von einer Wette, wegen der er im Krankenflügel gelandet war und nicht bei den Auswahlen teilnehmen konnte. Ich verschluckte mich vor Lachen.
    Es lief wirklich ausgezeichnet. Nach einer Zeit hatte ich ein wenig das Gefühl, Cormac sei etwas zu sehr von sich selbst überzeugt, doch daran musste man sich ja nicht gleich aufhängen.
    Wir redeten und lachten ziemlich viel. Es war einfach, sich mit ihm zu unterhalten. Unsere Stühle rückten immer näher aneinander und schließlich waren wir soweit über den Tisch gebeugt, dass es einfach für ihn war die Initiative zu ergreifen und mich zu küssen. Ich dachte gar nicht groß nach, als ich seinen Kuss erwiderte. Cormac war so nett, dass es mir nicht wie ein Fehler schien. Bis er mir die Zunge in den Mund steckte.
    Ich würde mich, was Küssen anging, nicht gleich als Schlampe bezeichnen, aber mir bedeutete ein Kuss nicht so viel, dass ich dreimal nachdachte, bevor ich einen Kerl küsste. Demnach hatte ich schon einiges an Erfahrung. Und mit Sicherheit ließ sich sagen, dass Zungenküsse nicht gerade Cormacs Stärke waren. Irgendetwas machte er mit seiner Zunge, was vollkommen merkwürdig war.
    Ich löste mich aus seinem Kuss und versuchte mir nichts anmerken zu lassen. Ich würde nicht zu den Mädchen gehören, die einen Kerl abservierten, nur weil er nicht küssen konnte.
    Er küsste mich zum Abend hin noch einige Male und irgendwann war es dann nicht mehr so schlimm. Mir gefiel seine lockere, selbstbewusste Art immer noch. Doch irgendwie… Er hatte einiges an Reiz verloren.
    Abends gingen wir zurück nach Hogwarts in die große Halle, wo sich unsere Wege trennten. Ich setzte mich zu Parvati an den Tisch und wollte ihr alles erzählen. Doch wie immer, wenn man etwas erzählen möchte, dass nur eine Person hören sollte, waren alle anderen plötzlich totenstill.
    „Ich erzähle es dir, wenn wir im Schlafsaal sind“, entschied ich und sagte dann extra laut: „Hier hören zu viele Leute zu, die sich lieber um ihr eigenes Leben kümmern sollten.“
    Amüsiert beobachtete ich, wie sich viele daraufhin hastig dem Festessen von Halloween zuwandten oder Gespräche mit den Nachbarn begannen.

    11
    Cormac hatte sich für den nächsten Tag mit mir verabreden wollen, doch ich hatte tatsächlich keine Zeit gehabt. Im Laufe der Woche fragte er mich öfters, wann ich Zeit hatte und wir entschieden uns für das nächste Wochenende.
    Schon am ersten November kam eine Eule für mich an den Tisch. Sie hatte mehrere Umschläge am Bein. Ein einziger davon war an mich adressiert und ich riss ihn auf.
    „Hallo Lily,
    ich habe deinen Brief über diesen Test gelesen. Ich kenne diese Umbridge und sie hat keinen wirklich guten Eindruck auf auch nur irgendjemanden gemacht. Sie muss sich aufspielen, muss ihre Macht demonstrieren, weil sie wahrscheinlich ein ziemlich kleines Selbstwertgefühl hat. Daran musst du denken und nicht allzu ernst nehmen, wie sie dich behandelt.
    Das mit dem Test lässt sich regeln. Ich habe dir zwei Briefe geschickt. Den einen gibst du ihr ab, den anderen der Schulleitung.
    Tommy geht es leider nicht besser. Er leidet immer noch unheimlich und wir wissen langsam nicht mehr, was wir tun sollen.
    Liebe Grüße von ihm und Mama. Und Kopf hoch, ein Jahr Umbridge kriegst du locker hin!
    Dein Papa“
    Umgehend nahm ich den Brief von dem Bein der Eule und lief damit zu Umbridges Büro. Sie öffnete mir und ich streckte ihr den Brief entgegen. Wortlos öffnete sie ihn und las. Ein bitteres Lächeln umspielte ihre Lippen.
    „Ich entnehme diesem Brief, dass sie ihn auch der Schulleitung zukommen lassen werden“, sagte sie langsam und mit ihrer süßesten Mädchenstimme. „Das können Sie ruhig machen, Miss Moon. Aber ändern wird es nichts. Sie werden den Test nicht nachschreiben dürfen.“
    „Gut“, sagte ich leichthin. Von ihr hatte ich auch nichts anderes erwartet. „Dann werde ich das tun.“
    Sie schlug mir die Tür vor der Nase zu und ich lief mit meinem zweiten Brief durch die Gänge, um schließlich vor Professor McGonagalls Büro Halt zu machen.
    „Miss Moon!“, grüßte sie mich überrascht.
    „Morgen, Professor“, sagte ich und hielt ihr meinen Brief vor die Nase. „Der ist von meinem Vater. Ich dachte mir, ich wende mich zuerst an Sie, bevor ich zu Professor Dumbledore gehe.“
    „Natürlich, Miss Moon, natürlich“, murmelte sie und las den Brief.

    In der Doppelstunde Verteidigung gegen die dunklen Künste teilte mir eine vor unterdrücktem Zorn kochende Umbridge mit, dass mein Nachschreibetermin am nächsten Montag sein würde. Meine Schadenfreude überbot die Enttäuschung, dass ich Cormac wieder einmal absagen musste. Ich würde mich das Wochenende doof und dämlich lernen! Ich würde diesen blöden Test gut schrieben!
    Gesagt, getan. Ich lernte wie eine Verrückte und schrieb Umbridges Test so gut ich konnte. Ehrlich gesagt, ich hatte nicht das Gefühl, er wäre besonders gut gelaufen. Doch mehr hätte ich nicht tun können.
    „Wie lief’s?“, fragte Parvati mich, als ich mich beim Essen zu ihr gesellte.
    „Ganz gut“ antwortete ich. „Das heißt… ich habe nicht total verkackt.“
    „Na dann“, erwiderte sie. „Hauptsache, du hast nachgeschrieben. Geschieht der blöden Krötenfresse recht! Das war so super! McGonagall einmal alarmiert und schon muss sich Umbridge fügen! Ich liebe diese Frau!“
    „Bis sie uns wieder Hausaufgaben bis zum geht nicht mehr aufdrückt“, entgegnete ich grinsend.
    Dann fiel mein Blick auf jemanden, der weiter entfernt am Gryffindortisch saß und meine Kinnlade klappte herunter.
    „Das ist jetzt nicht sein ernst!“, stieß ich hervor. Cormac McLaggen saß da, in seinen Armen eine hübsche Brünette, die er innig küsste.
    „Oh mein Gott!“, stieß Parvati hervor. „Das kann doch nicht sein! Dieser Arsch! Lily, das tut mir so leid…“
    Doch ich hörte sie kaum. Plötzlich musste ich lachen. Ich konnte mich kaum noch halten. Zum Glück hatte ich ihm so oft abgesagt und mich nicht noch mal mit ihm getroffen! Der Kerl hatte sie ja nicht mehr alle!
    „Was zum… muss ich dich verstehen?“, fragte Parvati mich mit zusammengekniffenen Augen. „Bist du nicht traurig?“
    „Ein wenig enttäuscht von ihm, aber doch nicht traurig!“, rief ich noch immer lachend.
    „Du bist so seltsam, Lily. Ich dachte, du hättest ihn geküsst!“, erinnerte sie mich. Als sie vom Küssen sprach, musste ich jedoch nur noch mehr lachen.
    „Was ist so witzig?“, fragte jemand hinter uns.
    „Gute Frage“, erwiderte Parvati und sah sich um. Es waren Fred und George, die sich nun zu uns gesellten.
    „Fred, du schuldest mir auch noch einen Kuss!“, erinnerte ich ihn kichernd.
    „Wir bringen jetzt weitere Nasch-und-Schwänzleckereien auf den Markt“, überging dieser mich jedoch und wechselte gekonnt das Thema. Ich sah ihn an, während er strahlend mit George davon berichtete. Ein Lächeln huschte über meine Lippen. Es würde nie enden, wurde mir klar. Während mein Kopf noch immer schmerzte und mein Bruder noch immer nicht in Hogwarts war. Während Parvati und Draco tischübergreifend Blicke wechselten und sich direkt wieder abwandten. Und während Fred mich mit seinen Witzen derartig zum Lachen brachte, dass meine Hüfte wehtat. Aber die Sache mit Fred sollte eine ganz neue Geschichte werden…

Kommentare (5)

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who carres (14439)
vor 1276 Tagen
dem kann ich nur zustimmen; bitte schreib weiter!! ;)
Irgendjemand (76888)
vor 1296 Tagen
Weiterschreiben!! ,,Bestechungskecks hinleg"
HP Love (33386)
vor 1349 Tagen
Cool , du hast gut geschrieben !!! ♡
*Daumen hoch*
pfote (87739)
vor 1355 Tagen
Cool geschrieben!!!! Du musst unbedingt weiterschreiben!!! Echt tolle idee, freue mich schon auf die fortsetzung ;)
timetable001 (16516)
vor 1383 Tagen
Mann...
Das war echt eine brilliante Geschichte!
Respekt!
*Beide Daumen hoch*