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Draco

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1 Kapitel - 12.099 Wörter - Erstellt von: Lena - Aktualisiert am: 2013-11-01 - Entwickelt am: - 8.257 mal aufgerufen - User-Bewertung: 4.74 von 5.0 - 19 Stimmen- Die Geschichte ist fertiggestellt - 3 Personen gefällt es

Die Geschichte um Harry Potter und seine Freunde endet nicht mit Hogwarts.
Nach der Schule kommt die Universität und mit ihr die Freuden des Erwachsenwerdens.
Mia, die in London Verwandlung studiert, hätte nie gedacht, dass ihre persönliche Entwicklung das plötzliche Auftauchen eines alten Schulfeindes bedeutet. Aber mehr und mehr fragt sie sich, ob Draco Malfoy wirklich der ist, für den sie ihn gehalten hat.

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    Mein Name ist Mia Rosenfeld, ich bin zweiundzwanzig Jahre alt und studiere Verwandlung an der Zaubereiuniversität in London. Meine Eltern sind beide Muggel und leben in Deutschland, weshalb ich mit elf nach Beauxbatons gekommen bin und erst im fünften Jahr nach Hogwarts gewechselt habe. Meine jüngere Schwester ist sofort nach England gegangen, als sie von ihren magischen Fähigkeiten gehört hat, also sind wir quasi gleichzeitig dort eingeschult worden. Im Gegensatz zu den eingebildeten Ziegen aus diesem Mädchenpensionat sind die Leute in Hogwarts echt nett. Auch nach der Schule bin ich mit Ginny, Hermine und Luna gut befreundet geblieben. Dass ich in Ravenclaw war und Ginny und Hermine in Gryffindor hat uns nie gestört. Außerdem ist da noch Mildred, meine beste Freundin aus Deutschland, die im Rahmen eines Programms mit dem Muggel nach Hogwarts dürfen, um später in der Magisch-Nichtmagischen Zusammenarbeit zu arbeiten, zusammen mit mir an die Zaubererschule kam. Jetzt wohne ich in einer kleinen Wohnung in London und beende bald mein Studium. Was ich damit anfange, weiß ich noch nicht so genau. Eigentlich würde ich gerne schreiben, aber vielleicht auch im Ministerium arbeiten...
    Und damit ich nicht länger ein gesichtsloses Wesen bleibe, eine kurze – ungeschönte – Selbstbeschreibung: Ich bin fast eins siebzig groß, schlank (aber, um das nicht unerwähnt zu lassen: mit gut verteilten Kurven) und recht blass. Das ist auch schon immer so, nicht erst, seit ich meine Sommer im verregneten London verbringe. Dazu passen auch meine natürlich roten Haare, die in wahrlich wunderschönen Wellen fast bis zu meiner Taille reichen. Im Kindergarten gab es einen Jungen der immer meine Haare streicheln wollte und mich deswegen ganz toll fand, also ist das mit dem ‚wunderschön' keine Übertreibung. Ergänzt wird diese Gesamtkomposition durch große, grüne Augen, volle Lippen und hohe Wangenknochen. Ich höre immer wieder, ich hätte ein Puppengesicht. Mir selbst machen Puppen eher Angst, also weiß ich nicht, was ich von diesem zweifelhaften Kompliment halten soll. Trotzdem bin ich recht zufrieden mit mir, was man auch an meinem Ego bemerkt. Ich komme sehr schlagfertig und selbstbewusst rüber. Außerdem bin ich ein geselliger und offener Mensch, nur manchmal ziehe ich mich in meinen Kopf zurück, wenn mir das ganze Treiben zu bunt wird. Leider kontere ich ein bisschen zu gerne, und auch wenn ich meistens weiß wann ich besser den Mund halte, bringt mich das öfter mal in Schwierigkeiten. Um mich auf der Straße zu erkennen, muss man nur Ausschau nach einer jungen Frau halten, die sich in zeitlose und eher elegante Klamotten hüllt, bevorzugt im Military-Stil. Diesen Winter wartet London mit einer Überraschung auf: Es schneit, und nicht zu knapp, weswegen ich nur in schwarzen Lederstiefeln und einem blauen zweireihigen Mantel auftauche – aber auch das sieht man nicht, bei all dem Schnee. Mein treuer Zauberstab ist elf Zoll lang, geschmeidig, aus Esche und mit einem Kern aus Thestralschweifhaar. Außerdem nimmt mein Patronus die Gestalt eines Fuchses an. Ich denke, das genügt vorerst was meine Person anbelangt. Viel wichtiger sind doch die Ereignisse, die sich in der Vorweihnachtszeit hier im weißen London zutragen:

    Der eisige Wind treibt mir einige Schneeflocken ins Gesicht, als ich die Tür aufstoße und nach draußen trete. Schnell ziehe ich meine Kapuze über den Kopf und knöpfe den Mantel zu. Hinter mir stolpern einige Kommilitonen ebenfalls ins Freie. Auch Ginny, Mildred und Luna schließen sich mir an. „Was für ein furchtbares Wetter. Wer hat da denn Lust auf Uni?“, schimpft Ginny. Hermine taucht auf, natürlich sofort Tadel in der Stimme: „Also ich finde Schnee ja wunderbar zum Lernen. Man kann drinnen sitzen und hat keine Angst, irgendwas zu verpassen.“ „Oh doch, und wie man was verpasst! Zum Beispiel Hausparty heute Abend bei Dean!“, leitet Mildred geschickt über: „Ihr kommt doch alle? Luna? Hermine? Mia?“. Ich schüttle leicht den Kopf: „Ne, heute eher nicht. Ich muss noch meine Arbeit über die Verbreitung der Animagi im zwanzigsten Jahrhundert fertig schreiben und dann fängt nächste Woche doch mein Praktikum im Ministerium an. Aber nächstes Mal sicher!“, füge ich schnell hinzu, als ich den enttäuschten Blick meiner Freunde bemerke. Sie scheinen einigermaßen besänftigt und überlegen laut, was sie heute Abend wohl anziehen würden. Sogar Hermine bekommt rote Wangen vor Aufregung – sie will besonders gut aussehen, um Ron zu beeindrucken. In ihrem siebten Jahr auf Hogwarts hatten sich die beiden ihre Liebe gestanden und waren erst einmal zusammen gekommen, aber...nun ja. Hermine hat einen starken Hang zu rationalen Entscheidungen, auch in diesem Bereich. Nach dem Sieg über Lord Voldemort war sie auf die Universität gegangen und hatte beschlossen, sich auf ihr Studium zu konzentrieren. Außerdem wollte sie sichergehen, dass ihre Liebe nicht einzig aus der Not heraus entstand, da sie ein Jahr lang ohne nennenswerte Kontakte zur Außenwelt miteinander in Zelten verbracht hatten. Also beendeten die beiden ihre Beziehung vorerst. Doch die Chancen stehen gut für ein Happy End. Ich muss lächeln und bereue ein bisschen, mir das Spektakel heute Abend entgehen zu lassen. Die besserwisserische und selbstbewusste Hermine, hibbelig wie ein Schulmädchen. Auch die anderen bemerken ihre Aufregung und versichern ihr eilends, den ganzen Nachmittag zusammen mit ihr auf der Suche nach dem perfekten Outfit zu verbringen. „Also gut Leute, ich muss noch paar Bücher holen und will nach Hause, bevor der Schnee meterhoch steht...Viel Spaß auf der Party – und viel Glück Hermine!“, verabschiede ich mich, als weitere Wolken den kläglichen Rest der Sonne verbergen. „Wir erzählen die morgen alles haarklein.“, verspricht Mildred. „Um eins bei dir?“, fragt Luna. Ich nicke und mache mich auf den Weg zum Ministerium. An meinen schwarzen Stiefeln klebt der Schneematsch, als ich durch den Besuchereingang in das große Atrium gelange. Es herrscht reges Treiben und ich muss mich regelrecht zum Registrierschalter durchkämpfen. Der Portier kennt mich schon von meinen regelmäßigen Besuchen in den Archiven. „Na, draußen scheint es ja richtig gemütlich zu sein, was?“, fragt er mich amüsiert mit einem Blick auf meine nassen Haare. Inzwischen habe ich mich daran gewöhnt, dass Engländer andauernd über das Wetter reden. „Das reinste Paradies“, entgegne ich trocken, „Ich weiß gar nicht, warum alle immer in den Süden fahren wollen.“ Herbert, der Portier, schnaubt in seinen Bart und kramt meinen Besucherausweis hervor. „So, da wäre er. Viel Spaß mit den Akten – und schöne Weihnachtsferien!“, ruft er mir noch hinterher, als ich schon am Gehen bin. Mit einem der Aufzüge fahre ich in den vierten Stock. An den Seiten des langen Ganges der zum Archiv führt stehen Bürotüren offen und ich sehe die Zauberer in den Dienstumhängen eifrig arbeiten. Aus einem der Räume dringen laute Stimmen und als ich gerade vorbeigehen will, stürmt ein junger Zauberer hinaus, ein Pergament in der rechten Hand. Er redet noch immer dem anderen, weshalb er mich nicht sieht und glatt in mich hineinläuft. Mein Ordner fällt auf den Boden und er fährt erschrocken herum. „Kannst du nicht aufpa –„ Der zornige Ausdruck in seinem Gesicht – wohl von dem eben stattgefundenen Streit – weicht einem entschuldigenden Blick: „Oh, tut mir leid, das wollte ich gar nicht sagen.“ „Ist schon in Ordnung“, sage ich schnell und bücke mich nach meinem Ordner. Ich kenne den Mann noch aus Hogwarts, Ron hat sich immer über ihn beschwert. Ich glaube, er heißt Draco Malfoy. Mit all meinen Sachen sicher in der Hand mache ich mich wieder auf den Weg. Im Vorbeilaufen komme ich allerdings nicht umhin, mich noch einmal umzudrehen und ihm zuzurufen: „Nach vorne schauen bewahrt einen vor so unangenehmen Situationen, in denen man sich bei Schlammblütern entschuldigen muss!“ Er starrt mir nur bewegungslos hinterher. Ohne weiter darüber nachzudenken stürze ich mich auf die Archivbestände und suche alles Verwertbare heraus. Diese Abhandlung über Animagi kostet mich inzwischen Monate, schließlich stellt sie meine Abschlussarbeit dar. Neben den Recherchen für den Text beinhaltet sie auch eine Art praktische Aufgabe – ich lasse mich selbst zum Animagus ausbilden und registrieren. Eigentlich habe ich genau deshalb dieses Thema gewählt. Voll bepackt mit noch mehr Büchern und Akten schleppe ich mich eine Stunde später wieder zum Portier, lasse die mitgenommenen Stücke einscannen und gebe meinen Besucherausweis ab. Inzwischen hat sich das Atrium deutlich geleert und von den verbliebenen Zauberern geht ein fast spürbares Sehnen nach dem Feierabend aus. Wieder im London der Muggel angekommen, sehe ich dass es inzwischen dunkel geworden ist. Erst fünf Uhr, aber es fühlt sich an wie später Abend. Auch das Schneetreiben hat zugenommen. Langsam stapfe ich zurück zur Uni und suche auf dem Parkplatz mein Auto. Erst mit Hilfe des elektrischen Wagenöffners finde ich es schließlich in all dem Weiß. Genervt werfe ich die Tasche samt Bücher in den Kofferraum und steige ein. Sofort drehe ich die Sitzheizung hoch und freue mich wieder einmal diebisch über diese Anschaffung. Die ganzen reinblütigen Zauberer leben immer unter ihresgleichen und haben gar keine Ahnung von den Vorteilen, die man als Hexe in der Muggelwelt hat. Nur mit Hilfe ein paar kleiner magischer Tricks konnte ich mir einen Aston Martin leisten, aber es hat sich gelohnt. In einem warmen Auto nach Hause zu fahren und nicht irgendwo zwischen den eisigen Wolken auf einem zugigen Besen rumzuhängen hat definitiv etwas für sich. Ich fahre durch das verschneite London bis zu meiner Wohnung. Der marode Altbau strahlt trotz seiner abblätternden Fassade noch den Glanz alter Tage aus und die beleuchteten Fenster heißen mich willkommen. Ich packe mein Zeug und haste gerade auf die Haustür zu, da sehe ich im Eingang eine große Gestalt stehen. Instinktiv greife ich meinen Zauberstab in der Manteltasche. Erst als ich nur noch einen Meter entfernt bin, erkenne ich Draco. Vollkommen erschrocken bleibe ich abrupt stehen: „Was machst du denn hier?“ Meine Stimme klingt ziemlich entrüstet. „Du hast im Ministerium deine Brieftasche verloren.“ Ich starre ihn weiter an, ohne ein Wort zu sagen. „Als wir zusammengestossen sind, weißt du noch?“ Er wird zunehmend nervös ob meines Schweigens. „Ähm, deine Adresse stand drin und ich wollte sie dir vorbeibringen. Ja, also...hier.“ Er drückt mir den Lederbeutel in die Hand und will gerade gehen, als ich meine Stimme wiederfinde: „Als du in mich hineingerannt bist, meinst du wohl! Und wie kommst du darauf, meine Brieftasche zu durchwühlen! Und dann einfach so vor meiner Haustür aufzutauchen!“ So läuft das immer. Wenn ich verwirrt bin, schaltet mein Gehirn auf Angriff, um nicht dumm dazustehen. Meine Reaktion bringt ihn noch mehr durcheinander. „Ein einfaches ‚Danke' hätte auch gereicht“, meint er kalt. Aha, sein Gehirn arbeitet also mit denselben falsch verknüpften Synapsen. Ich gebe mir einen Ruck, um die Situation nicht eskalieren zu lassen: „Nein, tut mir leid, so war das nicht gemeint. Es wundert mich nur, dass du mir meine Brieftasche hierher bringst, obwohl du sie auch einfach dem Portier hättest geben können. Danke.“ Er scheint zu überlegen. „Dann sind wir ja jetzt quitt, was unpassende Anfeindungen angeht.“ Ich grinse. „Vermutlich.“ Verlegen stehen wir uns gegenüber, während ich fieberhaft überlege, was diese Aktion zu bedeuten hat. Draco hatte nicht erklärt, warum er sich die Mühe gemacht hatte, nach der Arbeit extra herzukommen. Und während sich die Stille langsam ausdehnt, beschließe ich zu handeln: „Ähm, willst du auf einen Kaffee hochkommen? Wo du schon einmal da bist? Irgendwie muss ich mich ja revanchieren.“ Er scheint hin- und hergerissen zu sein, schaut kurz in das Schneegestöber und dann zur Haustür, durch die das warme Licht nach draußen dringt. „Ja ok, wenn du meinst“, nickt er schließlich. Froh, die Kälte endlich verlassen zu können, sperre ich das Schloss auf und steige ihm voran die Treppen in den vierten Stock hoch. „Ich dachte, die Muggel hätten wenigstens Aufzüge“, murmelt er schnaufend. „Haben sie auch“, keuche ich, „aber nur in den modernen Häusern. In einem Altbau muss man laufen, dafür gibt es das schöne Flair.“ Ich kann ihn nicht sehen, während ich mich die Stufen hochquäle, aber sein abfälliger Blick auf die verblassten Tapeten erscheint lebhaft vor meinem inneren Auge. Schließlich halten wir im Dachgeschoss vor einer vertäfelten Holztür. „Willkommen in meinem bescheidenen Heim!“, verkünde ich stolz und bitte ihn mit einer ausladenden Geste hinein. Draco tritt so zögerlich über die Schwelle, als rechnete er mit einer Falle. Ich werfe meine Sachen auf die alte Kommode in der Diele und hänge meinen Mantel an der Garderobe auf. Glücklicherweise ist die Wohnung in einem vorzeigbaren Zustand, sodass es mir erspart bleibt, hektisch herumliegende Sachen unter die Möbel zu stopfen. Also führe ich ihn geradewegs in den großen Wohnraum, in dem die offene Küche direkt in das Wohnzimmer übergeht, getrennt nur von dem freistehenden Küchenblock. Er scheint erleichtert, Zauberwälzer in den wandfüllenden Bücherregalen stehen zu sehen. „So wohnen Muggel? Gar nicht so anders...“, sagt er. „Ich bin auch eine Hexe, schon vergessen? Und natürlich leben Muggel nicht in Erdhöhlen oder auf Bäumen. Mal vom Zaubern abgesehen, machen sie so ziemlich die gleichen Sachen wie wir – essen, schlafen, arbeiten, lernen, feiern“, kontere ich sofort. Er beschwichtig mich: „War ja nicht so gemeint.“ Wieder diese Stille. „Du wolltest Kaffee, nicht wahr?“, sage ich schnell. Draco schaut ein bisschen gequält: „Eigentlich weiß ich nicht wirklich, was Kaffee ist - “ Jetzt lache ich. „Aber zugesagt hast du trotzdem? Mutig mutig! Kaffee ist ein Getränk, nach dem die Muggel quasi süchtig sind. Macht wach und warm, probiers ruhig.“ Er nickt. Ich gehe in die Küche und hole den Espresso aus dem Schrank. Dann fülle ich die Kanne mit Wasser und dem Pulver und zünde den Gasherd an. Während das Wasser zu kochen beginnt, schnappe ich mir Milch aus dem Kühlschrank, um sie ebenfalls aufzuwärmen. Draco stand die ganze Zeit unschlüssig im Wohnzimmer herum, jetzt kommt er näher und beäugt kritisch meine Machenschaften am Herd. „Keine Sorge, ich vergifte dich nicht!“, lache ich. „Das klingt, als würde gleich etwas explodieren“, sagt er mit besorgtem Blick auf die zischende Kaffeekanne. „Auch das nicht“, beruhige ich ihn. Ich schäume die Milch auf und hole zwei Tassen. Belustigt bemerke ich, wie Draco fasziniert all die Muggelgerätschaften betrachtet und verwirrt vor dem Toaster steht. Dann ist der Kaffee fertig, mit einem Schwung lasse ich die dampfenden Becher auf den Wohnzimmertisch fliegen. Damit er sieht, dass ich auch wirklich eine Hexe bin. „Kommst du? Schließlich musst du zusehen, wie ich den ersten Schluck trinke und nicht daran sterbe.“ Er schlendert nach mir zu den beiden Ledersofas, immer noch abgelenkt von all den ihm fremden Gegenständen. Ich sitze schon, als er auf der Couch mir gegenüber Platz nimmt. Die Tasse in der Hand proste ich ihm amüsiert zu und nippe dann an dem heißen Kaffee. Auch er führt das Gebräu mehr als zögerlich an seine Lippen. Als er die Tasse wieder auf dem Tisch zwischen uns abstellt, betrachtet er sie weiterhin: „Das ist gar nicht schlecht. Ein bisschen bitter, aber recht interessant.“ Jetzt blickt er auf. Ich muss schon wieder lachen: „Das wäre eine echt lustige Studie – einen Zauberer in die Muggelgepflogenheiten einführen und seine Kommentare mitschreiben. Es wäre spannend zu erfahren, wie du dich beim Autofahren anstellen würdest!“ Draco sieht leicht pikiert aus, offensichtlich kränkt meine Aussage seinen Stolz. Außerdem legt sich jetzt, da wir beide nur untätig herumsitzen, wieder diese unangenehme Stille über uns. Draußen treibt der Wind große Schneeflocken gegen mein Fenster. „Es ist schön hier“, sagt Draco plötzlich. Ich blicke verwundert auf. „Naja, eine Studentenbude eben. Mit ein paar Verwechslungszaubern könnte mir ich eine viel größere Wohnung erschwindeln, aber eigentlich reicht mir das. Und ich will mir noch Möglichkeiten zur Steigerung lassen.“ „Ich habe eine viel größere Wohnung, aber schöner ist sie dadurch nicht. Und ehrlich, ‚Studentenbuden' sehen anders aus. Die versifften Absteigen meiner Freunde haben hiermit nicht viel gemein.“ Ein bisschen verwirrt lächle ich ob des unerwarteten Kompliments. „Ich bin auch gerne hier. Ist nun mal mein Zuhause.“ Er scheint sich weiter erklären zu wollen: „Es wirkt total freundlich und trotzdem weitläufig. Tatsächlich wie ein Zuhause.“ „Fühlst du dich denn in deiner Wohnung nicht daheim?“ Draco schaut mich verwundert an. „Darüber habe ich ehrlich gesagt nie nachgedacht. Aber nein, irgendwie nicht. Ich bin auch selten da, weil ich viel arbeite.“ Er gibt sich einen Ruck. „Deswegen bin ich auch hergekommen, um dir deine Brieftasche zu bringen. Die anderen wollten heute feiern gehen und ich nicht, aber meine Wohnung ist auch nicht besonders einladend, also dachte ich mir, dass ein kleiner Abstecher nicht schaden kann.“ So viel Offenheit hatte ich nicht erwartet. Er sieht mich unschlüssig an. „Ich sollte dann auch wieder gehen, du wolltest sicher noch arbeiten.“ Als er aufstehen will, strecke ich meine Hand über den Tisch und halte ihn am Arm fest. „Warte. Du...du kannst doch hierbleiben. Meine Freunde sind auch auf einer Party und ich kann lernen, während du hier bist. Wenn du noch was tun musst, Platz ist genug für uns beide.“ Draco hält in seiner Bewegung inne und sein Blick huscht zu meiner Hand auf seinem Arm. Ich ziehe sie rasch zurück. „Also, nur so als Vorschlag. Du hast noch nicht mal deinen Kaffee ausgetrunken“, beende ich kleinlaut meinen Satz. Immer noch im Aufstehen erstarrt, grinst er jetzt amüsiert und setzt sich wieder hin. Verdammt, ich muss rot geworden sein. „Also...?“, frage ich zögernd. Er lächelt und meint dann: „Danke für das Angebot. Wenn das wirklich in Ordnung ist, bleibe ich gerne noch ein bisschen. Ich hab auch Arbeit dabei.“ Gelöst lächle auch ich. „Natürlich ist das in Ordnung. Kannst du hier arbeiten?“ Er nickt. Ich stehe auf, um meine Sachen zu holen. Auf dem Weg in die Diele schwirren meine Gedanken und versuchen, das eben Geschehene zu ordnen. Unmöglich. Aber dazu habe ich später noch genug Zeit, im Moment reicht mir das Wissen, dass aus einem trüben Winterabend ein unerwarteter Abend in Gesellschaft geworden ist. Bepackt mit meinen Büchern komme ich zurück ins Wohnzimmer, wo Draco seine Tasche auspackt und einige Akten, Bücher und Federn auf dem Tisch verteilt. Ich eile noch einmal zurück in den Gang und in mein Schlafzimmer. Dort sitzen in ihrem großen Terrarium meine zwei Ratten Castor und Pollux. Sie haben schon auf mich gewartet, denn traditionellerweise dürfen sie während meiner Recherchearbeiten auf dem Schreibtisch herumlaufen und die Wohnung erkunden. Sie klettern flink von der geöffneten Terrariumtür auf meine Schulter und beschnüffeln erst einmal meine Haare. „Darf ich vorstellen? Castor und Pollux, die beiden verschlagensten Ratten in diesem Universum und meine treuen Lernpartner.“, stelle ich die beiden – wieder im Wohnzimmer – Draco vor. Er sieht sie überrascht an und hält ihnen dann seine blasse Hand entgegen. Castor nutzt die Gelegenheit und springt auf Dracos Arm. „Macht es dir was aus, wenn sie hier rumlaufen, während wir arbeiten?“ „Ähm nein, solange sie meine Unterlagen nicht ankauen“, sagt er belustigt und beobachtet, wie Castor sich jetzt seinen Weg hinunter auf das Sofa bahnt. Den neugierigen Pollux immer noch auf der Schulter setze ich mich an den Küchentisch. Mit der Küche im Rücken kann ich direkt ins Wohnzimmer und zu Draco sehen, zwischen uns stehen nur die eine Couch und der dazugehörige Tisch. „Wenn du irgendwas brauchst, melde dich einfach.“ Und mit dieser Aussage wende ich mich seufzend den Akten zu. Zwei Stunden lang arbeiten wir konzentriert nebeneinander. Draco fertigt wohl irgendwelche Berichte für das Ministerium an, während ich die in den Archiven gefundenen Informationen in meinen Laptop übertrage. Die Arbeit ist mühsam, auch weil die magische Welt von Computern nichts hält und alle Akten handschriftlich angelegt sind. Der Urheber einiger Schriftstücke muss mindestens Halbtroll gewesen sein, zumindest der krakeligen Schrift nach zu urteilen. Immer wieder verzweifle ich an einzelnen Sätzen, die einfach keinen Sinn ergeben. Als ich nach einem besonders schwer zu entziffernden Blatt Pergament beschließe, eine Pause einzulegen, zeigt mein Handy zehn Uhr an. Pollux liegt zusammengerollt in meinem Federmäppchen und schläft. Ein Blick aus dem Fenster zeigt mir, dass der Schnee immer noch gleichmäßig vom Himmel fällt, inzwischen liegt eine dicke Schicht auf dem Fensterbrett. Leise stehe ich auf und hole mir ein frisches Glas Wasser aus der Küche. Draco blickt auf, als er die Geräusche bemerkt. „Du machst Pause?“, fragt er. „Oh ja, redlich verdient. Du auch?“ „Warum nicht. Dann kann ich dich auch endlich fragen, was das für ein Ding ist, auf das du die ganze Zeit einhackst.“ Er deutet auf meinen Laptop. „Das ist ein Computer – komm her, dann erklär ichs dir.“, lache ich. Er umrundet die Couch und baut sich skeptisch vor dem Küchentisch auf. Ich komme mit dem Glas in der Hand zurück und stelle es ab. „Also, das - “ ich drücke ‚Enter', damit der Bildschirm aufleuchtet und das Textdokument zeigt, „ist ein Laptop. Eine Maschine der Muggel, mit der sie so ziemlich alles tun. Man kann damit schreiben, so wie hier, das geht viel schneller als mit den Setzmaschinen, die die Zauberer für ihre Bücher verwenden. Naja, wenn man Muggel ist, mit Zauberei geht natürlich alles schneller. Und es ist leserlich, ganz im Gegensatz zu diesen Akten aus dem Archiv.“ Ich werfe einen abfälligen Blick auf die verstreuten Blätter. „Und außerdem kann man damit ins Internet gehen. Wie erkläre ich das nur? Also, im Internet gibt es einen Haufen Daten, die quasi dort gesammelt werden, aber jeder kann darauf zugreifen – mit einem Computer. Man kann auch selber Informationen im Internet veröffentlichen und sich mit anderen austauschen. Das läuft über Funkwellen – glaube ich – und ellenlange Kabel. Und über das Internet kann man sich auch Nachrichten schicken, zum Beispiel e-mails. Ähnlich wie die Memos im Ministerium, bloß braucht man dazu kein Papier. Ich schreibe einen Text, versende ihn – der läuft dann über irgendwelche Server durch die Kabel und so – und innerhalb von Sekunden kommt er bei dem anderen an. Ganz egal, wie weit weg der ist.“ Ich breche ab und schaue ihn zweifelnd an. Vermutlich hätte das nicht einmal ich selbst verstanden, zumal ich trotz meiner Muggelabstammung wenig Ahnung von Technik habe, aber er scheint zu begreifen. So irgendwie zumindest. Er betrachtet weiterhin aufmerksam nach meinen Bildschirm, zeigt dann auf die Tastatur und sieht mich fragend an: „Darf ich?“ „Ja klar, probiers aus.“, grinse ich. Wie ein kleines Kind tippt Draco einige Tasten, erstaunt davon, dass die Buchstaben auf dem Schirm erscheinen. Ich zeige ihm noch mein Mailprogramm und Facebook. Als wir schließlich den Laptop zuklappen, sieht er doch verwirrt aus. „Und die Leute schreiben da alle ihre persönlichen Daten rein, damit die jeder lesen kann? Das ist doch dumm!“ „Und damit hast du den Kern der Problematik genau erfasst, ohne irgendeine Ahnung davon zu haben“, lache ich. „Komm mit ins Wohnzimmer, jetzt muss ich dir doch noch die Büchse der Pandora für Muggel zeigen.“ Er folgt mir auf die Couch, wo ich mit einem Schwenk meines Zauberstabs eine Leinwand von der Decke lasse. „Man nennt es Fernsehen - “ „Das hab ich schon mal gehört!“, unterbricht er mich freudig. „Dann kennst du Filme?“ Ich schalte den Beamer ein und suche irgendeinen Film aus der Datenbank. Der Anfang von ‚Avengers' leuchtet auf der Leinwand auf. Fasziniert betrachtet er die bewegten Bilder. „Manche Muggel produzieren Filme, die sich alle anderen dann anschauen können. Es gibt welche, um sich zu unterhalten, welche für Nachrichten und auch Dokumentationen, in denen Fakten vermittelt werden sollen. Ich drehe gerade selber eine Art Bericht für meine Abschlussarbeit.“ Fragend sieht er mich an: „Worum geht es dabei eigentlich? Du scheinst ja ziemlich viel Zeit im Archiv zu verbringen.“ Stolz erzähle ich es ihm. „..und neben meiner Abhandlung über die Verbreitung der Animagi gibt es auch einen praktischen Teil. Ich lasse mich selbst zum Animagus ausbilden und filme den Prozess. Dabei geht es um so Aspekte wie Sicherheit, Probleme im Transformationsprozess und wie man das System generell verbessern kann.“, beende ich meine Ausführung. Draco nickt anerkennend. „Das klingt interessant – und nach viel Arbeit. Kein gerade leichtes Thema! Kann ich den Film sehen, wenn er fertig ist?“ Ich lächle verlegen. „Wenn er gut wird, dann gerne. Er sollte in ein paar Wochen im Kasten sein.“ „Dann kommt jetzt noch die spannendste Frage: In was für ein Tier verwandelst du dich denn?“ „In einen Fuchs“, antworte ich. Er lacht: „Das passt irgendwie. Nicht nur wegen deiner roten Haare“, fügt er rasch hinzu. Gedankenverloren sieht er mich an. Auch ich betrachte ihn jetzt näher. Mit seinen blonden Haaren und den grauen Augen sieht er sehr gut aus. Und auch wenn ihm der arrogante Gesichtsausdruck steht, so wirkt er doch jetzt, entspannt und interessiert, sehr viel sympathischer. Gar nicht mehr wie das Arschloch, als das er mir von meinen Freunden immer präsentiert wurde. Ein Klingeln an der Tür reisst mich aus meinen Gedanken. Er blickt erschrocken auf: „Wer ist das?“ „Keine Ahnung, eigentlich sollte heute niemand mehr kommen“, erwidere ich zögernd. Die Klingel schrillt erneut. „Ich schau mal nach“, sage ich zu ihm, dann stehe ich auf und laufe in die Diele. Durch den Türspion erkenne ich Ginny, Mildred, Hermine und Luna. Na wunderbar, gerade jetzt. Ich öffne die Tür. „Hallöchen Mia!“, ertönt es schon. „Na, Lust auf eine angenehme Lernpause und spannende Geschichten?“, raunt mir Mildred ins Ohr und sie zwinkert in Richtung Hermine. „Ähm, was macht ihr denn hier? Ihr wolltet doch auf die Party gehen?“, stammle ich nur. Hermine runzelt die Stirn: „Sag mal, machst du grade irgendwas Wichtiges?“ Ihr Blick fällt zielgerichtet auf Dracos Mantel an der Garderobe. „Hast du etwa Besuch?“ Die anderen sehen mich erstaunt an. „Ist da ein Kerl in deiner Wohnung?“ „Na komm schon, lass uns rein!“ „Anscheinend hast du auch was zu erzählen.“ Sie rufen alle durcheinander. Um weiteren Krawall im Treppenhaus zu vermeiden trete ich beiseite und lasse sie in die Diele. Sie löchern mich immer noch mit ihren Blicken und versuchen gleichzeitig, einen Blick durch die Wohnzimmertür zu erhaschen. „Haltet die Klappe!“, zische ich. „Hier läuft nichts Komisches, ich hab nur grade wenig Zeit und wundere mich, dass ihr schon um elf von einer Party verschwindet. Wir treffen uns doch sowieso morgen - “, starte ich einen letzten kläglichen Versuch, sie von Draco fernzuhalten. Aber da steht er auch schon in der Tür. „Ist hier alles in Ordnung? Ich hab irgendwas Seltsames gehört“, fragt er, den Zauberstab in der Hand. „Nein, alles in Ordnung, die hier“, ich deute auf die versammelte Runde, „wollten nur kurz vorbeischneien und mir den neuesten Klatsch mitteilen.“ Naja, ‚alles in Ordnung' ist eine maßlose Übertreibung. Ginny und Mildred starren Draco mit offenen Mündern an, während Hermines Blick ständig von mir zu ihm und wieder zurück flackert. Nur Luna wirkt mit ihrem verwunderten Ausdruck wie immer. „Ähm, Draco, das sind Ginny, Mildred, Hermine und Luna, ihr alle, das ist Draco Malfoy.“, stelle ich sie einander vor, um die unangenehme Stille zu beenden. Endlich lösen sich meine Freunde aus ihrer Starre und murmeln ein paar Begrüßungen. Auch Draco nickt kurz und sieht dann zu mir: „Ich sollte besser gehen, morgen ist wieder Arbeit angesagt und ich muss ins Bett.“ Er dreht sich um und packt seine Sachen. Die anderen starren mich eindringlich an und beginnen schon wieder durcheinander, mich mit Fragen zu löchern. „Gleich, jetzt wartet noch eine Minute“, beschwöre ich sie. Draco kommt zurück, die Tasche über der Schulter, und zieht seinen Mantel an. „Geht doch schon mal vor, ich komme gleich nach“, sage ich so bestimmend wie möglich – ohne dabei zu auffällig zu klingen – zu den anderen. Sie verschwinden ins Wohnzimmer, nicht ohne sich dabei mehr als einmal umzudrehen und mich neugierig anzusehen. Ich öffne die Haustür und Draco tritt ins Treppenhaus. „Das war ein angenehmer Abend“, meint er. „Bis jetzt“, seufze ich: „Du glaubst ja gar nicht, was ich mir gleich alles anhören darf. Da erscheint mir deine kalte Wohnung sehr viel einladender.“ Er grinst. „Vermutlich hast du recht. Aber trotzdem – war schön.“ „Wir könnten das wiederholen. Ist nett, zusammen zu arbeiten“, schlage ich zögernd vor. „Mal sehen.“ Mein Magen zieht sich zusammen. „Nein, eigentlich gerne. Machen wir aus, wenn du wieder mal im Ministerium bist, ok?“ Sofort entspanne ich mich wieder. Das ist mir wohl anzusehen, denn er lächelt. Dann, zu meiner absoluten Überraschung, beugt er sich zu mir hinunter und küsst mich leicht auf die Lippen. Es ist nur ein kurzer Kuss, aber ich habe selten so viel Spannung und Euphorie gleichermaßen gefühlt. Nach einem kurzen Moment lösen sich unsere Lippen wieder voneinander und er steigt – mich vollkommen verwirrt in der Tür zurücklassend – die Treppe hinab. Einige Sekunden verharre ich reglos im Türrahmen. Schließlich beginnt mein Gehirn wieder zu arbeiten, ich schließe die Tür und gehe langsam zu den anderen ins Wohnzimmer. Sie sitzen wie bei einem Straftribunal im Halbkreis auf den beiden Ledersofas und starren mich an. Ohne ein Wort zu sagen, hole ich den schweren Aschenbecher aus dem Schrank, stelle ihn auf den Couchtisch und setze mich, immer noch stumm, neben sie. Ich atme langsam aus, dann seufze ich und sage: „Na gut, fangt an.“ Sie werfen mir einen Haufen Fragen an den Kopf, die ich allesamt nicht verstehe, weil sie wieder einmal gleichzeitig reden. Schließlich bringt Hermine die anderen zum Schweigen (sie ahmt auf vortrefflichste Art und Weise Professor Umbridges geziertes Hüsteln nach, das alle erschaudern lässt). „Hört mal, ich stehe euch ja schon Rede und Antwort, aber bitte wenigstens der Reihe nach“, bitte ich sie resigniert. Ginny bietet mir eine Zigarette an und zündet sich selbst eine an. Dankbar für eine Beschäftigung inhaliere ich den ersten Zug. Hermine beginnt: „Also dann, der Reihe nach: Heute nachmittag haben wir uns von einer Mia verabschiedet, die eine Partyeinladung mit der Begründung ausgeschlagen hat, sie müsse arbeiten – obwohl nicht einmal ich heute arbeite – und jetzt kommen wir in deine Wohnung und da sitzt Draco Malfoy - “ sie betont seinen Namen besonders ausdrücklich, „und...und...ich weiß nicht, was ihr getan habt, überhaupt verstehe ich eigentlich gar nichts!“, endet sie kleinlaut. „Was wollt ihr denn wissen?“, spanne ich sie weiter auf die Folter. Auch wenn sie dem Abend mit Draco ein ziemlich abruptes Ende bereitet haben, ich finde Gefallen an ihren verdatterten Gesichtern. „Na ALLES!“, mischt sich jetzt Mildred ein: „Was zum Teufel ist in diesen paar Stunden passiert? Warum war er hier? Was habt ihr getan? Ist er gut im Bett? Wieso hast du uns das nicht erzählt?“, sprudelt es aus ihr heraus. Ich hebe abwehrend meine Hände und sage ruhig: „Ihr wollt also alles wissen, oder?“ Sie nicken eifrig und ich grinse. „Jetzt hör auf uns zu quälen und pack schon aus!“ Das kommt wieder von Hermine. Gespielt entnervt seufze ich erneut und beginne dann endlich: „Also erst einmal – ich weiß nicht, ob er gut im Bett ist, weil da absolut nichts lief, in Ordnung?“ Leider laufe ich dabei ein wenig rot an und Mildred lacht triumphierend. Sie ignorierend fahre ich fort: „Und zweitens verheimliche ich euch auch nichts, weil es bis jetzt gar nichts zu erzählen gab. Um die Lücken zwischen heute Nachmittag und jetzt zu füllen: Ich war im Ministerium, bin mit ihm zusammengestoßen, hab meinen Geldbeutel verloren und er hat ihn vorbeigebracht. Genauer gesagt stand er damit vor meiner Tür, als ich heimkam.“ „Das ist immer noch ein weiter Weg von einem Typ unten auf der Straße zu einem verlegenen Draco in deinem Wohnzimmer“, unterbricht mich Ginny. „Ja ja, dazu komme ich noch. Ich hab ihn zum Dank auf einen Kaffee eingeladen und als er wieder gehen wollte hab ich ihn gefragt, ob er dableiben will und wir zusammen arbeiten.“ Luna kichert: „Zusammen arbeiten? Das klingt nach einem perfekten Date für Hermine.“ Diese stimmt mit ein. „Er hat gesagt, dass seine Freunde feiern sind und seine Wohnung nicht gerade einladend wirkt. Also warum nicht? Auf jeden Fall haben wir das getan, zwei Stunden lang, dann durfte ich ihm das Prinzip eines Computers erklären und wir haben uns noch unterhalten. Ich hätte vielleicht mehr zu erzählen, wenn daraufhin nicht ihr vor der Tür gestanden wärt und ihn vertrieben hättet!“, berichte ich brav. „Seine Freunde waren auch bei Dean – haben sich ein bisschen beschwert, dass er alleine daheimsitzt und arbeitet. Wenn die wüssten!“, lacht Ginny. Mildred sieht mich neugierig an: „Und wie habt ihr euch verabschiedet?“, will sie wissen. Jetzt haben sie mich erwischt. Ich blicke verlegen auf meine Hände und nehme noch einen Zug aus der fast heruntergebrannten Zigarette. „Wir haben ausgemacht, dass wir das wiederholen. Und dann -“, ich spreche jetzt leise und ziemlich schnell, „dann hat er mich geküsst. Ganz kurz nur!“ Sie geben alle Arten von merkwürdigen Geräuschen von sich, von Luna kommt sogar ein erstauntes Gurgeln. „Er hat dich GEKÜSST?“, schreit Mildred, „und ich dachte, WIR hätten was Spannendes zu erzählen!“ Hermine betrachtet mich nachdenklich: „Und wie geht das jetzt weiter? Ich meine, das ist Draco Malfoy, ich dachte er hasst Schlammblüter.“ „Ich weiß es nicht“, gebe ich ehrlich zu. „Aber bisher hatte ich auch wenig Zeit, mir darüber Gedanken zu machen.“ „Und was willst du?“, hakt sie nach. Hermine konnte so unnachgiebig sein und sie fand auch noch immer auf Anhieb die wesentlichen Punkte. Ich antworte ihr zögernd: „Bis heute Abend fand ich Draco nicht mehr als heiß und arrogant, aber...es war schön, wisst ihr? Er war echt interessiert an all dem Muggelzeug – er hat sich sogar dazu herabgelassen, Kaffee zu probieren. Wir haben uns gut unterhalten. Und als er mich geküsst hat...das war schon...unglaublich. Castor und Pollux mögen ihn auch!“ „Na, wenn deine Ratten ihn mögen ist die Sache ja geritzt“, wirft Mildred sarkastisch ein. „Ihr wisst, was ich meine“, entgegne ich langsam. „Ja, das tun wir – du hast dich in Draco Malfoy verknallt“, kichert jetzt wieder Luna. Alle lachen und auch ich stimme mit ein. Irgendwie haben sie Recht. Ich zünde mir noch eine Zigarette an, um mich zu beruhigen. „Wenn das dein ‚Arbeiten' ist, dann verstehe ich, warum du die Party ausgeschlagen hast“, sagt Ginny, während ihr Lachtränen die Wange hinunterlaufen. „Das darf ich mir jetzt ewig anhören“, seufze ich, „aber sagt mal, wolltet ihr mir nicht eigentlich auch was erzählen? Party? Hermine? Ron?“ Jetzt wird Hermine rot. „Sie haben rumgeknutscht und dann hat er ihr eine Szene gemacht, dass sie das viel einfach haben hätte können und dass er doch nicht ihr Spielzeug ist“, schildert mir Ginny die Ereignisse in Kurzfassung. „Aber sie haben sich wieder vertragen“, ergänzt Mildred, „und jetzt sind sie zusammen.“ „Wow!“, rufe ich. Hermine – immer noch mit leuchtenden Ohren – lächelt mich an. „Und jetzt wirklich“, erklärt sie. Den Rest des Abends erläutern sie mir alle Details (Pansy Parkinson hatte was mit Blaise Zabini – „obwohl sie doch eigentlich total auf Draco steht, aber da wird jetzt wohl nichts mehr draus“) und um zwei Uhr morgens verabschiede ich sie schließlich. Ich sehe sie von meinem Fenster aus auf die verschneite Straße treten. Langsam sammle ich die Unterlagen auf dem Tisch ein, um sie einigermaßen ordentlich zu stapeln. Dann pflücke ich Castor und Pollux, inzwischen einträchtig nebeneinander schlafend, aus einem meiner Umhänge und trage sie in das Terrarium. Sie sehen mich aus müden Augen an, kriechen träge in ihr Häuschen und nicken sofort wieder ein. Auch ich bemerke jetzt die bleierne Müdigkeit. So schnell wie möglich putze ich meine Zähne, schminke mich ab und falle dann nur noch ins Bett. Ohne einen weiteren Gedanken an das Geschehene zu verschwenden schlafe ich ein.

    Fast eine Woche ist vergangen, seit der Abend mit Draco mich von einem vernünftigen und klar denkenden Menschen in einen verliebten Volltrottel verwandelt hat. Zusammen mit Ginny, Hermine, Mildred und Luna habe ich alles zigfach durchgekaut, aber die ganze Wahrheit kennen sie immer noch nicht. Die sieht nämlich so aus: Ich habe mich Hals über Kopf in Draco Malfoy verliebt, nicht dieses pubertäre Schwärmen, sondern echtes Verliebtsein, wie ich es bisher nicht von mir kannte. Und ich weiß beim besten Willen nicht, ob er zumindest ansatzweise ähnlich fühlt. Glücklicherweise arbeitet mein Gehirn noch einigermaßen normal, sodass ich erst jetzt – sechs Tage später – wieder im Ministerium auftauche. London versinkt inzwischen in weißgrauem Matsch. In den Büros arbeitet nur die Minimalbesetzung, alle anderen haben sich über Weihnachten freigenommen. Herbert, der Portier, ist auch weg und an der Rezeption sitzt eine gelangweilte Hexe mittleren Alters, der ihr Unmut deutlich anzusehen ist. Sie braucht mehrere Minuten, um meinen Besucherausweis hervorzukramen und widmet sich dann grußlos wieder ihrem Kreuzworträtsel. Deutlich aufgeregter als bei meinen bisherigen Besuchen fahre ich in den vierten Stock. „Vierter Stock: Abteilung zur Führung und Aufsicht Magischer Geschöpfe“, verkündet die monotone Frauenstimme als sich die Aufzugtüren rasselnd öffnen. Irgendwie hoffe ich Draco hier zu begegnen, auch wenn das mehr als unwahrscheinlich ist. Er arbeitet ein Stockwerk weiter unten, in der Abteilung für internationale magische Zusammenarbeit. Also stapfe ich geradewegs in das Archiv und sortiere die ausgeliehenen Akten wieder ein. Meine Arbeit ist fast fertig und heute bekomme ich die offizielle Bestätigung über meine Animagus-Identität. Nachdem alle Unterlagen sicher verstaut sind, mache ich mich klopfenden Herzens auf in das Büro der Registrierungskommission für Animagi. Amos Diggory erwartet mich bereits. „Oh hallo Miss Rosenfeld, schön sie wiederzusehen!“, begrüßt er mich. Ich schüttle ihm die ausgestreckte Hand und setze mich dann auf einen Stuhl ihm gegenüber. „Heute ist es endlich so weit, nicht wahr? Ihre offizielle Registrierung als Animagus. Schön schön, dann müssen wir jetzt nur noch die Formalitäten klären -“ Er kramt in seinen Papieren und fördert ein amtlich wirkendes Formular zutage. „Wenn sie das kurz ausfüllen würden“, sagt er freundlich. Ich gebe alle erforderlichen Daten ein und setze schwungvoll meinen Namen darunter. Dann blicke ich ihn fragend an: „Ist das schon alles?“ „Fast alles – ich muss nur noch sehen, wie sie sich verwandeln, damit ich das absegnen kann. Könnten sie das kurz für mich tun? Wie ich hier lese, werden sie ein Fuchs, der ist klein genug um in mein Büro zu passen. Sie glauben ja gar nicht, was für einen Schreck ich bekam, als sich John Cresswell letztes Jahr in einen Elefanten verwandelt und meine gesamte Einrichtung demoliert hat“, lacht er. „Nein, ich bin viel handzahmer“, versichere ich ihm im Aufstehen. Ich schließe die Augen und konzentriere mich. Als ich wieder aufsehe, ragt das Büro größer vor mir auf als zuvor. Leichtfüssig springe ich mit meinen vier Beinen auf den Besucherstuhl. „Sehr schön!“, jauchzt Mr. Diggory, „ein wunderbarer Rotfuchs. Sie können sich jetzt zurückverwandeln.“ Wieder in meiner menschlichen Gestalt nehme ich den kleinen Ausweis in die Hand, den Amos Diggory mir entgegenstreckt. Neben seiner Unterschrift prangt das leuchtende Wappen des Ministeriums auf dem Pergament. „Danke, Mr. Diggory. Ich wünsche ihnen noch frohe Weihnachten“, verabschiede ich mich, dann stehe ich auf dem Gang. Ausgebildeter und registrierter Animagus. Die Vorstellung, mich jederzeit in einen flinken Fuchs verwandeln zu können, breitet sich warm in meiner Brust aus. Manche Zauberer brauchen dafür Jahre, ganz zu schweigen von den Anstrengungen, die es kostet, überhaupt eine Genehmigung zu erhalten. Beschwingt fahre ich ein Stockwerk tiefer. Langsam gehe ich den Gang entlang und suche auf den Türschildern nach Dracos Namen. Auf der rechten Seite, weit vom Aufzug entfernt, leuchtet er mir schließlich entgegen. „Draco Malfoy – Internationales magisches Recht“ steht da auf einer Messingtafel. Ich will gerade klopfen, da höre ich Stimmen aus dem Büro dringen. Die Hand einige Zentimeter vor dem schweren Holz halte ich inne. „Sie wissen, dass das hier keine Frage des Wollens ist, Mr. Malfoy. Ihre Mutter gab mir ihr Wort! Nur weil der Dunkle Lord gefallen ist, heißt das noch lange nicht, dass wir die alten Traditionen einfach über Bord werfen! Das reine Blut ist keine neuartige Erfindung, es reicht Jahrtausende zurück. Und sie werden doch nicht bezweifeln wollen, dass Pansy einen erstklassigen Blutstatus vorzuweisen hat. Ehrlich, ich weiß nicht, was sie dazu bewogen hat, ihre Entscheidung in Zweifel zu ziehen.“ Der Mann hat sich in Rage geredet und bricht jetzt ab. Draco scheint etwas zu erwidern, aber ich verstehe ihn nicht. Dann ertönt wieder die barsche Stimme des Fremden: „Ich gehe jetzt, Mr. Malfoy und sie sollten weiterarbeiten. Wir sehen uns am Wochenende auf meinem Landsitz, bis dahin haben sie besser ihre Zweifel aus dem Weg geräumt. Vergessen sie nicht, wer ihnen diese Stelle verschafft hat!“ Schwere Schritte kommen näher. Panisch suche ich den Gang nach einer Versteckmöglichkeit ab und verschwinde gerade noch rechtzeitig in einem Büro gegenüber. Schnell schließe ich die Tür und atme erleichtert aus. „Kann ich ihnen behilflich sein, Miss?“, fragt mich ein untersetzter Zauberer hinter seinem Schreibtisch. „Oh, nein...muss mich in der Tür geirrt haben“, stottere ich nur. An der Tür lauschend höre ich die Schritte in der Ferne verhallen. Der Ministeriumsarbeiter blickt mich verwirrt an. „Tut mir leid“, bringe ich noch heraus, „schöne Weihnachtsferien!“ Dann trete ich wieder auf den Gang, der jetzt wie ausgestorben vor mir liegt. Das Gespräch klang beunruhigend. Trotzdem nähere ich mich Dracos Tür und diesmal klopfe ich sofort. Eine harte Stimme ruft: „Herein!“ Zögernd drücke ich die Klinge hinunter. Draco sitzt hinter ordentlich gestapelten Akten und sieht mit zusammengezogenen Brauen in meine Richtung. Als er mich erkennt, löst sich die Anspannung für einen Moment aus seinem Gesicht. „Oh, du bist das, ich wusste nicht, dass du heute hier bist.“ Schon wieder überschattet ein sorgenvoller Ausdruck seine ebenmäßigen Züge. Verwirrt antworte ich: „Ich bin spontan vorbeigekommen. Ähm, störe ich dich?“ „Nein, tust du nicht. Entschuldige, ich wollte nicht abweisend klingen.“, beschwichtigt er sofort, „wie kann ich dir denn helfen?“ Unschlüssig bleibe ich mitten im Raum stehen. Er weiß doch noch, dass wir uns treffen wollten, oder? „Ich hab heute meine amtliche Bestätigung gekriegt – als Animagus, weißt du noch?“, helfe ich ihm auf die Sprünge. Draco nickt langsam. „Und naja, außerdem wollten wir doch das nächste Arbeitstreffen ausmachen?“, fahre ich nervös fort. Er sieht mich lange und nachdenklich an, dann verhärtet sich seine Mimik und er sagt bestimmt: „Tut mir leid, aber das wird wohl nichts werden. Der Abend bei dir war nett, trotzdem war das doch eine einmalige Sache nicht? Ich hatte angenommen, dass du es vergessen würdest. Aber Glückwunsch zur Registrierung.“ In mir verkrampft sich alles. War das für ihn wirklich alles gewesen? Ein netter Abend und mehr nicht? Innerlich beschimpfe ich mich selbst für meine grenzenlose Naivität. Aber irgendetwas stimmt nicht. Ich glaube ihm nicht. Ohne weiter darüber nachzudenken, lege ich die Karten auf den Tisch: „Oh, ich dachte schon, dass wir das wiederholen würden. Hat dieses Gespräch vorhin etwas mit deinem Meinungswechsel zu tun?“ Angestrengt halte ich die Luft an. Wie wird er darauf wohl reagieren? „Was...du hast mich belauscht?“, fährt er mich an, „dazu hattest du kein Recht! Und außerdem geht es dich nicht im Geringsten etwas an. Bitte lass mich jetzt in Ruhe.“ Seine Stimme ist kalt, doch im letzten Satz höre ich einen fast flehenden Unterton heraus, der so gar nicht zu seiner Aussage passen will. Vollkommen vor den Kopf gestossen drehe ich mich abrupt um und stürme aus Dracos Büro. Ich laufe zu den Aufzügen, dann durch das fast leere Atrium und halte erst wieder an, als mir der Wind vor dem Besuchereingang um die Ohren pfeift. Keuchend stemme ich die Fäuste in meine Rippen und überlege fieberhaft, was das gerade zu bedeuten hatte. Einerseits kann ich mich natürlich getäuscht haben und er ist doch das arrogante Arschloch, vor dem mich alle gewarnt haben, oder aber – dieser Gedanke nimmt immer breiteren Raum ein – es steckt mehr dahinter. Es will mir nicht aus dem Sinn gehen, dass dieser Streit mit Mr. Parkinson, wie ich vermute, etwas mit Dracos Stimmungsumschwung zu tun hat. Aber selbst wenn das der Fall sein sollte, was nützt mir das? So oder so hat er gerade unmissverständlich zum Ausdruck gebracht, dass er mich nicht sehen will. Als ich schon resigniert beschließe, nach Hause zu gehen, halte ich plötzlich inne. Ich könnte es herausfinden. Was ich mit der wie auch immer gearteten Wahrheit dann anfangen soll weiß ich nicht, aber immerhin stehe ich dann nicht mehr wie ein Trottel vor mir selbst da. In meinem Kopf festigt sich der Plan. Seit heute bin ich ein amtlich registrierter Animagus, das lässt sich doch ausnützen. Ohne weiter darüber nachzudenken verschwinde ich in einem dunklen Hauseingang und entledige mich meiner menschlichen Gestalt. Augenblicklich wärmt mich das dichte Fell. Ich schleiche zurück zum Ministeriumseingang und kauere mich in eine Ecke, um zu warten. Der buschige Schwanz schmiegt sich um meinen kleinen Fuchskörper. So verharre ich fast eine Stunde in der Kälte und beobachte unbemerkt den Eingang, bis ich auf einmal Draco ins Freie treten sehe. Er sieht sich suchend um. Hoffentlich appariert er jetzt nicht, denke ich mir. Das würde all meine Beschattungsversuche augenblicklich zunichtemachen. Aber er stapft zu Fuss los in Richtung Stadtrand. Mich immer wieder in Hauseingängen verbergend folge ich Draco eine schiere Ewigkeit. Er hält schließlich vor einem großen Herrenhaus am Rand der Stadt. In dieser Gegend ist vom turbulenten Durcheinander der Innenstadt nichts mehr zu spüren. Die Häuser stehen weiter voneinander entfernt, jedes ist von einem gepflegten Garten umgeben. Die Villa, bei der Draco jetzt klingelt, wird mit einer hohen Hecke vor neugierigen Blicken geschützt. Ich taste mich vorsichtig näher heran. Das schmiedeeiserne Tor öffnet sich und Draco geht zügigen Schrittes die lange Einfahrt hinauf zur Tür. Bevor sich das Tor wieder schließen kann, husche ich hindurch und laufe – von den großen Bäumen der Allee geschützt – ihm hinterher. In der Haustür steht eine schlanke Frau mit harten Gesichtszügen, die seine Mutter sein muss. Sie begrüßt Draco und nachdem er im Haus verschwunden ist, schließt sie die Tür. Frierend im schneebedeckten Gras stehend überlege ich meine weitere Vorgehensweise. Bisher hat mir dieser Ausflug keinerlei neue Erkenntnisse beschert. Da entdecke ich ein kleines offenes Kellerfenster, gerade breit genug für einen Fuchs. Beherzt springe ich hinein und lande auf einem Stapel Holz. Nachdem ich mich wieder aufgerappelt habe, schleiche ich mich weiter ins Haus, die Treppe nach oben in eine weitläufige Eingangshalle. Stimmen dringen aus einem Zimmer links von mir. Glücklicherweise führt eine Tür daneben in einen leeren Salon, von dem aus man durch einen semitransparenten Spiegel in das Zimmer sehen kann, in dem Draco jetzt mit seiner Mutter am Tisch sitzt. Ich komme nicht umhin, die kontrollsüchtigen Zaubererfamilien für ihren Einfallsreichtum zu bewundern, so ein Spiegel ist wirklich praktisch. Ich kann nicht nur das Geschehen genauestens verfolgen, sondern auch hören, was gesagt wird. „Draco, Mr. Parkinson hat mich vorhin kontaktiert, er meinte, du würdest an deiner Entscheidung zweifeln! Das kann doch nicht wahr sein, oder?“, sagt Narzissa beunruhigt. Draco antwortet ihr: „Ich war mir tatsächlich über ein paar Dinge nicht ganz im Klaren. Aber das ist geregelt, ich halte mich an die Abmachung.“ Dracos Mutter atmet erleichtert aus. „Das ist eine ernste Sache, Draco. Vielleicht unsere einzige Chance, unsere alte Stellung als angesehene Zaubererfamilie wiederzuerlangen!“ „Ich weiß, Mutter, ich weiß“, versucht Draco sie zu beschwichtigen, aber vergeblich: „Ohne Mr. Parkinson hättest du ewig auf eine solche Anstellung warten müssen. Das Ministerium ist sehr kritisch, was unsere Familie angeht. Und Pansy ist seit Jahren in dich verliebt, sie zu heiraten ist keine große Sache.“ Sie zu heiraten – mein Herz setzt einen Schlag lang aus. Jetzt endlich verstehe ich. Draco erwidert noch etwas, aber ich höre schon nicht mehr zu. Schnell husche ich zurück in den Keller, klettere aus dem Fenster und aus dem Garten. Die dunkle Straße wird von den gelben Straßenlaternen nur notdürftig beleuchtet. Immer noch in Fuchsgestalt laufe ich in die Stadt. Zwei Blocks von meiner Wohnung entfernt grüble ich tief in Gedanken versunken über das eben Gehörte nach, als plötzlich eine Gestalt um die Ecke biegt und geradewegs in mich hineinläuft. Der Mann blickt sich verwirrt um, bis er den Fuchs auf dem Boden bemerkt. Es ist Draco. Er will gerade weitergehen, da dreht er sich zu mir um und fragt leise: „Mia, bist du das?“ Unschlüssig sehe ich ihn an. „Nein, natürlich nicht, Draco, das ist einfach ein Fuchs“, sagt er verärgert zu sich selbst. Aber in diesem Augenblick verwandle ich mich und stehe in Menschengestalt vor ihm. „Du bist es tatsächlich!“, ruft Draco verwundert. „Gut erkannt“, antworte ich kalt. Stille liegt über uns, während wir auf dem verschneiten Gehsteig voreinander stehen. Draco flüstert: „Es tut mir leid“, und will gehen. Ich packe ihn an der Schulter und ziehe ihn grob herum. „Nein, du gehst jetzt nicht.“, sage ich laut. Verwirrt sieht er mich an. „Ich weiß, warum du mich vorhin so blöd hast dastehen lassen. Und ich will die ganze Geschichte hören. Von dir.“ „Was weißt du? Du kannst gar nicht -“ Er bricht ab. „Doch, das kann ich. Und auch wenn du mir keine Rechenschaft schuldig bist, würde ich mich sehr freuen, wenn du mich in meine Wohnung begleiten und mir alles von Anfang bis Ende erzählen würdest. Dann kannst du ja immer noch Pansy heiraten.“, entgegne ich bestimmt. Dracos Ausdruck der Verwirrtheit weicht blankem Entsetzen. „Woher -“, stammelt er. Ich sage nichts, sondern sehe ihn nur auffordernd an. Er seufzt resigniert, als er einsieht, dass ich ihm hier auf der Straße keine weiteren Antworten geben würde. „Gut, ich komme mit.“ Und mit einer ausholenden Geste bittet er mich voranzugehen. Schweigend stapfen wir die restlichen Meter zum Haus und die Treppe nach oben. Erst als die Tür in Schloss fällt und wir uns im Wohnzimmer einander gegenüber auf die Couchen gesetzt haben, unterbricht er die Stille: „Ich bin hier, also woher zum Teufel weißt du von Pansy? Das kannst du nicht alles aus dem Gespräch mit Mr. Parkinson geschlossen haben!“ Vorsichtig setze ich zu einer Erklärung an: „Nein, der Streit in deinem Büro hat mich nur verwirrt. Aber irgendwie wollte ich dir nicht glauben, als du meintest, du hättest den letzten Abend für eine einmalige Sache gehalten, also...bin ich dir gefolgt. Zum Haus deiner Mutter und habe dich belauscht. Und jetzt weiß ich, dass Mr. Parkinson dir deine Stelle in der Abteilung für internationale magische Zusammenarbeit besorgt hat und dass du im Gegenzug seine Tochter heiraten sollst. Was du wohl eigentlich versprochen hattest, bis sie dir doch zu hässlich vorkam. Aber nach seinem kleinen Vortrag bist du wieder brav zum ursprünglichen Plan zurückgekehrt. Also feiert ihr am Wochenende die Verlobung im kleinen Kreis, du hast eine glänzende Karriere vor dir und Miss Mopsgesicht darf dich den Rest ihres Lebens sabbernd anhimmeln.“, schließe ich bitter. Draco scheint hin- und hergerissen zwischen Zorn und Bewunderung. Er richtet sich steif auf und setzt zu einem Konter an, sinkt dann aber wieder in sich zusammen. Als er spricht, klingt seine Stimme leer und resigniert: „Du hast recht, irgendwie. Aber ich bin nicht ganz der dämliche Feigling, für den du mich hältst. Einerseits kam für mich traditionellerweise immer nur eine Tochter aus einer alteingesessenen Zaubererfamilie in Frage und andererseits wären meine Chancen mehr als schlecht, jemand anderen zu finden. Nach dem, was sich meine Eltern...und auch ich...geleistet haben, sind wir bei den Meisten ziemlich unten durch. Die Blutlinie weiterzuführen ist keine schwarzmagische Erfindung, das wird schon seit Jahrhunderten so praktiziert. Und dann wollte ich im Ministerium arbeiten und Mr. Parkinson hat angeboten, mir unter die Arme zu greifen. Eigentlich hatte ich vor, mir alles selbst erarbeiten, aber mit meinem Hintergrund hätte es Jahre gedauert, bis ich einen Job kriege, der meinen Qualifikationen entspricht. Um von meinen Eltern finanziell unabhängig zu sein, habe ich angenommen. Und bis jetzt hat mich der Deal nicht übermäßig in Verzweiflung gestürzt, aber -“ Er verstummt. Gequält sieht er mich an. „Entschuldige bitte, aber das ist doch komplett bescheuert!“, werfe ich entrüstet ein. Ich will noch mehr sagen, weiß aber vor lauter Verwirrung nicht, wo ich anfangen soll. Er unterbricht meine Gedanken: „Ja, vielleicht.“, sagt er leise. „Aber du kannst deine Situation nicht mit meiner vergleichen. Ich war ein Todesser, verstehst du? Dass ich nicht mit meinem Vater in Askaban sitze, verdanke ich nur der Aussage von Harry Potter. Niemand, der nicht versessen ist auf die Fortführung der Blutlinie, will etwas mit mir zu tun haben. Und deswegen heirate ich Pansy. Aus diesem Grund habe ich dich auch heute im Ministerium so grob abgewiesen – natürlich weiß ich noch, dass wir uns treffen wollten.“ Ich starre ihn an. Am liebsten würde ich diesen Schwachsinn aus ihm herausprügeln. „Aber das ist nicht fair!“, schreie ich ihn schon fast an. Trotz und Angst sind aus meiner Stimme herauszuhören. Und er sitzt nur mit hängenden Schultern da. „Jetzt wehr dich schon! Sag einmal, was du wirklich sagen willst und nicht nur diesen nachgekauten kleinlauten Scheiß! Sieh mich wenigstens an!“ Inzwischen schreie ich wirklich. Erstaunt blickt er auf und endlich wird auch seine Stimme laut: „Was willst du denn hören?“, wirft er mir an den Kopf, „Dass ich den Abend mit dir toll fand? Ja, fand ich, und? Das ändert nichts an der Tatsache, dass ich Pansy etwas versprochen habe! Meinst du, mir macht das Spaß? Das ist nun mal nicht so einfach! Ich KANN mich nicht weiter mit dir treffen, so gern ich das auch will!“ Sein Ausbruch verwirrt mich, aber nur kurz. Sofort brülle ich zurück: „Ja, genau das will ich hören! Dass ich nicht eine dumme naive Göre bin, weil ich in den Abend mehr reininterpretiert habe. Und dass du es eben DOCH kannst, schließlich bist du ja hier!“ Als ich ende, sehen wir uns beide an. Immer noch pocht das Blut hart in meinen Adern, aber ich fühle die Erleichterung darüber, endlich Klarheit geschaffen zu haben. Draco scheint es genauso zu gehen. Viel weicher fragt er leise: „Und was sollen wir jetzt machen?“ Ich denke kurz nach, dann antworte ich ihm: „Du musst übermorgen zu den Parkinsons, oder?“ Er nickt. „Also bleiben uns der heutige Abend und morgen.“ Dracos Verwunderung weicht einem schiefen Lächeln: „Ernsthaft? Das willst du wirklich tun?“ „Naja, eigentlich hatte ich mir das schon anders vorgestellt. Eher nach dem klassischen System, bei dem man sich drei- bis viermal trifft, ein bisschen rumknutscht, alles mit den Freunden bespricht und dann seinen Beziehungsstatus auf Facebook ändert – aber nachdem das nun mal nicht geht, warum nicht?“ Auch ich lächle ihn jetzt an. „Also gut, eineinhalb Tage“, schließt er. Während des kurzen Schweigens auf diese Abmachung hin überdenken wir beide das eben Gesagte. Es fühlt sich richtig an. Fest entschlossen stehe ich auf: „Gut, dann fahren wir jetzt als erstes mit dem Auto! Du kannst ja nicht heiraten, ohne das einmal erlebt zu haben.“ Draco sieht mich erstaunt an. Aber er steht auf, nimmt meine Hand und gemeinsam gehen wir hinunter zu meinem eingeschneiten Wagen. Zwei Stunden fahren wir ziellos durch die Stadt. Anfangs noch skeptisch, stellt Draco nach einiger Zeit die Vorzüge dieser Art der Fortbewegung fest. „Das hätte ich den Muggel ja nie zugetraut. Bisher kannte ich nur diese magisch vergrößerten Wagen vom Ministerium – ich dachte, alles Gute daran wäre Zauberei. Schnell ist das. Und warm!“, sagt er bewundernd. Wir unterhalten uns über alles Mögliche, es ist so einfach, mit ihm zu reden. Ich erzähle von meinen Schuljahren in Beauxbatons und warum ich erst zum fünften Jahr nach Hogwarts kam – „Und dann haben sie dieses Programm eingeführt, mit dem ein paar Muggel an die Zaubererschulen durften um später in der Magisch-Nichtmagischen-Zusammenarbeit zu arbeiten. Eine Freundin von mir wurde nach Hogwarts eingeladen und ich habe sie begleitet. Übrigens eine von denen, die dich neulich so unsanft vertrieben haben.“ Draco lacht auf: „Ich hätte sie umbringen können in diesem Moment! Tatsächlich hätte ich fast alles dafür getan, dass der Abend noch länger dauert.“ Wir sehen uns an und lächeln. „Haben sie dich eigentlich sehr gequält?“, fragt er mich. „Ein bisschen – aber sie waren so hibbelig vor Neugierde, dass es fast Spaß gemacht hat. Wenn ich ihnen von heute erzähle, werden sie ausflippen -“ Ich verstumme und werde plötzlich ernst. „Ich kann ihnen nicht von heute erzählen, oder? Das darf niemand wissen, sonst kommst du in Schwierigkeiten.“ Draco wendet sich ab und sieht aus dem Fenster. „Ja, das wäre besser. Wenn du das kannst.“ Mechanisch nicke ich. Schweigsamer als zuvor fahren wir zurück zu meiner Wohnung. Als ich aus dem Auto aussteige, steht Draco plötzlich vor mir. Ich sehe ihn erstaunt an, aber er nimmt nur meinen Kopf in seine Hände und küsst mich. Die Welt verschwindet, als ich seine Lippen spüre. Seine rechte Hand gräbt sich tief in meine Haare und ich schlinge meine Arme unter seine Jacke um seine Brust. Ein paar Minuten stehen wir so auf der Straße, inmitten des Schnees, der im Schein der Straßenlaternen alles zudeckt. Dann lösen wir uns voneinander, nur einige Zentimeter, und sehen uns an. Ohne ein Wort fasse ich seine Hand und ziehe ihn mit in die Wohnung. Den ganzen Weg über fühle ich seine warme Haut und höre seinen Atem dicht hinter mir, aber es erscheint mir viel zu wenig. Kaum im Warmen angekommen, drückt er mich gegen die Wand und küsst mich erneut. Als er aufhört, lehnt er seine Stirn gegen meine. Ich spüre, wie Draco lächelt. Wir laufen ins Schlafzimmer, um da weiterzumachen, wo wir aufgehört haben. Und endlich ist er nah genug.
    Am nächsten Morgen wache ich auf und höre Dracos gleichmäßige Atemzüge. Ruhig und entspannt liegt er auf dem Rücken, den einen Arm unter meinem Kopf. Leise, um ihn nicht zu wecken, stehe ich auf und gehe duschen. Dann ziehe ich mich an, lasse Castor und Pollux auf meine Schulter klettern und verschwinde in der Küche, um Kaffee zu kochen. Als ich gerade mit der Zeitung in der Hand und einem Croissant vor mir auf einem Teller am Küchentisch sitze, tappt Draco verschlafen herein. Er grinst mich an und fragt: „Kann ich auch Kaffee haben?“ Ich nicke belustigt. Er akklimatisiert sich außerordentlich schnell. Während er duscht, setze ich noch eine Kanne auf. Schließlich kommt er – inzwischen angezogen – zurück und setzt sich mir gegenüber. „Gut geschlafen?“, will ich von ihm wissen. „Und wie! Jahrelang hab ich auf steinharten Matratzen geschlafen, weil sich das nun mal so gehört, aber das ist ja grauenvoll! Und auch die Gesellschaft hat sich deutlich verbessert“, antwortet er. „Das ist ja wunderbar“, ich falte die Zeitung zusammen und lege sie beiseite, „dann bist du perfekt vorbereitet für den heutigen Tag!“ Er blickt mich erschrocken an: „Was hast du denn vor? Muss ich mir Sorgen machen?“ Ich lache: „Nein, natürlich nicht. Der Plan sieht so aus: Wir frühstücken, dann gehen wir einkaufen – das ist nicht der romantische Teil, sondern muss sein, weil ich keine Milch mehr habe und auch sonst nicht mehr viel. Außerdem warst du sicher noch nie in einem Muggel-Supermarkt, das trifft sich gut. Aber wo war ich...ach ja – nach dem Einkaufen kommen wir hierher zurück, schauen einen Film an, unterhalten uns, essen gut, unterhalten uns weiter, schlafen miteinander und machen allgemein nur das, was wir wollen.“ Jetzt lacht er auch: „Der beste Plan, den ich je gehört habe.“ Und genau das tun wir dann auch. Draco schiebt mit größter Selbstverständlichkeit einen Einkaufswagen und beschwert sich nicht einmal über das beschwerliche Tütenschleppen. Wir kochen gemeinsam (nun ja, hauptsächlich koche ich und er beobachtet mich fasziniert), liegen auf der Couch, erzählen uns alle möglichen peinlichen Geschichten und erst als es langsam Abend wird, verdunkeln die Gedanken an den morgigen Tag mein Glück. Ich lasse mir nichts anmerken, aber mit der Zeit bemerke ich, wie mich auch Draco immer öfter für einen kurzen Moment traurig anblickt. Schließlich spreche ich es an: „Morgen musst du wohl zu den Parkinsons, hm?“ „Ja“, sagt er heiser, „das war viel zu kurz.“ Ich lege meinen Kopf auf seine Brust und spüre seinen Herzschlag. Nein, das ist nicht fair. Aber wenn man mir am Anfang erzählt hätte wie das enden würde – ich hätte nichts anders gemacht. Diese Erkenntnis lässt mich doch wieder lächeln und mit seiner Hand in meinen Haaren schlafe ich ein. Erst als die Wintersonne durch die Eiskristalle am Fenster in mein Gesicht scheint wache ich auf. Anscheinend haben wir die Nacht halb sitzend auf der Couch verbracht. Ich drehe mich um und sehe, dass Dracos Augen geöffnet sind. Er betrachtet mich. „Wie spät ist es?“, frage ich ihn schlaftrunken. Er antwortet mir mit einem Blick auf seine Uhr: „Fast zehn Uhr. Ich muss los. Und ich habe nachgedacht: Erzähl deinen Freunden ruhig von den letzten Tagen. Es nicht zu tun wäre nicht gut. Sie sollten es einfach nicht rumposaunen, aber das verstehen sie sicher.“ Die Erkenntnis, dass wir uns ja heute verabschieden werden, kommt zurück. Aber ich will nicht die Fassung verlieren, das macht es auch nicht einfacher. Die letzte halbe Stunde vergeht sehr schweigsam, Draco packt seine spärlichen Sachen, ich putze mir die Zähne und koche Kaffee. Dann ist es auch schon so weit: Ich begleite Draco zur Tür. Unschlüssig stehen wir voreinander und wissen beide nicht, wie wir uns verhalten sollen. Er macht einen Schritt auf mich zu, hält inne, tritt wieder zurück. Als er sich schon umdrehen will, umarme ich ihn. Draco zieht mich an sich und küsst mich noch einmal. Ich spüre, wie sich meine Kehle verengt, ich kann kaum schlucken. Gleichzeitig steigen mir langsam Tränen in die Augen. Um die Situation nicht noch zu verschlimmern küsse ich ihn leicht auf die Stirn und presse dann mühsam ein „Ciao Draco“ hervor. Er sieht mich an, die sturmgrauen Augen verdächtig glasig und geht dann zur Tür hinaus, die Treppe hinunter, aus meiner Welt. Vollkommen leer wanke ich zurück ins Wohnzimmer. Mindestens eine Stunde sitze ich so da, unfähig, auch nur einen klaren Gedanken zu fassen und starre ins Leere. Ein penetrantes Klingeln reißt mich schließlich aus meiner Trance. Oh nein, Ginny, Mildred, Hermine und Luna wollten heute kommen. Um zwölf. Ich fluche leise und überlege schon, einfach nicht aufzumachen, da rufen sie aus dem Treppenhaus: „Mia komm mach auf, es ist verflucht kalt hier.“ „Meinst du, sie hats vergessen?“, raunt gleich darauf Mildreds Stimme. Aber ich bin schon an der Tür und sage noch in der Bewegung: „Nein, sie hats nicht vergessen, ich komm ja schon...“ Wortlos lasse ich sie herein, schleppe mich zurück auf die Couch und warte. Als sie sich ihrer Mäntel entledigt haben, kommen sie verwundert nach. „Was ist denn los? Geht's dir nicht gut?“, fragt Hermine besorgt. „Doch doch, alles gut. Ich bin nur ein bisschen müde“, sage ich schnell und versuche, sie anzulächeln. Es muss fürchterlich aussehen, denn ihre Mienen drücken mehr Beunruhigung aus als zuvor. Mit gerunzelter Stirn fragt Ginny: „Hat das was mit Draco Malfoy zu tun?“ Seinen Namen zu hören bringt meine mühsam aufgebaute Fassade zum Einsturz. Die Tränen laufen mir jetzt übers Gesicht während ich haltlos anfange zu schluchzen und sich meine zugeschnürte Kehle in Weinen verwandelt. Die vier sehen sich erschrocken an. „Oh, ähm, was ist denn passiert? Ist er ein Arschloch? Sollen wir ihn verprügeln?“, fragt Mildred, unsicher, wie sie mit mir umgehen soll. Vermutlich haben sie mich noch nie weinen gesehen, es gibt ja auch wenig Veranlassung dazu. Normalerweise trete ich Sorgen mit einer Front aus Sarkasmus entgegen und das Häufchen Elend auf der Couch muss ihnen mehr Angst machen als mir. Also sitzen sie nur da, werfen sich ab und zu ratlose Blicke zu – die ich durch einen Tränenschleier verschwommen wahrnehme – und tätscheln mir unbeholfen den Rücken. Nach einiger Zeit bemerke ich, wie es mir besser geht. Schließlich hört mein Körper auf zu beben und ich sehe wieder klar. Ginny, erleichtert, dass ich wieder ich selbst werde, bietet mir eine Zigarette an. Ich stehe auf, hole Castor und Pollux, die es sich auf meinem Schoß bequem machen, zünde die Zigarette an und sage endlich: „Tut mir leid, ich wollte euch nicht zu Tode erschrecken. Es ist nur...es geht wirklich um Draco. Aber anders, als ihr glaubt.“ Und mit anfänglich noch brüchiger Stimme erzähle ich ihnen alles. Mitleidig sehen sie mich an. „Oh Gott, das ist ja furchtbar tragisch!“, sagt Hermine leise. „Ja, wie aus einem schlechten Film“, füge ich mit einem schiefen Lächeln hinzu. Den ganzen Nachmittag sitzen wir in meiner Wohnung und ich finde langsam zu meinem alten Selbst zurück. Sie berichten mir von den Entwicklungen an der Ron-Front und lenken mich mit allen möglichen Geschichten ab. Ich lache über Lunas Offenbarung, sie habe schon an diesem einen Abend Schlickschlupfe in Dracos Kopf gesehen, die müssen ihn wohl verwirren. Zwischendurch steigen mir wieder Tränen in die Augen, aber das ist in Ordnung. Dann, als es draußen langsam dunkel wird, klingelt es erneut an der Tür. „Habt ihr noch wen eingeladen?“, frage ich die anderen. Hermine schüttelt den Kopf: „Nein, eigentlich nicht. Soll ich nachschauen?“ „Nein, ich geh schon“, sage ich schnell und stehe auf. Ich trotte etwas wackelig hinaus, das ganze Weinen bin ich nicht gewohnt. Im Türspion ist niemand zu erkennen, da das Licht im Treppenhaus nicht an ist. Ich öffne und vor mir steht Draco. Vollkommen verdattert starre ich ihn an: „Was machst du hier? Du solltest doch bei Pansy sein.“ „Nein, sollte ich nicht. Also, eigentlich – war ich bei Pansy, aber dann dachte ich mir, dass ich nicht ewig so ein Feigling bleiben kann, weshalb ich die ‚Verlobung' gelöst habe und hergekommen bin. Um dich zu fragen, ob du es mit mir versuchen willst.“ Er hat hastig gesprochen und blickt mich jetzt erwartungsvoll an. Die Informationen sickern langsam in mein Gehirn. „Du...du hast sie stehen gelassen?“ Er nickt. „Und was ist mit deinem Job? Deiner Familie?“ Jetzt lacht Draco nervös: „Das wird schon irgendwie werden, aber – was sagst du denn zu meiner Frage? Willst du?“ Ohne weiter darüber nachzudenken, springe ich in seine Arme. „Ja natürlich will ich, du Idiot!“, lache ich. „Wow! Das war...wow!“, ertönt Hermines Stimme aus der Wohnzimmertür. Alle stehen da und sehen mich an. „Und da hätten wir das kitschige Ende der tragischen Liebesgeschichte“, stellt Mildred trocken fest. Lachend stelle ich mich wieder auf den Boden und strahle alle an. „Dann sollten wir dieses Happy End jetzt mit einem wunderbaren Abend unter Freunden feiern, oder? Draco kann kochen!“ Mit Draco an der Hand folge ich den anderen zurück ins Wohnzimmer.

    Zwei Jahre später knirscht der Schnee unter meinen Füssen, als ich aus dem Wagen steige. In dem großen Hof stehen noch zwei weitere Autos, die deutlich Dracos wachsende Begeisterung für Muggelfahrzeuge bekunden. In der großen Eingangshalle werfe ich meinen Mantel achtlos in den Schrank. Gerade, als ich ins Wohnzimmer trete sehe ich Draco aus dem Kamin steigen. Er lacht: „Perfektes Timing!“ Schnell kommt er zu mir herüber und küsst mich zur Begrüßung. „Große Neuigkeiten!“, verkündet er, „ich bin befördert worden. Leiter der Abteilung für magisches Recht, jetzt kannst du mit mir angeben! Wobei, eigentlich hast du das ja möglich gemacht. Eine Muggelstämmige, die den Zaubereiminister höchstpersönlich von meinen unersetzbaren Fähigkeiten überzeugt. Parkinson hat heute noch blöder geschaut als sonst, der dachte wohl wirklich, ich könnte ohne seine Vetternwirtschaft keine Karriere machen. Also alles in allem ein erfolgreicher Tag – wie wars bei dir? Hat der Verlag dein Manuskript abgesegnet?“ Er strahlt mich an. „Klingt großartig! Und ich habe auch schon vorher mit dir angegeben, da musste ich eben ein bisschen mehr die Bauchmuskeln betonen, um von dem fehlenden ‚Leiter' auf deinem Messingschild abzulenken. Aber um deine Frage zu beantworten: Mein Tag war mindestens genauso gut, nur dass das abgesegnete Manuskript nicht der Hauptgrund dafür ist.“ Ich lege eine effektvolle Pause ein, während er mich gespannt ansieht. „Ich war nämlich -“, setze ich an. Doch der Satz bleibt unvollendet und ich renne ins Bad. Die Morgenübelkeit beschränkt sich definitiv nicht nur auf den Morgen und jetzt versaut sie mir meine Überraschung. Draco folgt mir. „Geht es dir gut? Bist du krank?“, fragt er mich besorgt und kniet sich neben mich. Ich hänge elend über der Toilette, muss mich aber nicht übergeben. „Nein, schwanger!“, keuche ich zwischen zwei Schmerzwellen. Er sieht mich verdutzt an, dann erhellt sich seine Miene. „Schwanger? Oh mein Gott, das ist ja wunderbar! Warum hast du mich die ganze langweilige Beförderungsgeschichte erzählen lassen? Schwanger...“ Mein Magen beruhigt sich und erschöpft lehne ich meinen Kopf an seine Brust. „Oh ja, und wie schwanger ich bin. Jetzt kannst du bald nicht mehr nur mit deiner wunderschönen intelligenten Frau angeben, sondern auch noch mit einem selbst gezeugten Kind. Wehe, es wird nicht nett“, grinse ich ihn an. Und Draco grinst glücklich zurück.

Kommentare (13)

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Daphne Malfoy ( von: Daphne Malfoy)
vor 129 Tagen
Einfach total toll die Story!
Karina★Malfoy (40148)
vor 163 Tagen
Die anderen haben Recht! Deine Geschichte ist soooo cool!! Der Hammer!!! Schreibe bitte weiter♥ Großes Lob;-)
Juli (01990)
vor 711 Tagen
Einfach total cool und schön ich hab alles sausen lassen
um die Geschichte weiter zu lesen;)
deniseXOXO (33651)
vor 946 Tagen
Das war die aller aller beste Geschichte die ich jemals gelesen habe!(Das muss schon was heißen, ich habe fast alle gelesen) Man konnte sich richtig in die persone hineinversetzen und an manchen stellen dachte ich echt WOW!! wie kann man nur so GENIAL sein??! Lg deniseXOXO
Selly (36329)
vor 982 Tagen
Hammer Hammer Hammer Hammer !
Geschichte :)
Cool
Du musst unbedingt noch eine geschickt mit Draco
Schreiben ;)
jokifee (54996)
vor 1010 Tagen
WOW, S
Ich lese diese story jetzt schon das dritte mal und ich liebe sie einfach
ich hoffe du schreibst noch mehr Storys
skyline (21414)
vor 1011 Tagen
keine worte *-* das war einfach unbeschreiblich schön :D. Du schreibst richtig gut und hoffe du wirst noch mehr schreiben... wunderschön *-* :)
Sona14 (66131)
vor 1022 Tagen
cool, ich mag das wie du schreibst und wie sich deine Charakter benehmen! Ich hoffe du schreibst noch mehr Storys!
Gryffindor-Girl (34626)
vor 1062 Tagen
WOW ich liebe diese Geschichte einfach soooooo schön
DracoLoverin (45752)
vor 1088 Tagen
Draco *~* wie ich solche Geschichten liebe! ^^ Ich kannte die Geschichte zwar schon, aber sie.ist so gut, dass ich sie noch einmal gelesen habe:). Ich werde sie auch noch ein 3. und 4. Mal lesen! :D. Super süße Geschichte, mach weiter so und schreib vl noch mal so eine ähnliche!:***** Viele Grüße *DracoLoverin*
moony (05834)
vor 1247 Tagen
Sooooo süß!!!!!! Richtig gut geschrieben!
Nele*-* (88174)
vor 1325 Tagen
Uuuuuh, hast du guuut gemacht *Kopf tätschel* nur ein klitzekleinesbisschen länger mit Höhen und Tiefen und so könnt nich schaden :D aber sonst: Respekt^^
generalskywalker (70581)
vor 1330 Tagen
wow richtig tolle Geschichte und auch super geschrieben *__*