Wettbewerb - Mein Tag am Strand - Magischer Urlaub

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2 Kapitel - 6.928 Wörter - Erstellt von: LittleCloudy - Aktualisiert am: 2013-08-15 - Entwickelt am: - 2.160 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt

Mein Beitrag für den Wettbewerb zum Thema "Mein Tag am Strand".:)

Eine sechsköpfige Clique zieht sich auf eine Insel zurück, um Urlaub zu machen, von ihrem nicht ganz normalen Leben. Doch natürlich kommt alles anders, als geplant. Schon bald sehen sie sich üblen Wesen gegenüber, die es zu bekämpfen heißt. Und dann sind da neben den magischen Problemen natürlich auch noch die menschlichen...

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    Mein Tag am Strand – Magischer UrlaubDas Wetter war herrlich. Ich befand mich mit meiner kleinen, auf den ersten Blick sogar ganz normalen, Clique au
    Mein Tag am Strand – Magischer Urlaub

    Das Wetter war herrlich. Ich befand mich mit meiner kleinen, auf den ersten Blick sogar ganz normalen, Clique auf einer niedlichen Insel, um zu entspannen. Es gab nur etwas unter hundert Einwohner und auch nicht so viele Touristen, die ihren Weg zu dieser kleinen Insel fanden. Was wollte man mehr? Hier jedenfalls hatte ich meine Ruhe.
    „Das gibt es doch nicht!“
    Oder auch nicht. Meine beste Freundin baute sich, mit in die Hüfte gestemmten Armen, vor mir auf. Ich seufzte. Ich ahnte, was nun auf mich zukommen würde. Meine beste Freundin Klarissa, besser bekannt als Klary, und neben mir das einzige Mädchen der Gruppe, war ab und zu wirklich anstrengend. Sie strich sich eine Strähne ihres blonden Haares zurück und funkelte mich mit ihren blauen, durchdringenden Augen sauer an.
    „Wir haben dreißig Grad dort draußen und du liegst im Apartment, mit einem Buch, dass sich auch draußen lesen lässt?“
    „Beruhig dich, Klary. Es ist mir viel zu warm“, begann ich mich genervt zu erklären, „und so kann ich nicht raus gehen!“
    „Bitte? Wieso kannst du nicht raus, Amaya?“
    „Die kennen mich nur in Jeans und T-Shirt.“
    „Das ist überhaupt kein Argument“, verwirrt zog Klary die Augenbrauen zusammen, dann fuhr sie sarkastisch fort, „sie werden sterben, wenn sie deine Haut erblicken.“
    Ich verdrehte die Augen: „Nicht sie. Ich. Also, nein! Argh… Nicht jeder ist wie du und zeigt sich einfach so, wie es einem beliebt.“
    „Du sprichst in Rätseln“, seufzte Klarissa auf.
    „Es ist mir peinlich. Oder so, weiß auch nicht. Ich geh eben nicht gerne schutzlos durch das Leben…“
    „Süße, was ist an Top und Hotpants bitte schutzlos? Du sollst ja nicht nackt gehen! Also zieh dir deinen Bikini unter und schwing deinen Allerwertesten nach unten. Ich warte, du hast fünf Minuten. Na gut, zehn.“
    Ihre Worte in die Tat umsetzend tänzelte Klary beinahe aus dem Raum. Die Tür fiel gnadenlos hinter ihr ins Schloss. Ich seufzte erneut. Niemand verstand meine Probleme. Gut, vielleicht nicht einmal ich selbst.
    Immerhin kannte ich die vier Jungs schon länger. Aber vielleicht war genau das der springende Punkt. In den ganzen Jahren hatte ich mich nicht einmal im Sommer mit kürzeren Hosen gezeigt. Sie hielten mich alle für einen halben Jungen. Ich benahm mich gerne wie ein Junge.
    Dennoch zog ich mich um. Klarissa konnte ziemlich ungemütlich werden. Irgendwie hatte sie ja auch recht damit, dass ich nicht zwei Wochen lang dem Strand fern bleiben konnte. Allerdings entschied ich mich für ein T-Shirt und eine Caprihose über meinem Bikini. Keine zehn Pferde würden mich jedoch wirklich ins Wasser kriegen, so viel war gesagt!
    Ich pfefferte zwei Handtücher, mein Buch, eine Flasche und sonstigen Kram in meine strandtaugliche Umhängetasche und verließ, nachdem ich mir mein Cappy auf das braune Haar geklatscht hatte, ebenfalls das Apartment.
    Unten wartete Klary tatsächlich, nichts anderes hatte ich erwartet. Sie blickte stur auf eine große Uhr in der Eingangshalle.
    „Du kannst aufhören, Klary, ich bin ja da.“
    „Super, du hattest sogar noch eine Minute.“
    Ich nickte nur genervt und ließ mich dann, eher unfreiwillig als freiwillig, mit hinaus ziehen.

    „Hey, welch Ehre!“
    War ja klar, dass Yusuke, alias Cube, da er immer einen Zauberwürfel bei sich trug, als Erster einen Kommentar abgab. Natürlich blieb das für ihn übliche, breite Grinsen nicht aus.
    „Klary, du hast es also mal wieder geschafft“, grinste er weiterhin.
    „Klar, ich schaff alles“, zwinkerte Klarissa und hob ihren Daumen in die Höhe.
    „Na, hast du dich überzeugen lassen, als Klary dir erzählt hat, dass hier drei ansehnliche und ein unendlich gut aussehender Junge mit freiem Oberkörper warten?“
    Sprachlos blieb ich stehen. Die Arroganz des Jungen mit dem seltsamen, mahagonifarbenen Haar und den strahlenden, grünen Augen, war einmal mehr unübertreffbar.
    „Was soll das heißen, drei ansehnliche und ein gut aussehender?“, empörte sich Cube, doch ich ignorierte seinen Einwurf.
    „Leon, dein Aussehen macht deinen Charakter nicht wett“, meinte ich und legte einen Gesichtsausdruck an den Tag, der entschuldigend aussehen sollte, „du bist, und bleibst wohl leider auch, arrogant. Das kommt wirklich nicht gut an. Schade für dich.“
    „Oh man, kaum seid ihr am selben Ort, streiten ihr euch. Kriegt euch ein, ihr Kleinkinder“, Klary funkelte uns beide an, sodass ich mich abwand und Leon beschwichtigend die Hände hob.
    Zufrieden mit sich, stiefelte die Blonde zu ihrem Freund in den Schatten eines großen Sonnenschirms. Daniel, auch Dan genannt, war der Ruhepol der Truppe. Vielleicht passten Klary und er deswegen so gut zueinander, sie glichen sich einfach gegenseitig aus. Man konnte sie nur beneiden. Neben Dans schwarzem Haarschopf entdeckte ich auch den blonden des letzten Mitglieds unserer Clique. Sam befand sich ebenfalls im Schatten des Schirms, in einen Roman vertieft.
    Wunderbar, denn dann konnte ich mich gleich zu dem schüchternen Jungen gesellen, ohne gestört zu werden. Dachte ich zumindest, als ich mich in Bewegung setzte und mein Handtuch neben Sam im Schatten ausbreitete. Leon und Cube folgten mir. Das konnte nicht lange ruhig ausgehen.
    Sam lächelte mir kurz zu, ich erwiderte das Lächeln, dann vertiefte er sich wieder in das Buch. Ich holte meinen Roman ebenfalls hervor.
    „Nicht euer Ernst?“, legte Yusuke auch sogleich los und verengte die ohnehin schon kleinen Augen noch weiter zu Schlitzen, „ihr wollt lesen und faul in der Sonne liegen? Was ist mit schwimmen, Spaß, Volleyball, Frisbee…?“
    „Nimm Leon mit“, versuchte ich ihn abzuwimmeln, doch Cube und Leon schnaubten nur.
    „Da lässt du dich schon einmal zu luftigen Klamotten herab und dann war es das schon?“
    Ich knirschte mit den Zähnen. War ja klar, dass dazu noch ein Kommentar kam. Warum konnte ich kein Junge werden?
    „Wenn du jetzt etwas zu ihrem Outfit sagst, dann kriegt sie bestimmt keiner mehr ins Wasser, egal, was ich auch tue. Danke, Cube“, maulte Klary und nahm ihre Sonnenbrille von der Nase.
    Cube zog eine Augenbraue in die Höhe: „Ich wollt es ja nur mal erwähnen. Ist schon was, nach all den Jahren. Hat mich eh gewundert, dass sie nur Jeans im Schrank hat und-“
    „Cube, du tust es schon wieder“, seufzte Klary, „du bist echt hoffnungslos.“
    Verdattert blieb der Schwarzhaarige mit halb offenem Mund stehen.
    Ich hingegen ließ meinen Blick schweifen. Wo sonst sollte ich hinsehen, als auf das offene Meer? Die Jungs konnte man ja kaum ansehen, ohne einen blöden Kommentar zu bekommen, nur weil sie lediglich Badehosen trugen. Herrje, ich war hier die Hoffnungslose!
    Plötzlich fiel mir etwas ins Auge. Verwirrt starrte ich genauer an den Fleck im Meer, über den meine braunen Augen eben nur hinweg geglitten waren. Etwas lugte dort hervor. Ich blinzelte und das Augenpaar war verschwunden.
    Ich blinzelte erneut. Jetzt ging es los mit mir. Sonnenstich oder so. Kann ja mal vorkommen, wenn man sein Leben lieber in Gebäuden verbringt, als draußen. Obwohl, ich mochte die Natur. Ich schüttelte meinen Kopf leicht. Nein, das musste Einbildung gewesen sein. Aus dem Wasser guckten doch keine Augen!
    Wobei… alles war möglich. Warum sollte es keine magischen Wesen im Wasser geben, auch wenn alles hier wie eine normale Ferieninsel wirkte. Schließlich saßen mit meiner Clique nicht etwa sechs ganz normale Jugendliche an diesem Strand. Auf Urlaub befanden sich mit uns ein arroganter, aber zugegeben grandioser Schwertkämpfer, eine vorlaute, exzellente Bogenschützin, ein ruhiges, wandelndes Lexikon, das früher ein nie gefasster Dieb war, ein schüchterner Halbdämon, ein vorwitziger Magier und… eine hoffnungslose Gestaltwandlerin.
    Meine Augen suchten von allein erneut den Fleck. Das Augenpaar in Ufernähe war verschwunden, dafür nahm ich nun etwas anderes wahr, weiter hinten, bei einer Reihe von Bojen. Ich kniff die Augen zusammen und schlug meine langen Haare fast zurück über meine Schultern. Was war das? Das war keine Meerjungfrau oder so etwas, mit dem ich noch gerechnet hätte. Das sah aus wie ein… Pferd? Von solch einem Wesen hatte ich noch nie gehört. Aber wie wahrscheinlich war es, dass dort wirklich ein Pferd schwamm? Ich sollte dringend zurück in das Apartment.
    Auf einmal spürte ich ein leichtes Brennen in meiner Brust. Sämtliche Gedanken setzten aus. Ich starrte auf das Meer, ohne etwas wahrzunehmen. Ich sah nur dieses Wesen, dann vor meinem inneren Auge das Augenpaar. Etwas schien mich zu rufen.
    Langsam stand ich auf, die anderen waren in ein Gespräch verfallen, welches ich nicht verfolgte. Eine magische Anziehungskraft zog mich zum Meer. Ich setzte einen Fuß vor den anderen, ohne den Sand unter meinen Füßen zu spüren, ohne die Hitze der einfallenden Sonnenstrahlen zu bemerken. Etwas platschte leise, es klang weit weg, so weit weg. Da waren diese Augen. Dieses Wesen. Wellen. Augen. Wasser. Augen. Meer. Augen.
    „Amaya!“, etwas grob wurde ich herumgewirbelt.
    Augen… Grün leuchtende Augen. Ich zuckte zusammen.
    „Leon?“, murmelte ich und verwirrt musste ich feststellen, dass ich bereits bis zu den Knien im Wasser stand.
    Wellen spülten um meine Beine und die Ansätze meiner Hosenbeine waren bereits mit Wasser vollgesogen. Ich hatte überhaupt nicht gemerkt, dass ich so weit ins Meer gegangen war.
    Ich kniff die Augen zusammen und fuhr mir mit den Händen über das Gesicht.
    „Alles okay?“, die Sorge in Leons Stimme verwirrte mich noch mehr.
    „Was ist passiert?“, hauchte ich leise.
    „Sag du es mir“, meinte Leon und ich warf einen Blick über seine Schulter.
    Es war schon ein kleines Stück von dem Platz, von dem aus mich die anderen irritiert anstarrten, bis hin zum Meer.
    „Ich weiß nicht“, murmelte ich und schüttelte den Kopf, woraufhin Leon meine Schulter endlich losließ, „da… waren Augen… obwohl… ich hab mir das glaube ich nur eingebildet. Ich muss aus der Sonne.“
    „Augen?“, hakte Leon dennoch nach und wir setzten uns zusammen in Bewegung, zurück zum Schirm.
    Ich nickte leicht, immer noch überrumpelt: „Ja… Auf jeden Fall hab ich so ein Wesen gesehen… Ich kann mich überhaupt nicht mehr erinnern. Nur noch, dass mich das Meer auf einmal so seltsam anzog und dann… war ich auch schon dort.“
    „Jo! Wolltest du doch ganz plötzlich schwimmen gehen?“, lachte Cube, doch bei meinem und Leons Gesichtsausdruck verstummte er.
    „Shit, was ist los?“, hakte der Schwarzhaarige ernst nach.
    Sofort ratterten durch meinen Kopf viele Antwortmöglichkeiten. Leider eine schlechter, als die andere. Ich wollte meine Freunde ganz gewiss nicht wegen solch einer Lappalie beunruhigen. Was also konnte ich sagen? Möglichst schnell noch dazu?
    „Ich wollte nur…“, begann ich und errötete dann leicht, als mir nichts Gescheites mehr einfiel.
    Leon eilte mir zu Hilfe: „Ja, ihr kennt sie ja. Irgendwie brennen bei ihr alle Sicherungen durch, wenn sie Tiere in Not wittert. Da war eine Qualle. Eine Qualle!“
    Der Braunhaarige verdrehte die Augen und ließ sich neben Sam auf mein Handtuch fallen.
    Ich schnaubte abfällig: „Na und! Das sind unschuldige Wesen! Das arme Ding konnte ja schlecht von allein wieder ins Wasser ohne Beine! Ganz ehrlich, Leon, dich sollte man liegen lassen, wenn du in solch eine Situation geraten solltest!“
    Trotz meiner Worte warf ich ihm einen kurzen, entschuldigenden Blick zu. Immerhin half er mir hier aus der Patsche und ich hatte nichts Besseres zu tun, als wieder einmal Streit anzufangen.
    Doch seine Augen blitzten längst freudig auf: „Ich bin keine Qualle, falls du das vergessen haben solltest. Ich komm ganz gut alleine klar. Um dein Überleben mach ich mir allerdings ernsthafte Sorgen. Du hast ja überhaupt nicht gemerkt, dass du gerade ins Meer gegangen bist wegen dem Viech.“
    Trotzig knirschte ich mit den Zähnen: „Warum sitzt du auf meinem Handtuch?“
    „Oh, sie lenkt vom Thema ab“, meinte Leon nur grinsend und ich schmiss mich einfach neben ihn, sodass er seine Füße einziehen musste.
    Immerhin hatten wir die anderen überzeugen können, denn auf ihren zuvor leicht besorgten Gesichtern, breiteten sich jetzt langsam Lächeln aus.

    „Oh man, ich muss jetzt sofort ins Wasser“, seufzte Klary nach wenigen schweigsam vergangenen Minuten und setzte sich auf, „wer kommt mit?“
    „Da sag ich doch nicht nein“, grinste Cube und sprang auf. Er war sogleich Feuer und Flamme und schnappte sich seinen Wasserball.
    Dan stand während dessen ebenfalls auf und sogar Sam legte sein Buch beiseite, um mit den anderen mitzugehen.
    „Ich passe“, murrte ich und legte mir die Arme über mein Gesicht.
    „War klar“, seufzte die Blonde und sah Leon fragend an, welcher den Kopf schüttelte und meinte: „Später vielleicht.“
    Schulterzuckend ließen die Vier uns beide allein zurück. Na solche netten Freunde. Gut, ich wusste, warum Leon zurückgeblieben war. Er würde mich ausfragen wollen. Aber unter normalen Umständen, von denen die anderen wohlbemerkt ausgehen sollten, durfte man uns beide nicht wirklich alleine zurück lassen. Es sei denn, man wollte Chaos.
    „Du hast gesagt, du hättest Augen und ein Wesen gesehen? Was war es?“
    Ich murrte etwas Unverständliches, ehe ich die Arme beiseite nahm: „Wenn ich das wüsste, dann hätte ich es dir vorhin gesagt.“
    Leon verdrehte die Augen: „Wie sah es aus? Woran kannst du dich erinnern? Ich kenne schon weitaus mehr magische Wesen, als du.“
    Ja, erinnere mich bloß daran, dass ich meine Fähigkeiten als letzte von uns allen bekommen hatte. Danke, Idiot!
    „Na ja, irgendwie… dachte ich, es sähe wie ein Pferd aus. Aber das war nur ein Gedanke von vielen. Und die Augen kann ich nicht beschreiben, sie waren zu weit weg, auch wenn es sich angefühlt hat, als wären sie ganz nah vor mir.“
    „Suspekt“, Leon schnalzte mit der Zunge, „für uns gibt es wohl keinen Urlaub, was? Der Sache müssen wir nachgehen, das ist dir doch wohl klar?“
    „Du weißt auch nicht, was es gewesen sein könnte?“, murmelte ich schwach und blickte zu dem Braunhaarigen auf.
    „Mit den Infos?“, höhnte er, ehe er den Kopf schüttelte, „hab keinen Schimmer.“
    „Wir sollten Dan nach seinem Buch fragen. Dem Verzeichnis der Wesen, du weißt schon. Vielleicht finden wir dort ja etwas?“, ich ließ meinen Blick zu den anderen schweifen, die lachend Wasserball spielten.
    „Ich dachte, du willst sie nicht mit reinziehen?“
    Ein leichtes Nicken war meine Antwort: „Danke, das du mitgespielt hast. Rechne ich dir hoch an. Wir haben alle unseren Urlaub verdient, nachdem wir sonst nonstop Dämonen jagen.“
    „Wir sollten ihn später danach fragen. Beziehungsweise darfst du dir dazu etwas ausdenken. Und jetzt… genießen wir den Tag, verstanden?“
    „Aye, aye, Sir“, lachte ich, daran denkend das er wegen dem Schauspiel wohl noch etwas bei mir gut hatte.
    Mit einem Satz war ich auf den Beinen, befreite mich von Hose und T-Shirt und lief grinsend zu den anderen ins Meer. Plötzlich war es mir sowas von egal, wie ich aussah. Die anderen waren meine Freunde. Das würden sie immer bleiben, hoffentlich. Sie würden sich mit so etwas nicht aufhalten. Cubes dumme Sprüche würde ich schon aushalten. Es war unwichtig, dass sie mich nicht im Bikini kannten. Es war nur wichtig, dass wir die gemeinsame Zeit genossen. Vor allem die gemeinsame Freizeit.
    Lachend nahmen mich die anderen im Wasser in Empfang und ich integrierte mich in das Ballspiel. Dass Leons Blick mir zuerst verwundert folgte, bevor er mir ins Meer folgte und einen nach dem anderen untertauchte, das bemerkte ich natürlich nicht…

    Es waren bereits ein paar Stunden vergangen, sodass wir nun Abend hatten. Es war nicht sonderlich kühl draußen, aber von dem Tag am Meer waren wir alle erschöpft, sodass jeder in seinem Apartment war. Da ich mir mein Apartment mit Klarissa teilte, und Leon seines mit Daniel, hatten wir beschlossen, uns unten in einem angehörigen, offenen Gartenpavillon zu treffen. Dort waren wir ungestört, da die wenigen anderen Gäste wohl eher die nächtliche Strandbar aufsuchten, und hatten eine angemessene Beleuchtung. Leise ging ich durch die Eingangshalle und steuerte den Weg zu dem Pavillon an.
    „Ah! Buenas noches, bonita!“, ein Angestellter, der am Eingang wohl so etwas wie Nachtdienst hatte, zwinkerte mir zu.
    Errötet wollte ich mich abwenden, doch er kam auf mich zu und lächelte mich charmant an: „Una hermosa flor para toda belleza! Perfecto!“
    Er steckte mir eine weiße Lilie ins Haar. Mein Spanisch war bei weitem nicht ausreichend, um richtig kommunizieren zu können, aber dass er meinte „eine schöne Blume für jede Schönheit“ hatte ich verstanden.
    „Gracias“, murmelte ich, er zwinkerte mir erneut zu und ich setzte endlich meinen Weg fort.
    Die Lilie war hübsch. Sofort sprangen mir die Bedeutungen ins Gedächtnis, die ich mit ihr verband. Reinheit vor allem. Aber auch Schönheit und Vergebung. Genauso wie Tod. Ich schüttelte den Kopf, um den Gedanken loszuwerden.
    Der Weg zum Pavillon war nicht sehr lang und von der Strandbar drang ab und zu lautes Gelächter herüber. Leon sah auf, als ich die drei Stufen erklomm und mich neben ihn auf die Hollywoodschaukel fallen ließ.
    „Du bist zu spät“, meinte er barsch und nahm mir ruckartig das Buch ab.
    Augenblicklich ließ ich mich provozieren: „Oh, weil du ja immer überpünktlich bist, Mister Perfect! Sei froh, dass Dan keine Fragen stellt, ich hatte nämlich keine Ausrede parat, die er mir glauben würde. Und sei ebenso froh, dass Klary bereits schläft. Sonst hätte sie mir tausende von Fragen gestellt oder noch schlimmer, sie hätte mich verfolgt.“
    „Ja, ja“, meinte Leon uncharmant wie eh und je.
    Ich schnaubte und verschränkte die Arme ineinander. Hoffentlich brauchten wir nicht allzu lange. In meinem T-Shirt war es jetzt auf einmal doch etwas kühl.
    „Es tut mir leid, dass ich zu spät bin, okay?“, versuchte ich nach wenigen Minuten, in denen Leon nur mit verbissener Miene blätterte, doch noch einen Versuch zu schlichten.
    „Aber Zeit zum Flirten hattest du noch, was?“, Leon blätterte unberührt weitere Seiten um.
    Empört öffnete ich den Mund und funkelte ihn an: „Wenn du das gesehen hast, was ist dann dein Problem? Er hat mich aufgehalten! Wenn du so sehr den Eingang fixiert hast, sollte dir aufgefallen sein, dass jede Frau heute Abend eine Blume bekommt!“
    „Reg dich ab“, meinte Leon nur.
    „Ich soll mich abregen? Sei du mal lieber vernünftiger! Gott, ich versteh dich einfach nicht…“
    „Sollst du ja auch gar nicht“, stellte der Braunhaarige ruhig fest und las sich eine Seite genauer durch.
    Ich sprang auf: „Ich verschwinde. Weißt du, du bringst mich echt auf die Palme. Brillant, Leon, ehrlich. Ich bin nämlich eigentlich ein ruhiger Mensch. Ich brauch mir nicht vorwerfen lassen, ich würde mit irgendwelchen komischen Angestellten ‚flirten‘.“
    „Verdammt, ich hab es nicht so gemeint“, seufzte Leon und hielt mich am Arm zurück.
    „Wie dann?“, ich wirbelte herum, ich hatte für heute genug von seinem Charakter, „eifersüchtig?“
    „Was wenn?“, hauchte Leon grinsend und beugte sich vor, sodass ich direkt in seine Augen starrte, in denen kurz etwas aufzublitzen schien.
    „Dann-“, begann ich und wollte ihm sprachlich etwas entgegenwerfen, als ich hinter ihm etwas erblickte, das mich stoppen ließ.
    Mit der freien Hand deutete ich apathisch auf einen kleinen Weg, welcher anscheinend durch das Gebüsch führte. Eine pferdähnliche Gestalt starrte mich an. Wild warf sie den Kopf hin und her. Sie schien mich zu rufen. Mein Blick vernebelte sich. Ich musste zu ihm.
    Plötzlich riss mich etwas von dem Anblick los, ehe ich dem Wesen nachjagen konnte. Nur wenige Sekunden vergingen, ehe ich wieder realisierte, was Sache war. Leon drückte mich mit dem Gesicht an seine Brust, sodass der Blickkontakt unterbrochen wurde.
    „Du… du hast das doch auch gesehen oder?“, murmelte ich, sah auf und ignorierte meinen wilden Herzschlag.
    Leon nickte: „In der Tat, ja.“
    „Gott sei Dank, für einen Augenblick dachte ich, ich bräuchte ärztliche Hilfe…“
    Leon schnaubte amüsiert: „Die brauchen wir doch eh alle. Das, meine Liebe, war ein Kelpie.“
    Verwirrt blinzelte ich. Hatte er mich gerade eben tatsächlich als „seine Liebe“ bezeichnet? Überhaupt, wieso war der Streit plötzlich so schnell vergessen?
    „Was ist ein Kelpie?“, meinte ich verwirrt und riss mich endlich von Leon los, um meine Gedanken zu sortieren.
    „Ein übler Wassergeist, der meistens als Pferd in Erscheinung tritt. Sie gehören zu der Sorte von Naturgeistern, denen man lieber nicht begegnet. Das seltsame an der Sache ist, dass die Kelpies längst ausgestorben sein sollen. Und warum sie so eine enorme Wirkung auf dich haben, ist auch unklar. Bei mir hat es rein gar nichts bewirkt.“
    „Vielleicht hat es eine Vorliebe für Mädchen“, seufzte ich leise und reib mir über die Arme.
    „Möglich“, meinte Leon und blätterte im Buch die Seite auf, die die Kelpies beschrieb.
    „Das sollte eigentlich nur ein Scherz sein…“
    „Hier“, ohne von der Buchseite aufzuschauen, reichte mir Leon eine braune Lederjacke. Genauer genommen, seine braune Lederjacke, „bevor du erfrierst.“
    In meinem Kopf ratterten schon bissige Kommentare herunter, doch ich entschied mich für die freundliche Variante. Er hatte mir wieder einmal geholfen. Verdammt, ich hasste es irgendwie.
    Ihm dankend nahm ich die Jacke entgegen und zog sie über. Die Ärmel waren selbstverständlich zu lang, sodass ich sie leicht hochkrempelte.
    „Es steht auch hier, ausgestorben. Ja, das haben wir gerade gesehen!“, Leon schlug das Verzeichnis zu.
    „Und jetzt?“, fragte ich etwas überfordert nach.
    Leon verzog den Mund: „Die Dinger sind echt gefährlich. Besonders für Menschen. Wir müssen es eliminieren oder fangen. Aber letzteres wird beinahe unmöglich sein. Nicht nur, dass wir kein Zaumzeug hier haben, auch überhaupt. Es zieht dich in seinen Bann und alleine, na ja, ich sag mal, Naturgeister sind verdammt gerissen.“
    „Kann man nicht irgendetwas dagegen tun?“, hakte ich zerknirscht nach und Leon schien zu überlegen.
    „Ich weiß nicht, inwiefern Schutzzauber auf Kelpies wirken. Sie gelten schließlich als ausgestorben, da gibt es nur in alten Büchern Infos zu. Aber sie greifen definitiv keine Tiere an. Das machen Naturgeister nie.“
    „Also geh ich in meiner Wolfsgestalt auf Jagd.“
    „Wenn du entschlossen bist“, grinste Leon hämisch und zückte sein Schwert, welches er immer magisch verkleinert bei sich trug.
    „Pfft, allzeit entschlossen“, wank ich ab, ging ein paar Schritte zurück, sah mich um und drehte mich dann leicht.
    Schon stand ich als weißgraue Wölfin vor dem Braunhaarigen. Ich ließ die Ohren in alle Richtungen wandern. Man, an der Bar waren die Leute ja entsetzlich laut dafür, dass es so wenige waren. Umso weniger Geräusche kamen aus der anderen Richtung.
    Ich nickte Leon zu, als Zeichen dafür, dass wir los konnten, dann machte er einen eleganten Satz über das Geländer des Pavillons. Ich schnaubte ein „Angeber“, obwohl mich als Wolf natürlich niemand verstand und sprang leichtfüßig hinterher.

    Schon verschluckte uns die Dunkelheit. Wie gut, dass ich gut hören und riechen konnte. Angespannt lauschte ich in die Nacht hinein. Normale Tiergeräusche waren zu hören, sonst rein gar nichts. Moment, da war noch etwas. Obwohl wir hier in dem kleinen Wald der Insel waren, hörte ich leise das Geräusch von Wasser. Nicht etwa raues Wellenrauschen, sondern sachtes Tropfen. Als wäre in der Nähe eine Quelle.
    Ich jaulte leise, damit Leon auf mich aufmerksam wurde. Er verstand und folgte mir. Wie gut, dass mein Fell so hell war, so konnte er mich in der Dunkelheit erkennen. Ich tat es nicht gerne, da ich mich einfach komisch dabei fühlte, aber ich senkte die Schnauze auf den Boden und versuchte die Quelle ausfindig zu machen. Wolf zu sein hatte schon seine Vorteile. Vor allem, wenn man dabei auch noch seinen Menschenverstand behielt.
    Mit einem weiteren jaulen blieb ich stehen. Leon tat es mir gleich. Wir hatten nur einen Tag nach Halbmond, aber das Licht genügte, um den See, vor dem wir standen, wunderschön glänzen zu lassen. Ein sandiger Strand war ebenfalls vorhanden, keine harten Steine, die an den Pfoten schmerzten, sondern weicher Sand. Auch wenn ich es als Wolf nicht mochte, wie meine Pfoten teilweise einsackten.
    Ein kleiner Zulauf verband diesen See anscheinend mit dem Meer. Das erklärte seine Existenz. Er musste salzig sein, eigentlich schade. Jäh erhob sich etwas aus dem beleuchteten Wasser. Ich knurrte, mein Fell sträubte sich nahezu von allein.
    Leon neben mir zog sein Schwert. Auch die Klinge schimmerte ihm sachten Mondlicht. Ein Glück, dass die tödliche Waffe aus heiligen Materialien geschmiedet war, sonst könnte er es vergessen, einen Geist zu töten.
    „Feigling“, fauchte Leon, „auf dem Wasser können wir nicht kämpfen.“
    Da hatte er allerdings recht. Wir würden nicht nur unterlegen sein, wenn der Naturgeist in seinem Element war, wir kamen auch nicht an ihn heran. Schwimmend konnten wir einen Kampf vergessen.
    Doch das Glück schien auf unserer Seite zu sein. Ich stupste Leon leicht an, als mir ein Boot ins Auge fiel. Wie viele Menschen wurden auf diese Art und Weise wohl schon in den See gelockt?
    „Sehr gut“, murmelte Leon und sprintete auch schon los.
    Schnell saß er im Boot und schnappte sich die Ruder. Er blickte zu mir, ich schüttelte den Kopf. Ich konnte nicht viel beitragen. Ich brauchte Platz, um als Wolf Bisse und Hiebe auszuteilen, das ging nicht von einem kleinen Holzboot aus. Ich sollte also einfach nur zusehen? Ein Knurren verließ meine Schnauze.
    Als Leon den Kelpie erreichte, änderte dieser seine Form. Plötzlich war er gar nicht mehr lieblich. Lange Reißzähne zeigten sich in seinem nun verzerrten Körper, die Vorderhufe bildeten sich zu fiesen Klauen aus. Schon sauste die erste Klaue auf den Braunhaarigen nieder. Nervös zuckte ich mit den Ohren und begann auf und ab zu laufen. Wieso war ich nur so nutzlos?
    Leon parierte den Angriff geschickt. Mit Leichtigkeit versetzte er dem Geist einen Schwerthieb, der ihn am Arm traf. Das Wesen brüllte vor Schmerz auf. Das kleine Boot begann unschön zu wackeln, als Leon sich nach vorne beugte, um einen weiteren Schlag abzuwehren. Der Gegenangriff folgte erneut. Mit einer flinken Drehung im Sprung schaffte er es, das Schwert durch den Körper des Kelpies zu ziehen. Sicher landete Leon wieder auf dem Boot, während der Kelpie sich mit einem letzten gurgelnden Geräusch auflöste.
    Das war ja äußerst unkompliziert. Aber Leon war nicht umsonst ein nahezu perfekter Schwertkämpfer. Er hob den Daumen in meine Richtung und griff nach den Rudern. Doch plötzlich verharrte er. Ich winselte verwirrt. Was war los? Waren da etwa noch mehr von den Dingern?
    Erstarrt ließ Leon die Ruder fallen. Mit einem Platschen landeten sie auf der Wasseroberfläche und trieben davon. Ich heulte. Er sollte mir gefälligst zu verstehen geben, was los war!
    Ein Kopf erhob sich aus dem Wasser. Blondes Haar wallte auf, grässlicher Gesang traf meine empfindlichen Wolfsohren. Ich quiekte. Zwei Arme schlangen sich um Leons Hals. Er rührte sich nicht. Wieso rührte er sich nicht?
    Plötzlich ging alles ganz schnell. Mit einem Ruck wurde Leon unter Wasser gezogen. Es gab keine Anzeichen von Gegenwehr. Der Gesang verschwand. Ich wusste, ich musste etwas tun. Ich würde Leon ganz bestimmt nicht sterben lassen. Eher… ja, eher würde ich selbst mein Leben geben!
    Ich sprang ins Wasser und verwandelte mich noch im Sprung zurück. Ich merkte, dass das keine sonderlich gute Idee gewesen war, da ich den Aufprall halb als Wolf, halb als Mensch erlebte und er somit schmerzvoll wurde. Doch das Ganze war mir egal. Die wenige Magie, die ich als Gestaltwandlerin zur Verfügung hatte, musste mir nun helfen. Ich hielt den Atem an und schwamm in die Tiefe. Mit einem Fingerschnippen versuchte ich mir ein kleines Licht zu schaffen. Erst nach dem vierten Anlauf gelang es mir. Meine Nervosität wirkte sich negativ auf meine Kräfte aus.
    Ich konnte schwimmen, aber als sonderlich gute Schwimmerin, und vor allem Taucherin, würde ich mich nicht bezeichnen. Endlich konnte ich sehen, was am Grund des Sees vor sich ging. Mit schnellen Schwimmzügen arbeitete ich mich zu Leon vor, der von dem nächsten Wasserwesen gefangen gehalten wurde.
    Ich kannte diese Art von Wesen. Eng hatte sie ihre Arme um Leon geschlungen, den sie somit langsam aber sicher zu ertränken versuchte. Eine Sirene. Der Braunhaarige merkte nicht mal, dass ihr ganzer Körper mit Schuppen besetzt war, dass ihr Gesicht eine seltsame Fratze war. Und vor allem, auch wenn das nur meine persönliche Meinung war, dass ihr Gesang wirklich grässlich war!
    Ich schüttelte den Kopf. Ich wusste, für Männer klang ihr Gesang lieblich, für Frauen jedoch schlimmer als das Kratzen von Fingernägeln auf einer Tafel.
    Die Sirene hatte mich nicht bemerkt. Sie beschäftigte sich voll und ganz auf Leon. Klar, wenn sie ihre Opfer nicht töten konnten, dann würden sie einfach sterben. Ich formte eine Kugel aus Magie und schleuderte sie dem Wesen an den Kopf. Hart wurde es getroffen und wirbelte mit sägendem Gesang zu mir herum.
    Es war mein Glück, dass Sirenen keine Waffen hatten, ebenso wenig wie Magie. Allerdings waren sie verdammt flink im Wasser und hatten scharfe Krallen. Dumm waren sie dazu auch nicht, denn die Sirene wickelte Leons Füße an ein paar robusten Algen fest, ehe sie sich mir widmete.
    Sie schnellte hervor und ihre Krallen zerrissen die Haut an meiner Wange. Ich unterdrückte den argen Drang auf zu keuchen vor Schmerz, das wäre unter Wasser wohl kaum angebracht. Ich formte fünf kleine Flammen aus Licht auf meiner einen Hand, während die andere mich im Kreis drehte.
    Erneut stieß das Wesen zu mir vor, ihre Krallen verfehlten mich jedoch um ein paar Millimeter, als ich ihr die Lichtflammen ins Gesicht schleuderte. Sie brüllte mich an und schien kurz orientierungslos. Gut so, die Flammen hatten sie geblendet! Ich schwamm zu Leon, schnappte mir sein Schwert und wollte seine Fußfesseln durchtrennen. Der Sauerstoff musste bei ihm knapp werden, denn schon ich merkte das Brennen in meinen Lungen. Doch jäh wurde ich von ihm weggerissen. Ich landete auf dem harten Boden, kurz öffnete ich den Mund, da ich absolut keine Luft mehr bekam. Ich schluckte Wasser, hustete und musste mich dazu zwingen, aufzustehen. Ich hatte keine Zeit mehr.
    Die Sirene kam frontal auf mich zu, sie merkte, dass ich mich kaum noch auf den Beinen halten konnte. Ich drehte mich in einem Rausch von Adrenalin von ihr weg und rammte ihr die Klinge zwischen die Rippen. Sie riss die Augen auf, brüllte quietschend und zerfiel dann zu Staub, der unbemerkt auf den Boden rieselte.
    Ich musste zu Leon! Ich fasste mir an die Kehle. Meine Schritte wurden bleiern. Rasch schnitt ich die Algen durch, fasste den Jungen unter den Armen und versetzte ihm einen Stoß, der ihn aufwärts treiben ließ. Dann stieß ich mich mit meiner letzten Kraft vom Boden ab.

    Ich musste ohnmächtig geworden sein, aber nur kurz, denn als ich die Augen wieder öffnete, durchbrach ich die Wasseroberfläche. Mein Abstoß hatte ausgereicht, halleluja! Gierig sog ich den mir wieder angebotenen Sauerstoff ein. Ich hustete. Dann fiel mein Blick zu Leon, dessen Körper gerade schlaff wieder untergehen wollte.
    Rasch ergriff ich seine Arme und kämpfte mich bis zum Ufer vor. Erschöpft fiel ich neben dem ohnmächtigen Jungen einfach zur Seite. Ich atmete hektisch. Meine Lungen brannten noch immer, meine Kehle war trocken von dem Salzwasser.
    Ein würgendes Geräusch ließ meinen Kopf herumfahren. Mein Körper wollte nicht mehr mitmachen. Unter Husten und Würgen spuckte Leon Salzwasser aus, als er sich aufsetzte. Auch seine Brust hob und senkte sich schnell.
    „Oh, verdammt…“, murrte er, hielt sich den Kopf und blickte auf den See, ehe ihm anscheinend alles wieder einfiel.
    Ich hustete und er wirbelte zu mir herum. Er rutschte das letzte Stückchen zu mir herüber: „Ähm… wie geht’s dir? Schmerzen?“
    „Noch… ein bisschen Sauerstoff… und es geht“, röchelte ich.
    Leon streckte vorsichtig die Hand aus und berührte die Schnittwunde an meiner Wange. Sie war nicht allzu tief, brannte jedoch höllisch. Ich zuckte zusammen.
    „‘Tschuldigung“, murmelte er.
    „Tut mir leid… wegen deiner… Jacke…“
    Die war wohl irgendwie unter Wasser abhanden gekommen, nachdem sie meine Bewegungen zu sehr eingeschränkt hatte.
    Leon schnaubte amüsiert, ehe er mich ansah: „Du rettest mir das Leben uns entschuldigst dich wegen der alten Jacke? Du bist echt bemerkenswert.“
    Ich errötete verlegen. Seine Hand lag immer noch auf meiner Wange, wie ich feststellte. Ich blickte zu ihm auf.
    „Danke“, meinte er mit so viel Aufrichtigkeit, wie selten, dann räusperte er sich, „kann ja auch keiner mit Sirenen in so einem ruhigen See rechnen!“
    Ich lachte leise auf: „Wieder der Alte? Dann lass mich wieder los…“
    Meine Wange kribbelte bereits. Mein Herzschlag erhöhte sich und zeigte mir, was ich längst wusste. Ich mochte den hitzigen, arroganten und absolut idiotischen Schwertkämpfer. Sehr sogar. Nur seit wann ich so fühlte, das war mir schleierhaft.
    „Nein“, meinte er felsenfest und schaute mich ernst an.
    Ich blickte fragend zurück und zog die Augenbrauen zusammen.
    „Erst, wenn ich…“, er beugte sich zu mir vor.
    Mein Herz musste sich bereits überschlagen. Sein Finger streichelte über die Wange, deren Verletzung längst vergessen war. Dann berührten seine Lippen die meinen. Ich schloss die Augen aus reinem Reflex. Sanft strich Leon über meine Lippen. Ich erwiderte die Liebkosung. Meine Hand fand den Weg in sein nasses Haar, kraulte ihn leicht im Nacken. Leons Arm schlängelte sich um meine Hüfte und zog mich beinahe auf seinen Schoß.
    Der Kuss war salzig. Aber sanft. Und da war noch etwas. Etwas Undefinierbares. Etwas, dass dafür sorgte, dass ich diesen Kuss nicht lösen konnte. Leon übernahm es für mich.
    Er strich mir ein paar Strähnen hinter das Ohr, obwohl meine Haare sowieso hoffnungslos an meinem Gesicht klebten.
    „…das getan habe“, hauchte er als Beendung seines Satzes.
    „Wieso?“, murmelte ich und wandte verlegen den Blick ab.
    „Weil“, Leon lehnte seine Stirn an meine, „unsere Streitereien das Größte sind. Weil du… bemerkenswert bist. Besonders, anders. Weil du mich aus der Reserve lockst. Weil… ich dich liebe.“
    Ich zwang mich, den Blick zu heben. Aber ich sah nichts in seinen Augen, was seine Aussage trübte.
    „Wirklich…?“
    Er seufzte und ließ den Kopf hängen. Als er diesen wieder hob sah ich etwas, was ich nie zuvor gesehen hatte. Leon war verlegen.
    „Absolut wirklich. Aber… lass es nicht zwischen uns stehen. Wir sollten zurück. Sonst liegen wir den restlichen Urlaub über flach mit einer fetten Erkältung.“
    Der Braunhaarige sprang beinahe auf. Vorsichtig ergriff ich sein Handgelenk, zögerte. Es würde ziemlich viel verändern. Aber… sagte mir meine innere Stimme, es war das Richtige.
    „Leon, ich… ich…“, ich atmete tief ein, das war doch schwerer, als gedacht, ich biss mir auf die Unterlippe, „ich liebe dich doch auch. Idiot.“
    Er sah mich erneut an. Ich guckte überall hin, nur nicht zu ihm. Plötzlich war alles interessant, was ich… in der Dunkelheit überhaupt nicht erkennen konnte. Verdammt, unauffällig, Amaya, wirklich, schellte ich mich selbst in Gedanken. Mein knallrotes Gesicht sprach ohnehin Bände. Ich wollte vor dem nächsten Morgen sterben. Klary würde mich sofort durchschauen. Cube wäre entsetzt.
    „Hey, alles ist gut. Nein, wunderbar. Lass uns zurückgehen, okay. Alles andere kann bis morgen warten.“
    Ich nickte schwach und ließ Leon nach meiner Hand greifen. Der Weg durch den Wald kam mir ziemlich kurz vor. Müdigkeit überkam mich, wie eine Welle.
    „Soll ich dich tragen“, neckte der Schwertkämpfer mich plötzlich und ich funkelte ihn an: „Bloß nicht!“
    Er grinste. Ich grinste. Das würde wohl immer unsere Art bleiben, die Zuneigung zu zeigen. Endlich erreichten wir den Eingang zu den Apartments. Ich hätte keinen weiteren Schritt mehr geschafft!
    „Da seid ihr ja! Das werdet ihr uns nie glauben, wir…“, Klary sah skeptisch auf unsere Hände, ehe sie wissend grinste, „wie niedlich.“
    Leon knurrte, ich errötete.
    „Wie auch immer. Ich bin wach geworden und rüber zu Dan. Da fiel mir auf, dass ihr beide nicht da seid. Wir sind dann raus und haben gesucht, haben dann im Pavillon das Verzeichnis aufgehoben. Und dann kam uns plötzlich eine riesige, magische Aura entgegen! Wir haben Sam und Cube geholt. An der Bar saßen überall Frauen mit Lilien in den Haaren. Cube hat ein paar Zauber angewandt und die magische Aura an den Blumen entdeckt! Dann haben wir sie gefragt, woher sie die Blumen hatten.“
    Automatisch fasste ich mir an den Kopf. Aber die weiße Lilie war bereits verschwunden. Im Wasser war sie abgefallen.
    „So ein Angestellter. Aber am Schalter wussten die nichts von solch einer Aktion! Dann hat Cube noch etwas gezaubert und den Typen ausfindig gemacht. Sam hat erkannt, dass er ein Dämon war! Nun ja mit ein paar drohenden Schüssen von mir und Cubes Wahrheitszauber, haben wir dann alles erfahren. Der Typ war echt ein Dämon. Er hat Wassergeister in der Umgebung kontrolliert!“
    Leon und ich tauschten einen verstehenden Blick aus.
    „Die Wesen sollten nur auf Magie reagieren! Doch es kamen ihm zu wenige magische Wesen her. Darum wollte er alle Menschen weg locken! Die Frauen sollten zum Wasser gezogen werden, die Männer sie retten wollen, ein paar Sirenen und schwups. Das wäre ihr aller Ende. Na ja, den Dämonen haben Sam und Cube erfolgreich verband mit Dans Wissen. Irre was? Und das alles, während ihr ein geheimes Date hattet!“
    „Bitte was…?“, stammelte ich.
    „Oh, wenn du dich da mal nicht täuscht, Klary. Wir haben gegen einen Kelpie und eine Sirene gekämpft. Das Ganze hättet ihr auch herausfinden können, bevor wir fast draufgegangen wären!“
    „Leute, ich bin müde…“
    Jäh kamen Cube, Sam und Dan um die Ecke und gesellten sich zu uns.
    Ich hob eine Hand, um Cube zu stoppen: „Morgen, Leute, bitte. Morgen, alles. Aber für heute, hab ich wirklich genug erlebt. Ich wusste nicht… dass ein Tag am Strand so anstrengend sein kann.“
    Alle nickten zustimmend. Die Uhren schlugen genau Mitternacht, als wir alle in unsere Betten fielen und vermutlich alle sofort einschliefen. Zum Glück war der Tag endlich um! Die nächsten Urlaubstage konnten kommen! Eins war sicher: Sie konnten nur besser werden! Hoffentlich…

    2
    So, das war meine FanFiktion für den Wettbewerb unter dem Thema "Mein Tag am Strand".:)

    Vielen Dank fürs Lesen!: D
    Ich hoffe, es hat dem ein oder anderen gefallen, ihr könnt mir sehr gerne ein Feedback per Mail schicken.

    Das Bild zu der FF ist mein eigenes Foto aus Giglio (Italien).:)

    Ich würde mich ebenfalls sehr freuen, wenn ihr für die FF abstimmen würdet.:)
    Für jede Stimme, die die FF eventuell bekommt, möchte ich mich auch schon einmal herzlich bedanken.:)
    Und wenn sie keine Stimmen kriegt, dann bedanke ich mich trotzdem, hahaha!: D

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1375699987
Wettbewerb - Mein Tag am Strand - Magischer Urlaub
Wettbewerb - Mein Tag am Strand - Magischer Urlaub
Mein Beitrag für den Wettbewerb zum Thema "Mein Tag am Strand".:)Eine sechsköpfige Clique zieht sich auf eine Insel zurück, um Urlaub zu machen, von ihrem nicht ganz normalen Leben. Doch natürlich kommt alles anders, als geplant. Schon bald...
http://www.testedich.de/quiz32/quiz/1375699987/Wettbewerb-Mein-Tag-am-Strand-Magischer-Urlaub
http://www.testedich.de/quiz32/picture/pic_1375699987_1.jpg
2013-08-05
40B0
Fantasy Magie

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