Konohagakure - Die Rückkehr des verlorenen Mädchens

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1 Kapitel - 12.650 Wörter - Erstellt von: Yuna Moon - Aktualisiert am: 2013-07-15 - Entwickelt am: - 2.952 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt

Kate lebt in einem Heim, für sie der schrecklichste Ort auf Erden. Nicht nur der triste Heimalltag mit all seinen Tiefschlägen macht ihr zu schaffen, sie quält auch Tag für Tag die Frage: Wer bin ich?
Kate hat keine Erinnerungen an ihr früheres Leben.
Ein kleiner Papierschnipsel ist alles, was sie hat, doch was bedeuten all die Buchstaben und Zahlen?
An ihrem 18. Geburtstag muss Kate das Heim verlassen. Sie hat keine Ahnung wohin sie gehen soll, als drei Unbekannte aus ihrer Vergangenheit auftauchen und sie an einen weit entfernten Ort bringen. Einem Dorf namens Konohagakure.
Dort angekommen wird sie auf eine harte Probe gestellt und ihr Leben nimmt eine völlig unerwartete Wendung. Wird sie es schaffen? Wird Kate das Rätsel um ihre Identität lösen? Und wer ist dieser unbekannte Mann, den ihr Herz zu lieben glaubt?
Findet es heraus und lest ihre Geschichte.
Viel Spaß

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    Die Tür wird aufgerissen und die ätzende Stimme der Erzieherin ertönt. „Aufstehen! Anziehen! Runter kommen!“ Und mit einem Knall fällt dir Tü
    Die Tür wird aufgerissen und die ätzende Stimme der Erzieherin ertönt. „Aufstehen! Anziehen! Runter kommen!“ Und mit einem Knall fällt dir Tür wieder zu. Der Tag beginnt mit Sonnenschein, denke ich sarkastisch und schwinge die Beine aus dem Bett. Als ich das Licht anknipse, gibt meine Zimmernachbarin ein paar unverständliche, aber offensichtlich verärgerte Laute von sich. Ich kann es ihr nicht verübeln. Das Leben hier ist die Hölle. Müde schlurfe ich über den Flur Richtung Waschraum. Alles hier wirkt ungefähr so einladend wie ein Kerker aus dem Mittelalter. Wie ich dieses Gebäude hasse. Während ich mir die Zähne putze schaue ich mich im Spiegel an. Nur noch einmal schlafen, denke ich, dann hast du es geschafft. Der Gedanke an meinen 18. Geburtstag erfüllt mich sowohl mit Freude, als auch mit Angst. Zwar bin ich dann endlich volljährig und kann dieses abartige Heim verlassen in dem ich schon seit 6 Jahren festsitze, aber was ist dann? Ich beschließe mir später Gedanken darüber zu machen und ziehe mich an um nicht zu spät zum Frühstück zu kommen.
    Lustlos stochere ich in der aufgeweichten Pampe in der Schüssel vor mir herum und frage mich was genau wir da überhaupt jeden Morgen vorgesetzt bekommen, als meine Mitbewohnerin sich unsanft auf den Stuhl neben mich fallen lässt. „Hast wieder geschrien im Schlaf“, knallt sie mir zur Begrüßung hin. Ich bin es leid mich dafür zu entschuldigen. Nacht für Nacht werde ich von Albträumen heimgesucht und ruiniere damit auch ihren Schlaf da es meist damit endet, dass ich schreiend und schweißgebadet aufwache. „Morgen hast du`s geschafft“, sagt sie monoton wie immer. Zwar bin ich mir sicher, dass sie mich nicht vermissen wird, niemand wird das, aber neidisch ist sie trotzdem. Das sehe ich ihr an. „Ganz genau“, zwitschere ich aufgesetzt fröhlich um sie zu ärgern. Über meine Sorgen und Ängste werde ich mit ihr ganz bestimmt nicht reden. Obwohl es schon gut täte jemandem zum Reden zu haben. Als mein Blick auf die Tageszeitung neben mir fällt, sticht mir ein Artikel über Kindesentführung ins Auge und ich frage mich, ob ich so ein Kind bin. Bin ich entführt worden? Aber wenn es so ist, hätten meine Eltern dann nicht nach mir gesucht? Solche Fragen quälen mich schon seit ich ins Heim kam. Ich war zwölf Jahre alt und meine Chancen auf eine Vermittlung waren gleich null. Das Unglaubliche ist nur, dass ich mich an rein gar nichts mehr erinnern kann. Wer war ich? Was habe ich in den zwölf Jahren gemacht? Wo habe ich gelebt? Ich war Identitätslos als ich hier her kam. Genau genommen bin ich das heute auch noch. Sie gaben mir einen Namen, Kate, ja, aber dieser Name gehört mir doch gar nicht. Er sagt doch nichts über mich oder mein Leben aus. Es ist nicht der Name, den meine Mutter mir einst gab. Und auch wenn ich keine Erinnerungen mehr an mein früheres Leben habe, bin ich mir doch ganz sicher, dass da jemand war, der mich liebte. Ich hatte eine Mutter. Ich hatten einen Vater. Eine Familie. Freunde. Ich hatte ein Leben! Und ich habe dieses Leben verloren. Aber wie? Und warum? Ich vermute, dass meine Albträume damit zu tun haben. Leider, oder zum Glück kann ich mich nie wirklich daran erinnern, wenn ich aufwache. Aber ich erlebe oft Deja-Vu`s. Dinge, Situationen und Gerüche, die mir bekannt vorkommen, so unheimlich bekannt, dass ich dann immer kurzzeitig das Gefühl habe, die Erinnerung kehrt zurück. Aber sobald sie in greifbare Nähe rückt, verpufft sie wieder und der Nebelschleier schließt sich wieder. Es ist, als ob jemand das Licht ausknipst und ich im Dunkeln stehe. Das macht mich wahnsinnig.

    Ich habe heute nichts weiter zu tun, als meine Sachen zu packen und Däumchen zu drehen. Ach ja, das offizielle Entlassungsgespräch beim Hausdrachen steht ja noch an. So ist das eben, sobald man volljährig wird, setzen sie einen einfach vor die Tür. Drücken einem ein paar Adressen in die Hand mit Beratungsstellen, die man abklappern kann und dann friss oder stirb. Klasse System, denke ich und stopfe meine wenigen Habseligkeiten in meinen alten, verschlissenen Rucksack. Zugegeben, optisch macht er nicht gerade viel her, aber für mich ist er von besonderem Wert. Er stammt noch aus der Zeit bevor ich mein Gedächtnis verlor. In einer der vielen kleinen Seitentaschen steckte ein zerknüllter Papierfetzen auf dem mit schwarzer Tinte geschrieben steht: T 10 AS
    Ich habe zwar keine Ahnung, was das bedeuten soll, aber es hat etwas mit meinem früheren Leben zu tun und ist alles was ich habe. Der einzige Anhaltspunkt. Und diesen kleinen Fetzen Papier hüte ich wie meinen Augapfel. Bisher habe ich ihn in einem verzierten Bilderrahmen neben meinem Bett aufbewahrt, was meiner Mitbewohnerin genügend Zündstoff für Sticheleien gab, nur stelle ich jetzt gerade fest, dass der Rahmen nicht in meinen Rucksack passt. Also entnehme ich schweren Herzens den Zettel und streiche sanft mit den Fingern über das alte Papier. Dann falte ich ihn ganz vorsichtig und verstaue ihn in der Innentasche meiner abgeranzten Lederjacke. Als ich alles soweit gepackt habe, mache ich mich auf den Weg zum Büro der Direktorin.

    „Herein“, ertönt die dauergereizte Stimme der alten Hexe und ich rolle genervt die Augen. „Setz dich“. „Nett, danke“, patze ich sie frech an und ernte einen strengen Blick. Ich lasse mich lässig auf den unbequemen Plastikstuhl sinken und trete völlig in Gedanken, mit der Spitze meiner Biker-Boots immer wieder gegen die Tischkante. Erst als sie wutentbrannt mit der flachen Hand auf den Tisch schlägt, halte ich in der Bewegung Inne und starre sie gelangweilt an. „Kate, dein Verhalten lässt wie gewohnt zu wünschen übrig“, tadelt sie mich schnippisch und sagt mir damit nichts neues. „Seit du hier bist, hast du nur Probleme gemacht und ich sage dir ganz ehrlich, hier wird dir niemand eine Träne nachweinen, wenn du morgen diese Einrichtung verlässt“. „Schade aber auch“, sage ich und lache spöttisch. Und patsch! Wieder mit der flachen Hand auf den Tisch. Ich werfe den Kopf in den Nacken und schaue sie belustigt an. „Und jetzt?“, frage ich. Ihr Gesicht läuft rot an vor Wut, aber sie beherrscht sich. „Und jetzt, Kate, mache ich deine Entlassungspapiere fertig und dann hoffe ich, dass wir uns nie wieder sehen“, antwortet sie selbstgefällig und sieht dabei aus wie ein Schwein mit ihren dicken Backen und den kleinen, hässlichen Augen. Bei dem Gedanken daran muss ich grinsen. Sie ignoriert es und widmet sich den Dokumenten. Nach einigen Minuten ist sie fertig, drückt mir alles in die Hand würgt ein knappes „Tschüss“ raus. Ich sage nichts und will gerade den Raum verlassen, als sie mir hinterher ruft: „Sei morgen früh um 8:00 am Haupteingang, du wirst abgeholt“. Ich bleibe abrupt stehen und drehe mich ganz langsam um. „Was werde ich?“, frage ich völlig verdattert. „Du wirst abgeholt. Was gibt es daran nicht zu verstehen?“, giftet sie mich fies an und werfe ihr einen angewiderten Blick zu. „Von wem werde ich abgeholt, will ich wissen“, schmeiße ich ihr mehr als unfreundlich an den Kopf. Nun ist sie diejenige, die mit den Augen rollt. „Sehe ich vielleicht so aus, als wäre ich allwissend? Irgendjemand hat eine Nachricht hinterlassen, er würde dich morgen um 8:00 am Haupteingang abholen“. Und mit diesen Worten macht sie eine Handbewegung die mir sagen soll: Verschwinde und mach die Tür von außen zu.

    Bevor ich zurück auf mein Zimmer gehe, mache ich einen kleinen Abstecher in die geheime Raucherecke am Rand des Heimgeländes. Ich lehne mich an einen Baum und zünde mir eine Zigarette an. Die Unterlagen lasse ich neben mir auf den Boden fallen und ziehe das kleine Taschenmesser, das ich vor ein paar Jahren von einem Verehrer geschenkt bekommen habe, aus meiner Jackentasche und spiele damit herum. Ich bin total in Gedanken, als mich ein Rascheln im Gebüsch herumfahren lässt. Instinktiv und mit rasender Geschwindigkeit schleudere ich das Messer in die Richtung aus der das Geräusch kam. Es trifft mit einer solchen Wucht auf den Baum, dass ein Teil der Rinde abfällt. Als ich sicher bin, dass dort nichts ist, gehe ich darauf zu und will es aus dem Stamm ziehen, als ich einen Büschel langer blonder Haare daran entdecke. Ich ziehe das Messer heraus und fange die Haare auf. Ich begutachte sie und lasse sie dann, zusammen mit meiner Zigarette auf den Boden fallen und stapfe zurück ins Haus.

    „Ist Bespitzeln jetzt dein neustes Hobby“, pampte ich meine Zimmernachbarin an und ernte einen grimmigen Blick. „Was hast du denn für Probleme?“, fragt sie im gleichen Ton. „Ist schon gut“, sage ich herablassend, „ich habe deine Haare erwischt, ich hab sie gesehen“. Sie starrt mich völlig entgeistert an. „Sag mal hast du was geraucht oder so? Wovon sprichst du eigentlich?“ Genau mit dieser Situation habe ich gerechnet, also belasse ich es dabei. Wozu soll ich mit jetzt noch aufregen? In ein paar Stunden bin ich hier raus und sehe sie eh nie wieder. „Ist schon ok, vergiss es einfach“, sage ich beiläufig und verbringe den restlichen Tag damit, nichts zu tun.

    Als ich abends im Bett liege frage ich mich ernsthaft, wer da wohl morgen früh auf mich warten wird. Mir fällt nur leider niemand ein, mit dem ich mich so gut verstanden hätte, dass er mich unbedingt wieder sehen will. Einer meiner Ex-Freunde ist es mit Sicherheit nicht. Naja, ich drehe mich auf die Seite und ziehe mir die Decke über den Kopf. Nach zu grübeln bringt ja jetzt eh nichts. Ich lasse mich einfach überraschen. Wie schlimm kann es schon werden? Ab morgen bin ich ein freier Mensch. Auch wenn mir das irgendwie Angst macht.

    Als um sieben mein Wecker klingelt, bin ich sofort hell wach. Ich springe mit einem Satz aus dem Bett, schalte das Licht ein und ignoriere den Protest meiner Mitbewohnerin. Im Bad mache ich mich so gut zurecht, wie es geht und bin am Ende auch ziemlich zufrieden mit meinem Äußeren. Ich schaue in den Spiegel und gebe der Person, die ich dort sehe, das Versprechen, herauszufinden, wer sie wirklich ist. Dann packe ich alles zusammen und hole die Restlichen Sachen aus meinem Zimmer. Bevor ich meine bisherige Bleibe endgültig verlasse, beschließe ich mein Bett ordentlich zu hinterlassen und beginne damit alles akkurat zu falten. Als ich damit fertig bin, stemme ich die Hände in die Hüfte und begutachte mein Werk. Auf dem Flur ertönt die Guten-Morgen-Stimme der Erzieherin und im nächsten Moment ändere ich meine Meinung und springe mit meinen Stiefeln wie wild auf dem Bett herum. Mit alten Traditionen soll man nicht brechen, denke ich höhnisch und verlasse mit einem breiten Grinsen den Raum.

    Je näher ich dem Haupteingang komme, desto größer wird die Anspannung. Zum einen, habe ich keine Ahnung, was nun aus mir wird und zum anderen bezweifle ich, dass dort tatsächlich jemand auf mich wartet. Ich bin zu früh. Es ist noch niemand da, falls überhaupt jemand kommt. Es regnet in Strömen, als ich ins freie Trete. „Happy Birthday, Kate“, gratuliere ich mir selbst zu dem tollen Start in den Tag. Ohne mich sonderlich zu beeilen marschiere ich in meine private Raucherecke und starre das triste Heimgebäude an. Unglaublich, wie ich es hier so lange ausgehalten habe, wundere ich mich selbst.
    Ein Blick auf die Uhr verrät mir, dass es mittlerweile schon 8:20 ist und ich trete genervt meine dritte Zigarette aus. „Wusste ich`s doch“, lache ich enttäuscht und schnappe mir meinen Rucksack. Plötzlich geht alles ganz schnell. Jemand packt mich von hinten, ich wirble herum, wehre den Angreifer ab und schleudere ihn mit voller Wucht auf den Boden. Mit meinem rechten Fuß auf seiner Brust stehend, starre ich ihn an. Es ist ein junger Kerl, vielleicht etwas jünger als ich. Er hat schwarze Haare zu einem Zopf gebunden und trägt merkwürdige Klamotten. Freak, denke ich und lege den Kopf schräg. „Wer bist du und was willst du?“, frage ich tough als noch zwei weitere Gestalten aus dem Wald treten. Ich mustere sie skeptisch. Mir fällt besonders das große blonde Mädel ins Auge. Sie sieht mich mindestens genau so böse an, wie ich sie. „Du warst das“, stelle ich automatisch fest und deute auf den Baum, an dem gestern noch ihre Haare hingen. „Ja, das war ich, du hast meine Frisur ruiniert“, schimpft sie und ich muss unweigerlich lachen. Für mich sehen ihre Haare perfekt aus, also ist sie ein zimperliches Prinzesschen, denke ich und begutachte den kräftigen Kerl neben ihr. Er sieht verängstigt aus und ich frage mich, ob das an mir liegt? „Also, was wollt ihr“, wiederhole ich meine Frage und wende mich wieder dem Typen unter meinen Füßen zu. „Wenn du vielleicht mal von mir runter gehen würdest, könnte ich es dir erklären“, presst er angestrengt hervor und windet sich. Ich überlege einen Augenblick und lasse ihn dann frei. „Ok, dann schieß mal los“, fordere ich ihn auf und verschränke die Arme vor dem Körper. „Warte Shikamaru, bist du sicher, dass sie die Richtige ist?“, fragt die Blonde an den Langhaarigen gewendet. „Die Beschreibung trifft auf sie zu“, mischt sich der kräftige Kerl kleinlaut ein und erntet einen bösen Blick der Tussi. „Sie ist es“, antwortet dieser Shikamaru offensichtlich genervt, was der Blonden die Zornesröte ins Gesicht treibt. „Wie kannst du dir da so sicher sein?“, zickt sie und wirkt, als ob sie am liebsten auf ihn losgehen würde. „Sie meint ziemlich stark zu sein, wie Tsunade gesagt hat“, meint der andere. „Stark? Pah...“, schnaubt Ino empört und funkelt mich böse an. „Hast du irgendein Problem?“, frage ich sie und ziehe arrogant die Augenbrauen hoch. Als sie auf mich losgehen will, stellt sich Shikamaru zwischen uns und wirkt dabei wenig begeistert. „Es reicht jetzt. Sie ist es, da besteht kein Zweifel“, sagt er und wendet sich dann mir zu. „Du kommst jetzt mit uns“, entscheidet er und noch bevor ich irgendetwas entgegnen kann, nickt er Ino zu und plötzlich wird alles schwarz.

    Als ich wieder zu mir komme, passieren wir gerade ein riesiges Stadttor. Erschrocken blicke ich mich um frage mich, wo um alles in der Welt ich hier gelandet bin. Alles wirkt so anders, nicht real. Ich schüttle den Kopf, in der Hoffnung, dass es wieder nur einer meiner Albträume ist, doch nichts passiert. Ich bin bei vollem Bewusstsein. „Was habt ihr mir gegeben?“, frage ich mehr mich selbst, dann stelle ich fest, dass mein Körper mir nicht mehr zu gehören scheint. Ich gehe, obwohl ich es nicht will. Einen Schritt nach dem anderen. Als ich an mir herunter blicke, sehe ich nichts als meinen eigenen Schatten. Moment mal, denke ich, das ist gar nicht mein Schatten. Bei genauerer Betrachtung sieht es so aus, als sei mein Schatten mit dem von Shikamaru verschmolzen. Meine Bewegungen gleichen seinen aufs Haar genau. „Was passiert hier?“, frage ich weniger tough als ich es mir gewünscht habe. „Keine Angst, wir bringen dich jetzt zu Tsunade, sie wird dir alles erklären“, erklärt mir der kräftige Kerl freundlich. Ich beschließe keine weiteren Fragen zu stellen und ergebe mich meinem Schicksal, vorerst. „Wenn du versprichst nichts unüberlegtes zu tun, löse ich die Schattenfesseln“, sagt Shikamaru und sieht mir tief in die Augen. Ich nicke zustimmen und atme erleichtert auf, als mein Körper wieder mir gehört. Als wir uns wieder in Bewegung setzen, folge ich ihnen ohne aufzumucken. „Wo sind wir?“, frage ich den netten Typ, dessen Nama, wie ich nun weiß, Choji ist. „In Konoha“, antwortet er wie selbstverständlich und ich muss grinsen. „Klar, Konoha, wo auch sonst“, scherze ich und entlocke sogar dem sonst so genervten Shikamaru ein Lächeln. „Ich kann mir schon vorstellen, warum Asuma immer so begeistert von dir war“, stellt er fest, ohne mich anzusehen. Asuma? Der Name löst etwas in mir aus, es kommt mir so vor, als hätte ich ihn schonmal gehört. Er ist mir irgendwie vertraut. Ich überlege angestrengt, komme aber wieder mal nicht drauf. „Warte mal, du meinst hier gibt es jemanden, der mich kennt?“, frage ich aufgeregt, in der Hoffnung der Lösung meines Rätsels bezüglich meines früheren Lebens, ein Stück näher zu kommen. Jetzt fangen sowohl Shikamaru als auch Choji herzhaft an zu lachen, während Ino nur missmutig neben uns her trottet und die Augen rollt. „Kann man wohl so sagen“, lacht er und grüßt eine schwarzhaarige Frau mit roten Augen. „Hey Kurenai, das ist...“, sagt er und wird prompt von ihr unterbrochen. „Ich weiß wer sie ist“, sagt sie mehr oder weniger freundlich. Auch wenn sie lächelt, habe ich nicht das Gefühl, dass es ehrlich gemeint ist. „Tsunade erwartet euch. Ich muss dann mal weiter“, verabschiedet sie sich und löst sich praktisch in Luft auf. Ok, denke ich, das alles ist echt total abgefahren. „Was ist denn mit der los?“, fragt Choji überrascht.

    Ein paar Minuten später stehen wir auch schon in Tsunades Büro und die Situation kommt mir leider nur allzu vertraut vor. Sie hat den gleichen strengen Gesichtsausdruck, den ich von unserem Heimdrachen kenne. „Danke, ihr könnt dann gehen“, sagt sie an meine drei Begleiter gerichtet. Nachdem sie den Raum verlassen haben, wird ihr Blick etwas weicher. „Weißt du, wo du hier bist?“, fragt sie mich. Ich nicke. „Konoha“, antworte ich, als wäre es das Normalste auf der Welt. Ihre Mundwinkel zucken zu einem angedeuteten Lächeln. „Gut. Und weißt du auch, warum du hier bist?“ Darauf habe ich keine Antwort und starre sie nur blöd an. Sie nickt. „Dachte ich mir“. Sie setzt sich. „Sie haben ihr Gedächtnis vollständig gelöscht“, stellt sie fest und erst jetzt bemerke ich die Leute, die hinter mir stehen. Ein großer Mann mit Kopftuch, der auf einem Zahnstocher herum kaut und eine Frau, die ein kleines Schwein in der Hand hält, welches eine Perlenhalskette trägt. „Schöne Kette“, sage ich zu dem Schwein und es quiekt fröhlich. Der Typ muss sich ein Lachen verkneifen. Als ich mich wieder Tsunade zuwende, sieht sie nachdenklich aus. „Genma, bring sie in den Verhörraum“, sagt sie und sieht mir fest in die Augen. Der Typ tritt neben mich. „Verhörraum? Wartet mal, was ist hier eigentlich los? Ich bin doch keine Kriminelle“, sage ich aufgebracht, doch das lässt die Anwesenden unbeeindruckt und so bleibt mir nichts anderes übrig, als diesem Genma zu folgen.

    Seit einer geschlagenen Stunde sitze ich nun schon allein in diesem kargen Raum und warte darauf, dass mir mal irgendjemand erklärt, was hier gespielt wird. Plötzlich höre ich Stimmen. „Ist es wahr? Sie ist hier?“, fragt eine Männerstimme aufgebracht und eine weitere Stimme ertönt. „Wir wissen noch nicht mit Bestimmtheit, dass sie es ist“. „Last mich zu ihr“, bittet der aufgebrachte Mann. „Das geht nicht. Asuma, geh nach Hause, wenn sich herausstellt, dass sie es ist, wirst du noch genug Zeit haben“, sagt ein anderer. Mein Herz klopft wie wild. Asuma. Der Mann der mich kennt, der Mann dessen Name mir so vertraut vorkommt. Ich bin noch total in meinen Gedanken versunken, als die Tür sich öffnet und vier Männer eintreten. „Izumo, Kotetsu, ihr bewacht die Tür“, befiehlt das Narbengesicht. Der Typ sieht echt gefährlich aus, denke ich und versuche mir meine Verunsicherung nicht anmerken zu lassen. Der andere Mann kommt langsam auf mich zu. Er hat lange blonde Haare und erinnert mich irgendwie an diese Ino. Er betrachtet mich einen Augenblick dann sagt er: „Bleib ganz ruhig, dann passiert dir nichts“. Leichter gesagt als getan, denke ich und sehe ihn skeptisch an, als er mir seine Hand auf den Kopf legt. Ich will gerade protestieren, als eine Hitzewelle durch meinen Kopf schießt und ich kurz davor bin, das Bewusstsein zu verlieren. So schnell, wie es begonnen hat, ist es auch schon wieder vorbei. Der Mann nimmt seine Hand weg, sieht das Narbengesicht an und nickt. „Sie ist es“. Dann sehen sie beide mich an. „Willkommen zu Hause.“

    Ich bin noch etwas wacklig auf den Beinen, als sie mich durch das Gebäude führen. Wieder an Tsunades Büro angekommen, sehe ich Izumo fragend an. Er lächelt nur und öffnet mir die Tür. Ich trete ein. Neben Tsunade befindet sich noch eine alte Dame im Raum. Als sie sich umdreht und mich sieht, weiten sich ihre Augen und ihre Unterlippe zittert, als würde sie gleich in Tränen ausbrechen. Etwas unbeholfen trete ich von einem Bein auf das andere und weiß nicht so recht, wo ich hinsehen soll. „Rin?“, sagt die Frau mit heiserer Stimme und macht einen unsicheren Schritt auf mich zu, ohne den Blick abzuwenden. „Bist du es wirklich?“ Jetzt sehe ich ihr ganz fest in die Augen. Kennt sie mich etwa? Als sie genau vor mir steht, legt sie eine Hand auf meine Wange und etwas blitzt in ihren Augen auf. Dann beginnt sie zu lächeln und eine Träne rinnt ihr über das Gesicht. „Du bist es. Du bist es wirklich. Du bist zurück“, mit diesen Worten umarmt sie mich und fängt bitterlich an zu weinen. Vorsichtig tätschle ich ihren Rücken und werfe Tsunade einen fragenden Blick zu. Sie lächelt verständnisvoll, zieht die alte Dame sanft von ihr weg und führt sie zu einem Stuhl. Ich setze mich ebenfalls, als sie mir den anderen Stuhl anbietet. Eine Weile lang schweigen wir, dann ergreift Tsunade das Wort.“Sie kann sich an nichts mehr erinnern“, erklärt sie der alten Dame in ruhigem Ton. „Aber ihre Erinnerungen werden zurück kehren, jetzt, da sie hier ist. Es ist nur eine Frage der Zeit“, ihr lächeln beruhigt die alte Frau nur wenig, aber sie scheint zu verstehen. Dann wendet sie sich wieder mir zu. „Du musst das jetzt alles noch nicht verstehen. Ich weiß, das ist alles etwas viel auf einmal“. Das kann sie wohl laut sagen, denke ich und sehe mir die alte Frau etwas genauer an. Sie kommt mir bekannt vor. Als sie meinen Blick erwidert, lächelt sie. „Erkennst du mich denn nicht?“, fragt sie mit zittriger Stimme und sieht mich erwartungsvoll an, als ich nicht sofort antworte. „Doch...nein...ich weiß nicht“, sage ich wahrheitsgemäß und schaue mich hilfesuchend um. „Rin?“, sagt Tsunade und ich wende mich automatisch ihr zu. „Das ist deine Oma“. Mein Herz setzt einen Moment lang aus und ich bekomme große Augen. Ich starre die Frau an und spüre, dass es stimmt. „Oma?“, frage ich und bekomme einen Kloß im Hals, weil es sich so gut anfühlt dieses Wort auszusprechen. Sie nickt und genau wie ihr, steigen nun auch mir Tränen in die Augen. Ich habe eine Oma. Das Gefühl ist unbeschreiblich. Ich bin nicht allein auf der Welt. Tausend Gedanken und Fragen schießen mir durch den Kopf und ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll. Mein Blick wandert wirr durch den Raum und bleibt an einem Blatt, welches auf Tsunades Schreibtisch liegt, hängen. Es liegt auf dem Kopf, aber ich erkenne deutlich mein Gesicht. Es ist ein sehr altes Foto, es muss aus der Zeit stammen, bevor ich in dieses schreckliche Heim kam. Von Neugier angetrieben, stehe ich auf und trete an den Schreibtisch heran. Kein Zweifel, das Mädchen auf dem Foto bin ich, darunter steht unter anderem mein Name. Rin. Es fühlt sich an, als würde eine riesige Last von meinen Schultern genommen. „Rin“, flüstere ich und berühre das Foto so vorsichtig, als könnte es in Flammen aufgehen. „Ja, das ist dein Name“, sagt Tsunade freundlich und legt einen Arm um meine Schultern. Ich starre weiter das Blatt an. Mein komplettes Leben steht dort schwarz auf weiß. Meine Hände zittern. Ich bin nicht nur eine Nummer im System. Ich bin jemand. Das Mädchen dort auf dem Foto lächelt stolz und trägt das gleiche Stirnband, das hier alle tragen. Das Mädchen dort auf dem Foto gehört dazu. Es ist laut der Akte ein ausgebildeter Chunin, hat etliche Missionen erfolgreich absolviert. Gehört einem Team an. Team 10 - Asuma Sarutobi . Das Mädchen auf dem Foto bin ich. Ich bin Rin und...warte! Team 10 - Asuma Sarutobi! Hastig ziehe ich den Papierfetzen aus meiner Jackentasche und lese T 10 AS. Meine Augen werden groß und ich fange lachend an zu weinen. Sowohl Tsunade als auch meine Oma wirken etwas überrascht, sagen aber nichts. Ich gehe zurück zu meinem Stuhl und lasse mich lachend hineinfallen. Als ich mich wieder einigermaßen eingekriegt habe, frage ich lässig: „Erzähl mal Oma, was ist so alles passiert, als ich weg war?“

    „Nun mal langsam Rin“, sagt Tsunade lächelnd und setzt sich an ihren Schreibtisch. „Eins nach dem anderen“. Ich atme tief durch und lese mir das Blatt noch einmal gründlich durch. Es ist ein unglaubliches Gefühl endlich zu wissen, wer man ist, wenn man Jahre lang ein niemand war. Ich nehme jedes Detail in mich auf und stocke an einer ganz bestimmten Stelle. „Heute ist gar nicht mein Geburtstag?“, frage ich empört. „Nein, heute ist der Tag deines Verschwindens vor 6 Jahren“, antwortet sie und ich blicke erschrocken auf. „Aber hier steht, ich war 14 als ich verschwand“, stelle ich fest und wieder steigt ein leicht hysterisches Lachen in mir auf. „Dann bin ich schon 20?“ Tsunade nickt. Meine Welt steht Kopf. „All die Jahre hatte ich keine Ahnung“, sinniere ich vor mich hin. „Es wird dir wieder einfallen“, redet Tsunade beruhigend auf mich ein, „deine Freunde werden dir dabei helfen“. Ich halte Inne und blicke auf. „Meine...Freunde?“, meine Stimme ist total belegt und ich muss kräftig schlucken. Ich habe Freunde...In dem Moment nickt Tsunade Izumo, der an der Tür steht zu und wie auf Kommando öffnet er sie. Ein maskierter Mann mit grauen Haaren tritt ein und ein Lächeln zeichnet sich unter dem Tuch ab, als er mich ansieht. „Hallo Rin, schön, dass du wieder da bist“, sagt er und die Art, wie er meinen Namen ausspricht, lässt mein Herz höher schlagen. Es klingt so vertraut, als hätte er mich schon tausend Mal so genannt. „Rin, das ist Kakashi, einer deine ehemaligen Ausbilder“, erklärt Tsunade und in dem Augenblick, als sie seinen Namen nennt, schießen mir Bilder durch den Kopf. Sie sind etwas verschwommen, aber ich sehe Kakashi und noch einige andere. Wir sitzen zusammen um einen Tisch herum und lachen über irgendetwas. Dann sehe ich uns beim Training auf einer grünen Wiese, ich halte eine Art Messer in der Hand. Meine Hand wird warm und blaues Zeug bildet sich darin und legt sich um die Waffe. Ich spüre die Kraft, die darin liegt. Erinnerungen an mein früheres Leben, denke ich und als ich wieder zu mir komme fällt mein Blick runter auf meine Hand. Blaues Zeug hat sich dort gebildet und ich schleudere es erschrocken von mir weg und haue damit ein riesiges Loch in die Hauswand. Schockiert springe ich auf und stolpere ein paar Schritte zurück. Während Tsunade etwas gereizt wirkt, klopft Kakashi mir lachend auf die Schulter. „Scheint, als hättest du es noch drauf“.

    „Ich denke es ist das Beste, wenn du dich erst einmal etwas ausruhst, alles weitere können wir auch später noch besprechen“, sagt Tsunade leicht genervt. „Fürs erste wohnst du bei den Naras, sie waren Freunde deiner Eltern und haben angeboten, dich bei sich aufzunehmen, bis du allein zurecht kommst“, erklärt sie mir. Als sie meine Eltern erwähnt, wird mein Herz schwer. Sie hatte mir erzählt, dass unser Clan damals ausgelöscht wurde und nur einige wenige überlebt hatten. Mich hatte man weggebracht um mich zu schützen, deshalb löschte man auch mein Gedächtnis. Schnell schüttle ich den Gedanken ab und lächelte meine Oma an. „Bis später“, sage ich und drücke sie kurz, dann verlasse ich gemeinsam mit Kakashi das Büro.

    Eine Weile lang, laufen wir schweigend nebeneinander her. „Ganz schön viel Information für einen Tag, hm?“, fragt Kakashi plötzlich und ich stoße ein kurzes Lachen aus. „Das kann man wohl sagen“, sage ich und kicke einen kleinen Stein weg. Er trifft einen Mann am Bein, dieser dreht sich erschrocken um und macht große Augen, als er mich sieht. „Das gibt`s doch nicht“, sagt er und stürmt auf mich zu. Bevor ich die Flucht ergreifen kann, hat er mich schon hoch gehoben und wirbelt mich wild durch die Luft. „Guy“, stöhnt Kakashi entgeistert und kratzt sich am Kopf. Ich gaffe den komischen Typen erschrocken an, dieser Lacht nur und klopft mir heftig auf den Rücken. „Rin, Mensch, lange ist`s her. Wie geht`s dir?“ Ich bin geblendet von seinem strahlend weißen Lächeln und lächle belustigt. „Ähm, gut soweit, denke ich“, sage ich etwas unsicher. Plötzlich flackern Bilder vor meinem inneren Auge auf. „Guy“, spreche ich seinen Namen laut aus und muss lachen. Sowohl Kakashi als auch Guy sehen mich verwundert an. „Alles ok?“, fragt Kakashi und ich muss noch mehr lachen. Als ich wieder etwas Luft kriege, antworte ich schließlich. „Ich erinnere mich nur gerade daran, wie Guy Schere-Stein-Papier gegen dich verloren hat und 300 Mal Konoha umrunden musste, auf Händen“, und wieder pruste ich los. Erst als mir bewusst wird, was ich da gerade gesagt habe, stockt mir der Atem und ich erstarre. Als ich Kakashi ansehe, schenkt er mir ein warmes Lächeln. „Willkommen zurück“.

    Eine Stunde später sitzen wir zu dritt bei Ichiraku und reden über alte Zeiten. Zwar kann ich mich nicht an alles erinnern, aber von Minute zu Minute lichtet sich der Nebel ein bisschen mehr. Mir fällt auf, das ein Name überhaupt nicht gefallen ist, obwohl er mir ständig im Kopf herum spukt. „Was ist mit Asuma?“, frage ich schließlich und sowohl Kakashi, als auch Guy halten plötzlich Inne. Als ich seinen Namen ausspreche, spüre ich einen Stich in meinem Herzen. Ich sehe keine Bilder, habe kein Gesicht zu diesem Namen, aber ein Haufen Gefühle prasseln auf mich ein und verschlagen mir selbst die Sprache. Den beiden scheint das Thema irgendwie unangenehm zu sein. „Was ist mit ihm?“, frage ich verunsichert. Kakashi räuspert sich. „Naja, nachdem man dich weggebracht hat ist er...naja...er war...er hat nach dir gesucht...“, stottert er unsicher und widmet sich halbherzig seiner Suppe. Mein Herz schlägt schneller und mir steigt die Röte ins Gesicht. Was ist bloß mit mir los?

    Als wir fertig sind, verabschieden wir uns von Guy und setzen unseren Weg fort. Wir reden über dies und das und ich erwähne Asuma mit keinem Wort. Auch, wenn ich an nichts anderes denken kann. Nach einer Weile, als es schon dämmert, erreichen wir das Anwesen der Familie Nara. „So, da sind wir“, sagt Kakashi und winkt Shikamaru und seinen Eltern zu, die mich schon erwarten. „Wir sehen uns dann morgen“, sagt er und will gerade gehen, hält dann aber noch einmal kurz in der Bewegung inne und packt mich leicht am Arm um mich aufzuhalten. Dann sieht er mir tief in die Augen. „Er hat nie aufgehört, nach dir zu suchen“, sagt er, dreht sich um und geht. Wie vom Donner getroffen erstarre ich und sehe ihm gedankenverloren nach. In diesem Moment schießen mir Bilder in den Kopf. Wieder stehe ich auf einer Wiese. Jemand großes steht hinter mir und hat die Arme um mich gelegt. Ich schmiege mich an ihn und genieße seine Nähe. Dann flüstert er mir ins Ohr: „Ich werde dich immer beschützen“. Tränen schießen mir in die Augen und erst als Shikamaru neben mich tritt, komme ich wieder zu mir. „Alles in Ordnung?“, fragt er besorgt. Ich nicke leicht irritiert. „Ja, alles ok“, lüge ich.

    Die Naras und ich haben Stunden lang zusammen gesessen und über alte Zeiten geredet. Sie haben mir Geschichten über meine Eltern erzählt und ich fühlte mich ihnen sehr nah. Trotzdem bin ich froh, dass wir nun alle zu Bett gehen. Es ist schon spät und ich spüre langsam die Erschöpfung. Sie zeigen mir mein Zimmer und wir wünschen uns eine gute Nacht. Ich sehe mich etwas um und fühle mich sofort wohl. Es ist so anders als das, was ich vom Heim kenne. Es ist gemütlich und einladend und ich verspüre große Dankbarkeit. Bevor ich mich hinlege, öffne ich die Tür zur Terrasse und trete hinaus. Es ist schon dunkel und die kühle Nachtluft tut gut. Ich schließe die Augen und atme tief durch. „Bist du noch gar nicht müde?“, ertönt plötzlich eine Stimme aus der Dunkelheit und ich sehe mich erschrocken um. Shikamaru steht dort lässig an die Wand gelehnt und raucht eine Zigarette. „Auch eine?“, fragt er und hält mir die Packung hin. Ich nehme dankbar an und setze mich auf den Boden neben ihn. Nach einer Weile breche ich das Schweigen. „Sag mal, du kennst Asuma ziemlich gut, oder?“ Shikamaru bläst den Rauch aus. „Er ist mein Freund und Lehrer“, stellt er sachlich fest. Mir ist es etwas unangenehm, aber die Frage brennt mir auf der Seele, also überwinde ich mich. „Hat er mal...“, doch ich komme nicht dazu, den Satz zu beenden. „...von dir geredet?“. Ich sehe zu ihm auf und nicke. Jetzt rutscht er die Wand runter und setzt sich neben mich. „Ja, hat er“, sagt er schließlich und mein Herz beginnt wie wild zu klopfen. „Hör zu, ich weiß nicht genau, was da genau zwischen euch war, er war dein Lehrer, aber...“, er scheint unsicher, was er sagen soll. „Ich hatte immer das Gefühl, du warst mehr für ihn als nur eine Schülerin“. Jetzt rast mein Herz wie wild und ich würde ihn am liebsten schütteln, damit er mir mehr erzählt, aber ich beherrsche mich und versuche so gelassen zu wirken, wie möglich. „Du meinst, wir...“, ich bringe es nicht über mich, meine Gedanken laut auszusprechen. Er sieht mich schräg von der Seite an und grinst. „Was? Nein! Du warst damals, soweit ich weiß erst 14“, stellt er fest und ich bin froh, dass er nicht sehen kann, wie rot ich werde. Wie konnte ich denken dass....ich ziehe an meiner Zigarette. Aus irgendeinem Grund versetzt mir das einen Stich, habe ich insgeheim gehofft, es wäre so gewesen? Spielen meine Gefühle mir einen Streich? „Aber du hast ihm viel bedeutet“, sagt er nach einer Weile. Wieder schießen mir die Bilder in den Kopf, wie der Mann, ich spüre, dass es Asuma ist, hinter mir steht und mich im Arm hält und mein Bauch kribbelt verdächtig. Ich habe ihn geliebt, denke ich und meine innere Stimme sagt mir, dass ich Recht habe. „Denkst du, er wird sich freuen, mich wieder zu sehen?“, frage ich und habe Angst, vor der Antwort. „Ich weiß nicht“, sagt er nachdenklich. „Weißt du, er hat nie aufgehört, nach dir zu suchen, auch dann nicht, als alle Welt sich sicher war, dass du tot bist“. „Tot?“, frage ich erschrocken und starre ihn mit weit aufgerissenen Augen an. Er nickt und fährt fort. „Irgendwann war er gezwungen die Suche abzubrechen. Er hat es nie überwunden...“, Shikamaru wirkt geradezu traurig, als er mir davon erzählt. „Er musste irgendwie mit der Ungewissheit weiter leben, es war sehr schwer für ihn, es hat ihn viel Kraft gekostet und ihn fast zerstört, doch er hat sich ein neues Leben aufgebaut“, erzählt er weiter. „Was glaubst du, wie er sich fühlt, jetzt, da er weiß, dass du hier bist?“

    Obwohl ich total erschöpft war, konnte ich gestern Abend nur schlecht einschlafen. Zu viele Gedanken hielten mich davon ab. Mein komplettes Leben wurde gestern völlig auf den Kopf gestellt und mir blieb nichts anderes übrig, als es so hin zu nehmen. Ich war froh, dass die ein oder andere Erinnerung zurück gekehrt war und mir dabei half, alles besser verarbeiten zu können, dennoch herrscht in mir das reinste Chaos. Vor allem die Sache mit Asuma raubte mir den Schlaf. Ich lag noch Stunden lang wach und obwohl ich immer noch kein Gesicht zu diesem Namen vor Augen habe, spielen meine Gefühle bei dem Gedanken an ihn total verrückt. Normalerweise bin ich kein besonders emotionaler Mensch, umso mehr erschreckt mich die Tatsache, dass es da jemanden gibt, der mich so bewegt. Ich dachte auch darüber nach, wie es sein könnte, wenn wir uns wieder sehen. Wird er sich freuen? Wie werde ich reagieren? Was genau ist da zwischen uns gewesen? Was hat uns verbunden? Fühlt er genau so wie ich? Fragen über Fragen nur die Antwort steht in den Sternen.
    Irgendwann schaffte ich es dann doch, ein bisschen Schlaf zu kriegen und werde erst wach, als es an der Tür klingelt. Ich schlage die Augen auf und muss mich erst orientieren. Ich bin bei Familie Nara. Stimmt ja. Als das erkenne, entspanne ich mich und lausche. Die Türe wird geöffnet. Jemand redet. Ein Mann. Ich höre genauer hin. „Es ist noch zu früh“, höre ich Herrn Nara sagen. „Zu früh? Ich habe sechs Jahre gewartet!“ Ich brauche nicht zu hören, was der Mann sagt, ich erkenne seine Stimme sofort. Erschrocken fahre ich hoch und mein Herz schlägt mir bis zum Hals. Er ist hier, denke ich aufgeregt und weiß nicht was ich tun soll. Wie ein Huhn jage ich in meinem Zimmer umher. Soll ich raus laufen? Dann sehe ich an mir hinunter und entscheide mich dagegen. Die Männer diskutieren noch eine Weile, dann schafft Herr Nara es, Asuma fürs erste abzuwimmeln. Mein Herz rast und ich fange vor Aufregung an zu schwitzen. Er ist gekommen um mich zu sehen, denke ich und verspüre übermäßige Freunde. Dann bleibe ich abrupt stehen, renne zum Fenster und sehe hinaus. Die Welt steht still. Da geht er. Er hat mir den Rücken zugewandt, aber ich erkenne ihn sofort. Er ist es. Asuma. Mein Herz, meine Seele, mein ganzer Körper reagiert auf ihn. Ich habe ihn nicht geliebt, denke ich, ich tue es immer noch. Einen Menschen, den ich gar nicht kenne und doch kenne. Das reinste Gefühlschaos. Sehnsüchtig lege ich die Hand auf das Glas, als wolle ich nach ihm greifen. In dem Moment bleibt er stehen und dreht sich langsam um. Panisch springe ich mit einem Satz zur Seite und verstecke mich hinter den Vorhängen. Mein Herz rast, als wolle es mir jeden Augenblick aus der Brust springen. Asuma...

    Erst jetzt fällt mir auf, wie groß das Grundstück der Naras eigentlich ist. Anscheinend gehört ihnen auch noch der halbe Wald. Nach dem Frühstück, habe ich zusammen mit Shikamaru Hirsche gefüttert, als auch schon Kakashi eintrudelte. Gut gelaunt wie immer, macht er sich nun daran, mein Training wieder aufzunehmen. Und ich muss sagen, es klappt besser als erwartet. Offensichtlich ist das etwas, was man nie ganz verlernt. Mein Hauptelement ist Luft, habe ich erfahren und da ich damals gerade mit der Ausbildung zum Jonin begonnen hatte, beherrsche ich sogar noch das Blitzelement. Genau wie Kakashi. „Nicht gut, aber auch nicht unendlich schlecht“, ärgert mich Kakashi und ich schleudere ihm eine mickrige Chakrakugel entgegen, welcher er ohne auch nur einen Schritt zur Seite machen zu müssen, ausweicht. Resigniert lasse ich mich ins Gras fallen. Er legt sich neben mich und wir beobachten die Wolken. „Er war hier“, sage ich schließlich. „Sie haben ihn nicht zu mir gelassen“. Schweigen. Ohne mich anzusehen, sagt er: „Es ist noch zu früh“. „Ja, das sagen alle“, stelle ich traurig fest.

    Am Nachmittag ist dann Konditionstraining angesagt, mit niemand geringerem als Guy. Es dauert keine fünf Minuten da liege ich völlig erschöpft am Boden und ringe um Luft. „Rin, wo ist dein Feuer geblieben?“, fragt er total empört und stemmt die Hände in die Hüfte.
    Fünf Tage später dauert es immerhin schon 15 Minuten, bis ich kraftlos in mich zusammen sacke. Ein großer Erfolg für mich und eine ebenso große Enttäuschung für Guy. Auch das Training mit Kakashi geht gut voran. Es bleibt von mir nicht unbemerkt, dass sie mich von Asuma fernhalten wollen, immerhin durfte bis jetzt kein einziges Mal das Gelände verlassen. In gewisser Weise komme ich mir schon vor wie eine Gefangene, aber da ich Jahre lang im Heim gelebt habe, gerate ich deswegen nicht gleich in Panik. Eins nach dem anderen, hatte Tsunade gesagt. Also versuche ich mich, so gut es geht auf das Training zu konzentrieren. Trotzdem ist Asuma für mich allgegenwärtig und es vergeht keine Nacht, in der ich nicht von ihm Träume, auch wenn mir sein Gesicht stets verborgen bleibt.

    Nach geschlagenen zwei Wochen darf ich in Begleitung von Ino und Shikamaru das Gelände der Naras endlich mal verlassen und werde von den beiden auf direktem Wege zu Tsunade geführt. „Er ist auf einer Mission“, flüstert Shikamaru mir ins Ohr, als er meine suchenden Blicke registriert. Ich tue so, als wüsste ich nicht wovon er spricht und entlocke ihm eines seiner seltenen Lächeln. Wenige Meter vom Kageturm entfernt treffen wir wieder auf diese Kurenai und wenn Blicke töten könnten, würde ich jetzt auf der Stelle umfallen. Sie wechselt ein paar Worte mit Shikamaru, während Ino und ich an einem Schaufenster vorbei schlendern. Wir sind zwar nicht die besten Freundinnen, aber dadurch, das sie und Choji bei den Naras ein und aus gehen, konnten wir uns ein bisschen besser kennen lernen und im Grunde ist sie gar nicht so übel. Man muss sie nur zu nehmen wissen, hatte Shikamaru mir gesagt und Recht behalten. „Sag mal, dir fällt es doch auch auf, oder?“, frage ich sie schließlich und stemme die Hände in die Hüften. Sie scheint zu wissen was ich meine und fragt gelassen: „Was? Dass Kurenai dich hasst? Ja, ist ja nicht zu übersehen“. Mir stockt kurz der Atem. „Sie hasst mich?“, frage ich total schockiert und ungläubig. Ich habe die Frau noch nie zuvor gesehen, zumindest glaube ich das, wie kann sie mich dann hassen? Wo ich doch auch die ganze Zeit, die ich hier in Konoha bin, nicht ein einziges Mal das Gelände verlassen habe. „Najaaa...“, rudert sie zurück und macht eine wegwerfende Handbewegung. „Vielleicht hasst sie dich nicht direkt, aber sieht wohl eine Bedrohung in dir“. Jetzt versteh ich gar nichts mehr. „Was für eine Bedrohung denn?“ Ino druckst etwas herum, rückt schließlich aber doch mit der Sprache raus. „Sie ist...sowas...wie Asumas Freundin...“ BAAAM! Das hat gesessen. Mein Herz rutscht eine Etage tiefer und der Kloß in meinem Hals nimmt neue Dimensionen an. „Oh“, ist alles was ich raus kriege und kann den Schmerz in meinem Inneren kaum ertragen. Asuma. Mein Asuma...und da entdecke ich den Fehler. Shikamaru hatte gesagt, Asuma hat sich ein Leben aufgebaut, so meinte er das also. Er hat ein Leben, ein Leben mit dieser Kurenai. Der Gedanke daran, dass sie die Frau an seiner Seite ist und nicht ich, zerreißt mir das Herz. All meine Gefühle und geheimen Sehnsüchte aus meiner Vergangenheit und auch von heute prassen auf mich ein und ich unterdrücke krampfhaft den Drang laut los zu weinen. Was hatte ich mir bloß eingebildet? Dass Asuma all die Jahre nur auf mich gewartet und keine andere Frau angesehen hat? Wo ich doch eh nur seine Schülerin war? Ich komme mir so unendlich blöd vor. Ich schaue zu Kurenai rüber und sehe eine erwachsene, reife Frau, die super stark und super talentiert ist und komme mir so klein und so dumm vor. Wer bin ich schon? „Hey“, Ino stupst mich an und schaut mir tief in die Augen. „Sie würde in dir keine Gefahr sehen, wenn du keine wärst“, sagt sie und ein fieses hinterlistiges Lächeln erscheint in ihrem hübschen Gesicht. Kaum zu glauben, aber sie hat es tatsächlich geschafft, dass ich mich besser fühle. Sie lehnt sich zu mir rüber und flüstert mir ins Ohr: „Ich habe gehört, dass Asuma und sie sich nicht ein einziges Mal getroffen haben, seit du im Dorf bist“, sie zwinkert mir zu und Hoffnung keimt in mir auf. Wenn das wahr ist, besteht vielleicht doch noch eine Chance, dass sich am Ende alles zum Guten wendet. „Kommt ihr?“, ruft Shikamaru als Kurenai verschwunden ist und Ino und ich tauschen einen vielsagenden Blick, dann setzen wir unseren Weg fort.

    Jetzt, da ich in Ino eine Verbündete gefunden habe, fühle ich mich schon besser. Klar verstehe ich mich mit allen prima, aber es gibt Dinge, über die spricht man lieber nicht mit jedem. Jedenfalls hatte Tsunade an dem Tag nur gute Nachrichten für mich. Unter anderem teilte sie mir mit, dass, wenn das Training weiterhin so gut liefe, Kakashi mir in einer Woche die Jonin-Prüfung abnehmen würde und sie eine Wohnung für mich gefunden hatte. Ich war total begeistert und fiel ihr fast um den Hals vor Freude.
    Das liegt nun schon drei Wochen zurück.
    Die Prüfung war ein voller Erfolg und Kakashi hoch zufrieden mit mir. Ich habe sogar schon drei Missionen erfolgreich hinter mich gebracht und bin zum ersten Mal in meinem Leben, in meinem neuen Leben, richtig stolz auf mich. Auch Tsunade ist sehr zufrieden. In meiner Wohnung fühle ich mich pudelwohl. Sie liegt ziemlich zentral und sowohl Izumo als auch Kakashi und Ino wohnen gleich um die Ecke. Wir sind eine richtige Clique geworden, zu der noch einige andere gehören, und verbringen sehr viel Zeit zusammen. Ich kann sagen, alles in allem geht es mir einfach klasse. Ich glaube ich habe mich nie in meinem Leben besser gefühlt, gäbe es da nicht diese eine Sache, die wie eine Regenwolke über mir schwebt. Ich habe Asuma bis heute nicht getroffen und frage mich ernsthaft, ob Tsunade unsere Missionen extra so legt, dass wir uns nicht über den Weg laufen. Bei unserer heutigen Besprechung, ich weiß nicht wie es dazu kam, klagte ich ihr dann mein Leid und sie zeigte sich unerwartet verständnisvoll. „Ich kann verstehen, dass du so denkst“, sagte sie, „Aber nicht ich, sondern Asuma selbst will es so“. Das war wie ein Schlag ins Gesicht. Asuma will es so? Ich war geschockt und tief traurig zugleich. Sie versuchte mich zu trösten, mit mäßigem Erfolg. „Gib ihm etwas Zeit“, sagte sie und ich verließ wortlos ihr Büro. Zeit....war nicht Asuma es, der gesagt hat er habe sechs Jahre gewartet?
    Ziellos laufe ich nun schon seit Stunden umher und zerbreche mir den Kopf, als eine total aufgetakelte Kurenai mir entgegen kommt und abfällig lächelt. In mir kocht die Wut, da zieht mich plötzlich jemand mit einem Ruck zur Seite und schleudert mich fast zu Boden. Erschrocken fahre ich herum. Es ist Ino. „Sorry“, grinst sie blöd und ich pflaume sie an, obwohl ich ihr nicht wirklich böse bin. „Pass auf“, sagt sie in einem verschwörerischen Tonfall, „flipp jetzt nicht gleich aus“, warnt sie mich und ich rolle die Augen. „Asuma ist zurück“, sie redet weiter, doch ich höre nicht mehr zu. Ich bin zu sehr damit beschäftigt, meine Gefühle im Zaum zu halten und nicht wie von der Tarantel gestochen los zu rennen. „Hey“, kneift Ino mich. „Hör mir zu, hab ich gesagt“, schimpft sie und schmeißt ihr Haar nach hinten. „Er und Kurenai haben heute ein...naja...sagen wir mal Date, wobei ich nicht glaube, dass...“, sie plappert und plappert aber ich falle ihr ins Wort. „Sie haben was?“, keife ich lauter los, als beabsichtigt und ernte ein paar komische Blicke ihrer Kunden. „Ja ja, jetzt mach dir mal nicht gleich ins Hemd und las mich ausreden“, sagt sie und ich atme tief durch um mich ein bisschen zu beruhigen. „Ich glaube nämlich, er will heute mit ihr Schluss machen“, sagt sie wieder in diesem verschwörerischen Ton. Mein Herz macht einen Freudensprung und ich sehe sie skeptisch an. „Meinst du? Woher willst du das wissen?“ Jetzt rollt sie genervt die Augen. „Glaub mir einfach, ok?“ Manchmal treibt mich ihre Art an den Rand der Verzweiflung, dann wiederum denke ich daran, dass sie keine Lügnerin ist und bisher immer ehrlich zu mir war und mir immer zur Seite stand. „Dein Wort in Gottes Ohr“, sage ich und verabschiede mich.
    Der restliche Tag zieht sich wie Gummi. Ich sitze auf meinem Balkon und weiß nichts mit mir anzufangen. Sitzt Asuma vielleicht gerade in diesem Moment mit Kurenai zusammen und macht sonst was mit ihr? Ich darf gar nicht daran denken. Mein Herz hängt mir in den Kniekehlen und ich bete, dass Ino Recht behält und er wirklich mit ihr Schluss macht. Ich kann den Gedanken daran, dass er was mit einer anderen hat, nicht ertragen. Es ist unglaublich, dass einem ein Gefühl so viel Schmerz bereiten kann. Diese Warterei macht mich verrückt und ich beschließe, noch einmal raus zu gehen. Vielleicht kriege ich dann den Kopf frei. Ich gehe ein paar Schritte, da entdecke ich in einiger Entfernung Kiba und Akamaru. Ich rufe nach ihnen und renne auf sie zu. „Hey, na, wie geht's?“, fragt Kiba und wir gehen zusammen weiter. Es tut gut sich einfach locker mit jemandem zu unterhalten und dabei sogar noch frische Luft abzukriegen. Es dämmert und der Himmel färbt sich orange und ich bin total beeindruckt, von diesem schönen Anblick als Akamaru plötzlich los bellt und Kiba sagt: „Ach guck mal, da sind Asuma und Kurenai.“ Mein Herz bleibt stehen und ich fahre erschrocken herum, sie biegen gerade in eine Seitenstraße ein und ich sehe ihn wieder nur von hinten, trotzdem fahren die Gefühle Achterbahn. Zu allem Überfluss ruft Kiba jetzt auch noch super laut ihre Namen, doch noch bevor sie sich zu uns umdrehen bin ich schon verschwunden. Ich verstecke mich in einem Hauseingang und bete, dass mich niemand gesehen hat. Ich höre nur, wie Kiba sich ihnen nähert und ein paar Worte mit ihnen wechselt. Ich traue mich nicht einen Blick zu riskieren und warte ab. Mein Herz schlägt mir bis zum Hals und ich komme mir wieder mal total blöd vor. Gerade fühle ich mich relativ sicher in meinem Versteck, da ruft jemand total laut meinen Namen und ich zucke unweigerlich zusammen. Auf dem Balkon, am Haus gegenüber, stehen Izumo und Kotetsu und winken mir fröhlich zu. Oh Gott, denke ich, bitte nicht. Ich bekomme nasse Hände und werde panisch, dann plötzlich höre ich Schritte und würde mich am liebsten in Luft auflösen. „Hey“, rufen die beiden von gegenüber jemandem zu, der sich offensichtlich meinem Versteck nähert. Dann sehen sie mich wieder an. Wie komme ich aus dieser peinlichen Situation wieder raus? Hektisch sehe ich mich um, der einzige Ausweg führt nach vorne, also bleibt mir nichts anderes übrig, als aus meinem Versteck zu treten und so zu tun, als wäre nichts passiert. Ich nehme all meinen Mut zusammen, straffe die Schultern und mache einen Schritt nach vorne. „Was war los?“ Oh, lieber Gott, vielen Dank, es ist nur Kiba, der mich halb besorgt, halb lachend mustert. „Ich, äh...“, stammle ich und sehe schnell die Straße runter. Asuma und Kurenai sind verschwunden. Erleichtert atme ich auf und lächle. „Nix, alles in Ordnung“, lüge ich und begleite Kiba und Akamaru noch ein Stück.

    Am nächsten Morgen bin ich mit Ino und Hinata zum Frühstück verabredet und leider etwas spät dran, also flitze ich schnellen Schrittes die Straße runter. Ich bin wahnsinnig gespannt, ob Ino schon was heraus gefunden hat. Ich hoffe es. Wenn es um Klatsch und Tratsch geht ist sie normalerweise immer auf dem neusten Stand. „Rin“, ruft eine männliche Stimme und ich komme abrupt zum Stehen. Ich suche nach dem Besitzer der Stimme und entdecke ihn auf Anhieb. „Choji“, ich freue mich, ihn zu sehen und gehe auf ihn zu. Er stopft sich gerade eine Zimtschnecke in den Mund und ich mustere ihn genau auf der Suche nach möglichen Anzeichen dafür, dass er vielleicht schon irgendwas gehört hat, was Asuma und Kurenai betrifft. Aber Fehlanzeige. Er erzählt mir nur, dass wir am Nachmittag zu einer gemeinsamen Mission aufbrechen und das war es auch schon. „Ich muss weiter“, rufe ich beim wegrennen und winke zum Abschied.
    Im Café angekommen, entdecke ich die Mädels an einem der hinteren Tische. Ich bin ziemlich außer Atem, als ich dort ankomme. „Und?“, ist meine erste Frage an Ino und meine Innereien tanzen Samba vor Aufregung. „Guten Morgen erstmal“, sagt Ino mit neutralem Gesichtsausdruck. Sie weiß genau wie sie mich zur Weißglut treiben kann, denke ich und lasse mich auf einen Stuhl plumpsen. Mit erwartungsvollem Blick starre ich sie an und als sie gerade ansetzt, etwas zu sagen, kommt die Bedienung. „Kaffee“, rufe ich unaufgefordert und ernte einen erschrockenen Blick von der schüchternen Hinata. „Bitte“, schiebe ich schuldbewusst hinterher. Nachdem Ino für uns drei das große Frühstück bestellt hat, wendet sie sich endlich wieder mir zu. Sie macht ein finsteres Gesicht und ich große Augen. Oh nein, denke ich, bitte nicht. Mir rutscht das Herz in die Hose und ich spüre einen Kloß in meinem Hals. Sie sieht mir tief in die Augen und plötzlich fängt sie total hysterisch an zu quietschen und klatscht euphorisch in die Hände. Meine Augen werden noch größer. „Nein“, sage ich und fange an zu grinsen, als die Schmetterlinge in meinem Bauch Purzelbäume schlagen. „Doch!“, sagt sie mega happy und hüpft auf ihrem Stuhl hin und her. Auch ich hüpfe jetzt und kriege mich gar nicht mehr ein vor Freude. Eine riesige Last fällt von mir ab und ich mache eine Siegesfaust. „Ihr seid gemein“, sagt Hinata kleinlaut was mich nur noch mehr zum Lachen bringt. Als das Frühstück kommt und wir uns wieder einigermaßen beruhigt haben lehne ich mich über den Tisch. „Erzähl mir alles ganz genau. Von Anfang, bis Ende“, fordere ich Ino auf und ein triumphierendes Lächeln bildet sich in ihrem Gesicht.
    Ich hänge förmlich an ihren Lippen, als sie mir alle schmutzigen Details der Trennung erzählt. „Also, meinem Informanten zufolge, hat Asuma Kurenai um ein Treffen gebeten, weil er mit ihr reden wollte. Worüber, wissen wir ja jetzt alle“, sie zwinkert mir verschwörerisch zu und Hinata sieht betroffen aus. Ich fordere sie gespannt auf weiter zu reden, aber sie macht es extra spannend, die kleine Sadistin. „Ja, ja, schon gut. Also sind sie zusammen in ein Lokal gegangen. Kurenai ahnte bis dahin noch nichts. Erst, als sie auf dem Weg Kiba und Akamaru getroffen haben und Izumo und Kotetsu deinen Namen gerufen haben, hatte es Asuma wohl plötzlich sehr eilig, weiter zu gehen. Das kam ihr schon komisch vor. In dem Lokal dann, ließ Asuma die Bombe platzen“, sie macht eine explosive Geste mit den Händen und schleudert fast ihre Tasse vom Tisch. Mein Puls ist auf 200. „Er hat ihr gesagt, dass es nicht mehr geht, das mit ihnen, seine Gefühle wären einfach nicht mehr stark genug und es wäre für alle das Beste, wenn sie es beenden. Daraufhin war Kurenai wohl total sauer und hat ihn gefragt, ob es etwas mit dir zu tun hat. Und du wirst nicht glauben, was er dann gesagt hat!“ Ich sitze schon fast auf Inos Schoß. „Was denn?“, frage ich aufgeregt und halte es kaum aus. Sie sieht mir tief in die Augen und grinst. Dann spuckt sie es endlich aus. „Nichts!“ Ich falle wieder auf meinen Stuhl und gaffe sie blöd an. „Nichts?“, frage ich ungläubig, doch Ino wirkt total zufrieden und nickt. „Nichts. Er hat wohl nur so da gesessen und konnte ihr nicht mal in die Augen sehen. Dann meinte Kurenai zu ihm, das wäre ja schon Antwort genug, ist aufgestanden, hat ihre Serviette auf den Tisch geknallt und gesagt, dann solle er doch glücklich werden mit seiner kleinen Freundin. Hahaaa...damit meinte sie dich“, Ino lacht ihr fiesestes Lachen und ich bin total geschockt. Geschockt vor Freude. Die Gefühle steigen so in mir hoch, dass ich nun auch nicht mehr an mich halten kann und stimme in Inos Lachen mit ein. Hinata ist hin und her gerissen, ob sie sich nun mit uns freuen oder Kurenai bemitleiden soll. Ein zaghaftes Lächeln ihrerseits genügt mir und wir stoßen gemeinsam an.

    Was für ein geiler Tag, denke ich zufrieden, als ich meine Sachen für die Mission zusammen packe. Als ich die Wohnungstür abschließe, frage ich mich von wem Ino bloß all diese Informationen hat. Dieses kleine Biest, denke ich lächelnd und mache mich auf den Weg zum Treffpunkt. Ino, Choji, Shikamaru und Neji warten schon auf mich und ich entschuldige mich lachend für die kleine Verspätung. Keiner nimmt es mir übel, auch wenn Shikamaru mich noch ungefähr eine halbe Stunde damit aufzieht. Die Nachricht über Asumas und Kurenais Trennung hat nun die Runde gemacht und ist jetzt auch bei den anderen angekommen. Im Dorf ist es anscheinend das Gesprächsthema Nummer eins und auch bei uns wird es nicht gerade tot geschwiegen. Es ist wahnsinnig heiß und wir sind nun schon seit zwei Stunden unterwegs, also beschließen wir eine kleine Pause einzulegen und suchen uns ein schattiges Plätzchen unter den Bäumen. Während alle einen Schluck trinken, futtert Choji natürlich lieber Chips und spricht dabei, wie gewöhnlich, mit vollem Mund. „Na, aber das war doch klar, dass wenn Rin wieder zurück kommt...“, Shikamaru rammt ihm seinen Ellbogen in die Seite und bringt ihn so zum Schweigen. „Ganz meine Meinung“, pflichtet Ino ihm bei und wirkt sehr zufrieden. „Ach du Schande!“, ruft Choji plötzlich und alle Augen sind sofort auf ihn gerichtet. „Was ist?“, fragt Shikamaru und sieht Choji böse an. „Ähm, Leute, ihr dürft jetzt nicht böse sein“, stottert Choji mit schuldbewusstem Blick, „als ich zu Hause meinen Rucksack gepackt habe, ging er nicht richtig zu, also musste ich noch einmal alles raus holen und neu packen. Da waren die Chips, die Plätzchen und der Zitronenkuchen meiner Mutter und...“ Alle verstanden sofort und stöhnten auf. „Sag jetzt bitte nicht, du hast die Schriftrolle vergessen, wegen der wir unterwegs sind“, sagt Shikamaru gereizt und kennt die Antwort bereits. Choji macht ein betroffenes Gesicht und sackt total in sich zusammen. „Wisst ihr was?“, flöte ich fröhlich, weil heute einfach ein toller Tag ist und ich glücklicher kaum sein könnte, „bleibt ihr hier und ich flitze los und hol schnell die Schriftrolle“. Alle sehen mich mit großen Augen an. Besonders Choji. „Echt?“, fragt er. „Würdest du das machen?“ „Klar“, sage ich, springe auf und renne los. Dank meines Windchakras kann ich ja um vieles schneller laufen als alle anderen und so ist es für mich gar kein Problem den Weg, für den wir zwei Stunden gebraucht haben, in 15 Minuten zurück zu legen. Als ich das Haus von Chojis Eltern erreiche, bremse ich so stark ab, dass ich in eine riesige Staubwolke gehüllt werde. Meine Sicht ist gleich null und es dauert einen Moment, bis der Staub sich wieder setzt und ich freie Sicht habe. Als der Nebel sich lichtet, blicke ich auf und erstarre.
    „Hallo Rin“.
    Mein Herz bleibt stehen.
    „Asuma.“

    Ich kann nicht genau sage, wie lange wir uns schon gegenüber stehen und uns einfach nur ansehen, Sekunden, Minuten, Stunden? Es spielt keine Rolle, die Welt steht still. Es gibt nur noch uns beide. Es ist, als befänden wir uns in einer Art Vakuum, einem luftleeren Raum, fern der Realität. Stille umgibt uns, einzig das wild klopfende Herz in meiner Brust lässt mich wissen, dass ich lebe, dass das alles wirklich passiert. Da ist er. Asuma. Er steht einfach nur da, und sieht mich an, auf eine Weise, wie mich nie zuvor jemand angesehen hat. Seine Augen spiegeln meine Emotionen wieder, doch sein Gesicht bleibt starr. Das Atmen fällt mir unendlich schwer und die ohrenbetäubende Stille wird zu einem unerträglich lautem Rauschen in meinen Ohren. All meine Kraft schwindet und ich habe Mühe mich auf den Beinen zu halten. Ich sehe ihn an und erkenne ihn, er wirkt so vertraut und doch so fremd. Da steht er, der Mann den ich liebe, den ich immer geliebt habe. Eine Ewigkeit, so kommt es mir vor, vergeht, bis er mich endlich von meinen Qualen erlöst und zu mir spricht. „Du bist...groß geworden...“, sagt er mit belegter Stimme und seine makellosen Lippen formen sich zu einem kleinen Lächeln. In diesem Moment brechen all die angestauten Gefühle und Emotionen auf mich ein, wie eine riesige Welle und ich kann die Tränen unmöglich zurück halten. Mit einem Satz springe ich ihm in die Arme, presse mich an seine Brust und weine. Ich weine und weine. Es überrollt mich wie eine Sturmflut und mein Körper bebt. Dann schließt er seine starken Arme um mich. Seine Berührung ist mir so unendlich vertraut, sein Geruch, mein Körper an seinem Körper. Es ist, als hätte ich etwas vor langer Zeit verloren geglaubtes, endlich wieder gefunden und alles ist so, wie es sein sollte. Er atmet schwer und drückt mich fester an sich, ich kann seinen Herzschlag hören und es ist, als schlügen unsere Herzen im Einklang miteinander. Ich werde automatisch ruhiger, als hätte seine Nähe eine heilende Wirkung auf mich und meine Seele. Gerade, als ich meine regelmäßige Atmung wieder gefunden habe, löst er sich langsam aus der Umarmung. Ich schaue zu ihm auf, seine Augen glitzern feucht, doch er sieht mich nicht an. Seine Kiefermuskulatur ist angespannt, als bereite ihm irgendetwas unerträgliche Schmerzen. „Ich...kann das nicht...“, presst er mühsam aus zusammengebissenen Zähnen hervor und verschwindet.
    Mit vor Schock geweiteten Augen und angehaltenem Atem bleibe ich allein zurück. Da, wo vor dem Bruchteil einer Sekunde noch meine große Liebe gestanden hat ist jetzt nichts weiter als Schmerz. Ein schwarzes Loch aus Trauer, Verlust und unendlich viel Leid. Ich kriege keine Luft und krümme mich vor Schmerzen. Ich will schreien, will weinen, doch ich kann nicht. Ich bin leer, als hätte er mich mitgenommen und nur eine leere Hülle zurückgelassen. Das Blut rinnt aus meinem Kopf, meine Knie werden weich und ich breche zusammen.

    Da liege ich nun, mit weit aufgerissenen Augen, das Gesicht zu einer schmerzverzerrte Fratze verzogen, da fängt es plötzlich an zu regnen. Der Himmel weint, denke ich, er weint für mich. In der Ferne ertönen Stimmen, sie rufen meinen Namen, aber sie sind weit weg. Ich bin weit weg. Ich werde hochgehoben, jemand trägt mich und der Regen läuft über mein Gesicht. Da sind Menschen, sie machen sich Sorgen, haben Angst um mich. Ich kann ihre erschrockenen Gesichter sehen. Chojis Eltern, Kiba und Akamaru, Shino und Hinata...“Alles wird wieder gut“, ich folge dem Klang dieser beruhigenden Worte. Es ist Kakashi. Ich lege den Kopf an seine Brust und schließe die Augen.

    „Physisch fehlt ihr nichts, es gibt keine äußeren Anzeichen für eine Verletzung oder ähnliches“, höre ich Tsunade sagen, während Sakura mir mit besorgter Miene die Stirn mit einem kühlen Tuch abwischt. „Was könnte dann der Auslöser für ihren Zusammenbruch sein?“, fragt Kakashi. Sie stehen nur wenige Schritte von meinem Krankenhausbett entfernt, ich kann ihre unmittelbare Nähe spüren. „Ich vermute eine zu starke emotionale Belastung“, erklärt sie und Kakashi stöhnt auf. „Dann weiß ich, was passiert ist“, stellt er schließlich fest, beugt sich über mich und sieht mir in die Augen. „Das kommt schon wieder in Ordnung“, flüstert er mir zu und streicht mir über die Wange. Wenige Minuten später bin ich allein im Zimmer. Ich starre teilnahmslos die Decke an, mein Blick wandert durch den Raum. Überall stehen Blumensträuße und Geschenkkörbe. Von wem die wohl alle sind, frage ich mich müde starre wieder an die Decke. Eine Weile später rapple ich mich auf und lese mir die Kärtchen an den Geschenken und Blumen durch. Es scheint, als hätte das ganze Dorf an mich gedacht. So viele liebe, warme Worte von Menschen, die mich kaum kennen, die mich trotz all der verlorenen Jahre so bedingungslos mit offenen Armen empfangen und in ihre Mitte genommen haben. Diese herzliche Anteilnahme lässt mein Herz schwer werden und wieder steigen mir Tränen in die Augen. Diesmal Tränen der Rührung. Und auch, wenn ich mich gut fühlen sollte, so viele gute Freunde und Menschen um mich zu haben, die mich lieben und an mich denken, will der Schmerz einfach nicht verschwinden. Da klafft ein riesiges Loch in meiner Brust und ich frage mich, wie ich es stopfen soll, ist das überhaupt möglich? Ein zaghaftes Klopfen an der Tür reißt mich aus meinen Gedanken. Asuma? Als die Tür sich langsam öffnet, schlägt mir das Herz bis zum Hals. „Hallo Kind“. „Oma“, rufe ich und als die kleine zierliche Gestalt den Raum betritt und mich mit ihren weisen Augen anschaut, wird mir augenblicklich etwas wärmer ums Herz und ich freue mich ehrlich, sie zu sehen. Ihr Lächeln wirkt müde aber aufrichtig, als sie sich zu mir setzt und ihre Hand auf meine legt. „Du hast mir vielleicht einen Schrecken eingejagt“, sagt sie heiser und ich kann ihre Besorgnis förmlich spüren. Im kühlen Krankenhauslicht sieht sie so viel älter aus. „Sieh dir all die schönen Blumen an“, staunt sie als sie sich umsieht. Dann schließt sie die Augen und lächelt. „Erinnerst du dich noch, welche meine Lieblingsblumen sind, Rin?“, fragt sie und drückt meine Hand. Ich überlege angestrengt, doch es will mir einfach nicht einfallen. Sie blickt mich verständnisvoll an. „Weiße Rosen“, sagt die fröhlich und zaubert mir durch ihre Wärme ein Lächeln ins Gesicht. Wir unterhalten uns eine Weile über dies und das, bis sie schließlich Inne hält und gedankenverloren aus dem Fenster schaut. „Man sagt, die Zeit heilt alle Wunden und während man darauf wartet, kommen neue Wunden dazu und alte Wunden werden wieder aufgerissen“, erzählt sie plötzlich, den Blick starr aus dem Fenster gerichtet. „Das ist so eine Sache mit der Zeit. Man wartet und wartet. Die Zeit verstreicht. Irgendwann wacht man auf, ist alt und stellt fest, dass einem nicht mehr viel Zeit bleibt“. Bei diesen Worten bildet sich ein Kloß in meinem Hals und ich muss schlucken. „Man beginnt sich zu fragen, war es das wert? All die verlorene Zeit, die man damit verbracht hat zu warten. Die man einfach nur still da gesessen hat, während die Welt sich weiter dreht. Wenn man jung ist, denkt man nicht an die Zeit, man hat ja noch genug davon, man vergisst, dass die Zeit gegen einen arbeitet und dann, ganz plötzlich, bist du eine alte Frau, hast dein Leben hinter dir, sitzt am Krankenbett deiner einzigen Enkelin und siehst zu, wie sie genau den gleichen Fehler macht“, jetzt sieht sie mir tief in die Augen und in ihrem Blick liegt eine solche Entschlossenheit, wie ich sie nie zuvor gesehen habe. „Mach nicht den gleichen Fehler wie ich“.

    Nach dem Besuch meiner Oma lag ich die ganze Nacht wach und dachte über ihre Worte nach. Und je länger ich darüber nachdachte, desto klarer wurde mir, dass ich nicht den gleichen Fehler machen würde. Ich darf nicht den gleichen Fehler machen! Ich werde nicht still sitzen und darauf warten, dass etwas passiert, denn dann, passiert vielleicht nie etwas. Die Welt dreht sich weiter, das Leben geht weiter und ich bin ein Teil davon. Es ist mein Leben. Mein Schicksal. Meine Zeit. Und diese Zeit ist kostbar, ich werde sie nicht verschwenden. Wild entschlossen schlage ich die Decke zurück, ziehe mich an und schleiche mich aus dem Krankenhaus. Es ist noch früh und die Straßen leer. Die kühle Morgenluft gibt mir neue Kraft und ich springe leichtfüßig von Dach zu Dach. Das Ziel fest vor Augen, als ich plötzlich von jemandem gestoppt werde. Erschrocken fahre ich zusammen und es dauert einen Moment, bis ich mich fange und die Person, die sich mir da in den Weg gestellt hat, erkenne. Ich traue meinen Augen kaum, es ist Tsunade. Ihr Blick ist streng und ich erwarte eine Standpauke wegen meiner Flucht. Doch sie kommt nicht. Stattdessen lächelt sie. „Er ist auf einer Mission. Er und sein Team sind noch nicht lange weg. Wenn du dich beeilst, holst du sie noch ein“, sie zwinkert mir zu und verschwindet. Wow, denke ich total überrascht und unendlich dankbar und renne los. Ich renne so schnell, dass ich kaum den Boden unter meinen Füßen spüre. Dann endlich spüre ich ihr Chakra, Ino, Choji, Shikamaru und Asuma, sie sind nicht mehr weit entfernt also lege ich einen Endspurt ein. Ein paar Minuten später erreiche ich die Lichtung, auf der sie sich befinden. Erschrocken fahren sie herum und starren mich mit weit aufgerissenen Augen an. „Rin!“, rufen alle gleichzeitig. Alle, außer Asuma. Er steht nur wie angewurzelt da und rührt sich nicht. Ich schaue ihm tief in die Augen. Wild entschlossen, die Sache hier und jetzt zu klären. „Was machst du hier?“, fragt er und sieht mich weiter mit seinen warmen braunen Augen an und mir geht das Herz auf. In seinem Blick liegt so viel Unsicherheit, Angst und...Liebe. Ohne den Blick von ihm zu nehmen, greife ich in meine Tasche und hole den kleinen Zettel heraus. „Das hier ist doch Team 10, oder nicht?“, frage ich und halte ihm den Zettel hin. T 10 AS, steht dort schwarz auf weiß. „Team 10, Asuma Sarutobi. Das bist du doch und das ist dein Team“, fahre ich fort, falte den Zettel wieder zusammen und lasse ihn lässig zurück in meine Tasche gleiten. „So wie ich das sehe“, sage ich cool, stemme die Hände in die Hüfte und schaue ihn herausfordernd an, „Bin ich hier genau richtig“. Seine Mundwinkel zucken und seine Augen funkeln. Die anderen grinsen, Ino zwinkert mir zu und dann verlassen sie die Lichtung und lassen uns allein. Einen Moment lang stehen wir uns einfach nur gegenüber, wie bei unserem letzten Zusammentreffen. Dann mache ich einige Schritte auf ihn zu, stelle mich vor ihn, sodass unsere Gesichter nur noch wenige Zentimeter voneinander getrennt sind. Ich spüre seinen Atem auf meiner Haut. Ich komme ihm immer näher und er weicht nicht zurück. Ich kann seine Wärme spüren, sein Verlangen danach, mich in den Arm zu nehmen und zu küssen. Als meine Lippen seine fast berühren, sage ich: „Ich kann das nicht“, wie er es zu mir gesagt hat, bevor er einfach so verschwand. Seine Augen werde groß und ihm stockt der Atem. Ich lasse ihn eine Moment lang zappeln, dann fahre ich fort. „Ich kann nicht länger darauf warten, dass du deine Gefühle endlich zulässt und mich so küsst, wie du mich schon längst hättest küssen sollen“. Er überlegt nicht, reißt mich an sich und presst seine Lippen auf meine. Warm und weich und so unendlich perfekt. Sein Kuss ist wild und voller Leidenschaft. All die Gefühle, die sich in den ganzen Jahren angestaut haben, finden in diesem Kuss ihr Ventil und wir geben uns voll und ganz einander hin. Hier und jetzt, auf dieser Lichtung. Wir lieben uns, als gäbe es kein Morgen mehr und als wir völlig erschöpft und schwer atmend ins Gras fallen, sehen wir uns ganz tief in die Augen. In diesem Blick liegt ein Versprechen, das, den Anderen nie wieder loszulassen. Ich rolle mich auf den Rücken und schaue in den Himmel. Die Sonne hat ihren Zenit erreicht und ich muss lächeln. Die Erde dreht sich weiter, denke ich überglücklich und schmiege mich an den Mann meiner Träume. Aber ab jetzt, denke ich weiter, dreht sie sich nur noch um uns.

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Konohagakure - Die Rückkehr des verlorenen Mä...
Konohagakure - Die Rückkehr des verlorenen Mä...
Kate lebt in einem Heim, für sie der schrecklichste Ort auf Erden. Nicht nur der triste Heimalltag mit all seinen Tiefschlägen macht ihr zu schaffen, sie quält auch Tag für Tag die Frage: Wer bin ich?Kate hat keine Erinnerungen an ihr früheres Leben...
http://www.testedich.de/quiz32/quiz/1372873395/Konohagakure-Die-Rueckkehr-des-verlorenen-Maedchens
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2013-07-03
407D
Naruto

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seerose ( 26935 )
Abgeschickt vor 598 Tagen
die Geschichte ist super! schreibe bitte weiter so tolle Geschichten. mit der Spannung und den so toll beschriebenen Gefühle, einfach klasse.
Nadel ( 55305 )
Abgeschickt vor 1026 Tagen
richtig süße geshichte