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Bloody Hell

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1 Kapitel - 1.871 Wörter - Erstellt von: Blazia - Aktualisiert am: 2013-06-15 - Entwickelt am: - 1.401 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt

Seit wie vielen Tagen war sie bereits in diesem Gefängnis, wie viele Insassen waren in dieser Zeit gestorben und wie oft haben ihre Handgelenke geblutet, wenn sie sich mit letzter Kraft losreißen wollte?

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    Die Stahlfesseln klimperten, als sie sich erneut bewegte und rissen einen weiteren Teil ihrer Haut von den Knöcheln und Handgelenken. Ihr warmes Blut floss ihre weißen Arme und Füße hinunter. Wild hingen ihr Strähnen ihres schwarzen Haares im Gesicht und verschleierten ihr blutiges Gesicht. Eine frische Platzwunde an ihrer Stirn blutete noch immer und rote Tropfen fielen von ihrem spitzen Kinn, welches leicht zitterte. Ihre Augen waren halb geöffnet, die sonst violetten Augen waren milchig Grau und es war nicht zu erkennen, ob sie noch etwas sehen konnte. Sie spürte nur, spürte wie die Schmerzen ihrer steifen Gelenke und der Verletzungen durch ihren Körper pulsierten und sich summierten, bis sie sich nur noch losreißen wollte, doch sie konnte nicht, noch nicht. Zu lange hing sie hier und wartete, zu lange ließ sie die Qualen über sich ergehen, zu lange das Gestöhne der Insassen die langsam in den Wahnsinn getrieben wurden. Der Häftling neben ihr hatte sich die Handgelenke bis zum Knochen aufgerissen und hing leblos an der Wand, sie wusste nicht ob er noch lebte oder schon tot war, ob der Verwesungsgestank bald so nah bei ihr war, wie noch nie. Die Gefangenen weiter hinten, an denen bereits die Maden sich satt fraßen, waren nicht so schlimm, sie roch sie nicht so stark, doch wenn der Mann neben ihr sterben würde, dann müsste sie sich sicherlich übergeben, was in ihrer Situation schlecht war.
    Wie viel bekamen sie zu Essen, fragte sie sich und versuchte ihre Gedanken zu fassen, sie durfte sich nicht von den Drogen leiten lassen. Ein Liter Wasser pro Tag, auf vier Rationen verteilt. Wer es nicht mit einem Mal trinken konnte, der bekam nicht mehr, sondern musste mit dem auskommen, was er bekommen hatte. Drei Scheiben Brot, einen Apfel in der Woche, ein kleines Stück Schokolade mit der bitteren Droge und manchmal etwas Fleisch und Käse, wenn die Großen gütig waren. Der Hunger war allgegenwärtig, ebenso wie der Durst. Sie schätze die Temperatur auf 27°C und auch wenn man sich nicht bewegte, so schwitzte man das wertvolle Wasser aus. Ihre Zunge war trocken, so wie immer, und fühlte sich pelzig an, ein metallischer Geschmack lag auf ihr.
    Die Insasse neben ihr stöhnte leise und bewegte den Kopf. Doch nicht tot, dachte sie und war froh, froh, dass er nicht von Ratten gefressen werden würde und sie es nicht mitansehen müsste. Sie hob den Kopf nur mit Mühe und versuchte die Fackel ihr gegenüber deutlich zu erkennen, doch sie war wie immer verschwommen. Wie lange war sie hier…? Nach ihrem Zeitgefühl, auf das sie sich eigentlich nicht mehr verlassen sollte, waren es zehn Tage. Noch etwas mehr, dachte sie und ließ den Kopf wieder hängen. Alles wurde schwarz…

    „Wach auf!“ Sie öffnete die Augen und sah nach oben. Jemand drückte ihr eine Flasche an den Mund sie trank, trank die zweihundertfünfzig Milliliter und versank wieder in ihren tranceähnlichen Zustand, der sie vor den Schmerzen schützte. Vor ihrem inneren Auge tanzten kleine Flammenwesen, sie tanzten im Takt ihres Lieblingsliedes und hielten sich an den Händen. Sie sagten: „Noch ein wenig mehr. Halte durch.“ Sie lächelte und machte sich in die Hose.

    Noch bevor sie aufwachte, wusste sie, dass ihre Wunden wieder aufgerissen waren. Sie spürte das warme Blut und den stechenden Schmerz in ihren Handgelenken. Die Bewegungen im Schlaf mussten dafür gesorgt haben, doch sie lachte. Was solls? Sie war bereit, sie spürte es. Die Fackel sah sie vollkommen klar und jeden ihrer blitzschnellen Gedanken erfasste sie. Seit zwei, drei oder schon vier Tagen, hatte sie die Schokolade einfach ausgespuckt und hoffte darauf, dass die Droge nicht zu stark war. Und nun spürte sie endlich wieder ihren Chakrafluss, es war so weit. Es war schwer das Chakra richtig zu kontrollieren, wo sie es doch eine gefühlte Ewigkeit nicht mehr tun konnte und nun fühlte es sich an, als wenn eine Welle, getränkt mit Hoffnung, ihren Körper durchflutete. Die Fessel an ihren Füßen zersprengte sie mit einer wohl zu gewaltigen Ladung Chakra, das sie nach unten geleitet hatte, denn sie spürte, wie die Erschöpfung die Führung übernehmen wollte und sagte, ruh dich doch noch mal aus. Aber sie konnte nicht, nicht jetzt. Daher setzte sie nun weniger ein und riss ihre Fesseln dabei aus der Steinwand. Nun hingen ihr diese schweren Klötze von den Gelenken, doch es störte sie nicht mehr. Der süße Schmerz war ein ewiger Begleiter gewesen, doch so kurz vor ihrem Ziel, konnte sie es noch ertragen.
    Die Gitter vor ihr waren kein Hindernis, sie hatte genügend abgenommen, um sich hindurch zu quetschen. Langsam schlurfte sie den weiten Flur entlang und ignorierte die Bettelrufe der Häftlinge, was interessierten sie diese Personen? Sie würden auch einfach gehen, ohne jemanden mitzunehmen und es waren Feinde, Feinden half man nicht, man löschte sie aus. Einer der Wärter kam ihr entgegen und Entsetzen zeichnete sein vernarbtes Gesicht, er war vielleicht einmal selbst ein Gefangener gewesen, der nun zum Sklaven befördert wurde. Doch bevor er den Großen Bescheid geben konnte, oder auch nur daran dachte zu rennen, packte sie ihre Ketten und warf den Steinbrocken in seine Richtung. Er wurde vom Gewicht und der Schlagkraft an die Wand gedrückt, wobei sie das Zerbersten seines Schädels vernahm und sah, wie das Blut nach allen Seiten her auswich. Mit einem dumpfen Ton fiel der Brocken zu Boden und zermalmte dabei noch seine Beine, doch er bemerkte es ja eh nicht mehr. Der Sektor seinen Hirns, der dafür verantwortlich war, klebte an der Wand.
    Da es hier nichts mehr zu tun gab, ging sie weiter und erreichte die Marmortreppe, die sie einst hinuntergestoßen wurde. Auf einem kleinen Fass neben der Treppe sah sie die Schlüssel, der Wärter musste sie hier abgelegt haben, damit keiner der Insassen sie stehlen und entkommen konnte, sie nutze die Chance, um sich der Fesseln zu entledigen. Sie sah sich ihre Wunden genauer an, was schwer im schummrigen Licht war, doch erleichtert konnte sie feststellen, dass kein Muskel ernsthaft beschädigt war.
    Ihre Füße waren kalt, so wie immer, man hatte ihnen die gesamte Kleidung genommen und nackt an die kalte Wand gehängt, doch nun stand sie vor der Treppe, welche sie zum Raum mit ihren Sachen führen sollte, also lief sie empor und öffnete leise die Stahltür. Im Flur dahinter war es ziemlich hell, es tat ihr in den Augen weh, doch er war leer und nur das war wichtig. Sie torkelte den Flur entlang, ein weicher roter Teppich schmiegte sich bei jedem Schritt an ihre Füße, bis sie die eine Tür fand. Die Tür mit der goldenen Sonne. Zitternd öffnete sie diese und trat ein. Ein grünes Licht erfüllte den Raum, doch auch hier war kein Mensch, dafür aber deren Gegenstände. Bücher in wackeligen Regalen, Schwerter in rostigen Behältern und Kleidung in feuchten Kartons. Zuerst durchwühlte sie die Kartons und fand dort ihre Kleidung.
    Es war ein einfaches, kurzes Kleid, wobei sie die Handschuhe und die langen Ärmel mit Schnallen an- und abmachen konnte, so wie sie es gerade wollte. Dann suchte sie ihr Schwert. Saibansho, das Gericht, sollte über die Großen entscheiden. Nun konnte sie den Raum wieder verlassen und war froh über den weichen Stoff auf ihrer Haut. Nun lief sie den Gang entlang und hoffte den Ausgang wiederzufinden, sie durfte nicht verloren gehen. Ihr Mann suchte sie doch bestimmt schon und sie durfte ihn als gute Ehefrau nicht warten lassen. Auf ihrer Suche fand sie einen weiteren Sklaven, er saß schluchzend in der Ecke. Sie beugte sich zu ihm und drehte sein Gesicht zu sich. Seine geröteten Augen weiteten sich. So sanft sie es mit ihrer kratzigen Stimme sagen konnte, versuchte sie ihm klar zu machen, dass er fliehen sollte, unschuldige sollten nicht sterben, nicht wenn sie die Chance hatten zu leben. Er rannte, rannte um sein Leben.
    Einen weiteren Menschen traf sie nicht mehr im Flur. Tausende Türen im langen Flur, der Flur mit dem weichen Teppich, den sie immer noch spüren konnte, denn ihre Schuhe hatte sie nicht gefunden, aber das war nicht so schlimm, es war hier noch viel wärmer als unten. Vor ihr lag nun nur noch das große schwere Tor aus Gold. Sie betätigte den Mechanismus, der nicht einmal versteckt war, und Dunkelheit empfing sie. Die Großen saßen in samtbezogenen Sesseln vor ihr, hinter jedem Sessel ein Gang, sie spielten, spielten mit ihr. „Wähle einen dieser Gänge.“, sagten sie gleichzeitig und grinsten sie an, ein Grinsen, das nicht falscher sein konnte.
    „Gerne, meine Lieben, doch nicht sofort.“ Saibansho lag leicht in ihrer Hand. Die blaue Klinge schimmerte leicht und ging in den schwarzen Griff über. Es sollte über schuldig und unschuldig entscheiden. Durchschnitt es sie, oder nicht? Das fragte sie sich noch, als sie mit kleinen Schritten auf sie zuging und dabei eher wie eine Tänzerin wirkte. Die drei Großen schienen keine Angst zu haben, sie lachten, lachten aus voller Kehle, auch noch, als ein Teil ihres Körpers auf dem Boden lag und der Samt ihr Blut aufsog. Sie fragte sich, wie lange sie wohl noch lachen würden, bis sie realisierten, dass sie nicht mehr leben sollten. Saibansho verschwand wieder in seiner Schneide und sie verschwand in einem Gang. Es roch dort weniger unangenehm und sie spürte einen leichten Luftzug auf ihrer Haut, deswegen hatte sie diesen einen gewählt und keinen anderen.

    Hinter ihr erhob sich noch das imposante Gebäude der Großen drei, doch sie schenkte ihm keine Beachtung mehr, denn vor ihr schien das Grün der Bäume intensiver als sonst, das Rauschen ihrer tausenden Blätter lauter als sonst und das leise Zirpen der Insekten klarer. Das Gebäude brach in sich zusammen und sie fragte sich, ob es am Leben der Großen gehangen hatte, doch es war egal, sie war frei und in der Ferne sah sie den jungen Sklaven, den Mann rennen, um sein Leben rennen. Mit einem Lächeln auf den Lippen lief sie barfuß über das frische Gras und ließ die Haut von der warmen Sonne erwärmen. Ihr Mann wartete doch auf sie.

Kommentare (3)

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hogwarts & manga fan (44953)
vor 785 Tagen
Ach du 💗... Spannnend !!!!!!!!!!! Weiterschreiben!!!!!
Luna2003 (51933)
vor 1012 Tagen
Cool er Story ! Mach doch bitte mehr solche Geschichten :D
Anime-Fan (25325)
vor 1220 Tagen
coole story bitte mach weiter