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Vier Mädchen in der Welt von Harry Potter 6

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4 Kapitel - 56.979 Wörter - Erstellt von: Melli155 - Aktualisiert am: 2013-06-01 - Entwickelt am: - 13.897 mal aufgerufen - User-Bewertung: 4.86 von 5.0 - 7 Stimmen- Die Geschichte ist fertiggestellt

Auf ein Neues!:) Dieses Mal sind alle Mädels Geschwister von Personen, die in den Harry Potter Büchern wirklich existieren... viel Spaß damit!

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Ängstlich und ein wenig eingeschüchtert stand ich am Gleis 9 Ÿ und auch mein drei Jahre älterer Bruder, der mir ermutigende Blicke zuwarf, konnte daran nichts ändern. In diesem Moment sah ich, wie drei rothaarige Personen durch die magische Barriere kamen und ich erkannte sie sofort als Mr. und Mrs. Weasley mit ihrer Tochter Ginny, die ebenfalls dieses Jahr nach Hogwarts kam. Auch Ced hatte die Weasleys bemerkt, denn nun stupste er mich leicht an und meinte: „Da haben wir aber Glück gehabt, was Fine?“. Gespielt beleidigt streckte ich ihm die Zunge heraus und machte mich dann auf den Weg zu meiner Freundin, denn da unsere Familien nicht weit von einander entfernt lebten und unsere Väter auch zusammen arbeiteten, kannte ich Ginny schon mein halbes Leben lang. „Josie!“, quietschte sie, kaum dass sie mich entdeckt hatte und fiel mir um den Hals. „Schön dich zu sehen, Josephine“, begrüßte mich auch Molly und ich schenkte der guten Frau ein breites Lächeln. „Ich such‘ schon mal ein Abteil, komm du einfach mit deinem Koffer nach“, schlug mir nun wieder Ginny vor und ich nickte zustimmend. So lief ich zurück zu meinen Eltern, die sich gerade von meinem Bruder verabschiedeten. „Und denk dran, mein Goldjunge, …“, hörte ich meinen Dad zu Ced sagen, während er für mich nur ein aufmunterndes Lächeln übrig hatte. Das war schon immer so gewesen. Seit ich denken kann, war mein Bruder Dads „Goldjunge“ und ich einfach Josephine, doch um ehrlich zu sein, machte mir das überhaupt nichts aus. Es war ja nicht so, dass ich irgendwie vernachlässigt oder benachteiligt wurde. Eilig drückte ich meiner Mum noch einen Kuss auf die Wange, dann schnappte ich mir meinen Koffer und stieg in den Hogwartsexpress, um mich auf die Suche nach Ginny zu machen. Schließlich fand ich sie in einem Abteil mit Luna Lovegood. Die Lovegoods lebten ebenfalls bei und in der Nähe und da Luna nun mal so alt war wie Ginny und ich, hatten wir auch schon das ein oder andere Mal etwas mit ihr gemacht, wobei uns immer wieder aufs Neue aufgefallen war, wie seltsam sich Luna und auch ihr Dad des Öfteren benahmen. Nichts desto trotz mochte ich auch sie und deshalb war es für mich kein Problem mit ihr in einem Abteil zu sitzen. „Oh, hi Josie“, sagte Luna so verträumt wie immer, als ich die Tür öffnete und mich neben Ginny auf einen der Plätze fallen ließ. Die ganze Fahrt über redete ich mit den beiden, wobei Luna immer wieder versuchte uns für Schrumpfhörnige Schnarchkackler zu begeistern, was ihr allerdings nicht gelang. Höchstwahrscheinlich war dieses Tier ganz allein der Phantasie ihres Dads entsprungen, aber diese Ansicht behielt ich für mich, immerhin war auch sie meine Freundin. Als wir in Hogsmeade ankamen, wurden wir Erstklässler von einem riesigen Mann zu sich gerufen, der sich Hagrid nannte und uns zum See führte, von dem Ced mir bereits erzählt hatte. Hagrid wies uns an immer zu viert in eines der bereitliegenden Boote zu steigen. Da ich sah, wie eine kleine Gruppe von drei Mädchen Ginny zu sich winkte, stieg ich gemeinsam mit Luna zu zwei Jungs ins Boot. Meine Freundin machte keinerlei Anstalten zu sprechen, deshalb ergriff ich die Initiative und stellte uns vor: „Hi, ich bin Josephine Diggory und das ist Luna Lovegood“. „Leopold Wayne“, erwiderte der Junge gegenüber von mir und musterte uns mit seinen dunkelblauen Augen neugierig. Der andere Junge sagte erst gar nichts, doch dann schien er sich einen Ruck zu geben und meinte: „Mark Snipes“. Es stellte sich heraus, dass Mark keines Wegs unfreundlich sondern nur ziemlich schüchtern war und mit jeder Minute wurde auch er gesprächiger. Am anderen Ufer trennten wir uns nicht und folgten Hagrid zu viert hoch zur Schule, wo dann eine Lehrerin namens Minerva McGonagall die Führung übernahm. Laut meinem Bruder war sie zwar sehr streng, aber auch gerecht und da Ced eine recht gute Menschenkenntnis hatte, beschloss ich für mich diese Frau zu mögen. Sie führte uns in die Große Halle und für einen Augenblick blieb mir die Luft weg. Obwohl mein Bruder mir schon so viel von Hogwarts berichtet hatte, konnte ich nur staunen. Ich fing mich jedoch wieder ziemlich schnell und wartete nun, bis auch ich aufgerufen wurde. Schon recht bald las Professor McGonagall: „Diggory, Josephine“ und ein wenig zögerlich trat ich vor, ließ mich auf dem dreibeinigen Hocker nieder und bekam den Sprechenden Hut aufgesetzt. Kaum hatte ich den Hut auf dem Kopf, begann er auch schon in mein Ohr zu piepsen: „Du bist deinem Bruder sehr ähnlich, weißt du das? Ich denke auch für dich ist die beste Wahl HUFFLEPUFF“. Das letzte Wort hatte der Hut laut in die Halle geschrien und nun klatschte der gesamte Tisch der Hufflepuffs, allen voran natürlich Ced, der sogar aufstand und mich mit einer flüchtigen Umarmung begrüßte. Jetzt wartete ich gespannt, in welches Haus meine Freunde kommen würden. Luna landete in Ravenclaw, Mark kam zu mir nach Hufflepuff und setzte sich auch sogleich auf meine andere Seite, Leopold würde Luna Gesellschaft leisten und Ginny kam, wie nicht anders zu erwarten war, nach Gryffindor. Nach dem Festessen gingen Mark und ich zusammen mit den restlichen Hufflepufferstklässlern hinter den Vertrauensschülern unseres Hauses her. Sie führten uns eine Treppe hinab in den Keller und unterwegs erwähnte der große, blonde Junge, dass sich hier auch der Eingang zur Küche befand. Eine Information, die mir ein wenig unnütz erschien, aber ich blieb stumm. Schließlich kamen wir zu einem Fässerstapel, der an sich nicht besonders auffällig wirkte, doch von meinem Bruder wusste ich, dass dies der Eingang zum Gemeinschaftsraum der Hufflepuffs war. Man musste nur das richtige Fass antippen und den Rhythmus von „Helga Hufflepuff“ klopfen, dann öffnete es sich und man konnte eintreten. So geschah es dann auch und wir konnten durch einen steilen, erdigen Gang ein kleines Stück nach oben in einen gemütlichen Raum klettern. Staunend blickte ich mich um. Wegen der Tatsache, dass wir uns im Keller befanden, hatte ich mit einem eher düsteren, fensterlosen Raum gerechnet, aber ich hatte mich geirrt. Das Zimmer war schön und wirklich mehr als gemütlich eingerichtet. Überall standen und hingen Pflanzen und auch Fenster gab es, durch die man die grüne Wiese der Ländereien sehen konnte. Tagsüber würde hier bestimmt die Sonne hineinscheinen und den Raum noch freundlicher und offener wirken lassen. Ced hatte mir schon des Öfteren erzählt, dass einige der anderen Schüler die Hufflepuffs für Loser hielten. Diese Leute dachten, wir wären einfach nicht gut genug um in eines der anderen Häuser zu kommen, doch das stimmte nicht. Auch Hufflepuff hatte angesehene, erfolgreiche Hexen und Zauberer hervor gebrach, nur dass man in unserem Haus nicht damit prahlte. Oh ja, ich war stolz eine Hufflepuff zu sein. Nachdem wir uns ein wenig umgesehen hatten, zeigten die Vertrauensschüler uns noch unsere Schlafsäle, die durch runde Türen und kleine unterirdische Tunnel vom Gemeinschaftsraum aus zu erreichen waren. Auch die Schlafsäle waren gemütlich und einladend eingerichtet und ich war mir sicher, dass ich mich hier wohlfühlen würde. Insgesamt waren wir fünf Erstklässlerinnen und zu meiner Erleichterung waren die anderen vier allesamt sehr nett. Am nächsten Morgen als ich mich in Begleitung von Mark auf den Weg zum Frühstück in der Großen Halle machte, wäre ich beinahe mit unserer Hauslehrerin, Professor Sprout, zusammengestoßen. Die kleine, etwas rundliche Frau schien das jedoch nicht zu stören. Vielmehr schenkte sie uns ein herzliches Lächeln und drückte erst Mark und dann mir unsere Stundenpläne in die Hand, bevor sie gutgelaunt weiterlief. „Ich mag sie“, stellte ich klar, nachdem die Lehrerin außer Hörweite war und mein Freund bekräftigte diese Aussage mit einem Nicken. Beim Essen dann studierte ich meinen Stundenplan etwas genauer und stellte fest, dass wir Hufflepuffs die meisten Fächer mit den Ravenclaws zusammen hatten. Dann hätten wir also mit Luna und Leopold. Nachdem wir aufgegessen hatten, machten wir uns sogleich auf den Weg zum Zauberkunstklassenzimmer, immerhin wollten wir nicht zu spät kommen. Im Flur vor dem Raum entdeckte ich dann auch meine Freundin, die gemeinsam mit Leopold etwas abseits stand. Lächelnd traten Mark und ich hinzu und ich meinte munter: „Hi Luna, Leo“. Daraufhin starrte mich Leopold leicht irritiert an und erwiderte schließlich: „Das ist jetzt echt gruselig“. Nun war ich es, die verdattert aus der Wäsche guckte, bis Luna erklärte: „Gerade eben habe ich gesagt, wie gut der Spitzname „Leo“ doch wäre“. Dabei huschte sowas wie ein Grinsen über ihr Gesicht. Auch ich lachte, aber da wandte meine Freundin sich schon wieder mit verträumter Miene dem Korridor zu und wartete auf unseren Lehrer. Kopfschüttelnd wandte ich mich den Jungs zu und wir unterhielten und ein wenig, doch nach noch nicht allzu langer Zeit erschien Professor Flitwick und ließ uns ins Klassenzimmer. Der Unterricht in Zauberkunst war interessant und die Lernatmosphäre so entspannt, dass ich mir nicht vorstellen konnte, in diesem Fach einmal größere Probleme zu bekommen. Vielleicht war ich keine herausragende Schülerin, was, wenn man bedachte, dass wir mit den Ravenclaws, die ja allesamt schlau waren, zusammen Unterricht hatten, auch keine Überraschung war, aber immerhin lieferte ich solide Leistungen. Auch in den anderen Schulfächern lag ich, was meine Leistungen betraf, im guten Durchschnitt und das reichte mir vollkommen. Nur Geschichte der Zauberei war nicht so mein Ding, da ich regelmäßig neben Ginny, diese Stunden hatten wir mit den Gryffindors, einnickte. Die ersten Tage und Wochen vergingen und ich muss sagen, dass ich mich ziemlich wohl fühlte in Hogwarts. Dann, am Tag nach Halloween, erfuhr ich während dem Frühstück, dass irgendjemand am letzten Abend die Worte: „Die Kammer des Schreckens wurde geöffnet, Feinde des Erben, nehmt euch in Acht“ an eine Wand geschmiert hatte und dass Mrs. Norris, die Katz des Hausmeisters versteinert neben eben diesem Schriftzug gefunden wurde. Mir lief ein Schauer über den Rücken und der Appetit verging mir schlagartig. Obwohl ich nur grob informiert war, wusste ich, was das, wenn es denn stimmte, zu bedeuten hatte und es machte mir Angst. Unauffällig versuchte ich den Blick meines Bruders zu finden und als wir dann Augenkontakt hatten, lächelte Ced mir beruhigend zu, geradeso als wollte er sagen: „Es ist alles gut, mach dir keine Sorgen, dir wird nichts passieren, dafür werde ich schon sorgen“. Ich glaubte ihm. Schon immer hatte er auf mich aufgepasst und ich konnte mir ein Leben ohne ihn nicht vorstellen. Die nächsten Tage verstrichen und fast hatte ich die Sache mit der Kammer wieder verdrängt, als verkündet wurde, dass es einen Angriff auf einen muggelstämmigen Gryffindorerstklässler gegeben hatte. Sofort kehrte auch dieses beklemmende Gefühl zurück. Zwar war ich nicht muggelstämmig, aber Angst machten mir die jetzigen Geschehnisse trotzdem. Außerdem fiel mir auf, dass sich Ginny von Tag zu Tag seltsamer benahm. Anfangs hatte ich mir nichts dabei gedacht, doch mit der Zeit begann ich mir wirklich Sorgen um meine Freundin zu machen. Zu allem Überfluss gab es bald schon einen weiteren Angriff und dieses Mal war es ein Hufflepuff, der versteinert wurde. Ich wollte es mir nicht eingestehen, aber so langsam bekam ich wirklich richtig Angst und daran konnte auch Ced nichts ändern. Wenn ich nicht gerade zum Essen oder zum Unterricht musste, verbrachte ich die meiste Zeit im Gemeinschaftsraum und auch sonst achtete ich immer darauf, dass ich nie alleine durch die Korridore lief. Aus diesem Grund konnte ich auch immer weniger auf Ginny achten, bis es kurz vor Ende des Schuljahres dazu kam, dass Professor Sprout entsetzt und aufgelöst in unseren Gemeinschaftsraum wankte und uns verkündete, dass die Schule geschlossen werden würde, da ein Mädchen in die Kammer verschleppt worden war. Nach einer kurzen Pause, in der wir sie alle bloß starr vor Schrecken angestarrt hatten, sagte sie noch, dass es sich bei diesem Mädchen um niemand anderes als Ginny handelte. Es war wie ein Schlag ins Gesicht und hätte mein Bruder mich nicht festgehalten, wäre ich wohl einfach zusammengebrochen. Ginny. Das durfte einfach nicht wahr sein. Während die Tränen mir übers Gesicht strömten, bugsierte mich Ced zu einem der bequemen Sessel und drückte mich hinein. Den Rest des Abends durchlebte ich wie in Trance und als wir am darauffolgenden Morgen erfuhren, dass Harry Potter und Ron Ginny gerettet und das Monster in der Kammer besiegt hatten, konnte ich es überhaupt nicht fassen. Wieder liefen mir Tränen über die Wangen, doch dieses Mal waren es Freudentränen. Ich war so unendlich erleichtert, dass es meiner Freundin gutging. So endete mein erstes Jahr in Hogwarts und auf der Rückfahrt im Hogwartsexpress saß ich mit Ginny und Luna in einem Abteil. Ginny hing ihren Gedanken nach, was ich nur zu gut verstehen konnte, immerhin hatte sie kürzlich eine Menge durchgemacht. Luna unterdessen plapperte munter drauflos und ich stimmte mit ein. „Oh nein!“, rief sie plötzlich und strich sich hastig eine blonde Haarsträhne aus dem Gesicht, „immer diese Schlickschlupfe… die machen mich ganz wuschig im Kopf“. Der abrupte Themenwechsel brachte mich durcheinander, aber als meine Freundin dann auch noch anfing wie wild mit den Händen in der Luft herum zu fuchteln um irgendwelche imaginären Wesen zu vertreiben, konnte ich nicht anders und prustete los. Mein Ausbruch schien dann auch Ginny wieder sie selbst werden zu lassen, denn schon bald grinste auch sie und meinte: „Ich glaub, du hast sie verjagt, Luns“. Nun hielt Luna still und blickte sich kurz misstrauisch um, doch dann schien auch sie der Meinung zu sein, dass die Schlickschlupfe verschwunden waren. So führten wir unsere Unterhaltung nun auch mit Ginny fort. In London angekommen verabschiedeten wir uns von einander und ich lief rasch zu Ced herüber, der bereits auf mich wartete. Schließlich schritten wir gemeinsam zu unseren Eltern, die uns freudig empfingen. Die Sommerferien vergingen ruhig, bis die Listen fürs nächste Schuljahr kamen, denn mein Bruder war sowohl zum Quidditchkapitän von Hufflepuff als auch zum Vertrauensschüler ernannt worden, was unseren Dad so mit Stolz erfüllte, dass er Ced und mir jeweils eine Eule kaufte. Meine war recht klein, beinahe schwarz und hatte wundervolle, bernsteinfarbene Augen. Nach einigem Hin und Her hatte ich entschieden sie Lyra zu nennen und von Anfang an stand fest, dass wir ein Herz und eine Seele werden würden. Kurz bevor die Schule wieder begann, überschlugen sich die Schlagzeilen des Tagespropheten. In jeder Ausgabe standen Dinge wie: Massenmörder bricht aus Askaban aus, Sirius Black auf freiem Fuß oder Ist Askaban noch so unüberwindbar wie einst? Vor allem die letzte Überschrift machte mir Angst, denn was wäre, wenn nun, da einer es vorgemacht hatte, noch weitere Häftlinge aus Askaban fliehen würden? Wenn es keinen sicheren Ort mehr gäbe? Obgleich meine Sorge nicht gänzlich verschwand, schaffte es Ced zumindest sie in den Hintergrund zu drängen und als wir am ersten September am Gleis 9 Ÿ standen, war ich nicht halb so ängstlich wie im letzten Jahr und machte mich ganz von mir aus auf die Suche nach Luna und Ginny. Nach einer Weile entdeckte ich Luna, die sich von ihrem Dad verabschiedete und steuerte schnell auf die beiden zu. „Hi Luna, Tag Mr. Lovegood“, begrüßte ich sie, als ich neben ihnen zum Stehen kam. Daraufhin umarmte mich meine Freundin kurz aber herzlich und ihr Dad, der mal wieder einfach nur seltsam gekleidet war, klopfte mir lächelnd auf die Schulter, dann wandte er sich ab und verschwand. Jetzt machten Luna und ich uns daran ein freies Abteil zu finden und glücklicherweise gab es sogar noch eines, das nicht belegt war. Damit uns keiner mehr zuvor kommen konnte, hievten wir unsere Koffer und meinen Eulenkäfig mit Lyra so schnell wie möglich in die Gepäcknetze über den Sitzen. „Die ist ja süß“, quietschte meine Freundin, als sie mein neues Haustier genauer betrachtete, „wie heißt sie denn?“. Während ich Lyra aus dem Käfig holte antwortete ich: „Das ist Lyra, sie ist total lieb“. Als wenn sie diese Aussage meinerseits bestätigen wollte, breitete Lyra nun die Flügel aus und flatterte auf Lunas Schulter, wo sie sich dann leise zwitschernd an ihren Hals kuschelte. Meine Freundin war hin und weg. Da Ginny nicht zu uns kam, blieben wir die gesamte Fahrt unter uns und spielten mit Lyra, die ebenfalls ihren Spaß daran zu haben schien, denn andauernd piepste sie glücklich und flatterte übermütig um uns herum. Irgendwann stoppte der Zug jedoch ganz plötzlich mitten auf einer Brücke und während ich mich noch fragte, was das zu bedeuten hatte, erloschen alle Lichter und es wurde dunkel. Ängstlich strich ich Lyra übers Gefieder und rutschte näher an Luna heran. Was war denn los? Was passierte hier gerade? Geräusche, und es klang ganz so, als würde jemand – oder etwas – in den Zug steigen. Meine Nackenhaare sträubten sich und auch meine Freundin rutschte unruhig auf ihrem Platz hin und her. Was konnte das sein? Mit einem Mal öffnete sich unsere Abteiltür und eine furchterregende, schorfig- schleimige Hand griff hinein. Es war so schrecklich kalt und alle Fröhlichkeit und alles Glück schienen aus der Welt verschwunden zu sein. Mir wurde schlecht und auch wenn der Dementor, denn nichts anderes konnte es sein, nur wenige Sekunden bei uns verharrte, begann sich alles vor meinen Augen zu drehen und das letzte, das ich mitbekam war ein schrilles Piepsen von Lyra, dann versank ich in Dunkelheit. Als ich wieder zu mir kam, brannten die Lichter wieder und der Zug hatte seine Fahrt wieder aufgenommen. Erleichtert setzte ich mich auf und stellte fest, dass Luna mich besorgt musterte, wobei ihr Blick allerdings selbst besorgniserregend wirkte. Sie schien mich überhaupt nicht richtig zu sehen, sondern starrte vielmehr durch mich hindurch. Vorsichtig legte ich ihr meine Hand auf den Arm, sodass sie heftig zusammenzuckte. „Alles okay?“, fragte ich meine Freundin, doch sie antwortete nicht. Es dauerte eine ganze Weile bis sie schließlich sagte: „Ich höre sie immer noch… meine Mum, an dem Tag, an dem ihr Experiment missglückt ist“. Nun zog ich sie in eine Umarmung. Ich wusste von dem Unfall ihrer Mum, ich hatte damals sogar um sie geweint und ich konnte mir nur zu gut vorstellen, wie Luna sich fühlte. Wie lange wir einander festhaltend so dasaßen kann ich nicht mehr genau sagen, aber irgendwann löste sich meine Freundin von mir und meinte: „Es ist ja nicht so, dass ich sie niemals wiedersehen werde…“. Im Stillen bewunderte ich sie für ihr Vertrauen auf ein Wiedersehen in einer anderen Ebene, denn ich konnte mir so etwas nicht vorstellen. Als der Hogwartsexpress in den Bahnhof von Hogsmeade einfuhr, hatten wir den unschönen Vorfall mit dem Dementor schon beinahe wieder verdrängt und stiegen munter schwatzend in die erstbeste Kutsche. Dabei fiel mir auf, dass Luna einen Moment lang verzückt auf das Nichts vor der Kutsche starrte und lächelte. Volkommen verstehen würde ich sie wohl nie, aber dann wäre sie auch nicht Luna. Beim Festessen in der Großen Halle verkündete Dumbledore, dass dieses Jahr Dementoren um das Schlossgelände patrouillieren würden um uns vor Sirius Black schützen zu können, doch in mir löste diese Auskunft kein Gefühl der Sicherheit sondern vielmehr eine starke Unbehaglichkeit aus. Die Vorstellung andauernd von diesen Kreaturen umgeben zu sein, jagte mir einen Schauer über den Rücken. Das Schuljahr begann und die ersten Tage und Wochen vergingen den Umständen entsprechend recht ereignislos. Eines Abends brach jedoch Panik aus. Sirius Black war in den Gryffindorturm eingedrungen, er war in Hogwarts. Alle Schüler wurden so schnell wie möglich in die Große Halle gebracht um dort zu schlafen, während die Lehrer die Schule nach dem Verbrecher durchkämmten. Angsterfüllt schmiegte ich mich an meinen Bruder und ließ mir von ihm beruhigende Worte zu murmeln. Am darauffolgenden Morgen sagte man uns, dass Black nicht gefunden werden konnte, er also höchstwahrscheinlich wieder fort war. Meine Angst allerdings blieb. Wenn er einmal hier rein gekommen war, dann würde es ihm auch ein zweites Mal gelingen. Zum allgemeinen Entsetzen kam es dann wirklich so. Black brach ein weiteres Mal in den Gryffindorturm ein und dieses Mal waren sogar Schüler dort, die ihn gesehen hatten. Konnte ich nicht ein Schuljahr ohne schreckliche Geschehnisse haben? Erst die Kammer des Schreckens und jetzt Black! Dabei hieß es doch, Hogwarts wäre ach so sicher. Als das Schuljahr sich dem Ende zu neigte und ich mich ans Kofferpacken machte, war ich wirklich froh wieder nach Hause zu kommen. Dieses Jahr fand die Quidditchweltmeisterschaft bei uns statt und unser Dad überraschte Ced und mich damit, dass er für uns drei Karten fürs Finale besorgt hatte. Zwar war ich normalerweise eher kein Quidditchfan, aber das Finale der Weltmeisterschaft wollte ich mir dann doch nicht entgehen lassen. Schließlich war es so weit. Da wir vorhatten mit einem Portschlüssel vom Wieselkopf zu reisen, weckte Dad uns bereits um zwei Uhr morgens. Im Halbschlaf wusch ich mich, kämmte mir meine hellbraunen Haare mehr schlecht als recht und schlüpfte letzten Endes in eine dunkle Jeans und meine hellblaue Lieblingsbluse. Als ich in die Küche kam, saßen Dad und Cedric bereits am Tisch und aßen jeder ein Toast. Schnell schmierte auch ich mir eines und endlich konnten wir los. Im Dunkeln folgten Ced und ich unserem Dad, doch mit der Zeit wurde es heller und heller. Als der Wieselkopf dann schließlich vor uns auftauchte, war ich völlig außer Atem und hielt mir die Stechende Seite. So ein Marsch war nichts für mich und erstrecht nicht um diese Uhrzeit. Oben angekommen ließ ich mich erschöpft ins Gras fallen und überließ es Ced und Dad den Portschlüssel zu suchen. Es dauerte gar nicht lange, da kamen die beiden mit einem alten Gummistiefel zurück. In diesem Augenblick hörte ich weitere Stimmen und bevor ich mich umsehen konnte, rief Dad auch schon: „Hier, Arthur! Hierher, alter Junge, wir haben ihn!“. Als ich aufsprang sah ich Mr. Weasley, die Zwillinge, Ron, Ginny, Harry Potter und Hermine Granger auf uns zukommen. Die beiden Männer begrüßten sich und stellten uns dann noch einmal offiziell einander vor. Inzwischen hatte ich mich jedoch bereits zu Ginny gesellt, während Ced die anderen mit einem knappen, aber nicht unfreundlichen „Hallo“ bedachte. Vom nun folgenden Gespräch der Männer bekam ich nicht viel mit, da ich mit Ginny und Hermine plauderte. Irgendwann warf Mr. Weasley ein: „Wir müssen bald los“ und sogleich streckten wir alle unsere Hände aus um den Gummistiefel zu berühren. Mr. Weasley zählte einen Countdown und schon ging es los. Ich hatte das Gefühl, dass ein Haken hinter meinem Nabel mich mit unwiderstehlicher Gewalt nach vorne zog. Dieser Zustand hielt allerdings nicht lange an und schon hatte ich wieder festen Boden unter den Füßen. Ich wollte gerade erleichtert aufatmen, als ich über etwas oder bessergesagt jemanden stolperte und hinfiel. Als ich wieder aufblickte, sah ich, dass mein Bruder, Dad und Mr. Weasley zwar arg zerzaust waren, aber immerhin standen, während wir anderen in einem einzigen Knäul auf dem Boden lagen. Hilfsbereit streckte Ced mir eine Hand entgegen und zog mich wieder auf die Füße und nachdem sich auch die übrigen aufgerappelt hatten, verabschiedeten wir uns von den Weasleys, denn zu unserem Zelt ging es in eine andere Richtung. Eine ganze Weile liefen wir über den Zeltplatz und an jeder Ecke gab es etwas anderes zu bestaunen. Mit großen Augen schaute ich mich um, bis ein großer afrikanischer Zauberer mich mit einer wüsten Geste bedachte und drohend den Zauberstab hob. Welche Laus war dem denn über die Leber gelaufen? Schnell hakte ich mich bei meinem Bruder ein und drehte mich nicht mehr um. Unser Zelt stellte sich als sehr geräumig heraus, Ced und ich hatten sogar einzelne Zimmer. Ich legte mich auf mein Bett und ruhte mich ein wenig aus, denn nach dem Vorfall vorhin hatte ich nicht gerade Lust den Zeltplatz weiter zu erkunden. Die Zeit verging rasend schnell und auf einmal war es soweit und wir machten uns auf den Weg zum Stadion. Unsere Plätze waren vielleicht nicht die allerbesten, doch wir bekamen alles mit und das reichte mir vollkommen. Nach dem Spiel ließen wir uns von der Menge mittreiben und ich genoss den Rausch des Sieges, denn unser Zelt stand zwischen denen der irischen Fans, die nicht aufhören wollten zu feiern. Mit einem Mal schlug die Stimmung jedoch um. Ich vernahm Schreie und angsterfüllte Rufe. Während ich mich noch fragte, was los war, riss Ced den Vorhang zu meinem Zimmer beiseite, packte mich am Arm und zog mich hinter sich aus dem Zelt, wo unser Dad bereits wartete. „Todesser“, sagte er knapp und dieses eine Wort genügte um sich mir alle Nackenhaare aufstellen zu lassen. Zusammen bahnten wir uns einen Weg durch die Menge und erreichten schließlich den Wald, wo es ruhiger war. Die ganze Nacht blieben wir dort und in den frühen Morgenstunden schaffte es Dad einen der ersten Portschlüssel zu bekommen, sodass wir rasch nach Hause kamen. Was war denn bloß los? Warum passierten immer und überall so schlimme Dinge? Als Dad unsere Haustür öffnete, fiel ihm Mum auf der Stelle um den Hals. Sie weinte und zog auch Ced und mich in die Umarmung. „Ich hatte solche Angst… wenn euch etwas passiert wäre…“, schluchzte sie und es dauerte eine ganze Weile bis wir sie wieder beruhigen konnten. Nach den Ferien am Bahnhof war ich über alle Maßen erleichtert, als ich sah, dass auch den Weasleys nichts passiert war, immerhin hatten sie sich ja auch auf dem Zeltplatz aufgehalten. Die Zugfahrt verbrachte ich mit Ginny und Luna. Etwas später gesellte sich auch noch Leopold dazu. In Hogwarts erzählte Dumbledore, dass dieses Jahr das Trimagische Turnier bei uns stattfinden würde und dass zu diesem Anlass Schüler und Schülerinnen der Schulen Beauxbaton und Durmstrang anreisen würden. Ich wusste nicht so ganz, was ich davon halten sollte, denn so ein Turnier war gefährlich und ich hatte keine Lust auf eine weitere Tragödie. Irgendwann ließ ich mich dann allerdings doch von der allgemeinen Aufregung und Freude mitreißen. Als die Beauxbatons und Durmstrangs schließlich angekommen waren, wurde der Feuerkelch aufgestellt, wobei es eine Altersbegrenzung gab. Nur volljährige Schüler und Schülerinnen konnten ihre Namen hineinwerfen und sich somit als Champion bewerben. Nur durch Zufall bekam ich mit, wie auch mein Bruder einen Zettel mit seinem Namen in den Feuerkelch warf. Entsetzt lief ich zu ihm herüber und fuhr ihn an: „Sag mal spinnst du? Weißt du nicht wie gefährlich das ist?“. Daraufhin seufzte er und erwiderte: „Mach dir keine Sorgen und außerdem, wie wahrscheinlich ist es, dass ausgerechnet ich gezogen werde?“. Da ich nicht mit ihm streiten wollte, nickte ich leicht, doch meine Besorgnis wollte nicht verschwinden. Ich hatte ein ganz ungutes Gefühl bei dieser Sache. Schließlich war es soweit, die Auswahl der Champions stand bevor. Halb neugierig und halb ängstlich saß ich am Hufflepufftisch und wartete. Zuerst geschah überhaupt nichts, doch dann ging alles ganz schnell: eine Feuersäule schoss aus dem Kelch und schleuderte einen Zettel in die Luft, den Dumbledore geschickt auffing. Er entfaltete ihn und las: „Der Champion für Hogwarts ist Cedric Diggory“. Mein Herz setzte einen Schlag aus. Ced? Warum ausgerechnet er? Unter tosendem Applaus erhob sich mein Bruder und ging nach vorne. Alle schienen sich zu freuen, immerhin war Cedric sehr beliebt. Nur ich, ich konnte mich nicht freuen, denn ich hatte panische Angst um meinen Bruder. Die Champions der beiden anderen Schulen wurden benannt und als es eigentlich hätte vorbei sein müssen wurde ein vierter Zettel aus dem Feuerkelch katapultiert. Ungläubig sagte der Schulleiter: „Harry Potter? Harry Potter!“. Wie war das denn möglich? Harry war doch nur ein Jahr älter als ich. Als er nach vorne trat, klatschte niemand, alle warfen ihm anklagende und verächtliche Blicke zu, sogar die Gryffindors. Irgendwie tat er mir leid, aber ich konnte nichts machen. Über Nacht wurde mein Bruder zum Star der Schule und auch ich rückte somit wohl oder übel ins Scheinwerferlicht. Plötzlich wollten Leute mit mir zu tun haben, die sich bis jetzt kein Bisschen für mich interessiert hatten und einige Mädchen versuchte sogar über mich an Ced heranzukommen. Da bekannt war, dass mein Bruder und ich eine sehr enge Bindung hatten, dachten sie, wenn Cedric sehen würde, dass sie sich mit mir beschäftigten, dass er sich dafür wiederum mit ihnen abgab. Glücklicherweise durchschaute mein Bruder diese Tussis ebenso schnell wie ich und ließ sich auf keine von ihnen ein. Nur die Ravenclawfünftklässlerin Cho Chang schien ihn zu interessieren. Sie war nett und nicht so aufgesetzt wie einige der anderen, deshalb ermutigte ich meinen Bruder sie anzusprechen. Nicht dass er schüchtern gewesen wäre, er war nur nicht sonderlich gesprächig. So rückte die erste Aufgabe näher und von Tag zu Tag wuchs meine Angst. Als es dann soweit war, saß ich zwischen Ginny und Luna auf der Tribüne und wartete. Im ersten Moment glaubte ich mich in einem Albtraum zu befinden, denn inmitten der Arena befand sich ein Nest mit mehreren Eiern darin, das von einem Drachen bewacht wurde. Das konnte doch nicht wahr sein! Drachen? Zu allem Überfluss war Cedric auch noch der erste, der sich dem Drachen stellen und das Goldene Ei beschaffen sollte. Unfähig mich abzuwenden beobachtete ich jede Bewegung meines Bruders. Er schien unsicher und auch ein wenig erschrocken zu sein und das war sicherlich keine gute Voraussetzung für den Kampf mit einem Drachen. Auf einmal machte er einen flinken Schlenker mit seinem Zauberstab und einer der Felsbrocken auf dem Boden verwandelte sich in einen Hund. Was sollte das denn jetzt werden? Da begriff ich. Der Drache war abgelenkt und Ced näherte sich dem goldenen Ei. Fast hatte er es geschafft, als der Drache es sich anders zu überlegen schien und aufhörte den Hund zu jagen. Entsetzt schrie ich auf, doch mein Schrei ging im ohrenbetäubenden Brüllen des Drachens unter. Eine Stichflamme schoss aus seinen Nüstern und streifte Cedrics Gesicht. Nun strömten mir die Tränen übers Gesicht, als ich bemerkte, dass er es geschafft hatte. Mit dem Ei im Arm rannte der aus der Reichweite des Ungetüms. Während die Punkte vergeben wurden, bahnte ich mir einen Weg zum Ausgang, wo ich meinem Bruder um den Hals fiel und ihn gar nicht mehr loslassen wollte. Erst als er stöhnte, ließ ich von ihm ab und begleitete ihn zum Krankenzelt. Dort angekommen wurde seine Brandwunde verarztet und mit einer Salbe bestrichen. Mir war egal, wer gewann, alles was für mich zählte war, dass meinem Bruder nichts zustieß. Die nächsten Tage verliefen recht normal, bis Professor Sprout verkündete, dass es einen Weihnachtsball geben würde, an dem Schüler und Schülerinnen ab der vierten Klasse teilnehmen konnten, Jüngeren war es nur erlaubt, wenn sie eine ältere Begleitung hatten. Wie nicht anders zu erwarten fragte Ced Cho und sie sagte natürlich zu. Nur zu gerne würde ich sehen, wie sie sich für meinen Bruder herausputzte, doch dafür bräuchte ich eine ältere Begleitperson. Diesen Gedanken sprach ich ein paar Tage später Ginny gegenüber aus, weil sie mir erzählt hatte, dass sie von Neville Longbottom eingeladen worden war. Zu meiner Überraschung hatte sie auch gleiche eine Lösung parat: sie schlug mir vor mit Ron zu gehen, da der noch keine Partnerin gefunden hatte und eh nicht tanzen wollte. Begeistert von ihrer Idee machte ich mich auf die Suche nach Ron und fragte ihn, ob er einverstanden wäre. Nachdem er begriffen hatte, dass er damit weder weiterhin Ausschau nach einer potentiellen Begleiterin halten noch wirklich tanzen musste, stimmte er mir erleichtert zu. Nun verabredeten wir noch, dass wir uns gegen Acht in der Eingangshalle treffen würden, dann machte ich mich auf den Rückweg in meinen Gemeinschaftsraum. Am Tag des Balls dann ging ich erst ziemlich spät in meinen Schlafsaal um mich fertig zu machen, aber ich hatte ja auch nicht wirklich ein Date sondern vielmehr ein praktisches Treffen. Schnell schlüpfte ich in mein hellblaues Kleid und steckte mir einen silberglitzernden Haarreifen in die hellbraunen Haare. Anschließend tupfte ich mir etwas Glitzerpuder um die grauen Augen und zog meine Stiefel an. Ich war fertig. Den Weg bis zur Eingangshalle legte ich gemeinsam mit meinem Bruder zurück, wobei mir auffiel, wie gut er doch in seinem Festumhang aussah. Ich konnte die ganzen Mädchen, die auf ihn flogen schon irgendwie verstehen. In der Eingangshalle traf ich Ron und gemeinsam betraten wir die Große Halle, wobei ich sagen muss, dass sein Festumhang einfach nur scheußlich aussah. Wir setzten uns mit Ginny, Neville und einigen anderen Gryffindors an einen Tisch und bestellten unser Essen. Anschließend wurde der Ball im Sinne von tanzen eröffnet. Dabei gehörte der erste Tanz ausschließlich den Champions und ihren Begleitern. Endlich konnte ich einen Blick auf Cho erhaschen. Sie sah wirklich hübsch aus, aber nicht so, dass es in irgendeiner Weise billig oder sonst wie unpassend war. Mit ihr hatte mein Bruder es wirklich gut getroffen. Nach dem Eröffnungstanz betraten weitere Paare die Tanzfläche, so auch Ginny und Neville, der erstaunlich gut tanzen konnte. Kurz zwinkerte ich meiner Freundin zu, dann wandte ich mich an meine Alibibegleitung: „Guck mal, da kommt Harry“. Während ich dies sagte deutete ich in die Menge und Ron folgte meiner ausgestreckten Hand mit den Augen. Schließlich winkte er und Harry und seine Begleiterin setzten sich zu uns, wobei das Mädchen nicht so erfreut darüber zu sein schien, dass ihr Tanzabend jetzt gelaufen sein sollte. Während die Jungs miteinander sprachen und das Mädchen mehr oder weniger schmollte, beobachtete ich die Tanzpaare, wobei mein Blick immer wieder an Hagrid und der Schulleiterin von Beauxbaton hängen blieb, was eigentlich auch kein Wunder war, wenn man bedachte, dass sie die restlichen Tänzer um eine halbe Manneslänge überragten. Anfangs war das ziemlich lustig, doch mit der Zeit begann ich mich zu langweilen und beschloss schlafen zu gehen. Mit einem Lächeln verabschiedete ich mich von den Jungs und verließ schließlich die Große Halle. Am nächsten Morgen erfuhr ich als aller erstes, dass Ced und Cho jetzt miteinander gingen, was mich für die beiden sehr freute. Neujahr kam und ging und die Schule fing wieder an, aber eigentlich waren alle in Gedanken bereits bei der zweiten Aufgabe. Ced hatte mir verraten, dass es in dieser Aufgabe höchstwahrscheinlich um Wassermenschen ging. Dies beruhigte mich ein wenig, denn nach diesen Drachen dürften ein paar Fischmäuler kein allzu großes Problem darstellen. Es war der Tag vor der zweiten Aufgabe, als man mir mitteilte, dass ich mich zum Büro von Professor McGonagall begeben sollte. Warum das denn? Hatte ich etwas ausgefressen? Eigentlich nicht. Was wollte sie dann von mir? Als ich letzten Endes an die Tür klopfte, öffnete mir ein kleines, silberblondes Mädchen, das ich sogleich als die kleine Schwester von Fleur Delacour erkannte. Zögerlich trat ich ein und stellte fest, dass sich außerdem auch noch Ron und Hermine hier aufhielten. Bevor einer von uns jedoch auch nur den Mund aufmachen konnte, begann Professor McGonagall zu sprechen: „Gut. Nun da Sie alle hier sind, kann ich anfangen: Für die morgige Aufgabe brauchen wir für jeden der Champions eine Geisel“, ich schluckte und das kleine Mädchen drückte sich unbehaglich an der Wand herum, „ja, Sie vermuten richtig, diese Geiseln sind Sie“. Kurz herrschte Stille, dann fuhr die Lehrerin fort: „Dafür werde ich Sie jetzt in einen magischen Schlaf versetzen, aus dem Sie erst erwachen werden, wenn Ihr Champion Sie gerettet hat“. Keiner von uns sagte ein Wort. Warum hatte man ausgerechnet mich als Geisel ausgesucht? Warum nicht Cho? Die Antwort gab ich mir selber: Weil mein Bruder für mich jedes andere Mädchen stehenlassen würde, selbst seine jetzige Freundin. Während ich noch nachdachte, spürte ich, wie die Müdigkeit mich nach und nach übermannte, bis ich nichts mehr mitbekam. Wasser! Überall war Wasser und ich war klitschnass! Hustend und Wasserspuckend blinzelte ich und erkannte Ced neben mir, der versuchte mich über Wasser zu halten. Mit einem Seitenblick vergewisserte er sich, dass es mir gutging, dann schwammen wir weiter auf die Tribüne zu. Dort angekommen zog man uns aus dem Wasser und wickelte uns in mehrere dicke Handtücher. Jetzt erst kam ich dazu mich umzusehen. Nicht weit von uns entfernt stand Fleur, allerdings ohne ihre Schwester und von Harry und Krum war auch noch nichts zu sehen. Das hieß, Cedric hatte gewonnen. Wir warteten noch gar nicht lange, da tauchte auch Krum mit Hermine auf und letztlich kamen auch Harry und Ron, wobei die beiden zusätzlich noch Fleurs keine Schwester dabei hatten. Es war einfach rührend, wie erleichtert Fleur war sie gesund wieder zu sehen. Diese Tatsache ließ sie mir gleich um einiges sympathischer werden. Nach dieser Aufgabe kehrte erst einmal Ruhe ein, die Ruhe vor dem Sturm? Ich betete, dass es nicht so war, aber mein ungutes Gefühl wurde mit jedem Tag stärker. Viel zu schnell war es dann soweit. Die letzte Aufgabe, das Labyrinth voller bösartiger Kreaturen und Zauber, stand bevor. Für diese Aufgabe waren die Familien der Champions gekommen, was hieß, dass ich nun nicht alleine sondern zwischen meinen Eltern auf der Tribüne saß und wartete. Da sie punktgleich waren, durften Ced und Harry als erste in den Irrgarten starten, ihnen folgte Krum und zuletzt betrat Fleur das Labyrinth. Lange Zeit geschah überhaupt nichts, doch dann stiegen mit einem Mal rote Funken auf und man barg eine bewusstlose Fleur. Kurz darauf erschienen erneut rote Funken am Himmel und dieses Mal war es Krum, der herausgeholt wurde, auch er bewusstlos. Irgendwas lief da ganz und gar nicht so wie geplant und mit jeder Sekunde, die mein Bruder in diesem Irrgarten verbrachte wurde ich panischer. Dann ging alles ganz schnell: Harry und Cedric tauchten zusammen vor dem Labyrinth auf, aber die erste Freude schlug um in blankes Entsetzen, denn Harry blutete und weinte und Ced rührte sich nicht. Gleichzeitig sprangen Dad und ich auf und rannten durch die Menge. Dabei schrie ich immer wieder den Namen meines Bruders. Irgendwann spürte ich, dass jemand mich festhielt, sodass ich nicht weiter konnte, doch ich musste. Ich musste zu Ced. Wütend schlug und trat ich um mich, aber der Mann, der mich festhielt, ließ nicht locker. Immer wieder schrie ich nach meinem Bruder, bis meine Stimme versagte. Tränen nahmen mir die Sicht und dann wurde alles zu viel für mich, ich brach zusammen. Obwohl ich es nicht wirklich gesehen hatte, verfolgte mich Ceds Gesicht, wie es mich mit leeren Augen anstarrte in meinen Träumen. Die Zeit schien für mich stehenzubleiben und von dem, was um mich herum geschah, bekam ich nichts mehr mit. Irgendwann registrierte ich, dass ich mich zu Hause in meinem Zimmer befand, aber es war mir egal. Alles war egal. Mein Bruder, der Mittelpunkt meines Universums war fort und würde nicht zurückkehren. Immer war er für mich da gewesen und ohne ihn wollte ich nicht weiterleben. Tagein Tagaus lag ich in meinem Bett und tat nichts außer weinen und schlafen. Selbst das Essen verweigerte ich und so kam es, dass man mich ins St. Mungo Hospital einlieferte. Dort wurde ich dann Zwangsernährt und bekam einen Psychologen zugeteilt, der mir helfen sollte, das Geschehene zu verarbeiten, doch der Mann erzielte keine Erfolge. Ich ließ nichts und niemanden an mich heran. Erst über zwei Jahre später, begriff ich, dass es so nicht weitergehen konnte. Mein Bruder hätte sicherlich nicht gewollt, dass ich mit ihm starb. Diese Erkenntnis kam mir jedoch nicht durch den Psychologen oder meine Eltern, die mich in regelmäßigen Abständen besuchen kamen, nein, es war vielmehr Lyra, meine kleine Eule Lyra, die Mum und Dad eines Tages mitbrachten. Durch sie erkannte ich, dass ich wieder anfangen musste zu leben, wenn nicht für mich, dann für Ced. So kam es, dass ich kurz vor Weihnachten endlich aus dem Krankenhaus entlassen wurde und wieder nach Hause konnte. Die nächsten Monate vergingen ereignislos, während ich versuchte einen Weg zurück in ein normales Leben zu finden, doch dann, am ersten Mai erhielt ich einen eiligen Brief. Er war von Ginny und Luna, die einzigen, die sich noch an mich zu erinnern schienen. Sie schrieben, dass es in Hogwarts zur letzten Schlacht gegen den Dunklen Lord kam und sie dringend Unterstützung bräuchten. Das war meine Chance. Endlich würde ich meinen Bruder rächen können. Ohne zu zögern apparierte ich nach Hogsmeade und machte mich auf den Weg durch einen Geheimgang in die Schule. Der Kampf war bereits im vollen Gange und so mischte ich mich einfach kurzentschlossen unter die Kämpfenden. Was mir an Können fehlte, machte ich dabei durch wilde Entschlossenheit und abgrundtiefen Hass wieder wett. Wie eine Furie schleuderte ich mit Flüchen geradezu um mich, bis auf einmal die Stimme des Dunklen Lords ertönte: er gewährte uns eine Pause um die Toten in Ehre fortzuschaffen. Es dauerte eine ganze Weile bis diese Worte den Weg in mein Gehirn fanden und ich langsam in Richtung Große Halle lief. Was würde ich dort vorfinden? Welche bekannten Gesichter würden unter den Toten sein? Zunehmend schneller rannte ich weiter, bis ich die Halle erreichte und ängstlich eintrat. Es waren so viele. Viel zu viele. Plötzlich wurde ich auf eine Gruppe rothaariger Menschen aufmerksam, die einen Kreis um eine Gestalt auf dem Boden bildeten. Nein! Entsetzt trat ich neben die Weasleys und blickte direkt auf den Leichnam von einem der Zwillinge. Weinen konnte ich nicht, da ich alle meine Tränen bereits vergossen hatte und so stieg eine kochende Wut in mir auf. Es gab nichts mehr außer dieser Wut und als verkündet wurde, dass Harry Potter tot wäre, war ich eine der Ersten, die nach draußen rannten um dies mit eigenen Augen zu sehen. Tatsächlich, Harrys regloser Körper hing schlaff in den Armen von Hagrid und Voldemort grinste triumphierend. Das durfte doch nicht wahr sein! Wir konnten nicht verloren haben! Nun hielt der Dunkle Lord eine Ansprache an deren Ende er uns einlud, uns auf seine Seite zu stellen. Ich sah, wie ein weißblonder Junge dieser Aufforderung nachkommen wollte und das brachte das Fass zum Überlaufen. Mit vor Zorn bebender Stimme fauchte ich: „Wenn du noch einen Schritt machst, dann schwöre ich dir, dass du es bereuen wirst!“. Auf meine Worte folgte Stille. In dieser Stille ruhten alle Blicke auf mir und dem Jungen, der sich zu meiner eigenen Überraschung wirklich nicht vom Fleck gerührt hatte. Da bemerkte Hagrid, dass Harry fort war und mit einem Mal begann der Kampf von neuem, doch nun dauerte es nicht mehr lange und Voldemort und alle seine Anhänger waren vernichtet. Wir hatten gewonnen. Mit diesem Sieg war es, als würde etwas aus mir hinausströmen. All die Wut, die mir Stärke verliehen hatte, schwand und letzten Endes kehrte die große Leere in meinem Inneren zurück. Ich hatte getan, was ich tun musste, hatte meinen Bruder gerächt und jetzt gab es nichts mehr, was mich hier noch hielt. Während um mich herum gefeiert wurde, ging ich langsam runter ins Dorf und apparierte nach Hause. Von Tag zu Tag wurde diese Leere in mir unerträglicher und auch meine Eltern schienen zu bemerken, dass es mir wieder schlechter ging, sie schoben es jedoch auf die Tatsache, dass ich inzwischen volljährig war und noch bei ihnen lebte. Aus diesem Grund besorgte mir Dad eine kleine Wohnung im Herzen von London. Er und Mum glaubten, es wäre besser so für mich – zumindest sagten sie das. Der Umstand, dass ich nun alleine war, machte das ganze allerdings nur noch schlimmer. Die Leere in meinem Innern nahm überhand und alles wurde mir gleichgültig. Einmal lief ich ziellos durch die Straßen, als ich mit jemandem zusammenstieß. An der Stimme erkannte ich, dass es ein junger Mann sein musste, denn er entschuldigte sich sogleich: „Tut mir leid… ich wollte nicht…“. Plötzlich brach er ab und als ich nun aufblickte sah ich den jungen Mann vor mir, der sich beinahe auf Voldemorts Seite gestellt hatte. In seinen hellgrauen Augen konnte ich erkennen, dass auch er sich an mich erinnerte. Das war wohl auch der Grund für sein Stocken gewesen. „Du“, zischte ich, aber es klang nicht halb so feindselig wie erhofft, vielmehr hörte es sich hohl und gleichgültig an. Daraufhin nickte er und erwiderte: „Josephine, nicht wahr?“. Woher kannte der Kerl meinen Namen? Fragten blicke ich ihn an und schließlich meinte er: „Seit der Schlacht habe ich mich gefragt, ob ich dich nicht irgendwoher kenne und irgendwann ist mir aufgegangen, dass du im Jahrgang unter mir auf Hogwarts warst… du warst doch mit Weasley beim Weihnachtsball, oder?“. Irgendwie empfand ich die Tatsache, dass er so viel über mich wusste als ziemlich unheimlich, wo ich doch nicht den Hauch einer Ahnung hatte, wer er war. Anscheinend sah er mir meine Ratlosigkeit nur zu deutlich an, denn er lächelte leicht und sagte: „Ich bin Draco Malfoy“. Malfoy. Da klingelte etwas bei mir. War das nicht dieser aufgeblasene Idiot, über den sich Ginny immerzu beschwert hatte? Wahrscheinlich und allem Anschien nach hatte er sich seitdem ziemlich verändert, immerhin wirkte er momentan kein Bisschen arrogant und abweisend. Obwohl ich nichts daraufhin zurück gab, lächelte er weiter und lud mich auf einen Kaffee ein. Als wir dann gemeinsam an einem der Tische saßen meinte er nachdenklich: „Weißt du eigentlich, dass du mich gerettet hast? Ja, ja, guck nicht so unwissend, ich meine bei der Schlacht. Du hast mir den Mut gegeben mich dem Dunklen Lord und meinen Eltern zu widersetzen. Nur dank dir kann ich jetzt ein normales Leben führen“. Seine Worte berührten mich und drängten die Leere ein wenig zurück. Von diesem Tag an traf ich mich öfters mit Draco, er war nämlich der Meinung, ich sollte mich nicht mehr in meiner Wohnung verkriechen und da ein Teil von mir derselben Meinung war, stimmte ich ihm schließlich zu. Meistens trafen wir uns in irgendeinem kleinen Café, wobei er jedes Mal darauf bestand zu zahlen. So auch an einem sonnigen Samstagmorgen. Gerade zückte er seine Geldbörse, als ich ihm zuvor kam und sagte: „Jetzt lass nicht den reichen Gönner raushängen, denn das hab ich nicht nötig… außerdem fühle ich mich schlecht, wenn du immer alles bezahlst“. Er schien überrascht, ließ es dann jedoch zu, dass ich zahlte. Nachdem wir das Café verlassen hatten, schlug Draco mir noch vor ein wenig spazieren zu gehen, immerhin war es ein wundervoller Tag. Wenig später liefen wir also nebeneinander durch einen kleinen Park und er erzählte mir irgendwelche Geschichten von seiner neuen Arbeit, denn seit kurzem arbeitete er im Zaubereiministerium. Das machten wir immer so. Er redete und ich hörte zu, wobei ich ab und an etwas einwarf. Ich wollte es mir nicht eingestehen, aber wenn ich mit Draco unterwegs war, war ich glücklich, so glücklich wie seit dem Tod meines Bruders nicht mehr, aber jedes Mal wenn ich dann wieder alleine war, kam es mir falsch vor glücklich zu sein, denn das würde heißen, dass ich Ced vergessen würde. Deshalb kam es auch des Öfteren vor, dass ich in den ach so einsamen Nächten nicht schlafen konnte und stattdessen mit leerem Blick aus dem Fenster starrte. Es war so, als würde es mich zweimal geben. Einmal das Mädchen, das den Tod ihres Bruders nicht verkraften konnte und andauernd mit den Gedanken bei ihm war und einmal die junge Frau, die sich mit Draco traf und sich so ungeheuer wohl bei ihm fühlte. Eines Tages begann es, als ich gerade malwieder mit Draco durch die Stadt lief, heftig zu regnen und ohne länger darüber nachzudenken apparierte ich mit ihm in meine Wohnung. Dort setzten wir und gemeinsam auf die Couch und er begann so wie immer zu erzählen, doch irgendwie war es anders als sonst. Die leichte Distanz, die man in der Öffentlichkeit zueinander hat, war verschwunden. Während er sprach legte er einen Arm um meine Schultern und ich lehnte mich an ihn. Eine ganze Weile saßen wir so da und keiner von uns machte Anstalten aufzustehen. In diesem Augenblick wurde mir bewusst, dass ich diese Nacht nicht alleine verbringen wollte und so fragte ich leise: „Kannst heute bei mir bleiben?“. Er nickte und in einer Woge der Dankbarkeit gab ich ihm einen flüchtigen Kuss auf die Wange. Als es fast Mitternacht war, beschlossen wir schlafen zu gehen, wobei wir uns nun natürlich mein Bett teilen mussten, was allerdings weder ihm noch mir etwas ausmachte. Froh nicht alleine zu sein kuschelte ich mich an ihn und schlief zum ersten Mal seit langem ohne Probleme ein. Am nächsten Morgen stellte ich fest, dass ich halb auf Draco drauf lag und rutschte schnell ein Stück beiseite. Nachdem auch er aufgewacht war, stand ich auf und begann Frühstück zu machen. Dafür stellte ich einen Teller mit frischgetoasteten Toasts, Marmelade, Honig, Butter und eine Kanne voll Milch auf den Tisch. Gerade als ich fertig war, betrat Draco die Küche und grinste: „Na, gut geschlafen?“. Gutgelaunt wie schon lange nicht mehr erwiderte ich: „Ja, vielleicht solltest du jede Nacht bleiben“. Eigentlich hatte ich das nur im Scherz gesagt, aber jetzt wurde mir klar, dass ich ihn tatsächlich gerne immer bei mir hätte. Ich hatte mich wohl oder übel verliebt. Da riss mich seine Antwort aus meinen Gedanken. „War das jetzt ein Angebot?“, wollte er wissen und ich gab leicht beschämt zurück: „Irgendwie schon… ich will nicht mehr alleine sein“. Jetzt lachte er, schlang seine Arme um mich, wirbelte mich durch die Luft und meinte anschließend: „Und ich dachte schon, ich wäre auf ewig dazu verdammt nur ein Freund zu sein“. Auf mein überraschtes Gesicht hin fuhr er fort: „Ja, du hast schon richtig gehört, ich hab mich in dich verliebt, Fine“. Oh Gott. Kurz glaubte ich in Ohnmacht zu fallen, doch dann fasste ich mich und drückte Draco einen Kuss mitten auf den Mund. Gleich an diesem Tag zog er dann auch bei mir ein und es war wirklich ein ausgesprochen gutes Gefühl ihn an meiner Seite zu wissen. Ein paar Tage später stand malwieder ein Besuch von meinen Eltern an und deshalb hatte ich beschlossen ein wenig zu backen. Als es klopfte, war ich noch immer mit dem Kuchen beschäftigt und so bat ich Draco doch bitte die Tür aufzumachen. Von der Küche aus hörte ich, wie er meiner Bitte nachkam und öffnete. Nun herrschte einen Moment lang Stille, bis ich ganz deutlich die Stimme meines Dads hören konnte. Er brüllte: „Was macht jemand wie Sie hier? Wie können Sie es wagen…?“. An dieser Stelle mischte sich auch meine Mum ein: „Amos… Amos bitte“. Schnell lief ich ins Wohnzimmer. Mein Dad schrie Draco an, der sich sichtlich beherrschen musste nicht ebenfalls auszurasten und meine Mum versuchte meinen Dad ein wenig zu beschwichtigen. Erst als sie mich sahen, entspannten sich alle drei ein bisschen. „Sag mal spinnst du Dad?“, verlangte ich zu wissen, „kommst hier in MEINE Wohnung und fängst an MEINEN FREUND zu beleidigen. Was ist denn in dich gefahren?“. Nun wanderten die Blicke meiner Eltern von mir zu Draco und wieder zurück zu mir. „Dein Freund?“, murmelte Dad ungläubig und auch ein wenig verächtlich, aber Mum schien sich, nachdem sie ihren anfänglichen Schock überwunden hatte, für mich zu freuen und meinte: „Nun gut, Draco, vielleicht könnten wir ja noch einmal von vorne beginnen… ich bin Viola, Josephines Mum“. Ein paar Sekunden zögerte er, doch dann ergriff Draco ihre ausgestreckte Hand und schüttelte sie. Während nun auch mein Dad die Hand ausstreckte, wenn auch bei weitem weniger herzlich als meine Mum, ging ich in die Küche und holte den Kuchen, den ich gebacken hatte. Schließlich saßen wir also zu viert im Wohnzimmer, aßen Kuchen und unterhielten uns, wobei auch mein Dad mit der Zeit immer freundlicher Draco gegenüber wurde. Als meine Eltern sich am Abend wieder verabschiedeten, war es sogar soweit, dass sowohl Mum als auch Dad Draco zum Abschied umarmten. Eine Zeit lang war mein Leben perfekt, aber die Tatsache, dass ich noch immer oft mit den Gedanken bei Ced war, führte schließlich zum Streit. Nachdem ich malwieder einen ganzen Tag am Grab meines Bruders zugebracht hatte, meinte Draco: „Du musst jetzt langsam mal damit abschließen. Es kann doch nicht sein, dass du dich so in der Vergangenheit festfährst“, „er ist mein Bruder! Kannst du das denn nicht verstehen“, erwiderte ich wütend und Draco gab ebenso laut zurück: „Eben nicht, er WAR dein Bruder, denn jetzt ist er TOT! Du musst ihn endlich gehen lassen“. Wie konnte er nur? „Verzieh dich doch einfach! Ich hab mich wohl in dir getäuscht, du bist einfach nur ein Idiot! Ich will dich nicht mehr sehen!“, schrie ich aus vollem Hals. Er zuckte zurück und erwiderte schnippisch: „Gut. Wenn du mich nicht willst, dann will ich dich auch nicht mehr. Leb wohl!“. Mit diesen Worten drehte er sich um und verließ die Wohnung, sodass ich alleine zurückblieb.
*Dracos Sicht* Kaum stand ich draußen auf der Straße und atmete die frische Luft ein, bekam ich wieder einen klaren Kopf und ich erkannte, wie übertrieben und lächerlich Fines und mein Streit geradeeben gewesen war. Am liebsten wäre ich gleich wieder zurück zu ihr in die Wohnung gegangen und hätte mich entschuldigt, doch da gab es auch noch meinen Stolz, der das nicht zuließ. Deshalb apparierte ich in den Park, in dem ich schon oft mit ihr spazieren gegangen war und schlenderte ein wenig umher.
*normale Sicht* Er war weg. Einfach gegangen. Natürlich, ich hatte ihn angeschrien und dazu aufgefordert, aber eigentlich hatte ich gehofft, er würde trotzdem bleiben. Die Tatsache dass er nun fort war, bewies, dass ich ihm nichts bedeutete. Es gab niemanden, der sich um mich sorgte, niemanden, der für mich da war, ich war schlichtweg alleine. Wenn sich kein Mensch um mich scherte, warum war ich dann überhaupt hier? Wieso lebte ich dieses armselige Leben, wo es doch keinen interessierte, was ich tat oder nicht tat? Nur für einen Menschen stand ich immer an erster Stelle, doch dieser Mensch war tot. Welchen Sinn hatte es also noch zu leben? Ich erschrak vor mir selbst. Wie konnte ich sowas nur denken? ... Wobei… nun hatte sich auch Draco und mit ihm mein letzter Hoffnungsschimmer von mir abgewandt. Was sollte ich jetzt machen? Meine Gedanken drehten sich immer wieder im Kreis und ein ums andere Mal stellte ich mir selbst die Frage, welchen Sinn es für mich noch hatte zu leben. Anfangs verdrängte ich diese Gedanken rasch, aber mit der Zeit kamen sie mir gar nicht mehr so abwegig vor. Wer würde mich schon vermissen? Außerdem würde ich dann endlich meinen Bruder wiedersehen. Diese Aussicht spornte mich an, doch ein Teil von mir war noch immer entsetzt und wehrte sich dagegen. Dieser Teil hoffte, dass Draco zurückkommen würde und wir uns wieder vertragen könnten, dass alles wieder gut werden würde. Aber je weiter die Zeit voranschritt und Draco nicht kam, desto kleiner und unwichtiger wurde dieser Teil von mir und schließlich verstummte er ganz. Mit einem verklärten Lächeln im Gesicht ging ich ins Bad und ließ heißes Wasser in die Badewanne strömen. Danach kehrte ich in die Küche zurück und suchte mir ein geeignetes Messer. Immer noch lächelnd betrat ich mit der Klinge in der Hand nun wieder das Bad und wartete, bis die Wanne endlich randvoll mit heißem Wasser war. Als es soweit war, legte ich das Messer auf den Badewannenrand und stieg vollbekleidet ins Wasser. Die Hitze gab mir ein Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit. Eine Weile saß ich einfach so da und ließ meinen Körper die Wärme aufnehmen, doch irgendwann beschloss ich, dass es soweit war und griff wieder nach der Klinge zu meiner Rechten. Kurz betrachtete ich den blanken Stahl und die Schönheit der Lichtreflexe, die sich darin spiegelten, dann setzte ich die Messerspitze auf mein linkes Handgelenk. Das kühle Metall fühlte sich ausgesprochen gut auf meiner überhitzten Haut an und schließlich zog ich die Klinge vorsichtig, beinahe schon genussvoll, zur Seite. Verzückt beobachtete ich, wie das Blut aus der Wunde strömte und das Badewasser rot einfärbte. Anschließend ließ ich das Messer auch über mein rechtes Handgelenk wandern. Noch mehr Blut. Dieses Blut würde mich zu meinem Bruder bringen. Mit einem zufriedenen Lächeln schloss ich die Augen und gab mich der gnädigen Schwärze hin.
*Dracos Sicht* „Das wären dann sechs Pfund und dreißig“, meinte die Frau gelangweilt, während sie den Blumenstrauß einpackte. Rasch holte ich meine Geldbörse hervor und suchte nach etwas Muggelgeld. Ich kam damit einfach nicht zurecht! Aus diesem Grund dauerte es ziemlich lange, bis ich den passenden Betrag in die ausgestreckte Hand der Blumenverkäuferin fallen ließ. Anschließend verließ ich den Laden und machte mich auf den Weg zu unserer Wohnung. Hoffentlich würde sie meine Entschuldigung annehmen. Mit schnellen Schritten stieg ich die Treppe hoch und stand schließlich vor der Wohnungstür. Kurz zögerte ich, doch dann klopfte ich bestimmt gegen das Holz. Nichts. Also klopfte ich noch einmal und rief dabei: „Fine? Fine ich bin‘s! Es tut mir leid, kannst du mich bitte rein lassen?“. Noch immer erhielt ich keine Antwort und urplötzlich überkam mich ein mulmiges Gefühl. Warum war es in der Wohnung so verdammt still? Kurzentschlossen zückte ich meinen Zauberstab und ließ die Tür sich auf magische Weise öffnen. Rasch trat ich ein und sah mich um: keine Spur von Fine und doch spürte ich, dass sie hier war. Auf einmal hörte ich ein Klirren aus dem Bad. Ohne nachzudenken legte ich den Blumenstrauß auf den Wohnzimmertisch und rannte zum Badezimmer. Die Tür war nur angelehnt und als ich sie aufstieß, blieb mein Herz einen Augenblick lang stehen. Josephine lag mit geschlossenen Augen in der Badewanne. Sie trug noch die Kleider von heute Morgen, aber das war es nicht, was meine Aufmerksamkeit auf sich zog. Es war vielmehr die Tatsache, dass das Badewasser nicht klar, sondern blutrot war. Außerdem lag neben der Wanne ein großes Messer, an dessen Klinge noch Blut klebte. Dieses Messer musste auch das Klirren verursacht haben als es Fines lebloser Hand entglitten war. Entsetzt eilte ich zu ihr. Was hatte sie getan? Was hatte ich getan? Wäre ich früher wieder hier gewesen, wäre ich nicht so verdammt stolz gewesen… Das war allein meine Schuld. Während unzählige Tränen mir übers Gesicht rannen, versuchte ich klar zu denken. Was sollte ich jetzt tun? Endlich hatte ich mich so weit gefasst, dass ich in der Lage war einen magischen Notruf zu tätigen und wenig später erschienen zwei Notfallheiler. Ein dunkelhäutiger Mann und eine asiatisch aussehende Frau. Die beiden überblickten die Lage sofort und beugten sich über Josephine. Was sie im Einzelnen taten sah ich nicht, da mein Blick noch immer durch weitere Tränen verschleiert war. Wie hatte es soweit kommen können? Irgendwann apparierten die Heiler mit Fine ins St. Mungo. Auch ich wollte dort hin, aber ich musste noch zu ihren Eltern. Die beiden mussten schließlich erfahren, dass ihre Tochter auf der Schwelle zum Tod stand… wegen mir.
*normale Sicht* Eine wohltuende Schwerelosigkeit erfasste mich und ließ mich emporsteigen. Nach und nach wich die Dunkelheit einem fernen Licht und plötzlich sah ich ihn. Cedric. Er kam mir entgegen, blieb jedoch mit etwas Abstand stehen. Freudig wollte ich zu ihm herüberlaufen, da sah ich sein Gesicht. Trauer und Wut spiegelten sich darin. Verwirrt rührte ich mich nicht von der Stelle und starrte ihn einfach nur an. Irgendwann begann er zu sprechen: „Glaubst du, das hier ist das, worauf es ankommt? Bist du wirklich so dumm?“, „aber… aber ich wollte wieder mit dir zusammen sein…“, stammelte ich, doch er unterbrach mich und fuhr, nun allerdings etwas sanfter, fort: „Ich will dich ja auch wieder bei mir haben, aber doch nicht so. Ich will, dass du ein schönes und erfülltes Leben lebst. Mein Tod hätte dir zeigen müssen, dass man jeden Augenblick genießen sollte. Du darfst das nicht einfach so wegwerfen!“. Er hatte ja Recht und mit einem Mal begann ich mich für meine Tat zu schämen. Ich verachtete mich selbst für meine Feigheit. Ich konnte doch nicht einfach davonrennen, nur weil es ein kleines Problem gab. Einen lächerlichen Streit… mit Draco. Er hatte von Anfang an das Richtige gesagt, doch ich hatte ihm nicht zuhören wollen. Wieso war ich so dämlich gewesen? Jetzt hatte ich alles kaputtgemacht. Ich würde ihn niemals wiedersehen, mich niemals entschuldigen können. Verzweifelt blickte ich zu meinem Bruder, doch er war nicht mehr da und auch das Licht wurde von Sekunde zu Sekunde schwächer, bis ich schließlich wieder alleine in der Finsternis war. Dieses Mal empfand ich sie jedoch als beängstigend und bedrückend. So spürte ich, wie mein Bewusstsein schwand.
*Dracos Sicht* Müde und erschöpft lehnte ich den Kopf gegen die weiße Wand des Krankenzimmers. Drei Tage saß ich jetzt schon hier und wich so gut wie nie von ihrer Seite. Als ich mit ihren Eltern angekommen war, hatte man uns verkündet, dass man ihren Zustand stabilisieren konnte, sie allerdings in eine Art Koma gefallen war. Zwar hatte der Stationsheiler uns versichert, dass dieser Zustand nicht dauerhaft wäre, aber mit jeder Stunde die verging, schwanden meine Hoffnungen. Was wäre, wenn sie doch nicht mehr aufwachen würde? Wenn sie einfach weiterhin so reglos wie in diesem Moment hier in diesem Bett liegenbleiben würde? Im Augenblick waren Fines Eltern gerade in der Cafeteria, immerhin hatten auch sie die meiste Zeit am Bett ihrer Tochter gewacht. Niemand außer mir war im Raum und so flüsterte ich leise: „Bitte, Fine, bitte komm wieder zurück. Zu deinen Eltern und nicht zuletzt auch zu mir… bitte“. Das letzte Wort wiederholte ich unzählige Male. Irgendwann gab ich es auf und schloss die Augen. Ich befand mich bereits im Halbschlaf, als ich auf einmal ein leises, kaum wahrnehmbares Stöhnen vernahm. Auf der Stelle war ich wieder hellwach und drückte Josephines Hand noch fester. Zuerst wollte ich meinen Augen nicht trauen, doch dann begriff ich: sie war wach, es ging ihr gut.
*normale Sicht* Urplötzlich war alles wieder da. Mit nur allzu großer Deutlichkeit fühlte ich meinen eigenen Körper, nahm die Geräusche um mich herum war und spürte eine Hand, die die meine fest umklammert hielt. Blinzelnd schlug ich die Augen auf und wurde erst einmal geblendet. Es war so hell und die weißen Wände verstärkten diesen Eindruck nur noch… weiße Wände? Natürlich, ich musste mich im St. Mungo Hospital befinden, wo auch sonst. Nun schaute ich zur Seite und blickte direkt in Dracos ungläubiges Gesicht. „Es tut mir leid“, hauchte ich, während mir bereits Tränen in die Augen traten und er zog mich an sich und hielt mich fest, als wollte er mich niemals wieder loslassen. Ich genoss diese Umarmung und gab mich ihr vollends hin. Auf einmal hörte ich eine Tür aufgehen und keine zwei Sekunden später schlangen sich vier weitere Arme um mich, die ich als die meiner Eltern erkannte. Schon bald spürte ich, wie Tränen mein Gesicht benetzten, die nicht meine eigenen waren. „Mum… schon gut…“, versuchte ich sie zu trösten, aber das hatte nur zur Folge, dass sie noch stärker schluchzte. Auch die Augen meines Dads glitzerten verdächtig. Erst da fiel mir auf, dass Draco mich losgelassen hatte und Anstalten machte zu gehen. Warum das denn? Ich hatte gedacht, dass seine Anwesenheit an meinem Krankenbett bedeutete, dass er mir verziehen hatte und unser Streit vergessen war, aber anscheinend hatte ich mich getäuscht. Ich hatte alles kaputt gemacht. Am aller liebsten hätte ich mich heulend in einer Ecke verkrochen und wäre nie wieder hervor gekommen. Ich spürte, wie in meinem Innern etwas zerbrach. Was sollte ich denn jetzt machen? Verzweifelt klammerte ich mich an meine Eltern und ließ es zu, dass sie mir den Rücken tätschelten. Wie lange wir in dieser Position verharrten, weiß ich nicht, doch irgendwann ging die Tür wieder auf und zu meiner totalen Verwirrung war es Draco, der im Türrahmen erschien. In den Händen hielt er einen leicht ramponierten Blumenstrauß. Meine Eltern ließen von mir ab und entfernten sich ein paar Schritte, da war Draco auch schon bei mir. Wie dumm ich gewesen war! Natürlich wollte er nicht einfach abhauen. Inzwischen schämte ich mich fast dafür, dass ich das auch nur gedacht hatte. „Mach das nie wieder!“, hauchte ich, nachdem er sich auf die Bettkante gesetzt hatte, woraufhin er mich verständnislos anstarrte und schließlich murmelte: „Den wollte ich dir eigentlich schon früher geben… er sieht jetzt nicht mehr so schön aus, aber…“, „er ist perfekt“, unterbrach ich ihn, „perfekt für mich“. „Dann nimmst du meine Entschuldigung also an?“, hakte er noch einmals nach und ich erwiderte: „Du brauchst dich für gar nichts zu entschuldigen. Du hattest von Anfang an Recht. Ich muss mich entschuldigen, immerhin habe ich mich so dämlich benommen, doch damit ist nun Schluss, das verspreche ich. Jetzt weiß ich, auf was es wirklich ankommt“. Lächelnd überreichte er mir die Blumen und ich war einfach nur glücklich. Etwas später an diesem Tag entließ man mich auch aus dem Krankenhaus und Draco und ich apparierten sogleich in unsere Wohnung. Die nächsten Tage verliefen reibungslos und ich fühlte mich wirklich wohl, bis auf die Tatsache, dass Draco mich behandelte, als könnte ich jeden Moment zersplittern, wie ein zu Boden fallendes Glas. Als ich ihn darauf ansprach erklärte er, dass er es doch nur gut meinte, versicherte mir nach einem längeren Gespräch jedoch, dass es dies zukünftig lassen würde. Zum Glück hielt er sich daran, denn ich hasste es, wie ein Porzellanpüppchen angefasst zu werden. Eines Tages überraschte mich Draco dann mit der Nachricht, dass seine Eltern uns zum Abendessen eingeladen hatten. Dies verwunderte mich ziemlich, immerhin wusste ich inzwischen über alles Bescheid. Draco hatte mir so ziemlich alles über seine Mum und seinen Dad erzählt, also auch über deren Ansichten und Meinungen. „Hättest du mir nicht früher davon was sagen können?“, fuhr ich meinen Freund ungewollt heftig an, doch er blieb ganz ruhig und antwortete: „War halt spontan“. Das half mir jetzt auch nicht. Die beiden würden mich eh nicht leiden können, da war ich mir sicher. Warum also luden sie uns BEIDE ein? Wie ein aufgescheuchtes Huhn rannte ich durch die Wohnung und versuchte ein zumindest halbwegs vorzeigbares Outfit zu finden. Die blaue Bluse? Nein. Mein rotes Top mit einer Strickjacke? Auch nicht. Zunehmens verzweifelter durchwühlte ich meinen Kleiderschrank, bis ich endlich fand, was ich gesucht hatte: mein lilafarbenes Kleid. Schnell zog ich es an und stellte fest, dass es genau das richtige war. Nicht zu kurz und partyhaft, aber auch nicht zu vornehm und overdressed. Dazu schlüpfte ich in meine weißen Sneakers und band mir die Haare locker zurück. Gerade als ich fertig war, steckte Draco den Kopf herein, grinste mich an und sagte: „Siehst gut aus, Schatz, aber lass uns jetzt endlich los, ja?“. Daraufhin verdrehte ich die Augen und lief betont langsam zu ihm herüber, was er mit einem übertriebenen Seufzen quittierte. Letzten Endes konnten wir los. Wir apparierten und kurz darauf standen wir auf einem prächtigen Anwesen. Auf der Stelle kehrten meine Zweifel zurück. Was machte ich überhaupt hier? Draco schien meine Gedanken zu erraten, denn er griff beruhigend nach meiner Hand und zog mich sanft aber bestimmt hinter sich her zum Haus, wo er dann anklopfte. Sogleich ertönten Schritte und keine Minute später öffnete ein weißblonder Mann die Tür, der sehr starke Ähnlichkeit mit Draco hatte. Das musste dann wohl sein Dad, Lucius Malfoy sein. Zuerst begrüßte er seinen Sohn, dann wandte er sich an mich: „Sie müssen dann wohl Josephine sein, ich bin Lucius“. Während er dies sagte, streckte er mir seine Hand entgegen und erleichtert ergriff ich diese. Nachdem wir die Tür hinter uns geschlossen hatten erschien auch Narzissa Malfoy, die mir gegenüber noch eine Spur kühler war als ihr Mann, doch man sah ihr an, dass sie sich für ihren Sohn nur das Beste wünschte und das genügte mir fürs erste. Das Essen verlief anfangs schweigend, aber mit der Zeit entstand eine rege Unterhaltung und irgendwann fielen dann die letzten Barrieren. Erfreut ließ ich mich von Dracos Eltern nunmehr in der Familie willkommen heißen. Allen meinen Zweifeln zu trotz war es ein wirklich schöner Abend gewesen. Allem Anschein nach hatte nicht nur Draco sich nach der Schlacht von Hogwarts verändert sondern auch seine Eltern, denn ich konnte mir nicht vorstellen, dass Lucius zu seinen Zeiten als Todesser mich so einfach in seiner Familie begrüßt hätte, mich! Nach diesem Tag bei den Malfoys wurden wir regelmäßig eingeladen, wobei ich mich von Mal zu Mal besser mit Narzissa verstand, die sich alle Mühe gab nett zu sein. Das Weihnachtsfest stellte Draco und mich dann allerdings vor eine neue Herausforderung, denn wir hatten beschlossen unser beider Eltern zu uns einzuladen. Das wäre das erste Mal, dass sie sich so gegenüberstehen würden. Um ganz ehrlich zu sein, hatte ich Angst. Nur zu gut konnte ich mich an die Reaktion meines Dads erinnern, als er Draco gesehen hatte. Auch mein Freund schien ein wenig besorgt zu sein, doch ich wurde das Gefühl nicht los, dass seine Besorgnis einen anderen Grund hatte als die meine. Zur allgemeinen Überraschung gab es jedoch weder feindselige Blicke noch spitze Bemerkungen, was mich sehr erleichterte. Der Abend war sehr schön, doch irgendwie hatte ich das Gefühl, dass alle Anwesenden, ich einmal ausgeschlossen, auf etwas Bestimmtes zu warten schienen. Nachdem wir den Nachtisch, ich hatte köstlichen Kokos- Schokopudding gekocht, aufgegessen war, setzten wir uns aufs Sofa und die Spannung war inzwischen beinahe greifbar. Was war hier los? Wieso wussten es alle außer mir? Fragend blickte ich meine Mum an, doch die grinsten mich nur amüsiert an und auch Lucius wirkte reichlich belustigt aufgrund meiner Unschlüssigkeit. Erst jetzt fiel mir auf, dass Draco nicht da war. Wo war der denn nun schon wieder hin? Gerade als ich aufstehen und nachsehen gehen wollte, erschien er allerdings wieder im Türrahmen. Langsam kam er auf mich zu. Plötzlich fiel er auf die Knie und zog eine kleine Schachtel aus seiner Tasche, die er öffnete und somit einen wundervollen Goldring mir einem helllila Stein zutage beförderte. „Josephine Diggory, willst du mich heiraten?“, fragte er und im Hintergrund konnte ich sehen, wie meine und seine Mum sich anlächelten. Ich hingegen war mit der Situation heillos überfordert und brachte keinen Ton heraus. „Fine?“, hakte Draco etwas unsicher nach, da ich kein Wort sagte und endlich hatte ich mich wieder im Griff. „Ja“, erwiderte ich, „ja, natürlich, ja, ja, ja“. Noch während ich sprach schlang ich meine Arme um Draco und drückte ihm schließlich einen Kuss auf, woraufhin unsere Eltern Beifall klatschten. Die Hochzweit fand im darauffolgenden Sommer auf dem Anwesen der Malfoys statt und in meinem helllila- weißen Brautkleid fühlte ich mich wie eine Prinzessin. Überglücklich ließ ich mich von meinem Dad zum Altar führen, wobei er fast ebenso strahlte wie ich. Nach der Trauung überraschten uns Dracos Eltern damit, dass sie uns ein kleines Haus besorgt hatten, da sie der Meinung waren, dass unsere Wohnung zu klein wäre. Knapp zwei Jahre nach der Hochzeit wurde ich schwanger und genau am Weihnachtstag wurde dann unser Sohn Scorpius Cedric geboren. Der kleine hatte Dracos helle Haare und, wie nicht anders zu erwarten, graue Augen. Drei Jahre nach ihm bekamen wir noch eine Tochter, der wir den Namen Ivy- Márie gaben. Auch sie hatte graue Augen und blonde Haare, wobei ihre einen Tick dunkler waren als die ihres Bruders. Ich hatte es wirklich geschafft. Ich war glücklich und das nur dank Draco, der mir beigebracht hatte wieder zu leben. Jetzt würde ich nicht mehr davonlaufen, denn nun hatte ich eine eigene Familie, die mich brauchte und die ich mehr als alles andere auf der Welt liebte.

Kommentare (22)

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Katy & Lily (99430)
vor 36 Tagen
Wow!!! So viele Wörter!!! Mega cool!!!
Himmelsfeder (50602)
vor 563 Tagen
Kann mir jemand erklären was hier gemeint ist?:

Nun ruhte die Blicke der beiden auf mir und das ganze wurde mir von Sekunde zu Sekunde unangenehmer, bis George schließlich sagte: „Du bist etwas besonderes, Elektra, du bist nicht farblos, du leuchtest… schau doch mal“. Zögerlich betrachtete ich meine helle Haut und hielt mir eine meiner weißblonden Haarsträhnen vors Gesicht. Es stimmte. Es sah wirklich so aus, als würden meine Haare leuchten. Da erst wurde ich mir vollends dessen bewusst, was George gesagt hatte und augenblicklich schoss mir die Röte in meine sonst so blassen Wangen.

LG

Himmel
Himmelsfeder (64871)
vor 566 Tagen
Cooooooool. Einfach genial.
.mrxrielu. (69645)
vor 620 Tagen
Geniale Idee - genial umgesetzt!!!
AmyAnime Lovegood (83090)
vor 659 Tagen
Josephines Story ist echt süüüüüüß !!!
Kann es sein das du denn Namen Ivy-Márie aus "Erben der Nacht" hast ?
Die restlichen Storys mag ich aber auch ! ;)
Lyanna (59717)
vor 670 Tagen
Die Geschichten sind alle supiiiiii!!
Und ich finde es sehr nett von dir dass Remus,Sirius,Tonks umd Regulus nicht sterben.
Gwendolyn.R (38339)
vor 806 Tagen
Jede der Geschichten War auf ihre Art toll😍😍😍
Kira (45773)
vor 818 Tagen
Warum kommen fast immer die gleichen Jungs vor? Mit der Zeit wirds langweilig. Ich mag Fred und George aber Liebesgeschichten mit denen sind langweilig. Meine Lieblings Character sind Draco♥ und Voldemort♡. Ich mag mehr die böseSeite da ist mehr Spannung.
kira (20088)
vor 839 Tagen
Genial. Einfach genial!!!!
KleinTini (09544)
vor 865 Tagen
OMG das ist so schön😍 ich weiß Garnichts welche meine Lieblingsgeschichte ist ❤
MissChyoko (86551)
vor 883 Tagen
Ohhhh jaaaa!!!! Eine Harry-Geschichte!!! Das wäre toll!!! ♥ Dein Schreibstil gefällt mir, aber ich fände es schöner, wenn du es ein bisschen mehr zwischen den beiden Personen knistern lässt. Ich habe jetzt nur die Draco-Story gelesen, aber ich finde deine Ideen echt cool.
harrypotterfan (01846)
vor 889 Tagen
Hi, ich finde deine geschichten echt klasse!!! Und ich hinterlasse so gut wie nie einen kommentar! Kannst du vielleicht eine geschichte mit harry schreiben? Ich wäre dir unendlich dankbar! Dein harrypotterfan
Aqua (59031)
vor 907 Tagen
Bei Elektras Geschichte musste ich weinen!😭
lilli und ginny weasly (92628)
vor 928 Tagen
Lilli: danke , dass du fred überleben lässt.

Ginny : super geschichte
Em (65937)
vor 1113 Tagen
Am schönsten finde ich Elekras story die ist so schön und traurig! Aber es sind alle gut schreib bitte weiter!
Skyfire (53694)
vor 1158 Tagen
Echt gut geschrieben mach bitte weiter :)
verbavera (62506)
vor 1209 Tagen
This is really cute story - and I say that although I can't understand all the german words!
joelle (33410)
vor 1290 Tagen
hallo :) Ich bin neu und habe gerade das 3 Kapitel meiner geschichte draussen:) könnt ihr sie vielleicht mal lesen? Wäre echt nett kommentiert mir dann ob sie euch gefallen hat :) einfach Liebesgeschichte Draco eingeben bei Fan Fictions :) Danke
& Ich liebe deine gschichte *0*
heii (68775)
vor 665 Tagen
Irgendwie schräg...
Abby Sciuto (97054)
vor 665 Tagen
Ähm, ja, irgendwie seltsam, oder nicht? Wie ist so etwas überhaupt möglich??? Wäre schön wenn sich Melli155 mal dazu äußern könnte. *räusper*