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Schatten der Nacht

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3 Kapitel - 1.134 Wörter - Erstellt von: KatherinaMiller - Aktualisiert am: 2013-01-01 - Entwickelt am: - 1.103 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt

Das ist mir wirklich passiert, und zwar genau so, ich habe kein einziges Detail verändert. Es war letzten Sommer, nach den Ferien.

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    Mit meinen geöffneten Auge starrte ich an die Decke. Seit über zwei Stunden lag ich jetzt wach und dachte über so einiges nach, über die Schule, meine Zukunft, mein Leben, wie es jetzt ist, aber auch darüber, wen ich wählen würde, wenn ich volljährig wäre oder den Krieg im Irak. Als ich zum bestimmt zehnten Mal auf den Radiowecker neben meinem Bett sah war es genau ein zwölf Uhr. Ich fragte mich, wie lange das noch so gehen soll und stand schließlich auf. Bewegung half mir immer beim Einschlafen, aber es war schon so spät und ich wollte Mum und Dad nicht wecken. Draußen würde ich niemanden stören. Es war nicht kalt draußen, also ließ ich meinen Schlafanzug an und zog nur eine leichte Jacke und meine alten Lieblings-Turnschuhe drüber, die ich bei jedem Wetter trage, egal ob Schnee, Regen oder Sonne. Ich steckte meinen Hausschlüssel in die Hosentasche und dann machte ich mich aus dem Staub. Es war nicht so warm, wie ich angenommen hatte, aber ich wollte jetzt nicht noch mal ins Haus gehen. Ich lief die lange gerade Straße entlang, in der unser Haus neben vielen anderen Häusern stand, die alle verschieden aussahen, keines war wie das andere. Nach etwa hundert Metern bog ich nach links, in eine kleine Seitenstraße ab. Das Licht der Laternen war hier ganz anders, als auf der Hauptstraße, es war kalt, im Vergleich zu dem hellen orange der Hauptstraßen-Laternen. Ich lief die Straße ein ganzes Stück hinunter, bis sich eine weitere, noch kleinere Nebenstraße von ihr Abzweigte. Ich hatte sie vorher nie betreten, ich konnte mich auch nicht erinnern, jemals daran vorbeigegangen zu sein. Dort waren keine Laternen mehr, man konnte nur knapp einen Meter in den Weg hinein sehen, er war nicht asphaltiert, es war nur ein schmaler Feldweg, mit einem hohen Gras-Streifen in der Mitte. Ich strengte meine Augen an und versuchte irgendetwas zu erkennen, das weiter hinten lag. Alles, was ich sah, war Schwärze. Plötzlich schlug mir ein eiskalter Wind von dort entgegen, ich meinte eine Stimme darin zu hören. Mein Herz schlug wie verrückt, als würde ich gerade Achterbahn fahren. Ich sah einen dunklen Schatten, auf dem grauen Asphalt vor meinen Füßen. Panik erfasste mich, ich lief los, so schnell ich konnte. Die Hauptstraße schien immer weiter weg zu rücken, in ungreifbare Ferne. Und es verfolgte mich, was immer es war, ich konnte es direkt hinter mir spüren. Ich schloss die Augen und gab noch einmal alles, rannte so schnell, wie ich noch nie gerannt war. Als ich sie wieder öffnete, war ich kurz vor der Hauptstraße. Es verschwand hinter mir und löste sich in Luft auf. Mitten auf der Straße blieb ich stehen und Atmete erleichtert auf. Ein Jugendlicher, der mich aus der Seitenstraße hat kommen sehen glotzte mich an, als wäre ich eine Verrückte. Dann richtete er seine Aufmerksamkeit wieder auf sein Handy und bog in die Straße, aus der ich gerade eben noch panisch geflüchtet war. Ich ging wieder nach Hause. Erst als ich schon vor der Haustür stand und den Schlüssel ins Schloss steckte hörte ich langsam auf zu zittern. Den Rest der Nacht tat ich kein Auge zu.

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    Als um sechs mein Wecker klingelte, war ich immer noch wach und konnte gleich aufstehen. Es lief alles wie jeden Morgen ab: Aufstehen, fertig machen, frühstücken, zum Bus laufen. Als ich auf dem Weg zum Bus an der Seitenstraße vorbei lief, konnte ich den Feldweg weiter hinten nicht sehen. Ich wollte heute Nachmittag unbedingt noch einmal dort hin, um mir alles dort bei Tageslicht anzusehen. Ich wollte wissen, was dort war. In der Schule war ich die ganze Zeit irgendwie Abwesend, ich dachte fast nur noch an letzte Nacht. Wenn mich jemand von hinten abtippte, zuckte ich zusammen, so schreckhaft war ich. Als dieser scheinbar Endlose Schultag doch ein Ende hatte und ich im Bus nach Hause saß, nickte ich ein. Ich hatte schließlich die ganze Nacht nicht geschlafen und war todmüde. Als der Bus mit einem Ruck anhielt, wurde ich wieder wach gerüttelt. Als ich auf dem Heimweg wieder an der Straße vorbeiging dachte ich:"Ich geh'jetzt hin, dann hab' ich es hinter mir" Und so bog ich wieder in die Straße von gestern Nacht ein. Bei Tag war der Feldweg überhaupt nicht mehr unheimlich, ein ganz normaler Feldweg eben. Ich ging hinein und stellte fest, dass der Weg eine Sackgasse war. Am Ende des Wegs stand ein altes, baufälliges Haus, dem teilweise die Fenster fehlten. Ansonsten waren links und rechts keine Häuser, nur einige kleine Grundstücke, die man sich als Gärten mieten konnte, wenn man in seiner Wohnung keinen hatte. Da ich sonst nichts Besonderes fand, ging ich wieder nach Hause. Trotzdem ließ mir die Sache keine Ruhe. Ich musste noch einmal dorthin, bei Nacht, heute Nacht.

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    Ich wartete, bis meine Eltern im Bett waren, dann stand ich leise auf, zog mich an und verließ, mit einer Taschenlampe und Pfeffer-Spray bewaffnet das Haus. Es war heute noch dunkler, als gestern, wir hatten Neumond und der Himmel war bewölkt. Ich lief mit schnellen Schritten geradewegs zu dem Feldweg. Diesmal würde ich nicht weglaufen. Als ich an der Stelle, angelangt war, an der ich letzte Nacht Panik bekommen hatte, wurde mir doch ein wenig mulmig. "Da ist nichts, da ist nichts, da ist nichts", redete ich mir ein. Ich schaltete die Taschenlampe an. Es war alles, wie bei Tag. Auch weiter hinten, bei dem baufälligen Haus, war nichts Auffälliges. Ich ging rückwärts wieder zurück auf die Hauptstraße und schaltete erst da die Taschenlampe aus. In dieser Nacht konnte ich ruhig schlafen.



    Erstaunlich, was man sich so alles einbilden kann, oder? Ich bin normalerweise kein Angsthase, aber übernatürliches und unheimliche Orte, Sachen, die man nicht greifen kann, denen man nicht ins Gesicht schlagen oder zwischen die Beine treten kann, wenn sie einen angreifen, vor diesen Dingen habe ich wirklich Angst.

Kommentare (1)

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hogwarts & manga fan (78406)
vor 762 Tagen
Spannend^^ zuerst konnte ich nicht glauben das du das selbst erlebt hast^^ du hast einen fesselnden schreibstil, weiter so^^