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One Piece Lovestory Rollentausch

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1 Kapitel - 4.552 Wörter - Erstellt von: ZuckerwatteChopper - Aktualisiert am: 2012-12-15 - Entwickelt am: - 5.346 mal aufgerufen - User-Bewertung: 4.11 von 5.0 - 9 Stimmen- Die Geschichte ist fertiggestellt

Zorro und Sanji haben die Rollen getauscht .
Was wird wohl passieren?

    1
    Seit etlichen Tagen regte sich kein Lüftchen und hatte die Strohhutpiraten in eine dicke Flaute gebracht. So trieb die Thousand Sunny gemächlich auf den langsamen Strömungen der Grandline umher und schien genauso verschlafen wie die Stimmung an Bord. Glücklicherweise war das Wetter angenehm und die Strahlen der Sonne beschienen das Deck, wärmten das Gras, auf dem es sich die Damen der Bande gemütlich gemacht hatten. Nico Robin, eine sehr schöne Frau Ende Zwanzig, steckte ihr schmales Näschen in ein abgegriffenes Buch über Altertumskunde, so wie sie es meistens tat, wenn die Langeweile wieder einmal um sich griff. Das war ihre Weise dem dümmlichen Treiben von Ruffy, eurem kindsköpfigen Kapitän, aus dem Weg zu gehen. Dieser kullerte zwischen den Nakamas hin und her, versuchte ein wehrloses Opfer zu finden, mit dem er ein bisschen herumalbern konnte. Erst hatte er es bei Brook und Franky versucht, die zusammen auf der Reling saßen und ein bisschen auf ihren Instrumenten herumklimperten. Nein, Musik war nicht das, was die Strohbirne interessierte, auch wenn er froh war zwei unterhaltsame Männer in seiner Crew zu haben.
    Der kleine, knuddelige Chopper war das nächste Ziel. Tony Chopper war ein schüchterner Rentiermensch mit einer blauen Knopfnase, die von seinem hellbraunen Fell abstach, wie ein Signalfeuer. Er war Schiffsarzt und Haustier in einem und erfreute sich großer Beliebtheit bei den weiblichen Crewmitgliedern. Zu niedlich war er, als dass ihr euch verkneifen konntet das Fellbüschel bei jeder Gelegenheit abzuschmusen, was wiederum dem armen Chopper nicht gefiel, auch wenn er sehr geschmeichelt war. Selbstredend hätte er das niemals zugegeben. Neben Ruffy und Lysop, bei dem der Kapitän meist Erfolg mit seiner aufgedrehten Art hatte, war das Rentier der Clown der Besatzung. Aber heute war die Sonne so herrlich warm und der wuschelige Arzt zog es vor bäuchlings im weichen Gras zu liegen und sich ein wenig den Pelz bescheinen zu lassen.
    Lysop, der selbsternannte Krieger des Meeres und mutigster Mann der Welt (seiner großen Klappe nach), hockte teilnahmslos neben dem Musikanten und dem Schiffszimmermann und ließ die schlaksigen Beine über das Schiffsgeländer baumeln. In seiner Hand hielt er eine Angel, an der einfach nichts anbeißen wollte. Stöhnend stützte er den Kopf auf und gaffte in die weite Ferne des Ozeans. Woran er dachte, konnte man nur schwer erraten. Vielleicht an seine Miss Kaya? Jedenfalls war er in Gedanken so weit weg, dass Ruffy's nervtötendes Gequieke nach Unterhaltung zu einem Ohr rein und zu anderen wieder hinaus ging. Viele Nakamas seiner kleinen, spezialisierten Truppe waren nun nicht mehr übrig. Schwarzfuß Sanji hockte im Krähennest und war vorerst vor dem Gequengel des Strohhutes sicher. Blieben nur noch Nami und du. Ihr beide lümmeltet euch auf den Liegestühlen neben Robin herum und gönntet euch, genau wie Chopper, ein ausgedehntes Sonnenbad. Die rothaarige Navigatorin mit den sinnlichen Kurven döste lächelnd. Dergleichen hattest du eigentlich auch gemacht, bevor die gummihaften Hände von Ruffy an deiner Schulter zu zerren begannen. Spitze, jetzt war du also das auserkorene Rübenschwein des Tages und wer die aufdringliche Ader von Monkey D. Ruffy kannte, wusste, dass es kein Entrinnen gab. Grummelnd klatschtest du deine Hand in sein Gesicht und versuchtest die Nervensäge von dir zu schieben... wie einen hechelnden Hund, der nach Aufmerksamkeit bettelte.
    „Ach komm schon!“, maulte dein überdrehter Kapitän und ließ kurz den Halter deines schwarzen Bikinioberteils schnipsen, „Mir ist so öde! Lass uns irgendetwas machen, ja?“
    „Und was?“
    „Wie wäre eine Tour mit dem Unterseeboot?“, begann Ruffy herum zu springen und legte das gewinnbringendste Lächeln des Jahres auf. Seufzend drehtest du deinen Kopf zur Seite, weg von dem jungen Mann mit den schwarzen Haaren und sahst hilflos zu Robin, die schelmisch über den Rand ihres Buches grinste. Nicht schon wieder eine Exkursion zum Grund des Meeres! Bitte…
    „Mit dir ganz bestimmt nicht, Gummiblödel!“, fauchtest du, „Das letzte Mal sind wir deinetwegen fast abgesoffen!“
    „Das war nicht meine Schuld!“, fiepte Ruffy da und nahm sich den Hut vom Kopf, drehte ihn reumütig in seinen schlanken Händen. So, wie er es meistens tat, wenn er Mist gebaut und euch metertief in die Scheiße geritten hatte. Gestern hattest du dich von Ruffy und Brook breitschlagen lassen mit dem kleinen U-Boot des Schiffes ein wenig durch die Gegend zu düsen. Du musstest fahren, da Robin keine Zeit und vor allem keine Lust hatte. So etwas hättest du wohlmöglich auch sagen sollen, aber wie das mit dem kleinen Wörtchen nein nun mal so war, kam es dir einfach nicht über die Lippen. Gut, dein Testament hattest du ja kurz nach dem Eintritt in die Mannschaft geschrieben. Die Verteilung deiner sieben Sachen war demzufolge geklärt und bei dem Bisschen, was du dein Eigen nennen konntest, war es echt kein großer Verlust. Das aber dein eigener Kapitän dir beinahe höchstpersönlich das Lebenslicht ausgepustet hätte, war dir, als du zusammen mit den beiden in das Bötchen geklettert warst, nicht in den Sinn gekommen. Beim Anblick des alten, halbtoten Seekönigs war Ruffy vor Freude an die Decke gegangen und flipperte in der Enge des Bootes umher wie ein abgefeuertes Präservativ. Ihr befandet euch sehr tief unter Wasser und der Druck, der auf dem U-Boot lastete war enorm. Brook, das Skelett mit dem mörderischsten Afro, den man sich vorstellen konnte, und du wagten kaum zu atmen, da die metallene Außenverkleidung eures Transportmittels sowieso schon knackte und knirschte, als würde sie jeden Augenblick auseinander fallen. Ruffy's lautstarkes Gehopse jedoch war einfach zu viel und so war eine der Schweißnähte geborsten und hatte das erste, kalte Wasser eindringen lassen. Böse hatte sich die Wand um das Leck nach innen gebogen und du warst froh, als ihr endlich wieder an der Oberfläche ankamt. Du mochtest Ruffy und warst froh Teil seiner Bande zu sein, aber an diesem Tag hättest du ihn am liebsten umgebracht.

    „Kannst du nicht jemand anderem auf den Wecker fallen?“, quäktest du und schubstest deinen Kapitän erneut davon, „Wenn du auf Selbstmordkommandos stehst, geh doch zu Zorro!“
    „Geht nicht.“
    „Wieso denn das?“, hobst du fragend eine Augenbraue und setztest dich gequält auf. Ruffy war der Einzige, der den mürrischen Zorro, die alte, Schwert schwingende Schlaftablette, zu etwas bewegen konnte, außer mit griesgrämigem Gesichtsausdruck in der Gegend herumzusitzen und seine geliebten Schwerter anzubeten. Lorenor Zorro war, in Ermangelung einer treffenderen Bezeichnung, der Typ von Mensch, von dem man mit Fug und Recht sagen konnte: Harte Schale, weicher Kern. Er war ein alteingesessenes Mitglied der Besatzung und Ruffy bedingt früher beigetreten als du. Viel wusstest du nicht von ihm, auch wenn du jederzeit auf seine Stärke und seine Loyalität bauen konntest. Für gewöhnlich hattest du nicht viel mit ihm zu tun, auch wenn euch eine große Leidenschaft vereinte. Die Vorliebe für scharfe Dinge. Zorro war der wohl bekannteste Schwertkämpfer des East Blue und hatte sich mit der Jagd nach den Kopfgeldern von Piraten über Wasser gehalten. Nun machte er sich unter der Flagge der Strohhutpiraten einen Namen, arbeitete besessen auf den Tag hin, an dem er Falkenauge wieder gegenübertreten würde. Früher oder später, so warst du dir sicher, würde er diesen Mann besiegen und bester Schwertkämpfer der Welt werden, doch wann das war, wusste nicht einmal der junge Mann mit der auffälligen, grünen Stoppelfrisur.
    Ihr wart grundverschieden. Er, der Ehrenhafte, der seine Kämpfe Mann gegen Mann austrug und du, die Schattenläuferin, die Frau, die aus dem Hinterhalt agierte und mit vergifteten Dolchen hantierte. Verrat und Unterwanderung waren dein Metier. Eine Schurkin genoss nicht viel Ansehen in dieser Welt und doch gehörtest du zu diesem bunten Trupp, wurdest akzeptiert und geliebt für das, was du eigentlich warst. Ein treuer Freund und verlässlicher Kamerad, der seinen Gefährten in jeder Schlacht bis zum bitteren Ende beigestanden hatte. Und doch klaffte ein Spalt zwischen dir und dem inoffiziellen Vizekapitän der Strohhutpiraten. Schwertmeister sahen Schattenläufer nicht unbedingt als gleichberechtigt an, auch wenn sie ihnen äußerst gefährlich werden konnten. Darum trainierten Zorro und du nicht miteinander, obwohl es euch beiden sehr viel gebracht hätte. Um ein friedliches Zusammenleben bemüht, gingt ihr respektvoll miteinander um. Das war aber auch wirklich das Äußerste, was man von euch beiden verlangen konnte! Nein, ihr wart keine Feinde, nur eure Sichtweisen waren zu konträr, als dass ihr jemals auf einen Nenner gekommen wärt…

    „Jetzt spuck es schon aus, Strohmännchen!“, geifertest du Ruffy an, der seinen Hut immer noch schmollend herumdrehte und seine Lippen zu einer schmalen Line verzogen hatte. Hinter seinem Rücken zauberte er schließlich eine verbeulte Suppenkelle hervor und hielt sie dir unter die Nase. Der Hauch einer Ahnung streifte dich und es bedeutete nichts Gutes, auch wenn sich das ganze zum Brüller des Jahrhunderts entwickelte.
    „Der steht in der Küche und kocht das Mittagessen.“, klimperte dein Kapitän mit den Wimpern und begutachtete die Kelle mit leidlicher Miene.
    „Oh, oh…OH!“, gafftest du mit großen Augen den Hauptmast der Sunny an und schnapptest nach Luft. Das hattest du ja völlig vergessen! Es war kein Geheimnis, dass sich der Smutje Sanji und Zorro nicht gerade gut verstanden. Sanji mochte die harsche Art des Spinatschädels, wie er den Schwerkämpfer bisweilen betitelte, nicht und Zorro konnte die frauenschwärmerische Art des Kochs nicht ab. So ganz verstand niemand, warum das so war. Diese Antipathie hatte sich im Laufe der Zeit von ganz alleine entwickelt. Wenn Zorro nicht gerade schlief oder trainierte, dann kabbelte er sich mit dem Smutje wegen den geistlosesten Dingen, an die normale Menschen nicht einmal einen Gedanken verschwendet hätten. Nun ja, jeder hatte so seine Hobbies und Ruffy ließ sie gewähren, wusste er, dass, wenn es Hart auf Hart kam, die beiden Gockel durchaus zusammenarbeiten konnten. Vor einer Woche jedoch, kurz bevor die Flaute einsetzte, hatten sich die beiden wieder einmal gestritten. Grund dafür, warst du. Zorro hatte dich wegen irgendeinem Schwachsinn einmütig angepöbelt, doch Sanji missverstand die Aktion und ging dazwischen, lieferte sich einen heftigen Schlagabtausch mit dem Schwerkämpfer. Wie bei allen Frauen der Bande sah der Smutje es als seine hochheilige Pflicht dich zu beschützen. Vor allem aber gegen diesen tumben Säbelrassler, der es wagte eine seiner Blüten mit seinem dreckigen Wortschatz anzufallen. Es endete damit, dass die beiden halb benommen auf dem Boden lagen und sich nur noch schwächliche Beleidigungen zuhauchen konnten. Zorro meinte, dass Sanji gut und gerne mit ihm tauschen könnte, um zu verstehen warum er so war, wie er war. Der blonde Koch ging darauf ein, wohl aber auch, weil er dir imponieren wollte, da du diesem Kaspertheater mit einer dicken Schweißperle auf der Stirn zugesehen hattest. Seitdem war der Rollentausch in vollem Gange und uferte dermaßen aus, dass Sanji und Zorro sogar die Kleidung getauschten hatten. Freilich hatte Zorro seine Schwerter behalten, aber es schien den beiden Streithähnen großen Spaß zu machen für eine Weile in die Haut des anderen zu schlüpfen. Zumindest war erst einmal Ruhe im Karton und diese kleine Auszeit wurde von allen genossen.
    Du hingegen sahst schon die nächste Lawine auf euch zurollen. Zorro in der Küche! DAS war wirklich ein Himmelfahrtskommando. Mal abgesehen davon, dass er euch wohlmöglich Salmonellen auf Lebensmittelvergiftung kredenzte, warst du überzeugt, dass er die innig geliebte Küche von Sanji verwüsten würde. Vor deinem geistigen Auge sahst du die Sunny schon in Flammen aufgehen. Der Smutje würde einen Anfall erleiden und Zorro erwürgen oder ihn auf den Mond kicken… oder beides. Der Frieden, der durch den Tausch eingetreten war, war einfach zu schön und du wolltest, im Sinne deiner Nakamas, dem nächsten Krach einen baldigen Riegel vorschieben. Eigentlich wäre das ja Aufgabe des Kapitäns, aber Ruffy war nun mal…tja, Ruffy…

    Fluchend sprangst du auf und eiltest an dem Strohhut, der flehend auf dem Rasen hockte und ein Gesicht zog wie sieben Tage Regenwetter, vorbei unter Deck. Dabei betetest du leise, dass nicht gleich irgendetwas explodierte oder Zorro dir als lebende Fackel entgegen gerannt kam. Bei seiner gelegentlichen Ungeschicktheit hätte er wohl auch für einen Aufstand unter den Sauergurken gesorgt, welche ihn dann, mit Gabeln und Löffeln bewaffnet, über das Schiff gejagt hätten. Wer sich selbst in einem Dorf mit zehn Häusern verlief, bekam auch so einen Unfug zustande!
    Der Geruch, der dir aus der Küche entgegen wehte war undeutbar, wenn auch beruhigend. Es roch nicht nach Chaos oder Schlimmeren. Soweit so gut und trotzdem zögertest du durch die angelehnte Tür zu spitzen. Eine giftige Verwünschung und das laute Blubbern eines seltsamen Eintopfs ließen dich schließlich doch eintreten. Was du sahst war ein heilloses Durcheinander. Alle Schränke waren aufgerissen und deren Inhalt durchwühlt worden. Mehl und Soßenbinder staubte durch die Luft. Glibberig tropfte eine graubraune Brühe von der Anrichte und kleckerte auf den einstmals sauberen Küchenboden. Zerschnibbelte Tomaten, Möhren, Fleisch und sonstige Nahrungsmittel lagen kreuz und quer. Man wollte glauben, dass Zorro für eintausend Mann gekocht hätte und nicht für euch zehn. In dieser postapokalyptischen Küchenhölle Allerlei stand ein ziemlich entnervter Zorro und raufte sich das kurze Haar. Um seinen flachen Bauch hatte er sich eine Schürze mit der Aufschrift: `Kiss the cook' gehangen und sie reichlich eingesaut, genauso wie sich selbst. Er schwitze und stank, als wäre er gerade in einen Kamin gefallen. Es fiel dir schwer nicht einfach loszulachen.
    „Ruffy!“, belferte der Schwerkämpfer mit dem Rücken zu dir gewandt und grabschte nach einem Kochlöffel, „Ich bin beschäftigt. Geh und nerv den Schattenläufer!“
    „Das hat er bereits, mein Lieber.“, schnauftest du und konntest dir endlich Ruffy's Besitz der Suppenkelle erklären. Zorro musste sie dem Gummijungen einfach an den Kopf geworfen haben, um ihn aus der Kombüse zu vertreiben. Überrascht wirbelte der junge Mann herum und sah dich an, als wärst du die letzte Person auf Erden von der er in solch einer Lage erwischt werden wollte. Du musstest dir eingestehen, dass ihm der feine Anzug wirklich stand, auch wenn der Stoff etwas zu lang war, da Sanji weitaus größer war als der Vize. Mit einem peinlichen Rot auf den Wangen schnellte Zorro auf dich zu und legte seine Hände auf deine Schultern, holte tief Luft und sah dich blass an: „Hallo meine… äh…Göttin… und so!“

    Ach, du meine Güte!

    „Du nimmst es aber sehr ernst mit dieser Tauschsache, hä?“, lachtest du und verschränktest die Arme vor der Brust. Nein, das passte einfach nicht zu Zorro, dem Sanji's typische Ausbrüche mehr als unangenehm waren. Aber ein Tausch war nun mal ein Tausch und wer zuerst aufgab, der hätte verloren und musste eingestehen, dass der Widersacher doch der Bessere war. Sprich: Mehr Eier in der Hose hatte. Was das dem Gewinner auch immer bringen mochte…
    „Soll ich ehrlich sein?“, flüsterte Zorro und huschte zur Tür, um sie zu schließen, „Es ist die Hölle! Lieber lasse ich mich noch mal von Falkenauge aufschlitzen, als dass ich so einen Schwachsinn mitmache.“
    Du hobst eine Augenbraue und schlendertest zu dem Kochtopf, der verschwörerisch auf dem Herd herumwackelte und Dampfwölckchen in der Form von kleinen Totenköpfen von sich gab. Ja, das war übertrieben ausgedrückt, aber die braune, zähflüssige Suppe, die da so unheilschwanger köchelte, sah aus wie eine deiner Giftmischungen. „Na ja, vielleicht beruhigt es dich zu wissen, dass es dem Kartoffelschäler nicht anders geht.“
    „So?“
    „Jup, der langweilt sich im Krähennest zu Tode.“, gluckstest du, „Am meisten scheint ihn aber zu stören, dass er die Mädels nicht mehr umschwärmen darf. Da hast du ihm einiges voraus.“
    „Ich bepiss mich gleich vor Lachen, Schattentrulla!“, schimpfte Zorro und riss sich die Schürze vom Leib, feuerte diese wütend in eine Ecke und würdigte sie keines Blickes mehr. Nicht nur genug, dass er sich benehmen musste wie ein unrettbarer Stalker, der den Weibern auf den Leim ging, nein, jetzt musste er sich auch noch von dir veralbern lassen! Dabei hatte er gehofft zumindest von dir etwas Zurückhaltung und Feingefühl zu erfahren. Er mochte dich, sehr sogar, auch wenn er dir das nie gesagt hatte, aber dieser unverhohlene Spott kränkte sein Selbstwertgefühl. Dein pikierter Blick, den du ihn zuwarfst, als er dich so nannte, dämpfte seine Empörung allerdings gewaltig ab. Zorro wusste, dass dich solche Worte tief verletzten. Du warst nicht unbedingt stolz auf das was du warst, weil es dir in der Vergangenheit viel Ärger eingebracht hatte. Man wurde nicht zum Schattenläufer, weil es einem so in den Sinn kam. Schattenläufer waren eine Dynastie von Meuchelmördern, in die man hineingeboren wurde. Die Kinder hatten offiziell keine Eltern, sondern gehörten der Gilde, einem Verband von Auftragskillern, an. Ihr mordetet für Geld und wart sozusagen die Form des modernen Söldners. Auf einer spezialisierten, grausameren Ebene, versteht sich. Ruffy und Zorro trafen dich das erst mal an Bord eines kleinen Marineschiffs. Man hatte dich gefangen genommen, als einer deiner Missionen gescheitert war. Wer versagte, der verlor die Unterstützung der Innung und war von da an Freiwild. Für Piraten, als auch Marine. Die Leute deines Schlages kämpften für keine Seite, boten ihre Dienste aber den beiden Gegenparteien an. Um die Auftraggeber nicht zu verraten mussten Schattenläufer, die Fehler begangen hatten, sterben. Das war dein Schicksal, dem Kapitän Ruffy nicht tatenlos zusehen wollte. Du hattest keine Familie, keinen Ort an den du noch gehen konntest und Ruffy war dermaßen von deinem unlauteren Job fasziniert, dass er dich prompt anheuerte. Dieser alte Spinner! Aber du warst ihm dankbar für deine Rettung und die Menschlichkeit mit der er dich behandelte. Zu selten war man dir freundlich begegnet und dieses Gefühl der Zugehörigkeit war so neu und anders für dich, dass du seine Einladung annahmst. Von da ab wart ihr Nakamas, die durch dick und dünn gingen.
    Deinen Namen hattest du lange Zeit vor ihnen verschwiegen. Nicht, weil er blöd klang, sondern weil man dir die langen Jahre während deiner Ausbildung eingetrichtert hatte, dass Namen das Wertvollste waren, was Schattenläufer besaßen. Es war das, was die Kinder der Nacht verletzlich machte und das wollte man um jeden Preis vermeiden. Du warst nur eine Nummer und der eintätowierte Barcode an deinem rechten Handgelenk war lange das Einzige, was dir eine Persönlichkeit gegeben hatte. Das du dich preisgegeben hattest zeugte von großem Vertrauen und du wusstest es zu schätzen, dass man dich namentlich anredete. Es machte dich einfach glücklich und Zorros brüske Art, die dich manchmal sehr traf, erinnerte dich oft an die Zeit, in der du ein Nichts warst. Austauschbar und ohne Gesicht.

    „Nah…!“, murmelte der Schwerkämpfer und drehte seinen Kopf zur Seite. Es tat ihm leid, aber eine Entschuldigung widersprach einfach seiner Natur. Kopfschüttelnd winktest du ab und wandtest deine Aufmerksamkeit wieder dem blubbernden Sud zu: „Ich nehme mal an, dass du das hier gekocht hast?“
    „Wonach sieht es denn sonst aus!“
    „Und, was ist es denn, Küchenchef?“
    „Etwas Essbares, hoffe ich.“, maunzte Zorro und trat hinter dich, gaffte verloren in die braune Pampe, die er da angerührt hatte. Er garantierte für nichts. Erheitert lachtest du erneut auf: „Das habe ich auch schon mitbekommen, aber WAS ist drin!“
    „Ist geheim!“, räusperte sich Zorro und zog den Topf von der Kochstelle. Es war sein erster Versuch mit warmen Essen. Eine Weile konnte er euch mit Broten und kalten Platten zufrieden stellen, aber irgendwann brauchte jeder etwas Warmes. Besonders, wenn man auf hoher See war. Stundenlang hatte Zorro die Kochbücher des Smutje gewälzt und einen Eintopf auserkoren. Eintöpfe waren seiner Meinung nach leicht. Man warf ein bisschen hiervon und ein bisschen davon zusammen, rührte es gut durch und schon konnte angerichtet werden. Aber was um alles in der Welt war denn ein Pangasius? Und wo war der Unterschied zwischen Dill und Oregano? Für Zorro sah das alles gleich aus. Fisch war Fleisch, Tomate gleich Gurke und Salz etwas, mit dem man wunderbar verschwenderisch umgehen konnte. Zuerst hatte er sich an das Rezept gehalten, als der Labskaus dann aber eine grüne Farbe angenommen hatte, war der Schwerkämpfer in Panik verfallen und hatte alles, was nicht niet und nagelfest war in dem kleinen Topf versenkt. Die halbe Küche war da drin und er hoffte, dass es schmecken würde, sonst hätte der Kochholzfetischist in seinem blöden Ausguck auf ewig etwas zu Lachen.
    Schweigend betrachtetest du deinen Nakama, wie er den Ultra-Eintopf noch einmal kräftig umrührte und dir den Löffel schließlich vor die Nase hielt: „Wenn du nichts dagegen hast?“
    Aha, so lief er Hase also! Du solltest hier das Versuchskaninchen spielen! Jetzt bereutest du in die Kombüse gegangen zu sein, denn dieses Zeug, was da klumpig auf dem Holzschöpfer schwamm, sah nicht gerade verlockend aus. Abwartend blickte Zorro dich an. Er wollte nicht betteln, aber es lag ihm viel daran, dass du als Erste kosten würdest. Wenn du danach immer noch stehen solltest, könnte er es den anderen servieren, ohne sich selbst vorwerfen zu müssen die Crew vergiftet zu haben.
    „Das ist eine verdammt Ehre, also nimm schon!“, knurrte Zorro, dem dein hervorgebrachtes Bedenken missfiel. So ganz ohne Eigensinn war das nicht, denn von dir konnte er Kritik leichter wegstecken, als vom Rest der Truppe. Deine Meinung war ihm nun mal wichtig. Nichtsdestotrotz gabst du schließlich nach. Die Neugier war stärker als deine Angst tot, mit Schaum vor dem Mund, nach hinten zu kippen und sollte das passieren, dann würdest du Zorro dermaßen in den Hintern treten, dass ihm Hören und Sehen verging.

    Die Augen des jungen Mannes klebten förmlich an deinem Mund, als du dir den Löffel prüfend in selbigen schobst und hochbeinig kautest. Die dicken Fleischstückchen zerfielen dir auf der Zunge und der bunte Mischmasch aus Gemüse gab dem ganzen eine fruchtige Note. Angestrengt versuchtest du herauszuschmecken was da nun gleich deine Kehle hinunterwandern würde, aber es war gut. Klar, mit Sanji's Essen konnte es nicht mithalten, aber nachdem du hintergekaut hattest, standst du immer noch auf den Beinen. Freudestrahlend lächeltest du dein skeptisches Gegenüber an.
    „Echt jetzt?“, fragte Zorro nach, schien aber ziemlich glücklich über deine Reaktion zu sein. Gierig tunktest du den Löffel zurück in den Pott, schaufeltest dir eine weitere Fuhre darauf und futtertest vergnügt weiter. Stumm beobachtete dich Zorro, sah zu wie du dir den Bauch voll schlugst, war aber nicht gewillt dich vom Naschen abzuhalten. Es war selten, dass ihr zwei so unbehelligt wart und das er mit dir reden konnte, ohne dass diese Kringelbraue um dich herumwuselte. Zorro genoss diese wenigen Momente, in denen ihm immer wieder auffiel, wie bezaubernd du eigentlich warst… Schattenläufer hin oder her. Nachdenklich legte er den Kopf schief, verzog dabei aber keine Miene und behielt sein Pokerface bei. Du gefielst ihm. Das hattest du schon immer getan und es ärgerte ihn, dass er nicht ein bisschen mehr wie Sanji sein konnte. Dann wäre es ihm wahrscheinlich leichter gefallen dir zu sagen, was er für dich empfand. Er hoffte nur, dass du das mit der Zeit erkennen würdest, denn Zorro konnte nicht so einfach über seinen Schatten springen und sich schmachtend um deinen Hals werfen.
    „Was ist los?“, merktest du an, als du den Löffel beiseite legtest und dir den Mund mit dem Handrücken abwischtest. Immerhin wolltest du deinen Kameraden nicht alles wegessen. Brummelnd machte Zorro eine wegwischende Bewegung und krallte sich die angeschlabberte Kelle, wollte sie gerade in den Eintopf stippen, als du ihm grinsend auf die Hand schlugst. Vorsichtig nahmst du das Essen und balanciertest es um deinen Freund herum, schlichst damit zur Tür und wackeltest frech mit dem Zeigefinger: „Der Koch isst immer zuletzt!“, lachtest du und öffnetest die Tür. Sanji würde Augen machen, wenn er erkannte, dass Zorro nicht nur auf dem Gebiet des Kampfes talentiert war. So wie es aussah, hatte der Stoppelkopf gewonnen und das musstest du dem Smutje beim Mittagstisch gleich unter die Nase reiben. So viel Schadenfreude musste sein… zumindest für diesen Tag.
    „Hey!“, rief dir Zorro nach und ließ dich warten. Vorwitzig schmultest du hinter dem Rahmen hervor und warfst einen letzten Blick auf den Schwerkämpfer, der wohl bis an sein Lebensende brauchen würde um das angerichtete Chaos zu beseitigen. Eine Weile blieb es still zwischen euch und Zorro schien wirklich noch etwas auf dem Herzen zu haben, so wie er da mit angespannter Miene stocksteif im Raum stand. Es bedurfte ihn so unglaublich viel Kraft das herauszubringen, was er schon seit langem sagen wollte. Dieser Augenblick, war perfekt und würde nicht mehr so schnell kommen. Das wusste er. Na los, Lorenor Zorro, feuerte er sich selbst an, das kann doch wohl nicht so schwer sein! Aber sein Mund blieb versiegelt. Nur seine Augen, die sonst so kalt auf alles und jeden herabsahen, sprachen für den Bruchteil einer Sekunde ganze Bände. Du verstandst und warst mehr als geschmeichelt, schenktest deinem Zorro das süßeste Lächeln. Er war wirklich ein liebenswerter Kerl und das Beste war, dass es Dinge an ihm gab, die nun mal nur du, aller Gegensätze zum Trotz, nachvollziehen konntest.
    „Tut mir leid.“, seufzte der junge Mann und ließ seine breiten Schultern hängen. Da verstrich wieder einmal eine Chance und Zorro bedauerte das sehr. Er konnte das einfach nicht, auch wenn er es noch so sehr wollte.
    „Ist schon gut.“, sprachst du, als du noch mal an ihn herantratst und ihm einen scheuen Kuss auf den Mund gabst. Er mühte sich wirklich ab, auch wenn er das nicht brauchte, denn es gab nichts zu sagen, was du nicht schon längst wusstest und selber fühltest.

    „Ich dich auch.“

Kommentare (3)

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fufuknuddelipups (83890)
vor 993 Tagen
Mal be andere perspektive so dass das mädchen schon in der gruppe ist und auch verbibdungen zu den anderen aufgebaut hat rundum eine gelungene storry gefällt mir gut
Außerdem sind die charaktere so wie im manga/anime das schäze ich sehr ^^
Payhton (62064)
vor 1053 Tagen
Ich finds voll schön
Kasumi (18581)
vor 1097 Tagen
Es war wirklich schön