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Ein neues Leben? - Eine neue Heimat -

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1 Kapitel - 2.431 Wörter - Erstellt von: Deadly Banshee - Aktualisiert am: 2012-11-01 - Entwickelt am: - 1.164 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt

Was passiert, wenn dir jemand ein Bein stellt,
der dich nicht leiden kann und du dann auf den Kopf fällst.
Dann wirst du wach und stehst im Wald.
Was würdest du tun?

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1. Kapitel – Wo bin ich?

Es war dunkel und kalt. Ich lag mitten im Wald, die Baumkronen waren dicht aneinander gewachsen, es kam kaum Licht durch. Nur ein kleiner Silberschimmer kam zwischen den Blättern durch und erhellte nur einen kleinen Teil, der vor mir lag. Also ging ich zum Licht oder besser gesagt in Richtung Mond, vielleicht ist in dieser Richtung irgendwer, der mir sagen kann, wo ich bin.

Mit jedem Schritt nach vorn wirkte dieser Wald immer unheimlicher, ich hoffte nicht hier draußen übernachten zu müssen. Die Nacht war sehr kalt und ich hatte nicht besonders viel an, denn es war ja auch Sommer und sehr heiß. Aus diesem Grund hatte ich nur meine Stiefel mit hoher durchgehenden Sohle und vielen Schnallen, eine schwarze sehr kurze Hose und ein sehr kurzes Neckholdertop an und ich habe noch meine schwarzen Stulpen mit Schnallen an, sowie zwei Zöpfe, damit mir die Haare bei dem warmen Wetter nicht im Nacken liegen und kleben.

Ich hätte nie gedacht, dass es Nachts so kalt werden kann, ich mein, wir haben Sommer. Hier sieht es auch nicht besonders nach meiner Heimat aus. Aber wie sollte ich in so kurzer Zeit, so weit weg gekommen sein. Jemand hat mir in meiner Heimatstadt mal wieder ein Bein gestellt und ich bin natürlich auf den Kopf gefallen und bin bewusstlos geworden. Dann haben mich die Irren also in einem Wald verfrachtet, damit ich schön weit weg bin und nie wieder komme.

Ich weiß nicht warum die alle so gegen mich sind, ich habe denen nie etwas getan. Den ganzen Ärger nur, weil ich nicht so herum laufe wie die Anderen, warum sollte ich auch, ich bin nun mal nicht wie die. Ich bin ich und ich bin stolz drauf, ich bin nun mal ein Goth, was soll's, deswegen bin ich doch trotzdem immer noch ein Mensch. Leider sehen die Anderen das alles anders.

Naja, egal, wenn ich jemanden hier finde, der mir helfen kann, dann zeige ich die Leute an, denn ich kenne ihre Gesichter und nach all der Zeit sogar ihr vollständigen Namen und Adressen, denn jetzt sind die echt zu weit gegangen. Da vorn ist eine Lichtung, ich hoffe ich sehe da vorn ein wenig mehr, als nur Gestrüpp und Baum. Aber irgendwie fühle ich mich hier gerade wohler in diesem unheimlichen Wald, als zu Hause, wo mich alle hassen, nur weil ich anders bin.

Wenn ich hier wirklich sehr weit weg bin von zu Haus, dann kann ich vielleicht hier bleiben und ein neues Leben anfangen, wenn die Leute hier in der Umgebung toleranter sind. Wie ich sehe, ist das da vorn keine Lichtung sondern das Ende des Waldes, wie schön, endlich ein andere Landschaft und hoffentlich auch Menschen, die mir helfen können und wollen. Ich hoffe, dass die Menschen hier netter sind, ich weiß nicht, wie lange das meine Psyche aushält, die ganzen Sticheleien sind schon hart. Jetzt habe ich den letzten Baum erreicht und bin schockiert über das, was ich da sehe.

Da stand ein Dorf, aber nicht so wie ich Dörfer kenne. Denn da stand ein Dorf, dessen Häuser aus Holz gebaut wurden und mitten drin sehe ich einen Brunnen auf einen großen Platz, das wird der Marktplatz sein. Das kann doch nicht sein, es gibt doch in dieser Zeit keine Hinterweltler mehr, die noch so wohnen oder doch?

Aber das kann mir jetzt egal sein, ich brauche Hilfe und da kann ich nicht auch noch anfangen mich darüber zu beschweren, dass es nicht die Hilfe ist, die ich wollte. Ich hoffte innigst, dass da vorn, in diesem Dorf anständige Menschen wohnen, die ein Herz haben und sich nicht daran stören, was ich trage und wie ich aussehe. Allerdings habe ich dennoch Bedenken, wenn die mich doch nicht mögen und so wie es aussieht, sind die wirklich noch Hinterweltler, dann habe ich jetzt Angst, dass die plötzlich mit Mistgabeln auf mich losgehen könnten.

„Oh mein Gott, was sollen denn jetzt diese Ängste, Mensch Mädel, du hast Kopfschmerzen und wahrscheinlich sogar eine Platzwunde und eine Gehirnerschütterung gibt es bestimmt noch gratis dazu. Also reiß dich zusammen und geh jetzt dahin, damit dir geholfen wird.“ Na toll, jetzt führe ich auch schon Selbstgespräche, in denen ich mir selbst in den Hintern trete. Na dann mal los, dann gehe ich mal in das Dorf, wenn ich Glück habe, ist noch jemand wach und hilft mir.

Ich ging durch das Dorf und entdeckte weiter hinten ein Licht im Fenster. An diesem Haus angekommen, stand ich vor der Tür und rang innerlich mit mir, zu klopfen und nach Hilfe zu fragen. Aber wenn nicht jetzt, wann denn dann? Nach mehreren Sekunden des Überlegens, klopfte ich an.

Es dauerte nicht lange, dann öffnete mir jemand die Tür. Als die Tür aufging, stand eine ältere Frau vor mir, sie war wohl in jüngeren Jahre eine sehr hübsche Frau, denn ihr Gesichtszüge sind selbst nach all den Jahren immer noch weich. Ihre Kleidung sieht sehr veraltet aus, das heißt, sie trug ein hellblaues Kleid, die Farben waren schon verblasst. Das Kleid gleicht einem eines Bauern aus dem Mittelalter. Ein einfaches Kleid für den Alltag, nichts Besonderes, aber es hat dennoch was her gemacht. Sie lächelte mich an und fragte, was ich zu so später Stunde noch möchte.

Ich erklärte ihr kurz den Sachverhalt, dass ich mich im kalten dunklen Wald wiederfand, nachdem man mir ein Bein gestellt und ich auf den Kopf gefallen bin. Sie sah besorgt aus und bat mich in ihr Haus. Die Einrichtung war spärlich, es gab im Wohnbereich kein Sofa, sondern nur einen Tisch mit sechs Stühlen dran, daneben war eine Offene Küche, aber da stand kein Herd, da war nur eine Feuerstelle. Es war sehr eigenartig, ich fühlte mich, wie in der Zeit zurück gereist, in eine Zeit, in der es noch keinen Strom gab, denn es leuchteten nur ein paar Kerzen, die die Räume ein wenig im sanften warmen Licht erhellten. An einer Wand war ein Kamin, er brannte noch und auf dem Tisch mit den sechs Stühlen stand noch ein Tonbecher. Es hatte den Anschein, als sei sie eine arme Frau, die nicht viel hatte.

Sie deutete mit einer Hand auf einen der sechs Stühle, also setzte ich mich auf diesen. Im nächstem Moment stand sie hinter mir und berührte meinen Hinterkopf ein paar Mal. Dann sagte sie mir, dass ich nur eine kleine Verletzung am Kopf hätte und dass diese schnell verheilt sein wird. Sie holte ein kleines Döschen und öffnete sie, darin war etwas das nach einer Creme aussah, aber nicht weiß war, sondern eher gelblich. Die Creme fühlte sich warm auf meinem Kopf an, dann sagte sie zu mir, dass ich ihr jetzt alles in Ruhe erzählen kann und ihr meinen Aufzug erklären kann. Das Lächeln, das sie seit dem Öffnen der Tür aufgesetzt hatte, strahlte immer noch auf ihrem Gesicht.

Ich erklärte ihr, warum ich in schwarz herum lief, von meiner Lebenseinstellung, von der Tatsache, dass mich alle nicht mögen in meiner Umgebung, wegen meiner Einstellung und meinem Kleidungsstil. Dann verschwand plötzlich das Lächeln und sie nahm einen ernsten Gesichtsausdruck an. Mit leiser bestimmter Stimme sagte sie mir dann, dass ich froh sein kann, an ihrer Tür geklopft zu haben, denn jeder andere hätte mich jetzt in diesem Moment gesteinigt und als Hexe bezeichnet. Moment mal, Hexe, gesteinigt, vielleicht erzählt sie mir gleich auch noch, dass ich mit großer Wahrscheinlichkeit sogar auf dem Scheiterhaufen gelandet wäre. Und genau einen Moment später sagte sie mir das auch. Bin ich doch im Mittelalter gelandet? Aber das geht doch nicht, ich bin in keiner Zeitmaschine gestiegen, geschweige denn, dass ich eine solche Fähigkeit besitze, die Zeit zurück zu drehen. Was mache ich denn jetzt?

Diese Frau scheint mir sehr vertrauensvoll, was nicht nur an ihrem warmen Lächeln lag. Ich versuchte in einfachen Worten ihr zu beschreiben, was ich gerade denke und erklärt ihr somit, wo ich herkam und aus welcher Zeit. Sie sah mich verwundert an und sagte mir, dass ich mir wohl zu sehr den Kopf gestoßen habe. Na klar, warum sollte sie mir eine so verrückte Geschichte auch glauben?

Aber ich hatte eine Idee, mein Handy scheint immer noch in meiner Hosentasche zu sein, auch wenn die Hose noch so kurz ist, die Tasche ist für mein Handy groß genug und ein Knopf verhindert, dass es raus fällt. Ich hole es raus und zeige ihr, welchen Fortschritt ich gemeint habe, als ich ihr von meiner Zeit erzählte. Natürlich war kein Netz, also konnte ich ihr leider nicht demonstrieren, dass ich damit wirklich mit jemand aus weiter Ferne telefonieren konnte.

Aber dann sagte sie mir, dass die Zeitrechnung eine Andere sei und dass sie sich nach dem Mond richten. Ein Neumond bedeutet ein neuer Monat und der vierzehnte Neumond bedeutet ein neues Jahr, also hat ein Jahr dreizehn Mondphasen bzw. Monate. Und wir befanden uns gerade in der zehnten Mondphase dieses Jahres. Die Jahre werden nach den Sternzeichen des Zodiak bezeichnet und das sie gerade das 666. Jahr des Wassermanns haben und bald das Jahr der Fische anbrechen würde. Aber immerhin haben die auch die Wochentage, wie ich sie kenne. Es ist schon komisch, nie wurde im Geschichtsunterricht oder in historischen Dokumentationen über so etwas geredet, doch in Japan wird eine solche Rechnung benutzt, aber da sind es Eto und nicht die Zeichen des Zodiak.

Langsam glaube ich wirklich, ich habe mir zu sehr den Kopf angeschlagen. Aber immerhin hält sie mich nicht mehr für verrückt. Sie betrachtet mein Handy argwöhnisch, ich steckte es wieder weg, um sie nicht noch weiter zu irritieren. Dann stand sie auf und ging hinter mich, um noch mal nach meiner Wunde zu schauen. Danach meinte sie zu mir, dass ich hier unten im Gästezimmer schlafen könne, dass gleich nebenan war. Ich habe diese Tür gar nicht beachtet, aber an der Wand mir gegenüber ist eine Tür, da rechts von mir der Küchenbereich ist und an der Wand ein Fenster ist und links von mir ist der Kamin, also kann nur vor mir das Gästezimmer sein, denn hinter mir ist ja schon die Haustür.

Sie sagte auch, dass ihr Zimmer oben ist und ich jeder Zeit klopfen kann oder rufen kann, wenn ich etwas brauche. Oben sagte sie, aber wo ist denn die Treppe, als ich mich umschaute bemerkte ich, dass im Küchenbereich eine Treppe ist. Ein Badezimmer habe ich keines gesehen, also gibt es wohl auch keins. Na toll, ich im Mittelalter mit einer völlig anderen Zeitrechnung und kein Bad, wie schlimm kann es eigentlich noch kommen? Sie sagte, dass ich mich jeden Morgen in einer Wanne waschen kann, aber das Wasser sei kalt. Also kam es schlimmer, mit kaltem Wasser waschen, aber das hat vielleicht sogar etwas Gutes, dann werde ich wenigstens schneller wach. Also ging ich in das Gästezimmer und zog mir die Stiefel aus, legte die Armstulpen bei Seite, zog mir dann die Hose und das Top aus und legte mich in das Bett, es war weich und es roch nach Stroh, sehr angenehm. Ich schlief nach den heutigen Ereignissen sehr schnell ein und träumte nichts Besonderes diese Nacht.

Am frühen Morgen wurde ich durch ein Hahnkrähen wach, etwas störte mich als ich aufstand und mich dann im Küchenbereich wusch. Ich war bei bester Laune, dabei war ich ein Morgenmuffel, dennoch war ich von einem Moment auf den Nächsten wach und hatte gute Laune. Die Frau kam aus ihrem Schlafzimmer runter und brachte mir Kleidung mit. Sie sagte, dass das Kleid ihrer verstorbenen Tochter gehörte, die im Alter von 19 starb. Ich nahm das Kleid nur widerwillig entgegen, ich wollte sie nicht an schreckliche Ereignisse erinnern, nur weil ich dieses Kleid trug. Aber sie beharrte darauf und ich nahm es entgegen und zog es auch gleich an. Es passte sogar, wie angegossen, es war von der Farbe, wie das der Frau, nur leuchtender beziehungsweise noch nicht so ausgewaschen. Das Kleid war hochgeschlossen und dennoch bequem, es war sehr einfach gehalten. Auch wenn ich Kleider nicht mochte, das hatte etwas, es gefiel mir sogar.

Jetzt hatte ich nur noch ein einziges Problem, meine Stiefel konnte ich unmöglich anziehen, aber die nette Frau kam mir zuvor und reichte mir ein paar schwarze Schuhe, sie sahen zwar schon getragen aus, aber auch noch relativ neu. Ich zog sie an und siehe da, auch sie passten und waren bequem.

Da sagt die Frau plötzlich mit einer Träne im Auge: „Es ist fast so, als wäre meine Tochter wieder hier im Haus. Wie unhöflich von mir, bitte verzeih mir, dass ich mich dir noch nicht vorgestellt habe. Mein Name ist Amalia und wie ist deiner?“ Ach du Schande, stimmt ja, wir hatten gestern zwar miteinander gesprochen, aber vorgestellt haben wir uns nicht, dann will ich das mal nach holen. „Mein Name ist ...“ Sag ich ihr jetzt meinen richtigen Namen, einen den ich nicht leiden kann oder nenne ich ihr meinen Spitznamen, der mir lieber ist und fange hier eine neue Existenz an. Ich entschied mich für Letzteres: „Bela. Ich heiße Bela.“ Und lächelte sie an. Ich fühlte mich bei ihr wohl, als ob ich nach Hause gekommen wäre.

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