Wiedergutmachung

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1 Kapitel - 4.352 Wörter - Erstellt von: Itachi - Aktualisiert am: 2012-10-15 - Entwickelt am: - 2.872 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

So, das ist nun meine erste weitgehend selbst geschriebene Geschichte. Es kann sein, dass euch manches daran bekannt vorkommt, weil ich auch hier mit Inge zusammen gearbeitet habe, aber diesmal ist mehr daran von mir.
Mein jüngerer Bruder Ikuto spielt auch eine Rolle. Einiges von dem, was Sasuke in dieser Geschichte tut und denkt, habe ich von Ikutos Charakter übernommen.

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    SasukeBlut. Viel Blut. Viel zu viel Blut. Ich habe in meinem Leben schon sehr viel Blut gesehen, wahrscheinlich sogar mehr als die meisten Menschen, d
    Sasuke

    Blut. Viel Blut. Viel zu viel Blut. Ich habe in meinem Leben schon sehr viel Blut gesehen, wahrscheinlich sogar mehr als die meisten Menschen, die ich kenne. Aber es ist ein Unterschied, ob du das Blut eines dir unbedeutenden Feindes siehst, das fließt, weil du stark bist und ihn besiegt hast, oder ob es das Blut deines eigenen Bruders ist.
    Er liegt vor mir in einem Krankenhausbett und die Bettdecke, das Kissen und das Laken, die heute Morgen sicher noch weiß gewesen waren, sind jetzt voller Blut. Das Rot hebt sich krass von dem Weiß des Raumes ab, auch mein offenes, weißes Hemd und meine helle Haut haben Blutspritzer abbekommen. Und auf dem Nachtschrank steht eine Metallschüssel, die voller blutiger Tücher ist.
    Ich sitze schon seit einer ganzen Weile hier, aber da ich keine Uhr trage, habe ich keine Ahnung, wie lange schon. Es ist dunkel draußen, aber das war es schon, seit ich hier sitze. Ich bin nicht müde, wage kaum, meine Augen einen Moment zu schließen, obwohl ich ganz genau weiß, wie mies ich immer gelaunt bin, wenn ich nicht ausgeschlafen habe. Morgen werde ich sicher müde sein und mit abschätzigen Bemerkungen um mich werfen. Und einen Streit mit Naruto anfangen. Wegen irgendeiner Kleinigkeit.
    Aber das ist mir jetzt egal. Hier vor mir liegt mein Bruder Itachi und er ist seit Stunden ohne Bewusstsein. Sein schönes Gesicht ist voller Blut, es ist aus seinen Augen geflossen und dann hat er eine Menge Blut in die Schale auf dem Nachtschrank gespuckt. Das Blut klebt auch in seinem langen, schwarzen Haar.
    Die Heilerin war vorhin da und hat versucht, mir zu erklären, an welcher Krankheit mein Bruder leidet. Aber ich habe nicht viel verstanden. Außer, dass ich eine Teilschuld daran habe, dass er schon so lange sehr krank ist. Und deshalb kann ich weder weggehen noch schlafen. Ich bin schon einmal vor meinem Leben weggelaufen und das will ich jetzt nicht mehr. Nie wieder! Also habe ich beschlossen, zu warten, bis Itachi aufwacht. Ich beobachte jeden seiner schwachen Atemzüge, warte darauf, dass seine Lider sich bewegen und bete zu allen mir bekannten Göttern und Buddhas, dass er am Leben bleibt. Ich brauche ihn doch noch!

    Wir sind, schon im Dunkeln, auf dem Weg zur alten Residenz unserer Familie gewesen, mitten durch das Dorf, das uns beide glücklicherweise wieder aufgenommen hatte. Eigentlich hatte Itachi heute einen guten Tag gehabt, aber dann wurde er plötzlich immer stiller und langsamer. Als wir vor dem Tor standen, hinter dem sich das Haus unserer Urgroßmutter Yoneko befand, blieb er stehen. Ich ahnte schon, dass etwas nicht in Ordnung war und drehte mich zu ihm um.
    „Sasuke…“ sagte er leise, bevor er zusammenbrach, vor Schmerz keuchte und sofort Blut ausspuckte.
    Ich stand vor ihm, im ersten Moment unfähig, mich zu bewegen.
    Dann rannte ich. Weg. Hilfe holen. Sakura.
    Ich drehte mich noch einmal um und sah, dass eine Frau aus diesem Viertel Itachi gesehen und sich über ihn gebeugt hatte. Natürlich wusste sie, wer er war. Jeder weiß, dass er und ich wieder hier sind und er trägt noch immer jeden Tag die schwarz-rote Akatsuki-Uniform.
    Ich wusste, dass ich Sakura zusammen mit Naruto bei Ichiraku finden würde. Naruto ist jeden Abend hier. Zwischen ihm und Sakura läuft ganz eindeutig etwas. Er steht schon seit Jahren auf sie.
    Ich rannte, stoppte, riss den kurzen Ladenvorhang mit dem roten Katakana-Zeichen für „me“ beiseite und blieb keuchend stehen.
    „Sakura! Ich… Itachi… Blut! Hilfe!“
    Naruto sah sich überrascht zu mir um. Er hatte eine Ladung Nudeln im Mund und Einweg-Stäbchen in der Hand.
    „He, Chachuke, wach isch denn?“ fragte er, ohne runterzuschlucken.
    „Ja, was ist los?“ wollte Sakura wissen.
    „Itachi… er ist zusammengebrochen! Vor Omas Haus! Ich weiß nicht, was mit ihm los ist! Er hat Blut gespuckt!“
    Sakura sprang auf, schlug Naruto auf den Rücken, sodass er seine Nudeln schlagartig schluckte und rannte dann hinter mir her.
    „Das ist wieder sein Jutsu.“ sagte Sakura, als wir wieder bei Itachi waren.
    „Was für ein Jutsu?“ fragte Naruto.
    „Shiawase-no-Jutsu. Das ist ein nahezu unbekanntes und vor allem sehr riskantes Jutsu. Soweit ich weiß, ist Itachi der einzige, der es beherrscht. Obwohl von beherrschen eigentlich keine Rede sein kann. Er hat dieses Jutsu entwickelt, es sich selbst beigebracht und seitdem ist es fast ununterbrochen aktiv. Es stellt sehr hohe Ansprüche an sein Verhalten und zerstört ihn damit.“ Sakura hatte all diese Informationen von Itachi und von mir. Shiawase-no-Jutsu ist durch medizinische Analyse schwer zu erkennen. Es ist eines der kompliziertesten Jutsu, die ich kenne.
    Ich weiß inzwischen alles darüber. Itachi hat es mir erzählt. Dieses Jutsu ist wirklich außergewöhnlich. Es kontrolliert Chakra und Lebensenergie und wenn es Itachi nicht gelingt, die Menschen, deren Glücksenergie er mit diesem Jutsu in Chakra und Lebenskraft umwandeln kann, glücklich zu machen, wendet es sich wie eine Strafe gegen ihn. Ich kann mich noch erinnern, wie er mir früher mal erklärt hat, warum er ein so eigenartiges Jutsu entwickelt. Er hatte schon immer Angst, wegen seines Talents und des ruhmreichen Rufs unserer Familie egoistisch zu werden. Deshalb war er immer sehr streng mit sich selbst und zwang sich mithilfe dieses Jutsu dazu, zuerst auf die anderen und dann erst auf sich selbst zu achten. Sei gut und selbstlos oder stirb. Wenn das stimmt, was Sasori, ein Mitglied der Akatsuki, über Itachi gesagt hat, dann hat mein Bruder die letzten Jahre genau nach diesem Prinzip gelebt. Er ist in allem gut, auch darin, sich selbst zu zerstören. Das ist etwas, was wir gemeinsam haben. Nur, dass ich es anders gemacht habe als er.
    „Es ist wirklich ein Wunder, dass er noch lebt. Jemand anderes wäre längst daran gestorben. Irgendjemand muss ihm über die vielen Jahre hinweg geholfen haben, weiterzuleben. Aber wer das gewesen ist, weißt du wohl auch nicht, Sasuke?“ fragte Sakura.
    Ich schüttelte den Kopf. Itachi sprach nicht viel über Akatsuki. Und schon gar nicht mit mir. Genauso, wie ich niemals ihm gegenüber den Namen Orochimaru erwähnte.
    Sakura kümmerte sich um Itachi, grünes Licht strahlte um ihre Hände, ich sah nicht genau hin. Sein Blut auf der Straße machte mich fast verrückt. Jahrelang hatte ich davon geträumt, dass sein Blut fließen, ich ihn besiegen und mein Schwert in sein Herz stoßen würde. Ich hatte nur dafür gelebt und trainiert, schließlich Konoha verlassen und mich Orochimaru angeschlossen. Bis ich die Wahrheit erfahren hatte. Über Itachi, meine Eltern, meine ganze Familie. Niemand von ihnen war tot.
    Der Sanitätstrupp brachte Itachi ins Krankenhaus, ich ging mit und saß von da an die ganze Zeit an seinem Bett. Sakura und Naruto gingen irgendwo anders hin, ich wusste nicht, wohin genau. Wahrscheinlich zu Naruto ins Zimmer. Ob die beiden sich wohl zu viele Sorgen um mich machten, um sich mit einander zu beschäftigen? Oder vertrauten sie mir und taten jetzt das, was Verliebten nun einmal taten und womit ich keinerlei Erfahrungen hatte?

    Das Licht im Zimmer geht aus. Es ist eine dieser Lampen, die ausgehen, wenn sich lange niemand bewegt. Ich sitze wie versteinert da und Itachi bewegt sich nicht. Er atmet kaum. Sein Körper ist ganz ruhig, viel zu ruhig. Ich kann seine Atemzüge kaum noch erkennen. Sakura hat irgendwas von Atem- und Herzschlagaussetzern gesagt, eine Art allerletzten Selbstschutzversuch, den Shiawase-no-Jutsu gegen meinen Hass entwickelt hat.
    Meine Nerven sind zum Zerreißen gespannt und in meinem Kopf schreit meine eigene Stimme: „Atme weiter, Bruder! Bleib am Leben! Stirb nicht!“
    Er atmet weiter. Bleibt bei mir. Lebt. Aber er wacht nicht auf.
    Ich warte weiter, will einen Moment seine Hand ergreifen, aber ich schaffe es nicht. Da ist noch immer diese Distanz zwischen uns. Ich muss mich erst wieder an ihn gewöhnen. Mein Hass ist mir noch so stark in Erinnerung. Es wird eine Zeit dauern, bis ich normal mit Itachi umgehen kann.
    Da! Hat sich gerade seine rechte Hand bewegt? Ich wage nicht einmal zu blinzeln. Benutze meine Sharingan. Wozu hab ich die denn sonst? Itachi haben sie große Teile seiner Sehkraft genommen, er ist ohne sie fast blind. Ich bin froh, dass ich die Mangekyou-Sharingan nicht habe. Die Macht kann mich mal!
    Seine Hand hat sich bewegt. Nur ein kleines bisschen, aber genug, dass ich es gesehen habe. Mein dreieinhalb Jahre lang versteinertes Herz, das erst wieder lernen musste, zu fühlen, wagt den Gedanken, dass Itachi bald aufwacht. Ich kann ihn nicht mehr lange so daliegen sehen. Es macht mich wütend. Auf mich selbst. Und es weckt einen unbändigen Hass auf Orochimaru. Wenn es möglich wäre, also wenn ich hier mal eben weg könnte, würde Kusanagi von selbst in meine Hand springen, mich ins Raum-Zeit-Loch ziehen und Orochimarus bleichen Hals durchtrennen, so dass sein unnatürlich lila gefärbtes Blut fließt und nicht das rote meines Bruders. Itachi muss weiterleben. Ich würde sogar das Chidori dafür hergeben, wenn es möglich wäre. Kusanagi steht neben mir. Ich könnte danach greifen. Orochimaru umbringen. Aber ich bleibe hier.
    Ein tiefes, zitterndes Aufatmen, wie das eines Menschen, der lang unter Wasser war und jetzt endlich wieder Luft bekommt, fährt durch Itachis Körper. Seine Hand bewegt sich, auch, wenn seine Augen noch geschlossen sind. Er drückt die Hand auf die lange, schwarze Narbe an seinem Hals. Das Mal an meiner Schulter kribbelt schmerzhaft. Die beiden schwarzen Male sehen zwar verschieden aus, aber sie haben denselben Ursprung. Schon vom Zusehen kann ich deutlich spüren, wie sehr es ihm gerade wehtut. In seinem Gesicht ist der Schmerz zu sehen, blutige Tränen laufen aus seinen geschlossenen Augen und wieder kommt Blut über seine Lippen. Er muss sehr bewusstlos sein, sonst würde er von diesem wahnsinnigen Schmerz aufwachen.
    Ich habe es jahrelang geplant, habe davon geträumt, mich an ihm zu rächen, ihn zu besiegen und damit die Ehre meiner Familie wieder herzustellen. Aber jetzt wird mir klar, dass ich, wenn ich es getan hätte, alles nur noch schlimmer gemacht hätte. Es war wirklich Rettung in letzter Sekunde. Ich bin stark genug geworden und Itachi hätte das nicht mehr lange durchgehalten. Wahrscheinlich hätte ich mir sogar den Kampf gegen ihn sparen können, weil allein meine Anwesenheit und die Intensität meines Hasses ausgereicht hätte, um ihn umzubringen.
    Nein! Hör damit auf, Sasuke!
    Ist das Narutos Stimme in meinem Kopf oder meine eigene? Vielleicht beide zusammen. Naruto hat es so oft zu mir gesagt, hat mich angeschrien, mit Tränen in den Augen und seiner typischen Fuchswut.
    Ich will mich nicht mehr an den Hass erinnern. Einfach alles vergessen und mit Itachi neu anfangen. An dem Punkt vor zehn Jahren weitermachen, an dem ich aufgehört hatte, sein kleiner Bruder zu sein. Er hat mich nie gehasst, das sagt er mir jeden Tag. Und ich kann es in seinen Augen sehen.
    Irgendwo in meinem Kopf muss doch noch etwas übrig sein von den Gefühlen, die ich als kleiner Junge hatte! Ich muss sie nur finden und wecken. Ich wäre gern wieder acht Jahre alt. Aber daran, dass ich inzwischen achtzehn bin, lässt sich nichts mehr ändern.
    Ich kann gerade überhaupt nichts tun, außer da zu sein, zu hoffen, dass Itachi meine Anwesenheit spürt und zu beten. Mir fallen keine Götter mehr ein.
    Wenn du am Bett von jemandem sitzt, der dir viel bedeutet und genau weißt, dass du eine Mitschuld an seiner schweren Krankheit trägst, dann hast du zwei Möglichkeiten: entweder du stehst nur da und hoffst und betest (falls du beten kannst). Oder du tust etwas, sofern du weißt, was du tun sollst und dazu überhaupt in der Lage bist.
    Ich entscheide mich dafür, etwas zu tun. Irgendwie muss ich das, was ich Itachi all die Jahre mit meinem Hass angetan habe, wieder gutmachen. Aber ich weiß nicht, was ich tun kann. Mama wüsste sicher etwas. Aber Mama ist noch weit weg, in Afurika, und wickelt ihre Augenklinik ab. Und Papa ist in Arasuka, das ist genau so unerreichbar weit weg. Ich muss selbst eine Lösung finden.
    Komm, Sasuke, so schwer kann das doch nicht sein!
    Meine Gedanken drehen sich. Ein Einfall folgt auf den anderen, wird verworfen, wieder aufgenommen, ein neuer Gedanke kommt, aber nichts ist wirklich hilfreich. Meine Intelligenz, auf die ich mich immer verlassen konnte, lässt mich im Stich.
    Endlich bleibt ein Gedanke ein paar Sekunden länger: Itachi muss die ganzen Jahre über einen Schutzengel gehabt haben! Das ist das letzte übersinnliche Wesen, das mir einfällt.
    Bitte, wer immer du auch bist, pass weiter auf meinen Bruder auf!
    Ich weiß nicht, ob der Engel mich gehört hat. Vielleicht gibt es ihn auch gar nicht. Möglicherweise hat er die Verantwortung für Itachis Leben an mich weitergegeben und ich muss jetzt sehen, wie ich klarkomme. Ich bin auf mich allein gestellt. Nachts ist niemand in dieser Krankenhausabteilung. Itachi ist heute Nacht der einzige, der hier liegt. Und ich allein bin für ihn verantwortlich.
    Ich stehe auf, gehe ein paar Mal an den leeren Betten und den Wandschirmen vorbei zur Tür, von da wieder zum Fenster zurück. Manchmal kann ich beim Gehen besser denken. Neben dem Stuhl vor Itachis Bett steht Kusanagi an das Fensterbrett gelehnt. Der Gedanke von vorhin kommt zurück. Ich könnte in eine andere Station laufen, eine Krankenschwester holen, die auf Itachi aufpasst und dann ins Raum-Zeit-Loch gehen und Orochimaru umbringen. Dann würden das Juin an meiner Schulter und das an Itachis Hals verschwinden und es würde ihm vielleicht besser gehen.
    Itachi leidet. Er scheint weder bewusstlos noch wach zu sein. Verdammt noch einmal, es muss doch etwas geben, was ich tun kann! Ich werde langsam wirklich wütend auf mich.
    An seiner linken Hand glitzert irgendetwas. Das ist mir heute noch gar nicht aufgefallen. Ich sehe genauer hin. Es ist ein schmaler, silberner Ring mit einem winzigen weißen Stein, vielleicht ein Diamant. Ich habe diesen Ring noch nie gesehen, früher hatte er den bestimmt noch nicht. Außer der Halskette, die Mama ihm zum siebzehnten Geburtstag geschenkt hat, hat er nie viel Schmuck getragen. Den weißen Akatsuki-Ring an seinem rechten Ringfinger kenne ich ja schon, aber diesen silbernen hat er in meiner Anwesenheit noch nie getragen.
    Ich beobachte ihn weiter. Seine Hand liegt wieder auf der Bettdecke, anscheinend tut ihm das Juin gerade nicht mehr weh. Meines hat sich auch wieder beruhigt. Er sieht aus, als würde er schlafen. Ich atme erleichtert auf. Wenn er schläft, muss ich mir keine großen Sorgen um ihn manchen. Vorsichtig greife ich nach seiner linken Hand, um den Ring etwas genauer zu sehen. Er lässt sich ganz einfach von Itachis Ringfinger anstreifen, als hätte er ihn heute zum ersten Mal seit einer ganzen Weile wieder getragen. Auf der Innenseite sind ganz kleine Schriftzeichen eingraviert: „Ita“, das erste Kanji von Itachis Namen. Es bedeutet Schmerz, so als hätten meine Eltern sein Schicksal schon gekannt, als sie ihm diesen Namen gaben, der aus den Zeichen Schmerz und Blut besteht. Das zweite Zeichen auf dem Ring ist das Hiragana „ko“. Zwischen den Zeichen ist ein winziges, kaum erkennbares Herz. Ita Herz Ko. Was bedeutet Ko? Ist das ein Teil eines Namens? Ich kenne niemanden, dessen Anfangssilbe einen Grund hätte, dass Itachi sie neben seinen eigenen Namen und ein Herzchen in einen Ring schreibt. Ko ist eine häufige Silbe für Mädchennamen. Ein Mädchen? Hatte Itachi etwa eine Freundin bei Akatsuki? Ich wusste nicht, dass die auch weibliche Mitglieder haben. Gibt es darüber Informationen? Akatsuki hat mich nie weiter interessiert, mir ging es immer nur um Itachi. Im Raum-Zeit-Loch haben sie jedenfalls keine weibliche Gefangene. Aber ich habe mal gehört, dass sie noch nach einigen Mitgliedern suchen. Vielleicht gehört sie zu denen.
    Kann ich Itachi allein lassen? Ich weiß nicht genau, was ich eigentlich will, aber irgendwie habe ich das Gefühl, im Archiv könnte ich Informationen über diese Frau von Akatsuki finden. Ich weiß ja, wie der Name, nach dem ich suche, beginnt. Mit einem „ko“.
    Ich muss mich beeilen. Aber das ist kein Problem. Ich bin schnell. Das Archiv ist nur ein paar Straßen entfernt.
    Kusanagi, ich weiß, dass du intelligent bist. Pass für mich auf meinen Bruder auf. Ich öffne das Fenster und springe. In vier Sekunden bin ich auf dem Dach des Archives. Ich glaube, nachts darf man da nicht ohne Erlaubnis rein. Aber Regeln haben mich noch nie interessiert. Die werden mich eh nicht erwischen. Noch nicht einmal die Anbu kommen gegen mich an.
    Informationen über Akatsuki sind versiegelt, aber auch das ist kein Hindernis mehr für mich. Hier sind alle Berichte gelagert, die Jiraiya über die Organisation verfasst hat. Das Problem bei Akatsuki ist, dass die Mitglieder sich bis zu ihrem Einsatz völlig im Hintergrund halten. Jiraiya muss sehr viel Zeit und Risiko in die Beschaffung dieser Informationssammlung gesteckt haben.
    Ko. Wo ist diese Ko? Ich kann unmöglich alle Schriftrollen lesen, das würde viel zu lange dauern. Schließlich muss ich so schnell wie möglich zu Itachi zurück.
    Es muss doch eine Liste mit Namen und Bildern geben!
    Hektisch reiße ich ein Siegel nachdem anderen auf, suche nach Bildern. Endlich finde ich ein unklares Bild in einer großen Schriftrolle, auf dem verschwommen, aber eindeutig Kisame Hoshigaki zu erkennen ist. Bessere Bilder konntest du nicht machen, Jiraiya? Ein weiteres verschwommenes Bild, es zeigt Sasori in seiner wahren Gestalt. Dann eines von Itachi, das bestimmt versteckt aufgenommen wurde. Sein Blick fällt auf jemanden außerhalb des Bildes, in seinen Augen ist ein seltsames Leuchten zu sehen. Wer ist das? Wen sieht er so an? Ist das die Frau, deren Name mit „ko“ anfängt? Ich suche weiter, atemlos vor Spannung.
    Und ich glaube, dass ich diesen Blick in Itachis Augen schon einmal gesehen habe. Früher, als ich sechs und er sechzehn war. Damals hat er sich eine Zeit lang seltsam verhalten und Mama und Papa haben sich Gedanken gemacht, ob da vielleicht ein bestimmtes Mädchen im Spiel war. Doch ob es da ein Mädchen gab, das anders war als die Mädchen, mit denen Itachi nur gut befreundet war, haben weder meine Eltern, noch ich oder seine Freunde je erfahren. Ich war damals zu klein, um zu verstehen, worum es genau ging.
    Hatte dieses Mädchen vielleicht mit Akatsuki zu tun? Aus Konoha kam sie nicht, sonst hätte Itachi sie mal mit nach Hause gebracht.
    Ich suche weiter.
    Bleib am Leben, Itachi! Ich komme gleich zurück!
    Ein Hiragana-Name ist in diesen Schriftrollen schwer zu erkennen, weil Jiraiya so eine fast unlesbare Klaue hat. Und der Typ nennt sich Schriftsteller!
    Ich habe keine Ahnung, wie diese Frau mit „ko“ aussieht. Also muss ich einfach jede Kunoichi, die in diesen Aufzeichnungen erwähnt wird, so schnell wie möglich finden! Wenn ich so schnell lesen und blättern könnte, wie ich mich im Kampf bewegen kann!
    Das nächste Bild in der Schriftrolle ist noch ungenauer als die davor. Es zeigt einen Typen mit orangenem Haar, auffallend weißer Haut und Metallteilen im Gesicht. Viel ist nicht von ihm zu erkennen. Ist er schon im Raum-Zeit-Loch oder läuft er noch frei herum? Er muss sich sehr gut versteckt haben. Unter dem Bild steht, dass der Typ wahrscheinlich der Anführer von Akatsuki ist. Oder, besser gesagt, war. Akatsuki existiert schließlich nicht mehr.
    Da! Endlich eine Frau! Das Bild ist ebenfalls etwas undeutlich, aber man kann erkennen, dass sie hübsch ist. Ich frage mich, wie Jiraiya an diese Bilder herangekommen ist. Neben dem Bild steht der Name dieser Frau. Ein Name, der mit „ko“ beginnt. Konan Nayagiri. Ist sie das? Sie sieht jung aus, schön und geheimnisvoll, mit blasslila Haar, hellbraunen Augen und fast weißer Haut.
    Ich reiße das Bild aus der Schriftrolle, räume alles schnell weg und springe aus dem Fenster zurück zum Krankenhaus.
    Hoffentlich geht es Itachi nicht schlechter.
    Als ich das Fenster des Krankenhauszimmers wieder hinter mir schließe, bleibt der Vorhang an einem Metallhaken hängen und reißt ein. Egal. Ist nur ein Krankenhausvorhang. Viel wichtiger ist, dass Itachi noch lebt. Er atmet. Ich kann es deutlich sehen, obwohl die Lampe meine Bewegung noch nicht registriert und sich deshalb auch noch nicht wieder angeschaltet hat.
    Ich lande auf dem Boden, das Licht geht an. Die Tempelglocke hinter den Felsenspitzen schlägt elf Mal. Elf Uhr? Ich habe während der letzten Stunden hier mein Zeitgefühl verloren. Das ist mir in den Jahren bei Orochimaru auch oft passiert. Wenn man oft in den dunklen Gängen unter der Erde ist, wo kein Sonnenstrahl hinkommt, wird man selbst ganz dunkel in der Seele und weiß irgendwann nicht mehr genau, ob ganze oder halbe Stunden vergangen sind.
    Akatsuki soll auch ein sehr dunkles Versteck haben. Ging es Itachi genauso wie mir? Hat er auch manchmal die Zeit vergessen, in der Finsternis auf etwas gewartet? Und dabei unter meinem Hass gelitten? Und diese Frau, Konan? Wie ist sie mit der Dunkelheit und dem unregelmäßigen Leben umgegangen? Auf dem Bild sieht sie gar nicht aus, wie man sich ein Mitglied von Akatsuki vorstellt. Sie lächelt jemanden an, der hinter einem Strauch verborgen ist. Ihre Augen sind nicht von dieser Finsternis umgeben, die in den Gesichtern der anderen Mitglieder herrscht. Im Gegenteil. Konans Augen leuchten und sie wirkt sehr stark, auf eine ähnliche Art wie Sakura.
    „Ich bin wieder da, Itachi.“ sage ich leise. Vielleicht hört er mich ja.
    Ich setze mich wieder auf den Stuhl vor seinem Bett und fühle mich auf einmal sehr müde und erschöpft. Der Einbruch im Archiv hat mir wohl mehr Energie abverlangt, als ich vorher gedacht hatte.
    Meine Augen fallen zu und bevor ich einschlafe, spüre ich, wie das aus der Schriftrolle herausgerissene Bild in meiner Hand leise raschelnd zu Boden fällt.

    Als ich die Augen wieder öffne, scheint die Sonne auf meinen Rücken. Um meine Schultern liegt eine dünne Decke. Wer hat mich zugedeckt? Und wo ist das Foto? Ich werfe die Decke ab, aber ich kann das Foto nicht finden. Vielleicht ist es weggeweht, unter eines der leeren Betten, hinter den Wandschirm. Das Fenster ist schließlich noch offen.
    Als ich endlich den Kopf hebe, ist Itachi nicht zu sehen. Sein Körper ist unter der Decke zu erkennen. Er scheint sich irgendwann heute Nacht die Decke über den Kopf gezogen zu haben. Aber warum? Vielleicht ist er aufgewacht, hat mich zugedeckt, sich dann die Decke bis über den Kopf gezogen und ist dann wieder eingeschlafen. Ich stehe auf und hebe vorsichtig, um ihn nicht zu wecken, die Bettdecke an.
    Mir stockt augenblicklich der Atem. Itachi liegt auf der Seite, die Hände auf sein Herz gedrückt und er hat versucht, sich das getrocknete Blut aus dem Gesicht zu wischen. Und zwischen seinen Fingern sind die Ecken von einem Stück Papier zu sehen. Das Foto von dieser Konan. An seinem Herzen.
    Oh, mein Gott (ganz egal welcher)! Mein Bruder hat Liebeskummer!
    Wo ist diese Frau? Warum hat sie Itachi allein gelassen? Weiß sie, dass er sensibel ist? Weiß sie die Wahrheit über seine (und ja auch meine) Familie?
    Ich muss irgendwas tun. Sonst bricht Itachi gleich wieder zusammen. Nochmal mach ich das nicht mit. Und er auch nicht. Mama und Papa werden noch eine Weile brauchen, bis sie herkommen können. Also muss Konan her. Ganz einfach. Tsunade weiß bestimmt, wo ich mit der Suche anfangen muss.
    In der Nachtschrankschublade liegen ein Block und ein Stift.
    „Ich suche deine Freundin, Bruder. Bin bald wieder da. Sasuke.“
    Er schläft und wenn er aufwacht, wird bestimmt Sakura da sein. Sie sagte gestern, dass sie so früh wie möglich noch einmal nach ihm sehen wollte.
    Eigentlich kann ich es mir nicht leisten, noch einmal abzuhauen, aber dieses Mal ist es ein ganz anderer Grund. Ich tue das schließlich nicht für mich, sondern für Itachi. Wenn Konan wieder zu ihm zurückkehrt, wird es ihm bestimmt besser gehen und er wird so schnell nicht wieder zusammenbrechen. Itachi ist, gleich nach Naruto, der zweiwichtigste Mensch in meinem Leben. Und ich bin für ihn verantwortlich. Obwohl ich ihn gehasst habe, hat er mich geliebt und beschützt. Jetzt muss ich ihn beschützen und irgendwie für ihn sorgen.

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1350207086
Wiedergutmachung
Wiedergutmachung
So, das ist nun meine erste weitgehend selbst geschriebene Geschichte. Es kann sein, dass euch manches daran bekannt vorkommt, weil ich auch hier mit Inge zusammen gearbeitet habe, aber diesmal ist mehr daran von mir. Mein jüngerer Bruder Ikuto spielt a...
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2012-10-14
407D
Naruto

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