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Kono Yume

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1 Kapitel - 4.020 Wörter - Erstellt von: Inge Ketchum - Aktualisiert am: 2012-09-15 - Entwickelt am: - 2.912 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt

Das ist ein späteres Kapitel zu "Sand, Wind und Liebe". Wer sich noch an diese Geschichte erinnert, gut. Für die, die es nicht mehr wissen:
In "Sand, Wind und Liebe" geht es um Gaara, der sich in unserer Welt in ein Mädchen namens Hanne Swann verliebt.
In diesem Kapitel trifft Gaara vor Ichibis Käfig auf seine Mutter, die ihm viele Fragen beantwortet, auf die er sein Leben lang Antworten suchte.

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    Nachdem Hanne wieder gegangen war, kehrte Gaara in sein Zimmer zurück. Er wusste nicht, ob er sich gut oder schlecht fühlte. Es war gut, dass Hanne
    Nachdem Hanne wieder gegangen war, kehrte Gaara in sein Zimmer zurück. Er wusste nicht, ob er sich gut oder schlecht fühlte. Es war gut, dass Hanne jetzt alles wusste, aber durch das Erzählen hatte er sich wieder an damals erinnert. Und das wiederum machte ihm wieder Kopfschmerzen.
    Mardi war unten in der Küche und ließ sich von Natsuhi mit Reis und Nachtisch füttern. Es machte sich auch oft Vorwürfe, weil es ihm früher das Leben so schwer gemacht hatte. Aber Gaara hatte ihm längst verziehen.
    Ob das wohl mit seiner Mutter im Himmel auch so war? Sah sie, dass er sich geändert hatte, erkannte sie es an? Oder war sie für immer wütend auf ihn?
    „Mama…“ dachte Gaara und dann, „nein! Denk nicht darüber nach!“
    Er musste sich am Nachdenken hindern, stand auf und ging zum Schreibtisch. In der obersten Schublade lag eine CD, die ihm Kankuro mal im Japanviertel gekauft hatte: eine Rock-Platte mit verschiedenen Stücken von Interpreten, die in der fremden Welt sehr bekannt waren. Gaara kannte keinen einzigen von ihnen, für ihn zählte nur, dass ihm diese Musik irgendwie gefiel und dass sie, wenn man laut aufdrehte, das Denken verhinderte. Am besten gefiel ihm ein Stück, das „In the Shadows“ hieß. Die Musikanlage war klein und ziemlich alt, die einzige, die es im Haus gab. Er legte die Platte ein, stellte „In the Shadows“ als Endlosschleife ein und drehte die Lautstärke gerade so hoch, dass er würde einschlafen können. Dann zog er sich Schlafsachen an, legte sich ins Bett und versuchte, nicht zu denken, was sich zum wiederholten Male als schwierig herausstellte. Irgendwann schlief er dann doch ein, die Musik lief weiter und das Licht blieb an. Schon fast im Schlaf, bemerkte er, wie Temari leise hereinkam.
    „Gaara? Schläfst du schon?“ fragte sie flüsternd.
    Er war schon so müde, dass er die Augen nicht mehr aufbekam. Das zählte als Schlafen, also antwortete er nicht.
    Temari stellte die Musik etwas leiser, jedoch nicht aus, löschte das Licht, beugte sich über Gaara und hauchte ihm einen Kuss aufs Haar. Dann schlich sie hinaus. „Schlaf schön, kleiner Bruder.“
    Kaum war Gaara eingeschlafen, wachte er wieder auf. Aber es war irgendwie anders, fühlte sich seltsam an. Als erstes fiel ihm auf, dass die Musik aus war und die CD-Hülle nicht mehr neben der Anlage lag, wo er sie hingelegt hatte. Außerdem war es hell und das Licht kam von draußen. Das Fenster war halb geöffnet und Gaara sah Sonnenstrahlen, die leichten, durchscheinenden Wüstenwolken und den blauen Himmel. Und es war sehr still. Nicht nur die Musik war aus, es gab keine Geräusche, keine Wortfetzen von draußen, kein Schrei eines Wüstenfalken, kein Gespräch unten in der Küche und auch das glucksende Geräusch der kleinen Zierbrunnen in Temaris Zimmer war verstummt.
    Die Stille und die Helligkeit waren nicht das einzige, was seltsam war. Auch das Zimmer sah irgendwie anders aus. Keine Schulhefte auf dem Schreibtisch, keine stumpfen Bleistifte, keine leere Teetasse und auch der kaputte Taschenrechner und das zerbrochene Geometriedreieck waren nicht mehr da. Gaaras Kleidung lag ordentlich gefaltet neben dem Kleiderschrank auf dem Boden, obwohl er sie beim Schlafengehen achtlos vor dem Bett hatte fallen lassen.
    „Ist das… ein Traum?“ dachte er. Da fiel ihm auf, dass er keinen einzigen Gedanken hörte. Selbst, als er versuchte, sich auf Temari oder Kankuro zu konzentrieren, hörte er nichts. Das war ein sicheres Zeichen dafür, dass das hier nicht real, sondern ein Traum war.
    Auf einmal unterbrachen leise Schritte die Stille. Und je näher diese Schritte der Tür seines Zimmers kamen, umso mehr veränderte sich das Zimmer. Zuerst bewegten sich die Wände, dann verschoben die Möbel und es war plötzlich ein heller Raum ohne klare Grenzen, umgeben von Dunkelheit. Gaara sah sich verwundert um und war sich jetzt ganz sicher, zu träumen, aber noch nicht allzu bald wieder aufzuwachen. Es schien ein, auf irgendeine Weise undefinierbarer, besonderer Traum zu sein. Als seine Augen sich an die Dunkelheit um das Licht herum gewöhnt hatten, konnte er in der Ferne etwas erkennen. Da waren mehrere, senkrechte, glänzende Linien, die auf dem Boden begannen und deren Enden sich weit oben in der Dunkelheit verloren. Die Linien schimmerten golden und es waren wohl etwa dreißig oder mehr, die alle gerade nebeneinander standen. Das einzige, was Gaara noch sah, war sein Bett und ein kleiner Raum Helligkeit darum herum. Irgendwas war da noch, jenseits der goldenen Linien, aber er konnte es nicht sehen. Doch es kam ihm bekannt vor, sehr sogar. Und da war noch etwas anderes, ebenfalls sehr vertrautes. Je mehr seine Augen sich an die eigenartigen Lichtverhältnisse gewöhnt hatten, umso mehr erkannte er. Die hellen Linien waren gar keine echten Linien! Es handelte sich vielmehr um die, vom Licht des kleinen Raumes um sein Bett herum, beleuchteten Seiten riesiger Gitterstäbe aus Messing oder einem ähnlich goldfarbenen Metall. Sie gehörten zu einem riesigen Tor, so breit, dass die Ränder nicht zu sehen waren. Und in der Mitte gab es eine Art Schloss in etwa drei Metern Höhe. Darauf klebte ein Siegel.
    Mit einem Schlag erkannte Gaara, wo er war: direkt vor Ichibis Käfig! Die bekannte Aura hinter dem Tor war der Rest des alten Ichibi und das Vertraute daneben war Mardi. Die Schritte, die eben das Zimmer verändert hatten, kamen näher und hallten leise in den dunklen Weiten wider. Im ersten Moment konnte Gaara nicht genau sagen, aus welcher Richtung sie jetzt kamen, aber dann wurde ihm klar, dass sie von der anderen Seite des Tores kommen mussten. Es waren eindeutig menschliche Schritte und sie erinnerten ihm irgendwie an Temaris. Die Schritte einer Frau? Aus dem Inneren von Ichibis Käfig, der jetzt Mardis Zuhause war? Und irgendwie fühlte sich die Anwesenheit dieser Frau, die noch nicht zu sehen war, so vertraut an, als hätte Gaara sie vor langer Zeit einmal gut gekannt. Aus der Dunkelheit hinter den Gitterstäben tauchten nach und nach die Umrisse einer Gestalt auf. Gaara erkannte die traditionelle Kleidung von Suna Gakure, das weite, schwarze Gewand und das helle Tuch, dasselbe, was Chiyo auch trug. Das Gesicht blieb im Schatten.
    Eine leise Ahnung, mehr ein Gefühl, schlich sich in Gaaras Gedanken:
    „Mama? Kann das sein? Ist sie das?“
    Die Gestalt kam aus dem Schatten. Sie trug das Tuch so, dass ihr Gesicht und ihr Haar kaum zu sehen waren. Das riesige Tor öffnete sich einen Spalt breit und sie ging hindurch. Jeder Schritt, jede Bewegung, ähnelte Temari und zwischen den Falten des Tuches waren Strähnen sandblonden Haars zu sehen. Als sie das Tor hinter sich gelassen hatte, begann sie leise, eine Melodie zu summen. ihre Stimme war sanft, so wie Temaris, als sie Gaara „Schlaf schön, kleiner Bruder.“ zugeflüstert hatte. Die Melodie gehörte zu einem Schlaflied für Kinder. Er erinnerte sich daran, es vor langer Zeit mal gehört zu haben, aber er konnte nicht sagen, wann das gewesen war. Nur, dass es damals dieselbe Stimme gesungen hatte.
    Dieses Lied. Die Ähnlichkeit mit Temari. Und dass sie von da kam, wo Ichibi gewesen war. Und dass Naruto vor einigen Tagen dasselbe passiert war. Er hatte ebenfalls geträumt und vor Kyubis Käfig seinen Vater und seine Mutter getroffen.
    „Gaara.“ sagte Tsuru, „warum siehst du denn so traurig aus?“ dann nahm sie langsam das Tuch ab. Sie sah ganz genauso aus wie auf dem Foto, das Gaara im Schrank ganz hinten versteckt aufbewahrte. Er fühlte sich … er wusste nicht genau, wie er sich eigentlich fühlte. Verwirrt, erschrocken, überrascht? Nein, es war anders und er fand keine Worte, die auch nur einigermaßen treffend beschrieben, wie es ihm gerade ging. Sein Herz klopfte laut und schnell, und doch fühlte es sich an, als ob es jeden Moment stehen bleiben würde. Seine Gedanken waren ein einziger, wirbelnder Sandsturm, in dem jeder Versuch, sie zu ordnen, aussichtslos war. Er konnte seine Mutter nur ungläubig anstarren und versuchen, sich selbst klarzumachen, dass sie da war.
    Tsuru kam näher, bis sie vor Gaaras Bett stand. Dann nahm sie das Tuch ganz ab, bis es wie ein Schal um ihren Hals lag.
    „Erkennst du mich?“ fragte sie.
    Gaara brauchte einen Moment, bis er wirklich bemerkte, dass sie ihn etwas gefragt hatte.
    „Ja- ja klar erkenn ich dich.“ brachte er dann heraus. Seine Stimme zitterte.
    „Du machst mir vielleicht Sorgen, mein Schatz.“ sagte Tsuru.
    „Es tut mir leid.“ Gaara hatte sich oft vorgestellt, wie es wäre, die Gelegenheit zu haben, seiner Mutter alles zu erklären, besonders das, was er früher über sie gedacht und gesagt hatte. Aber er hatte nie damit gerechnet, dass diese Situation wirklich eintreten würde und seine Vorstellungen waren immer so verlaufen, dass er sicher war, seine Mutter mit allem, was er getan hatte, enttäuscht und verletzt zu haben.
    Tsuru lächelte.
    „Was tut dir leid?“ fragte sie.
    „Alles. Vor allem, dass…“ er konnte nicht weitersprechen und erinnerte sich an den Tag, als er in Konoha in Lees Krankenzimmer gestanden hatte. Das, was er damals zu Shikamaru und Naruto gesagt hatte, war reiner Wahnsinn gewesen, den er sich nie würde verzeihen können.
    „Ich weiß. Und ich bin dir nicht böse.“ sagte Tsuru, streckte eine Hand aus und strich ihm über die Wange, „ich hab dich sehr lieb, Gaara. Du musst dir wegen mir nichts vorwerfen. Ich habe alles gesehen. Deine schwere Zeit, aber auch, wie du dich verändert hast und schließlich Kazekage geworden bist. Ich bin sehr stolz auf dich. Und darauf, dass du dich verliebt hast.“
    „Liebe…“ sagte Gaara leise und ohne den Blick von seiner Mutter abzuwenden.
    „Ja, die Liebe. Die hast du von mir.“ sie berührte das rote Zeichen, „aber es war wohl alles zu schwer. Das, was ich dir geben konnte, hat nicht gereicht.“
    Eigentlich war das so ein Moment, in dem Gaara Kopfschmerzen bekam. Da war noch immer dieses Loch in seinen Erinnerungen. Sein sechster Geburtstag. Der Tag, an dem Yashamaru gestorben war und er selbst sich nicht erinnern konnte, wo er gewesen war und was er in dem Moment getan hatte. Er hatte auf einmal das Gefühl, wissen zu wollen, das damals geschehen war.
    „Mama? Weißt du, was damals mit Yashamaru passiert ist?“ fragte er vorsichtig.
    „Yashamaru…“ sagte Tsuru nachdenklich, „… er hat damals so vieles nicht verstanden…“
    „Was ist mit ihm passiert? Immer, wenn etwas an diesen Tag stößt, bekomme ich Kopfschmerzen. Ich kann mich nicht erinnern.“
    „Du musst es wissen. Nicht zu wissen, was damals war, quält dich.“
    „Hab… habe ich etwas mit seinem Tod zu tun?“ jetzt, wo er so nah davor stand, alles über jenen Tag zu erfahren, zitterte er vor Aufregung.
    „Yashamaru glaubte, genau wie du, ich wäre damals auf diese eine Mission gegangen, weil ich von dir weg wollte. Du warst schon als kleines Kind manchmal nicht einfach. Aber ich habe dich immer sehr geliebt. Und das hat er nicht verstanden.“ Tsuru setzte sich auf die Bettkante und nahm Gaaras Hand, „du darfst dir nicht die Schuld an meinem Tod geben. Es hatte nichts mit dir zu tun und ich wäre gern zu dir und zu Temari und Kankuro zurückgekommen. Es war doch dein Geburtstag. Und ich glaube, gerade dich habe ich immer besonders gern gehabt. Ich erinnere mich, dass Kankuro sogar eine Zeit lang etwas eifersüchtig war.“
    Gaara hörte das alles zum ersten Mal. Zuhause wurde mit ihm fast nie über Tsuru gesprochen und auch nicht über etwas, was zu ihren Lebzeiten passiert war. Temari und Kankuro wollten Gaara nicht verletzen, sprachen nur untereinander über damals.
    „Du bist genau geplant zur Welt gekommen. Dein Vater und Chiyo hatten diese Idee, Shukaku neu zu versiegeln und natürlich wollte er, dass seine eigene Familie den, der es trug, haben sollte. Ich wurde gefragt und genau darauf vorbereitet, ein ganz besonderes Kind zu bekommen und dass mein Chakra mit dem von Ichibi zusammenpasste, war ein weiterer Grund dafür, dass ich ausgewählt wurde. Außerdem wollte ich gern noch ein drittes Kind. Ich habe es keine Sekunde bereut, auch, wenn es mit einigen Schwierigkeiten verbunden war. Vom ersten Moment an habe ich dich geliebt. Temari und Kankuro hatten dich auch sofort gern, wenn auch Kankuro wie gesagt anfangs etwas eifersüchtig auf dich war, weil ich dir manchmal mehr Aufmerksamkeit geschenkt habe als ihm. Der einzige, der es nicht so recht verstehen konnte, war mein Zwillingsbruder. Er hat sich Sorgen gemacht, weil er befürchtete, dass die Schwierigkeiten mit dir immer größer werden würden. Natürlich hatte er dich auch in gewisser Weise gern, aber bei ihm schwang immer sehr die Sorge mit, dass mit dir etwas schiefgehen und ich darunter leiden könnte. Deshalb hat er dich ganz genau beobachtet.“ Tsuru machte eine Pause und sah Gaara an. Er fühlte sich, als hätte sich seine Seele von seinem erstarrten Körper gelöst und würde frei hindurchschweben. Der Sandsturm in seinen Gedanken legte sich langsam und ließ ein völliges Durcheinander zurück.
    „Kann ich weiter sprechen oder ist es zu viel?“ fragte Tsuru.
    „N-nein, ich … ich muss es jetzt wissen.“ brachte Gaara heraus.
    „Gut. Es ist wohl wirklich besser, wenn du alles auf einmal erfährst. Also, Yashamaru war wie gesagt sehr besorgt um mich. Als ich noch lebte und ihm immer wieder versichern konnte, wie sehr ich dich liebte und dass du mir keine Schwierigkeiten gemacht hast, war alles in Ordnung. Zu der Zeit warst du auch noch nicht so viel allein und kaum jemand hatte Angst vor dir. Aber als ich nicht mehr da war, steigerte Yashamaru sich in die Vorstellung hinein, ich würde noch leben, wenn ich dich nie bekommen hätte. Er versuchte trotzdem, dich gern zu haben, aber es gelang ihm nicht.“
    Gaara dachte an den Teil seines sechsten Geburtstages, an den er sich erinnern konnte: An Hibiki und die anderen, die vor ihm weggelaufen waren und daran, wie er einfach nicht mehr allein sein wollte und der Sand die Kinder festgehalten und verletzt hatte. Dann war Yashamaru dazwischen gegangen.
    „Du hast mein ganzes Leben gesehen?“ fragte er.
    Tsuru nickte. Sie hielt noch immer seine Hand.
    „Ja. Es tat mir sehr leid, dass ich nicht mehr für dich da sein konnte, denn du hast dann schnell große Schwierigkeiten mit deiner Selbstkontrolle bekommen. Das hat Yashamarus Sorgen sehr bestätigt. Du wirktest auf ihn wie der instabile Träger einer großen Gefahr, deshalb war er auch so lieb zu dir. Er nahm an, dass die Zuneigung anderer dir helfen würde, deine Kräfte in den Griff zu bekommen und er lag damit vollkommen richtig. Leider waren seine Sorge, du könntest zu einer Gefahr für das Dorf werden, und seine Annahme, du wärst Schuld an meinem Tod, zu stark und an jenem Tag, der für ihn eine gewisse Doppelbedeutung hatte, konnte er diese gegensätzlichen Urteile über dich nicht mehr vereinbaren. Es war dein Geburtstag, aber eben auch mein Todestag. Und ausgerechnet an diesem Tag ist alles zusammen gekommen: du wurdest von diesem Mädchen aus dem Dorf so gemein abgewiesen, weil du sie aus Versehen verletzt hattest, zum ersten Mal sprach Yashamaru mit dir über mich und als du nach der Enttäuschung wegen deiner abgelehnten Entschuldigung diesen Mann auf der Straße umgebracht hattest, verlor dein Vater endgültig das Vertrauen in dich. Er gab Yashamaru den Auftrag, weil er wusste, dass auch er dich inzwischen für eine Gefahr hielt und dich außerdem für meinen Tod verantwortlich machte.“ Tsuru machte wieder eine Pause.
    Langsam füllte sich das Loch in Gaaras Erinnerung wieder. In Gedanken sah er sich und Yashamaru an jenem Tag vor Tsurus Bild stehen, sah, wie sich Yashamaru absichtlich in den Finger schnitt, um ihm zu erklären, was Schmerz war. Und er sah, wie er selbst Yashamarus verletzte Fingerspitze in den Mund nahm und das Blut ableckte. Er war sich so sicher gewesen, dass er ihn mochte.
    „Als ich sah, wie an diesem Tag alles, was hätte falsch laufen können, falsch lief und all das zusammenkam, wovor ich dich immer hatte beschützen wollen, fühlte ich mich selbst schuldig. Hätte ich nicht auf der Mission vorsichtiger sein und meinen eigenen Tod vermeiden können? Aber ich konnte nichts mehr ändern und auch die Augen nicht vor dem verschließen, was du an diesem Tag durchmachen musstest. Yashamaru hatte sich, wahrscheinlich, um sein Misstrauen gegen dich zu festigen, in die Vorstellung hineingesteigert, ich hätte dich nie geliebt und nie bekommen wollen. Deshalb war er davon überzeugt, du hättest sein Leben zerstört, indem du mir meines genommen hast. Er hatte versucht, dich für mich zu lieben, aber er konnte es nicht. Für deinen Vater gilt dasselbe. Er hatte damals einen starken Hang zum Machtstreben und sah dich immer weniger als einen Menschen und als sein eigenes Kind an, sondern als Gefahr für die Menschen im Dorf. Deshalb beschloss er, dein Leben zu beenden und beauftragte Yashamaru damit, es zu tun. Ich versuchte, die beiden irgendwie zur Vernunft zu bringen und dich zu beschützen. Ersteres war unmöglich und das zweite kann ich bis heute tun. Mal beschütze ich dich und mal folgt der Sand Ichibis und jetzt Mardis Willen. Nur vor zwei Dingen kann ich dich nicht schützen: vor dir selbst und vor Worten anderer.“
    Gaara konnte sich nicht mehr bewegen. Wie erstarrt sah er auf seine Hände in den Händen seiner Mutter. Das Gefühl erinnerte ihn daran, wie Chiyo ihn nach seiner Entführung und seinem Tod wieder zum Leben erweckt hatte. Warum hatte er seine Mutter damals nicht gesehen?
    „Mama? Du weißt sicher auch… dass dies mein zweites Leben ist. Wa- warum habe ich dich da nicht gesehen?“ fragte er mit zitternder Stimme.
    „Ich wollte, dass du weiterlebst. Das Dorf braucht dich, deine Geschwister haben dich sehr gern und Naruto war so traurig. Wenn du mich gesehen hättest, wärst du bei mir geblieben.“ sagte Tsuru, „und Chiyo brauchte eine Gelegenheit, das, was sie dir kurz nach deiner Geburt angetan hatte, wieder gut zu machen.“ sie schwieg wieder eine Weile und fuhr dann damit fort, das zu erzählen, was an Gaaras sechstem Geburtstag wirklich geschehen war:
    „Du warst ganz allein und hast dich gefragt, warum so bist. Aber du hast keine Antwort gefunden. Wegen der Ablehnung der anderen und deiner Kontrollverluste war es für dich sehr schwer, einen guten Sinn in deinem Leben zu sehen. Als Yashamaru dich dann von hinten angegriffen hat, wurdest du wütend und hast den Sand auf ihn gehetzt. Dann hast du ihn erkannt. Es war furchtbar, du hast sehr geweint. Und dann hat er dir seine eigene Ansicht über meine Beziehung zu dir und meinen Tod erzählt. Du hattest keine andere Wahl, als ihm zu glauben. Doch es war nicht dein Sand, der ihn umgebracht hat, sondern es waren Briefbomben, die er in einem verzweifelten Versuch, dich mit in den Tod zu nehmen, gezündet hat. Ich habe ihn seitdem nie wieder gesehen. Der Himmel ist groß und man findet auch hier nicht immer zueinander, besonders dann nicht, wenn man einander nicht mehr versteht. Sollte ich Yashamaru irgendwann begegnen…“
    Das Loch in Gaaras Erinnerungen schloss sich und die Erinnerung an jenen Tag war wieder da. „Ich bin also weder an Mamas, noch an Yashamarus Tod schuld. Mama wollte mich, sie hat mich geliebt.“ dachte er, halb glücklich und halb traurig. Glücklich, weil er sich der Liebe seiner Mutter endlich sicher sein konnte und nun wusste, dass er keine Schuld an dem trug, was geschehen war. Traurig, weil Yashamaru für immer verschwunden war, es keine Möglichkeit gab, das von damals aus der Welt zu schaffen und sogar Tsuru ihn nie wieder gesehen hatte.
    „Warum bist du erst jetzt hier?“ wollte er wissen.
    „Das ist eine Sache, für die es ganz bestimmte Voraussetzungen braucht. Nur Schmuckshuppet können die toten Eltern ihrer Träger beschwören. Und eine gewisse Reife, um alles zu verstehen, ist auch notwendig.“ antwortete Tsuru, „ich kann dich von jetzt an immer wiedersehen, wann ich möchte. Wir treffen uns hier, wenn du träumst. Ich kann nicht lange bleiben. Sag Temari und Kankuro, dass ich sie lieb habe und sag Chiyo und deinem Vater, dass ich sehr glücklich bin, dich als mein Kind bekommen zu haben. Mardi weiß über alles Bescheid. Und wenn ich dich das nächste Mal sehe, erzähl mir mal von deiner Freundin. Seit du Mardi hast, kann ich dich nämlich nicht mehr die ganze Zeit über sehen.“ sie nahm Gaara in ihre Arme, flüsterte „aus Wiedersehen“ und verschwand. Eben war sie noch da, aber dann war da nur noch die Luft.
    Im selben Moment wachte Gaara auf. Es war dunkel und aus dem Lautsprecher der Musikanlage kam noch immer „In the Shadows“. Die Uhr auf dem Schreibtisch zeigte viertel nach eins an. Gaara hörte Schritte, unten in der Küche. Temaris Schritte. Er stand auf, ging aus dem Zimmer und die Treppe hinunter. In der Küche brannte Licht. Temari stand vor dem Kühlschrank und suchte nach etwas zu essen. Als sie Gaara bemerkte, drehte sie sich um und das Gedankenhören kehrte zu ihm zurück. Mardi lag mit einem sehr zufriedenen Lächeln schlafend auf dem Kissen neben dem Herd.
    „Gaara? Was machst du denn noch hier? Ich dachte, du schläfst längst.“ fragte Temari verwundert.
    „Ich hab von Mama geträumt.“ sagte Gaara und ihm stiegen nachträglich Tränen in die Augen, „sie hat mit mir gesprochen, vor Mardis Käfig.“
    Temari riss die Augen auf, starrte ihn eine Weile wortlos an und fiel ihm dann um den Hals. „Gaara!“
    „Sie hat mir gesagt, ich soll dir und Kankuro sagen, wie lieb sie euch hat. Und sie hat alles erzählt, über Vater und Oma Chiyo und auch über Yashamaru.“
    „Siehst du, ich hab dir doch gesagt, dass Mama dich lieb hat und du nicht schuld bist.“ sagte Temari, „morgen erzählst du den anderen das alles auch, oder?“
    Gaara nickte.
    „Ich hab dich soooo lieb, kleiner Bruder!“ quietschte Temari und umarmte ihn noch etwas fester.
    „Ich hab’s jetzt begriffen.“ sagte Gaara.
    „Und jetzt geh wieder schlafen. Und träum noch einmal was Schönes.“ Temari ließ ihn los, er ging in sein Zimmer zurück und stellte die Musik aus. Diesmal träumt er nichts, schlief aber sehr gut.

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1347001919
Kono Yume
Kono Yume
Das ist ein späteres Kapitel zu "Sand, Wind und Liebe". Wer sich noch an diese Geschichte erinnert, gut. Für die, die es nicht mehr wissen: In "Sand, Wind und Liebe" geht es um Gaara, der sich in unserer Welt in ein Mädchen namens ...
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2012-09-07
407D
Naruto

Kommentare (1)

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RobinNo2 (16531)
vor 1043 Tagen
WEEEEEEEEEEEEIIIIIIIIIIITER !!!!