Tatjana Below

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1 Kapitel - 1.681 Wörter - Erstellt von: Svenja Halmer (Honigpfote) - Aktualisiert am: 2012-09-01 - Entwickelt am: - 1.255 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt

Ich liebte ein Mädchen, das vor meinen eigenen Augen, unter meinem Schutz und unter meiner Verantwortung einfach verschwand...

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    Mein Name ist Jack. Jack Funke. Ich fange einfach einmal an ganz kurz und knapp über mein Leben zu schreiben. Ich wurde 1988 in Rom geboren. Meine Eltern waren reich und dennoch arbeitslos. Sie hatten das Geld durch ein Erbe bekommen und mein Vater, der zur Hälfte Deutscher ist, hat sogleich den Job gekündigt. Sie zogen mich auf, bis ich elf Jahre alt war, dann trennten sie sich. Mir war schon früh klar geworden, dass es irgendwann dazu kommen würde, denn immer wenn ich nachts aufwachte und mir in der Küche etwas zu trinken holte, hörte ich die wütenden Stimmen meiner Eltern. Ich litt nicht so sehr unter dieser Trennung wie andere Kinder. Meine Eltern hatten nie viel Zeit für mich gehabt. Meine Mutter war Tag täglich mit ihren zwei Freundinnen einkaufen gegangen und mein Vater hatte mich mit seinem Kindermädchen in dem großen Haus allein gelassen und ist mit irgendwelchen Kumpels feiern gegangen. Anschließend ist er mit anderen Frauen ins Bett gegangen, daher kam es zu der Scheidung. Mein Vater nahm mich mit nach Deutschland, wo ich schließlich auch ein paar Abstammungen hatte. Meine Mutter blieb in Italien und ließ sich weiterhin mit ihrem Geld verwöhnen. In Deutschland lebte ich eine ziemlich lange Zeit. Bis ich 18 war. Mein Geburtstag war gerade einmal sieben Wochen her, daran erinnere ich mich noch ganz genau. Ich stand an diesem Morgen auf, wie an jedem anderen Morgen auch. Als ich von Italien nach Deutschland gezogen war, musste ich die fünfte Klasse wiederholen und dazu kam noch meine späte Einschulung. Aus diesem Grund, musste ich noch in die Schule gehen, als ich 18 war. Ich mochte die Schule in Deutschland aber eigentlich. Allerdings hatte ich nie eine Freundin dort… Jedenfalls hatte ich keine Beziehung, die über zwei Monate gedauert hat. Jedenfalls stand ich an diesem Morgen auf, ja ich erinnere mich noch ganz genau, was dann passierte. Ich putzte mir die Zähne wie immer, machte mich fertig für die Schule und als ich die Treppe hinunter stieg, saßen zwei fremde Männer in Uniformen am Tisch. Sie sahen mich besorgt an und ich wusste sofort, dass etwas nicht stimmte. „Was ist los? Was macht ihr in meinem Haus!“, fragte ich. Genau so habe ich es formuliert, ich weiß es ganz genau! Der eine Mann stand auf, ging auf mich zu und streichelte mir sanft über das braune Haar. Mein Blick war grimmig, ich kann nicht sagen wieso, aber es war so. „Dein Vater wurde gestern Abend erschossen“, sagte der Polizist. Ich weinte nicht, ich vergoss keine Träne. Keine einzige. Aber ich war traurig und sprachlos. Ich konnte und wollte nichts mehr sagen. „Du musst heute nicht zur Schule gehen“, sagte der eine Polizist zu mir. Ich ging also wieder nach oben und was dann passierte, das ist aus meinen Erinnerungen erloschen. Ich weiß nicht wieso. Ich hätte zu gern gewusst, was dann geschehen war, aber es ist mir eigentlich auch egal. Warum ich schreibe ist ein ganz anderer Grund. Nachdem mein Vater gestorben war, ich mit der Schule fertig war und einen Job als Kellner hatte, zog ich auf einmal weg. Ich war um die 20 Jahre alt. Ich brauchte Abspann und deshalb entschied ich für mich zurück nach Italien zu ziehen. Ich verfolgte meinen Wunsch, aber irgendwie hatte sich in der letzten Zeit alles verändert. Ich erkannte Rom nicht wieder und ich versuchte vergebens die Adresse meiner Mutter zu finden. Ein weiteres Jahr war vergangen, als ich plötzlich den Anruf erhielt, dass meine Mutter gestorben war. Ich kam ausnahmsweise zu ihrer Beerdigung und lernte meinen Stiefvater kennen. Es war ein großer, schwarzhaariger Typ. Leider traf ich ihn nur in diesen schlechten Bedingungen, denn er war nett und ich hätte ihn gerne besser gekannt. Kurz nach dieser Beerdigung zog ich nach Nordamerika. Ich wollte fiel umherziehen und ich war ja erst um die 20 Jahre alt. Ich wollte noch viele andere Länder sehen in meinem Leben. Mit 21 Jahren zog ich nach Spanien und ein halbes Jahr später nach China. So kam es dann irgendwann dazu, dass ich mit 23 nach Russland reiste. Ich hatte noch genug Geld von meinem Vater geerbt um mir ein neues Haus zu leisten. Ich hatte beschlossen länger dort zu bleiben als sonst, keine Ahnung wieso. Ich fand Russland schön und einzigartig. Und so kam es, dass ich eines Abends, als es einmal nicht ganz so kalt war, an den Strand ging und mich auf einen Stein setzte. Ich mochte das Meer dort, auch wenn es meistens ziemlich kalt war. An dem Abend, als ich dort war, war es bereits schon leerer. Am Nachmittag waren viele Leute hier gewesen, denn sie nutzten den warmen Tag aus. Ach ja, ich habe vergessen euch zu erzählen, dass ich auch immer versuchte die Sprache zu lernen, die in dem Land gesprochen wurde. Russisch lernte ich recht gut, auch Englisch, Italienisch, Deutsch und Spanisch waren für mich kein Problem. Schließlich lernt man Sprachen schnell, wenn jeder um einen herum diese Sprache fließend spricht. Okay, kommen wir zurück. An diesem Abend war die Sonne schon untergegangen, trotzdem war es halbwegs erleuchtet. Ich blickte über den Strand und sah, dass die letzten Leute ihre Sachen zusammenpackten und gingen. Mir wurde auch kalt mit der Zeit, aber ich kuschelte mich in ein Handtuch und schlief. Doch diesen Traum vergaß ich bis heute nicht. Er handelte von einem Mädchen mit strahlenden blauen Augen und einem breiten Lächeln. Es war mir auf einer Wiese begegnet und es hatte gelacht. Ich erwachte mit einem Lächeln und dann erst wurde mir die Kälte um mich herum bewusst. Ich nahm meine Sachen und schlenderte noch ein bisschen am Strand entlang, dann hörte ich ihn. Einen Schrei, wie ich ihn nie vergessen werde. Ich weiß genau, was dann passierte. Keine Erinnerung bei mir ist so kräftig wie diese. Ich drehte mich um und starrte auf den Strand. Ich sah keinen Mensch, niemanden. Als ich mich gerade wieder umgedreht hatte, hörte ich erneut einen Schrei. Er kam vom Meer. Mein Instinkt war sofort ins Meer zu rennen und zu helfen, was auch immer geschehen war. Ich streifte nicht einmal meine Kleidung ab, nur die Taucherbrille zog ich an. Es war schwer mit all dem zu schwimmen und plötzlich stieß ich gegen etwas Kaltes an meinem Bein. Ich zuckte erst zusammen, aber dann sah ich, dass es kein Hai war. Ich tauchte unter und bemerkte einen Schatten über mir. Ich tauchte wieder höher und sah eine Person, die bewegungslos im Wasser trieb. Ich packte diese Person am Handgelenk und zog sie mit Mühe aus dem Wasser in den kühlen Sand. Erst dann betrachtete ich das Mädchen. Es konnte höchstens 20 sein, hatte dunkelblonde Haare und geschlossene Augen mit langen Wimpern. Die Haut war blass, aber das lag vielleicht daran, dass sie beinahe ertrunken wäre. Ich dachte kaum nach, beugte mich über die junge Frau und versuchte sie mit der Mund-z-Mund-Beatmung wiederzubeleben. Ich hatte jegliches Zeitgefühl verloren, wusste aber, dass die Frau kurz darauf Wasser ausspuckte und hustete. Nach ziemlich langem Warten, stand ich auf und rief den Krankenwagen, denn das Bein der jungen Frau war irgendwie ausgerenkt, weil sie damit gegen einen Felsen geprallt war. Eine Woche verging und als Retter dieses Mädchens rief mich das Krankenhaus an und sagte mir, dass ich vorbei kommen dürfte. Ich kam natürlich sofort und besuchte die Frau. Sie lag noch immer in einem Bett, ihr Bein war doch gebrochen und in einen Gips gewickelt. Die Blasse Farbe in ihrem Gesicht war verschwunden, die blauen Augen starrten mich an und die vollen Lippen wurden zittrig gehoben, als ich über ihr stand. „Danke“, flüsterte sie mit einem schwachen Lächeln. Ich konnte kaum stehen, wurde richtig ungeduldig und fragte nach dem Namen des Mädchens. „Ich heiße Tatjana. Tatjana Below“, sagte die junge Frau. Ich nahm eine ihrer blonden Strähnen zwischen meine Finger und flüsterte: „Wie geht es dir?“ „Mir geht es gut“, flüsterte Tatjana zurück. Ihr Flüstern war so leise und kaum hörbar und man sah, wie schwach sie noch war. „Bist du sicher?“, wollte ich wissen. Tatjana lächelte, dann verschwand ihr Lächeln zu einem traurigen Gesichtsausdruck. „Nein“, sagte sie, während sie den Kopf schüttelte. Ich streichelte ihr über die linke
    Wange, wünschte mir, dass ich das Mädchen besser kennen würde, aber das tat ich nicht. „Woher kommst du?“, fragte ich. „Aus einer schönen Stadt nicht weit weg von hier“, erzählte Tatjana, dann schloss sie die Augen. Nachdem ich dreimal leise ihren Namen gerufen hatte, öffnete sie die Augen wieder. „Welche Abstammungen hast du?“, fragte ich lächelnd. „Ich komme aus Deutschland … zur Hälfte“, antwortete Tatjana Below, dann schloss sie die Augen und sie wurde nicht mehr wach, als ich sie rief. Ich alarmierte eine Krankenschwester und sofort wurde Tatjana zur Intensivstation gebracht. Ich sah sie niemals wieder in meinem Leben. Weiß nicht einmal, ob sie vielleicht längst tot ist. Ich weiß nichts über sie und das war es, was ich euch erzählen wollte. Nach einem halben Jahr, nachdem dies alles passierte, zog ich für immer zurück nach Deutschland und lebe dort alleine in einem hübschen Haus an der Nordsee.
    Vielleicht werde ich meine große Liebe irgendwann wieder sehen, vielleicht, aber dafür brauche ich sehr viel Glück…

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