Karims Geschichte

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1 Kapitel - 1.045 Wörter - Erstellt von: Akuma - Aktualisiert am: 2012-09-01 - Entwickelt am: - 1.447 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt

Ein geschundenes Pferd erzählt seine Geschichte und weiß nach seinem quälenden Leben eines mit Sicherheit: Von allen Raubtieren ist der Mensch mit Abstand das Gefährlichste.

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    Karims GeschichteAls ich noch ein Fohlen war lebte ich in einer großen Herde mit vielen anderen Pferden, meine Mutter immer an meiner Seite. Tagsübe
    Karims Geschichte

    Als ich noch ein Fohlen war lebte ich in einer großen Herde mit vielen anderen Pferden, meine Mutter immer an meiner Seite. Tagsüber jagte ich über die scheinbar endlosen Weiden und nachts schlief ich bei meiner Familie – den Sternenhimmel über mir. Als ich eines Morgens erwachte, war etwas anders. Ich wusste damals noch nicht, dass es der Anfang meiner Reise war – meiner Reise durch die Hölle. Ich war gerade zwei Jahre geworden und oft sagten mir Menschen, dass ich einmal ein wunderschöner Hengst sein würde. Es erfüllte mich mit Stolz, doch der Mann, der an diesem Tag kam, war keiner dieser Menschen. Er machte mir Angst. Ich wurde von der Weide geholt, lief Runde um Runde an der Longe, während der Mann mich beobachtete. Eine Stunde später war es soweit. Ein Hänger fuhr in den Hof. Ich sollte hinein gehen, doch ich wehrte mich. Zu groß war die Angst. Die Menschen zerrten an meinem Strick und hinter mir knallte die Peitsche auf das Metall der Rampe. Verzweifelt wieherte ich mir meine Seele aus dem Leib, schrie nach meiner Mutter und den anderen. Was geschah hier? Was sollte ich nur tun? Doch aller Widerstand, alles Kämpfen half nichts. Ich wurde in den Hänger geschliffen, während meine traurigen Augen einen letzten Blick auf meine Vergangenheit warfen. Ich spürte, ich würde nie wieder zurückkehren.


    Bis heute habe ich Recht behalten. Seit diesem Tag, habe ich die Sonne nicht mehr gesehen. Ich lebe in einer kleinen, schmutzigen Box, gerade einmal groß genug, dass ich mich einmal umdrehen kann. Durch die Risse der morschen Holzbretter kann ich nach draußen sehen. In den Himmel und die Wolken und manchmal erinnern sie mich an zu Hause. Es ist kalt hier drin. Kalt und nass und dunkel. Lange schon stehe ich hier, ohne mich bewegen zu können. Ich weiß nicht mehr, wann ich das letzte Mal laufen durfte, wann ich das letzte Mal Pferd sein durfte. Alles tut mir weh. Die Schmerzen der quälenden Prozeduren, die ich Jahrelang habe über mich ergehen lassen, rauben mir Schlaf und Verstand. Ich wollte gut genug sein. Ich wollte, dass Es Stolz auf mich ist. ''Es“ ist das Monster von Mensch, dass mich aus meiner Heimat geholt und geschunden hat. Ich versuche mit meinem Schweif die störenden Fliegen zu verjagen, doch es hilft nichts. Schon früh hat Es ihn mir kruppiert. Die Insekten nagen an Kruppe und Flanken, die aufgerissen und entzündet sind von Peitschenschlägen und Sporenstichen. Bis heute spüre ich den Schmerz, als mir ein glühendes Eisen auf die Hinterhand gedrückt wurde. Die Hoffnung und sogar der Wunsch hier jemals raus zu dürfen sind vernichtet, denn ich weiß, dass Es dabei sein würde. Das Gefühl zu ersticken, Panik und Angst kämen zurück und wieder würde ich kaum etwas sehen, wenn er mein Kinn auf meine Brust zerrt und mein Maul bis zum Bluten zerreißt. So musste ich gehen – Stunde um Stunde. Der Schmerz, der meine Wirbelsäule erfasst, wenn ich mich bewege, ist kaum noch zu ertragen. Als würden meine Knochen zerspringen. Ich versuche auf meinen geschundenen Beinen stehen zu bleiben. Schon früh hat Es schwere Gewichte an meine Fesseln gehangen und Zentimeter hohe Blöcke unter meine Hufe gebracht. Ich verstehe bis heute nicht wieso Es das tat. Was soll ich mit schönen Gängen, wenn ich keine Freude am Laufen haben darf? Vorsichtig, soweit es die Schmerzen zulassen, drehe ich meinen Kopf und blicke über meinen geschundenen Körper. In verfilzten Strähnen hängen Mähne und Schweif herab. Mein einst glänzendes rotes Fell ist von einer Schmutzkruste umgeben und liegt matt über den mageren Rippen und dem weit herabgesunkenen Rücken. Ich kann jeden einzelnen meiner Knochen sehen und mich an meine letzte Mahlzeit kaum noch erinnern. Der Glanz ist aus meinen Augen verschwunden und einer lehren, trostlosen Verzweiflung gewichen. Ich höre wie, zum ersten Mal seit Ewigkeiten, die Stalltür geöffnet wird. Es kommt, mit Strick und Halfter in der Hand, auf mich zu. Es ist mir egal, was Es jetzt mit mir macht. Etwas Schlimmeres, als das, was mir bisher wiederfahren ist, konnte es ohnehin nicht geben. Mit groben Bewegungen streicht Es mir das Halfter auf und zerrt mich aus meinem Verließ. Meine müden, schwachen Beine tragen mich mühselig die Stallgasse entlang. Auf dem Hof, sehe ich einen Hänger. Ich kenne den Geruch. Viele meiner Kameraden waren darin verschwunden. Nachdem sie hinein gegangen waren, kamen sie nie wieder. Ich weiß, dass ich endlich weg darf, wohin ist mir egal. Es ist mir schon lange egal, was mit mir passiert. Ein Mensch kommt auf Es zu und gibt ihm Geld. Danach werde ich in den Metallkäfig gebracht. Den Geruch nehme ich nur schwach war. Es riecht nach Angst und Tot. Dunkel ist es. Nicht ein einziges Fenster lässt Licht hinein. Es sieht mich gefühlskalt an und schließt die Klappe mit den Worten: „Viel ist zwar nicht an dir dran, aber immerhin hast du mir noch ein paar Scheine eingebracht, Karim.“ Karim. So heiße ich, aber ich habe meinen Namen schon lange vergessen. Ich vergieße eine Träne und danke Gott dafür, dass es vorbei ist, werfe einen letzten Blick auf die Sonne, betrachte noch ein letztes Mal den Himmel und die Wolken, bevor sich die Rampe schließt und die Dunkelheit sich auf mich und meine geschundene Seele legt.




    Danke, dass ihr meine Geschichte gelesen habt!
    Es ist meine erste, also habt Gnade.

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Karims Geschichte
Karims Geschichte
Ein geschundenes Pferd erzählt seine Geschichte und weiß nach seinem quälenden Leben eines mit Sicherheit: Von allen Raubtieren ist der Mensch mit Abstand das Gefährlichste.
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2012-08-17
40GA
Pferde

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