Eureka- die geheime Stadt

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1 Kapitel - 9.705 Wörter - Erstellt von: Eupo - Aktualisiert am: 2012-08-15 - Entwickelt am: - 2.542 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

Hier meine Fanfiction!

    1
    Das war ein einziger Alptraum!
    Er lief auf und ab. Sieben Schritte, scharfe Kehrtwendung.


    Nathan Stark war immer schon akkurat gewesen. Bloß schlecht, dass das in diesem Falle ganz und gar nicht half.
    Bis heute morgen hatte er kein Problem gehabt. Allison hatte keine Zeit für ihn gehabt, aber das war nicht wirklich etwas, das die Welt untergehen ließ. Da war Fargo ein weit größeres Problem für diese unschuldige Welt.
    Nicht mal an das Artefakt hatte er denken müssen. Nun gut, kurz hatte er überlegt, wie er geschickter an die Informationen, die in seinem Sohn schlummerten, herankommen könnte, aber das war auch nur ein sehr kurzer Moment der Überlegung, den er sich tagtäglich gestattete.
    Sein jetziges Problem war viel komplizierter und um einiges ärgerlicher.
    Er war gerade durch einen der Gänge von Global Dynamics gelaufen, als direkt neben seinem rechten Ohr etwas mit lautem Getöse explodiert war. Dass er sein Trommelfell mal für eine Weile vergessen konnte, war ihm sofort im nächsten Moment klar, aber dass er nicht einmal mehr einen Ton hervorbrachte, überraschte ihn dann doch. Was zur Hölle war da bitte explodiert?
    Nähere Untersuchungen konnten noch nicht gemacht werden, da Explosion ein Feuer mit sich zog, das man nicht so einfach löschen konnte, aber als Nathan selbst untersucht wurde, sagte man ihm, dass irgendetwas, vermutlich eine Strahlung, seine Stimmbänder gelähmt hatte. Wenn man nicht herausfand, was das verursacht hatte, konnte man es auch nicht heilen.


    Und jetzt lief der ehemalige Chef der Global Dyn in einem Krankenzimmer auf und ab und wartete auf irgendetwas. Man hatte ihm nicht wirklich konkret gesagt, auf was er warten sollte, aber er sollte warten.
    Da er am heutigen Tage sowieso nichts geplant hatte, wartete er. Nicht, dass er besonders scharf darauf wäre, den ganzen Tag bei Global zu bleiben, aber je eher er seine Stimme wieder hatte, desto besser.
    Und in genau diesem Moment betrat ein enthusiastischer Jack Carter das Krankenzimmer und Nathan sah sich veranlasst, die Augen zu verdrehen. Konnte dieser kompetenzlose Idiot nicht den Verkehr regeln? Carter hatte doch nicht den geringsten Schimmer, was da explodiert sein könnte und dann marschierte er hier schon wieder an. Es war doch jedes Mal dasselbe.


    Dumm nur, dass er ihm heute nicht wieder mit einer treffenden Bemerkung verjagen konnte.
    „Ah, Stark!“, rief Jack mit seinem üblichen Enthusiasmus in die Welt hinaus, als er Nathan erspähte. „Ich hab gehört, es hat ihnen die Sprache verschlagen.“
    Der Sheriff gab sich nicht die geringste Mühe, seine Schadenfreude zu verbergen. Kein Wunder, dachte Nathan, Wo er doch sonst immer den Kürzeren zieht.
    „Hören Sie nur mal, wie still es ist, wenn niemand einen verachtenden Kommentar einwirft. Hören Sie's?“, fuhr Jack fort und kam langsam näher.
    „Aber deswegen bin ich gar nicht hier. Ich bin hier, weil doch heute Vormittag diese Explosion war und da muss ich ihre Zeugenaussage aufnehmen.“
    Das Grinsen des Sheriffs wurde von Wort zu Wort breiter und der schale Sieg machte ihm sichtlich Spaß.
    „Schade nur, dass sie gar nicht reden können, um eine Aussage zu machen.“
    Carter bemühte sich um ein ernstes Stirnrunzeln, bevor sich seine Miene wieder in das jungenhafte und widerwärtigerweise attraktive Strahlen verwandelte.
    Stark schnaubte und machte mit beiden Händen Bewegungen, als schriebe er etwas mit unsichtbarem Stift auf unsichtbares Papier.


    „Was zu schreiben?“, fragte Carter und tastete mit weitschweifenden Bewegungen seine dünnen Taschen ab. „Tja, das tut mir Leid, aber ich hab heute nichts zum Schreiben dabei.“
    Wieder strahlte er, doch Nathan gab nicht auf. Sein Handy war bei der Explosion zerstört worden, aber Carter musste seines einfach dabei haben.
    Er machte Bewegungen, als tippte er eine SMS, doch Carter runzelte unwissend die Stirn. Oh, diese technische Katastrophe, die auf zwei Beinen umherwandelte. Wie konnte man mit einem solchen Intelligenzquotienten nur überleben?
    Nathan schlug sich mit der flachen Hand auf die Stirn und seufzte Tonlos. Irgendwie machte es ihm zu schaffen, nicht einen Laut hervorbringen zu können. Er schloss die Augen und atmete tief durch.
    „Nathan?“
    Stark riss die Augen auf und nur wenige Zentimeter vor seinem Gesicht, erblickte er Carter, der ihn mit merkwürdig besorgtem Gesichtsausdruck ansah. Augenblicklich wich der ehemalige Chef von Global zurück, doch die Liege, an die er sich gerade noch gelehnt hatte, behinderte seine Flucht gänzlich.
    Wenn dieser Schwachkopf nicht gleich einen Schritt zurücktrat, dann-


    Und da war er wieder, jener besorgte Blick, der sich bis tief ins Innerste jeder Menschenseele bohren konnte. Sogar in Nathan Starks.
    „Alles in Ordnung?“
    Nathan hob die Hände, als wollte er Carter abwehren, doch dabei vergaß er, dass er sich mit ihnen gerade noch aufrecht gehalten hatte und so kippte er nun recht ungeschickt aussehen nach hinten.
    „Was machen Sie denn für Sachen?“, sagte Carter mit diesem offenen Lachen, dass ihn noch ein wenig doofer wirken ließ und streckte seinem Erzfeind die Rechte hin, um ihm aufzuhelfen.
    Zögerlich ergriff Stark diese und ließ sich wieder auf seine zwei Beine ziehen. Dann nickte er zum Dank und atmete ein wenig auf, als der Sheriff zwei Schritte zurücktrat.
    Carter sollte verdammt sein dafür, dass er so gut aussah! Kein Wunder, dass Allison ihm hinterherlief. Nathan machte ein düsteres Gesicht und gleichzeitig schlich sich der neckende Gedanke in seinen Kopf, was ihn wohl annehmen ließe, Carter sei attraktiv.
    Jack derweil war vollends verwirrt von der geistigen Abwesenheit Nathans und wedelte probeweise mit der Hand vor dessen Gesicht herum. Stark sah auf und runzelte fragend die Stirn.


    „Ach nichts, ich, äh...“
    Mehr sagen konnte er gar nicht, denn in diesem Moment packte Nathan ihn am Kragen und zog ihn ganz nah zu sich heran. Einen Moment zögerte Stark noch, dann küsste er den Sheriff hart und verlangend.
    Carter riss erstaunt die Augen auf und einen Moment bevor der Gedanke des Zurückstoßens sich in dessen Kopf durchsetzen konnte, drängte Nathan Jack gegen die nächste Wand und schob sein Knie gegen Jacks Schritt. Carter schloss die Augen und stöhnte ungehalten in den Kuss hinein.
    Was tat er da eigentlich? Er küsste einen geistigen Schimpansen. Warum war Sexappeal nicht einfach vom Intelligenzquotienten abhängig?
    „Nathan!“, erklang es in dem Moment ungläubig von der Tür her. „Jack!“
    Augenblicklich beendete Stark den Kuss und als er zu dem Ungläubigen hinüber blickte, stellte sich dieser als seine Ex-Frau Allison heraus.

    Mit einem leisen Ausruf der Überraschung fuhr Nathan aus dem Schlaf. Was für ein Alptraum!
    Wieso zur Hölle träumte er, er habe keine Stimme mehr? Und warum hatte er ausgerechnet Carter geküsst?
    Was für eine absurde nächtliche Exkursion. Die stille Wut auf Allison, weil sie ihn und den Sheriff unterbrochen hatte, vergrub er tief in seiner äußeren Gefühlskälte.



    Carter fühlte sich beobachtet.
    Er saß auf seinem Sofa und las in der Morgenzeitung, trank einen Kaffee und fühlte sich in höchstem Maße beobachtet. Der Grund saß ihm gegenüber, nur knapp zwei Meter entfernt.
    Zoe hatte eine neue Bekanntschaft gemacht, die sie sofort hatte mit nach Hause bringen müssen.
    Diese Bekanntschaft sah wie folgt aus:
    Sie war ein junges Mädchen, zerbrechliche siebzehn Jahre alt und mit erschreckend dünnem Leib. Sie trug einen schwarzen Rock, der auf eine sehr absurde Art zerfetzt und doch nicht zerfetzt aussah und schwarz-weiß gestreifte Strümpfe gingen ihr über die Knie. Dazu trug sie an den Füßen schwarze, unauffällige Ballerinas und ihren Oberkörper zierte ein schwarz-pink gestreiftes Top. Doch damit nicht genug, nein, an ihren rechten Arm schmiegte sich eine schwarze Stulpe, über der sie eine Unmenge an klimpernden, silbernen Armreifen trug und an der linken Hand trug sie einen Netzhandschuh, der ihr bis an den Ellenbogen reichte.


    Ihr Mund war kirschrot geschminkt und ihre Augen waren schwarz umrahmt. Die Fransen ihres Ponys mussten ihr doch in den Blick hängen! Den bauschigen Rest ihrer Haarpracht trug sie zu zwei Zöpfen, die ihr ins Genick hingen. Dass kurz hinter dem Pony ein schmaler, schwarzer Haarreif mit Totenköpfen platziert war, war nur noch ein kleines Highlight ihrer Erscheinung.
    Ihr Name war Taylor und sie lebte seit exakt zwei Tagen in Eureka.
    Jack verzweifelte daran, sie nicht anzustarren und sie machte es ihm nicht gerade leichter, indem sie den Blick nicht von ihm abwandte. Dabei wollte Zoe doch nur kurz mal ins Bad, bevor sie Taylor Eureka ein bisschen näher brachte. Was trieb man so lange im Bad?
    Kaum hatte er das gedacht hörte er auch schon schnelle Schritte auf der Treppe und Zoe tauchte von oben auf, ihre blonden Haare hoch gesteckt. Wie fast immer baumelte eine größere Tasche an der Seite.
    "Viel Spaß, ihr beiden.", sagte Jack mit erhobener Stimme und sah weiter in seine Morgenzeitung. Zoe verdrehte die Augen, ohne dass er es sah und bedeutete Taylor mit einer einladenden Geste, ihr zu folgen.
    "Werden wir haben, Dad.", sagte sie betont, während sie sich der Tür näherte. "Können wir deinen Wagen haben?"
    "In deinen Träumen.", erwiderte Jack fröhlich in Richtung seiner Zeitung und bekam somit nicht mit, wie Zoe sich den Schlüssel schnappte.
    "Hatte auch nicht damit gerechnet.", sagte sie gespielt ironisch und sagte dann in Richtung Ausgang: "SARAH, Tür."
    Zehn Sekunden später war besagter Ausgang wieder geschlossen und Ruhe kehrte in das Haus ein.
    Jack ließ seine Gedanken schweifen, während er seinen Kaffee schlürfte. Heute war Samstag und er konnte einfach nur hier sitzen und nichts tun. Das war toll, nach so einer eher mäßigen Woche. Man könnte meinen, in Eureka gäbe es jede Woche mindestens einen Notfall, aber diese Woche war eine einzige Flaute gewesen. Schon merkwürdig.
    Allerdings, wenn die Woche schon so Tätigkeitslos war, dann könnte er doch wenigstens jetzt etwas unternehmen. Bloß was?
    Als Jack gerade in Gedanken Allison beim Tennisspielen traf, meldete SARAH sich zu Wort.
    "Sheriff?", fragte sie und man hörte ihr förmlich an, wie sie die Augenbraue hochzog. "Ich wollte Sie lediglich darauf hinweisen, dass Zoe ihren Schlüssel entwendet hat."
    Jack sah mäßig interessiert auf und nahm noch einen Schluck Kaffee. Langsam wurde er kalt und so nahm der Gesetzeshüter noch einen Schluck.
    "Meinen Schlüssel?", fragte er verständnislos und hielt plötzlich inne, um filmreif die Augen aufzureißen.
    "Doch nicht die Autoschlüssel, oder!"
    Er sprang auf, kleckerte dabei Kaffee über seine tolle Jeans und stolperte mehr zur Tür, als er wirklich ging.
    "Mach schon auf, mach schon auf!", forderte er und zwängte sich durch den schmalsten Spalt, als SARAH den Ausgang öffnete.
    "Zoe?"
    Barfuß, nur mit Jeans, einem grauen T-shirt und seiner Tasse Kaffee stand er auf dem Wagenlosen Parkplatz, der im Grunde nur aus einer Schicht Kies bestand. Wie hatte er so gutgläubig sein können? Er kannte doch Zoe!
    Er stapfte wieder in den Bunker zurück, mit dem festen Vorhaben, Jo anzurufen.

    "Lupo?", meldete sich die junge Frau, die gelegentlich - wenn nicht gerade Wochenende war - der Deputy von Eureka war.
    "Jo?", meldete sich Jack Carters Stimme am anderen Ende. Er klang leicht aufgebracht, aber das war ein häufig angeschlagener Tonfall und so sprang Jo nicht kampfbereit auf, um zu den Waffen zu stürmen, sondern legte einfach ihre Beine aufs Sofa.
    "Ja, was gibt es denn, Jack?", fragte sie mit vagem Interesse. Niemand versaute ihr ihr wohlverdientes Wochenende. Sie hatte die ganze Woche den elendigen Papierkram erledigt, für den Jack deutlich zu faul war und niemand konnte sagen, dass so etwas nicht schlauchte!
    "Jo, warum nimmt niemand im Büro des Sheriffs ab? Wo bist du? Ich brauch deine Hilfe!", sprudelte es aus dem Telefonhörer und die junge Deputy hob halb irritiert, halb verärgert die Augenbrauen.
    "Was soll denn das heißen, Jack? Wieso bist du nicht selbst im Büro? Es ist dein Wochenende!", gab sie mit finstererem Gesichtsausdruck zurück und hatte die leise Ahnung, dass Jack das vollkommen vergessen hatte.
    "Weißt du noch?", fuhr sie fort, als Jack wieder Luft holte. "Wir hatten das ausgemacht! Wir wollten tauschen, weil exakt dieses Wochenende Zane mit mir zum Ballett geht. Und falls du dich das fragen solltest: Ich hab dir noch nicht verziehen, dass du ausgerechnet das verraten hast!"
    Sie drückte auf auflegen und legte das Telefon auf den Couchtisch.
    Es war wahr. Sie saß hier mit hochgestecken Haaren, ihren Körper hatte sie in ein fast zu enges, weißes Kleid gedrängt und die passende Handtasche lag neben ihr. Im Grunde fehlte nur noch Zane, aber der hatte noch zehn Minuten.

    Was nun?
    Jack fuhr sich recht verzweifelt durch die Haare. Vielleicht konnte er Henry dazu überreden, ihn abzuholen, aber kurz bevor er wählte, viel ihm ein, dass dieser ja gerade an einem wichtigen Experiment bei Global teilnahm und gar nicht gestört werden konnte.
    Dann war da noch Allison, aber von der wusste er ganz genau, dass sie für eine Woche Urlaub bekommen hatte, um mit ihrem Sohn an einen wärmeren Ort zu fliegen. Irgendwohin, wo es auch Meer gab.
    Jack verdrehte die Augen und begann zu wählen.
    "Ja?"
    "Wenn du nicht sofort den Wagen wieder zurückbringst, junge Dame, dann hast du so lange Hausarrest, dass du vergessen wirst, was Freizeit mit Freunden bedeutet!", donnerte Jack in den Hörer und war erstaunt, als er nur eine eher patzige Antwort erhielt.
    "Tja, das würd ich ja gern, aber du hast ganz offensichtlich vergessen zu tanken! Wir sind nämlich gerade zu Fuß auf dem Weg in Richtung Eureka!"
    Und damit legte Zoe wieder auf.
    Jack war der Mund offen stehen geblieben. Sein Wagen stand mutterseelenalleine auf dem Weg herum! Er hatte bestimmt nicht vergessen, ihn zu tanken! Wenn, dann war irgend etwas defekt!
    Er hatte doch erst getankt. Neulich...
    Schön, vielleicht hatte er vergessen, mal auf die Tankanzeige zu sehen, aber das gab Zoe noch lange nicht das Recht, seinen Wagen zu klauen!
    Wen konnte er jetzt noch anrufen? Irgendwer musste doch wohl Mitleid haben und ihn abholen. Er musste immerhin arbeiten!
    In genau diesem Moment klingelte es an der Tür und Jack sah überrascht auf. Welch ein Zufall! Wer das wohl sein mochte? Hoffentlich ein Retter in der Not.
    "SARAH", sagte er in froher Erwartung und mit strahlendem Gesicht. "Tür!"

    Jack und Nathan saßen auf der Couch.
    Nathans Wohnung war schlicht eingerichtet, zweckorientiert und ohne große Akzente. Lange wohnte er noch nicht hier. Er hatte ja auch nicht damit gerechnet, dass das Experiment schief ging. Aber nun war es passiert und er hatte seinen Lebensstandard seinen Einkünften anpassen müssen.
    Es war natürlich keine schlechte Wohnstätte, aber sie war auch nicht das, was er gewohnt war.
    Draußen prasselte Regen gegen das große Wohnzimmerfenster. Die Temperatur war in den letzten Tagen rapide gefallen und es war alles andere als angenehm. Der Herbst kam und ließ sich durch nichts aufhalten.
    Im offenen Kamin brannte ein kleines Feuer und vertiefte die vorhandenen Schatten. Irgendwie ein romantisches Licht. Jack hätte gegen ein bisschen Kuscheln auch nichts einzuwenden gehabt. Nur dass Nathan das auch wollte, wagte er zu bezweifeln. Er war eben das Testosteronmonster.


    Jack seufzte resignierend und kuschelte sich tiefer in die weiche Decke, in die er sich gehüllt hatte. Den Seitenblick von Nathan bekam er gar nicht mit.
    Der ehemalige Chef von Global trank einen Schluck von seinem dampfenden Tee und ließ seinen Gedanken freien Lauf. Heute war ein ganz und gar wundervoll tätigkeitsloser Sonntag und außerdem war Nachmittag und es regnete. Es gab keinen günstigeren Zeitpunkt, nichts zu tun.
    Es machte ihm natürlich Spaß, wieder im Bereich der Wissenschaft tätig zu sein. Es gab nichts besseres, als eine neue Entdeckung zu machen oder auf irgendeine noch so absurde Art und Weise die Welt zu verbessern. Der Papierkram war hier weit weniger wichtig als er das vorher war.
    Der Tee dampfte immer noch. Sein Geruch erinnerte Nathan an den Sommer, der noch nicht lange weg war. Ein Lächeln huschte über sein Gesicht und verschwand sofort wieder.
    Der Duft von Jacks Shampoo war ihm in die Nase gestiegen und stimmte ihn ein wenig besorgt. Er wusste, dass er Schuld war, wenn der Sheriff jetzt krank wurde, weil er unbedingt hatte joggen gehen wollen. Mit dem Platzregen hatte er nicht gerechnet.
    "Kann ich einen Schluck haben?", hörte er die recht leise Stimme des neben ihm sitzenden. Er blickte auf, sah kurz ein wenig desorientiert drein und reichte Jack dann seinen Tee.
    Der in die Decke gehüllte griff nach dem Getränk und umschloss die Tasse mit beiden Händen, als wolle er sich daran wärmen, bevor er daran nippte.
    "Schmeckt er?", fragte Nathan ohne jede Emotion in der Stimme. Er persönlich mochte diesen Tee, aber er kannte kaum jemanden, der diesen Geschmack teilte.
    Jack schenkte ihm ein leises Lächeln, das die Herbstliche Kälte augenblicklich weniger frostig erscheinen ließ.
    "Klar, aber er ist noch ein bisschen heiß."
    Nathan gab dem spontanen Bedürfnis nach, sich zu diesem zum niederknuddeln süßen Sheriff hinüberzubeugen, um ihm einen zärtlichen Kuss auf die Lippen zu drücken.

    Wie hätte es anders auch sein können? Natürlich stand Nathan Stark vor der Tür des Bunkers und schaute halbwegs genervt drein.
    "Was machen Sie denn hier?", fragte Jack wenig begeistert und starrte den ehemaligen Chef von Global Dyn mit in die Hüfte gestemmten Armen an.
    "Nette Begrüßung für einen Gast, Carter.", gab Nathan ebenso wenig erfreut zurück. Er hatte schon genug mit den Vorstellungen in seinem Traum zu kämpfen und jetzt das!
    "SARAH hat mich wieder mal angerufen und gesagt, es ginge um einen Notfall.", fuhr er dann eher gelangweilt fort und trat einfach an Jack vorbei. "Sie sehen allerdings nicht so aus, als bräuchten Sie Hilfe."
    Er beugte sich hinunter zum Couchtisch und klaute sich eine Nuss aus der Glasschale, um sie zwischen seinen weißen Zähnen verschwinden zu lassen.
    "Was sollte das, SARAH?", fragte derweil Jack sein Haus mit größer werdendem Entsetzen. "Du kannst doch nicht einfach irgendjemanden anrufen, wenn ich nicht mehr weiter weiß!"
    Er sah einfach lächerlich aus mit seiner Kaffee-fleckigen Jeans und dem grauen Oberteil. Ganz zu schweigen von den nackten Füßen und den völlig zerwühlten Haaren. Irgendwie niedlich, aber so hilflos.
    Fast hätte Nathan sich selbst auf die Zunge gebissen, doch stattdessen zerbiss er weiter ein paar Nüsse.
    "Sie wissen also nicht weiter?", schmunzelte er kauend. "Ist ja mal was ganz neues."
    Er verleibte sich eine weitere Nuss ein und beobachtete ihn, während Jack überlegte, was er tun sollte.
    "Ich habe ihren Wagen am Rand stehen sehen auf dem Weg hierher. Was hat denn das bitte zu bedeuten?"
    Jack sah seinen Erzrivalen ein wenig verbissen an und antwortete dann wahrheitsgemäß: "Zoe hat wieder mal den Wagen genommen und dann ist ihr der Sprit ausgegangen."
    Diesmal entkam dem ehemaligen Global Dyn Besitzer ein Lachen.
    "Sie haben vergessen zu tanken?"
    "Nein!", beschwerte sich Jack mit empörter Miene. "Warum glauben das alle?"
    "Naja", schmunzelte Stark fröhlich weiter. "Es ist ihr Wagen und Zoe würde nicht vergessen, zu tanken, also..."
    Er nahm sich noch eine Handvoll Nüsse und ging dann wieder in Richtung Ausgang (an dem Jack im übrigen immer noch stand).
    "Wenn weiter nichts ist, dann kann ich ja gehen, oder?", fragte er und wollte schon die Stufen nach oben betreten. Ein Räuspern hielt ihn auf.
    Der Blick zurück bestätigte die Vermutung: Jack sah ihn an, hin und her gerissen zwischen Verachtung und Verzweiflung.
    "Was?", fragte er und seine Stimme war durchtränkt von unguten Befürchtungen.
    "Naja", druckste Jack herum und warf der Decke einen Blick zu. "Ich müsste zum Sheriffsbüro. Könnten Sie mich vielleicht mitnehmen?"
    Nathan entkam ein anzügliches Grinsen als er erwiderte: "Aber nicht in dem Aufzug."

    Einige Minuten und einmal umziehen später saßen Jack und Nathan schweigend nebeneinander im Mercedes des ehemaligen Globalbosses.
    Nathan schwieg, weil er viel zu sehr damit beschäftigt war, die Gedanken an seinen Mitfahrer zu verdrängen und Jack schwieg, weil ihm das ganze schon peinlich genug war. Keiner von beiden achtete groß auf den Weg, den sie hier fuhren, doch nach einer Viertelstunde war der Sheriff mit einem Stirnrunzeln einen Blick auf seine Uhr.
    "Nehmen Sie einen Umweg, den ich nicht kenne?", fragte er skeptisch und blickte nach draußen. Der Wald kam ihm allerdings vage bekannt vor.
    "Wovon reden Sie, Carter?", antwortete Nathan verächtlich und blickte stur geradeaus.
    Jack tippte an die Scheibe zu seiner rechten und sagte mit einer Stimme, die deutlich ein wenig Ungläubigkeit zutage treten ließ: "Wir fahren seit einer Viertelstunde durch einen Wald, den man in drei Minuten hinter sich lassen kann."
    "Das kann nicht sein, wir sind doch erst-"
    Nathan unterbrach sich, als er einen flüchtigen Blick auf seine Armaturen warf.
    "Oh, verdammt..."

    Jack saß auf einem Felsen und warf kleine Kiesel auf die Straße. Nathan stand nur ein paar Meter entfernt, neben dem Wagen, der am Straßenrand geparkt war, und hantierte mit seinem kleinen Handy herum. Der Sheriff hatte beim Umziehen völlig vergessen, auch sein kleines Mobiltelefon in die Sheriffskluft zu stecken.
    Nachdem sie mit dem Wagen noch eine halbe Stunde durch den Wald gefahren waren, war ihnen aufgefallen, dass es immer wieder dieselben zwei Kilometer davon durchfuhren. Wirklich wundern tat es weder Nathan noch Jack, denn immerhin waren sie in Eureka und sie hatten schon weit Verrückteres gesehen.
    "Und?", fragte Jack gelangweilt und warf einen Kiesel gefährlich dicht in Richtung des Mercedes. Nathan sah mit einem strafenden Blick auf. "Haben Sie Empfang?"
    "Natürlich nicht, sonst würde ich längst telefonieren, meinen Sie nicht?", gab Nathan mit einem finsteren Gesichtsausdruck zurück.
    "Schon gut.", sagte Jack und hob beschwichtigend die Arme. "Ich hab ja nur gefragt."
    "Wir sollten lieber überlegen, was wir jetzt tun!", überlegte Nathan laut und sah sich nachdenkenderweise um.
    Nachdem sie nach diesen dreißig Minuten diesen Irrsinn festgestellt hatten, hatten sie beschlossen, es zu Fuß zu versuchen. Als sie nach zwei Kilometern wieder auf den Wagen trafen, machten sie eine Pause.
    "Vielleicht sollten wir mal einfach querfeldein durch den Wald laufen?", schlug Carter vor und versuchte irgendetwas zu sehen in der Düsternis des Waldes. Nathan sah mehr als skeptisch drein.
    "Mit diesen Schuhen?", fragte er ungläubig.

    Taylor und Zoe saßen im Cafe Diem'. Als es angefangen hatte zu regnen, hatten sie die beiden Mädchen - in Ermangelung eines Wagens - einen Unterschlupf gesucht.
    Jetzt saßen sie in einer Ecke von Vincents Terrain, tranken Kaffee, aßen Süßkram und tauschten Erfahrungsberichte aus.
    "Ich hab vorher in einem unmöglichen Kaff gewohnt. Ich war auf einer Schule, in der man förmlich für Wissen gesteinigt wurde! Kannst du dir das vorstellen? Meine Eltern jedenfalls haben mir nicht geglaubt.", erzählte Taylor recht enthusiastisch. Sie hatte ein erstaunliches Mienenspiel aufzuweisen.
    "Das kommt mir echt bekannt vor.", sagte Zoe und verdrehte die Augen. "Deswegen bin ich auch immer wieder weggelaufen."
    Ein Grinsen huschte über ihr blasses Gesicht.
    "Und das letzte Mal weglaufen hat sich auch noch ausgezahlt, denn so bin ich hier gelandet."
    Taylor grinste zurück und trank einen Schluck von ihrem Koffeingetränk.
    "Sind die Schüler denn hier nett?", fragte sie und versuchte jede Emotion aus ihrem Blick zu bannen. Leise Sorge war in ihren Augen zu lesen.
    "Klar, so lange man verrückt genug ist, gehört man auch dazu.", beruhigte Zoe sie und grinste wieder verschmitzt. "Man darf nur nicht arrogant rüberkommen."
    Diesmal lächelte Taylor nur nervös als Antwort.

    "Ungefähr zwei Kilometer.", schätzte Nathan. "Wenn das mal nichts zu bedeuten hat."
    Jack winkte ab und nahm wieder auf seinem Stein platz.
    Sie waren durch den Wald gelaufen und hatten feststellen müssen, dass sie in einem Abschnitt festhingen, der annähernd kreisrund war und einen Durchmesser von zwei Kilometern hatte. Ungefähr.
    "Ist doch auch egal, wir kommen hier jedenfalls nicht mehr so schnell raus, fürchte ich.", erwiderte Jack mürrisch. "Gibt es in Global schon wieder irgendein geheimes Projekt, das so etwas verursachen könnte?"
    Nathan sah mit einem eisigen Blick auf und erwiderte gespielt gleichgültig: "Ich habe keine Ahnung."
    "Warum nicht?", fragte Jack und blickte wieder einmal drein, als hätte er keine Ahnung von Irgendetwas. Nathan drängte den Gedanken, dass Carter in seiner unbeabsichtigten Dummheit schrecklich niedlich war, an den Rand seiner bewussten Wahrnehmung.
    "Sie wissen doch sonst immer so toll Bescheid über solche... Sachen.", murrte der Sheriff weiter.
    Nathan verdrehte die Augen und verzichtete auf eine schnippische Antwort. Stattdessen ging er zu seinem Wagen hinüber, setzte sich hinein und fummelte am Radio herum.
    "Haben Sie einen Ausweg gefunden.?", fragte Carter und ein hoffnungsvolles Lächeln brachte sein Gesicht zum Strahlen. Er stand auf und trabte ebenfalls zu dem schwarzen Auto hinüber, um sich auf den Beifahrersitz zu setzen.
    "Seien Sie still, Carter.", erwiderte Nathan mürrisch und zog das Radio aus der Halterung, in der es bis gerade noch gehangen hatte.
    "Basteln Sie damit jetzt irgendein Kommunikationsgerät?", strahlte Jack.
    Nathan unterdrückte einen bissigen Kommentar und erwiderte nur sarkastisch: "Nein, ich lege mein Auto auseinander, weil mir so langweilig ist."


    "Geben Sie's doch zu, Stark", grinste Jack fröhlich. "Sie haben keinen Schimmer, was Sie da eigentlich tun."
    Nathan warf das Radio mit einem wütenden Knurren von sich und packte Jack am Kragen. Bevor er jedoch auch noch zuschlagen konnte, registrierte er sein Handeln und schüttelte seinen (gedanklich ehemaligen) Erzrivalen ein-, zweimal, bevor er ihn wieder losließ. Jack blickte Nathan unsicher an und strich seine Uniform wieder glatt.
    Nur weil das Radio einmal ein Rauschen von sich gegeben hatte, musste Nathan doch nicht gleich so ausrasten! Aber vielleicht ging ihm die Situation ebenso auf die Nerven wie Jack und er hatte einfach keine Geduld mehr.
    Gefühlte Stunden hatte Nathan an dem Radio herumgebastelt und es hatte nichts gebracht, aber jede Menge Nerven gekostet. Der ehemalige Globalboss setzte sich auf den Asphalt, in den Schatten seines Autos. Das Jackett war längst im Wagen, die Ärmel hochgekrempelt und die Krawatte verschwunden. Es war für diese Jahreszeit wirklich ausgesprochen warm, aber vielleicht lag das auch nur an diesen zwei Kilometern, in denen sie gefangen waren.
    Warum zur Hölle war er nur zu Carter gefahren? Gut, nach diesem recht lebhaften Traum hatte er sich vage Sorgen gemacht, als SARAH ihn angerufen hatte. Aber das war doch noch lange kein Grund, auf der Stelle hinzufahren.
    Vielleicht hatte er in dem Traum mehr von sich offenbart, als er sich jemals bei vollem Bewusstsein eingestehen würde. Nathans Augen weiteten sich kaum merklich vor Schreck und sein Blick wanderte zu Jack hinüber.
    Als er merkte, dass ihn dieser mit einem emotionslosen Blick fixiert hatte, starrte er zurück.
    Wie machte Jack das, trotz nicht vorhandenem Training seinen Körper so in Schuss zu halten? Gut, er wer nicht dünn, aber im Grunde war er doch genau richtig gebaut.
    Vom bloßen Gedanken geplagt sah Nathan abrupt in eine gänzlich andere Richtung und Jack erwachte aus seinen scheints düsteren Gedanken und fragte desorientiert: "Was?"
    "Nichts.", erwiderte Nathan und hielt seinen Blick auf eine äußerst interessante, äußerst hohe Tanne gerichtet. "Ich bin ratlos."

    Die zehn Minuten, die Zane gehabt hatte, waren schon längst verstrichen und das Physikgenie war noch nicht aufgetaucht. Aber Jo war ja nicht kleinlich, wegen fünf Minuten rief sie noch niemanden an.
    Als aus den fünf langsam zehn wurden, begann sich ihr Blick wieder zu verfinstern. Niemand versetzte Jo Lupo. Vor allem dann nicht, wenn man den Deputy kannte. Das war einfach nur dumm.
    Aber gut, fünf Minuten konnte sie schon noch zugeben. Das war vom Zeitplan her durchaus drin.
    Nach eben jenen fünf Minuten und somit fünfzehn Minuten zu spät, gab es immer noch keine Lebenszeichen von besagtem Zane. Wütend klaubte Jo das Telefon vom Tisch und tippte eine Nummer ein.

    Nach unbestimmter Zeit saßen die beiden Gefangenen im 2kmRadius immer noch da und warteten. Worauf genau wusste keiner von beiden, aber auf jeden Fall hofften sie auf Rettung. Jeder aus seinen eigenen, kleinlichen Gründen.
    Jack sah es als seine Aufgabe an, Eureka vor größerem bis größten Schaden zu bewahren und Nathan wollte einfach nur fort von dem heimlichen Objekt seiner Begierde seit der letzten Nacht.
    Beide jedoch schraken aus ihren düsteren Zukunftsvisionen hoch, als ganz in ihrer Nähe aus dem Wald ein bedrohliches Knurren erklang.
    "Ins Auto.", zischte Jack Nathan zu und stand behutsam auf. "Aber langsam!"
    Nathan sparte sich eine Antwort und kam gemächlich auf die Beine. Das Knurren klang nach einem Raubtier - wer weiß, was Taggart wieder in den Wald gelassen hatte - und er war nicht wirklich scharf darauf, zerfleischt auf einer öffentlichen Straße zu enden.
    Als die Türen geschlossen und die Zentralverriegelung aktiviert war wagten es beide wieder aufzuatmen.
    "Ich hoffe, Ihr Wagen ist bruchsicher.", lachte Jack unsicher und blickte aus dem Fenster.
    "Er ist gepanzert, falls Sie das meinten, Carter.", gab Nathan trocken zurück und starrte deprimiert das Loch an, in dem einst sein Radio seinen festen Platz gehabt hatte.
    Jack winkte ab und starrte weiter hinaus. Er fragte sich, was für ein gefräßiges Tier dort draußen nun wieder herumlief, doch wenn er ehrlich war, wollte er es gar nicht so genau wissen.
    Das Knurren wurde offensichtlich lauter oder kam näher, denn nun hörte man es auch im Inneren des Wagens wieder.
    "Was meinen Sie, was das ist?", flüsterte Jack verängstigt und stierte nach draußen. Er wurde unmerklich kleiner. Mit Verbrechern konnte er umgehen, die waren größtenteils sehr menschlich, aber vor Tieren hatte er ein wenig Angst.
    "Ich habe keine Ahnung.", gab Nathan ebenso leise zurück und sah sich beunruhigt um. Das Knurren wanderte von rechts nach vorn, aber vorne gab es nur eine leere Straße und sonst nichts.
    Der grollende Laut kam wieder näher, doch vorne war immer noch nichts zu sehen und dann schlug etwas auf die Motorhaube und zwei kleine Dellen waren darin zu sehen.
    "Noch unheimlicher als große, knurrende Tiere sind große, knurrende, unsichtbare Tiere.", murmelte Jack etwas mehr als nur leicht beunruhigt und drückte sich tiefer in den weichen Sitz des Mercedes.
    Nathan schien den Sheriff gar nicht gehört zu haben, sondern starrte nur seine Motorhaube an. Eine kleine Stimme in seinem Hinterkopf beschwerte sich über die Sachbeschädigung und eine zweite, unwesentlich lautere Stimme feuerte den Wissenschaftler an, die Gelegenheit nicht verstreichen zu lassen und sich an Jack heranzumachen.
    Er ignorierte beide Stimmen und zwang sich, ein wenig Angst zu haben. Ganz gelang ihm das nicht, denn dieser Wagen war gepanzert und egal was für ein Monster das war, es würde die Fahrgastzelle nicht zerstören können.
    Das unsichtbare Etwas machte einen Schritt nach vorne und die Motorhaube gab ein klägliches Ächzen von sich.

    Allison sah mit einem ungeduldigen Blick auf die Uhr.
    Nathan hätte schon längst hier sein müssen. Er sollte an diesem Wochenende auf ihren gemeinsamen Sohn Kevin aufpassen, weil sie zu einem wichtigen Treffen nach New York musste.
    Wenn ihr Exmann jetzt nicht bald kam, musste sie für Ersatz sorgen, denn sie hatte wirklich keine Zeit mehr. Sie schnappte sich Kevins Koffer und stieg in den Wagen. Beverly würde bestimmt vorübergehend ein Auge auf ihren Sohn haben.


    Jack und Nathan saßen nebeneinander im Wagen.
    Nathan war im Land der Träume verschwunden und atmete leise und tief. Jack dagegen hielt die Augen offen. Man konnte ja nie wissen, ob dieses Etwas wieder zurückkam.
    Als der Morgen anbracht, wurde der ehemalige 'Global Dyn'-Boss langsam wach.
    "Gehen wir noch mal ne Runde und sehen nach, ob wir immer noch nicht rauskönnen.", schlug Jack vor und öffnete die Beifahrertür.
    "Kommen Sie?", fragte er und hielt mitten im Aussteigen inne. Nathan hatte überhaupt nicht auf seinen Vorschlag reagiert.
    Jetzt jedoch blickte er leicht erschrocken auf und als Jack ihn leicht besorgt musterte, schnippte er mit den Fingern.
    "Ja, gleich."
    Jack runzelte verwirrt die Stirn und machte keine Anstalten, schon mal auszusteigen.
    Nathan ignorierte ihn weiterhin und war mit seinen ganz eigenen Problemen beschäftigt. Das Problem war nicht ohne und vor allen Dingen war das Problem nicht klein.
    'Denk an irgendetwas kaltes.', dachte er und stellte sich Schnee vor. Schnee, der auf Jacks heißer, verschwitzter Haut schmolz. Nathan stöhnte verhalten auf, bevor er sich daran erinnerte, dass er nicht alleine war. Der Blick seines Beifahrers huschte nach unten und erspähte die kaum zu übersehende Beule in Nathans Hose.
    "Äh. Ähm.", machte Jack unangenehm berührt und errötete kaum merklich.
    "Ich geh einfach schon mal vor.", fuhr er dann fort und stieg hastig aus.
    "Jack!"
    Verdammt.
    "Carter, es ist nicht so, wie Sie denken!", rief Nathan und stieg ebenfalls auf. Verdammt, schlechte Idee!
    Jack beschleunigte seine Schritte, doch Nathan holte ihn ein, hielt ihn am Handgelenk fest und drehte ihn zu sich herum. Na das hatte er doch wunderbar gemacht. Nur, warum?
    Der Sheriff versuchte sich loszumachen und starrte schamgeplagt in den zartrosa gefärbten Himmel hinauf. Er sah schon wieder so verdammt niedlich aus.
    Nathan ließ alle Vorsicht fahren, legte seine Hand an Jacks Hinterkopf und zog ihn in einen Kuss.



    "Hey, Stark! Wachen Sie auf!"
    Mit einem Schlag war Nathan wach. Er saß tatsächlich im Wagen und Jack saß auch tatsächlich neben ihm. Das einzige, das fehlte war sein untergeschossiges Problem, doch er vermisste es auch nicht wirklich.
    "Was ist los?", fragte er und sah sich blinzelnd um. Draußen war es erstaunlich hell für diese Uhrzeit. Die Uhr zeigte eine Zeit rund um die abendliche elf an, doch draußen schien die Sonne, als sei es früher Nachmittag.
    "Gar nichts.", erwiderte Jack unschuldig und sah nach draußen. "Mir war nur langweilig."
    "Was?"
    Jack grinste und sah Nathan an. Der Mercedesbesitzer verdrehte genervt die Augen und legte seine Hand an den Türgriff.
    "Warten Sie!", machte Jack beunruhigt und sah mit einem Mal wieder ernst drein. "Wir wissen nicht, ob das Monster da draußen schon wieder weg ist!"
    Nathan hielt inne.
    "Wir wissen es nicht, aber wie sollen wir es herausfinden, wenn nicht so?"
    "Müssen wir es denn herausfinden?", fragte Jack ein wenig kleinlaut und warf seinem Mitfahrer einen Blick zu, den diesen wieder an seinen Traum erinnerte. Nathan konnte sich gerade so beherrschen, Jack keinen Kuss aufzudrücken und nahm die Hand wieder vom Türgriff. Stattdessen startete er den Motor.
    "Wir können ja mal nachsehen, ob wir noch gefangenen sind.", grinste er schief und gab Gas.

    Als sie die Grenze der zwei Kilometer durchfuhren wurde es abrupt dunkel draußen. Nathan blinzelte ein wenig desorientiert. Dann erst huschte ein freudiges Grinsen über sein Gesicht. Sie waren entkommen! Aus welchen Gründen auch immer.
    Jack seufzte erleichtert auf. Zumindest in Nathans Ohren klang es erleichtert. Jack stierte geradeaus war in augenscheinlich weniger schöne Gedanken versunken.
    Nathan fuhr bis zur Polizeistation und parkte davor. Jack stieg aus und beugte sich noch einmal hinunter, um in den Wagen hineinzusehen.
    "Sie sollten mitkommen. Ich brauche Ihre Aussage.", sagte er in dem Ton, den er für einen Sheriff angemessen hielt. Nathan hob die Augenbrauen und stieg dann ohne weiteren Protest aus.
    Während sie auf den Eingang der Polizeistation zugingen klopfte Jack seine Taschen ab. Er konnte doch unmöglich auch noch seine Schlüssel zuhause liegen gelassen haben! So vergesslich war er nun wirklich nicht. Als er ein zweites Mal seine Taschen durchsah, kam er zum selben Ergebnis wie beim ersten Mal: Kein Schlüssel.
    Sie standen vor der Tür des Reviers und Jack stöhnte genervt auf. Das durfte doch nicht wahr sein.
    "Gibt es ein Problem, Carter?", fragte Nathan spöttisch und grinste sein spitzbübisches Grinsen. Jack starrte ihn an, ob er ihn lieber verprügeln oder niederknutschen sollte. Da er beides für eine äußerst dumme Idee hielt, drehte er sich zu der Tür herum und drehte probeweise am Knauf des Eingangs. Selbstverständlich ging die Tür deswegen nicht auf.
    "Ich hab den Schlüssel vergessen.", murmelte der Sheriff undeutlich und vermied es, Nathan anzusehen. Dieser ließ sich die Chance nicht entgehen und fragte deswegen gespielt verständnislos: "Wie bitte?"
    "Ich sagte: Ich habe den Schlüssel für das Büro zuhause vergessen!", fuhr Jack auf und drehte sich erbost um. Schlechte Idee, denn so begegnete ihm der leicht spöttische Blick Nathans.
    Er stöhnte wieder auf und lehnte sich gegen die einbruchsichere Tür. Nicht genug, dass sie stundenlang nicht aus diesem Waldstück herausgekommen waren, nein, jetzt mussten sie möglicherweise wieder zurück um die Schlüssel zu holen. Hervorragend!
    Er fuhr sich mit beiden Händen durch die streichholzkurzen Haare und warf Nathan dann einen halb hilflosen, halb verzeihenden Blick zu.
    Im nächsten Moment stand Nathan plötzlich viel zu dicht bei ihm. Sein rechter Arm wanderte wie von selbst um Jacks Taille und zog ihn noch näher zu sich.
    "Wa-", machte der Sheriff, doch weiter kam er nicht, denn plötzlich legten sich die Lippen Nathans auf seine. Dass der Wissenschaftler nur hatte ausprobieren wollen, ob Jack auch in der Wirklichkeit so gut schmeckte, wusste er nicht.


    Zwei Jahre waren vergangen, seit er ihn das letzte Mal gesehen hatte.
    Jack wollte den Ring noch nicht abnehmen. Im Grunde dachte er, dieser Ring mache ihn zu der trauernden Witwe, die tief in seinem Inneren wohnte. Er berührte ihn manchmal flüchtig, unbeabsichtigt, wie er sich selbst einredete. Das Metall war nie kalt, sondern immer genau so warm, wie seine Finger.
    Auch heute hatten seine Finger das runde Stück der Treue gestreift. Als er geparkt hatte, kurz nach dem Anziehen der Handbremse. Er hatte sich einen Moment des Innehaltens gegönnt und war dann ausgestiegen.

    Remember, I will still be here
    As long as you hold me, in your own memory
    Remember, when your dreams have ended
    Time can be transcended, just remember me

    Man hatte ihm gesagt, er solle nach vorne blicken. Das tat man so, man sollte nicht zu lange trauern. Trauernde Menschen waren der Gesellschaft ein Dorn im Auge, aber sie verstand ihn auch. Oder sie hatten ihn verstanden, so lange die Wunde noch frisch war.
    Nun war sie vernarbt, glaubten sie. Verheilt.
    Aber Jack dachte nicht daran, seine Gedanken aufzugeben. Er brauchte den Ring nicht, um sich daran zu erinnern, dass er seine wahre Liebe gefunden hatte. Er brauchte den Ring nicht, um zu wissen, dass seine wahre Liebe verschieden war.
    Er brauchte den Ring, um allen anderen zu zeigen, dass er sich nicht mehr binden würde. Nicht in nächster Zeit.

    I am the one star that keeps burning, so brightly
    It is the last night, to fade into the rising sun
    I'm with you, when ever you tell my story forever
    I'm all I've done

    Jack erinnerte sich gerne an ihn. Stets mit einem Lächeln, nie betrübt. Er war ein guter Mensch gewesen, mit Fehlern, wie sie jeder hatte. Nicht einfach, nicht durchschnittlich, aber auch nicht schlecht. Es hatte Fehler in seinem Leben gegeben und die hatte er bereut.
    Er hatte immer helfen wollen. Er hatte die Welt verbessert und das war ihm auch anerkannt worden.

    Remember, I will still be here
    As long as you hold me, in your old memory
    Remember me

    Er war sich sicher, dass er - selbst wenn er es wollte - ihn nicht vergessen konnte. Er hatte nur die Befürchtung, irgendwann für immer das Gefühl zu vergessen, dass er ihm gegeben hatte. Dieses bedingungslose Vertrauen, das sie sich gegenseitig entgegengebracht hatten. Diese aufopfernde Liebe, die ihm mit jedem Mal wieder den Puls hoch jagte.
    Selbst ein Blick oder die schlichte Berührung hatte genügt, seinen Verstand ins Nichts zerplatzen zu lassen.

    I am that one voice in the cold wind
    That wispers and if you listen, you'll hear me call across the sky
    As long as I still can reach out and touch you
    Than I will never die

    Manchmal waren einige Tage schlimmer als andere. An diesen Tagen vergaß Jack, dass er tot war und dachte, er würde gleich um die Ecke kommen. Mit diesem Lächeln im Gesicht. Mit einer spöttischen Bemerkung auf den Lippen.


    Das waren die schlimmsten Tage. Er erinnerte sich natürlich sofort wieder daran, dass er tot war, aber er vergaß nicht, dass er es vergessen hatte. In solchen Momenten fühlte es sich an, als wäre er ein zweites Mal gestorben.

    Remember, I'll never leave you
    If you were lonely
    Remember me

    Jack wusste, dass er sich nicht einsam fühlen musste. Der Ring erinnerte ihn daran.
    Der Tod konnte doch nicht einfach Liebe beenden, oder?
    Hier in Eureka gab es so viele unglaubliche Entdeckungen. Wie konnte man in einer solchen Umgebung nicht an eine höhere Ebene, an einen Himmel oder an Wiedergeburt glauben?
    An diesem Ort war Platz für alle Gefühle. Jack hatte nur keinen Platz für Einsamkeit.

    Remember, I will still be here
    As long as you hold me, in your old memory
    Remember, when your dreams have ended
    Time can be transcended
    I live forever



    Am nächsten Morgen wachte Sheriff Carter frisch und munter auf. SARAH hatte ihn zwar mir forscheren Worten als gewöhnlich geweckt, aber das konnte ihm schwer die Laune verderben.
    "SARAH", fragte Jack. "Ist Zoe immer noch bei Taylor?"
    "Ja, Sheriff. Wie gestern schon erwähnt, sagte sie mir, dass nicht vor heute Abend zurückkehren will.", erwiderte das Haus.
    "Na, die kann was erleben...", murmelte Jack und fuhr sich durch die Haare.
    SARAH meldete sich wieder zu Wort: "Wenn ich mich einmischen dürfte..."
    "Nein!", sagte Jack leicht verzweifelt. "Nein, misch dich nicht schon wieder in die Erziehung meiner Tochter ein, SARAH."
    Er schwang seine Beine über den Bettrand und tappte zum Bad. Eine relativ kalte Dusche und einen Becher Kaffee später saß er in Uniform am Küchentisch und las Zeitung. Sowohl sein Handy als auch seine Schlüssel hatte er bereits eingeschoben. Von den zwei Kilometern stand (natürlich) nichts in der Zeitung, allerdings war ein Foto von Zane Donovan, dem Teilchenphysiker, abgebildet und darunter stand ein Artikel über ein revolutionäres Experiment, das er durchgeführt hatte. Es war nicht ganz glatt gelaufen und musste gen Ende hin abgebrochen werden. Jack verstand kaum die Hälfte von dem, was in der Zeitung stand, weil der Artikel gespickt mit schlimmsten Fachchinesisch war, aber er las zumindest heraus, dass es um extreme Geschwindigkeiten ging, um die Brechung von physikalischen Gesetzen und derlei Kram mehr. Nicht, dass ihn das sonderlich interessieren würde, denn in Eureka geschahen allenthalben aufregende Entdeckungen.
    Was allerdings tatsächlich seine Aufmerksamkeit erregte war ein kurzer Absatz am Ende des Artikels. Zane war seit Abbruch des Experiments nicht mehr gesehen worden und man vermutete, dass er sich eine Auszeit genommen hatte, weil er sehr viel Arbeit in das Experiment gesteckt hatte.
    Wenn das wirklich wahr war, dann hatte er das letzte Mal mit Jo ein fast-Date gehabt. Diese Leute nahmen ihre Arbeit eben immer viel zu ernst.
    Das dumpfe Gefühl, weil Zoe ihm das auch schon einmal vorgeworfen hatte, ignorierte er gekonnt.

    "Morgen, Jack", sagte Jo, als ihr Vorgesetzter eintrat. Sie hatte nicht aufgesehen, aber ihren Boss erkannte sie schon auf einige Entfernung.
    "Morgen, Jo", grüßte er zurück und grinste breit. Nichts konnte ihm heute die Laune verderben, davon war er überzeugt. "Schon herausgefunden, wo Zane steckt?"
    "Reiz mich nicht", gab der Deputy nur mit neutraler Stimme zurück und tippte weiter etwas ein, das Jack vage daran erinnerte, dass er auch mal wieder Papierkram erledigen musste.
    "Irgendwelche komischen Vorfälle oder etwas, das man untersuchen kann?", fragte er vorsichtig und hoffte, dass er jetzt nicht am Schreibtisch enden würde.
    "Stark hat angerufen", sagte Jo und sah nun endlich auf. "Er kommt in einer Viertelstunde für die Aussage für gestern."
    "Sieh mich nicht so an", sagte Jack vorwurfsvoll und ließ sich auf seinen Stuhl plumpsen. "Wir waren wirklich in diesem Wald gefangen! Da war so eine Art Zone von zwei Kilometern Durchmesser, die wir nicht verlassen konnten!"
    Jo blickte ihn leicht zweifelnd an, doch Jack merkte auch, dass sie anfing ihm zu glauben.
    "Bist du sicher?", fragte sie.
    "So oft wie wir diesen Wald durchquert haben, kann ich nur sicher sein", sagte Jack und wollte noch etwas hinzufügen, doch in dem Moment wurde die Tür des Departments geöffnet und wieder geschlossen und Nathan Stark betrat das Geschehen.
    "Bin ich zu früh?", fragte er leicht schmunzelnd, als er sie so stumm dasitzen sah und sah von Jack zu Jo und wieder zurück zu Jack.
    Jack lächelte ein wenig nervös und erwiderte: "Nein, genau zur rechten Zeit."
    Er bedeutete ihm, sich bei Jo hinzusetzen und bat sie, seine Aussage aufzunehmen.
    "Ich hole Zoe", fügte er noch hinzu, schnappte sich seine Jacke und war zur Tür hinaus.
    Jo sah ein wenig genervt drein und begann dann mit ihrer Arbeit.

    Als es klingelte, öffnete Lydia Jaksch die Tür. Die Lesebrille saß noch auf ihrer Nase und ein Kugelschreiber befand sich im festen Griff ihrer rechten Hand.
    "Kann ich ihnen helfen, Sheriff?", fragte sie und lächelte überrascht. So klein war diese Stadt nun wirklich nicht, dass der Sheriff zu allen neu hinzugezogenen kam, oder?
    "Ähm, ja, das wäre nett", sagte er und Lydia sah sich mit einem leicht besorgten Gesichtsausdruck konfrontiert.
    "Meine Tochter Zoe ist anscheinend bei Ihnen", fügte Jack hinzu und registrierte ein erneutes überraschtes Blitzen in den Augen von Mrs Jaksch.
    "Oh", rief die schlanke Frau aus und riss die Augen auf. "Zoe ist Ihre Tochter? Sie ist so ein liebes Mädchen. Soll ich sie holen?"
    Jack zögerte kurz und nickte dann. Mrs Jaksch bat ihn herein, ließ ihn im Wohnzimmer mit einer Schale Kekse auf dem Wohnzimmertisch stehen und lief die Treppe mit erstaunlicher Geschwindigkeit hinauf.
    Jack hatte gerade genug Zeit, einen Keks zu klauen und sich dann ein wenig verwundert umzusehen - er sah nicht eine Kiste und es waren doch erst zwei Tage seit dem Umzug vergangen - bevor Lydia in Begleitung von Zoe wieder herunterkam.
    "Hallo, Dad", sagte Zoe wenig begeistert und mied den direkten Blickkontakt. "Ich wollte heute Abend wieder kommen."
    "Ja, ich hab die Nachricht von SARAH bekommen", erwiderte Jack tadelnd und stand auf. Er wandte sich wieder an Lydia.
    "Wenn es Ihnen Recht ist, kann sie noch hier bleiben bis heute Abend", sagte er. Ein leises Lächeln huschte über Mrs Jakschs Gesicht.
    "Natürlich kann sie hier bleiben", sagte sie und lächelte Jacks Tochter zu.
    Zoe sah auf und lächelte nun ebenfalls.
    "Danke, Dad."
    "Klar", sagte Jack. "Ich komme heute Abend spät nachhause, aber lass dir nicht einfallen, nach mir zu kommen."
    Seine Tochter grinste verschmitzt, zwinkerte ihm zu und lief die Treppe wieder hinauf, während sie ihm zum Abschied winkte.
    "Kinder", sagte Lydia und sah Zoe mit einem Kopfschütteln nach. "Kann ich Ihnen einen Kaffee anbieten?"
    "Nein, danke, aber ich muss los", sagte Jack und lächelte entschuldigend. "Die Pflicht ruft. Scheuen Sie sich nicht, den Telefonhörer in die Hand zu nehmen, wenn Sie Fragen oder Probleme haben, ja?"
    Ein paar Abschiedsworte und ein Händeschütteln später saß Jack wieder in seinem Fortbewegungsmittel.

    Sie hatten gestern Abend Henry noch erreichen können und dieser hatte seinen Wagen heute in aller Früh abgeschleppt. Jack war froh, dass er ihn wiederhatte und lauschte mit einem zufriedenen Gesicht dem Schnurren des Motors, als er ihn anließ.

    Der Nachmittag von Jack verstrich ereignislos und langweilig. Er hatte nur noch Papierarbeit vor sich und rang sich an diesem Tag endlich dazu durch, das alles aufzuarbeiten. Besonders erfolgreich war er nicht, weil ihn immer wieder der nervöse Gedanke ans kommende Abendessen beschlich. Nicht, dass ängstlich stimmte. Nur ein wenig nervös.

    Nathan hatte den Nachmittag bei Beverly und Kevin verbracht. Er hatte seinen Sohn nicht vergessen, aber am Abend konnte er nicht mehr vorbeifahren. Als er zuhause war, hatte er zunächst Beverly angerufen und ausgemacht, dass er am Nachmittag vorbeikäme. Er war nicht verantwortungslos und hielt es für besser, ihn in der Obhut der Psychologin zu lassen. Auch wenn sie sich in letzter Zeit verdächtig gemacht hatte durch Anschuldigungen von Henrys Seite, aber Kevin vertraute ihr mehr als ihm - aus welchem Grund auch immer - und so sehr sein Autismus auch seine Persönlichkeit beeinflusste, er vertraute nie den falschen Menschen. Im übrigen vertraute er auch Carter und dieser war nun mal das Paradebeispiel eines herzensguten und naiven Menschen. Jack war wie ein kleiner Hund in einer Pappschachtel, die an einer Autobahnraststätte stand. Man musste ihn einfach lieb haben.

    Gegen vier fing es wieder an zu regnen. Jack hatte schon von SARAH erfahren, dass da eine Kaltfront auf und zog dementsprechend statt des geplanten T-shirts ein Sweatshirt an. Das matte grün harmonierte ausgezeichnet mit der ausgewaschenen Jeans, die er trug.
    SARAH half ihm beratungstechnisch weiter, auch wenn sie zu Anfang erneut "Nathan, ja?" gefragt hatte. Sie hieß ihn, sich zu rasieren, nachdem er aus der Dusche kam und trug ihm auf, die Uhr anzulegen, die er niemals nahm. Sie war vergoldet und hatte ein schwarzes Lederband.
    "Unter den Ärmeln ist sie sowieso nicht zu sehen", beschwerte sich Jack und drehte ein wenig an der Uhr herum. Er trug sie eben nicht gerne, so nett es seine Exfrau auch mit dem letztjährigen Geburtstagsgeschenk gemeint hatte.
    "Irrelevant", erwiderte SARAH konsequent und scheuchte ihn herum, damit er sich anzog. Langsam war er spät dran.
    "Passen die Schuhe überhaupt dazu?", fragte Jack und tänzelte auf einem Bein herum.
    "Es sind Turnschuhe", antwortete das Haus. "Turnschuhe haben schon immer zu Jeans gepasst."

    Jack stand nicht ganz ruhig vor der schlichten Tür des ebenso schlichten Häuschens, in dem Nathan Stark wohnhaft war. Eine Rotweinflasche wanderte von einer Hand zur anderen und irgendeine innere Barriere hinderte ihn daran, auf die Klingel zu drücken.
    Ein flüchtiger Blick auf die Uhr teilte ihm mit, dass er sogar noch zwei Minuten zu früh hier war. Er hatte zwar pünktlich sein wollen, aber zu früh?
    Zwei Minuten warten, sagte er sich und warf wieder einen Blick auf die Uhr. Weil. Um ruhiger zu werden.
    Er atmete durch, umkreiste den Knopf der Klingel wieder mit einem Finger und ließ dann die Flasche wieder von einer Hand zur anderen wandern. Dass der Klingelknopf mit einem Mal auch so weit weg sein musste.
    Die Entscheidung, doch zu klingeln, wurde ihm abgenommen, weil die Tür mit einem Mal aufgerissen wurde.
    In der Tür stand Nathan Stark in in voller Pracht. Eines seiner halb spöttischen, halb liebevollen Lächeln zierte sein markantes Gesicht und machte ihn nur noch unwiderstehlicher. Jack schwirrte ein wenig der Kopf, als er registrierte, dass sein Gegenüber über Hemd und Jeans eine gestreifte Schürze trug.
    "Worauf wartest du?", fragte er mit einem spöttischen Grinsen im Gesicht und machte eine einladende Handbewegung. Noch eine Spur unruhiger betrat Jack das fremde Gebiet und sah, dass Nathan keinen schlechten Geschmack hatte, was seine Einrichtung betraf. Gut, es war schlicht, aber durchaus hübsch.
    Er ließ sich die Rotweinflasche abnehmen und registrierte mit einem leisen Schaudern, dass Nathan sogar Gentleman genug war, ihm aus seiner Jacke zu helfen.
    "Setzt dich doch schon mal ins Wohnzimmer und nimm ein paar Nüsse. Sieh es als Ausgleich für die Stibitzten.", sagte Nathan und deutete auf das Zimmer, das genau gegenüber der Haustür lag.
    "Großzügig", gab Jack sarkastisch zurück und wandte sich in Richtung des Zimmers um.
    "Nicht wahr?"
    Nathan ging rückwärts in Richtung Küche mitsamt dem Wein und zwinkerte Jack im Hinausgehen zu.
    Einige Minuten später kam er ins Wohnzimmer nach und sagte beiläufig, während er seine CDs durchsah: "Der Wein braucht seine halbe Stunde zum Atmen. Ich schlage vor, wir kommen umstandslos zum Essen. Der Rießling passt dazu besser als der Rotwein, den ohne Zweifel SARAH gewählt hat."
    Jack öffnete protestierend den Mund, doch er kam nicht zu Wort.
    "Du siehst nicht nach Rotwein aus. Aber lass uns den später trinken."
    Der Sheriff leistete leicht verdutzt der Geste folge, die ihn auf den Esstisch zuwies. Der Tisch war vollständig hergerichtet, zwei Kerzen erleuchteten ihn und leise Gitarrenklänge drangen aus der Stereoanlage.
    Einen Moment später saß Jack auf einem Stuhl und Nathan kam wieder aus der Küche, zwei Teller tragend.


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