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Mittelalterliche Erpressung - Teil 1

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1 Kapitel - 1.015 Wörter - Erstellt von: Mooncat - Aktualisiert am: 2012-07-15 - Entwickelt am: - 5.330 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

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Müde fiel ich in mein Bett. Es war nicht besonders bequem und wirkte mit der zerknitterten Decke, den schlappen Kissen und der alten Matratze auch nicht besonders einladend. Trotzdem freute ich mich, dass der anstrengende Tag nun vorbei war und ich schlafen konnte. Die Arbeit war zwar noch nicht ganz vorbei, aber der größte Teil war erledigt. wir hatten immerhin nur noch zwei Tage bis zur Ankunft des Kaisers. Und da von uns erwartet wurde, dass wir am Tage seiner Ankunft fit sein würden, würde man uns morgen größtenteils in Ruhe lassen. Zum Glück. Ich fragte mich, ob die Budda wohl auch mitfeiern durften. Eher wohl nicht. Wieder einmal war ich froh, zwar eine Sklavin zu sein, aber trotzdem noch auf die Budda herunterblicken zu dürfen. Immerhin waren die Budda ehemalige Sklavinnen und Diener, die mehr als drei Mal den Foltergeräten der Oberdiener und Obersklaven zum Opfer gefallen waren. Das bedeutete, dass sie sich nicht beherrschen konnten und somit eine Gefahr für die Gemeinde waren. Wenn sie sich selbst als Budda noch nicht ordentlich benahmen, dann wurden sie nach Malaria gebracht. Es war ein schrecklicher Ort voller Hunger und Qual, das zumindest erzählt uns die Geschichte.
Meine Gedanken schweiften weiter.
Wenn ich eine Obersklavin wäre, dann würde ich mit Sicherheit auch Sklaven und Diener zu Budda machen. Wenn ich mich gut benahm, würde ich vielleicht sogar Baronin werden, etwas, von dem ich seit meiner Geburt träume. Ein eigenes Schloss mit eigenen Sklaven und Dienern, Mägden, die sich um das Essen und die Post kümmerten, Knechten, auch bekannt als Bauern, und Budda...
Aber ich war keine Baronin.
Ich würde auch nie eine sein. Dafür war ich nicht unterwürfig genug. Nur wenn ich völlig dem Idealbild einer Sklavin entsprach, würde ich eine Obersklavin werden. Aber das konnte ich nicht.
Ich war noch völlig in meinen Gedanken versunken, als ich das Geräusch hörte.
Es war eine Art Knarren, als würde jemand einen Stuhl über den Holzboden ziehen. Ich hatte keine Ahnung, woher das Geräusch kam, aber ich war mir sicher, dass ich es hier im Schloss noch nie gehört hatte. Im Nachhinein war meine Entscheidung etwas unvernünftig, um genau zu sein, ziemlich verrückt. Aber die Neugierde war stärker als meine Angst.
Ich stieg aus dem Bett und schlich mich leise in den Flur. Ich hatte vergessen, meine Pantoffeln anzuziehen, aber daran konnte ich jetzt auch nichts mehr ändern. Eigentlich kannte ich das Schloss in und auswendig. Dachte ich.
Doch während ich dem Geräusch folgte, gelangte ich in mehrere unbekannte Räume. Keiner war verschlossen, was mich erstaunte. Normalerweise wurden alle Zimmer nachts verriegelt.
Schließlich sah ich ein Licht am Ende des Gangs, indem ich mich gerade befand. Ich ging darauf zu.
Es führte mich zu einem kleinen Zimmer, dessen Tür nur angelehnt war. Ich konnte erkennen, dass das Zimmer wohl einen Kamin besaß, der das Licht erzeugte, das in den Gang fiel. Vorsichtig öffnete ich die Tür ein wenig weiter, sodass ich gerade hindurchschlüpfen konnte. Nun war ich froh, keine Pantoffeln angezogen zu haben. Sie hätten ein schlappendes Geräusch gemacht, dass in der stillen Nacht gar nicht angebracht war.
Im Raum stand eine Gestalt, ein Junge, soviel konnte ich im spärlichen Licht erkennen. Er trug schlampige Kleidung, was darauf schließen ließ, dass er ein Budda war. Er riss mit bloßen Händen an dem Holzbrettern herum. Das war das Geräusch, das mich alarmiert hatte. Neben ihm lag eine kleine Gestalt in sich zusammengesunken, was genau es war konnte ich nicht erkennen.
Plötzlich drehte er ruckartig den Kopf in meine Richtung. Ich schnappte nach Luft. Ich kannte diesen Jungen!
Er war tatsächlich ein Budda mit Namen Pascal.
Als ich im Schloss als Sklavin angefangen hatte, war er noch ein Diener gewesen. Doch schon bald war mir klar, dass er unmöglich so eine reine Weste hatte wie er tat. Er klaute und misshandelte die Sklavinnen, die alle zu verängstigt waren, um etwas zu sagen. Ich wusste jedoch, dass er bereits zweimal in der Folterkammer gewesen war. Das bedeutete, ein weiteres Mal würde ihn zum Budda machen. Doch er beherrschte sich trotzdem nicht. Eines Tages wurde er beim Diebstahl an Baron von Würzburg erwischt. Ich war gerade zufällig in der Nähe und bekam alles mit. Das wurde mir zum Verhängnis. Als Pascal flüchtete, steckte er mir die gestohlenen Sachen zu. Ich wurde damit entdeckt. Man brachte mich in die Folterkammer, wo ich die schrecklichsten Stunden meines Lebens verbrachte. Doch Pascal hatte mir nicht Alles gegeben. Ich weiß nicht, warum. Vielleicht wollte er etwas behalten, vielleicht hatte er auch einfach keine Zeit mir alles zu geben. Auf jeden Fall konnte ich den Baron überzeugen, sich auch Pascals Ausbeute anzusehen. Wir kamen zu dem Schluss, dass es weitaus wahrscheinlicher war, dass ein Fast-Budda Dinge stahl, als eine junge Sklavin, die sich noch nichts zu Schulden kommen lassen hatte. Man zählte das Mal in der Folterkammer nicht zu mir. Ich war sozusagen noch nie da gewesen. Statt dessen wurde Pascal dorthin gebracht. Tagelang hielten sie ihn dort. In der Nacht hallten seine Schreie durch die Gänge und hielten uns wach. Schließlich gestand er. Er wurde ein Budda.
Und er hasst mich.
Den Hass sah ich auch jetzt in seinen Augen. Mit einem Mal wurde mir klar, was dort im Schatten lag. Es war ein Baby. Ein kleiner Säugling.
Tot.
Ich rannte los.

Kommentare (1)

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Kathi (57048)
vor 83 Tagen
nnn