Sand, Wind und Liebe (Kapitel 3)

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1 Kapitel - 4.925 Wörter - Erstellt von: Inge Ketchum - Aktualisiert am: 2012-05-01 - Entwickelt am: - 2.791 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt

Die Handlung dürfte denen, die "Seine Welt" kennen, wieder bekannt vorkommen. Aber es ist ja eine andere Sicht auf die Geschichte und deshalb sind natürlich auch zB neue Dialoge dabei. Tanuki-chan wa totemo kawaii desu yo!

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    Am nächsten Morgen stand Gaara wieder ungewöhnlich früh auf. Er konnte es kaum erwarten, Hanne wiederzusehen. Temari hatte gestern aus der Schule b
    Am nächsten Morgen stand Gaara wieder ungewöhnlich früh auf. Er konnte es kaum erwarten, Hanne wiederzusehen. Temari hatte gestern aus der Schule berichtet, dass Ino, ein Mädchen aus Narutos Dorf Konoha Gakure, sich zum wiederholten Mal unmöglich verhalten hätte und dass Hanne eindeutig Gaara gegenüber sehr positiv eingestellt war.
    „Die erste Doppelstunde fällt aus.“ sagte Temari beim Frühstück, „da ist irgendeine Konferenz oder so.“
    „Ihr geht aber trotzdem zur ersten Stunde hin, oder?“ fragte Chiyo.
    „Ja, ich denke schon. Auf jeden Fall sollten wir in der Schule sein, bevor Hanne kommt.“ Temari grinste.
    Es schienen tatsächlich alle Lehrer auf dieser Konferenz zu sein, denn Gaara sah auf dem Schulweg niemanden von den anderen aus der Klasse.
    „Prima, da haben wir die Schule ja fast für uns allein!“ freute Temari sich.
    Gaara dachte daran, wie Chiyo wohl nach dem Unfall den Lehrern erklären sollte, was da passiert war, ohne etwas zu verraten.
    Die freie Stunde nutzen sie für Mathe. Gaara wusste, dass er es lernen musste, aber er schaffte es einfach nicht und wenn er ganz ehrlich zu sich war, wollte er auch nicht mehr. Mathe war einfach schon immer sein schlechtestes Fach und würde es immer bleiben, weil er langsam mehr als nur genug davon hatte.
    „Wie soll das nur gehen?“ seufzte Temari, als Gaara wieder zehn Minuten für einen eigentlich einfachen Rechenschritt brauchte, „mir fällt nichts mehr ein.“
    „Hanne ist gut in Mathe.“ sagte Gaara, „vielleicht hilft sie mir?“
    „Frag sie. Das ist die letzte Chance, Mathe zu schaffen.“ Temari räumte die Mathesachen zusammen.
    Es klingelte.
    Hanne kam als eine der letzten in die Klasse. Sie trug ein schönes, blaues Sommerkleid, ihre braunen Locken fielen hübsch um ihr Gesicht und sie lächelte. Gaaras Herz machte einen Sprung, als er bemerkte, dass sie ihn ansah. Hanne setzte sich. Gaara musste sich erst wieder etwas sammeln, dann schaffte er es, sie anzusprechen: „Sieht gut aus. Ist das neu?“ er versuchte, sie anzulächeln, aber davon war wahrscheinlich nicht sehr viel zu sehen. Hanne wirkte etwas überrascht.
    „Er hat es tatsächlich bemerkt! Also beachtet er mich viel mehr, als ich dachte!“
    „Ja, das… das ist wirklich neu. Danke.“ stotterte sie und ein wenig Rot stieg in ihre Wangen. Ihre Augen leuchteten.
    Gaara spürte, wie Mardi aufwachte, Hanne's neues Kleid bemerkte und sofort ins Schwärmen geriet. Es fiepte und Gaara wusste sofort, dass Hanne, und jeder andere im Raum, es hören konnte. Hanne sah verwirrt aus.
    Temari reagierte augenblicklich und tat genau das Richtige: sie sprang auf und zog Gaara am Arm aus dem Raum. Gaara dachte einen Moment „Ich muss es ihr jetzt sagen.“, aber er brachte kein Wort heraus.
    Miss Yoshikawa, die Chemielehrerin, kam herein. Temari setzte ein eiliges, honigsüßes Lächeln aus und sagte: „Entschuldigen Sie bitte, wir sind gleich wieder da!“
    Draußen auf dem Gang schimpfte sie Mardi aus: „Ich weiß, du bist ein liebes Schmuckshuppet, aber hab dich im Griff und halt bitte die Klappe, wenn andere von dieser Welt dabei sind, ja? Wenn du lieb bist, kriegst du auch ganz viele süße Sachen zu essen.“
    „Tut mir leid!“ fiepte Mardi, „aber Hanne sieht so hübsch aus!“
    Gaara war wie verzaubert. Anders konnte er dieses Gefühl nicht beschreiben. Er konnte an nichts anderes als Hanne denken und die einzige Frage, die er sich stellte, war, wie er sie noch einmal ansprechen sollte.
    „Hallo! Erde an kleiner Bruder! Jemand zu Hause?“ Temari wischte mit der flachen Hand vor seinem Gesicht herum, „du weißt, ich finde es klasse, dass du verliebt bist, aber wenn du so weitermachst, geht da noch was schief.“
    Gaara sagte sich wieder „Reiß dich zusammen!“ und konzentrierte sich.
    Nach einer Weile ging Temari wieder in die Klasse, aber Gaara blieb noch etwas draußen, bis Mardi sich wieder beruhigt hatte. Dann kehrte er auch zu den anderen zurück. Er setzte sich wieder auf seinen Platz, aber den Chemiestoff konnte er vergessen, denn Hanne dachte nach und er hörte ihre Gedanken immer noch ungewöhnlich laut. Fast war es so, als würde etwas in ihm nur noch Hanne und niemandem sonst zuhören wollen (vor allem nicht Masao, der die meiste Zeit überhebliches Zeug dachte). Also verbrachte Gaara die Chemiestunde damit, Hanne's Gedanken zuzuhören und das war, obwohl er wegen des Schulstoffes ein schlechtes Gewissen hatte, eine sehr gute Idee.
    „Jannika ist heute mit Mom und Dad in der Stadt. Das heißt, ich hab den Nachmittag für mich. Da kann ich mir Mari mal vornehmen und sie fragen. Sie weiß ja irgendwie über alles Bescheid. Mit Gaara stimmt irgendwas nicht und Mari kann ich am besten fragen. Ich kann ja nicht einfach so zu Gaara sagen: Hey, was war das eben? Hast du irgendein Wesen dabei, ein Tier oder so, das sprechen kann?“
    Es wurde eine sehr lange Chemiestunde. Gaara versucht noch einmal, auf den Unterricht zu achten, aber seine Aufmerksamkeit wurde immer wieder zu Hanne gezogen, die irgendwas aufschrieb, aber dabei auch noch dem Vortrag der Lehrerin zuhörte und es Gaara damit unwissend unmöglich machte, ihre Gedanken zu verstehen. Um zu sehen, was sie schrieb, sah er kurz hin, aber sie bemerkte das und verdeckte das Blatt mit dem Lehrbuch. Sofort war ihm klar, dass sie über ihn schrieb. Dann hörte er, wieder klar, laut und deutlich, ihre Gedanken:
    „Jannika hat total Recht: Ich bin längst in Gaara verliebt. Liebe auf den ersten Blick, sozusagen. Wahrscheinlich hat es sich in dem Moment entschieden, als ich zum ersten Mal in seine hellgrünen, seltsamen Augen sah. Das klingt ja wohl eine Spur zu romantisch. Nein, ich mag ihn einfach irgendwie. Das Geheimnis um ihn ist faszinierend. Ich will das wissen! Halt mal, Hanne, vielleicht ist es was Gefährliches? Ach was! Gaara ist einfach nur anders als die andere, langweiligen Typen. Er ist einfach einzigartig und Mari hat Recht, wenn sie sagt, dass er was Besonderes ist. So gefährlich kann sein Geheimnis ja nicht sein.“
    Gaara wäre am liebsten aufgestanden, hätte Hanne mit nach draußen vor die Tür genommen und umarmt. Er konnte sich nicht erinnern, jemals so glücklich gewesen zu sein, außer vielleicht bei etwas, das er mit Naruto zusammen erlebt hatte. Sein Herz klopfte vor Freude und Mardi schien sogar zu glücklich zum Herumschreien zu sein.
    „Hanne liebt mich!“ dachte er überglücklich, „sie hält mich weder für gefährlich, noch für seltsam, sondern es fasziniert sie und sie will wissen, wer ich bin. Wenn ich es ihr sage und es sie nicht erschreckt, dann… dann wären wir ja sowas wie zusammen, als Paar!“ er wagte kaum, daran zu denken, weil er sie dann wirklich sofort in die Arme genommen hätte. Es kostete ihn eine Unmenge Selbstbeherrschung, jetzt einfach ruhig sitzen zu bleiben. Wieder musste er an diesen Satz von früher denken: „Ich lebe!“ Er hatte sich noch niemals so lebendig gefühlt, noch nie stärker gespürt, dass er lebte. Aber es fühlte sich anders an – viel, viel besser.
    In der Pause setzte er sich wieder in den Schulgarten. Auf einmal schienen die Blumen, die er bisher kaum beachtet hatte, viel leuchtender und er bemerkte die Schmetterlinge, die bunten Farben auf den Flügeln und wie sie von Blüte zu Blüte tanzten.
    Die Stunde danach war Politik. Für Gaara, der mit sechzehn Jahren Kazekage geworden war, bedeutete das immer wieder eine Möglichkeit, die schlechten Mathenoten auszugleichen und besser dazustehen. Er nutze diese Möglichkeit jedes Mal und es hob sein Selbstwertgefühl, dass Masao immer überrascht war, wie Gaara in Politik für neunzig Minuten zum Klassenbesten wurde und ihn ziemlich unwissend aussehen ließ.
    Hanne war offensichtlich beeindruckt.
    „Hat Gaara Politik studiert? Er ist ja wahnsinnig gut!“
    Das hob seine gute Stimmung noch mehr und er brachte, ganz entgegen seiner sonstigen Verschlossenheit und Zurückhaltung, noch mehr mündliche Beiträge. Sonst kamen seine Noten meistens aus dem, was er mitschrieb, zusätzlich zu Hause erledigte und aus den Klassenarbeiten, aber heute meldete er sich so oft wie wohl noch nie in seiner Schulzeit hier.
    Während der schriftlichen Aufgaben bemerkte er, wie Hanne einen Zettel an Temari schickte. Temari schrieb eine Antwort und ließ den Zettel zu Hanne zurückwandern. Sie schrieb auch etwas, wollte den Brief werfen, aber er fiel direkt hinter Gaaras Platz auf den Boden. Er zögerte nicht, sondern hob ihn sofort auf und faltete ihn auseinander. Der unterste Satz war in Hanne's hübscher Handschrift geschrieben: „Wegen Gaara.“
    Es ging also um das, was Hanne über ihn wissen wollte. Automatisch verfiel Gaara wieder in die altvertraute Verschlossenheit. Er konnte es einfach noch nicht anders.
    „Warum fragst du Mari, wenn es um mich geht?“ fragte er.
    Hanne antwortete verlegen: „Na ja, ich wusste nicht, wie ich dich fragen sollte. Das alles mit dem Sand vorgestern und dieses Schmuckshuppet, was auch immer das ist.“
    „Was auch immer es ist?“ wiederholte Gaara, „du meinst, du willst es wissen, egal, was es ist?“ er konnte es immer noch nicht glauben, dass sie das wirklich wissen wollte. Na ja, sie wusste ja noch nicht, um was es genau ging.
    Seine wiederholte Nachfrage schien sie etwas zu verunsichern. Aber sie blieb dabei, offensichtlich ziemlich fest entschlossen, seine Geheimnisse herauszufinden.
    „Mari und ich erklären es dir. Heute Nachmittag, okay?“ sagte er und sah auf den Zettel, besonders auf den letzten Satz. „Wegen Gaara“ irgendwie konnte er aus ihren geschriebenen Worten hören, dass er ihr wirklich etwas bedeutete. Und das machte ihn sehr glücklich.
    Nach dem Klingeln verschwand Hanne sofort. Sie wohnt wohl in der Nähe der Schule.
    „So, kleiner Bruder, jetzt hast du sie an dich gehängt.“ sagte Temari auf dem Heimweg, „ und du willst ihr alles sagen? Wirklich alles?“
    Gaara sah auf den Boden, beobachtete Temaris und seinen Schatten auf dem Gehweg. Die Schatten sahen etwas anders aus als die der anderen Leute, die auf der Straße unterwegs waren, genauso, wie Gaara und Temari anders aussahen als die anderen. Sie kamen von einer anderen Welt und nur Mardis Anwesenheit und Tarnung verhinderte, dass jemand das bemerkte. Aber Hanne schien es aufgefallen zu sein. Irgendwie wirkte die Tarnung bei ihr nur teilweise.
    „Hallo! Erde an kleiner Bruder!“ rief Temari.
    Gaara schreckte wieder auf. Er war in letzter Zeit immer so in Gedanken versunken, dass er alles um sich herum nur noch am Rande bemerkte. So war das wohl, wenn man verliebt war. Er dachte immer an Hanne.
    „Du willst ihr echt alles sagen?“ fragte Temari nachdrücklich.
    „Ja. Sonst kann ich ihr kein Stück näherkommen.“ sagte Gaara.
    „Und das willst du natürlich.“
    „Vorhin habe ich ihre Gedanken gehört. Sie hat gedacht, dass sie in mich verliebt ist. Und dass sie keine Angst vor meinem Geheimnis hat. Das hat mich sehr glücklich gemacht.“
    Temari war wieder vollkommen selig. Gaara war wirklich froh, ihr immer alles erzählen zu können, aber dass sie jedes Mal so übertreiben reagierte, störte ihn ein wenig. Aber er konnte es auch irgendwie verstehen. Seit er Gedanken hören konnte, verstand er so viel mehr als früher.
    Als sie zu Hause ankamen, schnappte Temari sich sofort Kankuro. Gaara konnte deutlich hören, wie sie „Das glaubst du mir jetzt echt nicht, Kuro!“ sagte. Oma Chiyo wartete mit dem Essen am Tisch, aber niemand setzte sich um zu essen. Gaara verschwand in seinem Zimmer. Er musste nachdenken. Das, was er da heute vorhatte, war gegen die Regeln, die aufgestellt worden waren, als er aus Suna hergekommen war. Aber ihm fiel einfach nichts anderes ein, was er stattdessen tun konnte, um Hanne näher an sich heran lassen zu können. Es gab keine andere Möglichkeit, als ihr alles zu sagen. Sie würde nicht mit einem Jungen zusammen sein wollen, der so große Geheimnisse vor ihr hatte.
    „KOMMT ZUM ESSEN! SOFORT!“ schrie Chiyo in der Diele. Sie war sehr schnell ungeduldig und wenn man sie warten ließ, wurde sie wütend.
    „Ja, Oma, wir kommen ja schon!“ rief Temari aus ihrem Zimmer heraus. Gaara hörte ihre Schritte und wie sie sich hinsetzte. Kankuro war auch da.
    „Essen kommen!“ kommandierte Chiyo noch einmal, „das gilt auch für den jungen Kazekage! Du bist immer noch ein Jugendlicher und das heißt, dass du jetzt auf der Stelle zum Essen herkommst. Ich werde es dir nicht in dein Zimmer bringen, Gaara. Egal, ob du schwer verliebt bist oder nicht!“
    Gaara schob seine Zimmertür auf und kam auf die Diele. Er wollte seine Großmutter wirklich nicht verärgern. Erstens wollte er zu Hause Harmonie, zweitens war Chiyo jemand, den man besser nicht herausforderte. Als Gaara sich setzte, sah Chiyo ihn an, als hätte er irgendwas falsch gemacht.
    „So, und jetzt sag mir bitte mal, was das für eine Sache ist, die du da heute vorhast. Dieses Mädchen, Hanne, scheint dir ja schon jetzt sehr viel zu bedeuten. Temari hat mir gerade erzählt, dass du Hanne etwas sagen willst.“
    „Ich will Hanne sagen, dass wir Ninja sind.“ Gaara wollte nicht großartig darum herumreden. Er hatte es sowieso längst beschlossen. Es ging nur noch darum, es Chiyo beizubringen.
    „Du willst WAS?“ fragte Chiyo erschrocken.
    „Hanne sagen, dass wir Ninjas sind. Und irgendwann danach wird sie auch alles andere über uns von mir erfahren. Ich will mit ihr zusammen sein und dazu muss sie das über mich wissen. Es geht gar nicht anders.“ sagte Gaara.
    Chiyo atmete einmal tief durch, dann lächelte sie.
    „Dann ist es dir also ernst mit ihr. Hoffentlich sieht sie das genauso, aber das müsstest du inzwischen herausgefunden haben. Also gut. Ich würde mich sehr freuen, wenn du sie mal mit hierherbringst.“ sagte sie.
    „Danke, Oma.“ Gaara stellte die Reisschale, aus der er gerade gegessen hatte, ab und stand auf, „ich treffe Hanne später in der Stadt.“
    „Wir kommen mit!“ rief Temari und riss die Arme hoch. Ihre rechte Hand riss Kankuros Arm mit hoch. Der machte ein „Temari hat doch 'ne Meise“-Gesicht. Er hielt nicht viel von Temaris abgehobener Freude bei allem, was Gaara tat.
    „Na klar. Gaara hat das erste Date seines Lebens und wir müssen dabei sein, weil Temari 'ne romantische Ader hat…“ sagte Kankuro, „wo hast du Hanne eigentlich hinbestellt?“
    „Ins Japancafé in der Innenstadt.“ antwortete Temari.
    „Erstes Date?“ dachte Gaara, „ich würde das irgendwie nicht so nennen. Es kommt mir nicht vor wie ein Date. Schließlich sind meine älteren Geschwister dabei. Das kann wohl kaum als „romantische Verabredung“ bezeichnen. Außerdem ist es eher wie eine Vorbereitung für das erste Date.“ bevor man von so etwas sprechen konnte, musste Hanne erst mal die Wahrheit erfahren, zumindest den ersten Teil.
    „Dann geht mal los! Dieses besondere Mädchen kann es sicher gar nicht erwarten, die Wahrheit zu erfahren.“ sagte Chiyo.
    Hanne kam fast ein bisschen zu früh. Gaara sah sie schon von weitem, aber sie ging ganz offensichtlich davon aus, dass er sie noch nicht gesehen hatte.
    „Willst du ihr wirklich alles sagen, Gaara?“ fragte Kankuro.
    „Kuro, ich hab es dir gestern schon gesagt. Ich mag sie, wie ich noch nie ein Mädchen… gemocht habe. Ich will keine Geheimnisse vor ihr haben.“ sagte Gaara. Er war schon etwas aufgeregt, aber das war unwichtig. Mardi war zuhause geblieben.
    „Er mag mich also! Er mag mich so sehr, dass er mich in sein Geheimnis einweihen will!“
    „Gaara ist verliebt! Kuro, darüber sollten wir uns freuen!“ Temari war immer noch oder schon wieder selig.
    „Und was, wenn sie dich abweist, wenn du ihr sagst, was du bist?“ fragte Kankuro.
    „Das wird sie nicht.“ sagte Gaara. Er war sich vollkommen sicher.
    „Hey, Leute, da bin ich!“ rief Hanne.
    Sofort wirkten Temari und Kankuro verspannt und aufgeregt.
    Hanne setzte sich mit an den Tisch. Sie wirkte ebenfalls angespannt, aber es schien ihr trotzdem gut zu gehen.
    „Also, Hanne. Gaara besteht darauf, dass wir dich einweihen. Du darfst niemandem was sagen. Ob du jemand anderes einweihst, muss jedes Mal vorher geklärt werden, Hanne. Bist du ganz sicher, dass du das wissen willst?“ fragte Kankuro. Jetzt sprang die Anspannung auch auf Gaara über. Auf einmal war er sich nicht mehr so sicher, ob Hanne ihn wirklich noch mochte, wenn sie das jetzt erfuhr.
    „Schrei bitte nicht rum, wenn wir es dir sagen.“ sagte Temari und erhöhte damit die allgemeine Anspannung noch weiter. Hanne verlor offensichtlich die Nerven. Sie sprang auf und rannte davon.
    „Ich hab's geahnt.“ sagte Kankuro leise, „sie ist eben ein Mädchen von dieser Welt. Tut mir Leid, Gaara.“
    Aber Gaara hatte nicht vor, Hanne einfach so gehen zu lassen. Er wollte wenigstens wissen, warum sie weggelaufen war und ob sie ihn noch mochte. Selbst aus der Entfernung von mehr als zehn Metern konnte er ihre Gedanken deutlich hören. Und nur ihre. Die Gedanken der anderen waren wie stummgeschaltet.
    „Das ist alles zu viel. Ich weiß jetzt weder, ob ich das alles überhaupt noch wissen will, noch, warum ich Gaara auf einmal so viel bedeute. Ist er etwa genauso verliebt in mich wie ich in ihn? Dass ich ihn so sehr mag, ist mir inzwischen völlig klar. Ein Blick in seine wunderschönen, helltürkisgrünen Augen hat ja auch gerade eben wieder ausgereicht, um mein Herz zum Flattern zu bringen. Empfindet er für mich genauso? Will er mich deshalb in sein Geheimnis einweihen?“
    Er stand auf und lief ihr hinterher.
    „Gaara! Das bringt nichts, fürchte ich!“ rief Kankuro ihm nach, aber er hörte nicht auf ihn.
    Hanne bog in eine andere Straße ab, drehte sich dabei kurz um und Gaara wusste, dass sie ihn gesehen hatte. Sie war schnell und Gaara, der nicht an so schnelles Laufen gewöhnt war, musste sich eingestehen, dass er kaum mithalten konnte. Taijutsu war noch nie seine Stärke gewesen, er war ein Distanzkämpfer, der an einem Punkt stand und den Kampf von da aus mit seinem Sand kontrollierte. Es gab für ihn eigentlich so gut wie nie einen Grund, schnell zu rennen.
    Hanne bog wieder ab, Gaara folgte ihr. Vor ihnen lag der dämmrige, grüne Stadtpark, eine grüne Wiese mit breiten Kieswegen, auf die das Licht in hübschen, hellen Flecken zwischen den Laubbäumen hindurchfiel. Hanne stoppte. Sie war außer Atem und endlich gelang es Gaara, sie einzuholen. Er streckte ohne dachzudenken die Hand aus und erwischte sie am Ärmel ihrer roten Strickjacke. Direkt vor ihnen stand eine der Parkbänke. Hanne ließ sich keuchend auf ihr nieder und Gaara setzte sich neben sie.
    „Warum bist du weggerannt?“ fragte er.
    „Ich weiß nicht.“ antwortete Hanne, „du kennst mich erst seit drei Tagen, das ist doch irgendwie nicht lange genug, oder?“
    Sie meinte wohl, dass man sich erst näher kennenlernen und feststellen sollte, ob man zusammenpasste. Aber das war es ja gerade. Es gab nur diesen einen Weg, herauszufinden, ob es klappen konnte.
    „Für mich schon. Ich hab mir eigentlich nie Gedanken um die Leute auf unserer Schule gemacht, aber du bist… na ja, ich denke so oft an dich wie an sonst keine… Normale…“ sagte Gaara. Das Wort „normal“ benutzte er nur ungern, da es ihn immer wieder daran erinnerte, dass er eben nicht normal war. Er sprach es immer mit einer etwas relativierenden Betonung aus.
    „Und deshalb willst du mir dein Geheimnis anvertrauen?“ fragte Hanne.
    Gaara wurde schlagartig bewusst, dass das hier das erste richtige Gespräch war, das er mit Hanne führte. Und jetzt musste er es ihr sagen. Er öffnete sein Herz, sah Hanne direkt an und das, was er dann sagte, war so offen und ehrlich, dass ihm davon ein wenig schwindlig wurde:
    „Ja. Du bedeutest mir etwas. Du bist mir wichtig. Deshalb will ich vor dir keine Geheimnisse haben. Mari, Kuro und ich, wir sind Shinobi von einer anderen Welt. Unsere Welt liegt sozusagen auf einer anderen Dimension, verstehst du? Ich will, dass du das weißt.“ die Worte kamen direkt aus seinem Herzen.
    „Shinobi?“ echote Hanne verwirrt, „andere Welt?“ sie war sichtlich überrascht, natürlich, denn mit so etwas hatte sie garantiert nicht gerechnet.
    „Shinobi nennt man auch Ninja, na ja, und wir, also auf unserer Welt, haben besondere Fähigkeiten.“ erklärte Gaara. Er war froh, endlich offen zu ihr sein zu können, auch wenn das noch nicht mal die ganze Wahrheit gewesen war.
    „Ich habe bisher nicht an sowas geglaubt.“ sagte Hanne.
    „Und jetzt?“
    „Jetzt, wo ich weiß, dass es das gibt, schon.“ Hanne lächelte ein wenig, „haben deine… Fähigkeiten… den Unfall vorgestern ausgelöst?“
    Gaara konnte nichts sagen. Er fühlte sich wie unter Strom, spürte Hanne's Blick auf sich und war vor innerer Aufregung noch nicht einmal mehr in der Lage, ihre Gedanken zu hören.
    „Was ist mit Schmuckshuppet? Was ist das?“ fragte Hanne.
    Gaara hatte gewusst, dass das kam. Es gab so viel, was er vor Hanne verbarg und sie hatte das natürlich gemerkt. Es war unübersehbar. Er wollte sie nicht noch einmal erschrecken. Sie musste das, was er ihr gesagt hatte, erstmal verarbeiten, bevor er ihr alles andere über sich erzählen konnte.
    „Das erkläre ich dir später. Du musst das hier erstmal verkraften.“ sagte er.
    „Okay, aber ich warte drauf.“ erwiderte Hanne. Irgendwie gefiel es Gaara, dass Hanne sich so in sein Leben drängte. Sie zwang ihn damit, vielleicht ohne es zu wissen, aus der Deckung zu kommen, die harte Sandfestung zu verlassen, in der er sich in der Schule immer versteckte und ihr sein Herz zu öffnen.
    „Ich bin wohl so ein Mensch.“ dachte er, „jemand, den jemand anderes erst aus der Einsamkeit holen muss, der meine Verteidigung durchbricht und an mein Herz kommt. Das war bei Naruto so und jetzt mit Hanne ist es ganz ähnlich. Ich kann es nicht allein schaffen. Ich brauche immer jemanden, aber es gibt bestimmt auch Menschen, die mich brauchen und denen ich helfen kann.“ er konnte Hanne nicht ins Gesicht sehen. Er wusste nicht, was er dann zu ihr sagen würde, also ließ er es besser sein.
    Auf einmal rückte Hanne näher an ihn heran. Sie wirkte überhaupt nicht mehr erschrocken oder verwirrt, sondern nur fasziniert und… ein Gefühl, das so warm war wie die Sonnenstrahlen in Konoha Gakure, ging von ihr aus. Es gelangte bis zu Gaaras Herz und hatte dort eine seltsame Wirkung: wie ein Pflaster oder ein Verband legte es sich auf die alten Wunden aus der dunklen Zeit und begann, sehr langsam, aber eindeutig spürbar, sie zu heilen. Das war also die heilende Wirkung der Liebe. Wer hatte ihm davon mal erzählt? Gaara wusste es nicht mehr, aber er wusste, dass es wahr war. Es war ein großer Teil seiner besonderen Beziehung zu diesem Gefühl, das Liebe hieß.
    Irgendwann gingen sie zu Temari und Kankuro zurück.
    „Sie weiß Bescheid über uns.“ sagte Gaara.
    „Auch über den du-weißt-schon?“ fragte Temari.
    Gaara schüttelte den Kopf
    „Ich werde morgen die Schule schwänzen. Das alles ist wohl doch ein bisschen viel für einen Tag.“
    Hanne's Gedanken waren immer noch so laut und diesmal war Gaara ziemlich sicher, dass sie das auch laut gesagt hatte.
    „Du wirst morgen nicht so einfach die Schule ausfallen lassen.“ sagte er.
    „Woher weißt du, dass ich das wollte?“ fragte Hanne verwundert und Gaara merkte, dass er versehentlich auf ihre Gedanken geantwortet hatte.
    „Kann er auch noch Gedanken lesen?“
    „Ich nicht. Schmuckshuppet schon.“ sagte Gaara. Er musste es einfach zugeben. Irgendwann würde er ihr alles sagen.
    „Er kann Gedanken lesen!“
    „Was ist das eigentlich?“ unternahm sie einen neuen Anlauf, noch mehr aus ihm herauszubekommen. Aber Gaara verschloss sein Herz vorsichtshalber wieder. Er durfte nichts überstürzen, erst recht nicht, wenn es um dieses Mädchen ging, das ihm jetzt schon viel bedeutete.
    „Ich glaube, ich muss nach Hause. Wenn meine Eltern nach Hause kommen, fragen sie mich kaputt.“ sagte Hanne.
    „Komm morgen zur Schule, Hanne.“ sagte Temari.
    „Ist gut.“ sie nickte und lächelte, dann ging sie mit ein paar kleinen Hüpfern davon. Gaara sah ihr nach, bis sie zwischen den Leuten, die ihr entgegen kamen, verschwand und er konnte es schon jetzt nicht mehr erwarten, sie morgen wiederzusehen.
    „Wie hat sie denn reagiert, als ihr allein wart?“ wollte Kankuro auf dem Heimweg wissen.
    „Es ist okay.“ sagte Gaara und fügte mit einem, ihm selbst noch fremden Tonfall hinzu, „sie liebt mich.“
    „Hach!“ seufzte Temari, „süüüüüß!“
    „Und? Wie ist die Liebe so?“ fragte Kankuro.
    „Es fühlt sich seltsam an. Ich kann es nicht genau beschreiben, aber es ist so ähnlich wie ein Pflaster, das auf eine seelische Wunde gelegt wird.“
    „Das hab ich irgendwann schon mal von dir gehört, das mit dem Pflaster. Oder war das Wundsalbe? Irgendwann hast du mal sowas über Liebe gesagt.“ bemerkte Kankuro.
    „Kann sein.“ Gaara versuchte wieder, sich daran zu erinnern, wer das mal zu ihm gesagt hatte, aber es fiel ihm einfach nicht ein. Es war, als hätte irgendwas in seinem Kopf ausgerechnet diese Erinnerung gelöscht. Aber warum? Und wann hatte dieser Jemand, an den er sich nicht erinnern konnte, das zu ihm gesagt? Er bekam Kopfschmerzen, also er weiter versuchte, sich zu erinnern. Also ließ er es erst einmal sein.
    „Was hast du?“ fragte Temari besorgt.
    „Nichts. Nur Kopfweh.“ antwortete Gaara.
    „Wenn du Kopfschmerzen hast, mach ich mir Sorgen. Gerade bei dir.“ Temari strich ihm über den Kopf.
    Gaara wusste genau, was Temari meinte. Früher hatte er fast ständig Kopfweh gehabt und zwar immer dann, wenn er kurz davor gestanden hatte, die Kontrolle zu verlieren. Die anderen in Suna waren jedes Mal weggelaufen, wenn sie sahen, dass er sich die Hand auf die Stirn drückte und das hatte es meistens schlimmer gemacht.
    „Lass dir von Oma was geben, okay?“ sagte Kankuro, „du musst morgen in die Schule. Schließlich ist Hanne dort.“
    Der Gedanke an Hanne machte Gaara augenblicklich glücklich. Die Kopfschmerzen verschwanden sofort und den Rest des Tages saß Gaara relativ konzentriert an seinen Aufgaben als Kazekage, die er jeden Tag über eine besondere Brieftaube nach Suna Gakure in die Ninjawelt schickte.
    Nach der Arbeit übte er an den Sand-Jutsu, die ihm in dieser Welt immer noch etwas schwer fielen, allerdings musste er dazu in seinem Zimmer bleiben und deshalb war nur wenig Training möglich. Draußen würde eine große Sandmenge über dem Dach des einstöckigen Hauses zu sehr auffallen.
    „Ich hab 'ne Idee!“ quietschte Mardi nach dem Training, „ich mach Hanne einen schönen Traum. Hab ich gestern auch gemacht?“
    „Was? Du hast dich in Hanne's Träume eingemischt?“ fragte Gaara. Natürlich wusste er von Mardis neueren, übersinnlichen Fähigkeiten, es gab ja kaum etwas, das Schmuckshuppet nicht konnten, aber er war überrascht, wie selbstverständlich und unauffällig Mardi sie einsetzte.
    „Sie hat von dir geträumt. Und sie hat dich gaaanz lieb!“ Mardi machte wieder große Augen und verwandelte sich in Sekunden in einen jungen japanischen Tanuki. Das war auch eine seiner neuen, für Schmuckshuppet typischen Kräfte.
    „Ab ins Bett, Junge! Morgens bist du der letzte und abends gehst du viel zu spät schlafen!“ rief Chiyo, die wahrscheinlich das Licht aus Gaaras Zimmer durch das Papier der Schiebetür schimmern sah.
    „Okay, Oma.“ sagte Gaara. Mardi verwandelte sich zurück und legte sich auf das Kissen im Sand.
    Als hätte das, was Mardi tat, eine Wirkung auf Gaaras Traum, handelte der ausnahmslos von Hanne. Er träumte davon, wie er ihr sagen könnte, dass er sie liebte, aber noch im Traum wusste er, dass es lange dauern würde, bis er wirklich in der Lage war, ihr das in echt zu sagen.

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1335618394
Sand, Wind und Liebe (Kapitel 3)
Sand, Wind und Liebe (Kapitel 3)
Die Handlung dürfte denen, die "Seine Welt" kennen, wieder bekannt vorkommen. Aber es ist ja eine andere Sicht auf die Geschichte und deshalb sind natürlich auch zB neue Dialoge dabei. Tanuki-chan wa totemo kawaii desu yo!
http://www.testedich.de/quiz30/quiz/1335618394/Sand-Wind-und-Liebe-Kapitel-3
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2012-04-28
407D
Naruto

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RobinNo2 ( 16531 )
Abgeschickt vor 896 Tagen
WEEEEEEEEEEEEIIIIIIIIIIITER !!!!