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Sand, Wind und Liebe

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1 Kapitel - 5.855 Wörter - Erstellt von: Inge Ketchum - Aktualisiert am: 2012-04-15 - Entwickelt am: - 3.768 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt

Das hier ist eine kleine Leseprobe zu meiner neuesten Idee: "Seine Welt" aus Gaaras Sichtweise! Ich wollte nur mal fragen, wie sie euch gefällt. Eine größere Fortsetzung ist (in nächster Zeit) dazu nicht geplant. Ich schreib ja schon an so vielen anderen Stories.

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    Kapitel 1 Außenseiter Er hörte den Gedanken, noch bevor jemand ihn ausgesprochen hatte oder die Tür zu seinem Zimmer aufschob. Es war oft der erste
    Kapitel 1

    Außenseiter


    Er hörte den Gedanken, noch bevor jemand ihn ausgesprochen hatte oder die Tür zu seinem Zimmer aufschob. Es war oft der erste Gedanke, den er hörte, wenn er morgens aufwachte. Noch mit geschlossenen Augen konnte er die Stimme hören, die jeden Morgen auf seine Zimmertür zu kam und fast immer dasselbe dachte:
    „So, jetzt ist es zehn vor sieben. Gaara sollte jetzt wirklich mal aufstehen, sonst verschläft er noch die Schule. Warum schläft er eigentlich seit einer Weile immer so lange?“
    Heute war es Temaris Stimme und sie klang genervt. Gleich würde sie die Tür aufschieben und mit einem aufgesetzt fröhlichen Grinsen ins Zimmer kommen, um Gaara mit den Worten „Aufstehen, kleiner Bruder! Das Frühstück ist fertig und die Schule wartet!“ dazu zu bewegen, langsam vom Futon aufzustehen, sich anzuziehen und mal wieder als Letzter zum Frühstück zu kommen.
    „Guten Morgen!“ Temari schob die Tür auf und blieb auf der Schwelle stehen, die den Wüstensand, der den Boden im Zimmer zentimeterhoch bedeckte, daran hinderte, aus dem Raum zu fließen.
    „Ich bin mal wieder spät dran, oder?“ fragte Gaara, um seiner älteren Schwester zuvorzukommen.
    „Erraten!“ Temari grinste, „aber das fällt dir wohl nicht allzu schwer. Wenn du so weitermachst, regt sich Oma nachher auch noch über dich auf. Außerdem kommst du zu spät zur Schule. Heute kommt doch die Neue.“
    Die Neue. Sie kam heute. Zwei Wochen nach dem Ende der Sommerferien hatte sich letzte Woche noch eine neue Mitschülerin auf der Nomura-Privatschule angemeldet. Und heute sollte sie in die Klasse kommen.
    Gaara wusste nicht, warum, aber der Gedanke an eine neue Mitschülerin machte ihn irgendwie aufgeregt. Es war doch eigentlich nur eine weitere Person dieser Welt, vor der er seine wahre Identität verbergen musste.
    Temari ging wieder hinaus, natürlich nicht, ohne noch einmal lächelnd „Aufstehen, Bruder!“ zu sagen.
    Gaara stand auf, zog sich an und fuhr sich flüchtig mit den Fingern durch sein dunkelrotes Haar, das ein wenig länger als das der anderen Jungen in der Klasse. Er versuchte, das eigenartige Gefühl zu ergründen, das die noch unbekannte Neue in ihm auslöste. Ohne wirklich darüber nachzudenken, klappte er die linke Tür seines schmalen Kleiderschrankes auf. Sie hatte auf der Innenseite einen großen Spiegel. Aus einem, ihm selbst völlig unbekannten Grund wollte Gaara für das neue Mädchen gut aussehen und wissen, wie er auf sie wirkte. Er versuchte dabei, sich selbst mit den Augen eines Fremden zu sehen und einzuschätzen.
    Seine Kleidung für die Schule bestand aus einem langärmligen, dunkelroten Shirt, durchgehend geknöpft und mit einem enganliegenden Stehkragen und einer langen, einfachen Hose aus ebenso dunkelrotem Baumwollstoff. Das war wohl noch ziemlich normal, auch wenn das dunkle Rot auf manche vielleicht auffällig wirkte. Die lilagraue Weste mit den zwei Schnallen vorn schien auffälliger zu sein. Gaara kannte hier, an diesem Ort, der nicht seine Heimat war, niemanden, der ähnliche Kleidung trug. Doch Kleidung war nicht alles und nicht das größte Problem. Denn so, wie die Leute in der Schule, die er seit einem Vierteljahr besuchte, auf sein Gesicht reagiert hatten, musste er davon ausgehen, dass das eindeutig das Auffälligste an ihm war.
    Gaara trat näher an den Spiegel heran und versuchte jetzt, sein Gesicht mit den Augen eines anderen zu sehen. Durch seine Fähigkeit, die Gedanken der Menschen um sich herum zu hören, wusste er, wie die anderen ihn sahen. Er brauchte sich also gar nichts auszudenken. Trotz dieser Fähigkeit fiel es ihm immernoch schwer, sich in andere Menschen hinein zu fühlen. Doch er gab sich Mühe, das zu ändern, denn er wollte andere verstehen, wissen, was er für sie tun konnte, von jemandem gebraucht werden und nie, nie wieder so allein sein wie früher.
    Gaara dachte nicht daran, dass es schon spät war und Temari sicher schon wartete. Er hob eine Hand und strich langsam über sein Kinn, streifte dabei leicht seine Lippen und fuhr sich mit den Fingerspitzen über den Nasenrücken. Er war eigentlich ganz zufrieden mit seinem Gesicht und seiner hellen Haut, die, wenn er aufgeregt war, eine Farbe wie Wüstensand annahm. Dann hob er den Blick und sah seinem Spiegelbild direkt in die Augen. Sie waren von einem hellen türkisgrün, im Licht wirkten sie manchmal lindgrün oder fast hellblau. Dass in der Mitte der Iris jede Andeutung einer schwarzen Pupille fehlte, störte Gaara nicht. Es war einfach so und hatte auf sein Sehvermögen keinen Einfluss. Aber es erschreckte die anderen in der Schule und auf der Straße. Zum Glück war es ihm fast immer egal, was die anderen dachten. Er setzte seine Selbstbetrachtung fort. Seinen Augen fehlten nicht nur die Pupillen, sondern auch Augenbrauen und seine Wimpern waren sehr kurz. Aber dafür hatten sie breite, tiefschwarze Ränder und auch seine Lider waren fast ganz schwarz.
    Gaara mochte seine Augen eigentlich, denn sie waren oft die einzigen Mittel, um seine Gefühle auszudrücken. Früher hatte er mit ihnen Hass und einsame, stumme Hilfeschreie ausgesandt. Jetzt versuchte er, mit den Augen zu lächeln. Seine Mundwinkel wiesen ganz nach seiner alten Angewohnheit meist nach unten. Er hatte jetzt oft allen Grund, sich zu freuen, aber er konnte es nur manchmal zeigen. Wenn er lächeln wollte, lächelten seine Augen.
    Sein Blick fiel auf die Spiegelung des roten Kanji über seinem linken Auge. Es hatte, wie viele Schriftzeichen seiner Muttersprache Sennin-go, zwei Bedeutungen: „Licht und Dunkelheit“, was in Sennin-go zusammen „Gaara“ ausgesprochen wurde, und „Ai“ – das japanische Wort für Liebe. Die meisten hier hielten es für eine Tätowierung, aber Gaara hatte dieses Zeichen mit sechs Jahren bekommen und konnte sich nicht genau erinnern, wie das passiert war.
    Wie die Neue in der Klasse wohl auf das Zeichen reagieren würde? Erschrocken und abweisend, weil es so auffällig war? Oder so verträumt wie Midori, das wohl netteste Mädchen der Klasse. Sie hatte irgendwas gesagt, das sich nach „Oh, wie romantisch! Das heißt ja Liebe!“ angehört hatte.
    „Gaara Sabakuno! Jetzt komm endlich!“ rief Oma Chiyo aus der Diele, wo die Familie jeden Morgen frühstückte.
    „Ja, Oma Chiyo.“ erwiderte Gaara. Wenn Chiyo ihn mit seinem vollständigen Namen ansprach, war sie schon mehr als nur genervt. Sie konnte es nicht leiden, auf jemanden zu warten.
    Er warf nicht einen Blick in den Spiegel und plötzlich kam er sich dabei blöd vor. Verdammt, was tat er eigentlich hier? In diesem Haus, in dieser fremden Welt, wo ihn in der Schule kaum jemand akzeptierte und vor allem hier vor dem Spiegel? Warum wollte er diesem fremden Mädchen, das er noch gar nicht kannte, gefallen? Was war heute Morgen los mit ihm?
    Mit einem entschiedenen Ruck schlug Gaara die Tür des Kleiderschrankes zu. Der Spiegel gab ein klingendes Echo von sich. Vielleicht zerbrach er beim nächsten Mal.
    Er schob die Tür seines Zimmers auf. in der Diele direkt vor ihm stand wie jeden Morgen der niedrige Frühstückstisch.
    „Was soll das, Bruder?“ fragte Kankuro, Gaaras und Temaris älterer Bruder. Er trug hier weder das schwarze Tuch auf dem Kopf, noch die übliche lila Gesichtsbemalung.
    Das In-den-Spiegel-sehen hatte Gaara etwas durcheinander gebracht und er warf Kankuro einen verachtenden Blick zu.
    „Gaara!“ rief Temari erschrocken, „was ist denn heute mit dir los?“
    „Tut mir leid.“ Gaara setzte sich auf seinen Platz. Er horchte kurz nach Temaris und Kankuros Gedanken. Hoffentlich hatte er sie nicht verletzt.
    „Zwei Brüder, du meine Güte, das ist manchmal echt anstrengend! Kankuro spinnt wie immer rum und jetzt spielt er den tollen großen Bruder für Gaara und mich. Und Gaara, na ja, seit er zu Hause im Dorf anerkannt wird, hab ich ihn richtig gern. Er hat sich wirklich gebessert und ist sehr lieb geworden.“
    Temaris Gedanken waren zum Glück nicht sehr anschaulich. Gaara wollte nicht an früher erinnert werden, obwohl er jeden Tag damit konfrontiert wurde. Es war eine schwere Zeit gewesen, auf die ihn seine Familie nur sehr vorsichtig ansprach, um ihn nicht zu verletzen.
    „Gaara hat sich verändert. Er ist freundlicher geworden und scheint sich, mit Ausnahme der Vollidioten in der Schule, viel mehr für andere Menschen zu interessieren.“
    Kankuros Gedanken waren bildlicher und Gaara wurde an seinen ersten Tag hier an der Schule erinnert. Er war wirklich bemüht gewesen, sich mit den anderen gut zu verstehen, aber die hatten ihn gleich wie einen Außenseiter behandelt, so als wüssten sie, dass er mit dieser Rolle schon sein ganzes Leben lang, neunzehn Jahre, lebte. Sie wussten natürlich nichts davon, dass er es in seinem Dorf geschafft hatte, anerkannt zu werden, der Einsamkeit zu entkommen und dass er dort in eine derartig hohe Position gelangt war.
    „Vielleicht ist die Neue ja anders als die anderen?“ wagte er im Stillen zu hoffen.
    „Wo ist eigentlich Sasori?“ fragte er, denn der Platz seines 38 Jahre alten Cousins, Oma Chiyos mit Abstand ältesten Enkels, war leer.
    „Er ist arbeiten gegangen.“ sagte Chiyo, „wie sich das für einen anständigen Menschen gehört. Nach dem, was er sich die ganzen Jahre über geleistet hat, kann er sich jetzt ruhig mal nützlich machen.“
    „Das glaubt der doch selber nicht!“ bemerkte Temari spitz, „bisher hat Sasori doch noch alles irgendwie vermasselt.“
    „Da könnte sie Recht haben.“ dachte Gaara, „Sasori ist bestimmt bald auch diese Arbeit wieder los.“
    Nach dem Frühstück mussten Gaara und Temari sich beeilen. Temari war zwar schon einundzwanzig, aber sie hatte darauf bestanden, mit Gaara zusammen die Schule zu besuchen.
    Die Neue war noch nicht da, als sie den Klassenraum betraten.
    „Da ist er wieder! Kann er nicht mal ein paar Tage fehlen?“
    „Er sieht so anders aus, fast schon unheimlich!“
    „Gaara ist doch echt nicht normal.“
    „Der Typ ist seltsam. Fast gespenstisch, seine Augen.“
    Die Gedanken seiner Mitschüler stürzten wie ein Regen aus spitzen nadeln auf Gaara ein. Er wunderte sich, warum ihn diese Worte, noch nicht einmal laut ausgesprochen, immernoch verletzten. Warum konnte er da nicht einfach drüberstehen und sich sagen, dass er doch gut war und dass das zu Hause auch fast jeder wusste? Na ja, früher, vor der Wende, hatten diese Worte noch mehr wehgetan und damals konnte er noch nicht mal Gedanken hören. Damals hatten die Leute das offen zu ihm gesagt.
    Als die Klassenlehrerin, Miss Tanaka, den Raum betrat, saß Gaara schon auf seinem Platz. Er hatte den einzigen Einzelplatz in der Klasse und nur neben ihm war noch frei. Temari hatte dafür gesorgt, dass sich niemand dort hinsetzte und Gaara vom Lernen abhielt oder womöglich die Nähe nutze, um gemein zu ihm zu sein. Das neue Mädchen würde also neben ihm sitzen und damit vielleicht Temaris Beschützerinstinkt herausfordern müssen.
    Auf einmal hatte er wieder dieses seltsame, gute Gefühl, das er so überhaupt noch nicht kannte. War es Vorfreude? Vorfreude auf ein Mädchen, das er noch nie gesehen hatte und das auch noch neben ihm sitzen würde?
    Er stütze den Kopf auf die Hände, schloss die Augen und spürte, wie sich eine hauchdünne Sandschicht auf der Tischplatte absetzte.
    „Midori, geh mal bitte raus und zeige Hanne, wo unsere Klasse ist.“ sagte Miss Tanaka. Gaara sah langsam auf. Midori stand auf und ging hinaus. Sie war, wenn man sich die ganze Klasse mal ansah, die netteste von allen, was sich vor allem darin zeigte, dass sie Gaara ab und zu mal freundlich anlächelte und ihn ziemlich normal behandelte.
    Gaara blendete die Gedanken der andern aus und sah aus dem Fenster. Es war gegenüber der Tür, also würde die Neue, wenn sie gleich kam, sein Gesicht nicht sehen. Aber warum interessierte ihn das so? Was bedeutete sie ihm, obwohl sie noch nicht einmal da war? Und warum machte er sich solche Gedanken um sie, fragte sich sogar, wie sie aussah?
    Die Tür wurde geöffnet. Zuerst kam Midori herein. Hinter ihr betrat ein hübsches Mädchen mit braunem Haar, das in zwei offenen Zöpfen auf ihren Schultern lag, den Klassenraum.
    „Hanne, setz dich.“ sagte Miss Tanaka zu dem Mädchen.
    Gaara wandte sich konsequent dem Fenster zu, als Hanne sich neben ihn setzte. Trotzdem entging es ihm nicht, wie nah sie neben ihm saß.
    Und dann traf es ihn: wie ein Blitz aus wolkenlosem Himmel kam dieses Gefühl, ein plötzlicher, heftiger Wunsch, sie anzusehen. Er musste eine riesige Selbstbeherrschung aufwenden, um sich nicht zu Hanne umzudrehen und sie anzusprechen.
    Dann hörte Gaara zum ersten Mal Hanne's Gedanken:
    „Was ist denn mit dem los? Mag er mich nicht? Was hat er für eine schöne, ungewöhnliche Haarfarbe!“
    Gaara zuckte leicht zusammen. Zum ersten Mal in seinem Leben hatte er ein Kompliment für seine Haarfarbe bekommen! Er spürte, dass sie ihn genau beobachtete und hörte, wie ihre Gedanken ihn analysierten. Aber er fühlte sich nicht beobachtet, so wie bei den anderen. Dieses Mädchen mit dem schönen Namen Hanne war anders. Ihre Gegenwart fühlte sich anders an als die der meisten Leute hier.
    Hanne wandte sich an Midori. Gaara hörte, wie die beiden über ihn sprachen, aber er traute sich nicht, hinzusehen.
    „Wer ist das?“ flüsterte Hanne zu Midori.
    „Muss er dir schon selbst sagen, wirst schon sehen, warum. Aber mach dir keine Sorgen, der ist nur am Anfang so abweisend. Er ist ziemlich verschlossen, ja, aber eigentlich okay.“ wisperte Midori zurück.
    Gaara wollte nicht abweisend wirken, er musste es einfach. Niemand hier durfte erfahren, wer er wirklich war. Eigentlich wollte er allem zeigen, wie er wirklich war, aber er musste sich so von den anderen absondern.
    Hanne holte ihr Geschichtsbuch aus der Tasche und tat Gaara den Gefallen, ihn zu ignorieren. Er wusste plötzlich nicht mehr, was er tun sollte. Hanne verwirrte ihn. Er hatte keine Ahnung, warum. Aber das Gefühl, das aufgekommen war, als sie sich neben ihn gesetzt hatte, war neu. So etwas hatte Gaara noch nie in seinem Leben empfunden.
    In der ersten Pause bot Midori an, Hanne die Schule zu zeigen. Erst, als beide Mädchen den Klassenraum verlassen hatten, traute Gaara sich, den Kopf vom Fenster weg zu drehen. Er hatte sich die gesamte Doppelstunde über größte Mühe gegeben, dass Hanne sein Gesicht nicht sah.
    „He, Gaara, alles okay?“ fragte Temari.
    Er schreckte auf. Sie stand direkt hinter ihm und er war wegen Hanne so in Gedanken gewesen, dass er Temari nicht mal bemerkt hatte.
    „Du guckst seltsam.“ stellte sie fest.
    „Alles okay.“ sagte Gaara.
    „So siehst du aber nicht aus. Hat die Neue dich irgendwie durcheinander gebracht oder so? Immerhin hast du jetzt keinen Einzelplatz mehr.“
    „Ist schon okay, Mari.“ Gaara wusste selbst, dass das gelogen war. Etwas war ganz und gar nicht okay und es lag an Hanne Swann.
    „Wegen Mathe…“ begann Temari vorsichtig. Mathe war ein sensibles Thema.
    „Ich komm klar.“ erwiderte Gaara knapp. Das war auch gelogen. Gaara hatte in Mathematik noch nie was Besseres als eine Vier minus geschrieben und gleich in der Mathestunde würde er sich und dieser Welt zum hunderttausendsten Mal beweisen müssen, dass er es einfach nicht konnte. Sand hatte mit Mathe einfach nichts gemeinsam. Und Sand war Gaaras Leben. Sand war alles und alles hatte irgendwie mit Sand zu tun. Gaaras ganze Existenz drehte sich darum.
    „Ich geh jetzt Essen!“ rief Temari fröhlich, „kommst du mit?“
    Gaara schüttelte den Kopf. Während Temari ein Richtung der Cafeteria lief, hörte er wieder die Gedanken der anderen im Klassenraum.
    „Der ist doch echt nicht normal!“
    „Wo kommt er eigentlich her?“
    „Was soll immer diese Sandschicht auf seinem Tisch?“
    „Gaara – was für ein seltsamer Name!“
    Er stand auf, nahm seine Schultasche und ging in den Schulgarten. Dort konnte er meistens einigermaßen allen sein, um wieder einen klaren Kopf zu bekommen. Auf einer Bank zwischen bunten Wildblumen setzte er sich hin und versuchte, die Gedanken der anderen und vor allem die von Hanne verursachte Verwirrung wegzubekommen. Gaara schloss die Augen. um an sein Heimatdorf, Suna Gakure, zu denken, aber statt der Sandsteintürme von Suna und der endlosen Weite der Wüste tauchte Hanne Swanns Gesicht vor seinem inneren Auge auf. Sie hatte kurz gelächelt, als sie im Unterricht eben festgestellt hatte, dass sie keine Kanji-Kenntnisse brauchte. Es hatte schön ausgesehen, wie sie gelächelt hatte. Sehr schön sogar.
    „Warum muss ich die ganze Zeit an sie denken?“ fragte er sich, „was ist das für ein seltsames Gefühl?“
    Er hatte noch nie so etwas Seltsames empfunden, aber vielleicht etwas, das so ähnlich war. Die Zuneigung zu Temari, Kankuro und Oma Chiyo gehörte erst seit ungefähr fünf Jahren zu seinem Leben. Erst seit dem Ende der Zeit, die Gaara selbst „die Dunkelheit“ nannte und die er zu vergessen versuchte. Er musste kurz an seinen Vater denken, der in Suna krank im Bett lag, seit er nach zehn Jahren wieder aufgetaucht war. Gaara hatte keinen wirklich guten Draht zu ihm, er wusste einfach nicht, wie er mit ihm umgehen sollte.
    Die Freundschaft mit Naruto Uzumaki, dem extrovertierten, blonden Jungen mit den strahlenden blauen Augen, kam dem neuen Gefühl für Hanne Swann auch nahe. Naruto kannte das Leid, das Gaara in der „Dunkelheit“ erlebt hatte, aus eigener Erfahrung und er war es gewesen, der Gaara das Licht gezeigt hatte, in dem Menschen außerhalb der Einsamkeit lebten.
    „Ich lebe.“ der Gedanke kam ohne Vorwarnung und völlig aus dem Zusammenhang gerissen, „so deutlich habe ich das noch nie gespürt. Ich lebe, Mama.“
    Wieder etwas aus der „Dunkelheit“! Gaara hatte das Wort „Mama“ seit Jahren nicht benutzt. Seine Mutter war gestorben, da war er drei Jahre alt gewesen. Und dann hatte er in der Zeit der Dunkelheit wahnsinnig geglaubt, dass sie…
    „Nein!“ unterbrach er sich selbst, „das ist lange vorbei! Ich muss mich besser im Griff haben. Ich bin der Kazekage, der Anführer von Suna Gakure. Ich trage Verantwortung und jemand mit Verantwortung darf sich nicht so gehen lassen.“
    „Ich lebe wirklich.“ schon wieder! Aber irgendwie klang es anders. Anders als früher und anders als eben. Der Klang von „lebe“ hatte sich verändert. Es hörte sich ein wenig wie „liebe“ an. Normalerweise dachte er, wenn es um Liebe ging, zuerst an Temari und Kankuro. Aber jetzt mischte sich wieder Hanne Swanns Gesicht dazwischen. Ein Gefühl, dass ihn stark dazu drängte, sie sofort sehen und mit ihr reden zu wollen, kam auf und nahm dann schlagartig zu. Gaara hatte weder seine Gefühle, noch seine Gedanken in diesem Moment unter Kontrolle.
    „Liebe ist doch etwas anderes als nur das, was man für Geschwister und Freunde fühlt. Diese Liebe, von der alle, die verliebt sind, reden, wie fühlt die sich an? Ich kann die Gedanken der anderen hören, aber ich fühle nicht nach, was sie fühlen. Ich glaube, man fühlt sich zu dem, den man liebt, hingezogen. Oder zu ihr. Man will sie wiedersehen, um sich haben, vielleicht berühren. Temari weiß über so etwas sicher besser Bescheid. Ich könnte sie fragen.“ dachte er.
    Er ging den Gedanken noch einmal durch und schreckte auf, als ihm klarwurde, dass er dabei an Hanne Swann dachte. Dass er gerade so über Liebe nachdachte, hatte einen konkreten Grund und das unbekannte, schöne, lebendige Gefühl, das er beim Gedanken an Hanne hatte, ließ sich auf einmal eindeutig einen Namen geben: Liebe.
    Er ließ das Wort einen Moment auf sich wirken: „Das passt ja. Mir steht das Wort Liebe auf der Stirn geschrieben und jetzt verliebe ich mich. Ausgerechnet ich, der so ein besonderes Verhältnis zu diesem Gefühl hat.“
    Dann wusste er es mit Sicherheit. Er hatte sich, gleich im ersten Moment, in Hanne verliebt. Als ob er es heute Morgen schon geahnt hätte, als er in den Spiegel sah.
    Gaara hatte noch keine Ahnung, was er mit der Erkenntnis, in die Neue in der Klasse verliebt zu sein, und den in seinem Kopf wie ein Sandsturm umherwirbelnden Gefühlen anfangen sollte. Für's Erste würde er ruhig bleiben müssen und abwarten.
    „Hey, da ist ja der Außenseiter!“ rief eine gehässige Jungenstimme vom Sportplatz her, „sitzt im Schulgarten und ganz alleine!“
    Das war Masao, der Anführer der selbsternannten Eliteclique der Klasse. Er und seine Freundin Sagiri hatten Gaara von Anfang an spüren lassen, dass er für sie nicht dazugehörte. Als wüssten sie schon, wer (oder besser gesagt, was) er war.
    „Sag mal, bist du da, wo du herkommst, auch so ein Außenseiter? Na, so wie du aussiehst…“ sagte Masao und kam auf ihn zu.
    Gaara bekam Kopfschmerzen. Immer, wenn jemand ihm das Gefühl gab, nicht normal zu sein, fing das an. Er musste sich furchtbar anstrengen, um seine Selbstkontrolle zu wahren und Masao nicht den Hals zu brechen. Der Sand unter seiner Haut kribbelte angriffsbreit.
    „Bist du überhaupt ein richtiger Mensch?“ fragte Masao.
    Gaara spürte die alte Wut aus dunklen Zeiten in sich aufwachen. Er drückte die Handflächen zusammen, Sand trat von innen her auf seine Haut und der Tanuki schimpfte, zum Glück noch schlafend, vor sich hin. Gaara wusste, dass Masao es nicht hören konnte, aber es erschein ihm trotzdem so.
    Das, was Masao da gerade gesagt hatte, war ein extrem heißes Eisen. Es war ein Thema, das schon Menschen umgebracht hatte, die die gleiche Frage gestellt hatten. Und es war so umfangreich, dass man ständig dran vorbeistreifte. Gaara wünschte sich nichts stärker als ein Leben, in dem egal war, ob er ein Mensch war oder nicht. Er wollte ein Leben leben, in dem er die, die er mochte und die ihn mochten, nicht ständig zwingen musste, ihn mit Samthandschuhen anzufassen und die, die nicht mit ihm klarkamen, ihn einfach in Ruhe ließen.
    „Er sieht aus, als ob er gleich ausflippt. Ich bin mal gespannt, wie stark er ist, wo er doch in Sport nie mitmacht.“
    „Wenn Masao wüsste, wer ich bin, würde er das lassen. Aber er darf es nicht erfahren.“ dachte Gaara. Er versuchte weiterhin, ruhig zu bleiben, aber Masao sah ihn mit diesem kalten Blick an, der es ihm fast unmöglich machte.
    „Du bist auf jeden Fall kein normaler Mensch.“ sagte Masao.
    Gaara zählte in Gedanken bis zehn, atmete tief ein und aus und versuchte, an irgendwas Unwichtiges zu denken: Oma Chiyos Gezanke mit Sasori, Reisbällchen zum Mittagessen, die Geschichtshausaufgabe und die Vermutung, dass Temari heimlich seit ein paar Wochen einen Freund hatte.
    Schließlich hatte Gaara sich soweit beruhigt, dass sich Masao nicht mehr in Gefahr befand.
    „Lass mich in Ruhe, okay?“ sagte er dann, „bevor Temari erfährt, was du gerade gesagt hast.“
    „Reg dich ab.“ sagte Masao, „aber du weißt schon, dass du immer ein Außenseiter sein wirst?“ mit diesen Worten ging Masao davon.
    Gaara kämpfte die Wut nieder und als es wenig später klingelte, ging er zum Klassenraum zurück.
    „Das ist mir doch egal, ob ihr mich mögt oder nicht.“ sagte er sich, „das hier ist nicht meine Heimat und ich weiß, dass ich gut bin. Masao und seine Idioten nennen sich Elite, aber die wahre Elite sind doch Temari und ich. Mein Vater war Kazekage und jetzt bin ich es. Ich muss mir diese Gemeinheiten gar nicht anhören.“ manchmal tat es ganz gut, sich mal zu sagen, dass man besser war als die anderen, besonders, wenn es in gewisser Hinsicht stimmte. Besonders vor einer Stunde wie Mathe, wenn man schon vorher wusste, dass wieder ein mehr oder weniger offensichtliches Versagen bevorstand.
    Als er sich auf seinen Platz setzte, dachte er an Hanne und daran, dass er immernoch aufpassen musste, dass sie sein Gesicht nicht sah. Sie würde schockiert sein.
    „Was, wenn sie mich nicht mag?“ dachte Gaara, „wenn mein Anderssein sie so erschreckt, dass sie mit irgendwem den Platz tauschen will? Liebe ist kompliziert.“
    Als Hanne sich setzte, spielte Gaara wieder den Unnahbaren. Er sah aus dem Fenster, konzentrierte das Gedankenhören auf Temari und ließ Mathe einfach Mathe sein. Dadurch machte er noch mehr Rechenfehler als sonst.
    „Der hat wohl ein Matheproblem. Keine von den Aufgaben ist richtig und er malt lieber Muster in den Sand, als Miss Tanaka um Hilfe zu bitten. Er sollte auf seine Mathenote aufpassen.“
    Hanne's Gedanken waren so laut und deutlich, das Gaara zuerst glaubte, sie hätte laut gesprochen. Er verbot sich, sie anzusehen. Wenn sie das bemerkte und zurückblickte, würde sie sein Gesicht sehen.
    Miss Tanaka sah ihn vom Lehrertisch aus besorgt an. Das tat sie in jeder Mathestunde. Aber Gaara wollte keine Hilfe in Mathe. Denn wenn die Lehrerin die ganze Stunde über an seinem Tisch stand, würde Masao das auch mitkriegen und ihn damit runtermachen. Er wollte Masao nicht unnötig in Gefahr bringen.
    Eigentlich hatte Gaara mit der Zeit, in der er alles und jeden, der ihm nicht gepasst hatte, vorsichtig gesagt, aus dem Weg geräumt hatte, abgeschlossen. Er wollte andere nicht mehr verletzen. Aber Masao trieb es mit den Gemeinheiten derartig auf die Spitze, dass Gaara manchmal glaubte, wieder in sein früheres Verhalten zurückzufallen. Er bekam dann Angst vor sich selbst und davor, wie früher die Kontrolle zu verlieren, Masao versehentlich umzubringen und sich danach, von blutbespritztem Sand umgeben, an nichts erinnern zu können, was er getan hatte. Früher war ihm das oft passiert. Viel, viel zu oft.
    „Ich liebe nur mich selbst.“ hatte er damals oft gesagt. Aber jetzt, wo er sich daran erinnerte, dachte er: „ich habe jetzt verstanden, was Liebe bedeutet. Meine Familie, zum Beispiel. Und sie.“ er warf einen kurzen Blick zu Hanne hinüber und die Wut auf Masao löste sich für den Moment auf. Da war nur noch dieses starke Gefühl von Zuneigung zu diesem Mädchen, mit dem er überhaupt noch kein einziges Wort gesprochen hatte.
    Auf einmal spürte Gaara, wie zwischen Hanne und Temari irgendwas ablief. Er brauchte weder hinzusehen, noch Gedanken zu hören, um alles mitzukriegen.
    „Die ist ja wohl Ausnahme Nummer zwei. Die Ausnahme Nummer eins sitzt ja neben mir.“
    Hanne's Gedanken waren so laut, dass Gaara sie unmöglich nicht hören konnte und außerdem schien etwas in ihm jeden ihrer Gedanken unbedingt hören zu wollen.
    „Wenn dieses Mädchen Gaara irgendwie irgendwas tut, ist sie dran!“
    Temari übertrieb es mal wieder mit dem Beschützen.
    „Soll ich mich woandershin setzen? Die will das wohl, aber es ist sonst kein Platz mehr frei.“
    Hanne wirkte eingeschüchtert und beschäftigte sich wieder mit Mathe.
    Miss Tanaka wies Temari zurecht, weil sie ja nicht arbeitete, sondern Hanne anstarrte, und forderte sie auf, weiter zu arbeiten.
    Währenddessen erklärte Midori Hanne, warum niemand Gaara so einfach nach seinem Namen fragen durfte.
    „Wenn Temari nicht so übertreiben würde, wären wir vielleicht nicht ganz so sehr ausgeschlossen.“ dachte Gaara „sie meint es gut, aber es bringt uns nicht weiter.“
    Gerade erzählte Midori Hanne eine der offiziellen Geschichten über Gaara, die Temari, um Nachfragen vorzubeugen, am Anfang hier verbreitet hatte. Diese Geschichte hatte einen wahren Kern, der jedoch geheim bleiben musste.
    Temari stand auf und ging hinaus. Gaara spürte Hanne's Blick auf sich und dann hörte er ein leises, hölzern klapperndes Geräusch. Hanne hatte ihren Bleistift fallen lassen und der rollte bis unter Gaaras Tisch. Das war kein Versehen! Als er bemerkte, was Hanne vorhatte, war es schon zu spät. Er spürte ihre Fingerspitzen an seine Schulter tippen und drehte sich langsam zu ihr um. Sein Herz klopfte, er spürte den Sand auf seinen Händen und der Tanuki, der zum Glück immernoch schlief, fiepte leise.
    Hanne sah schockiert aus. Bestimmt hatte sie noch nie jemanden wie ihn gesehen.
    „Reiß dich zusammen!“ sagte Gaara sich, „du willst ihr doch gefallen!“
    Sein Herz beruhigte sich wieder etwas, der Tanuki schlief ruhig weiter und sein Kopf wurde klarer.
    Und als er dann zum ersten Mal etwas zu Hanne sagte, war er überrascht, wie ruhig und freundlich seine Stimme dabei klang: „Oh, habe ich dich erschreckt? Das tut mir leid. Die Leute sind oft schockiert von mir, wenn ich… hm, außerhalb bin. Wenn ich das richtig verstanden habe, heißt du Hanne, oder? Ich bin Gaara.“
    Hanne nickte wortlos und wie mechanisch. Gaara wusste nicht, ob das daran lag, dass er sie wirklich erschreckt hatte oder ob es vielleicht einen anderen Grund gab. Sie wirkte irgendwie… wie verzaubert.
    „Mari ist draußen. Sie ist, na ja, etwas empfindlich, was Fremde betrifft, die mir näher als zehn Meter kommen.“ sagte er, um die seltsame Stimmung aufzulösen. Hanne wirkte überrascht und verlegen, sah auf ihre Fingerspitzen und dann Gaara wieder direkt in die Augen.
    „Süßer Typ! Krass, aber süß.“
    Ihre Gedanken waren immernoch so laut. Und das, was sie dachte, klang unerwartet freundlich. „Süßer Typ“ war eindeutig ein Kompliment.
    Temari kam zurück und bevor sie Hanne wieder so feindselig anstarren konnte, sagte Gaara: „Wenn Mari dich fragt, dann hab ich dich angesprochen, okay?“
    Es klingelte. Hanne und Midori gingen wieder auf den Flur raus.
    „Was war das denn eben?“ fragte Temari. Sie hatte sich wieder von hinten angeschlichen.
    „Sie sitzt neben mir. Irgendwann musste ich mal mit ihr reden.“ antwortete Gaara. Er wollte Temari nicht gleich sagen, dass er in Hanne verliebt war. Das würde er ihr heute Abend erzählen.
    „Kleiner Bruder, du verheimlichst mir was!“ flüsterte Temari und grinste ihn an, „du magst sie. Das sieht doch jeder.“
    „Woran?“
    „Deine Augen leuchten, Gaara! Aber sowas von!“ triumphierte Temari, „oh mann wie süß!“ sie klatschte die Hände vor dem Gesicht zusammen und seufzte dann selig, „du bist verliebt!“
    „Du hast es erfasst, Oneesan.“ Gaara war immernoch ziemlich verwirrt und stütze wieder den Kopf auf die Hände.
    Temari grinste und ging hinaus. Sie hatte irgendwas vor, aber Gaara wollte nicht aufstehen und sie daran hindern. Er hatte sich noch nicht ganz von Hanne's Blick erholt. Außerdem wachte gerade der Tanuki auf. Hanne hatte ihn aufgeschreckt.
    Der Tanuki. Jetzt war er klein, niedlich, ziemlich ungefährlich und nannte sich Mardi Ichibi. Früher hieß er mal Shukaku Ichibi. Es war jetzt ein Schmuckshuppet, ein weiterentwickelter Bijuu-Geist. Und dieser Bijuu-Geist, Shukaku, der Einschwänzige Marderhund, war der Grund, warum Gaara den größten Teil seines Lebens als vollkommener Außenseiter verbracht hatte und wirklich eine Gefahr für die Menschen in Suna Gakure gewesen war. Oma Chiyo hatte Shukaku in Gaaras Körper versiegelt, als er noch sehr klein gewesen war, und ihn damit zu einer Mischung aus Mensch und Dämon gemacht. Solche Menschen nannte man Jinchu-Kraft. Und Jinchu-Kräfte waren ungeliebt. Menschliche Waffen, die in Kriegen dazu gezwungen wurden, sich in die Dämonen in ihrem Inneren zu verwandeln. Experimente, die man am liebsten weggewischt hätte. Versuche, die ungeheure Kraft der Bijuu zu kontrollieren, in dem man sie in Menschen versiegelte. Wenn eine Jinchu-Kraft wütend wurde, verlor sie die Kontrolle, verwandelte sich in den Bijuu und richtete gewaltige Schäden an. Gaara wusste selbst nicht genau, was er alles in seinem Leben zerstört hatte. Immer, wenn jemand solche Sachen zu ihm gesagt hatte, wie Masao vorhin, hatte er die Kontrolle verloren. Das war die „Dunkelheit“ gewesen, die Einsamkeit.
    Gaara war nicht mehr wütend auf Chiyo. Nur zu seinem Vater, der den Auftrag gegeben hatte, Shukaku zu versiegeln, war sein Verhältnis noch schwierig. Aber Gaara wollte ihm verzeihen.
    Naruto war auch eine Jinchu-Kraft. Er trug den Neunschwänzigen Fuchs Kyubi in sich. Aber er hatte viel seltener die Kontrolle verloren. Naruto war von Natur aus ein Junge, der alles ziemlich positiv sah. Er hatte darum gekämpft, anerkannt zu werden, er hatte es geschafft und man merkte es ihm kaum an, dass er eine Jinchu-Kraft war. Außerdem war er jemand, der sich schnell mit anderen anfreunden konnte. Innerhalb weniger Augenblicke beschloss er, dass jemand sein Freund war und dann gab es sozusagen kein Entkommen mehr. Wer mit Naruto befreundet war, wurde nie wieder alleingelassen. Gaara war sehr froh, dass er ihn zum Freund hatte. Naruto kannte das Gefühl, ausgeschlossen und allein zu sein und er hatte Gaara gezeigt, wie man dem Alleinsein entkommen konnte.
    „Hey, Gaara!“ Temari hatte sich schon wieder von hinten angeschlichen, „du bist ja heute sowas von abwesend!“
    Gaara schreckte aus seinen Gedanken auf.
    „Komm, gleich ist Sport. Ich weiß ja, du willst wieder nicht mitmachen, aber wenn wir schwänzen, schreibt Miss Yamamoto einen Brief an Oma.“ sagte Temari, „und dann stehen wir genauso dumm da wie Sasori.“
    „In welcher Halle ist es heute?“ fragte Gaara.
    „In der japanischen.“ antwortetet Temari, „und du willst dir bestimmt ansehen, wie sich Hanne in Sport so macht, oder? Ob sie das Zeug zum Ninja hat.“ sie grinste, „wir können ja schon vorgehen und ein bisschen trainieren. Das kann ja wohl nicht verboten sein. Schließlich sind wir Ninja aus Suna Gakure.“

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1333914651
Sand, Wind und Liebe
Sand, Wind und Liebe
Das hier ist eine kleine Leseprobe zu meiner neuesten Idee: "Seine Welt" aus Gaaras Sichtweise! Ich wollte nur mal fragen, wie sie euch gefällt. Eine größere Fortsetzung ist (in nächster Zeit) dazu nicht geplant. Ich schreib ja schon an so ...
http://www.testedich.de/quiz30/quiz/1333914651/Sand-Wind-und-Liebe
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2012-04-08
407D
Naruto

Kommentare (1)

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RobinNo2 (16531)
vor 1044 Tagen
WEEEEEEEEEEEEIIIIIIIIIIITER !!!!