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Eine rettende Nacht

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1 Kapitel - 5.206 Wörter - Erstellt von: Inge Ketchum - Aktualisiert am: 2012-04-15 - Entwickelt am: - 4.740 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

Es geht um eine junge, europäische Frau namens Maria und um Itachi nach dem Ende der Akatsuki. Einfach lesen. Achtung, heiß!

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    „Café Restaurant Hotel Bar“ stand in rot leuchtenden, asiatisch anmutenden Buchstaben auf dem Schild über der Tür. Darunter, doppelt so groß u
    „Café Restaurant Hotel Bar“ stand in rot leuchtenden, asiatisch anmutenden Buchstaben auf dem Schild über der Tür. Darunter, doppelt so groß und von rosa Kirschblüten und japanischen Flaggenabbildungen umrahmt, der Name des Hotels: Nihon no Hoteru.
    Ich kannte das Schild gut. Schließlich war ich hier jeden Samstagabend. Das Hotel war einigermaßen vornehm, gehörte zu den schicken Adressen dieser Kleinstand in der Heide und hatte viel exotische Atmosphäre zu bieten. Es gehörte einem japanischen Ehepaar, die Angestellten waren ebenfalls Japaner oder Koreaner und die Einrichtung war eindeutig asiatisch, wenn auch, bis auf ein traditionelles Japanzimmer mit Tatami und Futon, recht modern. Man könnte sagen, es war eher Tokyo, als Kyoto.
    Ich hatte immer ziemlich viel Geld, so dass ich, statt mein Wochenende in einer lauten Disco am Stadtrand zu verbringen, lieber in dieses vornehme Hotel ging, dort an der Bar saß, ein bisschen was trank (immer nur ein bis zwei Gläser) und mit reichen, gutaussehenden Asiaten anbändelte. Die meisten von ihnen hatten hier ein Zimmer und waren überwiegend Singles. Gelegentlich, so etwa einmal im Monat, begleitete ich einen von ihnen aufs Zimmer und schlich dann morgens im Gewirr des Asia-Frühstücksbuffets hinaus. Irgendwie war dieses Bardamenverhalten zu meiner Wochenendgewohnheit geworden, von der nur meine beste Freundin Ronja wusste. Ronja, die lieber ein Junge gewesen wäre, mochte das „Nihon no Hoteru“ auch, aber nur, weil es japanisch war und hier an Wochentagen auch mal Anime-Fans herumhangen. Sie war ja selber so eine, die den halben Tag vor dem Fernseher verbrachte, um „Naruto“, „Dragonball“, „Digimon“, oder wie diese Serien alle hießen, zu sehen. Aber ich nahm sie samstags nie mit. Sie ging lieber in die Stadtrand-Discos. Das Hotel war ihr meistens zu ruhig und außerdem wollte sie als bekennende Lesbe nichts mit meinen Männergeschichten zu tun haben. Trotzdem musste ich ihr sonntags alles darüber erzählen. Sie war manchmal schon eine ziemlich komische Type.
    Vorhin waren wir zusammen auf ihrem Mofa hier her in die Innenstadt gefahren. Sie hatte mich in der Bäckerei gegenüber, wo ich mein Abendessen kaufte, abgesetzt, und war dann in Richtung Disco gefahren. Ich aß immer vor meinem Hotelbesuch etwas, denn dort war das Essen ziemlich teuer. Ich trank dort nur Sekt oder, wenn es mir jemand anbot, Champagner.
    Als ich die Tür öffnete und die Bar betrat, hörte ich sofort die leise Shamisen-Musik, die ich schon gut kannte. Das Gefühl, einen exklusiv wirkenden, vornehmen Laden zu betreten, hüllte mich ein.
    Die Bar bestand aus einem Tresen mit hohen Stühlen und dem Bereich des Barkeepers dahinter. Sie nahm die gesamte linke Seite des Eingangsbereiches ein, der weiter hinten im Restaurant endete. Dort hinten saßen Samstagabend immer nur ein oder zwei Herren in Anzügen und es war immer dunkler als vorne. Auch heute Abend war es da hinten dunkel, das rote Licht der Papierlampen, die über der Bar hingen, reichte nicht so weit. Wenn man hier Tags durchging, erkannte man die Bar ohne das rote Licht kaum wieder. Es war ein warmes, dunkelrotes Licht und wenn ich wiedermal einen Japaner an der Angel hatte, kam ich mir vor wie in einem richtigen Nachtclub.
    Ich hängte meine Jacke und meine Tasche an die Garderobe. Der Barkeeper hinter der Theke, ein Koreaner namens Wang Kim, wachte immer sehr gut über die Garderobe, besonders, wenn es so leer wie heute war. Hier war meines Wissens nach noch nie was geklaut worden.
    Wang nickte mir zu, als ich mich wieder zu ihm umdrehte und ein Glas Sekt bestellte. ich war mir nicht sicher, ob er mich wegen mir selbst oder wegen meines meist hoch ausfallenden Trinkgeldes mochte, aber dass er auf mich achtete, war offensichtlich. Ich trug ein rotes, kniekurzes Abendkleid und hohe Schuhe, das Kleid hatte einen recht tiefen Ausschnitt und Spaghettiträger. Ich war es längst gewöhnt, zielte ja sogar darauf, dass die Männer auf mich aufmerksam wurden. Dasselbe taten die anderen auf der Partymeile auch, aber die Atmosphäre war hier meiner Meinung nach viel besser. Ronja und ihre Partyclique wollten Spaß haben und ich auch. Es war ja nicht verboten. Wir waren alle achtzehn und älter.
    Erst jetzt sah ich mich genauer um. Es lief am Anfang immer gleich ab: reinkommen, Sachen aufhängen, Sekt bestellen und dann schauen, ob jemand da ist, der interessant genug aussieht, um sich neben ihn zu setzen und ihn anzusprechen.
    Heute waren nur vier Leute da: Wang, zwei Anzugträger, die hinten im Dunkeln über Geschäftszeug redeten und ein Mann, der auf dem letzten Platz an der Bar saß. Er war wohl so ungefähr Mitte bis Ende zwanzig und hatte eine Sakeflasche samt Schälchen vor sich stehen.
    Von da aus, wo ich stand, sah ich, dass er langes, schwarzes Haar hatte, das offen über seine nach vorn gebeugten Schultern fiel. Vorn war es etwas kürzer, ging nur bis zum Kinn und verdeckte von der Seite gesehen die Hälfte seines Gesichtes. Seine Kleidung war weder elegant, noch gewöhnlich: ein graues T-Shirt mit einem dreieckigen, netzartigen Einsatz unter dem Ausschnitt, eine ebenso graue, etwa knielange Hose und Schuhe, die wie eine Mischung aus Sandale und Stiefel aussahen, weil sie einen Schaft hatten, aber die Zehen freiließen. Von seinem Gesicht sah ich nicht viel, weil er den Kopf gesenkt hatte und sein Haar nach vorn fiel.
    „Hey, der könnte ein bisschen Gesellschaft gebrauchen.“ raunte mir Wang zu, „du kannst doch so gut mit Männern.“
    „Tss.“ machte ich, denn Wang ging mir in letzter Zeit auf die Nerven, „das glaubst du, ne?“
    „Der Typ ist seit acht Uhr hier und trinkt eine Schale Sake nach der anderen. Ich will nicht um zehn den Krankenwagen rufen müssen.“ sagte Wang, „red mal ein bisschen mit ihm.“
    Jetzt war es neun Uhr. Ich kam immer um neun Uhr her. Jeden Samstagabend. Immer, wenn mir das auffiel, dachte ich: Erstens war der Mensch sowas von ein Gewohnheitstier und zweitens behandelte mich Wang inzwischen wie eine alte Freundin. Stammgast war ich sowieso.
    Ich ging auf den Mann zu, der ziemlich traurig aussah, blieb neben ihm stehen und fragte: „Darf ich mich zu dir setzen?“
    Er stellte die Sakeflasche, mit der er gerade das Schälchen aufgefüllt hatte, ab. Dann sagte er leise: „Wenn du möchtest.“
    Ich nahm das mal als Zusage und setzte mich. Er sah nicht auf, stattdessen betrachtete er das schwarze Schriftzeichen auf dem Sakeschälchen.
    Ich war es nicht gewöhnt, mit Typen zu flirten, die traurig aussahen und wohl auch noch schüchtern waren. Deshalb wusste ich nicht genau, was ich sagen sollte. Ich versuchte es einfach mal mit einem freundlichen Hilfsangebot: „Hey, du siehst so traurig aus. Kann ich dir irgendwie helfen?“
    Zuerst antwortete er nicht, dann sagte er: „Ich glaube nicht, dass du da was tun kannst.“ seine Stimme war tief, warm und… verzweifelt, resigniert.
    „Willst du drüber reden? Manchmal hilft das schon.“ fragte ich, auf einmal ehrlich interessiert.
    „Ich will dich damit nicht belasten.“ erwiderte er, immer noch ohne mich anzusehen.
    „Ich kann zuhören. Und du musst ja nicht alles erzählen. Nur das, was du willst.“ sagte ich, „ich bin übrigens Maria.“
    Jetzt sah er auf und ich blickte in sein Gesicht, das so schön war, dass ich den Atem anhielt: dunkle Augen mit langen, schwarzen Wimpern, ein leicht spitzes Kinn und eine perfekt geformte Nase. Das auf den ersten Blick Ungewöhnlichste an seinem Gesicht waren zwei lange, schräg stehende Einkerbungen, die sich von seiner Nasenwurzel bis auf jede seiner Wangen zogen. So etwas hatte ich noch nie gesehen. Und noch etwas an seinem Aussehen war anders, allerdings ziemlich grundlegend anders als alle Typen, die ich je getroffen hatte. Aber ich konnte nicht genau sagen, was dieser Unterschied war.
    „Wie heißt du?“ fragte ich, wobei ich eine Strähne meiner langen, blonden Locken mit dem Zeigefinder aufdrehte und hinters Ohr strich.
    Er blinzelte ein paar Mal, dann sah er mich wieder an, allerdings fiel sein Blick knapp an mir vorbei und ich bemerkte einen trüben Schleier in seinen Augen.
    „Ich heiße Itachi.“ flüsterte er, „Itachi Uchiha.“
    Ein schöner Name. Aber er hatte eine eigenartige Aussprache: ich wusste, dass man „chi“ wie „tschi“ aussprach und „i“ s mitten im Wort wurden meistens verschluckt. Aber er sprach das „chi“ wie „shi“ aus und die Vokale klangen alle sehr deutlich.
    „Bist du neu in der Stadt?“ fragte ich.
    „Nein, nur auf der Durchreise.“
    Mein Blick fiel auf zwei Sakeflaschen, die am oberen Rand des Tresens standen, genau so, als hätte Wang sie, als sie leer waren, dorthin gestellt. Da sie genau vor Itachis Platz standen, nahm ich an, dass es die Flaschen waren, die er schon leergetrunken hatte. Dabei wirkte er kaum betrunken.
    „Und warum sitzt du jetzt hier und trinkst?“ wollte ich wissen und nahm einen Schluck aus meinem Sektglas, „hast du so große Probleme?“
    „Es Probleme zu nennen, wäre wohl untertrieben.“ sagte er leise und blinzelte wieder.
    Dann nahm er die halbvolle Sakeflasche und schob sie bis an den obersten Rand des Tresens. Ganz offensichtlich wusste er selbst, wie ungesund Alkohol war und wollte nicht mehr weitertrinken.
    „Alkohol ist auch keine Lösung.“ murmelte ich. Das war ein Zitat aus dem Anti-Drogen-Werbespot der BZgA oder so. Vernünftigerweise glaubte ich sogar daran.
    „Eigentlich trinke ich auch nicht so viel. Überhaupt nicht.“ sagte Itachi und wirkte, im Gegensatz zu den vielen anderen Typen, die das auch ständig sagten, wirklich ehrlich.
    „Dann lass es.“ ich nahm ihm das Sakeschälchen aus der Hand. Dabei fielen mir seine Fingernägel auf. Sie waren kurz, aber sehr gepflegt und lilafarben lackiert. Die Farbe passt gut zu seinen Händen, die stark und gleichzeitig sanft wirkten. Er trug zwei Ringe: einen recht auffälligen weißen mit einem runden Emblem, das ein schwarzes, japanisches Schriftzeichen trug, am rechten Ringfinger und einen schmalen, silbernen am linken. Eindeutig ein Verlobungsring. Nicht Single also? Schade. Einen kurzen Moment lang hatte ich mir vorgestellt, wie sein Körper unter dem grauen T-Shirt wohl aussah und gehofft, er würde sich von mir dazu überreden lassen, auf sein Zimmer zu gehen.
    Itachi blinzelte wieder, dann holte er auf einmal tief Luft und drückte sich die rechte Hand aufs Herz, als hätte er Schmerzen. Seine grauschwarzen Augen tränten.
    „Bist du okay?“ fragte ich, rein rhetorisch natürlich, denn er war sicher nicht okay. Er schüttelte den Kopf, während er sich weiter die Hand aufs Herz drückte und vor Schmerz keuchte. Die Tränen, die zuerst so ausgesehen hatten, als hätte nur der Schmerz sie ausgelöst, wurden zu richtigem Weinen. Es war ein richtiger Weinkrampf. Ich legte ihm meinen Arm um die zitternden Schultern und versuchte, ihn irgendwie zu beruhigen, während Wang schon anfing, den Krankenwagen zu rufen.
    „Nein, …ihr müsst… kein Krankenhaus anrufen… mein Herz ist …nicht krank… das ist meine Seele… die ist verletzt…“
    „Du hast hier doch bestimmt ein Zimmer. Sollen wir raufgehen, da kannst du dich ausruhen.“ sagte ich, denn erstens ging mir Wang auf dem Wecker, zweitens sahen schon die zwei Geschäftstypen zu uns rüber und drittens brauchte Itachi wohl vor allem Ruhe.
    Itachi nickte, atmete noch einmal tief durch, wischte sich mit der Hand die Tränen aus dem Gesicht und trank dann den letzten Rest Sake, der noch im Schälchen war, aus.
    Die Zimmer lagen, wie in den meisten Hotels, im ersten Stock. Ich nahm mein Portmonee heraus und bezahlte mein Glas Sekt und Itachis Sake. Wang grinste mich an und als er das Wechselgeld aus der Kasse nahm, sagte er: „Du bist 'ne echte Jungsversteherin, 'ne?“
    Ich warf ihm einen genervten Blick zu und wandte mich wieder Itachi zu, der aufstand und langsam auf die Treppe zuging, die zwischen Garderobe und Restaurant nach oben führte.
    Während wir die Treppe hinaufgingen, sagte keiner von uns ein Wort. Itachi schien sich wieder ein bisschen beruhigt zu haben. Als wir vor der Tür seines Zimmers standen, drehte er sich zu mir um und fragte: „Maria, warum hast du dich eigentlich neben mich gesetzt? Weil der Mann hinter der Bar das gesagt hat?“
    „Nein.“ antwortete ich, „ich komme jeden Samstagabend in die Bar und wenn ein Typ da ist, der mich interessiert, dann spreche ich den an. Wang hat dabei nichts zu sagen.
    Itachi schloss die Tür auf und als wir beide das Zimmer betraten, fragte er noch: „Also hast du schon mit vielen Männern gesprochen? Oder noch mehr getan? Entschuldige bitte, dass ich frage, aber…“
    „Ist schon gut. Ja, ich bin, was Typen angeht, sprunghaft, falls du das meinst.“ antwortete ich und dachte, mehr unbewusst: „Mit dir könnte es etwas Besonderes werden.“ irgendwie hatte sich etwas in mir schon darauf eingestellt, die Nacht mit diesem Mann zu verbringen. Obwohl er ganz offensichtlich schon in einer festen Verbindung war. Mein Blick wanderte zu dem silbernen Ring. Itachi bemerkte das.
    „Meine Verlobte kann im Moment nicht bei mir sein. Sie fehlt mir. Seelisch und…“ sagte er. Das machte ganz sicher der Sake, dass er mir das so einfach erzählte.
    „Bestimmt siehst du sie bald wieder.“
    „Vielleicht. Sie hat zu mir gesagt, dass ich, falls sie zu lange weg ist und mein Gesundheitszustand noch schlechter wird…“ er brach ab und ich glaubte, einen Hauch von Rot auf seinen Wangen zu erkennen.
    „Was?“ fragte ich.
    „Ich soll mir für die Zwischenzeit eine andere nehmen, eine andere Frau, die mich glücklich macht, damit ich überlebe.“
    „Bist du sehr krank?“
    „Ja. Mein Herz leidet, da meine Seele verletzt ist, meine Augen sind nicht mehr gut und ich habe eine nicht unerhebliche Menge Gift im Körper.“
    „Du gehörst in ein Krankenhaus.“
    „Das geht nicht. Wirklich nicht. Meine einzige Chance, gesund zu werden, ist die Versöhnung mit meinem jüngeren Bruder. Er hasst mich und das spüre ich jeden Tag. Wenn das so weitergeht, werde ich allein an seinen Hassgefühlen sterben. Er will mich umbringen und weiß dabei nicht, dass er es schon seit Jahren tut.“
    „Warum hasst er dich denn so?“ fragte ich, da ich mir nicht vorstellen konnte, warum jemand einen so lieben Menschen wie Itachi hasste. Ich kannte ihn zwar erst seit zwanzig Minuten, aber er hatte schon jetzt mehr Eindruck hinterlassen als jeder andere Mann, den ich hier getroffen hatte. Ich beneidete diese Frau, die das Glück hatte, mit ihm verlobt zu sein und auch noch stark genug war, ihm während ihrer Abwesenheit Seitensprünge zu erlauben.
    „Liebst du deine Verlobte?“ fragte ich.
    „Ja. Sehr sogar.“ sagte er, sichtlich froh, dass ich die Frage nach den Gründen für den Hass seines Bruders nicht noch einmal gestellt hatte. Ich wusste nicht ob ich das wissen sollte. Meine Aufgabe in diesem Fall war jetzt klar: Ich sollte so ein Seitensprung sein. Das war kein Problem, schließlich tat ich so etwas öfter.
    „Und tust du, was sie dir sagt? Also, würdest du auch eine Nacht mit einer anderen Frau verbringen?“ versicherte ich mich.
    „Ich hab keine Wahl mehr. Nur Liebe kann meine Lebensenergie auffüllen. So seltsam das klingt. Wenn ich das nicht tue, überlebe ich nicht.“ antwortete er.
    „Gut. Ich bin hier. Wir könne alles tun, was du möchtest.“ sagte ich.
    Er war schüchtern. Das hatte ich sofort bemerkt und jetzt fragte ich mich, ob die Menge Sake, die er getrunken hatte, das verstärkte oder ihn lockerer machte.
    Itachi zog, ganz japanisch, seine Schuhe aus und ich folgte automatisch seinem Beispiel.
    „Darf ich mal fragen, wie deine Verlobte heißt?“ fragte ich.
    „Sie heißt Konan.“ sagte Itachi. Seine Augen schimmerten wieder verdächtig.
    „Und wie heißt dein Bruder?“ die Frage war mir rausgerutscht und schon bereute ich sie. Itachi würde gleich wieder weinen.
    „Sasuke.“ flüsterte er mit zitternder Stimme.
    „Tut mir leid. Die Frage ist mir so rausgerutscht.“
    Itachi ging schwankend zum mit roter Seide bezogenen Bett hinüber und ließ sich auf die Bettdecke fallen. Er weinte, wirkte völlig erschöpft und, wie man so sagte, „fertig mit der Welt“. Ich fragte mich, wie viel er schon durchgemacht hatte. Bestimmt mehr als die meisten verkraften konnten.
    Diese Situation war für mich völlig ungewohnt. Ich war noch nie mit einem völlig erschöpften, weinenden Mann aufs Hotelzimmer gegangen. Die meisten Typen, die ich bisher angesprochen hatte, waren gut drauf gewesen. Zuerst wusste ich nicht so recht, was ich tun sollte, aber dann war alles ganz logisch: ich würde ihn erstmal trösten, dann dafür sorgen, dass es ihm besser ging und dann konnte er mir immer noch alles erzählen, wenn er wollte.
    Ich setzte mich neben ihn aufs Bett. Er lag auf der Seite und als ich mich auf den Rücken fallen ließ und den Kopf nach rechts drehte, sah ich in sein Gesicht.
    „Du solltest tun, was deine Verlobte dir sagt. So allein kommst du jedenfalls nicht weiter, wenn du nicht ins Krankenhaus willst. Konan will doch, dass es dir gut geht und ich bin sicher, dass es noch mehr Menschen gibt, die sich Sorgen um dich machen.“ sagte ich, streckte die Hand aus und strich durch sein langes, schwarzes Haar. Es war vorn schon ganz nass von seinen Tränen. Mit der anderen Hand öffnete ich den seitlichen Reißverschluss meines Kleides und schob die Träger runter. Auf einmal fiel mir das grelle Licht der Deckenlampe auf. Ich stand auf, ging zum Lichtschalter und machte das Licht aus. Danach ließ ich die Rollläden herunter, bis nur noch ganz wenig Licht hereinkam.
    „Ich habe bisher immer darauf vertrauen können, dass Konan weiß, was das Richtige ist. Vielleicht sollte ich wirklich auf sie hören.“ sagte Itachi im Dunkeln. Seine Stimme klang nicht mehr ganz so traurig. Ich hörte Stoff rascheln, auf den Boden fallen, dann, wie die Bettdecke beiseite gezogen wurde. Vorsichtig ging ich zum Bett zurück. Als ich davor stand, berührte mein Fuß Itachis Kleider, die auf dem Boden lagen. Ich ließ mein Kleid fallen und stieg vorsichtig tastend zu ihm ins Bett.
    „Machst du sowas wirklich öfter?“ fragte er.
    „Ja. Ich bin kein Dategirl oder so, aber ich will eben Spaß haben. Die anderen Leute, die ich kenne, machen dasselbe auf Partys.“ sagte ich. Dabei dachte ich an Ronja, die wahrscheinlich gerade in der Disco mit irgendeiner anderen Lesbe rumknutschte.
    „Du verliebst dich also nicht, sondern tust das allein der Freude wegen?“ hakte er nach.
    „Genau. Du musst dir um mich keine Sorgen machen. Ich seh das alles wirklich sehr locker.“
    „Ich war mir, als Konan das sagte, nicht sicher, ob ich das könnte – mit einer anderen Frau.“ sagte Itachi, „aber jetzt… es fühlt sich an, als ob es möglich ist, ohne Gefühle zu entwickeln.“
    Meine Hände fanden sein Gesicht, wischten Tränen weg und berührten sein Haar. Ich rückte langsam näher an ihn heran und nahm einen feinen Duft nach weißem Reis war, vermischt mit einem schwachen Geruch von Sake. Und weiße Schokolade. Ganz eindeutig gehörte Itachi zu den wenigen Menschen, denen man kaum anmerkte, wenn sie betrunken waren. Er sprach ganz normal, roch kaum nach Alkohol und schien genau zu wissen, was er tat, obwohl er drei Flaschen Sake getrunken hatte. Solche Typen waren viel zu selten, fand ich.
    „Früher war ich, wenn es um Liebe ging, sehr schüchtern.“ sagte er, „und wenn ich heute Abend nicht so viel getrunken hätte, wäre ich wohl nicht so einfach mit dir ins Zimmer gegangen.“
    „Dann waren die drei Flaschen Sake ja doch zu was gut.“ erwiderte ich, berührte wieder sein Gesicht, fand seine Lippen, beuget mich über ihn und begann, ihn zu küssen. War der Sake der Grund oder war es Itachis verletzte Seele, die sich danach sehnte? Vielleicht auch beides zusammen. Das Ergebnis war dasselbe: Itachi erwiderte den Kuss so heiß und gekonnt, dass ich für einen Moment glaubte, er sei mehr als nur ein Mensch. Seine Hand lang auf meinem Rücken und öffnete die Häkchenverschlüsse meiner Wäsche. Er streifte alles, was im Weg war, beiseite, dann zog er mich eng an sich. Eine Art Kurzfassung seiner Gefühlslage sprang auf mich über: sein Herz tat weh, es schien seelisch einen tiefen Riss zu haben. Er vermisste Konan, seine Heimat und seine Familie, von der er vor Jahren getrennt worden war. Und er machte sich große Sorgen um seinen Bruder Sasuke. Außerdem stimmte etwas mit seinen Augen nicht.
    Ich brauchte Luft und löste meine Lippen vorsichtig von seinen.
    „Haaaah…“ er seufzte leise, seine warmen Lippen berührten meinen Hals, während er mich noch enger an sich zog. Ich schlang meine Arme um ihn und spürte bewusst seine Haut, seinen warmen Körper an meinem. Seine Herz schien an meine Rippen zu klopfen und er strahlte immer mehr erregte Wärme aus. Normalerweise verliebte man sich in so einem Moment, aber ich war da irgendwie anders. Vielleicht musste ich den Richtigen erst ganz weit ab von diesem Barbekanntschaften-Leben finden.
    Alles, was danach kam, war mit Worten kaum zu beschreiben. „Wunderschön“ war untertrieben, „beste Nach meines Lebens“ traf es auch nicht ganz und „heiß“ klang oberflächlich, als ich danach darüber nachdachte. Itachi lag in meinen Armen und ich hatte das Gefühl, etwas Gutes für jemand besonderes getan zu haben. Er war so unglaublich gut gewesen. Nicht nur, dass er einen wundervollen Körper hatte, er war auch so liebevoll gewesen und schien jede Menge Übung zu haben. Ich war wirklich ein bisschen neidisch auf seine Verlobte und fragte mich, wie sie wohl aussah. Sicher hatte jemand, der so gut aussah wie Itachi, auch eine schöne Frau an seiner Seite.
    Irgendwann schlief ich auch ein und als ich wieder aufwachte, schien Licht an den Rollläden vorbei. Itachi schlief immer noch.
    Als er dann irgendwann aufwachte, fragte ich ihn: „Geht es dir jetzt etwas besser?“
    Er nickte. In dem Moment veränderten sich seine dunklen Augen. Die Iris wurden rot, mit einem schwarzen, mandala-artigen Muster um die Pupille herum.
    „Was ist das denn?“ fragte ich erschrocken.
    „Nichts weiter. Nur meine Sharingan. Wenn ich genug Kraft habe, benutze ich sie, um besser sehen zu können. Ohne sie bin ich fast blind.“ sagte Itachi.
    Ich war mir sowieso inzwischen sicher, dass er kein normaler Mensch war und nach dieser Nacht wunderte mich bei ihm so gut wie gar nichts mehr. Ich fragte nicht weiter nach. Wenn er „nichts weiter“ sagte, nahm er es wohl nicht allzu wichtig, hielt es zumindest für etwas, das ich nicht unbedingt wissen musste.
    „Was wirst du als Nächstes tun.“ wollte ich wissen.
    „Ich weiß es nicht. Vielleicht gehe ich zu Konan. Sie ist gerade in Paris, zusammen mit meiner Großmutter. Die Fahrt bis dahin kann ich noch bezahlen.“ antwortete Itachi.
    „Wo ist eigentlich deine Mutter?“ fragte ich weiter, während ich mich wieder anzog.
    Itachi zuckte zusammen, dann sagte er leise: „Meine Mutter ist in Afrika, weit im Süden, in Mosambik. Sie hat dort eine Klinik für Augenkrankheiten.“
    Ich wusste, was ein Flugticket nach Südafrika kostete. Das Geld hatte ich.
    „Ich bezahl dir den Flug. Du hast deine Mutter sehr lieb, das merkt man, und du musst sie schleunigst wiedersehen. Wenn sie ein Krankenhaus hat, umso besser, denn du brauchst medizinische Hilfe.“
    Die Antwort war ein engelsgleich strahlendes Lächeln, wie ich es noch nie gesehen hatte. Itachis Augen leuchteten und eine Welle glücklicher Energie überflutete den Raum. Sie war so deutlich zu spüren, dass ich mich fragte, ob Wang unten an der Bar auch etwas davon merkte. Der stand nämlich nach der Nachtruhe garantiert wieder da unten rum und wartete, dass ich ihm was über Itachi erzählte. Was ich aber sicher nicht tun würde.
    Ich ging ins Bad, um mich ein bisschen frischzumachen. Als ich wieder zurückkam, saß Itachi mit dem Hoteltelefon in der Hand und vollständig angezogen auf der Bettkante. In der anderen Hand hielt er einen Zettel mit einer ausländischen Telefonnummer.
    Er sprach Französisch, was ich gut konnte: [ich schreib das jetzt einfach mal auf Deutsch, weil es das sonst mit der Rechtschreibkontrolle im Computer nicht klappt]
    „Entschuldigen sie, dass ich sie so früh am Morgen störe, Madame. Mein Name ist Itachi Uchiha, ich bin der ältere Sohn von Ikue Uchiha. Sie kennen sie wahrscheinlich unter dem Decknamen Nagai. Könnte ich bitte meine Mutter sprechen?“
    Eine Pause folgte, in der ich versuchte, das, was die Person am anderen Ende der Leitung, wahrscheinlich in Afrika, sagte, von Itachis Gesicht abzulesen.
    „Sie ist nicht da?“ fragte er überrascht, „aber wo ist sie dann?“
    Wieder sprach die Person in Afrika und Itachi wurde währenddessen immer blasser.
    „Sind sie ganz sicher? Sie haben wirklich meinen Bruder gesehen?“
    Das Telefon fiel im aus der Hand und die Stimme aus dem Hörer war im ganzen Raum zu hören:
    „Ja, ich bin ganz sicher. Ihr Bruder hat eine sehr auffällige Ausstrahlung. Er war sehr aufgeregt und er hat geweint, aber als er mit Ihrer Mutter gesprochen hatte, sind sie zusammen aufgebrochen nach Deutschland, weil Ikue eine Arbeit dort zu tun hat.“
    „Diese Arbeit, wo ist die?“ fragte Itachi aufgeregt.
    Die Frauenstimme antwortete: „In der Augenklinik Harburg. Sie und Sasuke sind heute Morgen aufgebrochen.“
    „Ich werde sie besuchen.“ sagte Itachi mit zitternder Stimme, „Vielen Dank.“ seine Hände zitterten, er war furchtbar blass und seine roten Augen schwammen in Tränen. Die Tränen schimmerten rot, was aber nicht an seiner Augenfarbe lag.
    „Mach dir keine Sorgen, weil ich Blut heule.“ sagte er, „das ist bei mir normal. Immer, wenn ich sehr aufgeregt bin. Ich habe meine Mutter seit zehn Jahren nicht mehr gesehen und diese Frau, die in Mamas Krankenhaus arbeitet, hat gerade gesagt, dass Sasuke dort aufgetaucht ist.“
    „Und warum regt dich das so auf?“ wollte ich wissen.
    „Weil der Grund, warum Sasuke mich hasst, folgender ist: Ich habe ihm zehn Jahre lang in dem Glauben leben lassen, dass ich unsere gesamte Familie ermordet hätte. Das ging damals nicht anders. Sonst wären wirklich viele Menschen gestorben. Seitdem will Sasuke sich an mir rächen. Er hat geschworen, mich umzubringen, wenn er mich das nächste Mal sieht. Aber jetzt sieht es anders aus. Er weiß jetzt irgendwoher, dass meine Mutter lebt und ist zu ihr nach Afrika gereist. Und jetzt sind meine Mutter und er hier. Diese Augenklinik in Harburg ist nicht sehr weit entfernt von hier, oder? Wenn die Mitarbeiterin meiner Mutter jetzt bei ihr anruft und ihr erzählt, dass ich mich gemeldet habe…“ Itachi brach wieder zusammen. Blutige Tränen tropften auf das rotseidene Bettzeug.
    „Hey, das heißt doch, dass alles gut wird.“ ich nahm ihn in meine Arme und gab ihm einen Kuss auf die Wange.
    Itachi brauchte eine Weile, um sich richtig auszuweinen, aber danach schien es ihm besser zu gehen. Ich war froh, hier zu sein und ihm helfen zu können.
    Unten an der Rezeption hörte ich Wang aufgeregt reden. Er rief, dass er aus Diskretionsgründen keine Angaben über Gäste machen könne und dass Schwerter hier verboten seien.
    Itachi sprang auf, als hätte ihn eine Wespe gestochen.
    „Halt die Klappe!“ rief eine junge, harte Stimme unten, „ich gehöre sowieso nicht zu diesem Land, also sind mir eure Gesetze egal.“
    Dann rannte jemand die Treppe hinauf.
    „Halt! Stehenbleiben, Junge!“ schrie Wang.
    „Sasuke.“ flüsterte Itachi.
    Die Schritte von der Treppe kamen schnell näher. Dann wurde die Tür aufgerissen. Im Türrahmen stand ein Junge, etwa achtzehn Jahre alt. Er trug ähnliche Kleidung wie Itachi: ein einfaches, schwarzes T-Shirt, eine schwarze Hose und dieselben Schuhe. Sein schwarzes Haar war kürzer, stand am Hinterkopf ab, aber vorn rahmten zwei breite Strähnen sein schönes Gesicht mit den schwarzen Augen. Obwohl er Itachi im Gesicht nur ein wenig ähnlich sah, erkannte ich sofort, dass dieser Junge nur Sasuke sein konnte.
    Einen Moment lang stand er wie angewurzelt in der Tür. Dann sagte er in diesem seltsamen Japanisch: „Nani wa anata wo mono shite imasu ka, oniisan?“ es klang so, wie wenn jemand nach einem Unfall fragt: „Was machst du denn nur für Sachen?“
    „Wakarimasen.“ flüsterte Itachi, dem offensichtlich die Stimme versagte.
    Sasuke schlug die Tür hinter sich zu. Er ging er auf Itachi zu und umarmte ihn. Einen Moment lang war es so still, dass ich glaubte, Itachis Herz wahnsinnig aufgeregt schlagen zu hören. Dann sah ich, wie Itachi ohnmächtig wurde. Sasuke hielt ihn fest und flüsterte: „Was machst du nur für Sachen, Bruder? Mama sorgt sich halb tot wegen dir!“
    Ich holte eine von meinen Visitenkarten aus meiner Handtasche, legte sie auf den Nachttisch und schlich vorbei an den beiden, die jetzt eindeutig erst mal alleine reden mussten, hinaus.
    „He, Maria, was…“ setzte Wang an, als ich an ihm vorbeiging.
    „Halt die Klappe.“ zischte ich und verließ das Hotel.
    Draußen hielt gerade Ronja ihren Roller an und nahm den Helm ab. Ich musste mich erst wieder an die Welt draußen gewöhnen. Die Nacht mit Itachi war wie eine andere Welt gewesen.
    „Und?“ fragte Ronja, „hast du ein paar Typen aufgerissen?“
    „Nur einen.“ sagte ich.
    Normalerweise tratschte ich bei ihr über die Männer, die ich getroffen hatte, aber irgendetwas hielt mich davon ab, über Itachi zu sprechen. Seine roten Augen und das mit seiner Familie war zu anders, um darüber zu tratschen.
    „Und?“
    „Ausnahmsweise rede ich mal nicht drüber, okay?“ antwortete ich und stieg zu Ronja auf den Roller.

article
1333553463
Eine rettende Nacht
Eine rettende Nacht
Es geht um eine junge, europäische Frau namens Maria und um Itachi nach dem Ende der Akatsuki. Einfach lesen. Achtung, heiß!
http://www.testedich.de/quiz30/quiz/1333553463/Eine-rettende-Nacht
http://www.testedich.de/quiz30/picture/pic_1333553463_1.jpg
2012-04-04
407D
Naruto

Kommentare (2)

autorenew

Claudia (79378)
vor 1049 Tagen
echt toll unbedingt weiter schreiben
Anonym (53747)
vor 1192 Tagen
Das beste was ich jemals gelesen hab echt keine andere Beschreibung als SUPER